#08 Maschinist im Jugendstilkraftwerk Heimbach episode artwork

EPISODE · Jul 4, 2021 · 4 MIN

#08 Maschinist im Jugendstilkraftwerk Heimbach

from Der Wandel entlang des RurUfer-Radwegs · host RurUfer-Radweg

Als aus Wasser Strom wurde, kam Licht ins Dunkel der Eifel. "Es ist schon etwas seltsam. Früher war in diesem Jugendstilbau der Lärm so ohrenbetäubend, dass sich der Obermaschinist nur mit Trillerpfeife und Glocke bemerkbar machen konnte. Ich hatte meine Arbeitssachen an, war mit Öl beschmiert und von der Arbeit an den wärmestrahlenden Maschinen durchgeschwitzt. Und jetzt, sitzen hier Frauen in schicken Kleidern und Männer in ihren besten Anzügen und hören Mozart, Rachmaninow und Bartholdy. Aber von vorne: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war diese Gegend eines der schwerst zugänglichen, ärmsten Gebiete am Rande des Deutschen Reiches. Die Menschen hatten mit Hungersnöten und Krankheiten zu kämpfen. Mit dem Bau des Wasserkraftwerks hier in Heimbach im Jahr 1904 wurde das „Armenhaus der Nation“ dann aber zum Vorreiter in Sachen Innovation. Der Grund hierfür war die geographische Lage: Die Rur und die Urft führten mal zu viel und mal zu wenig Wasser, Trockenheit und Überschwemmung wurden zum Problem der anliegenden Fabriken. Ein Stausee sollte dieses Problem lösen – und dort, wo Wasser gestaut wird, kann auch Strom produziert werden. Und so baute man neben der Staumauer auch einen 2.748 m langen Stollen hierher nach Heimbach. Seitdem fließt das Wasser von der Urfttalsperre, durch das natürliche Gefälle von 110 Metern, einmal quer durch den Kermeter und kann hier in Strom umgewandelt werden. Der Strom in der Eifel führte dann auch zu einer echten Kulturveränderung: Wenn es früher im Winter dunkel wurde, mussten die meisten Tätigkeiten eingestellt werden. An Lesen oder Arbeit im Freien war nicht zu denken. Die Haushalte besaßen Petroleumlampen, die bestenfalls in wenigen Zimmern ein Schummerlicht erzeugten. Der Hof, der Stall, die Schlafräume waren finster. Zwar kannten größere Ortschaften Straßenbeleuchtung mit Gas, in den kleineren war das aber nicht an der Tagesordnung. Als in der Eifel dann das Licht anging und der Mensch über die Nacht „siegte“, verschob sich damit die Grenze zwischen Tag und Nacht. Auf einmal konnte bis spät in die Nacht gearbeitet werden, der Strom betrieb Maschinen und schuf so neue Produktivität. Das war für die Eifel ein großer Gewinn und nicht umsonst, hatten wir Maschinisten aus dem Kraftwerk ein gutes Ansehen in der Bevölkerung. Bei seiner Einweihung war das Wasserkraftwerk Heimbach das modernste und größte in ganz Europa und versorgte die gesamte Region von Aachen nach Düren und Jülich bis an die Mosel. Schon zehn Jahre später war es zu klein, um die Strommengen zu produzieren, die die Region inzwischen verbrauchte. Weitere Energieerzeuger mussten her und damit war das Jugendstilkraftwerk nicht mehr die einzige Energiequelle der Region. Und obwohl der Stromverbrauch immer weiter stieg, nahm die Anzahl der benötigen Maschinisten immer weiter ab: Zu Beginn waren wir noch zu viert im Einsatz, um die Maschinen zu bedienen, die von den acht Turbinen angetrieben wurden. Mit dem Umbau im Jahr 1975, bei dem ein neues, moderneres Kraftwerk in die Hülle des Jugendstilkraftwerks gebaut wurde, brauchte man dann nur noch eine Person, die die Maschinen anfährt und abstellt oder im Notfall Bereitschaft hatte. Und heute – mit der neuesten Leittechnik – sind die Maschinen über das Internet von überall steuerbar. Aber während sich drumherum alles verändert hat, ist das Bauwerk auch nach 100 Jahren so gut wie unverändert. Und jetzt, jetzt erklingt hier regelmäßig die schönste Kammermusik der Welt. Beim Festival „Spannungen“, das hier jedes Jahr in der ersten Junihälfte stattfindet, sitzen die Leute jetzt andächtig zwischen Art-Deco Lampen, glänzenden Messinginstrumenten und alten Turbinen – meinen guten alten Turbinen – und lauschen der besten Kammermusik der Welt, gespielt von internationalen Starmusikern." Infos und Tipps für Deine individuelle Tour auf dem RurUfer-Radweg findest Du auf www.rurufer-radweg.de

