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[Projekt: Leben]

[Projekt: Leben] - Der Podcast für alle, die noch was vor haben im Leben. Hier lernst du, deine "Personal Projects" clever zu managen, sodass du all die Dinge verwirklichen kannst, die dir wirklich wichtig sind - und damit zu einem erfüllten Leben findest. Von und mit: Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com

  1. 101

    Die 100. Folge: Sag zum Abschluss leise Servus...

    Servus und willkommen bei „Projekt: Leben“. Schön, dass du auch dieses Mal wieder dabei bist!Ich sag’s gleich vorweg, kurz und schmerzlos: Diese 100. Folge von [Projekt: Leben] ist gleichzeitig die letzte Folge. Ja, es heißt Abschied nehmen nach zweieinhalb Jahren Podcast.Ja, und deswegen sage ich zum Abschied leise servus mit dieser 100. Podcast-Folge. Vielleicht fragst du dich jetzt: Sag, Günter, wie kommst du denn auf diese Idee? Warum hörst du jetzt mit dem Podcast auf? Vor der Sommerpause hast du ja noch gesagt, dass es eine 10. Staffel geben wird! Warum jetzt dieser Meinungsumschwung? Das ist ja auch ewig schade, weil du hast ja so viel Arbeit und Zeit in den Podcast gesteckt, und jetzt hörst du auf?Ja, das mag schon stimmen, aber will ich dir kurz erzählen, wie es dazu gekommen ist, weil das ist nämlich ziemlich interessant und auch typisch für so manche Personal Projects:Es gab auch eine ganz andere 100. Folge. Nämlich eine 100. Folge mit dem Ausblick auf die 10. und 11. Staffel. Die war auch schon fertig getextet. Es gab auch einen fix-fertigen Redaktionsplan mit allen Podcast-Folgen-Themen bis Ostern 2021. Ich hatte alles schon vorbereitet, aber dann…Aber dann… Aber dann ist etwas passiert. Nämlich, besser gesagt: Es ist NICHTS passiert. Der fix-fertige Text für die 100 Folge ist einfach liegen geblieben. Ich hätte den Text einfach nur mehr aufnehmen müssen, eine halbe Stunde Arbeit und fertig. Aber irgendwie habe ich die Aufnahme immer wieder verschoben. Irgendwie habe ich diesen Text einfach nicht aufnehmen wollen. Und eines Nachmittags bin ich dann im Garten gelegen, hab meinen Kindern beim Spielen zugeschaut und mir gedacht: Moment mal - was ist da eigentlich los? Und da ist mir gedämmert: Ich glaube, ich will ich den Text nicht aufnehmen, weil ich nicht dahinter stehe. Ich glaube, ich schiebe die Aufnahme vor mir her, weil das, was drinnen steht, anscheinend gar nicht das ist, was ich eigentlich sagen will.Mir ist klar geworden: In Wirklichkeit will ich keine 100. Folge aufnehmen. In Wirklichkeit will ich auch keine 10. und 11. Staffel aufnehmen. In Wirklichkeit will ich mit dem Podcast aufhören. Diese Erkenntnis hat mich natürlich zunächst mal selber ziemlich geflasht. Aber je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto stimmiger ist diese Erkenntnis geworden. Bleibt vielleicht noch die Frage: Warum ist das so? Warum will ich mit dem Podcast aufhören? Dafür gibt’s so 3 Hauptgründe:Es ist alles gesagt. Nach 2,5 Jahren und um die 2000 Minuten, in denen ich über Personal Projects geredet habe, ist das Projekt irgendwie zu einem natürlichen Ende gekommen.Ich will den Podcast nicht künstlich verlängern. Könnte ich, aber das ist nicht mein Verständnis von einem guten Podcast. Es ist besser, wenn jetzt der eine oder andere Hörer sagt: Schade, dass es jetzt vorbei ist. Und nicht: Mein Gott, jetzt wiederholt er sich zum siebten Mal. Ich genieße es momentan, ein bisschen mehr Freizeit und Freiraum für andere Personal Projects zu haben. Einen Podcast regelmäßig zu machen braucht ganz schln viel Zeit und kreative Energie, und ein bisschen Entschleunigung tut mir gut. Bedeutet das jetzt, dass ich von der Idee der Personal Projects und der Personal Projects Theorie nicht mehr überzeugt bin?Im Gegenteil. Ganz im Gegenteil! Ich bin mehr denn je davon überzeugt, dass das Verständnis unserer Personal Projects der Schlüssel ist, um zu verstehen, warum wir tun, was wir tun, warum wir sind, wer wir sind, wie wir werden, wer wir sind. Die Inhalte des Podcasts sind alle weiterhin gültig, von der ersten Folge bis zu dieser 100. - und werden es noch lange, lange bleiben.Deswegen verschwindet der Podcast auch nicht. Der komplette Content bleibt online. Auch meine Website projekt-leben.jetzt mit den schriftlichen Zusammenfassungen der Folgen bleibt online - quasi als großes Nachschlagewerk für dich und alle anderen Personal Project Manager da draußen, wenn du mal Input und Inspiration zu deinen Personal Projects brauchst.Damit sind wir auch bei einem Punkt, der mir in dieser Abschlussfolge der wichtigste ist: Nämlich Du, liebe Hörerin, lieber Hörer. Einerseits: Vielen Dank, von Herzen, für deine Treue und dass du mir dein Ohr geliehen hast. Ich hoffe, ich konnte dich mit meinem Podcast bei deinem Personal Project Management unterstützen.Und andererseits ist dieses Ende auch ein Startpunkt für dich, liebe Hörerin, lieber Hörer: Jetzt ist es nämlich an der Zeit, dass der Vogel das Nest verlässt. Ab jetzt liegt es an dir. Ich habe dir alles mitgegeben, das du zum Management deiner Personal Projects brauchst. Ich habe über Beziehungsprojekte und Selbstprojekte und Herzensprojekte und sogar über dunkle und düstere Projekte gesprochen. Es gab Buchclubs und Philosophicums und Interviews. Es ist alles da, was du brauchst, auch immer wieder gerne zum Nachhören oder Nachlesen. Und ich bin auch weiterhin erreichbar unter [email protected], wenn ich dir helfen kann. Deshalb ist das Ende auch ein Anfang: Für dich, weil du jetzt wie ein Vogel das Nest verlässt. Aber auch für mich. Ich habe nämlich auch schon ein neues Projekt im Hinterkopf, das sich auch um Personal Projects drehen wird, wenn auch auf eine ganz andere Art. Aber dazu mehr zu gegebener Zeit. In diesem Sinne: Danke fürs Zuhören heute und überhaupt - und von Herzen alles Gute für deine Personal Projects!

  2. 100

    Special: Shared Projects in action: Wir haben ein Buch geschrieben! (#99)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist eine Spezial-Folge mit meinem treuen Podcast-Weggefährten Martin Schmidt. Martin und ich haben nämlich in den vergangenen zwei Jahren gemeinsam ein Buch geschrieben: Highway To Hell - Die 11 größten Fehler im Projektmanagement (erhältlich bei Amazon).In dieser Folge geht es über dieses gemeinsame Projekt, unser Shared Project. Wir sprechen darüber:Wie wir auf die Idee gekommen sind, ein Buch gemeinsam zu schreiben.Wie wir das Projekt konkret umgesetzt haben.Was dabei gut funktioniert hat und was weniger.Was wir aus dem Projekt gelernt haben und ob wir es nochmals machen würden.Das Buch gibt's bei Amazon als ebook und als Paperback.

  3. 99

    S09E12: Finale der 9. Staffel - Rückblick und Ausblick (#98)

    Worum geht's in dieser Folge? Diese Folge ist das Staffelfinale dieser 9. Staffel von [Projekt: Leben]. In dieser Folge möchte ich wie in jedem Staffelfinale einen kurzen Rückblick auf die abgelaufene Staffel machen, einen Blick auf die Zukunft des Podcasts werfen und auch ein bisschen darüber reden, was sich sonst so tut. 1. Rückblick Werfen wir einen kurzen Blick zurück auf diese abgelaufene neunte Staffel von [Projekt: Leben]. In dieser neunten Staffel ging es ja um unsere „dunklen und düsteren Projekte”. Ich verstehe darunter all jene unserer Personal Projects, die irgendwie im Schatten oder Halbschatten unseres Lebens leben. Es sind Projekte, die meist hinter dem Vorhang bleiben, über die wir nicht reden, von denen wir nicht wollen, dass andere von ihnen wissen. Was ich an diesen Projekten so interessant finde, ist, dass wir uns zwar meisten so wenig wie nur irgendwie möglich mit ihnen beschäftigen wollen, aber gleichzeitig treiben uns diese Projekte stärker an als alle anderen Projekte in unserem Leben. Das, was uns im Leben motiviert, kommt oft aus sehr dunklen Quellen, und umso wichtiger wäre es, dass wir besonders in diese dunklen Ecken ab und zu mal hineinleuchten und schauen, was da alles so kreucht und fleucht.  Aber angenehm ist das nicht gerade, und deswegen habe ich auch das Gefühl, dass diese neunte Staffel ein bisschen „schwer” war. Zwar wichtig, über diese Projekte zu reden, aber die Leichtigkeit, die der Podcast vielleicht in anderen Staffeln hatte, war in dieser Staffel definitiv nicht vorhanden. Das habe ich auch beim Schreiben und beim Aufnehmen der Folgen gemerkt. Interessant ist ja der Zufall, dass diese Staffel genau mit der Corona-Krise zusammengefallen ist. Das war beim Start der Staffel für mich überhaupt nicht absehbar, aber im Nachhinein denke ich mir, dass es wahrscheinlich keine bessere Zeit als eine Krise gibt, um sich mit dunklen und düsteren Projekte zu beschäftigen. Oder, anders gesagt: Gerade in Krisen blubbern diese dunklen und düsteren Projekte besonders oft an die Oberfläche, und man muss sich mit ihnen auseinandersetzen, ob man will oder nicht, weil sie sich einfach nicht mehr länger unter den Teppich kehren lassen. Und obwohl ich versuche, dass meine Podcast-Folgen immer Evergreen-Content sind (also dass man sie jederzeit hören kann, dass sie kein Ablaufdatum haben), glaube ich doch, dass sie gerade jetzt eine besondere Wirkung haben. Zumindest ist es mir so gegangen mit ihnen. Was waren so die Themen dieser Staffel? Es ging um unsere Inneren Dämonen, um Selbstsabotage-Projekte, um Projekte, die wir hassen, um Trennungsprojekte, um Hilflosigkeit und sogar über den eigenen Tod. Es gab einen Buchclub, in dem Martin und ich über die Geschichte eines Massenmörders gesprochen haben, und dann gab es noch zwei Philosophicume, Philosophica, auch eine Premiere. Insgesamt bin ich zufrieden mit der Staffel und den Themen, die ich ausgewählt und besprochen habe. Und gleichzeitig bin ich wie nach jeder Staffel froh, dass das Thema jetzt mal für’s Erste durch ist. Aber wie gesagt, dieses Gefühl habe ich nach jeder Staffel, und das passt auch gut so. Damit sind wir auch schon bei der nächsten Frage: 2. Wie geht es denn eigentlich dem Podcast? Zuerst einmal gab’s eine große organisatorische Veränderung. Es war nämlich die erste Staffel, wo der Ausstrahlungstag durchgängig  von Dienstag auf Freitag gewandert ist. Das hat den erhofften Effekt gehabt, dass es mir etwas leichter gefallen ist, die Folgen aufzunehmen und in meinem Zeitplan unterzubringen. Wobei ich auch sagen muss, dass diese Staffel für mich besonders herausfordernd war, was mein Zeitmanagement betrifft. Dass ich es immer geschafft habe, am Freitag eine Folge auszustrahlen, darauf bin ich schon ein bisschen stolz, weil das auch die eine oder andere Nachtschicht bedeutet hat. Insofern hat auch hier ein bisschen die Leichtigkeit früherer Staffeln gefehlt, und vielleicht bin ich deswegen diesmal besonders happy, beim Staffelfinale angekommen zu sein. Was sagen die Zahlen? Naja, seit Beginn der Staffel Mitte März 2020 sind wieder über 1.100 Downloads dazu gekommen, und mit Stand Anfang Juni 2020 wurde der Podcast über 12.000 mal downgeloadet. Im Vergleich mit anderen Podcasts sind das natürlich Peanuts, aber für mich ist es unglaublich, dass immer wieder so viele Menschen hören möchten, was ich zu sagen habe. Also danke an alle meine Hörerinnen und Hörer da draußen, ich weiß wirklich zu schätzen, dass ihr da seid. Die meistgehörte Folge dieser Staffel war bisher übrigens die Folge über die Selbstsabotage-Projekte. Aber auch Folgen der vergangenen Staffeln werden gerne gehört, was mich sehr freut und mir zeigt, dass meine Idee, Evergreen-Content zu produzieren, den man jederzeit hören kann, ganz gut zu funktionieren scheint. Der Podcast ist ja auch auf Spotify, und auch dort habe ich eine treue Fangemeinde. Interessanterweise sagt mir Spotify, dass 82% meiner Hörerinnen tatsächlich Hörerinnen sind, also weiblich, und zum überwiegenden Teil aus Deutschland. Also an dieser Stelle auch ein herzlicher Gruß an meine Hörerinnen auf Spotify! Und damit wären wir auch schon beim letzten Punkt: 3. Wie geht’s weiter mit [Projekt: Leben]? Zunächst gibt es in zwei Wochen eine Special-Folge, wo mein Co-Host Martin Schmidt und ich über ein Shared Project von uns sprechen werden, an dem wir zwei Jahre lang gearbeitet haben. Wir haben nämlich gemeinsam ein Buch geschrieben! Über dieses Buch und vor allem über unsere Erfahrungen mit diesem Shared Project werden wir also in dieser Special-Folge sprechen, die gleichzeitig die 99. Folge des Podcasts ist. Und zur 100. Folge, was gibt’s da?  Das weiß ich noch nicht genau. Einerseits habe ich mir überlegt, für die 100. Folge etwas Besonderes zu machen, andererseits könnte die 100. Folge auch die erste Folge der 10. Staffel von [Projekt: Leben] sein. Wie gesagt, ich weiß noch nicht genau, was ich machen werde. Momentan habe ich auch noch kein bestimmtes Thema für die 10. Staffel geplant, zwar ein paar Ideen, aber noch nichts Zwingendes. Also habe ich für mich mal beschlossen, eine längere Sommerpause einzulegen und im September 2020 wieder weiter zu machen. So wie bei allen Projekten, auch bei unseren Herzensprojekten, tut es manchmal gut, ein bisschen Abstand zu gewinnen und dann mit frischen Kräften und neuen Ideen ans Werk zu gehen. In diesem Sinne bin ich gespannt, was sich in den nächsten Wochen und Monaten rund um [Projekt: Leben] entwickeln wird. Ich freue mich, wenn du dem Podcast auch in Zukunft gewogen bleibst und wünsche dir einen wunderbaren Sommer und viel Spaß mit deinen Personal Projects!

  4. 98

    S09E11: Philosophicum: Unfassbare Projekte (#97)

    Worum geht's in dieser Folge? Diese Folge ist eine philosophische Nachbetrachtung der Buchclub-Folge über das Buch "Einer von uns", in dem das Leben und die Attentate des Massenmörders Anders Behring Breivig beschrieben werden. Mich beschäftigen dabei folgende Fragen: Kann man über solche unfassbaren Personal Projects überhaupt „objektiv“ reden? Kann man so etwas wie Respekt für das Projektmanagement eines Massenmörders ausdrücken - oder legitimiert man damit die Tat an sich?Kann man ein Personal Project überhaupt von seiner Intention und von seinen Folgen trennen?Ist es nicht völlig respektlos den Opfern gegenüber, auch nur einen Funken an Verständnis für so unfassbare Projekte aufzubringen? Wie redet man über unfassbare Projekte? Ohne unsensibel zu wirken?Gibt man nicht jedes mal, wo man über den Attentäter spricht oder schreibt, ihm wieder eine Bühne? „Einer von uns“: Der Attentäter ist auch einer von uns Personal Project Managern.  Kann man so etwas sagen, oder muss man sich nicht eher völlig distanzieren? Oder beides gleichzeitig?Können wir etwas daraus lernen?Oder hat das nichts mit uns zu tun?

  5. 97

    S09E10: Buchclub: "Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders" von Åsne Seierstad

    Worum geht's in dieser Folge? Martin Schmidt und ich sprechen über das Buch "Einer von uns. Die Geschichte eines Massenmörders" von Åsne Seierstad, in dem es das Leben des Attentäter Anders Behring Breivig geht, der im Juli 2011 in Oslo bei zwei Terrorattentaten insgesamt 69 Menschen umbrachte. Kurz gesagt: Es ist ein furchtbares Buch voller dunkler und düsterer Projekte, das wir da besprechen.

  6. 96

    S09E09: Philosophicum: Der Preis, den wir bezahlen, wenn wir tun, was wir lieben (#95)

    In diesem Philosophicum geht es um folgende Gedanken: Passion und Leidenschaft hat immer auch mit "Leiden" zu tun.Personal Projects mit dem größten Licht haben auch die größten Schatten.Opportunitätskosten: Egal, wie wir uns im Leben entscheiden, mit jeder Entscheidung sind Kosten verbunden.Diese Opportunitätskosten sind untrennbar mit allen unseren Personal Projects verbunden, besonders mit unseren Core Projects (Herzensprojekten).Besonders schmerzlich sind für uns die "sozialen Kosten", die entstehen können, wenn wir die Dinge tun, die wir lieben.Diese Kosten vermeiden zu wollen, führt dazu, dass wir uns nicht entscheiden und im Endeffekt unser Leben nicht leben.

  7. 95

    S09E08: Der eigene Tod (#94)

    Worum geht's in dieser Folge? In unserer Staffel über dunkle und düstere Projekte sind wir vielleicht beim düstersten Projekt überhaupt angekommen, nämlich bei unserem eigenen Tod. Ja, ich behaupte, auch unser Tod ist ein Personal Project, und düster ist es allein schon deswegen, weil wir so gut wie nie darüber reden. Oder wann hast du zuletzt mit jemandem über deinen Tod gesprochen? Wir mögen da auch nicht so gern daran denken, weil wir nicht wissen, was uns da erwarten wird, weil uns das Angst macht und weil wir sowieso und überhaupt noch ganz jung sind und so viel zu tun haben und wir uns auf diese Weise immer wieder vorgaukeln, dass der Tod ausgerechnet uns nicht betreffen würde. Das ist natürlich Unsinn, so schmerzvoll es auch sein mag, daran zu denken. Ich möchte in dieser Folge aber mal den Finger in die Wunde legen und sagen: Wir werden alle sterben, und ich bin der Meinung, dass es besser ist, sich lieber früher als später damit auseinander zu setzen. Ich will aber jetzt keine Folge aufnehmen nach dem Motto: Wie wir uns am besten mit dem Tod konfrontieren können und wie wir lernen, mit ihm umzugehen und all das, was in so Büchern steht wie „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen”. Nicht, dass das nicht sinnvoll wäre, aber ich mache ja einen Podcast über Personal Projects, also will ich mich dem Thema auch aus der Sicht eines Personal Project Managers nähernWas ich nämlich spannend an dem Personal Project „Eigener Tod” finde - und ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu makaber -, ist, dass das ein extrem gutes weil extrem radikales Beispiel dafür ist, wie eng miteinander verwoben unsere eigenen Personal Projects mit den Personal Projects anderer Menschen sind. Es ist ein richtiges Spinnennetz an Personal Projects, das wir im Laufe unseres Lebens weben und wo unser Spinnennetz ganz eng verknüpft ist mit den Spinnennetzen anderer Menschen.  Jetzt könnte man nämlich her gehen und sagen: „Geh bitte, Günter, was kümmert mich mein eigener Tod und alles, was danach ist? Das werde ich nicht mehr erleben, da kann ich dann sowieso nix mehr machen.” Und das hat ja auch was für sich, aber es ist halt auch ein bisschen zu kurz gedacht. Weil nämlich: Nur weil du stirbst, stirbt nicht das Personal Project. Mit anderen Worten: Personal Projects bestehen in gewisser Weise unabhängig von uns. Wenn wir sterben, bleibt das Projekt unseres Todes bestehen, aber jetzt müssen sich eben andere darum kümmern.  Wenn wir also sagen, unser eigener Tod betrifft uns nicht, dann stimmt das zwar, aber wir haben trotzdem zu Lebzeiten Verantwortung für das Personal Project, um das sich nach unserem Tod nämlich unsere Hinterbliebenen, unserer Familie, unsere Ehepartner, unsere Kinder kümmern müssen. Und wenn wir die Arbeit in diesem Projekt nicht erledigen, dann müssen die das tun. Und da ist halt die Frage: Will ich das? Will ich den kompletten Workload des Projekts meines eigenen Todes meinen Nachfahren überlassen? Kann ich machen, aber ich find’s ehrlich gesagt keine gute Idee und auch nicht das, was ich mir unter einem verantwortungsvollen Personal Project Management vorstelle. Na gut, was bedeutet es denn jetzt konkret, Verantwortung für das Personal Project seines eigenen Todes zu übernehmen? Aus meiner Sicht bedeutet das, dieses ganze Projekt-Packerl so leicht wie möglich für deine Nachfahren zu machen - denn dieses Projekt ist eines, das du garantiert übergeben werden musst. Und dabei geht es vor allem um die Dinge, auf die du zu Lebzeiten schon Einfluss nehmen kannst. Natürlich weißt du nicht, wann und unter welchen Umständen du sterben wirst. Aber es ist ziemlich sicher, dass du ein Begräbnis brauchen wirst. Also kannst du heute schon daran arbeiten, wie dein Begräbnis aussehen soll, wie du bestattet werden willst, wer wie von deinem Ableben verständigt werden soll und so weiter. Wenn du Familie hast, wäre es auch sehr verantwortungsvoll, wenn du ein Testament hinterlässt, wo du genau geregelt hast, wie dein Erbe aussehen und verteilt werden soll. Und die ultimative Verantwortung übernimmst du dann, wenn du dieses Testament nicht nur im Stillen für dich hinschreibst, sondern es zu Lebzeiten schon mit allen besprichst, die es betrifft. Damit kannst du eventuell schon Unstimmigkeiten und größere und kleinere Probleme rechtzeitig ausräumen. Oder hast du dir Gedanken darüber gemacht, was mit deinem „digitalen Erbe” geschehen soll? Deinen Social Media Accounts? In meinem Fall: Dieser Podcast oder meine Websites? Was soll damit sein, wenn du nicht mehr lebst? Wer soll sich darum kümmern - und wie? Natürlich sind das alles keine angenehmen Fragen. Natürlich ist es kein lustiges Projekt, sich solche konkreten Gedanken über seinen eigenen Tod zu machen. Deshalb ist es ja ein dunkles und düsteres Projekt. Aber nochmals: Nur, weil du nicht darüber nachdenken willst, geht das Projekt nicht weg. Du kannst das Projekt zwar ignorieren, aber es bleibt da. Und wenn du dich nicht drum kümmerst, dann werden es deine Nachfahren machen müssen - noch zusätzlich zur Trauerarbeit, die sie ohnehin leisten werden.  Wenn das für dich okay so ist, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber ich persönlich bin der Meinung, dass ich dieses Projekt so leicht wie nur irgendwie möglich für meine Nachfahren machen möchte. Was kann das konkret bedeuten, also in meinem Fall? Ich schreibe gerade mein Testament, wo es nicht nur darum geht, wer meine Sachen bekommen soll, sondern auch um so schwierige Sachen wie die Obsorge für die Kinder.Ich habe mit meiner Frau über alle Passwörter, Bankkonten, Versicherungen etc. gesprochen. Es gibt ein Dokument, wo diese Informationen immer aktuell gehalten werden und womit sie sich darauf verlassen kann, dass sie alle Informationen haben wird, die sie braucht, auch wenn ich nicht mehr ansprechbar bin.Ich lege genau fest, wie ich bestattet werden will und wie mein Begräbnis aussehen soll. Bis hin zur Musik, die gespielt werden soll.Ich mache mir Gedanken darüber, was ich meinen Kindern hinterlassen will, und zwar nicht nur finanziell, sondern auch an emotionalen Dingen von mir.Und so weiter.  Mag sein, dass das vielleicht für den einen oder die andere da draußen befremdlich oder makaber klingt. Ganz ehrlich: Für mich ist das auch kein lustiges Projekt. Es macht mir keinen Spaß, über Ablebensversicherungen zu recherchieren oder mir anzuschauen, was ein Holzsarg kostet. Aber es bleibt trotzdem MEIN Personal Project, für das ich Verantwortung habe - ob mir das nun gefällt oder nicht. Und ich weiß, dass mir meine Familie dafür einmal sehr dankbar sein wird.  Und ich lade dich sehr herzlich dazu ein, ebenso Verantwortung für das Projekt deines eigenen Todes zu übernehmen und im Diesseits schon das zu regeln, wozu du im Jenseits keine Gelegenheit mehr haben wirst.

