PODCAST · history
Amor, Psyche und Preussen
by Gäste, Gert Streidt & Julia Theek augustfilm podcasts
Die Kulturgeschichte Preußens im Gespräch - ohne clickbait oder Ideologie14 Interviews in der 1. Staffel„Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt.
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14. König der Kulturbetriebs – Professor Peter Raue letzte Folge der 1. Staffel
In dieserFolge sprechen wir mit Peter Raue, dem der Berliner Tagesspiegel diesenEhrentitel verlieh. Ein Anwalt, der nie ein politisches Amt innehatte und dochwie kaum ein anderer die Kulturlandschaft mitgestaltet hat. Seine Geschichtebeginnt mit einer Entscheidung: 1961, kurz nach dem Mauerbau, kommt er alsjunger Student nach Berlin – nicht aus Pflicht, sondern aus Überzeugung. EineStadt, die er „nicht allein lassen“ wollte.Von dort ausentfaltet sich ein Leben zwischen Recht und Kunst, Raue kämpft für enteigneteKunstwerke oder bringt Meisterwerke aus New York nach Berlin. Preußen istfür ihn kein Ort, sondern ein Spannungsfeld: zwischen Aufklärung und Autorität,zwischen kultureller Blüte und menschlicher Härte. Geschichten wie die desKronprinzen und Katte stehen für eine Kälte, die ebenso prägt wie die großenIdeen von Toleranz und Bildung. Auch in derheutigen Hauptstadt sieht er diese Ambivalenz: eine Stadt voller Möglichkeiten,aber auch voller Versäumnisse. Große kulturelle Leistungen treffen auf leereMuseumssäle, visionäre Projekte auf fehlende Mittel. Sein Plädoyer ist klar:Kultur braucht Mut, Beweglichkeit – und bürgerliches Engagement.In dieserletzten Folge der 1. Staffel blicken die Gastgeber Julia Theek und Gert Streidtauch zurück auf die Gespräche - und nachvorn.
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13. Star & Sprünge – die skandalumwitterte Barbarina neu gesehen mit Dr. Christiane Theobald Folge 13
Eine Frau, die Europa in Atem hielt. Eine Tänzerin, für die ein KönigGrenzen überschritt. Und eine Geschichte, die klingt wie ein Historienkrimi –aber im preussischen Berlin ihr Drama entfaltet.Gemeinsam mit der Expertin Dr. Christiane Theobald begeben wir uns aufSpurensuche: von den Bühnen Europas bis zu den Intrigen der preußischenPolitik. Dabei entsteht ein überraschend modernes Bild einer Frau, die nicht nurmit Talent und Training, sondern auch mit klugen Entscheidungen und einemstarken Willen ihren eigenen Weg ging.Barbarina liebte, riskierte, widersetzte sich – und schrieb damitGeschichte. Ihre Karriere endete mit einem Knall: Skandale, eine heimlicheHochzeit und ein radikaler Bruch mit dem Theaterleben. Und doch bleibt sie bisheute eine Schlüsselfigur für die Entwicklung des Tanzes – eine Brücke zwischenhöfischer Tradition und künstlerischer Erneuerung.Was macht eine Künstlerin zur Ikone? War es ihre Virtuosität auf der Bühne,ihre Ausdruckskraft – oder die Tatsache, dass sie sich nicht vereinnahmen ließ?La Barbarina war ihrer Zeit voraus: eine Art „It-Girl“ des 18. Jahrhunderts,bewundert, begehrt und gleichzeitig ein Marketingfaktor. Friedrich der Großewollte sie unbedingt an seinen Hof holen – und scheute dabei nicht vordrastischen Maßnahmen zurück. Eine Tänzerin als Staatsaffäre? In dieser Podcast-Folge tauchen wir ein in das faszinierende Leben derlegendären Barbarina – geboren als Barbara Campanini. Sie war nicht nur eineder gefeiertsten Tänzerinnen des 18. Jahrhunderts, sondern auch eine Frau, diesich den Regeln ihrer Zeit widersetzte. Zwischen höfischem Glanz, politischemKalkül und leidenschaftlicher Selbstbestimmung entfaltet sich ein Leben vollerDrama, Mut und überraschender Wendungen.Mit der Gründerin des Staatsballetts blicken wir zurück ins Rokoko: Wie sahder Tanz damals eigentlich aus – lange vor Spitzenschuhen und klassischemBallett? Welche Rolle spielten Künstlerinnen am Hof? Und wie viel Freiheitkonnte sich eine Frau wirklich nehmen?Diese Folge ist für alle, die Geschichten lieben, in denen Kunst auf Machttrifft, in denen Menschen größer sind als die Rollen, die man ihnen zuschreibt.
