PODCAST · society
Meyer trifft Mediziner:in
by Thomas Meyer
Die etwas andere Sprechstunde mit Thomas Meyer. Der Schriftsteller trifft Menschen aus der Medizin und unterhält sich mit ihnen über ihre Arbeit und das Leben. Eine Sammlung von berührenden, persönlichen und erhellenden Gesprächen.
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«Das ist sehr feine Polizeiarbeit!» | Dr. med. Diana Dan
Nichts bereitet Diana Dan mehr Freude, als komplizierte Fälle zu lösen. Aus ihr wäre gewiss eine gute Kommissarin geworden. Als Rheumatologin an der Lausanner Universitätsklinik CHUV ist sie aber noch glücklicher: So kann sie nicht nur fahnden, sondern auch Gelenke punktieren. Wir unterhalten uns heiter über ihren Weg von Rumänien über Deutschland in die Schweiz, die kulturellen Unterschiede und Pädagogik – Frau Dan doziert auch am CHUV. «Die Motivation der Studentinnen und Studenten könnte grösser sein», erzählt sie. Schliesslich finden wir eine Idee, um das zu ändern. Weitere Informationen zum Podcast finden Sie unter www.meyertrifftmediziner.ch. Haben Sie Anregungen oder kennen Sie eine Fachperson, mit der sich Thomas Meyer unterhalten soll? Dann schreiben Sie uns auf [email protected].
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«Es sind meist sehr angenehme Leute» | Prof. Dr. Philip Bruggmann
Prof. Dr. Philip Bruggmann therapiert Menschen, die zuviel trinken, kiffen oder koksen. Wobei die Frage nach dem Zuviel nicht einfach zu beantworten ist: Einerseits ist Konsum für den Körper immer ungesund, andererseits gelten ein bis zwei Gläser pro Tag als unbedenklich. Viele wiederum trinken weit mehr und funktionieren tadellos. Wann ist also genug? «Wenn es zur Anstrengung wird, nichts zu konsumieren, hat man die Kontrolle über den Konsum verloren», antwortet Bruggmann. Zusammen mit 49 Kolleginnen und Kollegen therapiert er als Co-Chefarzt des Arud Zentrum für Suchtmedizin Menschen aus sämtlichen sozialen Schichten. «Die meisten sind sehr spannend und angenehm», sagt er. Sein grösstes Anliegen: dass Sucht als Krankheit betrachtet wird und nicht als persönliches Versagen. Weitere Informationen zum Podcast finden Sie unter www.meyertrifftmediziner.ch. Haben Sie Anregungen oder kennen Sie eine Fachperson, mit der sich Thomas Meyer unterhalten soll? Dann schreiben Sie uns auf [email protected].
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«Früher oder später zeigt sich alles auf der Haut» | Dr. med. Kristin Kernland
28 Tage – so lange dauert ein Monat, ein Menstruationszyklus und eine komplette Erneuerung der Haut. Und beinahe diese Podcast-Episode, weil das Gespräch mit der Kinderdermatologin Kristin Kernland so lehrreich und kurzweilig war. Die Haut von Kindern ist anders: Sie ist dünner als die von Erwachsenen, braucht mehr Schutz und hat eigene Erkrankungen wie Ekzeme, Infektionen oder angeborene Hautveränderungen. Und sie untersteht der elterlichen Fürsorge. Diese fällt mal besser, mal schlechter aus. In Frau Kernlands Sprechstunde fallen schon auch mal Sätze wie: «Deine Haut ist schlecht!« Dann ist nicht Fachwissen gefragt, sondern der Mut zur freundlichen Intervention. «Der Alltag ist heute in vielen Bereichen für Familien komplex und fordernd», sagt Dr. Kernland, «das, aber auch Erkrankungen an inneren Organen, zeigen sich oft auch auf der Haut.» Gefragt, was sie meiner Haut alles entnehme, bittet sie darum, das Aufnahmegerät zu pausieren. Sie ist Ärztin durch und durch und bespricht Persönliches persönlich. Weitere Informationen zum Podcast finden Sie unter www.meyertrifftmediziner.ch. Haben Sie Anregungen oder kennen Sie eine Fachperson, mit der sich Thomas Meyer unterhalten soll? Dann schreiben Sie uns auf [email protected].
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«Einander zum Wachsen motivieren – das ist eine gute Freundschaft» | Dr. med. Cyrill Haller
Ein bemerkenswertes Gespräch mit dem Winterthurer HNO-Arzt Dr. Cyrill Haller, dessen Fachgebiet zwar nicht die mentale Gesundheit ist, über die er aber viel Kluges zu sagen hat. Unter anderem, was ihm ungemein hilft: gute Freundschaften pflegen. Sie zu führen ist gar nicht so einfach, wenn alle auf Wochen hinaus verplant sind. Dr. Haller konnte aber etwas bewahren, was kaum jemand mehr tut: spontan abmachen. Wir sprechen im Weiteren darüber, wie sehr Soziale Medien uns mental belasten - und über das richtige Erziehungsmass zwischen Freiraum und Führung. Und am Ende noch kurz über die Nase. Weitere Informationen zum Podcast finden Sie unter www.meyertrifftmediziner.ch. Haben Sie Anregungen oder kennen Sie eine Fachperson, mit der sich Thomas Meyer unterhalten soll? Dann schreiben Sie uns auf [email protected].