  8. 94

    S09E07: Hilflosigkeit (#93)

    Worum geht's in dieser Folge?In unserer Staffel über dunkle und düstere Projekte geht es diesmal um Personal Projects, bei denen wir uns machtlos fühlen, fast wie ohnmächtig. Ohne die Macht, etwas zu verändern, zum Zuschauen gezwungen.Wie kommt es zu dieser Hilflosigkeit? Darum soll es in dieser Folge gehen.Wenn wir uns als Personal Project Manager sehen, also die Manager unserer Personal Projects, dann fühlen uns mitunter in zweifacher Hinsicht hilflos:1. Hilflosigkeit in der "manageability"Manageability: Traue ich mir zu, ein Personal Project zum Erfolg zu bringen?Manche Personal Project sind einfach überwältigend, weil wir sie für nicht managebar halten. Wir haben keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen. Wir wissen oft gar nicht, wo wir überhaupt anfangen sollen, so überwältigend sind diese Projekte. Wir fragen uns: Wie soll ich das nur schaffen?Wichtig ist hier der Unterschied zwischen „herausgefordert sein“ und Hilflosigkeit: Hilflosigkeit entsteht, wenn wir nicht nur ein bisschen aus unserer Komfortzone herausgeholt werden, sondern wenn wir so überfordert sind, dass wir in eine Art Schockstarre verfallen, wo wir resignieren, weil das Projekt so überwältigend anspruchsvoll auf uns wirkt. Was können wir in diesem Fall gegen unsere empfundene Hilflosigkeit tun? Kurz gesagt: Wir müssen das Gefühl der Überforderung reduzieren. Und das lässt sich z.B. durch folgende Maßnahmen erreichen:Sich helfen lassen (von Menschen, die mehr manageability haben = Menschen, die sich mit solchen Projekten auskennen = „Experten“, „Profis“)Lernen, Kompetenzen erweitern; versuchen, selbst ein bisschen zum Profi zu werden. Projekt in kleinere Einheiten zerlegen, die für sich leichter zu managen sind. Wachsen mit den Aufgaben = lohnenswerte Herangehensweise für Personal Project Manager.Aber: Bei Überforderung rechtzeitig Hilfe holen. Auch wir Personal Project Manager brauchen nicht alles allein lösen.2. Hilflosigkeit in der "control"Ganz andere Form der Hilflosigkeit. Diese Hilflosigkeit drückt sich so aus: Egal, was du machst, es bringt nichts. Es hat keinen vorhersehbaren Einfluss auf das Ergebnis. Und wenn du dich auf den Kopf stellst und im Quadrat springst… es nützt nichts. Bei einem Projekt, wo du ganz wenig control hast, bist du sehr stark abhängig von anderen Menschen, von den Umständen, vom Schicksal, vom Glück oder was auch immer. Jedenfalls hast DU kaum Einfluss auf die Projektergebnisse und empfindest eine Art Willkür. Es ist wie bei der Geschichte von Sisyphos: Du rollst den Stein rauf, aber dann kommt irgendwas daher und lässt den Stein wieder runter rollen. Die Götter wollen es so, du bist dagegen machtlos.Beispiel: Geliebter Mensch ist krank. Egal, was du tust, die Gesundheit oder Genesung dieses Menschen liegt nicht in deinen Händen, ist nicht in deiner control. Du kannst natürlich ein bisschen was dazu beitragen, dass es dem Kranken unter den Umständen ein bisschen besser geht, aber was seine Gesundheit betrifft, kannst du nur zuschauen und hoffen und beten. Du selbst kannst da nichts ausrichten. Dieses „hilflos zusehen müssen“ ist gerade für Personal Project Manager nur sehr, sehr schwer zu ertragen. Projekte, in denen wir wenig control empfinden, das können ganz, ganz dunkle Projekte in unserem Leben sein. Erlernte HilflosigkeitInwieweit wir nämlich das Gefühl haben, dass wir in einem bestimmten Personal Project etwas ausrichten können oder nicht, das haben wir gelernt. Ja, wir haben gelernt, in welchen Situationen wir uns hilflos fühlen und wann nicht.Die Idee der erlernten Hilflosigkeit kommt von Martin Seligman, der daran in den 1960er-Jahren geforscht hat.Wenn wir sagen: „Da kann man halt nichts machen“... Wann das für uns gilt, haben wir als Kinder gelernt -  von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Wir übernehmen sozusagen die Hilflosigkeiten und die Ohnmacht unserer Eltern als unsere eigene.Das Problem dabei ist natürlich: Wenn wir erwachsen werden, hinterfragen wir diese erlernte Hilflosigkeit nicht mehr. Wir glauben weiterhin das, was wir einmal erlernt haben. Und wir glauben das wirklich, das ist keine Ausrede und kein Vorwand. Es hilft also, bei einem Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit bewusst innezuhalten und zu hinterfragen: Stimmt es tatsächlich noch, stimmt es überhaupt, dass ich da gar nichts tun kann? Bin ich wirklich zur Untätigkeit gezwungen? Gibt es wirklich nichts, das ich ausrichten kann?Es gibt genug Projekte, in denen wir wirklich nichts ausrichten können. Aber mitunter kommt es auch vor, dass es zwar gestimmt hat, dass wir als Kind nichts ausrichten konnten, aber die Zeit unserer Kindheit ist längst vorbei. Heute sind wir Erwachsene, heute leben wir im Jahr 2020, und da können wir uns fragen: Stimmt es immer noch, dass ich in diesem Projekt, in dieser Situation hilflos bin?Wie gesagt: Es gibt genug Situationen, in denen wir beim besten Willen nichts ausrichten können, aber manchmal sitzen wir bei einem genaueren Blick einer erlernten Hilflosigkeit auf, von der wir uns gerne verabschieden können. Und darauf sollten wir Personal Project Manager immer einen Blick haben.

  9. 93

    S09E06: Fremd-initiierte Trennungsprojekte (#92)

    Worum geht's?Diesmal geht es um die vielleicht härtesten Personal Projects in unserem Leben, jedenfalls zählen sie definitiv zu den dunkelsten und düstersten Projekten: Ich spreche von fremd-initiierten Trennungsprojekten, also Projekte, in denen wir mit Trennung, Verlust und Loslassen kämpfen, die wir und NICHT selbst ausgesucht haben. Um Trennungsprojekte, die wir selbst ins Leben rufen, ist es in der letzten Folge gegangen, wenn du die noch nicht gehört haben solltest. In fremd-initiierten Trennungsprojekten trennen uns also von etwas, von dem wir uns eigentlich gar nicht trennen wollen. Wir wollen nicht oder noch nicht los lassen. Oder wir sind überhaupt vollkommen überrascht, dass ein wichtiger Teil unsere Lebens plötzlich nicht mehr da sein soll. BeispieleKrankheiten - Krankheiten sind unter anderem deswegen (auch) Trennungsprojekte, weil wir uns trennen von unserer Gesundheit, unserem gewohnten Leben, unserer Unabhängigkeit und unserer Lebendigkeit. Jobverlust  - Wenn wir einen Job verlieren, wenn wir gekündigt oder entlassen werden, trennen wir uns nicht nur von einer Einkommensquelle. Das allein ist oft schon schmerzlich, aber meistens noch viel schwerer wiegt der Verlust von etwas, das uns Status und Sinn und eine Aufgabe im Leben gegeben hat. Unsere Berufe, unsere Arbeitsplätze sind viel mehr als nur Tätigkeiten, die unser Leben finanzieren, und sie sind uns alles andere als egal. Zu dem Thema habe ich in Staffel 3, Folge 2 eine ganze Folge aufgenommen unter dem Titel „Warum ist uns der Job nicht viel mehr egal?" Der Tod von geliebten Menschen - Das ultimative Trennungsprojekt, weil es definitiv und endgültig und ohne Widerruf ist. Wir müssen uns ein für alle Mal von einem wichtigen Menschen trennen, die oder der eine tragende Rolle in unserem Leben gespielt hat. Häufig ein ganz, ganz düsteres Projekt. Enttäuschung - Jede Enttäuschung, die großen, aber auch die kleinen, sind im Grunde jede für sich ein Trennungsprojekt. Wir trennen uns nämlich gezwungenermaßen von unseren Personal Constructs, also von unseren tiefsten Überzeugungen, von denen wir fest glaubten, sie wären wahr und unumstößlich. Nun kommen wir drauf, dass wir uns grundlegend geirrt haben, und damit ist mit einem Mal unsere ganze Weltsicht in Frage gestellt. Was stimmt jetzt überhaupt noch? Worauf können wir uns überhaupt noch verlassen? Je größer die Enttäuschung, desto dunkler das Trennungsprojekt. Verlassen werden - Wenn man von einem Lebenspartner, einer Lebenspartnerin verlassen wird, wenn eine Ehe ungewollt geschieden wird, dann ist das oft wie ein kleiner Tod - häufig auch noch verbunden mit Enttäuschungen. Da kommt dann Einiges zusammen, und für ganz viele Menschen sind diese Projekte sehr schwer zu handeln - über Jahre.  Warum wir uns so schwer tunAus dem Blickwinkel der Personal Projects Theorie könnte man außerdem sagen, und da greife ich jetzt auf die vorletzte Podcast-Folge zurück: Fremd-initiierte Trennungsprojekte sind ganz typische Projekte, die wir hassen. Warum ist das so? initiation: Wie der Name schon sagt, gehen fremd-initiierte Projekte von anderen Menschen aus - oder auch vom Schicksal, von höherer Gewalt, jedenfalls nicht von uns selbst. Das macht sie schon mal schwer erträglich. manageability: Bei der manageability geht es ja um die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass du dieses Projekt zum Erfolg bringst? Und da stellt sich schon mal die Frage: Was ist in diesem Zusammenhang, im Fall einer Krankheit oder einer Enttäuschung oder im Fall des Verlusts eines geliebten Menschen überhaupt ein „Erfolg"? Was ein „Erfolg” in diesem Zusammenhang ist, muss ja erst völlig neu definiert werden. Das heißt, das Selbstmanagement in uns muss sich völlig neu ausrichten, sich erst mal wieder richtig finden. Aber, und das ist schon auch gut zu wissen: Wenn wir uns wieder ein bisschen gefasst haben und wenn wir dann im Laufe der Zeit uns sogar wieder Ziele für unser Trennungsprojekt setzen können, dann wird manageability wieder möglich. Deswegen kommen meist, nach einer sehr schwierigen Phase am Anfang, dann auch viele Menschen z.B. mit schweren Krankheiten irgendwie zurecht und „machen das Beste draus”. control: Control meint die Frage, wie viel Einfluss man auf die ganze Situation hat. Und bei Trennungsprojekten ist control meist wenig bis überhaupt nicht gegeben. Die Trennung bricht auf einen oft herein wie ein Gewitter. Und selbst dann, wenn wir in gewisser Weise vorbereitet waren (z.B. beim Tod von einem Menschen, der zuvor schwer krank war), haben wir doch keinen Einfluss auf den genauen Zeitpunkt. Deswegen treffen uns selbst diese Trennungen hart, wenn auch vielleicht weniger wuchtig wie völlig unvorhergesehene Trennungen. Trennungsprojekte sind auch deswegen so dunkle und düstere Projekte, weil sie viel mit Trauer und Trauerarbeit zu tun haben. Zu trauern, das ist den meisten von uns unangenehm, und oft wissen wir gar nicht, wie „richtiges” Trauern überhaupt geht. Ich bin bei Gott kein Experte für Trauer und Trauerarbeit, eher im Gegenteil. Aber mir kommt vor, dass die allermeisten von uns den Schmerz und die Trauer in unserem Leben so weit wie nur irgendwie möglich vermeiden wollen - und dass wir dabei mitunter zu weit gehen. Was meine ich damit?  Ich glaube, dass viele Trennungsprojekte, von denen wir überrascht sind, trotzdem nicht ganz unvorhersehbar waren. Nur: Wir wollen oft die Zeichen nicht wahrnehmen. Nicht selten kündigen sich Trennungsprojekte heimlich, still und leise lange vor der eigentlichen Trennung schon an und gehen nicht von heute auf morgen - auch wenn uns das oft so vorkommt. Aber wir sehen halt nur, was wir sehen wollen - und vor Enttäuschung, Krankheit und Verlust verschließen wir oft die Augen - so lange, bis wir beim besten Willen nicht mehr wegsehen können. Ich habe mir überlegt, ob ich jetzt an das Ende dieser Folge noch etwas Aufheiterndes oder Tröstliches setzen soll. Die Folge ist ja nicht gerade erbaulich bis jetzt gewesen. Aber nein, das mache ich nicht. Fremd-initiierte Trennungsprojekte sind und bleiben sehr dunkle und düstere Projekte, auch wenn sie natürlich vorüber gehen und früher oder später wieder durch erfreulichere Personal Projects abgelöst werden. Aber diese Trennungsprojekte sind ein essenzieller Teil unseres Lebens, sie haben ihren Platz und ihre Zeit in unserem Leben - ob wir das wollen oder nicht -, und deswegen sollen sie auch ihren Platz in diesem Podcast haben: So wie sie sind, dunkel und düster, ohne gleich wieder von ihnen abzulenken. 

  10. 92

    S09E05: Selbst-initiierte Trennungsprojekte (#91)

     Worum geht’s in dieser Folge? Es geht um Trennungsprojekte, also um Personal Projects, wo wir uns von etwas trennen. Das kann ein Job sein, ganz allgemein ein Personal Project, aber auch ein Lebenspartner, ein Freund oder sonst irgendetwas oder irgendjemand in unserem Leben.Und da diese Trennungsprojekte sehr oft für uns emotional sehr belastend sind, weil wir uns mit Trennungen in der Regel sehr schwer tun, zähle ich diese Trennungsprojekte zu unseren dunklen und düsteren Projekten, um die es ja ni dieser Staffel von [Projekt: Leben] geht.Wenn wir von Trennungsprojekten reden, dann ist es ganz am Anfang wichtig zu unterscheiden, von wem die Trennung denn eigentlich ausgeht. Zum einen sind da Trennungen, wie WIR SELBST vollziehen, die wir selbst einleiten - oder, wissenschaftlicher ausgedrückt: Trennungen, die selbst-initiiert sind. Um diese Projekte geht es in dieser Folge des Podcasts. Dann sind da aber natürlich auch noch Trennungen, die nicht von uns selbst ausgehen, die wir uns nicht ausgesucht haben, mit denen wir mitunter überhaupt nicht gerechnet haben und die von anderen Menschen eingeleitet wurden. Das heißt, das sind fremd-initiierte Trennungsprojekte, und um diese wird es in der nächsten Podcast-Folge gehen. Okay, jetzt soll es aber mal um die selbst-initiierten Trennungsprojekte gehen, also um jene Projekte, wo wir selbst beschließen, dass wir uns von etwas oder jemand trennen wollen. Die Kardinalfrage bei dieser ganzen Sache lautet ja: Wie soll ich wissen, ob es eine gute Idee ist, so ein Trennungsprojekt zu starten? Oder soll ich nicht doch lieber bei dem bleiben, was ich habe - zwar nicht ideal, aber wer weiß, was nachkommt? Und selbst wenn ich einigermaßen sicher glaube, dass es eine gute Idee ist, bleibt immer noch die Frage: Ist es JETZT eine gute Idee, oder soll ich lieber nicht doch noch ein bisschen zuwarten?  Um genau dieses Dilemma zu lösen oder zumindest ein bisschen eine Entscheidungshilfe zu bieten, gibt es die bekannte Formel: Love it change it or leave it Ich möchte mir in dieser Folge diese Formel etwas genauer ansehen und ein paar aus meiner Sicht sehr wichtige Hinweise für den Umgang mit dieser Formel geben. Ich halte dieses „Love it, change it, or leave it” grundsätzlich für sehr brauchbar, um zu einer Entscheidung zu kommen - aber nur, wenn man ein paar wichtige Dinge dazu sagt.  Love itUnd das fängt schon mit dem ersten Punkt an: Love it. Ich glaube, dass mit diesem Punkt einige Missverständnisse mitschwingen, die es wert sind, genauer hinzusehen.  Zum ersten ist da mal die Frage: Was ist mit „love it” überhaupt gemeint? Ich glaube, wir Deutschsprachige müssen da ein bisschen aufpassen: Wenn ein Englischsprachiger sagt „I love this!”, oder „I’m lovin' it”, dann ist das nicht die Liebe, wie wir es in Deutsch meinen. „Love it” bedeutet also nicht, dass du ein Projekt oder eine Beziehung zu jedem Zeitpunkt wirklich lieben musst. „Love it” glaube ich lässt sich gut übersetzen mit „gefällt mir”. Ein Projekt, das wir „lieben”, ist also aus meiner Sicht eines, das uns alles in allem, die meiste Zeit über gefällt. Das bedeutet nicht, dass dieses Projekt immer perfekt sein muss, und das bedeutet auch nicht, dass wir in Momenten, wo ein Projekt mal nicht ideal läuft, gleich die Flinte ins Korn werfen sollen. Von Joan Armatrading gibt es ein Lied das heißt „More than one kind of love”. Und ich glaube, das ist auch ein gutes Motto, wenn wir uns überlegen, ob dieses „love it” auf etwas zutrifft, von dem wir uns potenziell trennen wollen. „More than one kind of love” kann auch bedeuten, dass etwas zwar nicht perfekt ist, aber immerhin gut genug. Ich glaube, wir neigen häufig dazu, unzufrieden zu werden, wenn ein Projekt oder eine Beziehung „nur” gut genug und nicht (oder nicht mehr) perfekt ist. „More than one kind of love” kann aber auch bedeuten, dass etwas zwar im Moment alles andere als super ist, aber wir das Potenzial sehen, dass sich in Zukunft etwas verbessert, wenn wir jetzt dran bleiben. Oder es kann auch bedeuten, dass wir ein Projekt wirklich nicht lieben, aber wir trotzdem Sinn in diesem Projekt sehen, dass wir uns dadurch nützlich und gebraucht fühlen und dass wir deswegen dran bleiben möchten.  Also, mein Tipp: Bevor du die Frage für dich beantwortest, ob du ein Projekt „liebst” oder nicht, denk daran, dass es viele Arten von Liebe für ein Projekt oder eine Beziehung oder einen Menschen geben kann und dass etwas nicht perfekt sein muss, um liebenswert zu sein.  Change itAuch da finde ich es wert, einen Moment innezuhalten und diesen Punkt genauer anzusehen. Wenn wir drauf gekommen sind, dass „love it” aus welchem Grund auch immer nicht funktioniert, dann stellt sich also die Frage: Kann ich irgendetwas verändern, damit irgendeine Art von Liebe wieder zurückkehrt? Und da sagt meine Erfahrung - die eigene Erfahrung und die Erfahrung mit Trennunsprojekten anderer Menschen - dass wir da mitunter ziemlich schnell drübergehen. Wenn du also so ein Trennunsprojekt startest und zu dem Punkt „change it” kommst, dann frag dich: Habe ich wirklich versucht, was zu verändern? Nämlich WIRKLICH? Also hast du die unangenehmen Gespräche geführt, die notwendig gewesen wären, um wirklich was zu verändern? Hast du die schwierigen Entscheidungen wirklich getroffen? Hast du darüber gesprochen, was dir wichtig wäre, was dich stört, was dich unglücklich macht? Hast du dem Projekt wirklich eine ehrliche Chance gegeben, sich zu verbessern? Ich glaube, wir machen uns die Sache manchmal ein bisschen zu leicht wenn wir sagen: „Ach was, da kann man eh nichts mehr machen. Ich habe eh schon alles versucht.” Wenn du ehrlich für dich sagen kannst, dass du wirklich alles versucht hast, was dir einfällt, um die Situation zu verbessern, dann: Respekt. Aber wenn du auch nur den Funken eines Zweifels daran hast, dann lohnt es wahrscheinlich, diesen einen Versuch noch zu starten - nicht halbherzig, sondern aus vollem Herzen, um dir und dem Projekt gegenüber ehrlich zu sein und zu bleiben.  Leave it Wenn in dem Projekt wirklich Hopfen und Malz verloren ist, dann wird es Zeit, sich davon zu trennen. Projekte wieder loslassen zu können ist mindestens genauso wichtig, wie Projekte zu starten. Überhaupt finde ich, dass die Art und Weise, wie jemand Projekte oder Beziehungen beendet, viel über diesen Menschen aussagt. Projekte mit Takt und Gefühl und einer gewissen Seriosität zu beenden, ist eine Kunst für sich. Zu einem gelungenen „leave it” möchte ich ein paar Hinweise gehen, die vielleicht beim Gelingen helfen können: Ganz am Anfang steht, dass du dir selbst die Erlaubnis geben solltest, ein Trennungsprojekt auch durchzuziehen, wenn es anstrengend und mühsam und vielleicht auch schmerzhaft ist, wenn es aber für dich die richtige Entscheidung ist. Das Leben ist kein Ponyhof, und das gilt ganz besonders auch für Trennungsprojekte, die ganz besonders unangenehm sein können. Aber aus Angst davor in Projekten zu bleiben, die dir nicht gut tun, ist auch keine Lösung. Dokumentieren. Mir hilft es immer sehr gut, wenn ich mir die Gründe aufschreibe, die dazu geführt haben, dass ich mich von etwas trennen will. Ich schreibe mir genau auf, warum ich diese Entscheidung getroffen habe. Das ist nämlich in den Momenten sinnvoll, wenn ich ins Zweifeln komme, ob die Trennung wirklich so eine gute Idee war - und diese Momente ...