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12. Kunst, Kapital und Klassenkampf - Archivfolge mit Joachim Mückenberger Folge 12
Diese Folge führt uns in das Spannungsfeld von Kunst, Politik und Preußen. Julias Interview von 2006 mit Joachim Mückenberger wirdvon Gert kommentiert, der gegen Ende der 24 -jährigen Amtszeit von Mückenberger dessen Pressesprecher war.Schloss und Park von Sanssouci – hier sind auch die anderen preußischen Schlösser und Gärten mit gemeint – waren auch eine internationale Bühne. Wie ging die DDR mit dem preußischen Erbe um? Anfangs galt Preußen als Symbol für Militarismus und Reaktion – etwas, das so gar nicht zum sozialistischen Selbstbild passte. Doch mit der Zeit änderte sich diese Sicht. Die DDR begann, Geschichte differenzierter zu betrachten und suchte nach einer eigenen nationalen Identität. Und plötzlich wurde auch Friedrich der Zweite sogar wieder der „Große“ – nicht als Held, aber als ambivalente Figur zwischen Aufklärung und Machtpolitik. Hier kommt Mückenberger ins Spiel. Er war eine spannende Figur der DDR-Kulturpolitik, eng mit dem Zentralkomitee der SED, aber als DEFA-Chef entlassen, 12 unter seiner Leitung produzierte Filme wurden 1965verboten.1965 – 91 Generaldirektor der Schlösser und Gärten in Potsdam-Sanssouci war er nicht nur Verwalter historischer Orte, sondern auch ein geschickter Navigator im politischenSystem. Er wusste, was erlaubt war – und wo man Spielräume nutzen konnte. Seine Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie Kultur selbst in unter starker ideologischer Kontrolle nicht nur Propaganda war, sondern auch echte Begeisterung und Fachkompetenz möglich machte. Besonders spannend wird es bei der legendären Friedrich-Ausstellung von 1986. Sie war ein kulturelles Großereignis – mit riesigem Besucherandrang, internationalen Leihgaben und politischer Brisanz. Menschen standen stundenlang an, um einen König zu sehen, der wenige Jahre zuvor noch ideologisch abgelehnt wurde. Und wie schafft man es, ein solches Projekt durch ein politisch sensibles Umfeld zu manövrieren?Andererseits: die DDR brauchte Devisen, und der Handel mitKunst und Antiquitäten war ein heikles, oft umstrittenes Mittel, um an harte Währung zu kommen. Mückenberger selbst geriet in diese Maschinerie – und reflektiert später kritisch darüber. Hier öffnet sich ein brisantes Spannungsfeld zwischen kulturellem Erbe und wirtschaftlichem Druck.Der Podcast wirft auch einen Blick hinter die Kulissen: auf absurde bürokratische Hürden, auf improvisierte Lösungen und auf die Herausforderungen einer Planwirtschaft, in der selbst ein Ausstellungskatalog zum Problem werden konnte. Gleichzeitig zeigt sich, wie viel Idealismus und Engagement in den beteiligten Fachleuten steckte – von Kunsthistorikern bis zu Gärtnern.Auch die internationale Dimension kommt nicht zu kurz. Ob sowjetische Soldaten, die Sanssouci als Teil ihres Bildungsprogramms besuchten, oder polnische Restauratoren, die maßgeblich an der Wiederherstellung derAnlagen beteiligt waren – der Podcast zeigt, wie vernetzt selbst ein scheinbar nationales Kulturerbe war. Und immer wieder blitzt Humor auf: in kleinen Anekdoten, in ironischen Kommentaren und in Momenten, in denen die Ernsthaftigkeit des Systems für einen Augenblick ins Absurde kippt. Am Ende bleibt die Frage: Wie unabhängig kann Kultur wirklich sein? Dieser Podcast liefert Stoff zum Nachdenken. Und er macht Lust darauf, tiefer einzutauchen in die DDR- Geschichte, die viel komplexer ist, als oft dargestellt.
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11. Skandal! in Königsberg – mit Sir Christopher Clark Folge 11 von "Amor, Psyche und Preußen"
In dieser Folge ist der Starhistoriker Christopher Clark zuGast. Im Mittelpunkt seines letzten Buchs steht ein überraschender Archivfund aus Clarks Forschung: der Fall des charismatischen Predigers Johannes Ebel.Seine Predigten ziehen immer größere Menschenmengen an, besonders Frauen fühlen sich von ihm angezogen und verstanden. Doch dann kursieren schockierende Gerüchte: von einer geheimen religiösen Gemeinschaft, angeblichen sexuellen Ausschweifungen und spirituellen Experimenten. Die Vorwürfe eskalieren zu einem öffentlichen Skandal, der die preußische Regierung beschäftigt. ChristopherClark zeigt, wie sich aus einer lokalen Geschichte ein faszinierender Blick auf die großen Konflikte der Zeit entwickeln lässt. Gleichzeitig räumt er mit vielen Klischees über Preußen auf – einem Staat, der oft zu militärisch dargestellt wird, dessen Geschichte aber viel widersprüchlicher und vielfältiger ist.