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«Das Auge ist Kunst!» | Prof. Dr. Kaweh Mansouri
In Prof. Dr. Kaweh Mansouris Sprechzimmer an der Lausanner Augenklinik Swiss Vivio gibt es zwei Sessel: seinen und einen für die Patientinnen und Patienten. Also nahm ich dort Platz, woraufhin wir bald von zwei Seiten in denselben Apparat guckten. Es folgte ein Reigen der Komplimente: meine Hornhaut sei wunderschön, meine Iris eine Landschaft aus Hügeln und Tälern. Prof. Dr. Mansouri klang wie ein Kunstliebhaber, der vor einem epochalen Gemälde steht. Darauf angesprochen, meint er: «Ja, das Auge ist Kunst! Kunst der Natur.» Wir unterhielten uns über die beste Köchin der Welt (Mama Mansouri), das beste Gericht der Welt (Fesenjan, persisch, Rezept im Podcast), die schwindende Dankbarkeit gegenüber der Demokratie, Künstliche Intelligenz und vieles mehr. Ich werde den sympathischen Arzt in zwei Jahren wiedersehen – dann steht mein nächster Kontrolltermin für den Grünen Star an. So gehört es sich, meinte Prof. Dr. Mansouri. Wann ist Ihrer?
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«Gendermedizin ist nun einmal der Begriff» | Prof. Dr. Carolin Lerchenmüller
Carolin Lerchenmüller hätte gern ein anderes Wort für das, was sie tut: die Medizin von einem Standpunkt zu betrachten, der die Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigt. Die englische Sprache differenziert dabei zwischen dem biologischen «sex» und dem «gender», also der sozialen Rolle oder der selbstbestimmten geschlechtlichen Identität. Im Wort «gender» sehen jedoch viele nur den Versuch, ihnen vorzuschreiben, wie sie zu reden und sprechen hätten. Prof. Dr. Lerchenmüller muss sich und ihre Arbeit also immer wieder erklären. Dass sie eine Frau ist, erschwert die Sache eher – Medizin ist traditionell männlich geprägt. Ironischerweise sind ihre und die Erkenntnisse ihrer Kolleginnen – es arbeiten hauptsächlich Frauen in diesem Fachgebiet – für beide «sexes» gleich lebenswichtig: Herzinfarkt, Depression, Hirnschlag und weitere Phänomene äussern sich je nach Geschlecht häufig unterschiedlich und werden oft nicht erkannt. Ein kurzweiliges Gespräch über Vorurteile, Fortschritt und die Herausforderung, ein positives Menschenbild zu wahren (es gelingt der Ärztin besser als dem Interviewer).
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«Ich bin dafür eher strassenschlau!» | Prof. Dr. Krassen Nedeltchev
Wie so viele Ärztinnen und Ärzte ist auch Krassen Nedeltchev eher zufällig in seinem Fachgebiet gelandet: Die bulgarische Universitätsklinik, in der er sich nach dem obligatorischen Jahr in der Inneren Medizin bewarb, hatte neben Neurologie nur zwei weitere Stellen anzubieten. Und die interessierten ihn nicht. Später führte ihn ein weiterer Zufall zu uns: Mittlerweile ein begeisterter Neurologe, liess sich Prof. Dr. Nedeltchev von einem Arzt und Erfinder einer Messtechnik ausbilden – und der war eben Schweizer. Heute ist Nedeltchev Chefarzt der Neurologie im Kantonsspital Aarau, wo er auch das Stroke-Center leitet. Es war schwierig, das Gespräch zu einem Ende zu führen, weil es so spannend war, diesem klugen und witzigen Menschen zuzuhören. Wir sprachen über die idealen Voraussetzungen der Partnerwahl, die Rollenverteilung in seiner Ehe (seine Frau ist gemäss ihm die bessere Neurologin), die Komponenten des Erfolgs und die Frage, ob Sozialismus die Toleranz fördere. Weitere Informationen zum Podcast finden Sie unter www.meyertrifftmediziner.ch. Haben Sie Anregungen oder kennen Sie eine Fachperson, mit der sich Thomas Meyer unterhalten soll? Dann schreiben Sie uns auf [email protected].
