EPISODE · Feb 27, 2026 · 51 MIN
OWF-Gründer Nehring: den Osten zur Pionierregion machen
from Wirtschaft im Osten · host Wolfgang Brinkschulte
Frank Nehring, Verleger sowie Gründer und Präsident des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF beschreibt die aktuelle wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland als einen Aufholprozess, der momentan aufgrund der allgemeinen Stagnation in Deutschland etwas ins Stocken geraten ist. Zwar konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Erwerbstätigen gesteigert werden, doch der Weg zur vollständigen Angleichung bleibe herausfordernd. Besonders die chemische Industrie leide massiv unter den hohen Energiepreisen, während der Maschinenbau leichte Hoffnungssignale durch gefüllte Auftragsbücher sende. Ein wesentliches strukturelles Hemmnis bleibe das Fehlen von Konzernzentralen und der damit verbundenen Forschung und Entwicklung. Die ostdeutsche Wirtschaft sei nach wie vor extrem kleinteilig geprägt. Gleichzeitig verfügten diese Firmen noch immer über keinen großen Kapitalstock, und eine über Generationen gewachsene Familientradition fehle. In diesem Zusammenhang thematisiert er auch eine kulturelle Hürde: Der Wachstumsbegriff sei oft nicht Teil der „Basis-DNA“ vieler Unternehmer, da viele Betriebe ursprünglich eher zur persönlichen Existenzsicherung als zur Expansion gegründet worden seien. Trotz dieser Defizite gebe es bedeutende Lichtblicke durch Großansiedlungen. Unternehmen wie Tesla in Brandenburg, CATL in Thüringen oder TSMC in Sachsen, die als technologische Anker wirkten. Um die Region voranzubringen, plädiert Nehring dafür, Ostdeutschland als „Zukunftslabor“ zu begreifen. Er unterstütze Initiativen der ostdeutschen Ministerpräsidenten, die Region als Testfeld für schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren zu etablieren, ähnlich den Sonderregeln in der Nachwendezeit. Ziel sei es, zur „Pionierregion“ zu werden, anstatt in einem rückwärtsgewandten „Gerechtigkeitsdisput“ oder einer Opferrolle zu verharren. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Vernetzung wie das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF). Solche Plattformen dienten nicht nur dem politischen Diskurs, sondern schafften durch persönliche Begegnungen konkrete Impulse für Kooperationen zwischen Start-ups, Finanziers und etablierten Unternehmen. Nehring betont, dass die ostdeutschen Länder selbst aktiver werden müssten, anstatt nur auf Unterstützung durch die Bundesregierung zu warten. Eine positive Grundstimmung und die Besinnung auf die besondere Verbundenheit im Osten seien entscheidend, um die Zukunftsfähigkeit der Region zu sichern.
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Frank Nehring, Verleger sowie Gründer und Präsident des Ostdeutschen Wirtschaftsforums OWF beschreibt die aktuelle wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland als einen Aufholprozess, der momentan aufgrund der allgemeinen Stagnation in Deutschland etwas ins Stocken geraten ist. Zwar konnte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Erwerbstätigen gesteigert werden, doch der Weg zur vollständigen Angleichung bleibe herausfordernd. Besonders die chemische Industrie leide massiv unter den hohen Energiepreisen, während der Maschinenbau leichte Hoffnungssignale durch gefüllte Auftragsbücher sende. Ein wesentliches strukturelles Hemmnis bleibe das Fehlen von Konzernzentralen und der damit verbundenen Forschung und Entwicklung. Die ostdeutsche Wirtschaft sei nach wie vor extrem kleinteilig geprägt. Gleichzeitig verfügten diese Firmen noch immer über keinen großen Kapitalstock, und eine über Generationen gewachsene Familientradition fehle. In diesem Zusammenhang thematisiert er auch eine kulturelle Hürde: Der Wachstumsbegriff sei oft nicht Teil der „Basis-DNA“ vieler Unternehmer, da viele Betriebe ursprünglich eher zur persönlichen Existenzsicherung als zur Expansion gegründet worden seien. Trotz dieser Defizite gebe es bedeutende Lichtblicke durch Großansiedlungen. Unternehmen wie Tesla in Brandenburg, CATL in Thüringen oder TSMC in Sachsen, die als technologische Anker wirkten. Um die Region voranzubringen, plädiert Nehring dafür, Ostdeutschland als „Zukunftslabor“ zu begreifen. Er unterstütze Initiativen der ostdeutschen Ministerpräsidenten, die Region als Testfeld für schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren zu etablieren, ähnlich den Sonderregeln in der Nachwendezeit. Ziel sei es, zur „Pionierregion“ zu werden, anstatt in einem rückwärtsgewandten „Gerechtigkeitsdisput“ oder einer Opferrolle zu verharren. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Vernetzung wie das Ostdeutsche Wirtschaftsforum (OWF). Solche Plattformen dienten nicht nur dem politischen Diskurs, sondern schafften durch persönliche Begegnungen konkrete Impulse für Kooperationen zwischen Start-ups, Finanziers und etablierten Unternehmen. Nehring betont, dass die ostdeutschen Länder selbst aktiver werden müssten, anstatt nur auf Unterstützung durch die Bundesregierung zu warten. Eine positive Grundstimmung und die Besinnung auf die besondere Verbundenheit im Osten seien entscheidend, um die Zukunftsfähigkeit der Region zu sichern.
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