DJV Klartext

PODCAST · society

DJV Klartext

Innensicht trifft Außensicht. Im Gespräch mit DJV-Aktiven und Gästen werden aktuelle Themen diskutiert, die vor allem, aber nicht nur für Mitarbeitende des Hessischen Rundfunks und anderer ARD-Anstalten von Belang sind. Das System der öffentlich-rechtlichen Medien steht mehr denn je unter Beschuss. Journalistinnen und Journalisten werden "draußen" hart angegangen und brauchen "drinnen" den vollen Rückhalt, um jederzeit interessante, überzeugende und substanzielle Programminhalte für Rundfunk, Fernsehen, Online und Drittplattformen aller Art leisten zu können. Der DJV tritt dabei konsequent für gute Arbeitsbedingungen, faire Honorierung und ein sozialverträgliches Miteinander ein. Zu den Gesprächspartnern gehören bekannte Größen wie Werner Reinke und Investigativjournalist Daniel Drepper (WDR/NDR/SZ) ebenso wie Sylvia Kuck (hr-iNFO Redakteurin und hr-Personalrätin) und Knud Zilian, Mitglied des Personalrates und 1. Vorsitzender des DJV Landesverbandes Hessen, KI-Experte Jan Eggers und D

  1. 10

    13 - Michael Schwertel über KI im Journalismus

    Steht die Folge 13 für eine Unglückszahl? Muss nicht sein, meint Chat GPT. Im Gespräch mit Professor Michael Schwertel, Experte für digitales Marketing und KI, geht es um die ebenso spannende wie zwiespältige Rolle von KI im Journalismus, mit besonderem Augenmerk auf die Öffentlich-rechtlichen. Die drei wichtigsten Faktoren, die Journalisten im Umgang mit KI beachten müssen, sind für Michael Schwertel „Glaubwürdigkeit, Glaubwürdigkeit und Glaubwürdigkeit“ – auch und gerade in einem sich rasant verändernden Mediensystem, das zunehmend von KI durchdrungen wird. Dass KI als Werkzeug zur Informationsbeschaffung fungieren und bei der Organisation und Klassifikation von Daten helfen kann, ist die eine Seite. Aber die rasanten technologischen Veränderungen brächten nicht nur moderate Effizienzgewinne mit sich, warnt Michael Schwertel, sondern auch die reale Gefahr von Desinformation und Manipulation. Die Fähigkeit, kritisch mit den von unterschiedlichen KI-Modellen generierten Inhalten umzugehen, sei deswegen essenziell. Ob Deep Seek, Gemini, Open AI oder Mistral – jedes KI-Modell hat seine Eigenheiten, die man kennen muss, um sie optimal nutzen und die Ergebnisse richtig einordnen zu können. Ein zentrales Thema der Diskussion war die ethische Verantwortung: Für Michael Schwertel ist das Publikum transparent darüber zu informieren, wenn KI bei der Erstellung von Inhalten beteiligt war. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sieht er dabei besonders in der Pflicht, quasi als Fels in der digitalen Brandung aus Fake News und "alternativen Fakten" durch hohe ethische und journalistische Standards die Qualität und Vertrauenswürdigkeit in der Berichterstattung auch in Zukunft zu gewährleisten. Buchtipps von Prof. Michael Schwertel: Ray Kurzweil: KI. Das Zeitalter der künstlichen Intelligenz. Hanser, München Wien 1993, ISBN 3-446-17375-7 (englisch: The Age of Intelligent Machines, 1990.). Ray Kurzweil: Homo S@piens. Econ Tb., 1999, ISBN 3-462-02741-7 (englisch: The Age of Spiritual Machines.). Marshall McLuhan Understanding Media: The Extensions of Man; 1st Ed. McGraw Hill, NY, 1964; reissued MIT Press, 1994, with introduction by Lewis H. Lapham; reissued by Gingko Press, 2003, ISBN 1-58423-073-8. Marshall McLuhan The Medium is the Massage: An Inventory of Effects with Quentin Fiore, produced by Jerome Agel; 1st Ed.: Random House, 1967; reissued by Gingko Press, 2001, ISBN 1-58423-070-3. Zu Kellyanne Conways Erfindung der „Alternativen Fakten“ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Alternative_Fakten