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«Vielleicht bin ich ja so unvernünftig wie die Raucher!» | Dr. med. Thomas Sigrist
Der Pneumologe Dr. med. Thomas Sigrist ist Leiter des Departements Innere Medizin und Chefarzt Pneumologie in der Klinik Barmelweid. In seinem Büro steht ein Sessel, von dem aus er über Wald und die Wiesen blicken kann, falls sein Terminkalender dies erlaubt. Im Gespräch verrät er, wie man vom Zugsanitäter im Militär zum Medizinstudenten wird und folglich zu einem der wenigen Ärzte, die Handgranaten werfen können. Und dass er eine Parallele sieht zwischen den Rauchern und ihm, der den Tag so sehr mit seiner geliebten Arbeit ausfüllt. Weitere Informationen zum Podcast finden Sie unter www.meyertrifftmediziner.ch. Haben Sie Anregungen oder kennen Sie eine Fachperson, mit der sich Thomas Meyer unterhalten soll? Dann schreiben Sie uns auf [email protected].
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«Als hyperaktive Deutsche bin ich vielen zu schnell!» | Dr. Stefani Parmentier, Hämatologin
Über Hämatologie spricht man mit Hämatologin Stefani Parmentier kaum. Dafür über die arbeitsbezogenen Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz (man arbeitet hier mehr, aber strukturierter) sowie die sprachlichen (Dr. Parmentier muss hier etwas langsamer sprechen). Ausserdem über Fernbeziehungen (sie wollte nie eine, hat jetzt aber eine erfüllende), die ideale Form des Zusammenlebens (eine Wohnung, die so gross ist, dass man einander tagelang ausweichen kann, also eine Fernbeziehung an einer Adresse) und die lähmende Wirkung der Routine.
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«Gute Beziehungen gibt es nicht auf Rezept» | Prof. Dr. Laurent Haegeli, Kardiologe
Was ist gut für unser Herz und was schlecht? Laurent Haegeli, Chefarzt der Kardiologie am Kantonsspital Aarau, hat auf beide Fragen einleuchtende, aber nicht immer leicht zu befolgende Antworten. So helfen eine gute Beziehung und stabile Freundschaften jedem Herzen, sagt er – im Wissen um die Arbeit, die dafür getan werden muss.
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«Flippa kann nichts!» «Knopf kann zuviel!» | Prof. Prof. Flippa und Dr. Prof. Knopf, Spitalclowns
Als eines der wenigen Krankenhäuser in Europa beschäftigt das Kinderspital Zürich mehrere Spitalclowns. Zwei davon sind Flippa und Knopf. Und wer glaubt, ihre Aufgabe bestehe nur aus Blödeleien, irrt gewaltig. Flippa und Knopf empfangen die kleinen Patientinnen und Patienten beim Eintritt, sind bei Arztvisiten anwesend und begleiten sie bis in den Operationssaal. Das hilft, wie die Erfahrung zeigt, auch den Eltern und dem Krankenhauspersonal. Alles geht besser mit Clowns.
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«Tom Cruise als Vampir wäre ein Fall gewesen für mich» | Dr. Konstantinos Loukidis, Hämatologe
Konstantinos Loukidis hat den Arztberuf in Griechenland erlernt, musste aber infolge der Finanzkrise im Ausland Arbeit suchen und kam so über Deutschland in die Schweiz. Heute gehört ihm die hämatologische Praxis in der Schaffhauser Klinik Belair. Ein kurzweiliges Gespräch über eine neue Heimat, enge Familienbande, die Fähigkeit, den Menschen auf den ersten Blick anzusehen, wie es um ihre Gesundheit bestellt ist, und den Erfolg entsprechender Warnhinweise.
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«Raketenbauer wäre auch eine Option gewesen» | Dr. Roman Gonzenbach, Neurologe
Roman Gonzenbach, Neurologe und Chefarzt am Rehazentrum Valens, war schon immer fasziniert vom menschlichen Gehirn – und der Tatsache, dass ebendieses nicht in der Lage ist, sich selbst restlos zu entschlüsseln. Im Gespräch verrät er, dass seine Neugier ihn durchaus auch hätte in den Weltraum bringen können, dass Heilung manchmal heissen kann, das Unveränderliche anders anzusehen, und was er alles für die Gesundheit seiner Nerven tut. Widersprüche auszuhalten, sagt er, helfe dabei sehr.
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«Es gibt den medizinischen Weg – und den menschlichen Weg» | Dr. Tilmann Möltgen, Urologe
Tilmann Möltgen hätte in Norddeutschland die väterliche Praxis übernehmen sollen, doch es zog ihn zur Urologie und in die Schweiz, nach Aarau, unter die Fittiche einer Koryphäe. Mittlerweile ist er als stellvertretender Chefarzt der Urologie im Kantonsspital Aarau selbst eine – und rundum glücklich dabei. Erst, wenn es ums Klima und die Zukunft seiner Kinder geht, wird er nachdenklich. Seine Einschätzung, dass es den klugen wissenschaftlichen Weg gibt, und den verständlichen, aber nicht immer ideal menschlichen, gilt wohl nicht nur für seine Patienten – sondern für uns alle.