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10. Kirschen im Januar – Gartengeschichten mit Marina Heilmeyer Folge 10 von Amor, Psyche und Preussen
Preußische Kulturgeschichte riecht manchmal nach Orangenblüten, schmeckt nach Kirschen – und endet gelegentlich mit Kartoffeln auf einem Grab. Schon der junge Kronprinz Friedrich, der spätere II., schwärmt von seinem Weinberg, seinen Kirschen und Melonen. Obst war ein Pausensnack und die Krönung der Tafel, Prestigeobjekt, Ausdruck von Kultur, Sinnlichkeit und Wissen. König Salomon hatte einst gewünscht, dass jeder Mensch unter seinem Weinstock und Feigenbaum glücklich sein. Inspiration für die Terrassen von Sanssouci? Kirschen im Winter waren eine luxuriöse Meisterleistung. In Gewächshäusern wurden die Obstbäume so kultiviert, dass sie zu ungewöhnlichen Zeiten Früchte trugen. Exotische Pflanzen wie Ananas, Papaya oder Bananen zierten die Tafelrunde.In der Folge 8 mit Jörg Kirschstein wurde sie als preußischer Mythos hinterfragt. Die Kartoffeln auf König Friedrichs Grab in Sanssouci sind noch immer ein Ritual. Und es gibt kuriose Szenen: Kindergartenbasteleien - Kartoffeln mit kleinen goldenen Kronen, oder Kränze mit Kartoffeln. Das Interesse für Pflanzen hatte aber auch ganz praktische Folgen. Die Kartoffel wurde tatsächlich erst in Friedrichs Zeit zueinem entscheidenden Nahrungsmittel, weil sie die schlechten Sommer der „kleinen Eiszeit“ besser überstand als Getreide. Und die Stallfütterung verbesserte. Ein weiterer Protagonist der Folge ist Fürst Hermann von Pückler-Muskau – Gartenkünstler, Reisender, Ballonfahrer, Lebenskünstler. Für ihn war das eigene Leben ein Gesamtkunstwerk, seine Hauptqualität der Geschmack. Er dokumentierte, was auf seiner Tafel serviert wurde, wer zu Gast war und wie man stilvoll lebte. Diese „Tafelbücher“ geben Einblick in eine Welt, in der Mahlzeiten aus vielen Gängen bestanden – nur Fleisch oder nur Gemüse beispielsweise. Und jedes Detail ist Teil einer Inszenierung war. Dafür wurde geprobt. Das berühmte Pückler-Eis trägt zwar seinen Namen, tauchte in bei ihm aber kaum auf. Beliebter war eine besondere Kartoffelzubereitung – ein Hinweis darauf, dass im 19. Jahrhundert selbst fürstliche Küchen längst von der neuen Knolle geprägt waren.Neben Geschmack spielte auch derDuft eine wichtige Rolle. In den Schlössern standengroße Potpourri-Vasen, gefüllt mit getrockneten Blüten, Schalen und Blättern. Besonders Zitrusfrüchte lieferten eine ganze Palette von Duftnoten – aus Blüten, Blättern, Zweigen und Früchten ließ sich Parfum gewinnen.Am Ende führt das Gespräch aufs Land– zu den Erntefesten in Paretz, wo König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise gemeinsam mit Bauern tanzten und feierten. Fontane, dessen Großvater für Luise gearbeitet hat, hat auch weitere Quellen genutzt und beschreibt unterhaltsam echte Volksfeste. Geschmack, Gerüche, Gartenkunst und die Erkenntnis, dass Symbolgehalt manchmal auf dem Teller liegt.
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9. Mätresse & Nachlässe mit Barbara Schneider-Kempf Folge 9 von Amor, Psyche und Preussen
„ Bonjour!! Diepreußische Mätresse trifft auf die international gefeierte Malerin Angelika Kaufmann…“ diese Folge beginnt mit Zitaten aus einer Hörstation im Marmorpalais, einem Spendenprojekt des Fördervereins, deren Vorsitzende Barbara ist. Sie ist beieindruckt von deren Protagonistin. Wilhelmine Encke, Gräfin Lichtenau ist weit mehr als Preußens bekanntesteMätresse. Sie bringt etwas Weltläufigkeit in die in der Spätzeit des AltenFritz etwas erstarrte preußische Kultur und gilt als Mäzenin.Was macht eine große Bibliothek eigentlich aus – und wer entscheidet, welche Schätze bewahrt werden? In dieser Folge von Amor, Psyche & Preußen geht es um Bücher, Sammlungen und den Förderverein der Preußischen Schlösser und Gärten. Zu Gast ist die Bibliothekswissenschaftlerin Barbara Schneider-Kempf, viele Jahre Generaldirektorin der Staatsbibliothek zu Berlin. Das Gespräch beginnt mit einem Blick auf die lange Tradition der preußischenBibliothek – zurück bis in die Zeit des Großen Kurfürsten und zu Friedrich II. von Preußen, der nominell sogar als oberster Bibliothekar des Landes gelten konnte. Doch eine Bibliothek ist kein statischer Ort: Sie wächst ständig, verändert sich und spiegelt die Interessen und das Selbstverständnis ihrer Zeit.BarbaraSchneider-Kempf studierte sie Architektur, bevor sie sich der Bibliothekswissenschaft zuwandte. Über die Universitätsbibliothek Potsdam führte ihr Weg an die Staatsbibliothek in Berlin – mit Arbeitsorten sowohl im historischen Haus Unter den Linden als auch im modernen Kulturforum.Besonders spannend wird es, wenn es um spektakuläre Erwerbungen und Nachlässe geht. In ihre Amtszeit fielen bedeutende Zugänge wie die Reisetagebücher von Alexander von Humboldt und die sogenannte Prinzessinnenbibliothek – eine private Büchersammlung von Mutter, Schwester und Nichte Friedrichs des Großen, die über Generationen hinweg zusammengetragen wurde. Mit ihren mehr als tausend Bänden eröffnet sie einen seltenen Einblick in die Lektüre- und Bildungskultur preußischer Prinzessinnen.