  2. 9

    Folge 12 - Heiko Hilker über verfehlten Reformeifer im ÖRR

    In dieser Episode von DJV Klartext sprechen wir mit Heiko Hilker, vom DJV entsandtes Mitglied im MDR-Rundfunkrat. Heiko kritisiert, dass die von der Politik eingeforderten Reformen im ÖRR die wichtigen strukturellen Herausforderungen kaum anpacken und die langfristige Perspektive des Rundfunks sogar gefährden. Er befürchtet, dass zwar viel Programm - vor allem im Hörfunk - eingespart werden wird, aber die Spareffekte sehr überschaubar seien. Im Gespräch mit Host Christian Arndt fordert er eine umfassende, faire Reformdebatte unter Einbeziehung der Mitarbeitenden, um Vielfalt und Qualität der Medienlandschaft in Deutschland zu sichern.

  3. 8

    Folge 11: Harald Freiling, "Lobbyist für Bildung und Kultur" im Rundfunkrat des hr

    Harald Freiling, Jahrgang 1951, gehörte 23 Jahre lang dem Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks an. Aus dem notorischen "Aktenfresser" und selbsternannten "Wadenbeißer" seiner Frühzeit wurde ein gelassener, aber äußerst tatkräftiger Vorsitzender. Ab 2023 läutete er eine regelrechte "Zeitenwende" ein, unter seiner Ägide verordnete sich das Gremium mehr Transparenz über die eigene Arbeit und einen intensiveren Dialog mit Programmschaffenden und anderen Stakeholdern. Der pensionierte Lehrer und Gewerkschafter bekennt sich voll zum digitalen Wandel im Programm und bei dessen Verbreitung, aber seine Lieblingssendung "Der Tag" im Programm von hr2 und hr INFO möchte er auch in Zukunft nicht missen.

  4. 7

    Folge 10: Katharina Wilhelm über Grüne Soße in L.A., KI und den hr im Wandel

    In dieser Episode des DJV Klartext-Podcasts spreche ich mit Katharina Wilhelm, die nach fünf Jahren im ARD-Hörfunkstudio Los Angeles kürzlich zurück nach Frankfurt gezogen ist. Sie erzählt über ihr Interview mit Lady Gaga während der COVID-Pandemie, wir sprechen über NPR, vorbildhaften Journalismus und über die Polarisierung der Medienlandschaft in den USA und stellen fest: Radiobleibt auch im digitalen Zeitalter relevant. Wir fragen uns: Was machen wir mit KI im Journalismus (und was macht sie mit uns?) und diskutieren über Veränderungsdruck im öffentlich-rechtlichen Rundfunk hierzulande. Das Gespräch wurde am 30.08.2024 aufgezeichnet.