Als aus Wasser Strom wurde, kam Licht ins Dunkel der Eifel. "Es ist schon etwas seltsam. Früher war in diesem Jugendstilbau der Lärm so ohrenbetäubend, dass sich der Obermaschinist nur mit Trillerpfeife und Glocke bemerkbar machen konnte. Ich hatte meine Arbeitssachen an, war mit Öl beschmiert und von der Arbeit an den wärmestrahlenden Maschinen durchgeschwitzt. Und jetzt, sitzen hier Frauen in schicken Kleidern und Männer in ihren besten Anzügen und hören Mozart, Rachmaninow und Bartholdy. Aber von vorne: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war diese Gegend eines der schwerst zugänglichen, ärmsten Gebiete am Rande des Deutschen Reiches. Die Menschen hatten mit Hungersnöten und Krankheiten zu kämpfen. Mit dem Bau des Wasserkraftwerks hier in Heimbach im Jahr 1904 wurde das „Armenhaus der Nation“ dann aber zum Vorreiter in Sachen Innovation. Der Grund hierfür war die geographische Lage: Die Rur und die Urft führten mal zu viel und mal zu wenig Wasser, Trockenheit und Überschwemmung wurden zum Problem der anliegenden Fabriken. Ein Stausee sollte dieses Problem lösen – und dort, wo Wasser gestaut wird, kann auch Strom produziert werden. Und so baute man neben der Staumauer auch einen 2.748 m langen Stollen hierher nach Heimbach. Seitdem fließt das Wasser von der Urfttalsperre, durch das natürliche Gefälle von 110 Metern, einmal quer durch den Kermeter und kann hier in Strom umgewandelt werden. Der Strom in der Eifel führte dann auch zu einer echten Kulturveränderung: Wenn es früher im Winter dunkel wurde, mussten die meisten Tätigkeiten eingestellt werden. An Lesen oder Arbeit im Freien war nicht zu denken. Die Haushalte besaßen Petroleumlampen, die bestenfalls in wenigen Zimmern ein Schummerlicht erzeugten. Der Hof, der Stall, die Schlafräume waren finster. Zwar kannten größere Ortschaften Straßenbeleuchtung mit Gas, in den kleineren war das aber nicht an der Tagesordnung. Als in der Eifel dann das Licht anging und der Mensch über die Nacht „siegte“, verschob sich damit die Grenze zwischen Tag und Nacht. Auf einmal konnte bis spät in die Nacht gearbeitet werden, der Strom betrieb Maschinen und schuf so neue Produktivität. Das war für die Eifel ein großer Gewinn und nicht umsonst, hatten wir Maschinisten aus dem Kraftwerk ein gutes Ansehen in der Bevölkerung. Bei seiner Einweihung war das Wasserkraftwerk Heimbach das modernste und größte in ganz Europa und versorgte die gesamte Region von Aachen nach Düren und Jülich bis an die Mosel. Schon zehn Jahre später war es zu klein, um die Strommengen zu produzieren, die die Region inzwischen verbrauchte. Weitere Energieerzeuger mussten her und damit war das Jugendstilkraftwerk nicht mehr die einzige Energiequelle der Region. Und obwohl der Stromverbrauch immer weiter stieg, nahm die Anzahl der benötigen Maschinisten immer weiter ab: Zu Beginn waren wir noch zu viert im Einsatz, um die Maschinen zu bedienen, die von den acht Turbinen angetrieben wurden. Mit dem Umbau im Jahr 1975, bei dem ein neues, moderneres Kraftwerk in die Hülle des Jugendstilkraftwerks gebaut wurde, brauchte man dann nur noch eine Person, die die Maschinen anfährt und abstellt oder im Notfall Bereitschaft hatte. Und heute – mit der neuesten Leittechnik – sind die Maschinen über das Internet von überall steuerbar. Aber während sich drumherum alles verändert hat, ist das Bauwerk auch nach 100 Jahren so gut wie unverändert. Und jetzt, jetzt erklingt hier regelmäßig die schönste Kammermusik der Welt. Beim Festival „Spannungen“, das hier jedes Jahr in der ersten Junihälfte stattfindet, sitzen die Leute jetzt andächtig zwischen Art-Deco Lampen, glänzenden Messinginstrumenten und alten Turbinen – meinen guten alten Turbinen – und lauschen der besten Kammermusik der Welt, gespielt von internationalen Starmusikern." Infos und Tipps für Deine individuelle Tour auf dem RurUfer-Radweg findest Du auf www.rurufer-radweg.de

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Flottengeflüster ALD Automotive Österreich | LeasePlan Beim Flottengeflüster powered by ALD Automotive | LeasePlan präsentieren Jörg Janik und Peter Gutenbrunner alle zwei Wochen spannende Informationen rund um das Thema nachhaltige Mobilität. Beide beschäftigen sich schon lange mit der Thematik und bringen umfangreiches Fachwissen mit. Sollten sie aber doch einmal nicht weiter wissen, werden unsere Expert*innen hinzugezogen, die ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite stehen. Denn sie wissen was sie wandern Manuel Andrack Alles über Premiumwanderwege, die schönsten Wege in Deutschland. Sensationelle Outdoor-Erlebnisse auf 750 Premiumwegen. Moderiert von Manuel Andrack (Sidekick der Harald Schmidt Show) und Klaus Erber (Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts.) Lebe deine Wahrheit Larissa Geiges Was heißt es eigentlich die eigene Wahrheit zu leben? Und wie finde ich sie überhaupt?Für mich bedeutet es, die ehrlichste Version von mir selbst zu sein. All die Masken abnehmen, mit denen wir durch unser Leben gehen, den Menschen zu leben, der man im Kern ist.Wir dürfen immer entscheiden welchen Weg wir gehen. Den Eigenen oder den, den andere für uns gewählt haben. In diesem Podcast nehme ich dich mit auf meine Reise und wünsche mir, dass du viele wertvolle Impulse für dich und deinen Weg mitnehmen kannst. Ich teile mit dir welche Schritte ich auf dem Weg zu meiner Wahrheit gegangen bin und welche Prozesse ich auch heute noch durchlaufe. Ich teile meine Struggles und Ängste mit dir und meine Erkenntnise aus all den Phasen, durch die ich noch gehe und schon gegangen bin.Ich freue mich sehr, wenn du Teil hiervon bist und ich dich auf deinem Weg zu deiner ganz eigenen Wahrheit ein Stück begleiten darf.Alles Liebe für dich,deine Larissa Ich will Köpfe rollen seh'n ! Lieder-Fuzzi Ein Song gegen das Vergessen der kranken Corona-Zeit.

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