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8. Thron, Tragik & ein Tresor Folge 8 von Amor, Psyche und Preussen mit Jörg Kirschstein
Wie schlug sich die Kronprinzessin, als die Monarchie fielund aus Glanz Geschichte wurde? Jörg Kirschstein ist einer der profundesten Kenner der Hohenzollern-Dynastie und spezialisiert auf die Kaiserzeit. Der gebürtige Potsdamer, aufgewachsen am Park von Sanssouci, leitet das riesige Neue Palais im Park von Sanssouci, – jenes Schloss, das in der Kaiserzeit seine eigentliche Blüte erlebte. Seine besonders interessante historische Person ist die letzte Kronprinzessin des Deutschen Kaiserreiches: Cecilie von Preußen.Kirschstein zeichnet ihren Lebensbogen nach – von der glanzvollen Hochzeit 1905 über die Revolution 1918 bis hin zum bescheidenen Lebensabend in Bad Kissingen. Eine Frau zwischen höfischer Inszenierung und persönlicher Tragik, zwischen monarchistischer Hoffnungsträgerin und Privatperson im 20. Jahrhundert.Besonders eindrucksvoll berichtet Kirschstein von einem spektakulären Fund im Neuen Palais: 2018 wurde ein verschlossener Schrank der Kaiserin geöffnet – mit rund 1000 bislang unbekannten Briefen von Auguste Viktoria vonSchleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Ein Jahrhundert lang verborgen –und immer noch geheimnisvoll. Was bedeutet das strenge Hausgesetz der Ebenbürtigkeit für die angeblich Mächtigen? Es geht um gescheiterte underkämpfte Ehen innerhalb der Dynastie, um den langen Schatten von Wilhelm II., um Selbstmorde, Flucht und Systembruch 1945. Zwischen Archivfunden, Gartenbildern und persönlichen Erinnerungen wird deutlich: die prominenteste preußische Familie waren v.a. in der Kaiserzeit besonderen Erwartungen unterworfen. Triggerwarnung: in dieser Folge wird auch über Suizid gesprochen. Und ganz am Ende gibt es wieder ein Easteregg – Insiderinformationen über diesogenannten Prinzenspielplätze und Suren der Kaiserlichen Gärten.
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7. Sitzen Sie grade! Kabarett & Bürgerinitiative mit Barbara Kuster, Folge 7 von Amor, Psyche und Preussen
Barbara Kuster, Potsdamer Kabarettistin, Autorin und streitbare Engagierte verbindet preußische Prägung mit satirischer Schärfe –und einem unerschütterlichen Engagement für die Potsdamer Architektur. Bekannt wurde sie bundesweit mit ihrer Bühnenfigur, einer preußisch grundierten Generalissima, die mit strenger Haltung, scharfem Witz und dem Motto „Griechisch, römisch, preußisch – da weiß man, was man hat!“ auftrat. Was alsPersiflage begann, war mehr als Nostalgie: Es war eine ironischer Gesang zu Tugenden wie Ordnung, Disziplin, und Toleranz. Eigenschaften, mit denen Kuster selbst aufgewachsen ist. „Preußen ist keine Geografie, Preußen ist eine Idee“, sagt sie sinngemäß. Das trug sie auf die Bühne und weiter - schon im Umfeld des Neuen Forums engagierte sich Kuster für eine kulturelle Neuorientierung. Nach der Wende wurde sie zur Stimme der Bürgerinitiative Mitteschön, die sich für die Wiedergewinnung der historischen Potsdamer Stadtmitte einsetzt. An den Abrissen zu DDR-Zeiten hatte sich die Opposition kristallisiert. Für Kuster geht es nicht um rückgewandte Rekonstruktion, sondern um Erinnerungskultur: Leitbauten, die historische Fassaden aufnehmen, kombiniert mit moderner Architektur. Ein Konzept, das international Beachtung findet – und in Potsdam auch Gegner hat. Begriffe wie „Barockfaschisten“ oder „Disneyland“ sind gefallen. Kuster nimmt das sportlich, aber nicht emotionslos. Sie versteht ihr Engagement als konstruktiv und überparteilich – nicht ideologisch, sondern stadtbürgerlich. Zuletzt ging es um das Steuben-Denkmal auf dem gleichnamigen Platz, aber hinter Parkplätzen „bei den Mülltonnen“. Friedrich Wilhelm vonSteuben, preußischer Offizier und General im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, gilt in den USA als Mitbegründer der dortigen Militärorganisation und wird mit jährlichen Paraden gefeiert. In Potsdam jedoch wird seine Rolle kontrovers diskutiert. Für Kuster ist die Auseinandersetzung symptomatisch: Geschichte werde je nach Zeitgeist zurechtgebogen. Dass Steuben in Amerika hochgeehrt wird, während man ihn in seiner Heimat skeptisch betrachtet, empfindet sie bemerkenswert. Überhaupt plädiert sie für eine differenzierte Sicht auf Preußen. Besonders missverstanden nennt sie Friedrich Wilhelm I., den „Soldatenkönig“. In ihm sieht sie nicht nur den gestrengen Vater Friedrichs des Großen, sondern auch einen Modernisierer: Verwaltungsreformer, Förderer der Schulpflicht, wirtschaftlich klug, militärisch abschreckend statt aggressiv. Die Diskussion um die Potsdamer Garnisonkirche zeigt exemplarisch, wie stark diese historische Architektur emotional aufgeladen ist, in Folge 4 kommt mit Rainer Ehrt ein Gegner zu Wort. Für Kuster ist sie mehr als der „Tag von Potsdam“ 1933 – sie ist ein bedeutendes barockes Bauwerk mitvielschichtiger Geschichte. Dass diese Mehrdimensionalität in öffentlichen Debatten oft verloren geht, bedauert sie. Neben Politik bleibt der persönliche Blick: In ihrem Roman Breite Straße verarbeitet Kuster Kindheitserinnerungen an ein Potsdam vor der sozialistischen Umgestaltung. Am Ende dieser Folge steht kein nostalgischer Rückblick, sondern ein leidenschaftliches Plädoyer für differenziertes Erinnern. Preußen erscheint hier nicht als Denkmal, sondern als Debatte. Und Barbara Kuster mittendrin: mit Humor, Haltung und einer ordentlichen Portion preußischem Eigensinn. Und als Zugabe findet sich ein Easteregg – ein denkwürdiger Auftritt der Superpreußin in der Volkskammer samt Rausschmiss und Kehrtwende.
