EPISODE · Nov 17, 2023 · 34 MIN
#18: Die Anfänge von “True Crime”? Truman Capote und Andrea Maria Schenkel
from Seitenweise Glück · host Dörte Apel, Hella Hoofdmann
“True Crime”-Formate, also auf wahren Verbrechen beruhende Erzählungen, feiern aktuell Riesen-Erfolge. Vor allem als Podcast und Streaming-Serie. Hella und Dörte haben literarische Ursprünge dieses Riesen-Trends gesucht und zwei spannende Bestseller gefunden. Sie sind vor 15 und fast 60 (!) Jahren erschienen – und heute aktueller denn je. Truman Capotes “Kaltblütig” war 1965 eine Sensation: der Roman, in dem der US-Autor einen grausamen Vierfach-Mord an einer Farmer-Familie in Kansas literarisch aufarbeitet, machte ihn weltbekannt. In einer Novembernacht des Jahres 1959 wird auf der River-Valley-Farm die Familie Clutter - Vater, Mutter, Tochter, Sohn - “kaltblütig” erschossen. Der Autor reist zum Tatort, führt Interviews, sammelt Berichte, beobachtet, notiert, recherchiert – auch bei den bald gefassten Tätern, ehemalige Gefängnis-Insassen - und schafft so nicht nur einen kunstvoll konstruiertes mitreißendes, vielschichtiges Buch, sondern auch eine neue Form der Literatur: Ein auf einem wahren Verbrechen beruhenden Roman. Auch die Grundlage von “Tannöd” von Andrea Maria Schenkel ist ein tatsächlich geschehenes Verbrechen: Auf einem einsamen Hof in Bayern werden sechs Personen – der Bauer und seine Frau, ihre Tochter und deren zwei Kinder und eine Magd - grausam erschlagen. Schon vorher ging Merkwürdiges vor: Spuren im Schnee führten zum Haus hin, aber nicht mehr weg. Die Bewohner hörten nachts Schritte über ihnen auf dem Speicher, der Haustürschlüssel wurde vermisst ... Die Handlung rund um die Mordtat, die 1922 wirklich auf einem anderen Hof in einer anderen Gegend geschah, versetzt die Autorin in die 50er Jahre in Bayern. Die Stimmen, die in “Tannöd” kapitelweise von den Geschehnissen erzählen, sind fiktiv: Nachbarn, Dorfbewohner, Klassenkameraden der Kinder, die Magd. Doch einige von ihnen kommen so oder ähnlich auch in den inzwischen vielfach aufgearbeiteten Ermittlungen des Mordfalls 1922 vor. Mit einem großen Unterschied: Der oder die Täter wurden in Wirklichkeit nie gefunden …
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“True Crime”-Formate, also auf wahren Verbrechen beruhende Erzählungen, feiern aktuell Riesen-Erfolge. Vor allem als Podcast und Streaming-Serie. Hella und Dörte haben literarische Ursprünge dieses Riesen-Trends gesucht und zwei spannende Bestseller gefunden. Sie sind vor 15 und fast 60 (!) Jahren erschienen – und heute aktueller denn je. Truman Capotes “Kaltblütig” war 1965 eine Sensation: der Roman, in dem der US-Autor einen grausamen Vierfach-Mord an einer Farmer-Familie in Kansas literarisch aufarbeitet, machte ihn weltbekannt. In einer Novembernacht des Jahres 1959 wird auf der River-Valley-Farm die Familie Clutter - Vater, Mutter, Tochter, Sohn - “kaltblütig” erschossen. Der Autor reist zum Tatort, führt Interviews, sammelt Berichte, beobachtet, notiert, recherchiert – auch bei den bald gefassten Tätern, ehemalige Gefängnis-Insassen - und schafft so nicht nur einen kunstvoll konstruiertes mitreißendes, vielschichtiges Buch, sondern auch eine neue Form der Literatur: Ein auf einem wahren Verbrechen beruhenden Roman. Auch die Grundlage von “Tannöd” von Andrea Maria Schenkel ist ein tatsächlich geschehenes Verbrechen: Auf einem einsamen Hof in Bayern werden sechs Personen – der Bauer und seine Frau, ihre Tochter und deren zwei Kinder und eine Magd - grausam erschlagen. Schon vorher ging Merkwürdiges vor: Spuren im Schnee führten zum Haus hin, aber nicht mehr weg. Die Bewohner hörten nachts Schritte über ihnen auf dem Speicher, der Haustürschlüssel wurde vermisst ... Die Handlung rund um die Mordtat, die 1922 wirklich auf einem anderen Hof in einer anderen Gegend geschah, versetzt die Autorin in die 50er Jahre in Bayern. Die Stimmen, die in “Tannöd” kapitelweise von den Geschehnissen erzählen, sind fiktiv: Nachbarn, Dorfbewohner, Klassenkameraden der Kinder, die Magd. Doch einige von ihnen kommen so oder ähnlich auch in den inzwischen vielfach aufgearbeiteten Ermittlungen des Mordfalls 1922 vor. Mit einem großen Unterschied: Der oder die Täter wurden in Wirklichkeit nie gefunden …
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