EPISODE · Mar 21, 2025 · 31 MIN
Migration steuern – zwischen Realität, Reform und Verantwortung - Doppelfolge mit Prof. Daniel Thym (I)
from 2 alte wei(s)e Männer · host Thomas Kirchberg und Michael Reinhard
Migration ist eine der zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Zwischen Krisen, Konflikten und Fachkräftemangel steht Deutschland – wie viele europäische Staaten – vor der Aufgabe, Zuwanderung realistischer, klarer und gerechter zu gestalten. In dieser zweiteiligen Podcast-Folge sprechen wir mit einem der wichtigsten Experten für Migrations- und Asylrecht: Prof. Dr. Daniel Thym. Teil 1: Wo Deutschland steht – und warum das Asylsystem an seine Grenzen kommt Im ersten Teil des Gesprächs skizzieren wir die Grundprobleme der deutschen und europäischen Migrationspolitik. Prof. Thym analysiert: • warum Deutschland längst eine Einwanderungsgesellschaft ist, aber sich selbst noch nicht so versteht, • wie das Dublin-System und das europäische Asylrecht strukturell überlastet sind, • warum viele Asylverfahren ineffizient, aber gleichzeitig juristisch schwer reformierbar sind. Er erläutert, warum Deutschland in der Praxis längst „harte Maßnahmen“ durchsetzt – etwa durch restriktive Visaregeln oder informelle Grenzabschottung –, diese aber selten ehrlich debattiert. Es gehe nicht darum, zwischen Offenheit und Abschottung zu wählen, sondern um kluge Steuerung, die Kontrolle mit Humanität vereint. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Sondierungspapier von CDU und SPD, das u. a. verschärfte Zurückweisungen, schnellere Abschiebungen und Einschränkungen beim Familiennachzug vorsieht. Thym zeigt auf, wo dieses Papier rechtlich angreifbar, politisch unklar oder integrationspolitisch kontraproduktiv ist – und wo realistische Ansätze liegen könnten. Im zweiten Teil des Gesprächs blicken wir nach vorn: Welche Instrumente braucht es, um Migration zu steuern, ohne das Asylrecht auszuhöhlen oder Überforderung zu riskieren? Prof. Thym erklärt: • warum Drittstaatenlösungen wie in Großbritannien oder Italien rechtlich problematisch, aber nicht grundsätzlich falsch sind – sofern menschenrechtliche Standards eingehalten werden, • wie Migrationsabkommen mit Herkunftsstaaten helfen können, Rückführungen zu erleichtern – wenn sie mit Angeboten für legale Migration verknüpft werden, • wieso Deutschland mehr tun muss, um Arbeitsmigration gezielt zu ermöglichen – als Alternative zur Fluchtmigration. Thym plädiert für eine doppelte Strategie: Ordnung schaffen und zugleich Chancen eröffnen. Zur Person: Prof. Dr. Daniel Thym Daniel Thym ist Professor für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht an der Universität Konstanz und leitet dort das Forschungszentrum Ausländer- & Asylrecht. Er war viele Jahre Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR). Als einer der profiliertesten Migrationsrechtsexperten Deutschlands berät er regelmäßig Bundestagsausschüsse und europäische Institutionen. Das aktuelle Buch: „Migration steuern. Eine Anleitung für das Hier und Jetzt“ (C.H. Beck, 2025) In seinem neuen Buch liefert Daniel Thym eine klare Analyse der deutschen Migrationspolitik – und konkrete Reformvorschläge. Er zeigt: • weshalb das Asylrecht differenziert betrachtet und klüger angewandt werden sollte, • wie man legale Migration stärkt, ohne den Schutz von Geflüchteten zu schwächen, • und wie eine ehrliche Migrationspolitik Vertrauen zurückgewinnen kann – in der Gesellschaft und im internationalen Diskurs.
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Migration ist eine der zentralen gesellschaftspolitischen Herausforderungen unserer Zeit. Zwischen Krisen, Konflikten und Fachkräftemangel steht Deutschland – wie viele europäische Staaten – vor der Aufgabe, Zuwanderung realistischer, klarer und gerechter zu gestalten. In dieser zweiteiligen Podcast-Folge sprechen wir mit einem der wichtigsten Experten für Migrations- und Asylrecht: Prof. Dr. Daniel Thym. Teil 1: Wo Deutschland steht – und warum das Asylsystem an seine Grenzen kommt Im ersten Teil des Gesprächs skizzieren wir die Grundprobleme der deutschen und europäischen Migrationspolitik. Prof. Thym analysiert: • warum Deutschland längst eine Einwanderungsgesellschaft ist, aber sich selbst noch nicht so versteht, • wie das Dublin-System und das europäische Asylrecht strukturell überlastet sind, • warum viele Asylverfahren ineffizient, aber gleichzeitig juristisch schwer reformierbar sind. Er erläutert, warum Deutschland in der Praxis längst „harte Maßnahmen“ durchsetzt – etwa durch restriktive Visaregeln oder informelle Grenzabschottung –, diese aber selten ehrlich debattiert. Es gehe nicht darum, zwischen Offenheit und Abschottung zu wählen, sondern um kluge Steuerung, die Kontrolle mit Humanität vereint. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Sondierungspapier von CDU und SPD, das u. a. verschärfte Zurückweisungen, schnellere Abschiebungen und Einschränkungen beim Familiennachzug vorsieht. Thym zeigt auf, wo dieses Papier rechtlich angreifbar, politisch unklar oder integrationspolitisch kontraproduktiv ist – und wo realistische Ansätze liegen könnten. Im zweiten Teil des Gesprächs blicken wir nach vorn: Welche Instrumente braucht es, um Migration zu steuern, ohne das Asylrecht auszuhöhlen oder Überforderung zu riskieren? Prof. Thym erklärt: • warum Drittstaatenlösungen wie in Großbritannien oder Italien rechtlich problematisch, aber nicht grundsätzlich falsch sind – sofern menschenrechtliche Standards eingehalten werden, • wie Migrationsabkommen mit Herkunftsstaaten helfen können, Rückführungen zu erleichtern – wenn sie mit Angeboten für legale Migration verknüpft werden, • wieso Deutschland mehr tun muss, um Arbeitsmigration gezielt zu ermöglichen – als Alternative zur Fluchtmigration. Thym plädiert für eine doppelte Strategie: Ordnung schaffen und zugleich Chancen eröffnen. Zur Person: Prof. Dr. Daniel Thym Daniel Thym ist Professor für Öffentliches Recht, Europa- und Völkerrecht an der Universität Konstanz und leitet dort das Forschungszentrum Ausländer- & Asylrecht. Er war viele Jahre Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats für Integration und Migration (SVR). Als einer der profiliertesten Migrationsrechtsexperten Deutschlands berät er regelmäßig Bundestagsausschüsse und europäische Institutionen. Das aktuelle Buch: „Migration steuern. Eine Anleitung für das Hier und Jetzt“ (C.H. Beck, 2025) In seinem neuen Buch liefert Daniel Thym eine klare Analyse der deutschen Migrationspolitik – und konkrete Reformvorschläge. Er zeigt: • weshalb das Asylrecht differenziert betrachtet und klüger angewandt werden sollte, • wie man legale Migration stärkt, ohne den Schutz von Geflüchteten zu schwächen, • und wie eine ehrliche Migrationspolitik Vertrauen zurückgewinnen kann – in der Gesellschaft und im internationalen Diskurs.
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