  11. 91

    S09E04: Projekte, die wir hassen (#90)

     Worum geht’s in dieser Folge?In dieser Folge geht es um Personal Projects, die wir hassen. Also Projekte, die uns zum Hals raus hängen, bei denen uns die Grausbirn aufsteigt, wie wir Österreicher sagen, wo sich dieses Gefühl der Übelkeit im Bauch breitmacht, wenn wir auch nur an sie denken.Ich denke, jeder von uns hat solche Projekte, wahrscheinlich zu unterschiedlichen Zeiten im Leben unterschiedlich viele. Und was das genau für Projekte sind, das ist natürlich auch bei jedem Menschen ganz anders. Und trotzdem gibt es Muster für solche Projekte. Der Hass hat sozusagen ein paar Voraussetzungen, die universell sind, die sich durch alle Hassprojekte durchziehen, egal wie unterschiedlich sie auch aussehen mögen. Und diese Voraussetzungen, die dafür sorgen, dass wir manche unserer Personal Projects zu hassen beginnen, will ich euch jetzt vorstellen. Vorab vielleicht: Was ich heute sage, basiert wie so Vieles in diesem Podcast auf den Forschungen von Dr. Brian Little.  Was ich heute sage, ist also auch wissenschaftlich belegt und gut erforscht. Brian Little hat herausgefunden, dass es drei Kriterien dafür gibt, die dafür sorgen, dass wir mit einem Personal Project mehr oder weniger glücklich oder unglücklich werden. Und diese drei Kriterien möchte ich mir eines nach dem anderen genauer ansehen.1. InitiationInitiation, da geht es um die Frage: Von wem geht das Personal Project aus? War es deine eigene Idee, oder hat es dir jemand auf’s Auge gedrückt? Die Sache ist ziemlich klar, wie ihr euch denken könnt: Projekte, die wir hassen, kommen in der Regel nicht von uns selbst. Wir hassen meistens jene Projekte, die wir uns nicht selbst ausgesucht haben, die wir nicht selbst gewählt haben und wo uns niemand gefragt hat, ob wir die überhaupt wollen. Prüf das mal für dich, ob das auch bei dir zutrifft: Denk an ein Projekt, das du hasst. War es deine Idee, oder kam das Projekt von jemand anderem? 2. ManageabilityManageability meint die Frage, wie wir unsere Fähigkeit einschätzen, ein Personal Project zu bewältigen. Anders formuliert: Wie hoch schätzen wir die Erfolgs-Chancen für ein Personal Project ein? Halten wir es für wahrscheinlich, dass wir mit einem Projekt tatsächlich das erreichen, was wir uns vorgenommen haben? Oder schätzen wir dafür die Chancen eher finster ein? Auch bei diesem Kriterium ist der Zusammenhang ziemlich klar: Wir hassen Projekte, bei denen wir die manageability als gering einschätzen. Mit anderen Worten: Wir hassen Projekte tendenziell dann, die uns diese Projekte überfordern. Wenn sie über unsere Kenntnisse, über unsere Fähigkeiten oder auch über unsere geistigen und körperlichen Leistungsgrenzen hinaus gehen. Und besonders dann, wenn diese Überforderung nicht nur ein kurzfristiges Phänomen ist, sondern sich über einen langen Zeitraum hinzieht - und ganz besonders schlimm ist es dann, wenn wir auch keinen Silberstreif am Horizont erkennen, wenn wir nicht das Gefühl haben, dass wir in absehbarer Zeit dieses Projekt besser handeln können werden. Damit wäre also der zweite Puzzlestein zum Bild hinzugefügt: Wir hassen Personal Projects tendenziell dann, wenn sie nicht von uns selbst kommen und wenn sie uns über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft überfordern. 3. ControlBeim Faktor Control geht es um die Frage: Wie sehr liegt der Erfolg dieses Projektes überhaupt in unserem Einflussbereich? Können wir eigentlich selber etwas tun, oder sind wir in Wirklichkeit von anderen abhängig? Mit anderen Worten: Gibt es Menschen oder Gruppen oder Institutionen, die deine ganze Arbeit in dem Projekt mit einem Schlag zunichte machen können oder die Entscheidungen treffen können, die von einem Tag auf den anderen die Welt für dich komplett auf den Kopf stellen? Bist du in diesem Projekt also der Macht - oder im schlimmsten Fall der Willkür - bestimmter Menschen oder Gruppen oder staatlicher Institutionen oder Regierungen oder was auch immer ausgeliefert, oder nicht? Auch hier ist der Zusammenhang, denke ich, ziemlich leicht zu durchschauen: Wenn wir das Gefühl haben, bei einem Personal Project nicht „in control” zu sein, das heißt, dass andere Menschen in diese Projekte hineinpfuschen können und wir dem weitgehend ausgeliefert sind… dann werden wir an diesen Projekten keine Freude haben. Und je stärker der Grad ist, in dem wir Nicht-Kontrolle empfinden, desto mehr werden wir dieses Projekt hassen. Und wenn wir jetzt den dritten Puzzlestein zum Bild hinzufügen, dann sehen wir Folgendes: Wir hassen Personal Projects tendenziell dann, wenn sie nicht von uns selbst kommen, wenn sie uns uns über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft überfordern - und wenn von außen jemand kommen kann und die Spielregeln in diesem Projekt von einen  Tag auf den anderen völlig auf den Kopf stellen kann. Ein aktuelles BeispielZum Abschluss vielleicht noch ein Beispiel dazu, weil’s gerade gut passt: Stell dir folgendes Projekt vor: Du wirst von jemandem, sagen wir einer Regierung, von einem Tag auf den anderen verdonnert, zu Hause in deinen eigenen vier Wänden zu bleiben. Also initiation nicht von dir selbst.  Zu Hause musst du dann gleichzeitig Home Office machen und dich um die Betreuung deiner beiden Kinder kümmern, weil die Kindergärten ja geschlossen sind und die Großeltern nicht aushelfen dürfen. Die manageabilty eines solchen Projekts ist meistens schon kurzfristig, mit Sicherheit aber langfristig sehr, sehr, sagen wir, schwierig.  Und dann stell dir noch vor, dass egal was du tust, egal wie sehr du dich auf den Kopf stellst, du keinerlei Einfluss darauf hast, wann dieses Projekt wieder zu Ende ist. Deine control ist also de facto nicht vorhanden. Es wäre also kein Wunder, wenn du über die aktuelle Situation sehr unglücklich wärst, um nicht zu sagen, du hasst sie. Wissenschaftlich ließe sich das hervorragend belegen. Bleib gesund! 

  12. 90

    S09E03: Selbstsabotage-Projekte (#89)

     Worum geht’s in dieser Folge?Wir sind ja in der Staffel über unsere „dunklen und düsteren Projekte”, und heute möchte ich über unsere Selbstsabotage-Projekte sprechen. Ja, ich behaupte, wir alle haben Personal Projects, deren Sinn und Zweck es einzig und allein ist, uns selbst zu sabotieren. Wenn das mal keine dunklen und düsteren Projekte sind...Diese Selbstsabotage-Projekte sind oft auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen, weil sie oft im Gewand eines recht vernünftig scheinenden Projektes daherkommen. Es ist also gar nicht so leicht ein Selbstsabotage-Projekt zu beenden, weil man zuerst überhaupt mal dahinter kommen muss, dass ein Personal Project in Wirklichkeit ein Selbstsabotage-Projekt ist.  Diese Selbstsabotage-Projekte kommen in vielfältigen Masken und Verkleidungen daher. Ich möchte in dieser Folge mal drei dieser möglichen Verkleidungen vorstellen, damit ihr so ein bisschen ein Gespür dafür bekommt, welche Formen diese Selbstsabotage-Projekte annehmen können. 1. Kurzfristige SchmerzvermeidungsprojekteWer kennt diese Projekte nicht? Um kurzfristig Schmerzen oder unangenehme Gefühle zu vermeiden, fügen wir uns langfristigen Schaden zu.  Klassisches Beispiel: Wir gehen nicht zum Zahnarzt, weil wir Angst haben, dass er uns weh tut. Wir glauben… Ja, was glauben wir eigentlich? Wahrscheinlich so etwas wie, dass ein Wunder passiert und ausgerechnet bei uns die Zahnschmerzen irgendwie von selbst besser werden. Oder nehmen wir den unangenehmen Anruf bei einem Kunden oder einer Verwandten her. Wir verschieben diesen Anruf lieber auf morgen, weil… Ja, warum eigentlich? Weil wir glauben, dass morgen auf einmal die Situation weniger unangenehm ist? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass je länger wir den Anruf verschieben, die Situation immer unangenehmer wird? Handeln wir also in Wirklichkeit nicht völlig gegen unsere Interessen, wenn wir kurzfristigen Schmerz vermeiden, aber dafür in Kauf nehmen, dass wir langfristig viel länger darunter leiden? Die Selbstsabotage dabei ist nämlich genau, das wir bei diesen Projekten im Grunde völlig gegen unsere eigentlichen Interessen handeln. Es ist nicht in unserem Interesse, dass wir am nächsten Tag nicht ausgeschlafen sind - und dennoch binge-watchen wir bis nach Mitternacht.  Garrett Gunderson hat das mal so beschrieben: Es gibt „hard-easy-Projekte” und „easy-hard-Projekte”. Easy-hard-Projekte, das ist eben z.B., wenn wir ein unangenehmes Gespräch auf später verschieben. Das ist kurzfristig easy, aber langfristig machen wir und das Leben damit nur hard und harder.  Hard-easy-Projekte wären hingegen genau das Gegenteil und das, was eigentlich in unserem Interesse läge: Kurzfristig mag es zwar hard sein, aber langfristig machen wir uns unser Leben damit easy. Und genau diese hard-easy-Projekte sollten wir bewusst wählen, weil easy-hard immer Selbstsabotage ist.   2. Oberlimit-Projekte Die Idee der Oberlimit-Probleme bzw. upper limit challenges, wie es im Original heißt, kommt von Gay Hendricks und seinem Buch „Lebe dein Leben, bevor es andere für dich tun”. Er beschreibt darin folgendes Phänomen, das er in seinem Leben immer und immer wieder beobachtet hat: In seinem Leben gab es Phasen, in denen es ihm wirklich gut gegangen ist, in denen er sich wirklich wohl gefühlt hat … bis er etwas getan hat, wodurch er alles vermasselt hat. Alles war gut, bis er begonnen hat, es selbst zu zerstören. Ein Beispiel: Stell dir vor, du sitzt im Frühling im Park, dir scheint die Sonne ins Gesicht, die Vögel zwitschern, alles ist ruhig und friedlich und du fühlst dich rundum wohl. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts… fängt in dir eine Stimme an zu reden. Und diese Stimme sagt so etwas wie: „Ja, du fühlst dich gerade ziemlich wohl, was? Aber denk doch mal an morgen. Da musst du wieder in die Arbeit gehen, da ist dann wieder der Kollege, der dich so nervt. Und am Abend dann der Besuch von deiner Tante, das wird auch nicht gerade leiwand.” Und so weiter, und so fort. In Sekundenschnelle hast du das gute Gefühl durch deine Innere Stimme vollkommen zerstört - völlig ohne Not, völlig ohne Grund. Gay Hendricks sagt, es scheint so zu sein, dass wir für unser Wohlbefinden nur eine gewisse Toleranzgrenze haben. Sobald das Maß voll ist, also das obere Limit erreicht ist, fabrizieren wir Gedanken, durch die wir uns schlecht fühlen und die das Wohlbefinden wieder nach unten regeln. Ein klarer Fall von Selbstsabotage, weil wer außer uns selbst sabotiert in diesem Moment unser Wohlbefinden? Oberlimit-Probleme stecken manchmal auch hinter Verletzungen und Krankheit: Wenn die Dinge gut für uns laufen, werden wir krank, oder wir ziehen uns eine Verletzung zu. Auch das kann Selbstsabotage sein, damit es uns nicht zu gut geht. Wie gesagt: KANN sein, natürlich haben Krankheiten und Verletzungen auch noch andere Ursachen. Spannende Sache, diese Oberlimit-Projekte. Wenn man erst mal die Augen für sie geöffnet hat, wirst du sie wahrscheinlich an allen dunklen und düsteren Ecken deines Lebens finden.  3. Massive Selbstsabotage-ProjekteEs gibt manche Personal Projects, mit denen sabotieren wir uns so massiv selbst, dass man sich eigentlich nur über sich selbst wundern kann. Wir tun uns Dinge an, von denen wir bei klarem Verstand sagen müssten: Nein, niemals! Und doch stürzen wir uns kopfüber in diese Projekte. Wir werden zu unseren eigenen größten Feinden. Ein Beispiel von unzähligen wäre Bill Clinton. Der wird US-Präsident, ist am Ziel seiner Träume angekommen, nach langjähriger harter Arbeit, nach vielen Entbehrungen und nach unzähligen Stunden, die er für dieses Personal Project investiert hat. Und was macht er? Er beginnt eine Affäre mit einer Praktikantin. Wenn das kein massives Selbstsabotage-Projekt ist. Hat er wirklich gedacht, das bleibt geheim? War er wirklich so naiv zu denken, er kommt damit durch? Ich glaube nicht. Ich glaube, aus irgendeinem Grund war es ihm ein Bedürfnis, seinen Erfolg und damit sich selbst zu sabotieren - auch wenn das von außen sehr schwer zu verstehen ist. Oder denk an die vielen, vielen, vielen Popstars, Filmstars und Sportstars, die mit ihrem Erfolg nicht zurecht kommen.  Zu Zeiten ihres größten Erfolges starten sie oft massive Selbstsabotage-Projekte, die im schlimmsten Fall sogar in der Selbstzerstörung enden. Diese dunklen und düsteren Projekte sind von außen nur schwer zu begreifen, und doch machen sie für denjenigen oder diejenige irgendwie Sinn - so verrückt das auch klingen mag. Aber das liegt eben in der Natur der dunklen und düsteren Projekte, und ganz speziell der Selbstsabotage-Projekte: Rein aus der Perspektive der Vernunft sind sie nicht zu verstehen. Und doch gibt es sie, und es gibt sie in großer, großer Zahl. Umso wichtiger finde ich, dass wir unsere Selbstsabotage-Projekte erkennen, sie aus den dunklen Ecken ans Licht zerren und erkennen, wenn wir mit unseren eigenen Personal Projects Schaden in unserem Leben anrichten. 

  13. 89

    S09E02: Die Inneren Dämonen kennenlernen (#88)

     Worum geht’s in dieser Folge?In dieser neunten Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja über eine  besonderen Gruppe von Personal Projects beschäftigen, nämlich über unsere dunklen und düsteren Projekte. Und in dieser zweiten Episode der neunten Staffel geht es um unsere Inneren Dämonen. Ja, unsere Inneren Dämonen… Was meine ich damit eigentlich? Ich glaube, dass jeder von euch, der mir da gerade zuhört, bestimmt ein Gefühl dafür hat, was ich damit meinen könnte. Und gleichzeitig ist es gar nicht so einfach, die Inneren Dämonen klar zu definieren und in generelle Worte zu fassen. Ich würde daher mal so sagen: Die Inneren Dämonen sind in unseren Personal Projects dann am Werk, wenn wir Dinge tun oder sagen, wo wir uns eigentlich denken: "Nein, so will ich nicht sein. Das will ich eigentlich gar nicht tun, so will ich eigentlich gar nicht reden." Und dennoch tun wir es, immer und immer wieder, weil wir nicht aus unserer Haut raus können und weil uns unsere Inneren Dämonen unser Leben lang begleiten. Deswegen halte ich es für ein ganz wichtiges Personal Project - ein Self Project, wenn man es genau nimmt -, dass wir unsere Inneren Dämonen so gut wie möglich kennenlernen. Wir sollten wissen wollen, mit wem wir es da eigentlich zu tun haben in den Momenten, wo wir nicht gerade stolz auf uns sind. Was sind denn die Situationen, wo wir immer in die Falle tappen? Was sind denn die Auslöser, die Trigger, die unsere schlechtere Hälfte zum Vorschein bringen? Interessanterweise gibt es viele Geschichten und Romane, wo es immer wieder um die Auseinandersetzung mit den Inneren Dämonen geht. Ein berühmtes Beispiel wäre „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde” von Robert Louis Stevenson, wo ja der an sich sehr ehrenwerte Dr. Jekyll ein Opfer seines Inneren Dämonen, nämlich Mr. Hyde, wird. Ein anderes Beispiel wäre die Geschichte vom Phantom der Oper. Die Geschichte finde ich überhaupt ganz besonders spannend in Hinblick auf Personal Projects mit Inneren Dämonen. Vielleicht hast du ja auch das Musical oder eine Verfilmung dazu gesehen - oder gar das Buch gelesen - wenn nicht, hier kurz, worum es geht: Da ist dieses Mädchen Christine, eine Sängerin in der Oper. Sie ist die Hauptperson. Und dann ist da dieses Phantom der Oper, eine geheimnisvolle Gestalt, die in den Katakomben der Oper haust. Während Christine also auf der Bühne des Opernhauses auftritt, geistert das Phantom quasi auf der Hinterbühne herum.  Das Interessante bei der Geschichte ist die Beziehung zwischen Christine und dem Phantom. Im Musical ist das sowas wie eine dysfunktionale Liebesbeziehung, aber man kann das auch ganz anders interpretieren: Das Opernhaus, das steht für unser Leben. Christine ist das Symbol für unsere öffentliche Persönlichkeit, für das Bild von uns, das nach außen wirkt und täglich auf der Bühne steht. Und das Phantom steht für Christines dunkle Persönlichkeitsanteile, für das Düstere in ihrem Leben. Christine und das Phantom sind also im Grunde ein und derselbe Mensch, die gehören zusammen.  Christine sagt ja auch, dass das Phantom ihr Lehrer sei, der sie zu einer so guten Sängerin gemacht hat. Auch das ist symbolisch zu verstehen: Unsere Inneren Dämonen sind es sehr häufig, die uns zu Höchstleistungen antreiben und die auch dafür sorgen, dass wir in Beruf und Karriere Erfolg haben. Unser Antrieb kommt ganz, ganz häufig aus eher dunklen Quellen, aus Kränkungen, aus Verletzungen, aus einem Gefühl des mangelnden Selbstwertes und so weiter.  Und dann kommt noch was dazu: Das Phantom trägt eine Maske. Eigentlich ist das Gesicht des Phantoms entstellt, es ist hässlich, aber durch die Maske sieht Christine das nicht. So geht es uns auch oft: Wir erkennen unsere Inneren Dämonen oft gar nicht, wenn wir nicht hinter die Maske sehen und deren hässliches Gesicht erkennen. Unsere Inneren Dämonen verstecken sich häufig hinter vermeintlich ehrenwerten Projekten. Das Problem dabei ist halt nur, dass der Antrieb hinter diesen Projekten eben dunkel und düster bleibt, egal, welche Maske wir ihnen aufsetzen. Die Geschichte endet im Grunde damit, dass das Phantom das Opernhaus in Brand setzt und zerstört. Wiederum symbolisch interpretiert: Wenn wir nicht aufpassen, wenn wir unsere Inneren Dämonen nicht im Zaum halten können, dann können sie unser Leben zerstören. Und dass das keine Übertreibung ist, kann jeder nachvollziehen, der Bekanntschaft gemacht hat mit Inneren Dämonen wie Sucht, Depression oder übersteigertem Ehrgeiz. Ich glaube, ich verrate kein großes Geheimnis, wenn ich sage, dass die Auseinandersetzung mit unseren Inneren Dämonen eines der herausforderndsten Selbstprojekte unseres ganzen Lebens ist. Denn eines kannst du mir glauben: Jeder von uns hat seine oder ihre Inneren Dämonen - und wenn du glaubst, du hast keine, dann hast du einfach noch nicht gut genug in den Katakomben deines Lebens nachgesehen. Nur weil du deine Inneren Dämonen nicht kennst, heißt das nicht, dass du keine hast. Wie sollen wir jetzt mit unseren Inneren Dämonen umgehen? Wie können wir ihnen überhaupt einmal auf die Spur kommen? Ich kann euch sagen, wie ich es gemacht habe. Ich kenne einiger meiner Inneren Dämonen, und ich muss sagen, schön sind sie nicht. Aber ich kenne sie, und damit kann ich auch Schritt für Schritt lernen, besser mit ihnen umzugehen. Für mich hat sehr gut funktioniert, meinen Inneren Dämonen ein menschliches Gesicht zu geben. Sie tatsächlich zu Personen zu machen - genauso, wie es ja auch in den Geschichten von Mr. Hyde und dem Phantom der Oper geschehen ist. Den Inneren Dämonen ein Aussehen zu geben, vielleicht einen Namen, einen Charakter… und versuchen, sie immer besser kennenzulernen, wann immer du ihnen begegnest. Mit der Zeit kommst du vielleicht so wie ich drauf, dass ein so ein Dämon verlässlich immer dann daher kommt, wenn du nicht ausgeschlafen bist. Ein hässlicher, sehr grober Zeitgenosse, der aber relativ gut berechenbar ist, wenn du ihn nur gut genug beobachtet hast.  In diesem dunklen und düsteren Personal Project „Deine Inneren Dämonen kennenlernen” geht es also darum zu versuchen, die Hinterbühne deines Lebens auszuleuchten und mal genauer hinzusehen, was da so kreucht und fleucht. Kann gut sein, dass das nicht alles angenehm ist, was du da zu sehen bekommst. Dann geht es darum, dich mit deinen Inneren Dämonen irgendwie zu arrangieren - quasi, mit ihnen zu tanzen. Zu versuchen, mit ihnen weitestgehend auszukommen, denn los werden tut man sie nur ganz, ganz schwer. Ziel dieses Personal Projects wäre zu versuchen, deine Inneren Dämonen so gut zu kennen und sie zumindest so weit im Zaum zu halten, dass sie dir das Opernhaus deines Lebens nicht in Brand setzen - wenn nötig mit Coaches, Beratern oder Therapeuten, die dich in einem solchen herausfordernden Projekt begleiten und unterstützen können.  Also: Nimm deinen Mut zusammen, gib deinen Inneren Dämonen ein Gesicht, schau ihnen in die Augen und reiß ihnen die Maske runter - auch wenn’s weh tut. Für dieses überaus schwierige, dunkle und düstere Personal Project wünsche ich dir von Herzen viel Erfolg! 

  14. 88

    S09E01: Dunkle und düstere Projekte (#87)

     Worum geht’s in dieser Folge?Willkommen zur ersten Folge der neunten Staffel von [Projekt: Leben]! In dieser neuen Staffel möchte ich mich mit einer besonderen Gruppe von Personal Projects beschäftigen, nämlich unseren dunklen und düsteren Projekten.Dunkle und düstere Projekte… Was meine ich damit? Naja, ich habe dafür keine genaue Definition, aber ich verstehe darunter alle Personal Projects, die irgendwie im Schatten oder Halbschatten unseres Lebens leben. Es sind Projekte, die meist hinter dem Vorhang bleiben, über die wir nicht reden, von denen wir nicht wollen, dass andere von ihnen wissen. Und genau über solche Projekte soll es in dieser Staffel gehen. Ich will sie für die kommenden zwölf Folgen vor den Vorhang holen und mit dem Scheinwerfer der Personal Projects Theorie die dunklen und düsteren Ecken unseres Personal Projects Systems ausleuchten. Und dazu, liebe Hörerin, lieber Hörer, heiße ich euch herzlich willkommen! In dieser Folge möchte ich mal einen Blick darauf werfen, warum manche unserer Personal Projects eben solche dunkle und düstere Projekte sind. Mit anderen Worten: Was macht ein Personal Projects eigentlich dunkel und düster? 1. Möglichkeit: Wir kennen sie gar nichtJa, ich behaupte, es gibt eine wahrscheinlich gar nicht so kleine Zahl an Personal Projects, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie haben. Wir kennen sie gar nicht. Ich glaube sogar: Die wichtigsten Projekte in unserem Leben haben wir gar nicht auf unserer Agenda! Warum glaube ich das? Weil, und davon bin ich fest überzeugt, weil uns in der Regel nicht bewusst ist, was uns antreibt. Es geht also um das wirkliche Projekt hinter einem vordergründigen Personal Project. Ein Beispiel: Wenn wir uns die Biographien von vielen erfolgreichen Pop- und Rockstars anschauen, dann kommen wir ziemlich bald darauf, dass die was gemeinsam haben: Ja, das sind lauter Menschen, die großes musikalisches Talent haben, klar. Aber da ist noch was: Die allermeisten hatten in ihrer Kindheit ein ganz schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater. Bruce Springsteen ist da ein Paradebeispiel, Phil Collins wäre ein anderes. Wenn wir also fragen: Was ist denn deren Personal Project? Dann gibt es natürlich das öffentliche Personal Project „Musik machen”, weil das lauter musikalisch talentierte Menschen sind. Aber auf der Hinterbühne, im dunklen und düsteren Bereich, da spielt sich das viel wichtigere Projekt ab, nämlich das Projekt hinter dem Projekt. Und das heißt „Meinem Vater zeigen, dass ich doch kein Versager bin” oder so ähnlich. Ich weiß nicht mehr, wer es war, der gesagt hat, dass er bei einem Konzert vor tausenden Menschen in Wirklichkeit immer nur für eine einzige Person spielt, nämlich seinen Vater. Und das selbst dann noch, wenn dieser schon lange tot ist. 2. Möglichkeit: Wir reden nicht über siePersonal Projects werden dann dunkel und düster, wenn wir sie nie ans Tageslicht bringen, weil wir anderen Menschen einfach nicht davon erzählen. Das kann sein weil: sie uns unangenehm sind wir Scham oder Schuld für sie empfinden sie uns verletzlich machen wir uns keine Blöße geben wollen, weil wir keine Schwäche zeigen wollen wir andere Menschen nicht beunruhigen wollen sie unserem Image widersprechen oder sogar schaden könnten wir keine Aufmerksamkeit auf das Projekt lenken möchten, weil wir mit dem Projekt allein bleiben wollen. Ein Beispiel für so ein Projekt wäre z.B. eine Krankheit, die wir für uns behalten - aus welchem Grund auch immer. Ein sehr herausforderndes dunkles Personal Project. Oder ein anderes Beispiel: Affären. Fremdgehen. Ausgesprochen aufwendige Personal Projects, die viel Energie kosten und einen wahnsinnigen organisatorischen und logistischen Aufwand bedeuten können. Da ist auch meistens das Ziel, dass dieses Projekt so lange wie möglich, idealerweise für immer, im Dunkeln bleibt. Oder die allermeisten Fälle von Sucht sind auch solche Projekte. Eine Sucht ist ein extrem forderndes Personal Project, aber auch hier ist zumeist das Ziel, die Sucht so lange wie möglich unter Verschluss zu halten - auch wenn den Menschen im Umfeld vielleicht längst klar ist, was los ist. 3. Möglichkeit, die ein Projekt zu einem dunklen und düsteren macht: Wir dürfen nicht über das Projekt redenUnd zwar deswegen, weil diese Projekte entweder moralisch verwerflich sind oder gesellschaftlich sanktioniert, z.B. durch gesetzliche Verbote. Wer einen Bankraub oder ein Attentat plant, der hat automatisch ein dunkles und düsteres Projekt. Weil es zum Projekterfolg dazu gehört, dass es dunkel und düster bleibt.  Dieses Phänomen ist auch die Grundzutat für so manchen Film oder so manche Krimiserie über geniale Mörder, die das perfekte Verbrechen begangen haben. Ist der Mörder dann auch noch ein bisschen ein Narzisst, dann ist er in einem Dilemma: Den perfekten Mord zu begehen, das ist ein unglaublich komplexes und aufwendiges Personal Project.  Der Mörder ist auf dieses Personal Project vielleicht sogar sehr stolz - nur darf er niemandem davon erzählen! Also wird der Mörder ein bisschen dreist, ein bisschen unvorsichtig, weil er zwar nicht entdeckt werden will, sich aber dennoch nach Anerkennung sehnt. Und genau diese Zwickmühle ist die Grundlage von ganz, ganz vielen Columbo-Folgen. Ich möchte in dieser neunten Staffel von [Projekt: Leben] also über Projekte  reden, die im Dunkeln sind, die nicht klar erkennbar sind, die nicht gerne besprochen werden. Diese Staffel ist eine Annäherung an ein schwieriges Thema. Aber ich finde diesen Versuch wichtig, weil gerade diese dunklen und düsteren Projekte einen enorm hohen Stellenwert in unserem Leben haben - ob wir das wollen oder nicht, und ob uns das bewusst ist oder nicht. Ludwig Wittgenstein hat gesagt: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.” Ich finde, im Fall unserer dunklen und düsteren Projekte gilt genau das Gegenteil: Je mehr Licht wir in dieses Dunkel bringen können, desto besser.  Ich will  in dieser Staffel den dunklen und düsteren Projekten in unserem Leben eine Stimme verleihen. Und wenn du mich bei diesem Experiment begleiten möchtest, dann heiße ich dich ganz herzlich willkommen in dieser neunten Staffeln von [Projekt: Leben]. 

