EPISODE · Oct 21, 2022 · 9 MIN
Lloyd George in drei Minuten
from Auf den Tag genau · host Jan Fusek, Fabian Goppelsröder und Robert Sollich
Der Gedanke, dass ein britischer Premierminister abtritt und ein ernstzunehmender hiesiger Publizist sehnsüchtig mit dem Wunsch kokettiert, dann möge jener doch jetzt die deutsche Regierung übernehmen, erscheint unserer Tage, gelinde gesagt, etwas abwegig. Als der liberale David Lloyd George im Oktober 1922 von Hinterbänklern seines konservativen Koalitionspartners gestürzt wurde, war indes genau dies der Fall. Kein geringerer als der von uns heute vor allem als glühender Nazi-Gegner erinnerte Emil Ludwig blickte schon damals etwas neidisch auf die politische Kultur auf der Insel und vor allem auf den scheidenden Premier, ehedem immerhin erbitterter Weltkriegswidersacher. Was Ludwig in seinen drei Miniaturen für das 8-Uhr-Abendblatt vom 21. Oktober skizziert, hat dabei durchaus nichts von einer Hagiographie. Vielmehr zeichnet er das äußerst differenzierte Bild eines Politikers von sehr britisch sachlicher, stilvoller, aber auch machtbewusster Rationalität, nach der sich mancher heute – nicht nur, aber vielleicht gerade auch im Vereinigten Königreich – wieder sehnen mag. Es liest Frank Riede, der dafür doch etwas mehr als drei Minuten braucht.
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Der Gedanke, dass ein britischer Premierminister abtritt und ein ernstzunehmender hiesiger Publizist sehnsüchtig mit dem Wunsch kokettiert, dann möge jener doch jetzt die deutsche Regierung übernehmen, erscheint unserer Tage, gelinde gesagt, etwas abwegig. Als der liberale David Lloyd George im Oktober 1922 von Hinterbänklern seines konservativen Koalitionspartners gestürzt wurde, war indes genau dies der Fall. Kein geringerer als der von uns heute vor allem als glühender Nazi-Gegner erinnerte Emil Ludwig blickte schon damals etwas neidisch auf die politische Kultur auf der Insel und vor allem auf den scheidenden Premier, ehedem immerhin erbitterter Weltkriegswidersacher. Was Ludwig in seinen drei Miniaturen für das 8-Uhr-Abendblatt vom 21. Oktober skizziert, hat dabei durchaus nichts von einer Hagiographie. Vielmehr zeichnet er das äußerst differenzierte Bild eines Politikers von sehr britisch sachlicher, stilvoller, aber auch machtbewusster Rationalität, nach der sich mancher heute – nicht nur, aber vielleicht gerade auch im Vereinigten Königreich – wieder sehnen mag. Es liest Frank Riede, der dafür doch etwas mehr als drei Minuten braucht.
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