EPISODE · Dec 10, 2020 · 45 MIN
Pflege-Wohngemeinschaften nach dem Buurtzorg-Modell
from Starke Pflege in Münster · host Starke Pflege in Münster
„Am Anfang war ich ungläubig…“ Pflege-Wohngemeinschaften mit selbststeuernden Teams nach dem Buurtzorg-Modell aus den Niederlanden gehen in Münster ans Netz Ab Januar 2021 gehen in Münster zwei „Buurtzorg Wohngemeinschaften“ für jeweils elf Mieterinnen und Mieter in Betrieb. Was daran so besonders ist und welche Herausforderungen für alle Beteiligten damit verbunden sind, darüber haben sich Gunnar Sander von Buurtzorg Nachbarschaftshilfen Deutschland und Jochen Schneider von Konkret Consult Ruhr in einem Vodcast unterhalten. „Es ist uns am Anfang schwergefallen, sich Arbeit ohne klassische Hierarchie vorzustellen. Buurtzorg bedeutet nämlich, dass sich Teams selbstständig organisieren und steuern. Ausgangspunkte für die Arbeit in den Teams sind die Bedarfe und Bedürfnisse der Kunden sowie deren Ressourcen und Fähigkeiten“, beschreibt Gunnar Sander den besonderen Ansatz seines Unternehmens. Der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH ist mit drei Teams im Münsterland als ambulanter Pflegedienst gestartet. Jedes Team besteht aus zehn bis zwölf Mitgliedern und versorgt zwischen 50 und 70 Kunden. Die Teams finden sich vor Ort selber. „Wir sprechen gezielt Menschen an, die nach einer neuen Art und Weise der Pflegearbeit suchen. Bei uns arbeiten Menschen, die mit den bisherigen Strukturen hadern“, skizziert Gunnar Sander das Profil von Teammitgliedern bei Buurtzorg. An der Bezahlung soll eine Zusammenarbeit jedenfalls nicht scheitern. Die Beschäftigten werden nach einem Tarif bezahlt, der am TVöD angelehnt ist. Bei Buurtzorg werden die Teams nicht einfach ins kalte Wasser geworfen. Coaching ist wichtiger Bestandteil des Modells. Die Mitarbeiter erhalten Unterstützung durch erfahrene Coaches bei der Teamfindung und der Organisation der Abläufe. Jochen Schneider von Konkret Consult Ruhr in Gelsenkirchen arbeitet seit Jahren mit Astrid Vermeer zusammen, die zum Coachingteam der ersten Stunde bei Buurtzorg gehört. „Da steckt eine neue Philosophie auch bei den Schulungen dahinter. ‚Small is beautifull‘ lautet das Motto. In den Schulungen werden keine Lösungen präsentiert, sondern es wird die Kompetenz zur Lösungsfindung vermittelt“, fasst Jochen Schneider das Besondere der Teambegleitung zusammen. Buurtzorg kommt aus den Niederlanden und der Ansatz lässt sich nicht so einfach nach Deutschland übertragen. Konkret bedeutet das für Gunnar Sander: „Bei uns in Deutschland wird viel mehr nachgefragt, wer die Verantwortung trägt und die Haftung übernimmt.“ Es wird halt hier immer vom „Worst Case“, also vom schlimmsten Fall, her gedacht. „Hinter all diesen Fragen stehen Zweifel, ob Arbeit ohne Hierarchie möglich ist. Das kann man sich hier bei uns eigentlich noch nicht vorstellen. Ich war am Anfang auch ungläubig“, gesteht Gunnar Sander mit einem breiten Lächeln. Die Umsetzung von Buurtzorg muss viele formale Hürden überspringen und trifft dabei immer wieder auf große Skepsis. Die Umsetzung wird deshalb auch aktuell von der Uni Osnabrück und der Fachhochschule Münster begleitet. Mittlerweile gibt es aber auch in Deutschland ein erstes Abrechnungsmodell für die Buurtzorg Teams. Das soll auch in den geplanten Wohngemeinschaften in Münster zum Einsatz kommen. Verhandlungen über die Qualität des Angebotes und die Vergütung sind erfolgreich abgeschlossen worden. Natürlich hat Gunnar Sander beim Aufbau seines Unternehmens eng mit den Niederlanden zusammengearbeitet, wo inzwischen über 1000 Teams nach dem Buurtzorg Modell arbeiten. Was er bei seinen Besuchen dort erfahren hat und was der Buurtzorg-Ansatz für die Kunden bedeutet, kann man im Vodcast auch noch hören.