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«Als ich beschloss, Ärztin zu werden, sprach mein Vater monatelang nicht mehr mit mir» | Prof. Dr. Alessandra Curioni
«Du musst eine Arbeit finden, die du liebst», hatte Alessandra Curionis Vater immer gesagt. Er meinte: eine Arbeit, die auch ihm gefällt. Aber Alessandra wollte nicht Juristin werden, wie er es für sie vorgesehen hatte, sondern Ärztin, und handelte sich damit einen längeren Beziehungsabbruch ein. Ihr Vater beendete ihn schliesslich ganz praktisch: Er fragte sie, was er für sie kochen könne. Trotzdem spricht sie voller Liebe und Dankbarkeit über ihre Eltern, in deren strengem Regelwerk sie vor allem Orientierung fand. Und die, nachdem sie zwei schwere Erkrankungen bei ihnen frühzeitig erkannt hatte, sich dann doch mit ihrer Berufswahl arrangieren konnten. Ein heiteres und sehr kurzweiliges Gespräch darüber, wie schön Rom am frühen Morgen ist, wie hübsch aber auch Gattikon ZH, und wie wichtig es ist, die Kommunikation mit Krebspatient:innen so zu gestalten, dass sie diesen entspricht – und nicht einem selbst.
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«Ich will noch die Fähigkeit haben, mich selber äussern zu können» | Dr. Michael Zürrer, Intensivmediziner
Michael Zürrer ist Facharzt für Intensivmedizin und Anästhesiologie an der Hirslanden-Klinik in Aarau. Jeden Tag kämpft er gegen den Schmerz an, den körperlichen der Patient:innen und den seelischen ihrer Angehörigen.
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«Männer mögen keine Creme – ich hoffe, das ist nicht sexistisch» | Prof. Dr. Thomas Kündig, Dermatologe
Thomas Kündig ist Dermatologe am Unispital Zürich – und macht gleich zu Beginn deutlich: «Wir sind kein Kosmetikinstitut.» Viele haben ein durch Krankenhaus-Serien geprägtes, allzu sanftes Bild der Dermatologie, in der es oft um Leben und Tod geht: Die meisten Patient:innen werden hier wegen Hautkrebs behandelt. Dass die Schweiz bei dieser Krankheit nach Australien und Neuseeland weltweit die häufigsten Fälle hat, liegt daran, dass die Menschen hier so viel reisen – und sich dann nicht richtig schützen. Wie man es machen sollte, und warum Männer damit Mühe haben – das erklärt Thomas Kündig in diesem unterhaltsamen Gespräch.
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«Gendermedizin ist nicht Frauenmedizin» Prof. Dr. Cathérine Gebhard, Gendermedizinerin
Obwohl offenkundig ist, dass Frauen und Männer nicht die gleichen Körper haben, werden die Unterschiede erst seit relativ kurzer Zeit erforscht. Gendermedizinerin Cathérine Gebhard hat bei ihrer Arbeit daher nicht nur mit Biologie zu tun, sondern auch mit Klischees. Ein spannendes Gespräch darüber, ob Männer wirklich so wehleidig sind, warum jüngere Frauen ein 7 Mal höheres Risiko haben, bei einem Herzinfarkt eine falsche Diagnose zu erhalten, und wo das sprachliche Gendern eine Grenze haben sollte.
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«Wir füllen nicht das Leben mit Tagen, sondern die Tage mit Leben» Dr. Jürg Streuli, Kinderarzt
Jürg Streuli ist Kinderarzt mit Schwerpunkt Palliative-Care. Aber was heisst das genau? Und wieso gibt es kein passendes deutsches Wort dafür? Eine berührende Unterhaltung mit einem Menschen, der sich mit Herzblut für Lebensqualität und Glücksmomente unter widrigsten Umständen einsetzt – was eigentlich zum Kern des Arztberufs gehört, aber in der hochspezialisierten Medizin zu Ungunsten der Familien an den Rand gedrängt wurde.
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«Ist das nun Glück oder Elend?» Dr. Frank Köhnlein, Kinder- und Jugendpsychiater
Der Kinder- und Jugendpsychiater Frank Köhnlein, geboren 1967, behandelt junge Menschen, die Zwangsgedanken haben, depressiv oder magersüchtig sind – oder kein Wort mehr sprechen. Gefragt, wie solchen Schützlingen zu helfen sei, antwortet er: «Durch Da-Sein. Ich bin einfach da und höre zu.» Obwohl Glück und Elend in der Kinderpsychiatrie nahe beieinanderliegen, liebt Köhnlein seine Arbeit sehr – er schreibt sogar Romane darüber. Darin kommt ein Psychiater namens Dr. Hepp vor, der Köhnlein nicht zuletzt wegen seines Humors verblüffend ähnelt.
