AI im Public Sector mit Ina Remmers: Wie bepreist man juristische Logik als Code? (#127) episode artwork

EPISODE · May 28, 2026 · 52 MIN

AI im Public Sector mit Ina Remmers: Wie bepreist man juristische Logik als Code? (#127)

from Pricing Friends · host Dr. Sebastian Voigt

Gesetze sind kein Algorithmus. Sie folgen einer juristischen Prüfstruktur aus Wenn-Dann-Oder-Und-Verknüpfungen, die sich in klassische Prozesslogik nicht übersetzen lässt. Gleichzeitig wächst der Druck auf öffentliche Verwaltungen massiv: Hunderttausende Stellen gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, über eine Million Fälle liegen allein in deutschen Staatsanwaltschaften unbearbeitet, und McKinsey schätzt, dass bis zu 60 Prozent der Arbeitsstunden in der Verwaltung automatisierbar wären. Das Versprechen generativer KI hilft hier nicht weiter, weil eine Behörde keine 95-Prozent-Antwort gebrauchen kann. Sie braucht eine richtige. Ina Remmers, Gründerin und Geschäftsführerin der Rule Mapping Group, hat mit Rule Mapping genau dafür eine Methode entwickelt. Eine Rulemap ist keine Datenbank und kein Chatbot, sondern eine maschinenlesbare Visualisierung eines Gesetzes: Der Entscheidungsbaum liegt offen, jedes Tatbestandsmerkmal schaltet sich auf Rot oder Grün, und das Ergebnis ist immer dasselbe. In Baden-Württemberg hat das dazu geführt, dass eine Vollständigkeitsprüfung für Windkraftanlagen, die bisher bis zu 18 Monate dauerte, auf 5 bis 8 Wochen gesunken ist. Das Geschäftsmodell dahinter ist heute noch Projektgeschäft mit anschließender Softwarelizenz, bepreist nach Anzahl der bearbeiteten Fälle und Anzahl der Nutzer. Ein versteckter Value-based-Ansatz steckt bereits drin: Komplexere Akten werden höher bepreist, weil dort auch mehr Effizienz gehoben wird. Wie Ina Remmers es im Gespräch formuliert: „Wir haben das juristische Denken, also das, was die Juristen optimalerweise im Kopf machen. Mir wurde gesagt, das macht einen guten Juristen aus, wenn er sich diese Prüfstruktur sozusagen im Kopf bauen kann. Und das ist auch der Ursprung des Rule-Mappings, so ist das auch entstanden, dass die Frage war, wie bringt man eigentlich diese Denkweise aus dem Kopf der Juristen eben in eine Software?" Über den Gast Ina Remmers ist Gründerin und Geschäftsführerin der Rule Mapping Group und beschreibt sich selbst als Impact-Unternehmerin. Vor der Rule Mapping Group hat sie acht Jahre lang nebenan.de verantwortet, eine der größten Nachbarschaftsplattformen im deutschsprachigen Raum. Sie hat Psychologie studiert und war zuvor in der Werbung tätig. Die Rule Mapping Group ist auf rulemapping.org zu finden.

Gesetze sind kein Algorithmus. Sie folgen einer juristischen Prüfstruktur aus Wenn-Dann-Oder-Und-Verknüpfungen, die sich in klassische Prozesslogik nicht übersetzen lässt. Gleichzeitig wächst der Druck auf öffentliche Verwaltungen massiv: Hunderttausende Stellen gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand, über eine Million Fälle liegen allein in deutschen Staatsanwaltschaften unbearbeitet, und McKinsey schätzt, dass bis zu 60 Prozent der Arbeitsstunden in der Verwaltung automatisierbar wären. Das Versprechen generativer KI hilft hier nicht weiter, weil eine Behörde keine 95-Prozent-Antwort gebrauchen kann. Sie braucht eine richtige. Ina Remmers, Gründerin und Geschäftsführerin der Rule Mapping Group, hat mit Rule Mapping genau dafür eine Methode entwickelt. Eine Rulemap ist keine Datenbank und kein Chatbot, sondern eine maschinenlesbare Visualisierung eines Gesetzes: Der Entscheidungsbaum liegt offen, jedes Tatbestandsmerkmal schaltet sich auf Rot oder Grün, und das Ergebnis ist immer dasselbe. In Baden-Württemberg hat das dazu geführt, dass eine Vollständigkeitsprüfung für Windkraftanlagen, die bisher bis zu 18 Monate dauerte, auf 5 bis 8 Wochen gesunken ist. Das Geschäftsmodell dahinter ist heute noch Projektgeschäft mit anschließender Softwarelizenz, bepreist nach Anzahl der bearbeiteten Fälle und Anzahl der Nutzer. Ein versteckter Value-based-Ansatz steckt bereits drin: Komplexere Akten werden höher bepreist, weil dort auch mehr Effizienz gehoben wird. Wie Ina Remmers es im Gespräch formuliert: „Wir haben das juristische Denken, also das, was die Juristen optimalerweise im Kopf machen. Mir wurde gesagt, das macht einen guten Juristen aus, wenn er sich diese Prüfstruktur sozusagen im Kopf bauen kann. Und das ist auch der Ursprung des Rule-Mappings, so ist das auch entstanden, dass die Frage war, wie bringt man eigentlich diese Denkweise aus dem Kopf der Juristen eben in eine Software?" Über den Gast Ina Remmers ist Gründerin und Geschäftsführerin der Rule Mapping Group und beschreibt sich selbst als Impact-Unternehmerin. Vor der Rule Mapping Group hat sie acht Jahre lang nebenan.de verantwortet, eine der größten Nachbarschaftsplattformen im deutschsprachigen Raum. Sie hat Psychologie studiert und war zuvor in der Werbung tätig. Die Rule Mapping Group ist auf rulemapping.org zu finden.

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