EPISODE · Feb 25, 2021 · 5 MIN
Eine Schmonzette aus dem kaiserlichen Japan
from Auf den Tag genau · host Jan Fusek, Fabian Goppelsröder und Robert Sollich
Von allen asiatischen Ländern war Japan zweifellos am besten über Korrespondentennetze mit Europa verbunden. Dennoch vermischten sich in Berichten aus dem ‘Reich der aufgehenden Sonne‘ gerne einmal Nachrichten- und Märchenton, so etwa auch in der fast zu rührenden Geschichte aus der Vossischen Zeitung vom 25. Februar 1921 über die Verlobung des japanischen Kronprinzen mit der Tochter eines Generals – deren Liaison wider die strengen Standeskonventionen des Kaiserhauses angeblich erst auf den leidenschaftlichen Zuspruch der Tokyoter Bevölkerung hin ihre Legalisierung erfuhr. Bei nüchterner, historiographischer Betrachtung bleibt von dieser Schmonzette leider wenig übrig: Die Prinzessin Nagako entstammte zwar tatsächlich nicht den dafür eigentlich vorgesehenen fünf höchstadligen Familien, war aber eine entfernte Cousine des Prinzen, beider Verlobung entsprechend von den Eltern arrangiert; die Braut hatte kein Einspruchsrecht. Bei dem Bräutigam handelt sich überdies um den späteren Kaiser Hirohito, der als Regent bei der Kolonialisierung der Mandschurei und Koreas sowie an der Seite Hitlers im Zweiten Weltkrieg eine historisch äußerst unrühmliche Rolle spielen sollte. Für uns liest, trotzdem, Frank Riede.
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Von allen asiatischen Ländern war Japan zweifellos am besten über Korrespondentennetze mit Europa verbunden. Dennoch vermischten sich in Berichten aus dem ‘Reich der aufgehenden Sonne‘ gerne einmal Nachrichten- und Märchenton, so etwa auch in der fast zu rührenden Geschichte aus der Vossischen Zeitung vom 25. Februar 1921 über die Verlobung des japanischen Kronprinzen mit der Tochter eines Generals – deren Liaison wider die strengen Standeskonventionen des Kaiserhauses angeblich erst auf den leidenschaftlichen Zuspruch der Tokyoter Bevölkerung hin ihre Legalisierung erfuhr. Bei nüchterner, historiographischer Betrachtung bleibt von dieser Schmonzette leider wenig übrig: Die Prinzessin Nagako entstammte zwar tatsächlich nicht den dafür eigentlich vorgesehenen fünf höchstadligen Familien, war aber eine entfernte Cousine des Prinzen, beider Verlobung entsprechend von den Eltern arrangiert; die Braut hatte kein Einspruchsrecht. Bei dem Bräutigam handelt sich überdies um den späteren Kaiser Hirohito, der als Regent bei der Kolonialisierung der Mandschurei und Koreas sowie an der Seite Hitlers im Zweiten Weltkrieg eine historisch äußerst unrühmliche Rolle spielen sollte. Für uns liest, trotzdem, Frank Riede.
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