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6. Stimmführer, Cembalo und zweite Geige – musikalische Geschwister Folge 6 mit Prof. Ulrike Liedtke
Eine neue Facette des preußischen Kulturerbes – eine der spannensten Musikentwicklungen Mitte des 18. Jahrhunderts. Zu Gast ist die Brandenburger Landtagspräsidentin und Musikwissenschaftlerin Professorin Ulrike Liedtke, und sie zeigt Preußen als Labor musikalischer Umbrüche. Im Zentrum steht Friedrich II. – nicht der Feldherr, sondern der Flötist. Der König übte täglich und komponierte 121 Sonaten, vier Sinfonien und vier fabelhafte Flötenkonzerte. Abends wurde in Sanssouci musiziert, unter der künstlerischen Leitung seines Flötenlehrers Johann Joachim Quantz. Und Friedrich ordnete sich unter – eine bemerkenswerte Pointe: Der absolute Monarch wollte im Ensemble spielen, zuhören, reagieren, sich einfügen. „Sonst geht Musik nicht“, sagt Liedtke trocken. Begleitet wurde er unter anderem von Carl Philipp Emanuel Bach, damals als „der große Bach“ gefeiert – nicht sein Vater. Emanuel Bach komponierte so frei, so experimentierlustig, dass seine Fantasien beinahe in die Moderne greifen. Fehlende Taktstriche, abrupte Tempiwechsel – hier wird nicht repräsentiert,hier wird ausprobiert. Überhaupt sind es die Umbrüche, die Liedtke faszinieren: der Übergang von barocker Polyphonie zur vorklassischen Klarheit, vom kunstvollen Stimmengeflecht zur Melodie mit Begleitung. Was später als „Mannheimer Schule“ berühmt wurde, hat schon in Ruppin und Rheinsberg begonnen. Preußen als Ideenschmiede der Klassik? Eine gut begründete Behauptung.Eine Lieblingsfigur dieser musikalischen Betrachtung ist Friedrichs Schwester Wilhelmine von Bayreuth. Sie spielte virtuos Cembalo, komponierte und schrieb mit Agenore eine Oper, die so gar nicht ins barocke Happy-End-Schema passt: keine Apotheose, kein versöhnlicher Schlusschor – stattdessen Tragödie. Ihr Markgräfliches Opernhaus in Bayreuth, heute UNESCO-Welterbe, zeugt vom Ehrgeiz einer Frau, die Kunst als Selbstermächtigung betrieb. Täglich üben, komponieren, inszenieren – Aufklärung als Haltung.Und dann ist da noch der „Teufelsgeiger“ Franz Benda. Virtuose aus Böhmen, geflohener Leibeigener, später Konzertmeister. Seine Violinkonzerte galten lange als anonym – bis sie ihm wieder zugeschrieben werden konnten. Benda steht für eine abenteuerliche Musikerbiografie zwischen Abhängigkeit und Aufbruch. Preußische Hofmusik war kein Nebenjob; sie war Hochleistungssport mit Probenzeiten von vier bis sieben Uhr – täglich. Überraschend ist auch der Blick auf Friedrichs Bruder, den lange Zeit verkannten und von Friedrich abgestellten Prinz Heinrich von Preußen. Während Friedrich der „Stimmführer“ war – Flötensolist und Taktgeber –, spielte Heinrich im übertragenen Sinn die „zweite Geige“. Doch gerade er öffnete sein Rheinsberger Theater für Reformideen, engagierte französische Künstler und brachte mit Christoph Willibald Gluck die Opernreform voran. Hier tritt der Chor als Stimme des Volkes auf, hier wird Aufklärung praktisch.Ein weiterer Höhepunkt der Episode ist die legendäre Begegnung zwischen Johann Sebastian Bach und Friedrich II. 1747 in Potsdam. Das berühmte „königliche Thema“ – spröde, sperrig – sollte Bach improvisierend verarbeiten. Er tat es, ärgerte sich später über sich selbst und schuf das Musikalische Opfer. Hofmusik als intellektuelles Kräftemessen.Am Ende entsteht wieder eine anderer Fokus - weniger Marsch, mehr Modulation, weniger monarchisches Geltungsbewußtsein mehr Experiment. Zwischen Krieg und Konzert existierten tatsächlich zwei Welten – und Friedrich hielt sie strikt getrennt. Militärmärsche hat er nie komponiert.