  15. 87

    S08E10: Finale der 8. Staffel - Rückblick und Ausblick (#86)

    RückblickWerfen wir einen kurzen Blick zurück auf diese abgelaufene achte Staffel von [Projekt: Leben].In dieser achten Staffel ging es ja um „Shared Projects”, also jene Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen wollen, dürfen oder müssen. Ich habe dabei einen Schwerpunkt auf die Shared Projects in Beziehungen gelegt, also wie sie typischerweise in einer Ehe, in einer Partnerschaft und so weiter vorkommen, wobei ich da auch nicht besonders streng war.Jedenfalls habe ich den Versuch unternommen, den Blick auf unsere Personal Projects ein bisschen zu erweitern. Personal Projects sind nämlich nicht nur „unser eigenes Ding”, sondern die allermeisten unserer Personal Projects haben auf die eine oder andere Weise mit anderen Menschen zu tun. Was sind die wichtigsten Botschaften aus dieser Staffel? Wir BRAUCHEN Shared Projects, weil wir Menschen so hoch soziale Wesen sind. Jede Beziehung BRAUCHT Shared Projects, also gemeinsame Vorhaben, gemeinsame Ziele, damit die Beziehung lebendig bleibt. Dabei ist es aber völlig nebensächlich, WELCHE Projekte das sind. Hauptsache, es gibt welche. Gleichzeitig brauchen wir alle, die wir in einer Beziehung leben, auch Projekte, die wir nur für uns haben, also „unser eigenes Ding”. Die Kunst ist es, eine gute Balance aus Eigenem und Gemeinsamem zu schaffen. Wir sollten uns in die Personal Projects anderer Menschen nicht einmischen. Oder anders formuliert: Wir sollten ein Personal Projects eines Menschen nicht ungefragt zu einem Shared Project machen - auch dann nicht, wenn wir die besten Absichten haben. Wenn wir aber um Hilfe gebeten werden, wenn jemand ein Personal Project für uns öffnet und ein Shared Project daraus macht, dann sollten wir auch helfen - im Rahmen unserer Möglichkeiten, ohne dem anderen sein Projekt „wegzunehmen”. Im Philosophicum dieser Folge ist es dann genau um diese Frage des ungefragten Wegnehmens gegangen, wo ich ja überlegt habe, ob unsere Kinder unsere Personal Projects sind oder eher nicht. Ganz wichtig war mir in dieser Staffel auch der Unterschied zwischen Beziehungsprojekten und Ergebnisprojekten. Gerade in unseren Beziehungen müssen wir gut hinschauen und erkennen, welche Art von Projekten wir da gerade vor uns haben. Zu diesem Thema habe ich mit meinem Co-Host Martin Schmidt einen Buchclub gemacht über das Buch „Das unendliche Spiel” von Simon Sinek. Unendliche Spiele und Beziehungsprojekte, das ist so ziemlich das selbe, und ich glaube, dass es für unseren Erfolg als Manager unseres Lebens ganz entscheidend ist, dass wir erkennen, wann wir ein endliches und wann wir ein unendliches Spiel spielen oder spielen sollten. AusblickDie Podcasts werden weiterhin am Freitag erscheinen.Die einzelnen Podcast-Folgen werden kürzer werden als bisher - und werden um die 10 Minuten dauern.In der 9. Staffel wird es um "dunkle und düstere" Personal Projects gehen, also Projekte, über die man nicht gerne spricht, die mit Angst und Scham verbunden sind oder die gesellschaftlich geächtet sind.Es wird wieder ein Philosophicum und einen Buchclub mit meinem Co-Host Martin Schmidt geben.Start der 9. Staffel ist Freitag, 13. März 2020.

  16. 86

    S08E09: Buch-Club: "Das unendliche Spiel" von Simon Sinek (#85)

    Worum geht's in dieser Folge?Wir haben heute wieder eine Ausgabe unseres allseits beliebten Buch-Clubs. Und bei mir zu Gast ist wie immer mein hoch geschätzter Freund und Co-Host Martin Schmidt. Wir sprechen über das Buch "Das unendliche Spiel" von Simon Sinek.Links"Das unendliche Spiel" bei MorawaSimon Sineks WebsiteSimon Sineks berühmter TED-Talk "How Great Leaders Inspire Action"

  17. 85

    S08E08: Philosophicum: Warum unsere Kinder (k)ein Personal Project sind (#84)

    Worum geht’s in dieser Folge?Diesmal ist das Philosophicum der 8. Staffel dran. Im Philosophicum versuche ich ja, mich mit etwas grundsätzlicheren Fragen des Lebens zu beschäftigen. Im Philosophicum geht es also nicht um konkrete Tipps oder fertige Antworten, sondern eher um die offenen Fragen, die mich - und vielleicht auch dich - beschäftigen. Und deshalb lade ich dich in diesem Philosophicum lade dich dazu ein, mit mir ein bisschen nachzudenken. In diesem Philosophicum geht es um eine Frage, die mich seit fast vier Jahren beschäftigt, nämlich seit dem Zeitpunkt, an dem ich zum ersten Mal Papa geworden bin. Die Frage lautet nämlich: Kann man eigentlich die eigenen Kinder auch als Personal Project betrachten? Ist diese Sichtweise hilfreich, das heißt tu ich mir und meinen Kindern damit was Gutes, oder führt uns diese Betrachtungsweise eher auf den Holzweg?Wie gesagt, ich habe auf diese Frage keine fertige Antwort, eher ein paar Ideen und Gedankensplitter, die ich für diese Folge mal zusammengetragen habe. Die Frage finde ich aber insofern spannend, weil wenn man verschiedene Menschen so fragt, was denn ihre Core Projects sind, also ihre Herzensprojekte, dann kommen so Dinge wie Familie und Kinder immer ganz weit vorne. Und deshalb finde ich es eben so spannend, das mal zu hinterfragen. Auf den ersten Blick würde man wahrscheinlich sagen: "Na klar sind die eigenen Kinder ein Herzensprojekt, das ist ja gar keine Frage!" Aber lass uns in dieser Folge, in diesem Philosophicum da mal genauer hinschauen, was wir damit eigentlich meinen und welche Konsequenzen das für unser Leben und das unserer Kinder haben könnte.Wie gesagt: Keine ausgegorenen Antworten, sondern ein paar Gedanken von mir, die du gerne weiterdenken oder anders denken kannst. 1. Gedanke: Ist es das passende Modell?Der erste Gedanke, über den ich gerne laut nachdenken möchte, ist folgender: Wenn wir über unsere Kinder nachdenken, ist da die Metapher der „Personal Projects” überhaupt das richtige Bild? Uns muss nämlich immer wieder bewusst sein: Diese Idee der Personal Projects, das ist ein so genanntes Modell. Ein Modell ist ein Gedankenkonstrukt, also eine geistige Erfindung, die uns dabei helfen kann, unser Leben und das, was wir als unsere Wirklichkeit wahrnehmen, zu erklären. Modelle helfen uns dabei, die Welt besser zu verstehen, weil sie komplexe Vorgänge anschaulicher machen, weil wir uns mithilfe von Modellen komplexe Dinge überhaupt erst erklären können. Aber, und das ist ganz wichtig: Modelle SIND NICHT die Wirklichkeit. Das dürfen wir nicht verwechseln. Also: Es ist nicht so, dass es Personal Projects tatsächlich einfach so "gibt". Nein, wir können das Modell der Personal Projects hernehmen, um uns unser Leben besser zu erklären. Und diese Erklärung mithilfe von Personal Projects, das funktioniert aus meiner Sicht in ganz vielen Lebensbereichen wirklich gut. Mit der Personal Projects Theorie lassen sich viele Vorgänge in unserem Leben wunderbar erklären. Aber wir müssen uns trotzdem immer wieder fragen: Für diesen konkreten Aspekt unseres Lebens, in dem Fall eben unsere Kinder… Ist auch da die Personal Projects Theorie auch ein nützliches Modell, oder wenden wir da auf diese konkrete Frage ein Werkzeug an, das eigentlich überhaupt nicht passt?  2. Gedanke: Bildhauer oder Gärtner?Wenn ich jetzt einfach mal davon ausgehe, dass es sinnvoll ist, unsere Kinder auch als Personal Projects zu sehen - nicht, weil ich mir sicher bin, dass das ein hilfreiches Modell ist, sondern um einfach mal zu sehen, wo uns diese Sichtweise hinführen würde - also wenn wir jetzt mal sagen: Okay, wir können unsere Kinder als Personal Projects sehen - dann stellt sich schon die nächste Frage: Okay, aber welche Art von Personal Projects? Ich meine damit die grundlegende Unterscheidung in Beziehungsprojekte und Ergebnisprojekte. Darüber habe ich schon ein paar Mal gesprochen. Ergebnisprojekte sind Personal Projects, die ein ganz bestimmtes Ergebnis haben oder ein bestimmtes Ziel verfolgen, wohingegen Beziehungsprojekte kein klares Ergebnis und kein bestimmtes Ziel haben, wo eher der Weg das Ziel ist. Und wenn wir das jetzt auf unsere Kinder anwenden, dann macht das natürlich einen GEWALTIGEN Unterschied, ob wir unsere Kinder als Ergebnisprojekt oder als Beziehungsprojekt sehen. Eltern, die ihre Kinder als Ergebnisprojekt sehen, die kennen wir alle. Das sind richtige Pusher-Eltern. Diese Eltern haben klare Vorstellungen davon, was gut und richtig für ihre Kinder ist und wenden auch sehr viel Energie und Engagement auf, um diese Idealvorstellungen zu erreichen. Und, das ist mir ganz wichtig zu sagen: Diese Eltern tun das aus den allerbesten Absichten! Das sind KEINE lieblosen, schlechten Eltern. Im Gegenteil: Diese Eltern wollen - wie die allermeisten Eltern auf der Welt - nur das Beste für ihre Kinder. Nur eben mit der Herangehensweise, dass sie ein klares Ergebnis, ein klares Ziel vor Augen haben und das Ziel des Herzensprojekts „Kinder” darin sehen, dieses ideale Ergebnis zu erreichen - zum vermeintlichen Wohl der Kinder. Man könnte diese Eltern mit einem Bildhauer vergleichen. Ein Bildhauer hat eine klare Vorstellung davon , was er aus dem Marmorblock machen möchte, und er hämmert so lang an dem Stein herum, bis einigermaßen das raus kommt, was er sich vorgestellt hat. Eltern hingegen, die ihre Kinder als Beziehungsprojekt sehen, die handeln eher wie ein Gärtner. Ein Gärtner lässt die Pflanzen in seinem Garten wachsen und beschränkt sich darauf, hie und da mal ein bisschen was zurechtzuschneiden, zu gießen und zu düngen, das Unkraut auszurupfen und generell darauf zu achten, dass alles so gut wie möglich gedeiht - nämlich ganz natürlich, ohne ein bestimmtes Ergebnis vor Augen zu haben. Wenn wir unsere Kinder als Beziehungsprojekte sehen, dann geht es weniger darum, was sie konkret tun, was kurzfristig gut für sie sein könnte, sondern es geht in erster Linie um die langfristige Beziehung zu unseren Kindern - was auch immer konkret aus dieser Beziehung erwachsen wird - in dem Vertrauen darauf, dass unsere Kinder von selbst irgendwann wunderschön aufblühen werden. Jetzt wirst du vielleicht sagen: "Eh klar, Kinder sollten - wenn schon - ein Beziehungsprojekt sein." Ja, eh klar, aber so einfach ist das oft nicht. Gerade wir Personal Projects Manager sind oft sehr ergebnisorientiert von unserer Persönlichkeit her, und das auch bei unseren Kindern. Wir sind selber oft High Achiever, und deshalb müssen wir, glaube ich, immer wieder mal innehalten und fragen: Wer will ich für meine Kinder jetzt gerade sein, ein Bildhauer oder ein Gärtner? Und: Behandle ich mein Kind gerade dementsprechend, oder eher nicht? Aber selbst wenn wir das geklärt haben, gehen die Schwierigkeiten noch weiter.  3. Gedanke: Wem „gehören” die Hausaufgaben?Nehmen wir mal an, wir wären uns einig, dass es der bessere Zugang wäre, die Kinder als Beziehungsprojekt zu sehen. Wie gesagt, darüber kann man gerne noch diskutieren, aber nehmen wir es jetzt einfach mal an. Bleibt die Frage: Was bedeutet das nun konkret im herausfordernden Alltag der Kindererziehung? Nehmen wir ein Beispiel: Das Kind war in der Schule, kommt nach Hause und hat keine Lust, seine Hausaufgaben zu erledigen. Ich glaube, sowas in der Richtung können wir uns alle vorstellen. Wie gehen wir als Eltern damit um? Wenn wir jetzt sagen, wir wollen wie Gärtner agieren, bedeutet das, dass wir einfach sagen können: Na gut, mein liebes Kind will die ...

  18. 84

    S08E07: Brian Little über Shared Projects (#83)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist die 7. Folge dieser 8. Staffel, in der es um unsere Shared Projects geht - also jene Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen können, dürfen oder müssen.Für diese Folge habe ich mir etwas Besonderes überlegt. Ich will nämlich eine kleine Zeitreise unternehmen ins Jahr 2018. Meine Hörerinnen und Hörer der ersten Stunde werden sich vielleicht erinnern... Im März 2018 habe ich Brian Little zu einem Interview getroffen. Von Brian Little spreche ich ja immer wieder mal, und das nicht ohne Grund: Brian Little ist der Begründer der Personal Projects Theorie. Von ihm kommt also die Idee, dass wir unser Leben als eine Sammlung von Personal Projects betrachten können. Ich nenne ihn deswegen auch den "Godfahter of Personal Projects".Jedenfalls habe ich mit ihm eine gute Stunde lang geplaudert, und dieses Interview kannst du auch in voller Länge nachhören, und auf der Website projekt-leben.jetzt gibt es sogar eine Übersetzung des Interviews, denn das Interview war natürlich in Englisch. Ich verlinke dir das alles in den Show Notes. Ich habe mit Brian Little in dem Interview auch über Shared Projects gesprochen, und diese Passagen aus dem Interview möchte ich in dieser kurzen Podcast-Folge nochmals aufgreifen und ein bisschen nachbesprechen.Ein Thema, auf das ich Brian Little angesprochen habe, war die Frage, ob sich aus seiner Sicht die Personal Projects, die die Menschen so haben, über die Zeit verändern. Also ob man in den 1960er Jahren andere Personal Projects hatte als heute, im 21. Jahrhundert. Und Brian Little meinte, dass sich ganz zentrale Projekte über Jahre, über Jahrzehnte und vielleicht sogar über Jahrhunderte wenig verändert haben. Er drückt das so aus:"I think that there are some fundamental things that do apply. That we need to form relations with others, that we are a deeply social animal. Connection with others through joint projects is critical. We found that one of the best predictors of a long-term relationship being sustainable is the emotional support in your projects of the other person. And sharing projects! Many think „Well, I need to have my space and my partner needs his or her space.”. That’s true to a certain extent, but if you are really just two separate project systems never intersecting and enjoying  each other’s convivial delight, then that’s something that can lead to problems."Brian Little betont also, wie wichtig es ist, dass wir Personal Projects mit anderen Menschen teilen - also zu echten shared projects machen. Dass wir mit den Menschen, die uns wichtig sind, auch gemeinsame Projekte haben, nicht nur jeder seine eigenen Personal Projects nebeneinander. Und was genauso wichtig ist: Dass wir andere Menschen, die uns wichtig sind, bei ihren Projekten - und ganz besonders bei ihren Herzensprojekten - wirklich unterstützen. Und das in aller erster Linie emotional. Warum das so wichtig ist, erklärt Brian Little so: "There actually is some research on this. One of them is a stream of research that shows that the emotional support of one’s partner is really crucial. We studied this with pregnant women - pregnancy as a project. We looked at what are the factors within the projects that lead to a successful pregnancy? We defined both subjective and objective indicators such as the health of the baby at birth, the Apgar-Scores [i.e. the very first test given to a newborn, done right after birth in the delivery or birthing room], and the subjective feelings of the mother. The best predictor of successful outcome of pregnancy among the project dimensions was the emotional support of your partner.A few years after that we were studying entrepreneurs. We were trying to find out what is the best predictor for their success after their first year - again using a mixture of hard indicators, financial indicators and also subjective experience of „Yeah, this is really a worthwhile venture!”. And the best predictor was the emotional support of the partner! We thought „Boy, this is sort of intriguing!” Because when entrepreneurs say „This is my baby.”, maybe it’s not just a loose metaphor. Maybe it’s very symbolic of the sense of „Boy, this is tough, and it’s great to have your support.” Now some of these partners in the entrepreneurial ventures were their romantic partners. Others were not, they were just business partners and emotionally important. Not necessarily materially but  just having that emotional support „We’re in this together.”Ich glaube, was Brian Little hier sagt - und was er tatsächlich auch durch seine Forschungen belegen konnte - kann man gar nicht oft genug sagen, und das kann man in seiner Bedeutung gar nicht überschätzen: Die gegenseitige emotionale Unterstützung von Personal Projects, besonders der Core Projects nach dem Motto "We're in this together"... das ist wahrscheinlich DER Schlüssel für gelungene Beziehungen - ganz besonders in Partnerschaften, aber sicher auch in der Familie insgesamt, in Freundschaften und auch im Bereich der Arbeit. Und das möchte ich auch am Schluss dieser Folge, quasi als Zusammenfassung und gleichzeitig als Auftrag für euch mitgeben: Nehmt euch bewusst die Zeit und sprecht mit den Menschen, die euch lieb sind, über eure Personal Projects, besonders über eure Herzensprojekte. Ladet sie dazu ein, etwas über diese Projekte zu erfahren und vielleicht sogar ein Teil dieser Projekte zu werden. Und dann nehmt euch die Zeit, etwas über die Herzensprojekte eurer Lieben zu erfahren. Was beschäftigt sie denn gerade - und vielleicht gibt es ja auch eine Möglichkeit, wie ihr helfen und damit Teil ihrer Herzensprojekte.  Brian Little hat wissenschaftlich bewiesen, dass euch genau das glücklich manchen wird.  

  19. 83

    S08E06: Der Business Breakfast Club (#82)

     Worum geht’s in dieser Folge?Wir sind ja mitten in Staffel 8 des Podcasts, und in dieser 8. Staffel geht es ja um unsere Shared Projects. Deshalb habe ich mir gedacht, wär’s vielleicht eine gute Idee, mal über ein ganz konkretes Shared Project von mir zu reden, sozusagen als Case Study. Dabei geht es mir nicht so sehr um das Shared Project an sich, sondern eher um die Meta-Ebene, also was wir von diesem konkreten Projekt aus Sicht der Personal Projects Theorie sagen und lernen können. Und dieses Projekt, von dem ich hier sprechen will, ist der Business Breakfast Club.Wie ist das Projekt entstanden?Um euch zu erklären, worum es beim Business Breakfast Club geht, erzähle ich euch zuerst mal, wie das Projekt überhaupt entstanden ist.Dieses Shared Project hat sich 2012 entwickelt, also vor rund 8 Jahren. Damals waren Viki und ich gerade mal ein halbes Jahr zusammen, und wir hatten folgendes Problem: Wir waren damals beide beruflich ziemlich eingespannt. Wir verbrachten beide viel Zeit in unseren jeweiligen Jobs, sodass wir kaum wirklich die Zeit hatten, uns darüber zu unterhalten, was es so Neues gibt. Und so ist es immer häufiger passiert, dass einer von uns gesagt hat: „Ach ja, das wollte ich dir erzählen, aber dann, irgendwie…” Dann ist immer irgendwas dazwischen gekommen, oder wir haben vergessen, wichtige Neuigkeiten weiterzusagen oder wir waren schlicht zu müde. Morgen ist ja, bekanntlich, auch noch ein Tag.Jedenfalls ist es uns damals nicht gelungen, dass wir uns spontan Zeit nehmen, uns gegenseitig upzudaten. Deswegen hatte ich eines Tages eine Idee, wie sie nur von einem strukturierten Management-Typen wie mir kommen kann: Warum legen wir nicht einen fixen Termin fest, wo wir beide ganz konzentriert über alles sprechen, was es in unserer Partnerschaft zu besprechen gibt? Einen fixen Termin einmal pro Woche, wo jeder sagen kann, was ihm oder ihr auf dem Herzen liegt? So, wie wir es ja auch in unseren Jobs machen, in denen wir so viel Zeit verbringen.Und weil wir beide gerne frühstücken, hatten wir die Idee,  das Angenehme gleich mit dem Nützlichen zu verbinden und diese Besprechung bei einem Frühstück in einem netten Lokal zu halten. So entstand dann auch der Name „Business Breakfast Club”. „Business” deswegen, weil es bei dem Frühstück eben vor allem um die „geschäftlichen”, die administrativen Dinge unserer Partnerschaft geht. Und unter diesem Namen läuft dieses Projekt bei uns jetzt eben schon acht erfolgreiche Jahre lang.Was ist der Business Breakfast Club genau?Der Business Breakfast Club ist also ein Shared Project von meiner Frau, Viki, und mir. Der Business Breakfast Club sind anderthalb bis zwei Stunden pro Woche, die sich Viki und ich für unsere ganzen Shared Projects Zeit nehmen. Der Business Breakfast Club ist also eine wöchentliche Besprechung zwischen uns, wo wir über unsere Pläne, Projekte, Termine, To Dos … für die kommenden Tage, Wochen und Monate reden. Dazu gehen wir (wann immer möglich) in ein Lokal frühstücken. So verbinden wir das Angenehme mit dem Nützlichen. Für unseren Business Breakfast Club haben wir einen fixen Zeitpunkt in der Woche ein, in der Regel ist das der Samstag. Das ist auch fix in unserem Kalender eingetragen.  Dieser regelmäßige fixe Termin hat einen Riesenvorteil: Wir können uns beide darauf verlassen, dass wir am Samstag über alle „operativen“ Sachen sprechen werden, also über alles, was es in unserer Partnerschaft - und seit ein paar Jahren auch in unserer Familie mit zwei Kindern - zu managen gibt. Dadurch entspannt sich die restliche Woche ungemein. Wir müssen nicht am Abend, wenn wir müde sind, darüber reden, wie wir jetzt mit der Krabbelstube für unsere Tochter tun. Nein, das können wir konzentriert am Samstag machen, wenn wir ausgeschlafen sind und wenn wir uns bewusst für genau diese Fragen Zeit nehmen. Wie gesagt, wir machen das seit fast 8 Jahren und haben schon rund 340 gemeinsame Business Breakfasts gehabt. Für uns ist das inzwischen ein sehr wichtiges Ritual geworden, das wir beide sehr schätzen. Es ist so wichtig, dass wir es auch weitergeführt haben, als die Kinder dazu gekommen sind. Die sind jetzt im Business Breakfast Club einfach dabei - im Moment noch mehr passiv als aktiv, aber das wird sich wahrscheinlich mit den Jahren auch noch ändern, wer ma sehen. Aus der Sicht der Personal Projects Theorie betrachtet, könnte man sagen, dass der Business Breakfast Club ein ganz wichtiges Element in unserem Shared Projects Management ist. Das gemeinsame Frühstück ist sowas wie eine Weekly Review unserer Shared Projects, wo wir Projektfortschritte besprechen und die nächsten Schritte gemeinsam festlegen. Und, was auch ganz wichtig ist: Wir treffen bei diesen Business Breakfasts gemeinsam Entscheidungen, und das in einem strukturierten Rahmen, in dem wir uns beide wohl fühlen. Damit verhindern wir auch, dass Shared Projects, die uns eigentlich sehr wichtig wären, einfach einschlafen und versanden, weil sich niemand drum kümmert. Wie gesagt, der Business Breakfast Club ist uns beiden sehr wichtig geworden. Wir lassen ihn daher auch nur sehr, sehr ungern ausfallen, und wir machen ihn auch im Urlaub. Wenn es doch mal am Samstag nicht geht, versuchen wir ihn an einem anderen Wochentag unterzubringen. Manchmal haben wir uns auch einfach am Wohnzimmertisch zusammengesetzt, wenn’s nicht anders ging. Man könnte sagen, dass uns dieses Shared Project „heilig" geworden ist. Für diejenigen unter euch, die jetzt neugierig geworden sind und wissen wollen, wie so ein Business Breakfast konkret abläuft, für die habe ich noch ein paar Hinweise und Tipps. Wie läuft ein Business Breakfast konkret ab?Also, wir frühstücken jeden Samstag miteinander. Dazu gehen wir meistens in ein Lokal. Früher, in der guten alten Zeit, wo wir noch keine Kinder hatten, da haben wir uns den Spaß gemacht, dass wir jede Woche in ein anderes Lokal zum Frühstücken gegangen sind. Jetzt, mit den Kindern, haben wir inzwischen ein Stammlokal gefunden. Unser Stammlokal ist es vor allem deswegen geworden, weil es eine Spiele-Ecke hat, wo die Kinder spielen können, während wir Erwachsenen besprechen. Um die Themen zu sammeln, die wir beim Business Breakfast besprechen wollen, haben wir folgende Lösung gewählt: Wir haben beide Evernote auf unseren Handys installiert. Evernote, das ist ein Notiz-Programm, von dem ich schon öfter in diesem Podcast erzählt habe und das zu einem ganz wichtigen Grundpfeiler in meinem Personal Project Management geworden ist. In Evernote haben wir ein gemeinsames Notizbuch, in das jeder von uns jederzeit neue Notizen einfügen kann oder auch eine bestehende Notiz updaten.  Jede einzelne Evernote-Notiz steht für ein Thema, das wir besprechen wollen. Also, wenn ich, sagen wir, gerade in der Arbeit bin und mir fällt etwas ein, das ich gerne mit Viki besprechen will, dann nehme ich mir mein Handy, öffne Evernote und lege in unserem gemeinsamen Notizbuch eine Notiz an, wo ich reinschreibe, was ich besprechen will. Vorausgesetzt natürlich, es kann bis nächsten Samstag warten. Und Viki macht genau das Gleiche. Der Clou ist jetzt, dass jeder von uns unter der Woche in unserem gemeinsamen Evernote-Notizbuch herumfuhrwerken kann, wie er oder sie will. Jeder von uns kann Notizen hinzufügen und damit neue Themen auf die Agenda setzen. Oder jeder von uns kann bei einer bestehenden Notiz etwas...