  5. 6

    Folge 9: Was Knud Zilian von der sogenannten Radiostrategie des hr hält

    Zwei Tage vor Beginn der Fußball-Europameisterschaft hat die Programmdirektion des hr eine neue „Radiostrategie“ vorgestellt, nach der im Jahr 2032 voraussichtlich nur noch drei statt sechs Radiowellen übrig bleiben sollen. Der DJV Hessen hat umgehend mit einer Pressemitteilung reagiert, in dem der Landesvorsitzende Knud Zilian wie folgt zitiert wirst: „Ich sorge mich um die glaubwürdige Erfüllung des gesetzlich verbrieften Auftrags, die jetzt schon gefährdet ist und mit den geplanten Maßnahmen zunehmend ausgehöhlt wird.“ Knud Zilian erklärt, wie düster die Lage für die überwiegend freien Mitarbeitenden im Programm ist und noch werden könnte... In den Statements der Programmdirektion ist immer wieder die Rede von der „Umschichtung ins Digitale“ ... weil man die Jungen und die ganz Jungen mit Radio nicht mehr erreichen könne – wobei allerdings auch jetzt wieder nebulös blieb, wie eine solche umfassende Digitalstrategie aussehen könnte. Ich frage Knud, für wie sinnvoll er die Vorgehensweise hält, mit großem Tamtam eine Radio(kürzungs)strategie anzukündigen, ohne den Mitarbeitenden gleichzeitig eine digitale Perspektive aufzuzeigen. Knuds Aussage - „wie der Hessische Rundfunk nach Umsetzung dieser „Strategie noch seinen gesetzlichen Auftrag erfüllen will, ist mir schleierhaft“ - hat einigen Leuten gar nicht gefallen, wie etwa Programmdirektorin Gaby Holzner, die seiner Kritik im Deutschlandfunk „ziemlich energisch“ widersprochen hat, verbunden mit der Aussage, man rede durchaus „über und mit den Mitarbeitenden“... Seit Mittwoch überschlagen sich die kritischen Äußerungen in kleinen und größeren Runden von Mitarbeitenden, auch der Redaktionsausschuss kritisiert wie der DJV die "mangelnde inhaltliche Vorstellung von dem Auftrag gerecht werdenden Angeboten“. Es fehle auch eine „ernstzunehmende Inititative wirklich neue Formate zu entwickeln" sowie der "Ehrgeiz, diese auch umzusetzen und nicht von außen einzukaufen.“ Der Redaktionsausschuss drückt auch die Sorge aus, dass sich nicht nur das junge Publikum, sondern auch die jüngeren Mitarbeitenden enttäuscht vom hr abwenden könnten. Zilian schätzt ein, wie desolat die Motivationslage bei den MA ist und noch werden könnte und wie man eine solche Strategie besser gestalten und umsetzen könnte, nämlich indem man die Mitarbeitenden "mitnimmt" und vertrauensvoll einbezieht anstatt an der Belegschaft vorbei vorab "im Hintergrund" mit der Presse zu kommunizieren. Der Kollege Michael Hanfeld von der FAZ hat in einem Kommentar indirekt den Gewerkschaften vorgeworfen, als veränderungsunwillige „Besitzstandswahrer“ für die Misere (mit)verantwortlich zu sein und nur an die Pensionskasse zu denken. Knud Zilian rückt die Fakten gerade. Als Hintergrund zum aktuellen Thema möchte ich euch die Folgen 7 (mit Dr. Henning Eichler) und 8 (mit dem DJV-Bundesvorsitzenden Mika Beuster) noch einmal wärmstens ans Herz legen. Last, but not least erklären wir als DJV im hr uns solidarisch mit den Kolleginnen und Kollegen im SWR, die in dieser Woche mit Warnstreiks um bessere Vergütung und Arbeitsbedingungen kämpfen.

  6. 5

    Folge 8: Wie DJV-Chef Mika Beuster den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk vor übereifrigen Reformern retten will

    Mika Beuster ist Chef-Themenreporter bei VRM in Mittelhessen und seit Ende 2023 der jüngste Bundesvorsitzende des DJV. Er sieht den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk durchaus reformwürdig und -fähig, warnt aber vor Führungskräften, die nur "Rotstifte bedienen" können und vor "verhaltensoriginellen" Politikern, die aus populistischen Motiven Gesetze und Staatsverträge auszuhebeln versuchen. Lieber sollten alle "Stakeholder" stolz auf das deutsche Mediensystem sein und selbstbewußt dafür werben. Vor allem fordert er mehr Wertschätzung, Perspektive und Mitsprache für die Mitarbeitenden, die nicht erst seit der RBB-Krise um Patricia Schlesinger am meisten unter dem wachsenden Spardruck und vielfachen Anfeindungen von allen Seiten zu leiden haben.

  7. 4

    Folge 7: Henning Eichler über 100 Jahre Radio, (Audio)Strategien und Legitimationsprobleme