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5. Architektur als Volksbildung Folge 5 von Amor, Psyche und Preußen mit Michaela van den Driesch
Das Brandenburger Tor in Berlin steht in dieser 5. Folge von „Amor, Psyche und Preußen“ im Focus. Ein Symbol - Bauwerk, das wie kaum ein anderes die politischen und kulturellen Umbrüche Deutschlands spiegelt. Zu Gast ist die Kunsthistorikerin Michaela van den Driesch, die dazu geforscht hat und verschiedene Schichten zu Tage bringt.Das Brandenburger Tor war von Anfang an mehr als ein Stadttor. Sein Architekt Carl Gotthard Langhans konzipierte es als programmatisches Bauwerk: als architektonische Übersetzung der attischen Polis nach Berlin. Das Tor war weiß gefasst – als Anspielung auf parischen Marmor – und sollte den Anspruch verkörpern, Berlin als „Spree-Athen“ zu etablieren. Selbst die nächtliche Beleuchtung durch große Kronleuchter war Teil dieses modernen, auf Wirkung bedachten Konzepts. Architektur wurde hier zur Bühne politischer und geistiger Selbstvergewisserung. Bemerkenswert ist auch die ursprüngliche Bedeutung der Quadriga: Sie stellte eine Friedensgöttin dar, keine Siegesgöttin. Erst nach den Befreiungskriegen und der Rückführung der von Napoleon geraubten Skulptur aus Paris wandelte sich ihre Symbolik – nicht zuletzt durch das von Karl Friedrich Schinkel ergänzte Eiserne Kreuz aus den Befreiungskriegen. Anhand der wechselnden Farbfassungen des Tores – von weiß über café-au-lait bis zu dunklem Grau – wird deutlich, wie stark politische Systeme ihre jeweilige Ideologie hier ausgedrückt haben. Ähnliches gilt für das Reiterstandbild Friedrichs II. Unter den Linden. Der von Christian Daniel Rauch geschaffene Bronze-Friedrich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg entfernt, später in der DDR wieder aufgestellt – leicht versetzt, technisch bedingt durch unterirdische Leitungen. Auch hier zeigt sich: Denkmäler sind Projektionsflächen gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse.Im Gespräch wird Friedrich II. von Preußen nicht verklärt, sondern in seiner Ambivalenz betrachtet: als aufgeklärter Monarch mit Sinn für Kunst und Toleranz, zugleich als militärischer Machtpolitiker. Gerade diese Widersprüchlichkeit macht ihn zur interessantesten Figur für Michaela van den Driesch – und erklärt, warum ein Denkmal für den Preußenkönig schon zu seinen Lebzeiten gefordert wurde.Ihr Lieblingskunstwerk ist ein architektonisches Ensemble, das den Gedanken der Volksbildung exemplarisch verkörpert: die Berliner Museumsinsel. Mit dem Alten Museum, dem Neuen Museum und dem Pergamonmuseum entstand ein Ort, an dem Bürgerinnen und Bürger – sofern sie „sauber gekleidet und gewaschen“ waren – Zugang hatten. Architektur wurde hier zum pädagogischen Instrument. Wer nicht reisen konnte, sollte dennoch die Welt sehen können. Monumentale Rekonstruktionen wie der Pergamonaltar vermittelten nicht nur Wissen, sondern ein Raumerlebnis, das Bildung sinnlich erfahrbar machte.Hier zeigt sich, dass preußische Architektur nicht allein Machtdemonstration war. Sie war – zumindest im Ideal – Ausdruck eines Bildungsanspruchs: Die Stadt als Lehrbuch, das Bauwerk als Medium politischer Idee.Das Brandenburger Tor steht heute als nationales Symbol und für den Fall der Mauer. Die ursprüngliche Botschaft verweist auf Gedanken, die aktueller kaum sein könnten: Dass Architektur Öffentlichkeit schafft. Dass sie Diskussion ermöglicht. Und dass sie, im besten Fall, zur Volksbildung beiträgt. Geplant war es als Friedenstor.
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4. Ambivalenz, aber Luise. mit dem Künstler Rainer Ehrt Folge 4 Amor, Psyche und Preußen
Unser Gast, der satirische Zeichner Rainer Ehrt, sieht die preußische Geschichte sehr kritisch, er selber spricht von Hass-Liebe. Seine jüngste Graphic Novel widmet er aber Luise. Eine heute kaum noch bekannte Königin, einst umrankt von Legenden, verehrt als Madonna des Vaterlands, stilisiert zur nationalen Ikone – und doch zugleich eine sehr reale Frau mit Charme, Widersprüchen und politischem Instinkt. Ehrt ist kein Historiker, sondern ein künstlerischer Chronist. Einer, der auch kritisch ist – vor allem zur Wiederaufbau preußischer Schlösser und vor allem der Garnisonkirche. Er bewundert die ästhetische Sensibilität und die Reformbereitschaft einzelner Herrscher – und bleibt doch sensibel gegenüber Militarismus, Autoritätsdenken und späterer nationalistischer Vereinnahmung. Gerade deshalb ist Luise für ihn so spannend. Sie passt nicht in das einfache Schwarz-Weiß-Bild Preußens. Sie war jung, lebenslustig, modisch stilprägend – ein Star ihrer Zeit. Als sie mit ihrem Mann durch Kassel reiste, pilgerten Studenten aus Göttingen zu Fuß dorthin, nur um einen Blick auf sie zu erhaschen. In Berlin führte sie den Walzer bei Hofe ein – ein Skandal für konservative Kreise. Und sie schrieb leidenschaftliche Briefe, die heute noch berühren. Politisch trat sie in einem Moment auf die große Bühne, als Preußen am Boden lag: nach der Niederlage gegen Napoleon 1806. Die berühmte Begegnung mit Napoleon Bonaparte wurde später zum Mythos verklärt – die schöne Königin, die dem mächtigen Eroberer gegenübertritt. Doch was war Projektion, was Realität? Ehrt interessiert weniger das Pathos als der Moment, in dem eine Frau in einer von Männern dominierten Machtwelt Haltung zeigt. Obwohl sie ihrem pazifistischen Gatten vom „schändlichen Frieden“ abrät. Friedrich Wilhelm III., zeichnet Ehrt zögerlich oder hölzern, aber auch als – als innerlich zerrissenen Herrscher, der das Grauen des Krieges erlebt hatte und Gewalt zutiefst ablehnte. Luise war für ihn Partnerin, Stütze, vielleicht auch politische Impulsgeberin. Eine echte Liebesbeziehung im preußischen Königshaus – das allein bricht schon mit vielen Klischees. Neben historischen Einordnungen geht es immer wieder um die Möglichkeiten der Kunst. Wie nähert man sich einer Figur, deren Bild vor allem aus Idealisierungen besteht? Wie zeichnet man eine Frau, deren Aussehen nur ansatzweise in Gemälden, Büsten und einer Totenmaske überliefert ist? Ehrt spricht über Gestaltwandel, Mode, Projektionen – und über die Herausforderung, Charme und Eleganz sichtbar zu machen, ohne in Kitsch zu verfallen.Auch der größere Bogen fehlt nicht: Wo endet Preußen, wo beginnt Deutschland? Welche Linien führen vom Reformstaat ins Kaiserreich? Und was machen wir heute mit diesem Erbe? Zwischen Grabmälern, Klassizismus und Industriezeitalter – von Johann Gottfried Schadow bis Adolf von Menzel – entfaltet sich ein Panorama, das Preußen weder verklärt noch verdammt. Auch diese Podcastfolge guckt hinter die Klischees - mit Beziehungen, Briefen oder Bildern.