  20. 82

    S08E05: Shared Projects in Partnerschaften (#81)

     Worum geht’s in dieser Folge?Ich bin frisch und munter aus der Weihnachtspause zurück, und mit der ersten Folge des Jahres 2020 geht die aktuelle 8. Staffel weiter. In dieser 8. Staffel sprechen wir ja über unsere Shared Projects, also jene Projekte, die wir mit anderen Menschen gemeinsam durchführen dürfen, können oder müssen. In dieser Folge möchte ich eine ganz besonders spannende Art von Shared Projects besprechen, nämlich die Shared Projects, die wir innerhalb von Beziehungen umsetzen. Und mit „Beziehungen” meine ich in erster Linie Lebenspartnerschaften oder Lebensgemeinschaften, also klassischerweise die Shared Projects in einer Ehe oder sonst irgend einer partnerschaftlichen Verbindung. Und aus dieser Sicht einer partnerschaftlichen Zweierbeziehung werde ich diese Projekte auch besprechen.Du kannst das Ganze aber gerne auch weiter denken. Was ich sage, gilt vermutlich ohne irgendwelche Abstiche auch für andere Beziehungen, z.B. zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Geschwistern oder zwischen guten Freunden. Das einzige, wo meiner Ansicht nach andere Regeln gelten und wo das, was ich heute sage, so nicht 100%ig stimmt, sind Beziehungen im Job, also Arbeitsbeziehungen. Die funktionieren etwas anders, und deshalb gilt das, was ich in dieser Folge sagen werde, nur für enge private Beziehungen.  Zur Frage, wie man in Beziehungen, im Partnerschaften, in Ehen gut miteinander auskommt... dazu sind schon viele Bücher geschrieben worden, dazu haben schon viele Menschen ganz viel gesagt, und dazu gibt es dennoch keine letztgültigen Antworten. Und deshalb will ich in dieser Folge auch nicht irgendwelche 10 besten Tipps für gelingende Partnerschaften geben, die dann mehr oder weniger passend und hilfreich sind. Davon gibt's im Internet genug, und dazu gibt's auch genügend Podcasts. Ich will stattdessen was versuchen, was es wahrscheinlich nur hier in diesem Podcast gibt. Und zwar: Was können wir denn von der Personal Projects Theorie lernen für unsere Projekte in Partnerschaften? Was hat denn die Personal Projects Theorie für einen besonderen Blick auf die Sache, und vielleicht ergibt sich daraus auch eine neue Sichtweise für den einen oder anderen meiner Hörerinnen und Hörer. Das wäre schön, und das will ich versuchen. Also, um eine Beziehung aus der Sicht der Personal Projects Theorie zu verstehen, müssen wir uns dieses Beziehung auf drei verschiedenen Ebenen vorstellen. Und auf jeder dieser Ebene gibt es Personal Projects, aber diese Personal Projects funktionieren auf jeder Ebene ganz unterschiedlich. Und wenn wir das verstehen, welche Projekte auf welcher Ebene laufen und wie die Spielregeln dafür sind, dann verstehen wir aus Sicht der Personal Projects Theorie auch, warum manche Partnerschaften besser und manche weniger gut gelingen. Erste Ebene: Die Beziehung als Personal ProjectOkay, sehen wir uns mal die erste der drei Ebenen an. Wir können uns die Beziehung an sich als Personal Project vorstellen. Die Beziehung als ein Projekt, an dem zwei Menschen gemeinsam arbeiten. Sehr häufig ist das für diese beiden Menschen auch nicht irgendein Projekt, sondern ein Herzensprojekt. Das merkt man daran, dass wenn man Menschen trifft, bei denen es in der Ehe gerade nicht so rund läuft, dann merkt man, dass deren ganzes Leben irgendwie durcheinander geraten ist. Da ist also nicht nur die Beziehung betroffen, sondern das schlägt sich auch auf die Gesundheit, das hat Auswirkungen auf den Job und so weiter. Das ist ein typisches Zeichen, dass es sich eben um ein Herzensprojekt, ein core project, handelt. Und das ist ja auch etwas, das wir im täglichen Sprachgebrauch auch immer wieder hören: An einer Beziehung, an der muss man arbeiten. Wie in einem Projekt, an dem muss man ja auch immer arbeiten. Und in gewisser Weise stimmt das schon, aber es gibt etwas ganz Wichtiges, das wir bei dieser Beziehungsarbeit verstehen müssen. Wir müssen nämlich aufpassen, dass wir hier Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte nicht verwechseln. Und leider kommt genau das sehr häufig vor. Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte... dazu habe ich in der 3. Staffel eine ganze Episode aufgenommen, nämlich Episode 3.  Wenn du diese Folge noch nicht gehört hast, dann ganz kurz, worum geht's dabei? Ich behaupte, es gibt zwei grundsätzlich verschiedene Typen von Projekten, die nach ganz unterschiedlichen Regeln funktionieren, nämlich eben Beziehungsprojekte und Leistungsprojekte. Die Leistungsprojekte bezeichne ich auch sehr gerne als „Ergebnisprojekte”, weil damit noch klarer wird, worum es geht. Es ist ganz wichtig, dass wir bei jedem Personal Project wissen, ob es sich im Grunde um ein Ergebnisprojekt oder ein Beziehungsprojekt handelt, denn wenn wir das verwechseln und ein Beziehungsprojekt wie ein Ergebnisprojekt behandeln (und umgekehrt), dann gute Nacht. Kurz nochmals zur Wiederholung: Was sind Ergebnisprojekte? Ergebnisprojekte sind Personal Projects, bei denen ein konkretes Ergebnis im Vordergrund steht. Man macht dieses Personal Project, weil etwas ganz Bestimmtes, Konkretes, Messbares herauskommen soll. Es geht bei Ergebnisprojekten also darum, ein ganz konkretes Problem zu lösen, eine ganz bestimmte Aufgabe zu erledigen, für ein Personal Project einen ganz bestimmten Output zu bekommen. Ein Beispiel für ein Ergebnisprojekt wäre z.B. „den nächsten Familienurlaub planen”. Da gibt es ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen, und man weiß auch ziemlich genau, wann man mit dem Projekt fertig ist und auch, ob das Projekt erfolgreich war oder nicht - je nachdem, ob man’s geschafft hat, einen Familienurlaub zu buchen, mit dem alle Familienmitglieder leben können - oder eben nicht. Beziehungsprojekte dagegen funktionieren ganz anders. Also, was ist jetzt ein Beziehungsprojekt? Beziehungsprojekte sind Personal Projects, wo es weniger um ein konkretes Ergebnis geht, sondern wo sich der Output nicht so einfach messen lässt. Beziehungsprojekte stehen quasi unter dem Motto „Der Weg ist das Ziel”. Grundsätzlich kann man sagen: Je mehr man in ein Beziehungsprojekt investiert, desto besser wird das Ergebnis. Und diese Mehr-Investition zahlt sich tatsächlich aus und wird auch von anderen honoriert. Es ist aber bei Beziehungsprojekten nicht so, dass es kein Ziel gibt. Das gibt es sehr wohl. Man will auch mit einem Beziehungsprojekt etwas erreichen. Aber ein Personal Project, das ein Beziehungsprojekt ist, hat kein so klares und bestimmtes Ergebnis vor Augen wie ein Ergebnisprojekt. Es soll was rauskommen, aber was es genau ist, das lässt sich nicht so eindeutig sagen. Und es geht auch nicht darum, dass dieses Ergebnis möglichst rasch und mit möglichst wenig Aufwand erreicht wird. Wie gesagt: Der Weg ist das Ziel. Eine partnerschaftliche Beziehung ist, no na, ein Beziehungsprojekt. Und zwar ein ziemlich mächtiges Beziehungsprojekt. Vielleicht eines der herausforderndsten Personal Projects unseres Lebens überhaupt.  Was bedeutet das jetzt für uns: Es bedeutet, dass wir unsere Beziehung an sich wie ein langes Beziehungsprojekt sehen können.  Dieses umfangreiche Beziehungsprojekt… bei dem geht es nicht darum, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Da geht es nicht darum, irgendwelche Ziele zu erreichen. In so einem Beziehungsprojekt, da gibt es auch keine Gewinner und Verlierer. Man kann ein Beziehungsprojekt nicht „gewinnen". Wen...

  21. 81

    S08E04: Dürfen wir uns in die Personal Projects anderer einmischen? (#80)

     Worum geht’s in dieser Folge?Wir sprechen in dieser Staffel ja über unsere Shared Projects, also jene Projekte, die wir mit anderen Menschen gemeinsam durchführen dürfen, können oder müssen. Und in dieser Folge möchte ich mich einer speziellen Art von Shared Project widmen - nämlich jenen Projekten, die sozusagen gekapert werden. Projekte, in die sich andere Menschen in unserem Umfeld hineinreklamieren und quasi zu einem Shared Project machen. Oder auch umgekehrt: Projekte, in die wir uns hineinmischen und zu unseren eigenen machen. Wo wir mitunter ungefragt zu „Kümmerern“ werden. Es geht also um die Frage, ob und wann und in wie weit es okay ist, sich in die Personal Projects anderer Menschen einzumischen und diese Projekte damit zu Shared Projects zu machen. Und, das ist mir wichtig: Dieses „Einmischen“ ist gar nicht unbedingt negativ gemeint, sondern man könnte es auch so formulieren: Wann dürfen wir anderen Menschen in ihren Projekten unterstützen, wann dürfen wir ihnen zur Hand gehen, wann dürfen wir Ihnen eine Last abnehmen? Ich will versuchen, in dieser Folge eine Faustregel dafür aufzustellen, an die ich persönlich mich zu halten versuche. Das heißt nicht, dass man das nicht auch anders sehen oder machen kann, aber ich erzähle hier halt mal von meinem Zugang.Aber fangen wir zuerst mal mit einer Geschichte an.Die Italiener in SambiaDiese Geschichte wird von Ernesto Sirolli erzählt. Ernesto Sirolli ist ein sehr interessanter Zeitgenosse. Er ist Italiener und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Frage, wie man benachteiligte Regionen mithilfe von Entrepreneurship beleben kann. Besonders empfehlenswert ist ein TED-Talk von ihm aus dem Jahr 2012, wirklich großartig. Darin erzählt er die folgende Geschichte. In den 1970er Jahren arbeitete Ernesto Sirolli als junger Mann sieben Jahre als Entwicklungshelfer in Afrika. Und er sagt, dass jedes einzelne Projekt, das sie damals in Afrika umsetzen wollten, schief gegangen ist. Jedes einzelne. Das hat ihn damals als 21-Jährigen ziemlich fertig gemacht. Er dachte damals nämlich: Wir Italiener, wir sind doch gute Menschen, und hier in Afrika leisten wir doch gute Arbeit! Und dennoch geht alles schief, was wir anfassen. Zum Bespiel das Projekt, wo Ernesto Sirolli und seine italienischen Kollegen den Menschen in Sambia zeigen sollten, wie man Gemüse anbaut. Sie kamen also in Süd-Sambia an, mit dem besten italienischen Saatgut, und sie kamen in ein wunderschönes fruchtbares Tal, das zum Sambesi-Fluss führte. Und sie zeigten den Leuten dort wie man italienische pomodori anbaut und Zucchini und so weiter.  Aber die Einheimischen dort hatten überhaupt kein Interesse, beim Gemüse-Anbau mitzuarbeiten. Und die Italiener waren erstaunt, wie gut das Gemüse in diesem Tal wuchs. Und noch mehr verwundert waren sie, warum die Einheimischen hier nicht schon längst Gemüse anbauten. Also dachten sich die Italiener: Gott sei Dank, dass wir her gekommen sind und den Menschen endlich zeigen, wie sie sich selbst helfen können. Und alles wuchs hervorragend, es gab riesengroße pomodori und wunderbare Zucchini, und die Italiener konnten es gar nicht glauben und sagten den Sambiern: „Schaut, wie einfach Landwirtschaft ist, wenn man sich nur ein bisschen bemüht.“ Als das Gemüse dann reif war und bereit zur Ernte, kamen auf einmal 200 Nilpferde den Fluss herauf und fraßen ALLES auf. ALLES, ratzeputz. Und die Italiener waren schockiert und sagten: „Mein Gott, die Nilpferde!“ Und die Sambier sagten: „Ja, deswegen haben wir hier keine Landwirtschaft.“ „Aber warum habt ihr uns das nicht gesagt?“ „Ihr habt uns nie gefragt.“ In dieser Geschichte liegt für mich der Schlüssel zum Verständnis dafür, wie wir mit den Personal Projects anderer Menschen umgehen sollen und wie wir helfen können, ohne uns einzumischen. Meine persönlichen RegelnAlso, was können wir aus Ernesto Sirollis Geschichte lernen - oder, was habe ich daraus gelernt? Regel: Ernesto Sirolli selbst formuliert das in seinem TED-Talk so: „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Also, wenn du nicht um Hilfe gebeten wirst, dann halte dich raus aus den Personal Projects anderer Menschen. Mach Personal Projects nicht ungefragt und ungebeten zu Shared Projects. „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Regel: Und das ist eigentlich die Kehrseite der ersten Regel: WENN dich jemand um Hilfe bittet, WENN dich jemand in sein Personal Project einlädt, dann sei für ihn oder sie auch da. Wenn du eigeladen wirst zu helfen, wenn jemand sein Personal Project öffnet und zu einem Shared Project macht, dann hilf! Regel: Achtung: „Helfen“ bedeutet nicht, dass du das Projekt an dich reißt. Helfen bedeutet zuerst einmal: Mund halten und zuhören! Einfach mal zuhören, welche Art von Hilfe eigentlich gewünscht wird. Oder Fragen stellen, um herauszufinden, welche Rolle du in diesem Shared Project eigentlich spielen sollst. Nicht gleich loslegen wie die italienischen Entwicklungshelfer, nach dem Motto: „Gott sei Dank bin ich jetzt da, um dich und das Projekt zu retten." Sondern Mund halten und zuhören. Du kannst ruhig davon ausgehen, dass er andere etwas weiß, das du nicht weißt. Regel: Und das ist die Kehrseite der dritten Regel: Es ist in UNSERER Verantwortung, um Hilfe zu fragen. Wenn wir Hilfe bei unseren Personal Projects brauchen, oder wenn wir Projekte mit anderen Menschen umsetzen möchten, dann liegt es an uns, diese Projekte zu öffnen und andere Menschen in diese Projekte einzuladen. Wir dürfen nicht da sitzen und warten, bis endlich jemand unser Elend erkennt und sich unser erbarmt. Nein, es liegt an uns. Bittet, und es wird euch gegeben.  Die 5. Regel ist jetzt die Ausnahme von den anderen vier Regeln: Ich habe für mich festgestellt, dass es EINEN Fall gibt, wo man sich tatsächlich ungefragt einmischen darf - bis zu einem gewissen Maß zumindest. Und das ist, wenn Menschen wirklich in schweren Krisen sind. Wenn jemand schwer verletzt am Boden liegt, warte ich nicht, bis ich zum Helfen eingeladen werde. Und genauso ist es auch bei schweren persönlichen Krisen wie Krankheit oder Trennung oder Tod. Da ist es aus meiner Sicht okay, ja mehr noch: Da ist es aus meiner Sicht geboten sich einzumischen, und zwar um dabei zu helfen, dass dieser Mensch wieder festen Boden unter den Füßen bekommt. Also da dürfen wir ungefragt was zu essen vorbei bringen oder Besorgungen erledigen und so weiter. Menschen in solchen Krisensituationen sind oft nicht fähig, um Hilfe zu fragen, weil sie gar nicht mehr einschätzen können, was sie brauchen oder was ihnen gut tut. Oder weil es in solchen Situationen viel zu demütigend wäre, von selbst um Hilfe zu fragen. Aber ansonsten bleibe ich bei der Regel:  „If people do not wish to be helped, leave them alone.“ Und gleichzeitig: Wenn mich jemand um Hilfe bittet, dann versuche ich auch zu helfen. Nämlich indem ich zuerst mal meinen Mund halte und zuhöre. Das gelingt mir mal besser und mal weniger gut, aber ich denke, es lohnt sich dranzubleiben. ZusammenfassungWenn du dir eine Sache aus dieser Folge mitnehmen sollt, dann wäre es das:  Ich halte es für das Beste, sich nicht ungefragt in die Personal Projects anderer einzumischen. Wenn du helfen möchtest, dann warte darauf, bis du eingeladen wirst oder frag aktiv nach, WIE du helfen kannst. Gleichzeiti...

  22. 80

    S08E03: Wer "kümmert" sich um ein Shared Project?  (#79)

    Worum geht's in dieser Folge?Diesmal geht es um die spannende Frage: Wem „gehört“ denn eigentlich ein Shared Project? „Gehört“ natürlich unter Anführungszeichen, soweit Projekte überhaupt jemandem gehören können. Aber mir geht es um Folgendes: Ich habe die Hypothese, dass auch Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen (also Shared Projects), einen so genannten „Project Owner“ haben müssen. Jemanden, der sich für dieses Projekt hauptsächlich zuständig fühlt. Ein Kollege von mir hat das mal so ausgedrückt: „Jedes Projekt braucht einen Kümmerer.“ Das finde ich eine schöne Bezeichnung für das, worum es in dieser Folge geht: Wer ist eigentlich dieser Kümmerer in unseren Shared Projects? Und da ja das Wort „kümmern“ von „Kummer“ kommt, könnte man es auch so ausdrücken: Wer hat in dem Projekt den meisten Kummer, wenn etwas nicht gut läuft? Genau um diese Kümmerer in Shared Projects, die so engagiert sind, dass sie das Projekt auch durch schwierige Phasen tragen, die dafür sorgen, dass das Projekt nicht sang- und klanglos untergeht, die in die Bresche springen, wenn Not am Mann ist… um diese Kümmerer soll es also in dieser Folge gehen. Wer kann der "Kümmerer" sein?Naja, da wäre erstens mal die Möglichkeit: Alle, die in dem Shared Project mitmachen, sind Kümmerer. Alle sind gleichermaßen engagiert und tragen Sorge für das Projekt. Diese Möglichkeit gibt es, aber ich glaube, das ist eher eine theoretische Möglichkeit. Ich kenne kein Shared Project in meinem Projektportfolio, wo ich wirklich sagen könnte, da sind alle Projektmitglieder gleichermaßen Kümmerer. Fällt mir weit und breit nichts ein. Es gibt immer einige, die sich etwas mehr engagieren und andere, die sich eher mitziehen lassen - im besten Fall, sofern sie nicht überhaupt quertreiben.  Noch dazu ist ja die Frage, ob es überhaupt wünschenswert wäre, wenn wirklich alle, die an dem Projekt mitarbeiten, auch echte Kümmerer wären. Was würde dann passieren? Die Abstimmung in dem Projekt wäre wahnsinnig aufwendig. Zu viele Köche verderben den Brei, heißt es. Oder, betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Die Transaktionskosten wären wahnsinnig hoch. In solchen Projekten mag man eigentlich gar nicht mitmachen, weil man das Gefühl hat, da treffen lauter Alphatiere aufeinander und da kommt trotz vielleicht wirklich guter Absichten kaum was Vernünftiges raus. Die zweite Möglichkeit, die schon wesentlich häufiger auftritt: Ein Shared Project hat überhaupt keinen Kümmerer. Da ist niemand, der die Initiative übernehmen würde, der Sachen anstößt, der klare Ansagen macht. Jeder wartet ab und schaut, was passiert. Das ist ein bisschen so wie bei Mikado: Wer sich zuerst bewegt, verliert. Solche Projekte sind klarerweise dem Untergang geweiht und enden sehr häufig in der Projektversickerung - soll heißen, die Projekte verschwinden einfach irgendwann sang- und klanglos, weil irgendwann einfach niemand mehr darüber spricht. Der Mantel des Schweigens legt sich über das Projekt, und es wird heimlich, still und leise zu Grabe getragen. Dritte Möglichkeit, auch sehr häufig: Jeder glaubt, der Andere ist der Kümmerer. Auch so ein Projekt ist eigentlich ein Zombie. Jeder schiebt dem anderen den Verantwortung für das Projekt zu und ist dabei auch der festen Überzeugung, dass er selbst ganz sicher nicht der Kümmerer sein kann, weil sowieso und überhaupt. Dann hat jeder der Projektmitglieder eine klare Vorstellung davon, wer eigentlich der Kümmerer sein sollte, nur dabei gibt’s ein Problem: Diese Vorstellungen sind sehr unterschiedlich, und vor allem: Diese unterschiedlichen Vorstellungen wurden nie besprochen! Und so wartet jeder, bis der Kümmerer endlich auf den Plan tritt und die Führung im Projekt übernimmt, aber das geschieht natürlich nicht. Zurück bleiben, neben einem zu Grabe getragenen Zombie-Projekt, häufig gegenseitige Schuldzuweisungen und Enttäuschungen. Vierte Möglichkeit, eher selten: Der Kümmerer ist klar definiert. Alle sind sich einig, wer der Kümmerer ist, und der Kümmerer nimmt diese Rolle auch wirklich wahr. Im besten Fall ist diese Einigkeit das Ergebnis einer klaren und eindeutigen Kommunikation innerhalb des Projektes. Nicht selten ist die Einigkeit aber auch ein Zufallsprodukt, weil sich die Rollenverteilung irgendwie intuitiv und automatisch so ergeben hat, ohne dass viel darüber gesprochen wurde. Und damit kommen wir auch schon zum nächsten Punkt: Wie wird man eigentlich Kümmerer? Wie wird man zum "Kümmerer"?Also, wie wird man jetzt Kümmerer in einem Shared Project? Kommt man dazu wie die Jungfrau zum Kind, oder gibt es bestimmte Dynamiken, die jemanden in die Rolle des Kümmerers hieven? Wichtig ist zu wissen, dass die Zuständigkeit für ein Projekt - man könnte auch sagen die Autorität in einem Projekt - zugeschrieben wird. Das heißt, zum Kümmerer wird man von den anderen Projektmitgliedern gemacht. Man kann nicht so einfach das Ruder an sich reißen und sagen: „So, da bin ich jetzt, ich sage euch jetzt wo’s lang geht.“ Da müssen die anderen schon mitspielen und sagen: „Okay, wir sind damit einverstanden. Mach nur.“ Wenn das nämlich nicht der Fall ist, dann glaubst du vielleicht, du bist der Kümmerer in dem Projekt, aber in Wirklichkeit nimmt dich keiner ernst. Soll ja auch schon vorgekommen sein. Die anderen machen dich zum Kümmerer. Die Rolle des Kümmerers im Projekt wird zugeschrieben, und diese Zuschreibung erfolgt aufgrund bestimmter Kriterien. Ich nenne dir mal drei solcher Kriterien als Beispiel: Zuschreibung durch Seniorität: Der Älteste oder die Erfahrenste wird zum Kümmerer. Wenn der hiesige Sportverein einen Maskenball veranstaltet, dann wird oft der Vereinsobmann zum Kümmerer für dieses Shared Project, weil er derjenige ist, der Kraft Funktion und/oder Alter von den anderen als „Chef“ anerkannt wird. Zuschreibung durch Tradition: Für bestimmte Projekte sind seit jeher bestimmte Personengruppen zuständig. Sehr gut beobachten kann man das bei der traditionellen Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Der Mann ist typischerweise der Kümmerer in einem Projekt wie „Ein neues Auto kaufen“, und die Frau wird automatisch zur Kümmererin in einem Projekt wie „Den Haushalt führen“ - nämlich, und das ist wichtig: Auch dann, wenn sich beide einig sind, dass das eigentlich Shared Projects sind. Die Frau engagiert sich sehr wohl bei der Suche nach einem neuen Auto, und auch der Mann hilft fleißig im Haushalt. Aber die Frage ist eben: Wer kümmert sich um das Projekt auch dann noch, wenn sich sonst niemand mehr drum kümmert? Und da ist es dann eben häufig so, dass die Hausarbeit an der Frau hängenbleibt, wenn der Mann (aus welchem Grund auch immer) keine Zeit hat - aber eben ganz selten umgekehrt. Zuschreibung durch Initiierung: Klar, das kennt man auch: Zum Kümmerer wird der, der das Projekt vorschlägt. Das kommt ganz, ganz häufig vor. Nur, damit gibt es aus meiner Sicht zumindest zwei Probleme.  Der Initiator ist nicht immer der Best-Geeignete, um sich um das Projekt zu kümmern. Das könnten andere eigentlich viel besser. Der Initiator ist vielleicht der naheliegendste, aber nicht immer der beste Kümmerer. Der Initiator kann die Rolle manchmal schlichtweg nicht wahrnehmen. Beispiel: Die Kinder wollen einen Hund, und die Eltern lassen sich nach wochenlangem Abwehrkampf schließlich breitschlagen. Die Familie vereinbart auch, ganz klar, dass sich die Kinder um den Hund kümmern MÜSSEN. Die Kinder haben dem auch freudig zugestimmt, aber es wäre höchst naiv zu glauben...