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«Ich habe der ganzen Welt gedankt» Peter Merz, Patient
Peter Merz hat 40 Jahre lang geraucht, aber der Lungenkrebs, den er hatte, hätte er auch ohne die Zigaretten bekommen. Seit genau 4 Jahren ist er krebsfrei – das Wort «gesund» verwendet er für sein Lebensgefühl, weniger für seinen körperlichen Zustand. Die Krankheit kann jederzeit zurückkommen. Ein intimes Gespräch über die Dankbarkeit, den Wert der Zeit, die Wichtigkeit einer guten Hausärztin und den Tod, dem Herr Merz seit seiner Diagnose schon so oft von der Schippe gesprungen ist, dass er ihm heute zuruft: «Komm richtig oder lass es!»
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«Familien wachsen auch an solchen Erfahrungen» Prof. Dr. Katrin Scheinemann, Kinder-Onkologin
Katrin Scheinemann hat schon als 15-jähriges Mädchen im örtlichen Krankenhaus ehrenamtlich Menschen gepflegt – so sehr hat diese Arbeit sie berufen. Heute begleitet sie als Leitende Ärztin für Kinder-Onkologie im Kantonsspital Aarau krebskranke Kinder und deren Familien. «Es gibt nicht nur ‹post-traumatic stress›, sondern auch ‹post-traumatic growth›», erklärt Katrin Scheinemann: «Wenn man als Kind Krebs hatte, nimmt man die Schwierigkeiten des Lebens später oft leichter an.»
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«Es gibt nichts, was ich nicht schon gesehen oder gehört hätte» Dr. Daniel Dindo, Proktologe
Daniel Dindo ist Proktologe, also ein Spezialist für den Enddarm und den Beckenboden. Im Gespräch äussert er sich über die Unsinnigkeit von Toilettenpapier («Kostet Zeit, Geld und reinigt nie so gut wie Wasser!»), die Experimentierfreudigkeit der Menschen, wenn es darum geht, sich Objekte einzuführen («Die Entfernung kann sehr problematisch sein»), und den Unwillen der Medien, über die Stuhlinkontinenz aufzuklären: «Dabei wäre die eigentlich gut behandelbar.»
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«Die Lebensfreude der kranken Kinder berührt mich sehr» Prof. Dr. Ana Guerreiro Stücklin
Ana Guerreiro Stücklin ist Oberärztin für Onkologie am Kinderspital Zürich. Viele Menschen denken, ihre Arbeit sei schwierig und traurig, aber Ana Guerreiro Stücklin erlebt sie jeden Tag als schön und lehrreich. Im Kinderspital kümmern sich nicht nur Ärztinnen, Therapeuten und Pflegefachleute um die kleinen Patient:innen und deren Familien, sondern auch Clowns. Sie begleiten ängstliche Kinder zum Beispiel in den OP. «Ich bin extrem froh um diese Menschen», sagt Ana Guerreiro Stücklin.
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«Ich frage mich: Was wäre jetzt eine hilfreiche Reaktion?» Dr. Sabine Gerull
Sabine Gerull ist Fachärztin für Hämatologie und Transfusionsmedizin am Kantonsspital Aarau. Ihre Arbeit besteht aus sachlicher Medizin und oftmals intensiver Emotion – fremder wie eigener. Im Gespräch verrät sie, wie sie gelernt hat, möglichst sinnvoll damit umzugehen: «Ich versuche, meine Gefühle zu beobachten, bevor ich auf sie reagiere.» Ausserdem sprachen wir über den Tod, den wir ein Leben lang zu ignorieren versuchen, bis er dann eines Tages vor uns steht. Gefragt, wie sie sterben möchte, sagt Frau Gerull: «In Frieden damit.»
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«Vielleicht war das unprofessionell, aber ich habe ihn umarmt» Dr. Mario Graf
Die Zeiten von Höhensonnen und Melkfett sind zwar zum Glück vorbei, aber noch immer unterschätzen die Menschen in den Augen von Mario Graf die Gefahren des Sonnenlichts sträflich. Eine herzliche Begegnung mit einem Dermatologen, dessen Beruf auch deshalb zu ihm passt, weil er so sensibel und offen ist wie das Organ, das er behandelt.
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«Aber natürlich kann man mich bescheissen!» Prof. Dr. Elmar Habermeyer, forensischer Psychiater
Elmar Habermeyers Arbeit verbindet die Psychiatrie mit dem Recht: Er ermittelt die Schuldfähigkeit sowie die Kriminalprognose von Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Ein packendes Gespräch über mentale Gesundheit, den sprachlichen Umgang mit psychischen Störungen, Verschwörungserzählungen und die ausgleichende Wirkung von Fussball.
