EPISODE · Mar 11, 2021 · 4 MIN
Leserbrief: Vergesst nicht die "weiße Schmach”!
from Auf den Tag genau · host Jan Fusek, Fabian Goppelsröder und Robert Sollich
Wer eine Ahnung davon erhalten möchte, wie tief unsere Kultur in rassistischen Weltanschauungen und weißem Überlegenheitsdenken wurzelt, muss nur einen Blick in deutsche Tageszeitungen von vor einhundert Jahren werfen. Kaum ein Aspekt der Weltkriegsniederlage stieß seinerzeit auf so einhellige, milieuübergreifende Empörung wie die so bezeichnete „schwarze Schmach“: der Umstand, dass an der französischen Besetzung westdeutscher Landesteile auch afrikanische Kolonialsoldaten beteiligt waren. Der Aufschrei über diese vermeintliche ‘Demütigung einer Kulturnation‘ hallte dabei mitnichten nur durch das völkisch-nationale Spektrum, sondern so schrill auch bis weit ins linke Lager hinein wider, dass uns das entsprechende Material im Format unseres Podcasts, ohne größeren begleitenden Kommentar, bislang nicht präsentierbar erschien. Der erste Zeitungstext zu diesem Thema, den wir für sendefähig erachten, ist bezeichnenderweise eine kurze Leserzuschrift eines alten Genossen in der USPD-Parteizeitung Freiheit vom 11. März 1921. Auch in diesem Beitrag findet zwar keine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem vorausgehenden rassistischen Narrativ statt. Immerhin erlaubt sich der Autor aber, deutlich darauf hinzuweisen, dass der Erste Weltkrieg unzweideutig als Geschichte ‘weißer‘ Verbrechen zu begreifen sei. Es liest Paula Leu.
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Wer eine Ahnung davon erhalten möchte, wie tief unsere Kultur in rassistischen Weltanschauungen und weißem Überlegenheitsdenken wurzelt, muss nur einen Blick in deutsche Tageszeitungen von vor einhundert Jahren werfen. Kaum ein Aspekt der Weltkriegsniederlage stieß seinerzeit auf so einhellige, milieuübergreifende Empörung wie die so bezeichnete „schwarze Schmach“: der Umstand, dass an der französischen Besetzung westdeutscher Landesteile auch afrikanische Kolonialsoldaten beteiligt waren. Der Aufschrei über diese vermeintliche ‘Demütigung einer Kulturnation‘ hallte dabei mitnichten nur durch das völkisch-nationale Spektrum, sondern so schrill auch bis weit ins linke Lager hinein wider, dass uns das entsprechende Material im Format unseres Podcasts, ohne größeren begleitenden Kommentar, bislang nicht präsentierbar erschien. Der erste Zeitungstext zu diesem Thema, den wir für sendefähig erachten, ist bezeichnenderweise eine kurze Leserzuschrift eines alten Genossen in der USPD-Parteizeitung Freiheit vom 11. März 1921. Auch in diesem Beitrag findet zwar keine grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem vorausgehenden rassistischen Narrativ statt. Immerhin erlaubt sich der Autor aber, deutlich darauf hinzuweisen, dass der Erste Weltkrieg unzweideutig als Geschichte ‘weißer‘ Verbrechen zu begreifen sei. Es liest Paula Leu.
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