EPISODE · Apr 16, 2024 · 52 MIN
Ein „Digitaler Zwilling“ aus Körperdaten? Auf dem Weg in die Gesundheitsvorsorge der Zukunft
from Digitalgespräch · host Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung
Der Ausdruck „Digitaler Zwilling“ stammt aus dem Engineering. Dort beschreibt er digitale Modelle, mit denen in der sogenannten „Industrie 4.0“ reale technische Anlagen oder Prozesse abgebildet, optimiert und simuliert werden. Solche Modelle sind heute weit verbreitet. Noch nicht realisiert ist die Vorstellung, über technische Systeme hinaus könnten auch einzelne Menschen oder Gruppen solche virtuellen Repräsentationen haben, aus der man ihre „Systemzustände“ ablesen kann. Optimieren könnte man an einem solchen ganzheitlichen Modell z. B. den Gesamtzustand „Gesundheit“. Benötigt würden für einen Körper-Zwilling, der vielleicht auch „Verhalten“ mit umfasst, sehr viele Daten und komplexe Software. Entsprechende Ideen gibt es freilich, und einige der Visionen gehen so weit, das digitale Abbild einer ganzen Person mit Körperdaten und auch mentalen Eigenschaften zu imaginieren. Dabei ist die Hoffnung, man könne so die Entwicklung des Gesundheitszustandes vorausschauend steuern oder bei Krankheit individuelle Behandlungskonzepte planen. Ein „Digitaler Zwilling“ würde auch Verhaltensratschläge für optimale Körperfunktionen und Leistungsfähigkeit geben können. Er würde sein menschliches Gegenstück potentiell ein Leben lang begleiten, vermessen und durch seinen Einfluss auch: formen. In der Fachwelt galten solche Ideen bisher als Gedankenspiele. Aber: Die EU plant für die medizinische Versorgung ihrer Bürger:innen nun tatsächlich „European Virtual Human Twins“ einzuführen – jedenfalls wird gesetzlich der Weg hierfür freigemacht. Wie verträgt sich eine solche Vision mit unserem aktuellen Datenschutz? Und was folgt daraus für ein sozial gerechtes und demokratisches Gesundheitssystem, wenn es weiterhin unterschiedliche Lebensentwürfe und Wertvorstellungen respektieren soll? Malte Gruber ist Professor für Bürgerliches Recht und Rechtsphilosophie an der Justus-Liebig-Universität Gießen und befasst sich in seiner Arbeit unter anderem mit Informationsrecht und Recht der digitalen Ökonomie, außerdem mit Technikrecht und Recht der Lebenswissenschaften. Im Digitalgespräch beschreibt der Experte, welche Konzepte von „Digitalen Zwillingen“ in aktuellen Debatten und Entwicklungen eine Rolle spielen, was die Initiative der EU-Kommission motiviert und welche rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen sich stellen, wenn entsprechende Visionen realisiert werden sollen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Gruber, wie zwischen Hype und Dystopie realistische Szenarien aussehen könnten, welche Aspekte in der aktuellen Diskussion noch wenig Beachtung finden und was die Vision vom zukünftigen Medizinprodukt „Digitaler Zwilling“ über unser gegenwärtiges Verhältnis zu unseren Körpern verrät. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-050-malte-gruber Link zur Ankündigung der "European Virtual Human Twins Initiative" der EU Kommission: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/virtual-human-twins
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Der Ausdruck „Digitaler Zwilling“ stammt aus dem Engineering. Dort beschreibt er digitale Modelle, mit denen in der sogenannten „Industrie 4.0“ reale technische Anlagen oder Prozesse abgebildet, optimiert und simuliert werden. Solche Modelle sind heute weit verbreitet. Noch nicht realisiert ist die Vorstellung, über technische Systeme hinaus könnten auch einzelne Menschen oder Gruppen solche virtuellen Repräsentationen haben, aus der man ihre „Systemzustände“ ablesen kann. Optimieren könnte man an einem solchen ganzheitlichen Modell z. B. den Gesamtzustand „Gesundheit“. Benötigt würden für einen Körper-Zwilling, der vielleicht auch „Verhalten“ mit umfasst, sehr viele Daten und komplexe Software. Entsprechende Ideen gibt es freilich, und einige der Visionen gehen so weit, das digitale Abbild einer ganzen Person mit Körperdaten und auch mentalen Eigenschaften zu imaginieren. Dabei ist die Hoffnung, man könne so die Entwicklung des Gesundheitszustandes vorausschauend steuern oder bei Krankheit individuelle Behandlungskonzepte planen. Ein „Digitaler Zwilling“ würde auch Verhaltensratschläge für optimale Körperfunktionen und Leistungsfähigkeit geben können. Er würde sein menschliches Gegenstück potentiell ein Leben lang begleiten, vermessen und durch seinen Einfluss auch: formen. In der Fachwelt galten solche Ideen bisher als Gedankenspiele. Aber: Die EU plant für die medizinische Versorgung ihrer Bürger:innen nun tatsächlich „European Virtual Human Twins“ einzuführen – jedenfalls wird gesetzlich der Weg hierfür freigemacht. Wie verträgt sich eine solche Vision mit unserem aktuellen Datenschutz? Und was folgt daraus für ein sozial gerechtes und demokratisches Gesundheitssystem, wenn es weiterhin unterschiedliche Lebensentwürfe und Wertvorstellungen respektieren soll? Malte Gruber ist Professor für Bürgerliches Recht und Rechtsphilosophie an der Justus-Liebig-Universität Gießen und befasst sich in seiner Arbeit unter anderem mit Informationsrecht und Recht der digitalen Ökonomie, außerdem mit Technikrecht und Recht der Lebenswissenschaften. Im Digitalgespräch beschreibt der Experte, welche Konzepte von „Digitalen Zwillingen“ in aktuellen Debatten und Entwicklungen eine Rolle spielen, was die Initiative der EU-Kommission motiviert und welche rechtlichen und gesellschaftlichen Fragen sich stellen, wenn entsprechende Visionen realisiert werden sollen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Gruber, wie zwischen Hype und Dystopie realistische Szenarien aussehen könnten, welche Aspekte in der aktuellen Diskussion noch wenig Beachtung finden und was die Vision vom zukünftigen Medizinprodukt „Digitaler Zwilling“ über unser gegenwärtiges Verhältnis zu unseren Körpern verrät. Link zum Originalbeitrag: https://zevedi.de/digitalgespraech-050-malte-gruber Link zur Ankündigung der "European Virtual Human Twins Initiative" der EU Kommission: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/virtual-human-twins
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Ein „Digitaler Zwilling“ aus Körperdaten? Auf dem Weg in die Gesundheitsvorsorge der Zukunft
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