  23. 79

    S08E02: Erfolg ist unwahrscheinlich (#78)

    Worum geht's in dieser Folge?In dieser 8. Staffel des Podcasts geht es ja um Shared Projects, also jene Projekte, die wir gemeinsam mit anderen Menschen unternehmen. In dieser Folge möchte ich der harten Wahrheit ins Auge sehen, dass der Erfolg solcher Shared Projects ziemlich unwahrscheinlich ist. Und ich werde dir auch erklären, warum das aus meiner Sicht so ist.Dazu vorab mal eine kurze Geschichte aus meinem Leben: Gehen wir zurück ins Jahr 2002. Da war ich gerade Student an der Fachhochschule in St. Pölten, Studiengang „Medienmanagement“. Dort haben wir Studenten viel gehört über Medientheorie und Kommunikationstheorie, und da war etwas dabei, was ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Es war ein Satz von Niklas Luhmann, einem deutschen Soziologen. Und Niklas Luhmann hat gesagt: „Kommunikation ist unwahrscheinlich. Sie ist unwahrscheinlich, obwohl wir sie jeden Tag erleben, praktizieren und ohne sie nicht leben würden.“ Kommunikation ist unwahrscheinlich… Als ich das zum ersten Mal gehört habe, da habe ich mir gedacht: Was für ein Stuss. Typisch junger Student halt. Wie kann es sein, dass Kommunikation unwahrscheinlich ist, wo es doch so offensichtlich ist, dass Kommunikation funktioniert. Wir sehen es jeden Tag, dass Menschen miteinander reden und dabei auch was raus kommt. Damals habe ich für mich mitgenommen, dass ich nicht alles glauben sollte, was irgendein gescheiter Wissenschaftler erzählt.Und während ich immer noch glaube, dass man nicht glauben soll, was einem von so genannten Experten erzählt wird, so hat mich dieser Satz doch über die Jahre begleitet. Kommunikation ist unwahrscheinlich… Mit dem Satz im Hinterkopf ist mir über die Jahre aufgefallen, wie viele, viele Missverständnisse es in der täglichen Kommunikation gibt. Wie oft es vorkommt, dass wir einander nicht richtig verstehen und, wenn wir ganz ehrlich sind, wie oft es vorkommt, dass wir einander gar nicht richtig zuhören. Oder, überhaupt, wie oft gar nicht alles gesagt wird, was eigentlich zu sagen wäre.Kommunikation ist unwahrscheinlich… Ich glaube heute, dass das stimmt. Niklas Luhmann hatte recht. Es ist ein nützliches Personal Construct davon auszugehen, dass das Missverständnis der Regelfall ist, nicht die Ausnahme. Wirklich gelungene Kommunikation ist viel seltener, als wir vielleicht naiverweise annehmen. Misserfolg in der Kommunikation ist viel wahrscheinlicher als Erfolg.Wenn wir jetzt unsere Personal Projects und besonders unsere Shared Projects ansehen, dann bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass auch in Shared Projects der Erfolg unwahrscheinlich ist. Nicht unmöglich, aber unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher als dass wir mit Shared Projects glücklicher werden, ist, dass sie uns mehr Sorgen als Freude bereiten. Wie gesagt, das heißt nicht, dass Shared Projects nicht auch glücken können, aber aus meiner Sicht ist es vernünftig davon auszugehen, dass Erfolg die Ausnahme ist, nicht die Regel. Erfolg in Shared Projects ist unwahrscheinlich, davon bin ich überzeugt. Das ist vielleicht eine sehr pessimistische Sicht der Dinge, gerade zum Anfang einer ganzen Staffel, in der es um Shared Projects geht. Aber Ich will euch jetzt erklären, warum ich Erfolg in Shared Projects für unwahrscheinlich halte und auch, was diese geringe Erfolgswahrscheinlichkeit für unseren Umgang mit Shared Projects bedeuten könnte.  Ich behaupte also, dass Erfolg in unseren Shared Projects unwahrscheinlich ist. Aber wie komme ich zu dieser Behauptung? Ich will euch dafür sieben Argumente geben.1) InitialisierungEs fängt schon ganz am Anfang an. Es macht einen wesentlichen Unterschied, WER das Shared Project ins Leben ruft. Es macht einen Unterschied, ob ich das selbst bin oder ob mich jemand anderer mit einem Projekt „zwangsbeglückt“. Projekte, die wir auf’s Auge gedrückt bekommen, sind selten sehr motivierend für uns. Das ist auch der Grund, warum so viele Shared Projects im Job scheitern: Diese Projekte haben sich die meisten nicht ausgesucht, und entsprechend gering ist die Bereitschaft, wirklich alles beizutragen, was dieses Projekt zum Erfolg bräuchte. Gemeinsame Projekte, die man nicht selbst initiiert hat, haben schon mal eine wesentlich höhere Grundwahrscheinlichkeit zu scheitern als solche, die von einem selbst ausgehen.2) Unterschiedliche WarumIn Episode 2 der 6. Staffel habe ich bereits darüber gesprochen, wie essentiell das Warum eines Personal Projects für den Erfolg ist. Das gilt umso mehr für Shared Projects. Damit Shared Projects Erfolg haben, brauchen sie ein gemeinsames Warum aller Beteiligten. Alle Beteiligten müssen sich einig sein, warum und wozu es das Projekt gibt und was sie damit eigentlich erreichen wollen. Man kann sich vorstellen, dass so ein gemeinsames Warum immer schwieriger wird, je mehr Menschen an den Projekt beteiligt sind. Aber auch schon in Projekten, wo nur zwei Menschen zusammenarbeiten, passiert es ganz leicht, dass die Warum sehr unterschiedlich sind. Nehmen wir das Shared Project „Gemeinsam in Urlaub fahren“ her. Sagen wir, er möchte diesen Urlaub machen, weil er sich freut, viel Zeit mit seiner Frau zu verbringen. Ihr aber geht es in Wirklichkeit darum, möglichst viel Sightseeing zu machen. Zwei unterschiedliche Warum, die aber durchaus gut zusammenpassen können. Sie können sich ja gemeinsam viel ansehen und dabei Zeit miteinander verbringen. Problematisch wird das nur, wenn etwas nicht nach Plan läuft. Sagen wir, das Wetter ist schlecht, oder einer der beiden wird im Urlaub krank. Er sagt dann: Nicht so schlimm, wir können uns ja auch im Hotelzimmer gemeinsam eine schöne Zeit machen. Aber sie ist total unglücklich, weil sie um ihr Warum, das Sightseeing, umfällt. Es wird unausweichlich zu Konflikten kommen, und es wäre nicht der erste Pärchenurlaub, der im Streit endet.3) Unterschiedliche WerteDie zweite Folge der zweiten Staffel dieses Podcast trug den Titel „Am Ende sind es immer deine Werte“ - und das trifft auf Shared Projects umso mehr zu. Wenn gemeinsame Projekte gelingen sollen, dann braucht es gemeinsame Werte - nämlich immer dann, wenn die Situation nicht ganz eindeutig ist - was ja in Projekten eher der Normalfall ist. Gemeinsame Werte sorgen dafür, dass man gemeinsame Entscheidungen treffen kann. Beim Thema Geld sieht man das wunderbar, nämlich auch, was passiert, wenn Menschen mit unterschiedlichen Werten aufeinander treffen. Kannst du dir ein Shared Project vorstellen, wo ein Mensch mit dem Wert „Sparsamkeit“ mit einem Menschen mit dem Wert „Genießen“ aufeinandertreffen? Ich kann mir das schon vorstellen, aber eine schöne Vorstellung ist das nicht.4) TransaktionskostenTransaktionskosten, das ist ein Begriff aus der Betriebswirtschaft, aus der Kostenrechnung, genauer gesagt. Mit Transaktionskosten ist gemeint, dass jede Form von Transaktion, also jede Form von Austausch, mit Kosten verbunden ist. Ich denke, das können wir uns auch für Shared Projects gut vorstellen. Wenn man mit anderen Menschen in Projekten zusammenarbeitet, dann ist das aufwendig - oft viel aufwendiger, als wenn man es allein machen würde. Sich abstimmen, miteinander reden, anderen zuhören, über neue Ideen nachdenken… das ist alles aufwendig, es kostet vielleicht kein Geld, aber doch Zeit und Nerven. Transaktionskosten eben. Mitunter können diese Transaktionskosten so hoch sein, dass die Shared Projects zum Scheitern bringen. Nehmen wir als Beispiel wieder den Urlaub her. Der eine oder die andere von euch hat vielleicht schon die Erfahrung gemacht, wie es ist, als Pärchen gemeinsam mit einem anderen Pärchen Urlaub zu machen. Wem es bei der Erinnerung an einen solche...

  24. 78

    S08E01: Interdependenz (#77)

    Worum geht's in dieser Folge?Mit dieser Folge startet die 8. Staffel von [Projekt: Leben], und das Generalthema dieser 8. Staffel sind unsere „shared projects”, also jene Projekte, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen - sei es, weil wir uns das freiwillig so ausgesucht haben oder sei es, weil wir diese Projekte von anderen Menschen auf’s Auge gedrückt bekommen haben.  In gewisser Weise ist diese Staffel bzw. dieses Thema überfällig. Rückblickend betrachtet habe ich mich sieben Staffeln lang mehr oder weniger mit Personal Projects aus Sicht der Einzelperson, aus Sicht des individuellen Personal Project Managers beschäftigt. Diese Sichtweise war mir deshalb so wichtig, weil ich rüberbringen wollte, dass wir für unsere Personal Projects in erster Linie selbst verantwortlich sind. Wir können uns da auf niemanden ausreden, denn am Ende des Tages ist es UNSERE eigene Lebenszufriedenheit, die wir mit unseren Personal Projects bestimmen - zum Guten oder zum weniger Guten. Diese Sichtweise hatte aber auch zur Folge, dass ich diese Eigenverantwortung, diese individuelle Verantwortlichkeit mitunter etwas überbetont habe. Klarerweise sind unsere Personal Projects ganz stark verknüpft mit anderen Menschen und deren Personal Projects. Wenn wir auf unsere eigenen Personal Projects schauen, dann sehen wir in Wirklichkeit ein dichtes Netz von Querverbindungen und Verzweigungen zwischen unseren eigenen Personal Projects und Menschen in unserer Umgebung. Und je näher uns diese Menschen stehen, desto stärker und häufiger sind diese Verzweigungen und Verbindungen. Genau diesen Aspekt der Verzweigungen und Verbindungen möchte ich in dieser Folge ein bisschen genauer beleuchten. Ich möchte nämlich über das Konzept der „Interdependenz” sprechen, mit der sich diese ganz starke Vernetzung unserer Personal Projects mit den Personal Projects anderer Menschen sehr gut illustrieren lässt.  Ich will mal versuchen, euch Interdependenz nicht theoretisch zu erklären, also mit Begriffsdefinitionen oder so, sondern anhand von zwei Blickwinkeln, die euch ein Gefühl dafür geben sollen, worum es bei Interdependenz geht. Interdependenz ist nämlich eines jener Dinge, wo ich finde, das versteht man am besten indirekt, indem man ein „Gefühl” dafür bekommt.  Also, hier ist der erste Blickwinkel: 1. Gepflegte AbhängigkeitenVor ein paar Wochen war ich bei einem Vortrag von Andy Holzer. Andy Holzer ist ein Osttiroler Bergsteiger, der  auch den Mount Everest bestiegen hat. Gut, das machen mittlerweile ein paar Hundert Menschen pro Jahr, aber das Besondere bei Andy Holzer ist, das er blind ist. Er hat also als erster blinder Mensch den Mount Everest bestiegen. Eine großartige Leistung also. Bei dem Vortrag von ihm ging es unter anderem eben auch um diese Everest-Besteigung, und er hat davon erzählt, dass das natürlich nur möglich ist, wenn man Menschen dabei hat, die einem dabei helfen. Er hatte also ein Team dabei, ohne das dieses Personal Project gar nicht möglich gewesen wäre.  Andy Holzer hat das so beschrieben, dass er sich als blinder Mensch sein ganzes Leben lang in Abhängigkeit von Menschen befindet, die ihm Dinge ermöglichen, die er alleine nicht könnte. Und dann hat Andy Holzer etwas sehr Spannendes gesagt: Er achtet sehr darauf, dass diese Abhängigkeiten, die er da eingeht,  „gepflegte Abhängigkeiten” sind. „Gepflegte Abhängigkeit”, das finde ich ein wunderschönes Bild. Keine Abhängigkeiten, die uns schwach und hilflos machen, sondern Abhängigkeiten von Menschen, die uns dabei helfen, etwas Großes zu erreichen, das wir alleine nicht erreichen könnten. Gepflegt abhängig zu sein bedeutet also, sich bewusst in die Abhängigkeit begeben - und das nicht als Bürde, sondern als absolute Chance zu sehen. Sich darauf einzulassen. Projekte gemeinsam anzugehen und darauf zu vertrauen, dass das Ergebnis mehr ist als die Summe seiner Teile. Wir sind nämlich NICHT auf der Welt, um von anderen Menschen völlig unabhängig zu sein - sondern, um mit unserer Umwelt in Gegenseitigkeit zu leben. Um füreinander da zu sein. Andy Holzer hat das so zusammengefasst: „Wir brauchen einander bitter nötig. Am Anfang brauchen wir die Hebamme, am Schluss brauchen wir den Totengräber." 2. Persönliches WachstumDer zweite Blickwinkel kommt von Stephen Covey, dem Autor des Buches „Die 7 Wege zur Effektivität”, einem echten Klassiker der Selbstmanagement-Literatur. Stephen Covey sagt in dem Buch, dass Interdependenz das Ergebnis ist eines persönlichen Wachstumsprozesses, und dieser Prozess läuft in drei Phasen ab: Abhängigkeit. Wir sind von bestimmten Menschen abhängig, z.B. von einem Arbeitgeber oder einem Großkunden oder auch unseren Eltern oder unseren Ehepartnern. Irgendwie und irgendwann kommen wir drauf, dass uns diese Abhängigkeiten nicht gut tun, und wir beginnen gegen sie zu rebellieren. Unabhängigkeit: Wir lehnen alle Abhängigkeiten ab. Wir wollen selbst für unser Leben und unser Glück verantwortlich sein. Wir wollen das Steuer in der Hand haben, wir wollen uns nach niemandem richten müssen. Das Pendel schlägt sozusagen in die andere Richtung aus. Interdependenz: Das Pendel pendelt sich in der Mitte ein. Nachdem wir gelernt haben, unabhängig zu sein und für uns selbst zu sorgen, können wir in dieser Phase der Interdependenz wieder Abhängigkeiten oder vielleicht passender Kooperationen eingehen - und zwar aus einer Position der eigene Stärke heraus, der eigenen Unabhängigkeit. Nicht, weil wir uns abhängig machen müssen, sondern weil wir WOLLEN. Weil wir begreifen, dass wir uns selbst etwas Gutes tun, wenn wir uns von anderen Menschen in unseren Personal Projects helfen lassen, wenn wir andere Menschen in unseren Personal Projects mitarbeiten lassen, und wenn wir gleichzeitig zulassen, anderen Menschen bei DEREN Personal Projects zu unterstützen - nämlich ohne selbst etwas dafür zu wollen, außer dass dieses Projekt eines Menschen, der uns wichtig ist, zum Erfolg wird. Wenn wir das jetzt auf unsere Personal Projects übertragen, dann könnte Interdependenz sowas sein wie die Erkenntnis, dass wir für viele unserer Personal Projects - vielleicht sogar für die meisten - andere Menschen BRAUCHEN, dass wir andere Menschen in unsere Personal Projects involvieren sollten. Nicht als ein Zeichen von Schwäche, sondern als ein Ausdruck von großer Selbstsicherheit und von großem Vertrauen. Stephen Covey bringt das so auf den Punkt: „Interdependenz ist zehnmal schwieriger als Unabhängigkeit. Kreative Zusammenarbeit erfordert ein enormes Maß an Unabhängigkeit, innerer Sicherheit und Selbstbeherrschung.” Wenn wir die Stärke und die Magie dieser „gepflegten Abhängigkeiten” begriffen haben, dann beginnen wir vielleicht auch zu verstehen, wie essenziell es ist, dass auch wir eine Rolle spielen in den Personal Projects anderer Menschen, weil sie nur durch unser Mitwirken zur vollen Entfaltung kommen können. Um genau das in all seinen Facetten soll es in den restlichen Folgen dieser Staffel gehen: Shared Projects als jene Personal Projects, die wir gemeinsam mit anderen Menschen umsetzen - nicht aus Abhängigkeit, nicht aus Zwang, nicht als Bürde, sondern weil wir uns gegenseitig BRAUCHEN, um all das zur Entfaltung zu bringen, was uns das Leben an Möglichkeiten schenkt.Zusammenfassung...