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«Lieber versöhnt sterben als verbittert leben» Dr. Ralph Zachariah, Onkologe
Dr. Ralph Zachariah, medizinischer Onkologe im Kantonsspital Winterthur bezeichnet seine Arbeit als Privileg. Nicht nur, weil die schweren Schicksale ihm immer wieder aufzeigen, was im Leben wichtig ist und was eben nicht. Sondern auch, weil es ihn jedesmal berührt, wenn jemand sich mit ebendiesem Schicksal versöhnen kann. «Das macht mich glücklich», sagt er. Selbst wenn auf die Versöhnung der Tod folgt.
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«Die Eltern googeln alles» Dr. Claudia Beck, Neonatologin
In ihrer Tätigkeit als Kinderärztin am Kinderspital St. Gallen begleitet die Vorarlbergerin Claudia Beck werdende, ängstliche und trauernde Eltern und deren Kinder. Wie geht man mit diesem Spektrum von Gefühlen um – zumal als Mutter? In klarer und präsenter Sprache schildert Claudia Beck, wie sie durch fremde und eigene Hochs und Tiefs navigiert.
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«Manchmal bin ich richtig überrascht, wenn ich von schönen Gefühlen höre» Dr. Diana Zwahlen, Psychoonkologin
Diana Zwahlen ist Psychoonkologin, also eine in der Onkologie tätige Psychologin, die Patienten und ihre Angehörigen unterstützt. Als Studentin traf sie auf eine Mutter, die zwei Kinder an Krebs verloren hatte, und fand so ihre Bestimmung: die Begleitung von Familien nach einem Schicksalsschlag. Dabei erlebt sie immer wieder, dass Menschen sich sozusagen erwartungsgemäss verhalten: Männer, die sich erst mal zurückziehen, und Frauen, die intensiv reden wollen. Und auch, dass für Familien nicht nur die Krankheit eine Herausforderung darstellt, sondern auch die Unterschiede im Umgang damit. Wenn unter all den schwierigen Emotionen zwischendurch positive aufleuchten, ist Diana Zwahlen immer noch einen Moment lang überrascht – obwohl sie sich schon damals bei der trauernden Mutter darauf konzentriert und gefragt hatte: «Was haben Sie daraus für sich gelernt?».
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«Man schwingt mit dem Patienten mit» Dr. Stefanie Pederiva, Onkologin
Macht Onkologie empathisch, oder finden Empathische zur Onkologie? Für Stefanie Pederiva ist der Fall klar: beides. Das Einfühlen ist für sie der zentrale Aspekt ihrer Arbeit. Um die Emotionen der Patient*innen bei diesen zu lassen, hat sie ein festes Ritual entwickelt: Sie dreht nach jedem Termin eine Runde im Ambulatorium Brugg AG – was ihr aber erst in unserem Gespräch auffällt. Wir reden ausserdem über Dankbarkeit, Erziehung und den endgültigen Abschied aus dem Leben.
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«Je älter ich werde, desto mehr sehe ich den Menschen» Dr. Ulf Petrausch, Onkologe
Er hat keinen Tisch, an dem man sich gegenübersitzt, sondern einen runden, und Kittel trägt er auch keinen. Sein Büro soll kein Sprechzimmer sein, sondern ein Raum für den Raum, den Dr. Petrausch vom Onko-Zentrum Zürich seinen Patientinnen und Patienten gibt, für ihre Sorgen, aber auch für ihre Hoffnung. Hoffnung? Ist das nicht einfach ein schöner Begriff für Ausweglosigkeit? Nein, sagt Dr. Petrausch, die Hoffnung sei ein wesentlicher Bestandteil des Krankheitsprozesses.« Es ist nicht ihre Aufgabe, mir die Hoffnung zu nehmen», sagte ihm mal eine alte Dame. Und manchmal komme tatsächlich alles gut. Dann feiere man aber nicht. «Dann wird man still und demütig.»
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«Medizin ist Sprache» Dr. Irene Burger, Nuklearmedizinerin und Radiologin
Irene Burgers Begeisterung für die Möglichkeit, in den Menschen hineinzusehen, entdeckte sie als junge Ärztin in einem Spital auf Haiti, wo es zwar ein Ultraschallgerät gab, aber niemanden, der es richtig bedienen kann. So wurde sie zur Spezialistin. Wie geht man aber mit dem um, was man erblickt? Wie vermittelt man es Kolleginnen und Kollegen korrekt – und wie den Betroffenen und ihren Angehörigen? Und was, wenn man selber eine davon ist? Ein berührendes und persönliches Gespräch über Forschung, Heilung und Sprache.