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„Am Anfang war ich ungläubig…“ Pflege-Wohngemeinschaften mit selbststeuernden Teams nach dem Buurtzorg-Modell aus den Niederlanden gehen in Münster ans Netz Ab Januar 2021 gehen in Münster zwei „Buurtzorg Wohngemeinschaften“ für jeweils elf Mieterinnen und Mieter in Betrieb. Was daran so besonders ist und welche Herausforderungen für alle Beteiligten damit verbunden sind, darüber haben sich Gunnar Sander von Buurtzorg Nachbarschaftshilfen Deutschland und Jochen Schneider von Konkret Consult Ruhr in einem Vodcast unterhalten. „Es ist uns am Anfang schwergefallen, sich Arbeit ohne klassische Hierarchie vorzustellen. Buurtzorg bedeutet nämlich, dass sich Teams selbstständig organisieren und steuern. Ausgangspunkte für die Arbeit in den Teams sind die Bedarfe und Bedürfnisse der Kunden sowie deren Ressourcen und Fähigkeiten“, beschreibt Gunnar Sander den besonderen Ansatz seines Unternehmens. Der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH ist mit drei Teams im Münsterland als ambulanter Pflegedienst gestartet. Jedes Team besteht aus zehn bis zwölf Mitgliedern und versorgt zwischen 50 und 70 Kunden. Die Teams finden sich vor Ort selber. „Wir sprechen gezielt Menschen an, die nach einer neuen Art und Weise der Pflegearbeit suchen. Bei uns arbeiten Menschen, die mit den bisherigen Strukturen hadern“, skizziert Gunnar Sander das Profil von Teammitgliedern bei Buurtzorg. An der Bezahlung soll eine Zusammenarbeit jedenfalls nicht scheitern. Die Beschäftigten werden nach einem Tarif bezahlt, der am TVöD angelehnt ist. Bei Buurtzorg werden die Teams nicht einfach ins kalte Wasser geworfen. Coaching ist wichtiger Bestandteil des Modells. Die Mitarbeiter erhalten Unterstützung durch erfahrene Coaches bei der Teamfindung und der Organisation der Abläufe. Jochen Schneider von Konkret Consult Ruhr in Gelsenkirchen arbeitet seit Jahren mit Astrid Vermeer zusammen, die zum Coachingteam der ersten Stunde bei Buurtzorg gehört. „Da steckt eine neue Philosophie auch bei den Schulungen dahinter. ‚Small is beautifull‘ lautet das Motto. In den Schulungen werden keine Lösungen präsentiert, sondern es wird die Kompetenz zur Lösungsfindung vermittelt“, fasst Jochen Schneider das Besondere der Teambegleitung zusammen. Buurtzorg kommt aus den Niederlanden und der Ansatz lässt sich nicht so einfach nach Deutschland übertragen. Konkret bedeutet das für Gunnar Sander: „Bei uns in Deutschland wird viel mehr nachgefragt, wer die Verantwortung trägt und die Haftung übernimmt.“ Es wird halt hier immer vom „Worst Case“, also vom schlimmsten Fall, her gedacht. „Hinter all diesen Fragen stehen Zweifel, ob Arbeit ohne Hierarchie möglich ist. Das kann man sich hier bei uns eigentlich noch nicht vorstellen. Ich war am Anfang auch ungläubig“, gesteht Gunnar Sander mit einem breiten Lächeln. Die Umsetzung von Buurtzorg muss viele formale Hürden überspringen und trifft dabei immer wieder auf große Skepsis. Die Umsetzung wird deshalb auch aktuell von der Uni Osnabrück und der Fachhochschule Münster begleitet. Mittlerweile gibt es aber auch in Deutschland ein erstes Abrechnungsmodell für die Buurtzorg Teams. Das soll auch in den geplanten Wohngemeinschaften in Münster zum Einsatz kommen. Verhandlungen über die Qualität des Angebotes und die Vergütung sind erfolgreich abgeschlossen worden. Natürlich hat Gunnar Sander beim Aufbau seines Unternehmens eng mit den Niederlanden zusammengearbeitet, wo inzwischen über 1000 Teams nach dem Buurtzorg Modell arbeiten. Was er bei seinen Besuchen dort erfahren hat und was der Buurtzorg-Ansatz für die Kunden bedeutet, kann man im Vodcast auch noch hören.
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