  25. 77

    S07E10: Finale der 7. Staffel - Rückblick und Ausblick (#76)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist das Staffelfinale dieser 7. Staffel von [Projekt: Leben]. In dieser Folge möchte ich wie in jedem Staffelfinale einen kurzen Rückblick auf die abgelaufene Staffel machen, einen Ausblick auf die kommende 8. Staffel geben und auch ein bisschen darüber reden, was sich sonst so tut.1. RückblickWerfen wir einen kurzen Blick zurück auf diese abgelaufene siebente Staffel von [Projekt: Leben].Für diese siebente Staffel hatte ich mir ja ein Experiment vorgenommen: Ich habe mich in dieser Staffel einen einzigen Buch gewidmet, nämlich dem Buch „Personal Project Pursuit - Goals, Action, and Human Flourishing”. Es stammt aus dem Jahr 2007 und wurde herausgegeben von Brian R. Little, Katariina Salmela-Aro und Susan D. Phillips. Die Idee war, dass ich dieses Buch lese und meine Learnings dafür in diesem Podcast für euch, meine lieben Hörerinnen und Hörer aufbereite. Damit ihr dieses Buch nicht auch lesen müsst, sondern ihr das Nützlichste einfach bei mir im Podcast anhören könnt. Jetzt, im Rückblick ist vielleicht die Frage erlaubt: Wie gut ist mir denn die Umsetzung der Idee gelungen - so von meinem eigenen Gefühl her.  Ich würde sagen: Eh ganz gut, aber… „Eh ganz gut” deswegen, weil ich glaube, dass ich ein paar wirklich interessante Aspekte aus dem Buch rausnehmen konnte und auch mit dem praktischen Personal Project Management verbinden konnte. Den Selbstversuch mit der Personal Projects Analysis, den ich in der 5. Folge der Staffel unternommen habe, den fand ich auch für mich persönlich sehr aufschlussreich.  Oder die dritte Folge, wo es um die Idee gegangen ist, dass Personal Projects immer auch Vereinbarungen mit uns selbst sind und dass wir aufpassen müssen, wie wir mit diesen Vereinbarungen - und damit mit uns selbst - umgehen. Dem Sprachwissenschaftler in mir haben die Folge 7 und die Folge 8 natürlich besonders getaugt, weil ich den Zusammenhang zwischen den Namen, den wir unseren Projekten geben, und dem subjektiv empfundenen Gefühlen dazu ganz, ganz spannend finde. Und schließlich das Philosphicum über den Zufall, das hat mir ganz besonders viel Spaß gemacht zu konzipieren, da war ich richtig im Flow.Aber kommen wir jetzt vielleicht zum ABER: Es ist mir nicht annähernd gelungen, das Buch zu behandeln. In Wirklichkeit bin ich über Seite 170 nicht hinausgekommen - und bin damit nicht mal bis zur Hälfte gekommen. Da wäre noch so viel, was es zu wissen und zu lesen gäbe. Aber das ist nicht ganz so leicht. Ich habe das eh schon öfters in dieser Staffel gesagt: Es ist ein wissenschaftliches Buch, und es ist in Englisch geschrieben. Das war mir von Anfang an klar. Aber WIE langsam ich beim Lesen und Durcharbeiten weiterkommen würde, das habe ich dann doch unterschätzt. Dieses Buch ist so dicht an Informationen, das liest sich nicht wie ein Roman, da ist das Lesen echte Arbeit. Aber ich will mich nicht beschweren. Ich sage nur: Zu dem Buch ist noch längst nicht alles gesagt. Gleichzeitig spüre ich aber auch, dass ich ein bisschen Abwechslung brauche und ich in der nächsten Staffel über ein anderes Thema sprechen möchte. Insofern denke ich, dass ich auf das Buch in der Zukunft immer wieder mal zurückkommen werde, aber wahrscheinlich nicht so dicht und konzentriert wie in dieser Staffel. 2. Wie geht es denn eigentlich dem Podcast?Für diejenigen, die sich fragen, wie’s denn dem Podcast an sich so geht, habe ich eine gute Nachricht. Seit dem letzten Staffelfinale sind nochmals gut 2.000 Downloads dazu gekommen, und damit hat der Podcast insgesamt 9.000 Downloads. Aber das Interessanteste ist, finde ich: Ich habe mittlerweile mehr Hörerinnen und Hörer in Deutschland als in Österreich! Das freut mich total, und vielleicht bist ja gerade du, der du das hörst, eine meiner Hörerinnen und Hörer in Deutschland. Wenn das so ist, dann schreib mir doch mal, wenn du Lust hast, an [email protected]. Würde mich sehr freuen, dich mal kennenzulernen! Aber ganz egal wo du, liebe Hörerin, lieber Hörer, diesen Podcast gerade hörst - Ein ganz, ganz herzliches Dankeschön, dass du mir dein Ohr leihst, und das immer und immer wieder. Ich weiß das sehr zu schätzen. 3. Was gibt es sonst noch?Ö3 Sendung "Treffpunkt: Podcast" Zuerst mal möchte ich euch von etwas ganz Interessantem erzählen, was mich ziemlich überrascht hat. Es gibt auf Ö3, dem größten Radiosender Österreichs, seit ein paar Wochen jeden Mittwoch Abend eine Sendung über Podcasts! Ja, die Sendung heißt „Treffpunkt: Podcast”, und die Moderatoren stellen darin verschiedene Podcasts vor und reden darüber. Naja, in Wirklichkeit spielen sie natürlich viel Musik, die durch kurze Beiträge über Podcast unterbrochen wird. Aber immerhin finde ich es erstaunlich, dass dem Medium Podcast auf Ö3 eine eigene Sendung eingeräumt wird.  Ich hab mir die Sendung auch ein paar Mal schon angehört. Inhaltlich ist da natürlich noch Luft nach oben, was ja auch klar ist, denn die Sendung soll ja in erster Linie unterhalten. Aber insgesamt finde ich es gut, dass auf diese Art und Weise das Medium Podcast vielen Menschen in Österreich bekannter gemacht wird. Keine schlechte Sache, finde ich. b) Neuer Job Das andere Thema, über das ich kurz reden möchte: Ab Mitte November 2019 starte ich ein neues größeres Personal Project. Ich werde dann als Gründungsberater arbeiten, das heißt, ich werde Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer dabei unterstützen, ihr Unternehmen auf Schiene zu bekommen und erfolgreich auf den rauen Wind der Marktwirtschaft vorzubereiten. Ich freue mich sehr auf diese Aufgabe, finde das wahnsinnig spannend, und ich glaube, das ist etwas, wo ich meine Stärken sehr gut einbringen kann.  Für den Podcast bedeutet das aber, dass dieses neue Personal Project einiges an Zeit beanspruchen wird - und das ist möglicherweise Zeit, die ich bisher für den Podcast verwenden konnte.  Aber damit wären wir eh schon beim letzten Punkt:4.  Ausblick auf die nächste StaffelWie geht es weiter mit [Projekt: Leben]? Zunächst mal geht der Podcast in eine kurze Pause. Das heißt, jetzt gibt es zwei Wochen mal keine neuen Folgen. Weiter geht es dann am 26. November mit der ersten Folge der 8. Staffel. In der 8. Staffel wird es um „shared projects” gehen, also um Personal Projects, die wir mit anderen Menschen gemeinsam umsetzen wollen oder müssen. Das betrifft viele Projekte in der Familie, am Arbeitsplatz aber auch in der Freizeit. Ich möchte darüber sprechen, wie solche geteilten Projekte „funktionieren” und wie wir uns das Leben in ihnen und mit ihnen erleichtern können. Es könnte sein, dass die Folgen in Zukunft etwas kürzer werden, was dem geringeren Zeitbudget geschuldet wäre. Aber das weiß ich noch nicht genau, das werden wir gemeinsam herausfinden. Ich habe jedenfalls vor, weiterhin eine Folge pro Woche zu veröffentlichen - sofern der Podcast und ich nicht gerade in Pause sind. Und das war auch schon mein Stichwort zum Abschluss: Ich wünsche euch eine angenehme [Projekt: Leben] Podcast-Pause bis 26. November.

  26. 76

    S07E09: PHILOSOPHICUM: Welche Rolle spielt der Zufall? (#75)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist eine Ausgabe des allseits beliebten Philosophicums. Im Philosophicum versuche ich ja, mich etwas grundsätzlicheren Fragen zu beschäftigen und lade dich dazu ein, mit mir ein bisschen nachzudenken. Im Philosophicum geht es nicht um konkrete Tipps oder fix-fertige Lösungen, sondern eher um die Fragen, die mich - und vielleicht auch dich - beschäftigen. Die Frage dieses Philosophicums lautet: Welche Rolle spielt eigentlich der Zufall in unseren Personal Projects? Das ist eine Frage, die mich schon lange umtreibt. Weil es ist ja so: Auf der eine Seite sage ich - und davon bin ich überzeugt -, dass die Art und Weise, wie wir die großen und kleinen Projekte in unserem Leben managen, einen großen Einfluss auf unser Leben haben - und besonders auf das, was wir „Glück“ nennen. Ich sage also, wir haben es zu einem guten Teil selbst in der Hand, ob wir unser Leben als gelungen, als glücklich, als sinnvoll empfinden. Davon bin ich fest überzeugt, und deswegen gibt es auch diesen Podcast, weil ich eben glaube, dass wir mit cleverem Personal Project Management unser Leben besser im Griff haben. Und dennoch… und das ist auch ein unumstößliches Faktum: Das Leben lässt sich nicht kontrollieren. Das Leben richtet sich nicht nach unseren Plänen, auch nicht nach den Projektplänen unserer Personal Projects. Personal Project Management findet also immer in einem Spannungsfeld statt - nämlich dem Spannungsfeld des Lebens, das sich an und für sich nicht planen lässt und dem Spielraum für unseren eigenen Willen, unsere Kreativität und unseren Gestaltungswillen, den wir unbestritten auch haben - sicher eingeschränkt, aber er ist da. Und in dieses Spannungsfeld will ich heute ein bisschen eintauchen. Wie spielen also das unberechenbare Leben und unser Personal Project Management zusammen? Und ein Kreuzungspunkt, wo sich diese beiden Lebenslinien treffen, ist der Zufall. Der Zufall, diese magischen Momente im Leben, wo etwas passiert, mit dem wir nicht gerechnet haben. Jene zufälligen Ereignisse oder Begegnungen, die unser Leben für immer verändern. Zufälle haben keinen Platz in Projektplänen, und doch dürfen wir immer wieder mit ihnen rechnen. Natürlich habe ich auf diese Frage keine fix-fertigen definitiven Antworten. Darum geht es im Philosophicum auch gar nicht. Ich finde Fragen ja sowieso viel interessanter als Antworten. Ich will dir deswegen heute vier Gedanken dazu mitgeben, sozusagen als Schlaglichter auf das Thema. Gänzlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit, aber vielleicht gerade deswegen interessant und inspirierend für dich. (1) Schlaglicht: Wie Brian Little die Personal Projects fanden.Ich finde ja großartig, dass der Zufall eine ganz, ganz zentrale Rolle gespielt hat dabei, dass die Personal Project Theorie überhaupt entwickelt wurde. Als ich Brian Little, den Godfather der Personal Project Theorie, interviewt habe, habe ich auch über diesen Aspekt mit ihm gesprochen. Du kannst das komplette Interview mit ihm gerne nachhören, ich verlinke das auch in den Show Notes, ist wirklich sehr inspirierend… Jedenfalls möchte ich dir hier kurz vorlesen, wie Brian Little im Interview die Geschichte erzählt hat, wie er die Personal Projects gefunden hat - oder besser gesagt, wie sie ihn gefunden haben: „Ein entscheidender Punkt war, als ich noch Student war und ich auf dem Gebiet der Neuropsychologie arbeitete. Ich war gerade dabei, nach Berkeley zu gehen, um eine Studie über die Gehirne kleiner Nagetiere zu machen. Ich suchte nach einem Atlas des Gehirns, den ich für eine Analyse brauchte, die ich gerade machte. Ich streckte mich in der Bibliothek des Colleges hoch, aber statt des Atlas des Gehirns erwischte ich ein falsch abgelegtes Exemplar eines Buches von George Kelly namens „The Psychology of Personal Constructs“. […] Also fing ich an zu lesen - es war nicht das, weswegen ich überhaupt in die Bücherei gegangen war. Ich setzte mich auf den Boden und ungefähr sieben Stunden später stand ich auf und sagte: „Ich möchte keine Rattenhirne studieren. Ich möchte die menschliche Persönlichkeit durch die Brille der Theorie der persönlichen Konstrukte studieren!" Als ich nach Berkeley kam, wechselte ich daher von der Neuropsychologie zur Persönlichkeitspsychologie. [...]Als ich nach Hause fuhr, wurde mir klar, dass genauso  wie die Straße, auf der ich unterwegs war - ich war auf dem Weg nach Berkeley - so ist auch unser Leben oft: Da gibt es Highways und Abfahrten, und es sind nicht die Konstrukte, sondern die Projekte, an denen ich arbeitete, die mir besonders wichtig waren. Es war also auf diesem Highway, als ich anfing, über „erweiterte Akte von persönlich bedeutsamem Verhalten im Kontext", die Definition von Personal Projects, nachzudenken. Das ist meine Geschichte der Personal Projects - zusammen mit einigen anderen Einflüssen. Sie springen auf dich zu. Es ist, wie du sagst - Projekte wählen manchmal dich.“ Was für ein Zufall… Ein falsch abgelegtes Buch, das Brian Little zufällig in die Hände fällt, hat es überhaupt erst ermöglicht, dass wir uns in diesem Podcast über Personal Projects unterhalten. (2) Schlaglicht: Das Serendipitäts-PrinzipIch möchte als nächstes über das so genannte Serendipitäts-Prinzip sprechen. Serendipity, das ist ein englischer Begriff, den der amerikanische Soziologe Robert Merton in die wissenschaftliche Diskussion eingebracht hat. Serendiptiy oder Serendipität, das ist das Prinzip des „glücklichen Zufalls“. Manchmal entstehen die besten Sachen aus reinem Zufall heraus. Eines der bekanntesten Bespiele für Serendipität ist die so genannte „Entdeckung Amerikas“ durch Christoph Columbus im Jahr 1492. Was wollte Christoph Columbus eigentlich? Wissen wir aus dem Geschichte-Unterricht: Einen anderen Seeweg nach Indien finden. Er wollte nach Indien, angekommen ist er auf den Bahamas. Da ist wohl ein Personal Project komplett schief gegangen - aber herausgekommen ist ein Projekt, das noch viel besser war als das ursprünglich geplante. Weitere Bespiele für Serendipität sind die Erfindung des post-its, die Entdeckung von Penicilin, von Silikon, die Erfindung des Klettverschlusses und sogar die Erfindung des von mir heiß geliebten Teebeutels. Immer wollten deren Entdecker eigentlich etwas ganz Anderes, aber Serendipität wollte es, dass sie etwas fanden, womit sie nie im Leben gerechnet hatten. Brian Little greift nach dem falschen Buch… wahrscheinlich auch ein Fall von Serendipität. Und wenn du jetzt so in deinem eigenen Leben ein bisschen nachforscht… Vielleicht fallen dir da ebenfalls Beispiele für Serendipität ein. Momente des glücklichen Zufalls, wo du eigentlich etwas ganz anderes wolltest, die größten Besonderheiten in deinem Leben entstanden sind. Bei mir ist das definitiv so. Von Peter Cornelius gibt es ein Lied, das heißt „Zufällig“, und da geht es darum, dass auch die Liebe zwischen zwei Menschen scheinbar zufällig entstehen kann. Ja, das soll auch im echten Leben schon vorgekommen sein. (3) Schlaglicht: Der Zufall begünstigt einen wachen Geist.„Der Zufall begünstigt einen wachen Geist.“ Das ist ein Zitat, das Louis Pasteur zugeschrieben wird - der französische Chemiker, der der Menschheit so großartige Dinge wie die Pasteurisierung und die Tollwutimpfung und viel mehr hinterlassen hat. Genauer genommen hat er gesagt: „Der Zufall begünstigt nur den vorbereiteten Geist.“ Der Zufall begünstigt also nur einen Geist, der auch vorbereitet ist. Von nichts kommt nichts. Für den glücklichen Zufall muss man also auch emp...

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    S07E08: Nomen est omen: Wie nennst du deine Projekte? – Teil 2 (#74)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist eine direkte Fortsetzung zur letzen Folge. In der letzten Folge habe ich ja über einen Artikel von Neil Chambers gesprochen, in dem er beschreibt, dass es da einen Zusammenhang gibt zwischen der Art und Weise, wie wir unsere Personal Projects benennen und den Erfolgsaussichten, die wir diesen Projekten unbewusst zugestehen. Anders formuliert: Man kann aus den Namen eines Personal Projects schon herauslesen, ob wir glauben, dass wir dieses Projekt erfolgreich umsetzen werden oder eher nicht. Wenn du die letzte Folge noch nicht gehört hast, dann empfehle ich dir sehr, die letzte Folge zuerst zu hören, bevor du mit dieser Folge weitermachst - weil ja, wie gesagt, diese Folge eine direkte Fortsetzung ist und du dich wesentlich leichter tust, wenn du das Vorwissen der letzten Folge schon hast. In dieser Folge geht es nun darum, dass Neil Chambers bei seiner Forschung zu den Projektnamen noch einen Schritt weiter gegangen ist. Er ist nämlich auch der Frage nachgegangen: Könnte es sein, dass bestimmte Menschen zu bestimmten Formulierungen bei ihren Projekt-Namen neigen? Also, gibt es Menschen, die ihren Personal Projects bevorzugt Versuchs-Namen geben? Oder eine andere Gruppe, die ihren Projekten eher Vermeidungs-Namen geben? Und wenn ja, was kann man über solche Versuchs-Typen oder Vermeidungs-Typen oder Mehr-von-Typen sagen? Wie sind die? Und genau um diese Typen geht es in dieser Folge. RückblickZuerst mal ein kurzer Rückblick auf die letzte Folge: Welche Typen von Projektnamen hat Neil Chambers da überhaupt definiert? Aktions-Namen, sozusagen die „normalen“ Projektnamen, also zB „ein guter Ehemann sein“ Versuchs-Namen, also zB „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“ Mehr-von-Namen, also zB „Ein besserer Ehemann sein“ oder auch „Öfter ein guter Ehemann sein“ Vermeidungs-Namen, also zB „Kein schlechter Ehemann sein“ oder „Weniger oft ein schlechter Ehemann sein, damit meine Ehe nicht in die Brüche geht“ oder sowas in die Richtung. Fortsetzungs-Namen, also zB „Weiterhin ein guter Ehemann bleiben“ Wie gesagt, Neil Chambers hat sich jetzt angesehen, ob es Menschen gibt, die besonders zu Versuchs-Namen neigen oder auch welche, die ihren Projekten besonders oft Vermeidungs-Namen geben. Kurz gesagt: Ja, es gibt so etwas, das er „individual phrasing tendencies“ nennt, also individuelle Formulierungstendenzen.  Und dass es sowas tatsächlich gibt, finde ich extrem spannend. Ich bin ja auch studierter Sprachwissenschaftler, und ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel unsere Sprache, wie viel einzelne Worte, die wir verwenden oder nicht verwenden, wie viel die über uns verraten - nämlich auch Dinge, die uns gar nicht bewusst sind, aber die über unsere Sprache im wahrsten Sinn des Wortes „zur Sprache kommen“. Wie gesagt, ein faszinierendes Gebiet für mich, und ich hoffe, ich kann euch in dieser Folge ein bisschen was von meiner Begeisterung mitgeben. Bevor wir jetzt über die einzelnen Formulierungs-Typen sprechen, eine wichtige - und ehrlich gesagt für mich etwas überraschende - Erkenntnis: Neil Chambers hat in seinen Forschungen festgestellt, dass es keinen gender bias bei den Formulierungen gibt. Soll heißen: Es ist nicht so, dass Frauen ihre Projekte grundsätzlich anders benennen als Männer. Das widerspricht auch ein bisschen dem landläufigen Vorurteil, dass Frauen grundsätzlich vorsichtiger mit ihrer Sprache und ihren Formulierungen sind. Das hat sich in diesen Untersuchungen jedenfalls nicht bestätigt. a)  The Trying PersonalityNeil Chambers nennt in „the Trying Personality“, also „die versuchende Persönlichkeit“. Das sind Menschen, die ihren Projekten besonders gerne Versuchs-Namen geben, z.B. „Versuchen, mehr Gemüse und weniger Mannerschnitten zu essen“ und nicht einfach „Mehr Gemüse essen“ oder „Versuchen, nett zu meiner Kollegin zu sein“ statt „Nett zu meiner Kollegin sein“. Was kann man über die versuchenden Persönlichkeiten sagen? Die versuchende Persönlichkeit hat tendenziell - im Vergleich zu den meisten anderen Menschen - ein verringertes Gefühl von Selbstwirksamkeit. Das heißt: Diese Personen haben weniger stark das Gefühl, das sie für den Erfolg ihrer Personal Projects selbst verantwortlich sind. In deren Augen hängt es also weniger von ihrem eigenen Bemühen ab, ob ein Projekt tatsächlich zum Erfolg wird, sondern von vielen anderen, externen Faktoren.  Nehmen wir das Projekt her „Versuchen, nett zu meiner Kollegin sein“. Eine versuchende Persönlichkeit würde über dieses Projekt wahrscheinlich sagen: „Naja, ich bemühe mich ja eh, nett zu ihr zu sein, aber meine Kollegin, das ist so eine Beißzange… Die ist so unmöglich, da sagt so dumme Sachen, da kann ich gar nicht anders als meine Beherrschung verlieren. Ich will ja nett sein, aber es geht einfach nicht, weil meine Kollegin so eine Kuh ist.“ Oder sowas in die Richtung. Für den Erfolg dieses Projekts sieht die versuchende Persönlichkeit also in erster Linie die Kollegin verantwortlich.  DIE muss sich zuerst mal ändern, ICH kann da im Grunde nichts wirklich unternehmen. Solche Menschen, hat Neil Chambers herausgefunden, sind tendenziell unglücklicher in ihrem Leben im Gesamten gesehen. Sie neigen mehr zu Verstimmungen und Depressionen, weil sie eben stärker das Gefühl haben, dass sie ihr Leben nicht wirklich in der Hand haben und bei ihren Personal Projects stark vom guten Willen anderer abhängig sind. b) The Morish IndividualNeil Chambers nennt ihn „the Morish Individual“, frei übersetzt sowas wie „das mehrende Individuum“. Das sind Menschen, die ihren Projekten bevorzugt Mehr-von-Namen geben. Also, diese Menschen nennen ein Projekt z.B. „Öfter mit meinen Eltern telefonieren“ und nicht einfach nur „Mit meinen Eltern telefonieren“ oder „Mich gesünder ernähren“ und nicht nur „Mich gesund ernähren“ und so weiter. Was können wir über diese „mehrenden“ Typen sagen? Die für mich etwas überraschende Erkenntnis ist, dass Menschen, die viele „mehr von“-Projekte haben, sich tendenziell als weniger kompetent in ihren Projekten sehen und weniger das Gefühl haben, dass ihre Projekte erfolgreich sein werden. Das Interessante dabei ist jetzt, dass dieses Gefühl, in seinen Projekten nicht besonders kompetent zu sein und die Erfolgschancen als nicht besonders rosig einzuschätzen, nicht nur auf die Projekte zutrifft, denen sie „Mehr -von“-Namen geben, sondern auf ALLE Projekte - also auch auf jene, denen sie ganz normale Aktionsnamen geben.  Der mehrende Typ möchte also viel in seinem Leben verbessern, aber irgendwie kommt er nicht richtig vom Fleck.  c) The Avoidant PersonalityKommen wir zu „the Avoidant Personality“, also die vermeidende Persönlichkeit. Das sind Menschen, die ihren Projekten gerne Vermeidungsnamen geben, also zum Beispiel „Mich nicht immer so ungesund ernähren“ statt „Mich gesund ernähren“ oder „Mir die Arbeit nicht so zu Herzen nehmen“ statt „Auf meine Work.Life-Balance achten“ und so weiter. Was ist mit diesen vermeidenden Persönlichkeiten? Solche Persönlichkeiten drücken dadurch, dass...

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    S07E07: Nomen est omen: Wie nennst du deine Projekte? - Teil 1 (#73)