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«Erotische Flexibilität macht einen guten Partner aus.» Dr. Eliane Sarasin Ricklin, Gynäkologin
Menschen können sehr gut über Sex reden – bloss nicht über ihren eigenen. Da fehlen ihnen manchmal buchstäblich die Worte, wie die Gynäkologin Eliane Sarasin Ricklin immer wieder festgestellt hat. Vor allem, wenn der Körper einer Frau nach einer Brustkrebsoperation anders aussieht. Also absolvierte Eliane Sarasin Ricklin eine Zusatzausbildung in Sexualmedizin. Seither kommen Patientinnen mit ihren Partnern zu ihr, um offen miteinander über ihr Liebesleben zu reden – oft zum ersten Mal. Dabei hören sie vermeintlich banale Fragen wie: «Warum wollen Sie Sex?».
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«Das waren tränenreiche Abschiede» Prof. Dr. Mathias Schmid, Onkologe
Wie gestaltet sich Onkologie während einer Pandemie? Prof. Mathias Schmid vom Zürcher Triemli-Spital erzählt von der Einsamkeit seiner Patienten und Patientinnen, die während einer langwierigen Behandlung wochenlang keine Angehörige empfangen durften, von den emotionalen Szenen, die sich beim Eintritt ins Spital abspielten, und von den Nöten seiner eigenen Leute, deren Beziehungskompetenz noch stärker gefordert ist. Was hält er von all jenen, die auch ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie diese immer noch verharmlosen? «Die dürfen gern mal hier vorbeikommen», antwortet Prof. Schmid ohne jeden Hohn. Mit seiner ebenso sachlichen wie zugewandten Art wäre er in der Tat auch für solche Gespräche eine ideale Besetzung.
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«Zu helfen ist für jeden etwas Sinnvolles» Prof. Dr. Martin Früh, Onkologe
Er hat sich erst überlegt, Anwalt zu werden, um Menschen zu helfen, aber der soziale Aspekt des Arztberufes überzeugte Martin Früh schliesslich mehr. Ausserdem hatte er grossen Respekt für seinen Vater, der in Nigeria geboren war und mit nichts in die USA auswanderte, um ein erfolgreicher Radioonkologe zu werden. Martin Früh hat selber in Übersee gearbeitet: «Dort gibt es einen regelrechten Ärztekonsum, hier hingegen kann man es sich leisten, sich Zeit für die Patienten zu nehmen. Das wird von diesen auch zurecht eingefordert.» Er hofft, dass der «Luxus, für die Patienten Zeit zu haben» der Schweiz noch lange erhalten bleiben wird.
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«Ich höre oft: Ah, da kommt jemand mit guter Laune!» Silja Gilliand, Pflegefachfrau
Die Pflegefachfrau Silja Gilliand kümmert sich von früh bis spät um Schwerkranke und Sterbende, die sich jedesmal freuen, wenn die warmherzige Frau ihr Zimmer betritt. Ohne Menschen wie Silja Gilliand würde ein Spital nicht funktionieren. Vermutlich würde überhaupt nichts funktionieren. Dabei wollte sie gar nie im Pflegeberuf arbeiten, sondern Reiseleiterin werden. Wie sie aber über ihren Beruf spricht, über ihre Menschenliebe, über die vielen Dinge, die sie für Sterbende tut, bis hin zum Abspielen von Musik, erhält der Zuhörer immer mehr den Eindruck, dass sie ihren ursprünglichen Berufswunsch tatsächlich umgesetzt hat: als Begleiterin für die letzte Reise.
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«Man müsste den Menschen beibringen, wie sie gut mit sich umgehen» Barbara Denecke, Onkologin
Barbara Denecke wäre gern Präventivmedizinerin geworden: «Die Menschen wissen viel zu wenig über ihren Körper. Ideal wäre es, den Arzt dort anzusetzen, wo es ihn noch nicht braucht.» Ihrer Meinung nach sollten Gesundheit und Bildung viel stärker ineinandergreifen: «Dann würden sich Diabetiker nicht darüber wundern, dass auch Apfelsaft Zucker enthält.» Onkologin wurde sie, weil die Begleitung von Menschen sie begeistert – und weil sie schon immer eine Optimistin war. Eine Eigenschaft, die in ihren Augen sehr hilfreich ist für ihre Arbeit: «Ich darf nicht im Tief stecken bleiben mit dem Patienten. Ich will ihm den nächsten Schritt aufzeigen und diesen zusammen mit ihm gehen.»
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«Manchmal kann man einfach nur sagen: Es ist jetzt scheisse» Dr. Stefanie Aeppli, Onkologin
Wenn Stefanie Aeppli an sozialen Anlässen von ihrer Arbeit erzählt, reagieren die meisten mit Bestürzung: «Onkologie? Warum machst du so etwas!». Sie erklärt dann, dass sie, trotz den schwierigen Situationen, schöne und enge Beziehungen mit ihren Patientinnen und Patienten aufbauen und diesen dadurch häufig helfen könne. Dafür hätte sie oft gern mehr Zeit. Manchmal, bei schlechten Diagnosen, entsteht aber auch Wut, und manchmal richtet sich diese gegen Stefanie Aeppli, die Ärztin, die trotz bestem Bemühen nicht helfen kann: «Gewisse Patientenbeziehungen erholen sich davon nicht.» Auch sie selber verspürt angesichts dieser Ohnmacht Frust. Manchmal gibt es dafür nur noch deutliche Worte.
