EPISODE · Apr 20, 2026 · 19 MIN
#3 Dissoziation
from Freiwärts - Aus dem Trauma in die Kraft · host Stefan Lassnig, Regina Lackner
In „Freiwärts – Aus dem Trauma in die Kraft“ begleitet die klinische Psychologin, Psychotherapeutin und Traumatherapeutin Regina Lackner Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, auf ihrem Weg zurück in ihre innere Stärke. In dieser Folge beschreibt Regina Dissoziation als Zustand, in dem wir uns von uns selbst, unserem Körper und unserer Mitwelt getrennt erleben, etwa „wie durch einen Schleier“ oder „in Watte gehüllt“. Anhand von Sara zeigt sie, wie eine Bindungstraumatisierung zur inneren Selbstaufgabe und späteren chronischen Dissoziationen führen kann. Sarah wuchs in einem familiären Klima auf, das von den hohen elterlichen Erwartungen geprägt war, denen ihre Persönlichkeit, Ihr Wesen und ihre Fähigkeiten nicht entsprachen. Zugleich war die Zuneigung ihrer Eltern an das Erfüllen der Erwartungen gekoppelt. Durch die Unmöglichkeit ihren Eltern gerecht zu werden, erlebte Sarah eine konstante Bedrohung, nicht zu entsprechen und daher nicht geliebt zu werden. Die Dissoziation schützte Sarah, vor diesen bedrohlichen Gefühlen. Dissoziation ist also immer ein Schutzmechanismus: im Moment des traumatischen Geschehens – etwa bei Unfällen, Naturkatastrophen, körperlicher oder sexueller sowie psychischer Gewalt – schützt sie uns vor der Wucht des Erlebens. Typische Formen sind etwa alles wie mit einem Tunnelblick zu sehen, in Zeitlupe oder wie in einem Film zu erleben, sich von oben oder außen zu sehen, sowie das Gefühl, nicht wirklich dazu sein. Nach einer traumatischen Erfahrung - mitunter auch Jahre später - schützt uns die Dissoziation vor schmerzhaften Erinnerungen, intensiven Gefühlen oder bedrohlichen Körperempfindungen. Dissoziationen können eher kurzfristig als Reaktion auf einen Trigger, also Reiz entstehen, der uns - zumeist unbewusst - an das traumatischen Erleben erinnert. Oder sie können in dauerhafter Form bestehen, vor allem nach chronischen traumatischen Erfahrungen wie etwa anhaltender psychischer Gewalt oder Missachtung, wie sie Sarah erfahren hat. Regina betont, dass Dissoziation immer auch eine Funktion hat und nicht einfach „weggenommen“ werden sollte, ohne die zugrunde liegenden traumatischen Erfahrungen und vor allem das Gefühl von Sicherheit zu beachten. Als Tools nennt sie Orientierung im Außen über unsere Sinne (sehen, hören, riechen, fühlen, schmecken) - etwa durch starke Reize wie scharfe Bonbons oder Ingwer, ätherische Öle, Noppenbälle - sowie Bewegung, wie Hüpfen, Abklopfen unseres Körpers, oder kaltes Wasser oder Eiswürfel, um unser unteraktiviertes Nervensystem zu aktivieren. Regina macht deutlich, dass es keine Tools gibt, die jedem helfen oder wir bestimmte Tools können müssen - wie immer geht es darum, die herauszufinden, die für uns jeweils am sinnvollsten, passendsten und wirksamsten sind. Die Tools können vor allem bei kurzfristigen Dissoziationen hilfreich sein. Bei konstanten Formen der Dissoziation wie sie Sarah erlebt, ist ein längerfristiger Prozess erforderlich, der neben diesen Tools auch therapeutische Unterstützung sowie den Aufbau, die Vertiefung und Festigung des Erlebens und Gefühls von Sicherheit umfasst. Regina Lackner ist Psychologin, Psychotherapeutin und Traumatherapeutin und begleitet seit über 20 Jahren Menschen mit traumatischen Erfahrungen und Belastungen auf ihrem Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben. Komposition und Klavier: Jakob Stain Website Regina Lackner Regina Lackner ist Psychologin, Psychotherapeutin und Traumatherapeutin und begleitet seit über 20 Jahren Menschen mit traumatischen Erfahrungen und Belastungen auf ihrem Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben.Komposition und Klavier: Jakob StainWebsite Regina Lackner
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#3 Dissoziation
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