    Dr. Henning Eichler ist ein gestandener Radiomann, der einst im hr volontierte und dort viele spannende Jahre als Redakteur, Moderator und Qualitätsmanager verbrachte. Seit zwei Jahren unterrichtet er als Professor Digitalen Journalismus an die Hochschule Rhein-Main. Seine Studie über Journalismus in sozialen Netzwerken - Untertitel: "ARD und ZDF im Bann der Algorithmen?" sorgte für reichlich Furore in den Chefetagen. Hier könnt ihr sie kostenlos herunterladen. https://www.otto-brenner-stiftung.de/journalismus-in-sozialen-netzwerken/ Mit Klartext-Host Christian Arndt spricht Henning über die Legitimationsprobleme, die aus dem Abbau von Programm und gut gemeinten, aber schlecht gemachten "Kooperationen" zwischen Hörfunkwellen erwachsen können. Dem Radio gibt er nicht nur weitere 10, sondern noch mindestens 50 gute Jahre, und dem Hessischen Rundfunk wünscht er mehr Mut und mehr echte Persönlichkeiten im Programm. In der Episode wird auch das Projekt Local News Partnership der BBC erwàhnt: https://www.bbc.com/lnp/

  8. 3

    Folge 6: Jan Eggers über halluzinierende KI-Chatbots, Begriffsverwirrung und journalistische Standards

    "Künstliche Intelligenz" sei vor allem ein PR-Begriff aus den 1950ern gewesen, sagt Jan Eggers, den US-Wissenschaftler zur Einwerbung von Forschungsgeldern genutzt hätten. Er spricht lieber von "lernenden Maschinen", auch wenn ihm das im Zweifel Ärger mit der Software-Eintwicklerblase einbringe. Als KI-Koordinator im Hessischen Rundfunk möchte Jan vor allem eines erreichen: Die Fehler vermeiden, die man jahrelang im Umgang mit den sogenannten Sozialen Medien gemacht hatte. Da er "nebenbei" weiterhin als profilierter Digitaljournalist arbeitet, deckt er auch ab und an KI-Fails auf und berichtet darüber, wie etwa über diesen hier: https://www.hessenschau.de/ltw23-ki-bing-chat-falschinformationen-100.html

  9. 2

    Folge 5: Daniel Drepper über "investigative Kultur", Vertrauen und Qualität in öffentlich-rechtlichen Medien

    Daniel Drepper schrieb kürzlich im DJV-Magazin JOURNALIST/IN: „Um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk wieder attraktiv zu machen, braucht es keine Reden, in denen versprochen wird, die Belegschaft zu verkleinern. Es braucht Journalismus, der gesellschaftlichen Impact hat.“ Der Leiter der Recherchekooperation von NDR, WDR und SZ, hat gerade mit großen Recherchen über das "Krebskartell" und über die Vorwürfe gegen Till Lindemann (Rammstein) gezeigt, was ein gut aufgestelltes Investigativ-Team im öffentlich-rechtlichen Kontext leisten kann. Im Gespräch mit Christian Arndt spricht "Gewerkschaftsfan" Daniel Drepper über "investigative Kultur" und Qualitätsanspruch über Arbeitsbedingungen und darüber, dass es nicht reicht, als Medienhaus in digitale Kanäle investieren. Statt "Agenturmeldungen und Diskussionen über Agenturmeldungen" brauche es mehr eigene Geschichten, die dann in verschiedenen linearen und digitalen Formaten erzählt werden können. Seinen Leitartikel könnt ihr hier in voller Länge nachlesen: https://www.journalist.de/startseite/detail/article/mehr-recherche-im-rundfunk-jetzt

  10. 1

    Folge 4: Über die Auswirkungen der RBB-Krise auf den hr, über Kontrollgremien und Wertschätzung

    Knud Zilian erklärt im Gespräch mit Christian Arndt, wieviel – oder wie wenig – der RBB-Skandal um das "Team Schlesinger" mit dem Hessischen Rundfunk zu tun hat. Welcher Schaden ist jetzt schon für das öffentlich-rechtliche System entstanden - und wie lässt sich ein "Flächenbrand" verhindern? Zilian fordert Entschleunigung, strategisches Denken und mehr Augenmaß bei der digitalen Transformation, einen wirklich unabhängigen Rundfunkrat mit mehr Kontakt zur Basis und sieht dunkle Wolken am Tarifhimmel heraufziehen. Auch das Wort "Streik" bleibt nicht unausgesprochen... Knud Zilian ist 1. Vorsitzender des DJV Hessen, seit vierzig Jahren im hr tätig, langjähriges Mitglied im Personalrat und war fünf Jahre lang einer der Beschäftigtenvertreter im Verwaltungsrat des Hessischen Rundfunks.

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