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«Als ich kam, war der Tod gerade gegangen» Dr. Raoul Pinter, Palliativmediziner
Der Palliativmediziner Raoul Pinter hält sich berufsmässig an der Schwelle zwischen zwei Welten auf, die für ihn beide real sind. «Plötzlich war der Raum gefüllt» – so beschreibt er den Moment direkt nach dem Tod einer Patientin. Ein andermal spürte er beim morgendlichen Betreten der Station, dass soeben ein Patient gestorben war. An dem eindringlichen Empfinden solcher Vorgänge drohte Raoul Pinter zu zerbrechen. Er nahm sich vor, sich mehr mit dem Unerklärlichen zu beschäftigen – und landete bei sich selbst, beim eigenen Unerklärlichen und vor allem der Frage: Warum bin ich so sensibel? Die Antworten haben ihm im Umgang mit Sterbenden sehr geholfen.
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«Ich mache mir Sorgen, wenn Patienten allein zu Terminen kommen» Dr. Aurelius Omlin, Onkologe
Aurelius Omlin hat es manches Mal beobachtet: Jemand bekommt eine Krebsdiagnose und bereut weniger das nahe Ende seines Lebens, sondern vielmehr, dieses mit zu viel Arbeit verbracht zu haben. Darum will der Onkologe sein Arbeitspensum reduzieren, um einen Tag pro Woche Gesangsunterricht zu nehmen – und vielleicht sogar noch Kunstgeschichte zu studieren. Kommen seine Patient:innen allein zu ihren Terminen, ist er alarmiert: «Da frage ich mich: Was haben sie zuhause erzählt?» Oft heisst es, man wolle den Partner nicht belasten. Aurelius Omlin will seine Patient:innen aber nicht nur begleiten – er will auch, dass sie von ihren Angehörigen begleitet werden.
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«Auch Krebs ist ein Teil der Schöpfung.» Dr. Christoph Driessen, Onkologe
In Christoph Driessens Leben spielten und spielen drei Kräfte eine tragende Rolle: Musik, Neugierde und der Glaube. So wurde er Kirchenmusiker und später Onkologe. Er, der die Dinge gern verstehen will, wurde von diesem Gebiet, in dem vieles noch nicht verstanden wird, regelrecht angezogen. Es gibt auch etwas, das er an sich selbst nicht versteht: die Rastlosigkeit, die ihm gemäss seiner Mutter schon als Säugling eigen war und ihn noch heute manchmal ungeduldig macht. Loswerden möchte er sie aber nicht; er betrachte sie als so gottgegeben wie die gesamte Schöpfung, einschliesslich der Krankheit. Sogar dann, als die in Form von Leukämie zwei seiner vier Kinder traf.
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«Es ist mir sofort anzumerken, ob ich gute oder schlechte Nachrichten habe.» Dr. Christian Rothermundt, Onkologe
Christian Rothermundt wäre ein schlechter Pokerspieler – zu präsent ist seine innere Verfassung. Das wiederum macht ihn zu einem guten Arzt: «Es ist mir wichtig, dass Schicksale mich immer noch betroffen machen.» Seine Tage beginnt er mit Laufen oder Schwimmen, so findet er die Stärke und Zufriedenheit für seine Arbeit. Er, der Menschen oft bis zu ihrem Tod begleitet, ist der Ansicht, dass dahinter nichts auf uns wartet. «Was darüber hinauslebt; das Leben, von dem man sagt, es gehe weiter, sind Dinge, die in anderen Menschen weiterleben, weil sie sich an einen Verstorbenen erinnern.»
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«Mit den Jahren lernt man zu schweigen.» Dr. Marie-Claire Flynn, Onkologin
Marie-Claire Flynn, Oberärztin für Onkologie und Hämatologie am KSSG, hat sich schon als Kind für Anatomie interessiert. Als dann ihre Mutter an Darmkrebs erkrankte und ein sensibler Onkologe die Familie auf eindrückliche Weise begleitete, war ihr klar, dass auch sie den Menschen so helfen will: nahbar und einfühlsam. Diese Präsenz sei nicht nur für ihre Patientinnen und Patienten ein Gewinn, sondern auch für sie selbst: «In der Onkologie erlebt man viele schöne Emotionen, die man anderswo nie vorfinden würde.» Worte, findet sie, seien dabei oft hinderlich.
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Der Schriftsteller Thomas Meyer trifft Menschen aus der Medizin und unterhält sich mit ihnen über ihre Arbeit und das Leben. Eine Sammlung von berührenden, persönlichen und erhellenden Gesprächen.
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HOSTED BY
Thomas Meyer
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