     Worum geht’s in dieser Folge?Ich bin ja in dieser Staffel dabei, das Buch „Personal Projects Pursuit“ von Brian Little zu studieren, und darin bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mir besonders viel Freude gemacht hat. Wie ihr vielleicht wisst oder nicht wisst, ich habe neben einem Wirtschaftsstudium auch Sprachwissenschaft studiert. Ich bin also auch gelernter Sprachwissenschaftler, und in dem Buch gibt es tatsächlich einen Artikel, wo die Personal Projects Forschung und die Sprachwissenschaft zusammenfinden. Und genau über diesen Artikel möchte ich in dieser Folge - und auch in der nächsten - sprechen.  Der Artikel stammt übrigens von Neil C. Chambers und findet sich im Buch auf den Seiten 145 - 169 - für jene unter euch, die das nachlesen möchten. All jene, die lieber hören als lesen, lade ich hiermit ein, mit mir eine spannende Reise in die Sprache unserer Personal Projects zu unternehmen.Worum geht's in dem Artikel?Neil Chambers ist der Frage nachgegangen, ob man aus der Art und Weise, wie wir unsere Personal Projects benennen, irgendetwas herauslesen kann.  Wir müssen uns nämlich Folgendes vorstellen: Jeder von uns hat ja eine Vielzahl von Möglichkeiten, ein bestimmtes Personal Project zu benennen. Die Namen unserer Personal Projects sind ja in der Regel nicht vorgegeben, sondern wir wählen diese Namen selbst. Und dabei ist es interessant, dass wir diese Namen tatsächlich nicht ganz zufällig wählen dürften, oder anders formuliert: Welche Namen wir unseren Projekten geben, das sagt etwas über diese Projekte selbst aus. Ich gebe euch ein Beispiel: Stellt euch vor, ich habe ein Projekt, wo es im Grunde darum geht, dass ich ein guter Ehemann sein möchte, was auch immer das konkret bedeuten mag. Also habe ich ein Personal Project, genauer gesagt ein Self Project, dem ich einen Namen geben kann. Und dieses Projekt könnte heißen „Ein guter Ehemann sein“. Klar. Es könnte aber genauso gut heißen „Kein schlechter Ehemann sein“. Oder es könnte heißen „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“. Oder es könnte heißen „Öfter mal ein guter Ehemann sein“. Oder es könnte heißen: „Ein guter Ehemann sein, um meine Ehe zu retten“. Oder es könnte auch heißen „Weiterhin ein guter Ehemann sein“. Und noch viele andere Varianten, die unsere Sprache hergibt. Wie wir unsere Personal Projects benennen, dafür gibt es keine Regeln. Aber Neil Chambers beschreibt in seinem Artikel, dass es dennoch nicht ganz zufällig ist, welche Namen wir unseren Projekten geben.  Er hat z.B. untersucht, ob es tatsächlich einen Unterschied macht, ob jemand sein Projekt „Ein guter Ehemann sein“ nennt oder „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“. Wie hat er das erforscht? Mit der Personal Projects Analysis, die ich ja vor ein paar Folgen vorgestellt habe. Jedenfalls hat er sich 10.604 Projektnamen angesehnen und die in fünf Kategorien geteilt: Aktions-Namen, sozusagen die „normalen“ Projektnamen, also zB „ein guter Ehemann sein“ Versuchs-Namen, also zB „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“ Mehr-von-Namen, also zB „Ein besserer Ehemann sein“ oder auch „Öfter ein guter Ehemann sein“ Vermeidungs-Namen, also zB „Kein schlechter Ehemann sein“ oder „Weniger oft ein schlechter Ehemann sein, damit meine Ehe nicht in die Brüche geht“ oder sowas in die Richtung. Fortsetzungs-Namen, also zB „Weiterhin ein guter Ehemann bleiben“ Und dann hat sich Neil Chambers angeschaut, ob es einen Zusammenhang gibt, wie wir unsere Projekte benennen und und wie erfolgreich wir glauben, dass wir bei der Umsetzung dieser Projekte sein werden. Eine ganz, ganz spannende Frage, wie ich finde - und überhaupt eine geniale Idee, sowas zu untersuchen.  Okay, schauen wir uns an, was Neil Chambers herausgefunden hat. a) Versuchs-NamenZuerst hat sich Neil Chambers die Versuchs-Projekte angesehen, also „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“. Dabei hat er folgendes herausgefunden: Wer sein Projekt nennt „Versuchen, ein guter Ehemann zu sein“ und nicht einfach nur „Ein guter Ehemann sein“, also wer etwas versucht zu tun anstatt es einfach zu tun, der schätzt die Erfolgschancen dieses Projekts systematisch schlechter ein. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Versuchs-Projekt scheitert, wird von den Probanden der Untersuchung höher eingeschätzt, als das bei einem normalen Aktions-Projekt der Fall ist. Warum ist das so? Weil wir uns mit dem „versuchen“ ein Hintertürchen offen lassen. Es geht bei Versuchs-Projekten nämlich nicht um das Ergebnis, nicht um den Output, sondern nur um den Versuch. Bei Versuchs-Projekten ist das Projektziel also schon erreicht, wenn du es nur versuchst - unabhängig davon, ob du jetzt tatsächlich ein guter Ehemann gewesen bist oder nicht. Unsere Sprache ist also verräterisch: Wenn wir das Wort „versuchen“ in unseren Projektnamen einbauen, dann wissen wir unbewusst längst, dass das ein Projekt ist, bei dem wir eher nicht glauben, dass wir groß Erfolg haben werden. b) Mehr-von-NamenKommen wir zu den Projekten mit Mehr-von-Namen, also beispielsweise „Ein besserer Ehemann sein“ oder auch „Mehr Sport machen“ oder „Mehr Zeit mit meinen Eltern verbringen“ oder „Wieder öfter Klavier spielen“ und so weiter. Was hat Neil Chambers über diese Projektnamen herausgefunden?  Grundsätzlich ist es so, dass wir von diesen Mehr-von-Projekte tatsächlich gerne mehr in unserem Leben hätten. Also wenn jemand sagt, sie hat ein Projekt das heißt „Wieder öfter Klavier spielen“, dann ist es meisten so, dass das Projekt ihr tatsächlich Freude bereiten würde. Also, mit unseren Mehr-von-Projekten verbinden wir in der Regel sehr positive Gefühle. Aber es gibt einen Haken: Gleichzeitig schätzen wir die Wahrscheinlichkeit, dass wir tatsächlich „mehr von“ etwas in unser Leben bekommen, als nicht besonders hoch ein. Wenn ich also sage, mein Projekt heißt „Ein besserer Ehemann sein“, dann drücke ich damit unbewusst aus, dass es mir zwar schon gut gefallen würde, wenn ich ein besserer Ehemann wäre, aber leider, leider… ich glaube nicht, dass mir das gelingen wird. Oder im Fall des Projekts „Wieder öfter Klavier spielen“: Ja, sie würde wirklich gerne öfter Klavier spielen, aber neben den vielen anderen Dingen, die im Alltag zu erledigen sind, schätzt sie die Wahrscheinlichkeit nicht besonders hoch ein, dass sie dafür wirklich Zeit und Muße finden wird. c) Vermeidungs-NamenOkay, was ist mit den Vermeidungs-Namen, also z.B. „Kein schlechter Ehemann sein“ oder auch „Nicht so ungesund essen“. Auch bei diesen Projekten haben wir ein Problem, und zwar Folgendes: Wenn wir ein Projekt hernehmen, das heißt „Mich gesund ernähren“, dann kann ich, wenn ich mich ein bisschen einlese, wahrscheinlich sagen: Okay, da gibt es vier, fünf oder sechs Dinge, die ich in meiner Ernährung umstellen sollte, und dann habe ich schon einen großen Schritt Richtung gesunder Ernährung gemacht. Aber was ist, wenn ich das Projekt in Richtung Vermeidung formuliere, also „Schlechte Ernährung vermeiden“? Dann ist es so, dass ich zwar nur eine Handvoll Dinge habe, die ich tun kann, um mich GUT zu ernähren, aber tausend Möglichkeiten, um mich SCHLECHT zu ernähren. Es gibt also viel mehr Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, als etwas richtig zu machen. Das gilt auch für das Projekt „Ein guter Ehemann sein“. Wenn ich mein Projekt nenne „Kein schlechter Ehemann sein“, dann habe ich irrsinnigen Stress damit, weil e...

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    S07E06: Meaning Manageability Trade-off (#72)

     Worum geht’s in dieser Folge?Ich bin ja dabei, das Buch „Personal Projects Pursuit“ von Brian Little zu studieren, und in dieser Folge möchte ich über ein Phänomen bei unseren Personal Projects sprechen, das Brian Little auf Seite 74 des Buches beschreibt - nämlich den Meaning Manageability Trade-off. Was das genau ist, warum er uns immer wieder beschäftigt und wie wir mit dem Meaning Manageability Trade-off umgehen können, davon handelt diese Folge. Was ist der Meaning Manageability Trade-off?Okay, was ist jetzt genau der Meaning Manageability Trade-off? Naja, dazu müssen wir zuerst mal drüber sprechen, was mit „meaning“ und was mit „manageability“ im Zusammenhang mit Personal Projects gemeint ist. Was bedeutet „meaning“?Schauen wir uns mal den Begriff „meaning“ an. Bei „meaning“ geht es um den Sinn, den wir mit einem Personal Project verbinden. Jeder von uns hat ein intuitives Gefühl dafür, wie sinn-voll, wie erfüllend ein bestimmtes Personal Project für ihn ist. Ein Projekt, wo ich persönlich sagen würde, da steckt ganz viel „meaning“ drin, wäre zum Beispiel mein Personal Project „Papa sein“. „Papa sein“, das ist ein core project, ein Herzensprojekt von mir, und in der Regel ist es so, dass unsere Herzensprojekte jene Projekte sind, die für uns viel „meaning“ haben.Und im Gegensatz dazu wird es Projekte in unserem Leben geben, wo wir sagen: „Naja, dieses Projekt mache ich zwar, aber Sinn? Sinn hat das nicht wirklich für mich. Oder nicht sehr viel.“ Das könnte z.B. ein Projekt sein wie „Jeden Sonntag den Papiermüll zur Müllinsel bringen“. Das ist ein Projekt von mir, wo ich sage: „Ich sehe zwar ein, dass das erledigt gehört, aber zu dem, was mir Sinn gibt in meinem Leben, trägt das nicht wirklich was bei.“ Okay, ich hoffe, es ist für dich jetzt verständlich, was mit „meaning“ im Zusammenhang mit Personal Projects gemeint ist. Schauen wir uns jetzt den zweiten Begriff genauer an, nämlich „manageability“. Was bedeutet „manageability“?„Manageability“, damit ist gemeint, wie schwer oder wie leicht wir uns tun, ein bestimmtes Personal Projects zu managen. Das heißt, wie schwer oder wie leicht ist es, ein bestimmtes Personal Project im Alltag umzusetzen. Wie schwer oder wie leicht fällt es uns, für ein bestimmtes Personal Project tatsächlich auch ganz konkrete nächste Schritte zu finden, zu sagen, was als nächstes zu tun ist und so weiter. Bleiben wir wieder bei den beiden Beispielen meiner Personal Projects. Da haben wir einerseits das Personal Project „Papa sein“, und dann ist da das Personal Project „Jeden Sonntag den Papiermüll zur Müllinsel bringen“. Welches davon, glaubst du, hat für mich die größere „manageability“?  Ist wahrscheinlich leicht zu erraten: Es ist das Papiermüll-Projekt. Das ist ziemlich leicht zu managen: Ich weiß, was zu tun ist und wann es zu tun ist. Ich hab das auch schon ein paar Mal gemacht und kann ganz gut abschätzen, wie das ablaufen wird. Viel kann mich dabei nicht überraschen, außer vielleicht, es regnet genau dann, wenn ich den Papiermüll wegbringen will, aber auch dafür stehen mir mit Regenjacke oder Regenschirm geeignete Management-Tools zur Verfügung. Ich kann also sagen, dieses Projekt bekomme ich ganz gut hin. Aber was ist mit dem Projekt „Papa sein“? Das spielt auf einem ganz anderen Level. Das zu managen, stellt mich beinahe täglich vor Herausforderungen. Da gibt es viel zu beachten, da hängt vieles voneinander ab, da hängt auch vieles von anderen Personen in meiner Familie ab, insgesamt ist das ein komplexes Projekt. Und komplexe Projekte sind schwer zu managen, das habe ich in einer eigenen Podcast-Folge ja schon genauer erklärt. Also, zusammengefasst: Es gibt Projekte, bei denen tun wir uns leicht sie zu managen, und es gibt Projekte, da kommen wir regelmäßig an unsere Grenzen.   Und was ist jetzt der Meaning Manageability Trade-off?Vermutlich hast du das Problem schon erkannt. Es ist bei unseren Personal Projects häufig so, dass „meaning“ und „manageability“ umgekehrt proportional zueinander sind. Soll heißen: Ein Projekt mit viel „meaning“ hat wenig „manageability“, und ein Projekt mit viel „manageability“ hat oft wenig „meaning“. Das muss nicht immer so sein, aber es ist nicht ungewöhnlich, dass es diesen Konflikt gibt. Was jetzt passiert, ist, dass wir in dem Fall einen Trade-off eingehen müssen. Ein Trade-off, das ist so etwas wie ein Kompromiss, eine Abwägung, ein Ausgleich, könnte man sagen. Wir müssen also für jedes Projekt abwägen (und das machen wir meistens ganz unbewusst, automatisch). Wie viel „meaning“ will ich in dem Projekt, und wie viel „,manageability“. Anders formuliert: Wenn ich ein Projekt habe, das für mich viel „meaning“ hat, dann bin ich wahrscheinlich bereit, bei der „manageability“ Abstiche zu machen. Also, wenn ich Papa sein will, dann muss ich auch bereit sein, mich darauf einzulassen, dass dieses Projekt öfter mal nicht so läuft wie geplant, dass Überraschungen auftreten und dass mir häufig nicht ganz klar ist, was der nächste Schritt in dem Projekt sein wird. Andererseits, wenn ich ein Projekt habe, das für mich nur ganz wenig „meaning“ hat, dann werde ich dafür haben wollen, dass es möglichst leicht zu managen ist. Also, wenn ich schon den Papiermüll wegbringen muss, dann soll das bitte so einfach sein wie nur irgendwie möglich. Ich bin nicht bereit, dafür mehr Zeit, Energie und Nerven zu investieren als unbedingt notwendig. Mein Trade-off ist, dass ich wenig Sinn hinnehme, aber dafür als Ausgleich erwarte, dass das Management dieses Projektes ganz, ganz einfach ist. Denken wir diesen Meaning Manageabiltiy Trade-off noch einen Schritt weiter. Was ist, wenn dieser Trade-off bei einem Projekt nicht funktioniert? Was passiert dann? Da wäre erstens mal der Fall, dass wir ein Projekt mit viel „meaning“ haben, das wir aber auch als leicht zu managen empfinden. So ein Projekt wird wahrscheinlich unser Lieblingsprojekt sein. Das machen wir gerne, da kommen wir in den Flow, das macht Spaß. Von diesen Projekten können wir eigentlich gar nicht genug in unserem Leben haben. Aber was ist im umgekehrten Fall? Ein Projekt, das für uns wenig Sinn hat, aber schwer zu managen ist? Du kannst es dir wahrscheinlich vorstellen, das sind Projekte, die uns Jahre unseres Lebens kosten, die uns gewaltig auf die Nerven gehen. Es hat keinen Sinn, und es ist mühsam? Solche Projekte wollen wir - und sollten wir - so schnell wie möglich los werden. Okay, das mal dazu, was der Meaning Manageability Trade-off ist und wo er her kommt. Schauen wir uns jetzt noch an, wie wir mit dem Meaning Manageability Trade-off im Alltag umgehen können. Wie können wir mit dem Meaning Manageabiltiy Trade-off umgehen?Ich habe da 3 Tipps für euch, die dabei helfen können, unsere Personal Projects gut durch den Meaning Manageability Trade-off zu steuern. Tipp 1: Akzeptiere den Trade-offNimm den Trade-off als Teil des Spiels unserer Personal Projects hin. Man kann ihm nicht entkommen, er gehört einfach dazu. Er ist ganz automatisch da. Wie eines meiner Lieblingssprichwörter sagt: Wer einen Baum hat, der hat auch Laub. Es geht also nicht drum, ihn zu vermeiden, sondern mit ihm zu leben. Also, der erste Schritt aus meiner Sicht zu einem produktiven Umgang mit dem Meaning Manageability Trade-off ist mal, ihn hinzunehmen und nicht gegen Windmühlen zu kämpfen. Tipp 2: Geh den Trade-off bewusst einIch habe ja schon gesagt, dass wir unbewusst im Alltag ständig mit dem Meaning Ma...

  30. 72

    S07E05: Selbstversuch: Personal Projects Analysis meiner eigenen Personal Projects (#71)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist eine direkte Fortsetzung zur letzten Folge, wo ich über die Personal Projects Analysis gesprochen habe. Die Personal Projects Analysis ist eine Forschungsmethode, mit der man Personal Projects analysieren kann, und in der letzten Folge habe ich diese Methode genauer beschrieben: wie sie aufgebaut ist, welche verschiedenen Module enthalten sind, was man da alles machen muss, wenn man an so einer Personal Projects Analysis teilnehmen will.Für diese Folge habe ich mir gedacht, wäre es vielleicht ganz spannend, wenn ich euch erzähle, was bei einer Personal Projects Analysis so rauskommen kann. Also welche Ergebnisse eine Personal Projects Analysis liefert und welche Schlüsse man daraus ziehen kann. Und als Anschauungsobjekt, als Versuchskaninchen sozusagen, habe ich eine Versuchsperson gewählt, die für fast jede Idee zu haben ist, den ich ihr vorschlage. Nämlich: Ich selbst. Ich habe meine eigenen Personal Projects hergenommen und sie durch die Personal Projects Analysis gejagt. In dieser Folge erfährst du, was ich dabei über mich und meine Personal Projects gelernt habe.Meine Personal Projects AnalysisKurz nochmals zur Wiederholung: Die Personal Projects Analysis besteht aus 6 verschiedenen Modulen, und in jedem dieser Module wird man als Versuchsperson aufgefordert, seine Personal Projects auf die eine oder andere Art zu analysieren. Ich möchte jetzt ein Modul nach dem anderen durchgehen und euch zu jedem Modul sagen, was ich über meine Personal Projects gelernt habe. 1. Project Dump (Project Elictiation)Alles beginnt mit der so genannten „project elicitation“, auch „project dump“ genannt. In diesem Modul geht es ja darum, dass man alle Personal Projects aufschreibt, die einem so einfallen. Normalerweise hat man dafür 10-15 Minuten Zeit. Ich habe die Spielregeln für mich aber etwas abgeändert und einfach in Evernote nachgeschaut, für welche meiner Personal Projects ich eine Evernote-Notiz angelegt habe. Ich habe für dieses Modul also schon etwas Vorarbeit geleistet, und das habe ich für dieses Modul auch ausgenützt. Vielleicht überhaupt ein kurzes Wort zu den Spielregeln der Personal Projects Analysis: Brian Little betont immer wieder explizit, dass die Regeln der Personal Projects Analysis nicht in Stein gemeißelt sind. Sie können und sollen angepasst werden, je nach Forschungssituation und Anforderungen. Insofern bin ich da im grünen Bereich, wenn ich die Spielregeln da etwas adaptiere und anpasse. Ich habe also ALLE meine Personal Projects hergenommen. Das heißt, alle Personal Projects, die mir bewusst sind. Gut möglich, dass ich noch einige andere Projekte habe, von denen ich gar nicht weiß, dass ich sie habe. Aber dazu vielleicht mal in einer anderen Folge mehr. Alle meine Personal Projects, das sind Stand heute 377.  Von diesen 377 Projekten sind 318 aktiv und 59 erledigt. Und dann hat mich noch interessiert… Diese 318 aktiven Personal Projects… In welchem Zeitraum stelle ich mir denn vor, dass ich die erledigen werde? Diese Frage ist in der Form kein Bestandteil der originalen Personal Projects Analysis. Aber wie gesagt: Meine Analyse, meine Regeln! Also, von den 318 Projekten will ich ca. 36 Prozent, das sind 113 Projekte, innerhalb des nächsten Jahres erledigen. Die restlichen 64% der Projekte sind auf den St. Nimmerleinstag verschoben. Also sind es aktuell ein bisschen über 100 Personal Projects, die mich in nächster Zeit umtreiben. Interessant ist auch: Darin enthalten sind 10% der Projekte, die nie ein Ende haben. Zum Beispiel das Projekt „Papa sein“, das endet erst mit meinem letzten Atemzug. Aktuell habe ich 38 solcher Projekte, die ich ja gerne „Beziehungsprojekte“ nenne, eben weil sie an sich kein Ablaufdatum haben. Ich finde es spannend zu sehen, dass ich mich nur mit rund einem Drittel meiner Personal Projects aktiv beschäftige und fast zwei Drittel in Warteposition sind. Wäre auch interessant zu wissen, ob das generell bei den meisten Menschen genauso ist oder nicht.  2. Refined Project ListIn dem Modul geht es darum, für die weitere Analyse 10 Projekte auszuwählen, die besonders typisch für mich sind.  Bei einer Auswahl aus über 100 aktiven Projekten ist es gar nicht so einfach, 10 auszuwählen, wie du dir vielleicht vorstellen kannst. Ich habe deswegen die Spielregeln wieder etwas gebogen und 11 Projekte ausgewählt. Das sind fast genau 10%, das hat gut für mich gepasst. Bei der Auswahl bin ich möglichst spontan und mit Bauchgefühl vorgegangen. Interessant ist, dass ich im Nachhinein festgestellt habe, dass meine intuitive Auswahl ziemlich repräsentativ war und dass meine Auswahl tatsächlich ein ganz gutes Bild von der Gesamtheit meiner Personal Projects vermittelt hat. Gut, mit den 11 Projekten habe ich dann weiter gemacht mit der…  3. Personal Projects Appraisal Matrix AIn diesem Modul geht es ja darum, jedes der ausgewählten Projekte anhand von 17 Kriterien zu bewerten, nämlich von 0 bis 10. Also 0, wenn das Kriterium gar nicht zutrifft für das Projekt, und 10, wenn das Kriterium voll und ganz zutrifft. Also bin ich die 17 Kriterien für meine 11 Projekte durchgegangen, das war ganz schön viel Arbeit. Und was ist raus gekommen? Es gibt 5 Kriterien, mit denen sich meine Personal Projects besonders gut beschreiben lassen. Diese 5 Kriterien sind:  Mit dem mit Abstand höchstem Wert: Autonomy oder Autonomie, also: Wie sehr machst du dieses Projekt aus freiem Willen oder eher, weil es jemand anderer für dich will? Ich habe das große Glück, dass ich die allermeisten meiner Personal Projects aus freien Stücken machen darf. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass der Wert „Freiheit“ für mich einer der wichtigsten Werte in meinem Leben überhaupt ist. Insofern ist das sehr stimmig für mich. Kriterium, auch sehr hoch bewertet: Support oder Unterstützung, also: Wie sehr fühlst du dich bei diesem Projekt von anderen unterstützt? Ich fühle mich bei meinen Projekten also insgesamt sehr gut unterstützt, was auch ein Riesenglück ist. Value Congruency oder Werte-Übereinstimmung, also: Wie gut passt dieses Projekt zu den Werten, die du als Mensch hast? Bei mir passt das sehr gut zusammen. Ich habe kaum Projekte in meinem Leben, wo ich stark gegen meine Werte handeln müsste. Outcome / Likelihood Of Success oder Erfolgsaussichten, also: Wie erfolgreich, glaubst du, wird dieses Projekt sein? Auch dieses Kriterium habe ich hoch bewertet. Das bedeutet, dass ich mir zutraue, dass ich meine ausgewählten Projekte tatsächlich auch zum Erfolg führen werde. Das finde ich persönlich eine ausgesprochen motivierende Erkenntnis. Responsibility oder Verantwortung, also: Wie sehr fühlst du dich für dieses Projekt verantwortlich? Ich fühle mich für meine Projekte sehr verantwortlich. Das hat mich jetzt nicht besonders überrascht, das passt ganz gut zu mir als Mensch. Und welche Kriterien haben am wenigsten für meine Personal Projects zugetroffen? Am allerwenigsten zugetroffen hat Visibility oder Sichtbarkeit, also...

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    S07E04: Einführung in die Personal Projects Analysis (#70)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist eine weitere Folge unter dem Motto: Wir beschäftigen uns mit der wissenschaftlichen Seite von Personal Projects.Diesmal möchte ich mit euch ein kleines Experiment starten. Ich möchte mich mit euch gemeinsam in die Rolle eines Wissenschaftlers begeben, und zwar eines Wissenschaftlers, der Personal Projects untersucht. Brian Little, der Godfather der Personal Projects, hat für die Dokumentation und Erforschung von Personal Projects eine Methode entwickelt, die er Personal Projects Analysis (PPA) genannt hat. Die Personal Projects Analysis ist in den späten 1970er Jahren entstanden, und Brian Little hat die Methode - gemeinsam natürlich mit anderen Forscherinnen und Forschern - immer weiter verfeinert. Eine genaue Beschreibung der Methode und alle Dokumente dazu gibt es übrigens auf Brian Littles Website zum Download. Ja, das ist alles frei und gratis verfügbar für jedermann.Für all jene unter euch, die jetzt nicht so die große Lust oder Zeit haben, die ganzen Dokumente durchzuackern, aber trotzdem wissen möchte, was da genau bei der Erforschung von Personal Projects erforscht wird, ist diese Folge gedacht: Eine Einführung in die Personal Projects Analysis.Einführung in die Personal Projects AnalysisOkay, was müssen wir über die Personal Projects Analysis wissen? Grundsätzlich kann man sich die Personal Projects Analysis vorstellen wie einen strukturierten Fragebogen, der aus mehreren Abschnitten besteht, die „Module“ genannt werden. Wenn du als Versuchsperson an so einer Personal Projects Analysis teilnehmen möchtest, dann durchläufst du einige oder alle dieser Module - je nachdem, was die Forscher gerade besonders an deinen Personal Projects interessiert. Ich möchte mit euch jetzt die einzelnen Module durchgehen und euch erklären, was da genau passiert. 1. Project Dump (Project Elictiation)Alles beginnt mit der so genannten „project elicitation“, auch „project dump“ genannt. Du bekommst einen Stift, ein Blatt Papier und 10-15 Minuten Zeit und wirst aufgefordert, so viele Personal Projects aufzuschreiben, wie dir gerade einfallen. Du erstellst also eine Liste mit allen Personal Projects, die dich gerade beschäftigen. Daher kommt auch der Name „dump“, das heißt so viel wie „abladen“. Du schreibst also alle Personal Projects auf, die dir einfallen: große und kleine, wichtige und unwichtige, berufliche und private, lustige und anstrengende, einfach alles.  Diejenigen, die sich unter einen Personal Project nicht wirklich was vorstellen können, bekommen für den project dump als Unterstützung einige Bespiele aufgelistet, sozusagen als Inspiration. Das sind Beispiele wie „Meinen Psychologie-Kurs bestehen“, „Weniger junk food essen“, „Mit meiner Katze spielen“ oder „Meine Wohnung putzen“. Diese Beispiele sind dazu da, dass die Versuchspersonen sich auch trauen, ganz „gewöhnliche“ Projekte zu nennen, die in ihren Augen vielleicht gar nichts Besonderes sind. Aber genau darum geht es beim project dump: Einfach mal alles aufschreiben, was einem einfällt. 2. Refined Project ListDann geht es weiter damit, dass die Versuchsperson aufgefordert wird, aus der Liste der Personal Projects 10 auszuwählen. Und welche davon soll er auswählen? Naja, die Angabe lautet: Wähle jene 10 aus, die uns erlauben, dich am besten zu verstehen. Mit so einer Angabe wird natürlich eine sehr subjektive Auswahl zustande kommen, aber genau darum geht es ja: Der Teilnehmer entscheidet selbst, welche Projekte das beste Bild über ihn vermitteln, weil er ja der Experte von sich selbst und seinem Leben ist. Seine Auswahl ist die best mögliche. Darüber habe ich ja in der zweiten Folge dieser Staffel schon ausführlicher gesprochen. