EPISODE · Nov 30, 2021
Billersbockmist – Tag 1
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„ICH WILL ABER NICHT!“, brüllte Lulu und stapfte die Treppe hinauf. Wütend riss sie ihre Zimmertür auf und warf sie krachend hinter sich ins Schloss. „Ach, Lulu!“, hörte sie Mama von unten. Lulu schnaubte vor Wut ... und vor Verzweiflung. Es war einfach so ungerecht! Bloß weil Papa den tollen Job hatte haben wollen, waren sie umgezogen. Nach Billersbach! Pah, was’n Kaff! Und alles wegen Papa! Er hätte doch einfach in der alten Firma bleiben können. Und dann wären sie in Berlin geblieben. Bei Lulus Freunden. In ihrer alten Schule. In der gemütlichen kleinen Wohnung. Und nun Billersbach! Wenn Lulu im Urlaub gefragt wurde, wo sie herkam, dann hatte Lulu bislang lässig mit „Aus Berlin.“ geantwortet, und alle hatten Bescheid gewusst. „Aber keine müde Socke weiß, wo Billersbach ist!“, schnaufte Lulu. „Kein Wunder, das Kuhkaff liegt ja auch am Ende der Welt!“ Plötzlich stand Lulus Papa in der Tür. „Lulu, wir müssen reden!“, sagte er. „Ich will aber nicht reden!“ „Lulu, die Herbstferien sind zu Ende. Du musst morgen in die Schule!“ Lulu verdrehte die Augen. „Das ist mir völlig schnuppe! Ich will einfach nicht in diese Schule! Das sind doch nur Dorfdeppen da!“ „Lulu!“ Papas Stimme klang ein wenig ungeduldig. Das lag vermutlich daran, dass sie dieses Gespräch in den letzten zwei Wochen schon Dutzende Male geführt hatten. „Die Schule ist völlig in Ordnung. Die Direktorin freut sich auf dich, dein neuer Klassenlehrer freut sich auf dich, und ich bin sicher, die Schüler freuen sich auch auf dich.“ „Ich will aber nicht!“ Lulus Unterlippe begann zu zittern. So sehr, dass sie mit den Zähnen darauf beißen musste, um sie festzuhalten. „Lulu, meine große Lulu“, sagte Papa, der das Zittern auch bemerkt hatte. Er setzte sich auf Lulus Bettkante und klopfte auf die freie Stelle neben sich. „Komm her!“ Lulu tippelte zum Bett und setzte sich vorsichtig neben ihren Papa. Der legte seinen Arm um sie und zog sie noch ein Stückchen näher an sich heran. So nah, dass Lulu ihre Unterlippe endlich loslassen konnte ... und weinte. Und als Papa sie dann auf seinen Schoß zog, musste sie leider, leider ihre schniefende Rotznase an Papas frischem Hemd abwischen. Zwei Mal. „Ich geh da nicht hin!“, flüsterte Lulu. „Warum? Sag mir warum“, flüsterte Papa zurück. „Ich kenne da doch niemanden! Ich kann da nicht hin!“ „Aber du wirst die Kinder doch alle morgen kennenlernen! Und du wirst sehen: Ruckzuck findest du neue Freunde!“ „Ich brauche keine neuen Freunde! Ich hab ja schon welche. Nur sind die eben noch in Berlin! Und wir sind in Billersmist!“ „Bach! Wir sind in Billersbach!“ „Phhh!“, schniefte Lulu und die Wut kroch schon wieder in ihr hoch. „So, Frollein, jetzt reicht’s mir! Schon seit zwei Wochen müssen wir deine miese Laune ertragen. Ich verstehe ja, dass es dir schwergefallen ist, von Berlin wegzuziehen. Ich verstehe auch, dass dir deine Freunde fehlen. Aber bitte erinnere dich daran: Wir haben das gemeinsam entschieden. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, ob wir das zusammen packen. Und ich kann mich erinnern, dass du gesagt hast, du bist dafür ... Für den Umzug. Für das neue Haus. Für die neue Schule.“ Papa holte einmal tief Luft und ließ sie dann zischend durch die Zähne wieder heraus. „Ach, Lulu, tut mir leid. Ich wollte dich nicht so anfahren. Es ist nur so: Mir geht’s ja ganz genauso ... Morgen muss ich das erste Mal zur Arbeit und ich hab ganz schön Bammel!“ Lulu riss die Augen auf und sah ihrem Vater forschend ins Gesicht. „Echt!?“ „Na klar! Schließlich bin ich da auch der Neue ... Und Mama und du, ihr seid meinetwegen umgezogen! Stell dir mal vor, ich gehe da morgen hin und merke, dass mein neuer Job gar nicht so knülle ist. Dann hab ich’s völlig verbockt! Ich hab euch überredet mit mir hierherzuziehen! Und wenn’s mir nicht gefällt und dir nicht gefällt ... Ja, dann wohnen wir nicht in Billersbach, sondern in Billersbock!“ „Billersbockmist!“, stimmte Lulu zu ... aber ihre Wut war schon verraucht. Es ist nämlich eine Sache, sich elend und wütend zugleich zu fühlen. Aber es ist eine ganz andere Sache, wenn man weiß, dass es jemand anderem auch so geht. „Kann’s ja mal versuchen ...!“, nuschelte Lulu. „Echt?“, fragte Papa. „Jupp! Vielleicht ist ja in der Schule von Billersbockmist ein Kind, das auch aus Berlin hierhergezogen ist ... Wer weiß!“ Papa grinste. Lulu kicherte. „Wir probieren es, Lulu! Wir beide! Und Mama! Wir drei sind die Neuen! Und wir stellen Billersbockmist auf den Kopf! Und jetzt hol dir gefälligst ein Taschentuch, du Rotzlöffel! Mein Hemd sieht ja unmöglich aus!“
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