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3. Verkleidet, vertont und fast vergessen - Popsong für die preußische Jeanne d'Arc mit Dr. Beate Klompmaker
In dieserFolge widmen wir einer historischen Figur, die bis heute fasziniert undpolarisiert: Eleonore Prochaska - 1785 geboren schloss sie sich 1813, als Mannverkleidet, dem Lützowschen Freikorps im Kampf gegen Napoleon an. Unter demNamen August Renz kämpfte sie als Soldatin, wurde schwer verwundet und starbkurz darauf. Nach ihrem Tod wurde sie als „preußische Jeanne d’Arc“ verklärtund zur patriotischen Heldin stilisiert. Dichter wie Friedrich Rückert widmetenihr Gedichte, und Ludwig van Beethoven komponierte den berühmten Trauermarschzum Tod einer Heldin.Doch wer warEleonore Prochaska wirklich? Was trieb sie an? Patriotismus, Freiheitsdrang,persönliche Emanzipation – oder der Wunsch nach einem anderen Leben jenseitsenger Geschlechterrollen? Für diese Fragen haben wir die Kunstwissenschaftlerin, Musikerin und Konzeptkünstlerin Dr. Beate Klompmaker eingeladen. Ihr Popsong für Eleonore begleitet unseren Podcast als Titelmusik. Beatenähert sich Prochaska nicht nur historisch, sondern künstlerisch und medial.Ausgangspunkt ihres Projekts war eine Zeichnung der jungen Frau, die sie ineiner Ausstellung entdeckte. Daraus entwickelte sie ein vielschichtiges Kunstprojekt: ein Reenactment mit einer heutigen Darstellerin, eine MedialeInstallation im Böhmischen Dorf mit u.a.vertonten Briefen Prochaskas.Klompmaker übertrug die Figur in die Gegenwart, in einem künstlerischen Blog-Projekt ließ sie „Eleonore“ als moderne Soldatin aus Afghanistanberichten. Über soziale Medien entwickelte die historische Figur eine eigene Dynamik – zwischen Trostspenderin, Projektionsfläche und Objekt der Begierde.Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwammen bewusst.Das Gesprächweitet sich von der historischen Figur hin zu aktuellen Fragen: Wie entstehtMythos? Wann kippt Erinnerung in Kitsch? Wie gehen wir mit Heldenerzählungenum? Auch das Berliner Stadtschloss steht zur Debatte: zwischen Identitätssuche,Kolonialismus-Debatte, Kunst am Bau und gesellschaftlicher Ambivalenz. Diese Episode verbindet Geschichte, Kunst, Musik und Gegenwartsfragen – undzeigt, wie eine 200 Jahre alte Biografie überraschend aktuelle Diskussionen über Krieg, Geschlechterrollen, Selbstermächtigung und politische Verantwortunganstößt.
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2. Tafelrunde, Toleranz & Tierliebe mit Sibylle Prinzessin von Preußen
In dieser Folge steht noch einmal Friedrich der Große im Mittelpunkt –aus einer außergewöhnlichen Perspektive. Zu Gast ist die Künstlerin und Autorin Sibylle Prinzessin von Preußen, die sich intensiv mit der preußischen Geschichte und insbesondere mit Friedrichs Persönlichkeit auseinandergesetzt hat. Gemeinsam mit dem Historiker Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen veröffentlichte sie Bücher über Friedrichs Denken aus künstlerischer wie familiärer Sicht. Thema ist eine oft übersehene Facette: Friedrichs Verhältnis zu Tieren – insbesondere zu seinen Windspielen. Für Sybille von Preußen sind die Hunde kein exzentrisches Accessoire, sondern Ausdruck einer tiefen Sensibilität. Enttäuscht von politischen Intrigen und menschlicher Unzuverlässigkeit, habe Friedrich in seinen Tieren etwas „Unverstelltes“ und „Echtes“ gefunden. Seine Kritik an der Jagd im „Anti-Machiavell“, verfasst im Dialog mit Voltaire, zeige eine für das 18. Jahrhundert bemerkenswerte ethische Haltung gegenüber der Kreatur. Besonders berührend ist die Schilderung eines Briefwechsels zwischen Friedrich und seiner Schwester Wilhelmine, in dem beide aus der Perspektive ihrer Hunde schreiben – ein kreativer Weg, nach Jahren des Schweigens wieder zueinanderzufinden. Tiere werden hier zu Vermittlern von Versöhnung und Empathie. Ein weiterer Fokus liegt auf Friedrichs Religionsverständnis. Anders als viele europäische Herrscher seiner Zeit setzte er auf religiöse Toleranz. Am Beispiel des Berliner Hedwig-Doms – gedacht als eine Art Pantheon für verschiedene Glaubensrichtungen – wird deutlich, wie sehr ihn der Gedanke eines überkonfessionellen Miteinanders prägte. Inspiration erhielt er unter anderem durch die Auseinandersetzung mit Isaac Newton, dessen Vorstellung einer beseelten Schöpfung Friedrich kannte und schätzte. Und durch eine fast vergessene Figur : Graf Rothenburg. Er hatte als einziger ein festes Gästezimmer im Schloss Sanssouci und war ein enger Vertrauter Friedrichs. Er schenkte ihm sein erstes Windspiel, Biche, die auf einem Gemälde im Schloss zu finden ist, Nach seinem frühen Tod sagte Friedrich II. „er hatte einen zweiten Cäsarion verloren“ Bis heute spielt er in der Geschichtsschreibung aber kaum eine Rolle.Die Folge bringt mehrere neue Aspekte und Einsichten in die Diskussion und plädiert insgesamt für eine differenziertere Betrachtung der preußischen Geschichte. Am Ende bleibt eine zentrale Botschaft, die über das 18. Jahrhundert hinausweist: Toleranz, Verantwortung und der respektvolle Umgang mit Mensch und Tier sind keine modernen Erfindungen – sie waren bereits Teil eines aufgeklärten Denkens.
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1. Friedrich - Größe und Selbstvermarktung Folge 1 von Amor, Psyche und Preußen mit Dr. Jürgen Luh
Weil Geschichte zunehmend auf Vereinfachung und plakative Zuweisungen reduziert wird und vor allem die Begriffe "Preußen" und "Hohenzollern" überideologisiert sind, bietet "Amor, Psyche und Preußen" differenzierte Wohnzimmergespräche mit Experten. Dieser Podcast veröffentlicht Recherchen zu einem Buch- und Filmprojekt und möchte jenseits der gängigen Klischees neue Sichten auf dieses superkomplexe Phänomen nebeneinanderstellen. Um etablierte Deutungsmuster zu aktualisieren, bedient er sich eines Titels, der auf antike Mythologie und Alltagsrezeption anspielt. Das bietet vielschichtige Assoziationsebenen von Politik über Begehren bis hin zu festgefahrenen Vorurteilen. Die Gastgeber sind Julia Theek und Gerd Streidt; für diese erste Folge ist Dr. Jürgen Luh eingeladen, Historiker und Autor von u. a. „Der Große. Friedrich II. von Preußen.“ sowie Direktor des Research Center Sanssouci. Er dekonstruiert die gängige Vorstellung von Friedrich dem Großen als Bösewicht oder Ikone und zeigt stattdessen einen komplexen Charakter, der von Ruhmsucht getrieben, aber auch zu Selbstzweifeln fähig war. Besonders aufschlussreich ist Luhs Vergleich Friedrichs mit seinem Bruder Heinrich, der intellektuell ebenbürtig, aber in seinen Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt war. Diese Gegenüberstellung verdeutlicht auf subtile Weise die Mechanismen der Macht und des Einflusses innerhalb der preußischen Monarchie und wirft gleichzeitig Fragen nach der Bedeutung von Anerkennung und Selbstverwirklichung auf. Luhs Exkurs über Wilhelm von Humboldt und dessen Beitrag zur Entwicklung des deutschen Universitätssystems ist eine weitere Bereicherung des Gesprächs und unterstreicht die Bedeutung von Bildung und Aufklärung für die preußische Identität. Ein besonderes Augenmerk gilt in dieser Episode der kritischen Auseinandersetzung mit historischen Mythen und Legenden. Luh demontiert die romantische Vorstellung von Friedrich als Philosoph von Sanssouci und zeigt stattdessen einen Monarchen, der seine eigene Geschichte rücksichtslos gestaltete und sich selbst zum "Großen" stilisierte. Auch die dramatisierte Darstellung der Beziehung zwischen Friedrich und Hans Hermann von Katte wird entkitscht, wobei Luh die Prozessakten und die örtlichen Gegebenheiten analysiert.Diese kritische Haltung gegenüber tradierten Erzählungen ist der Anspruch des Podcasts und lädt dazu ein, Vorstellungen von Preußen zu hinterfragen. Jürgen Luh stellt fest, dass Friedrich zwar für die Aufklärung eintrat, aber am Ende seines Lebens feststellen musste, dass seine Bemühungen nur begrenzt erfolgreich waren. Trotzdem hielt Friedrich an dem Grundsatz fest, dass jeder nach seiner Fasson selig werden könne – eine bis heute aktuelle Forderung."Amor, Psyche und Preußen" ist kein aufzählender Geschichtspodcast. Es ist ein intellektuelles Wohnzimmer- Labor mit persönlichen Blicken auf Entwicklungslinien und besondere Kunstwerke.
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ABOUT THIS SHOW
Die Kulturgeschichte Preußens im Gespräch - ohne clickbait oder Ideologie14 Interviews in der 1. Staffel„Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt.
HOSTED BY
Gäste, Gert Streidt & Julia Theek augustfilm podcasts
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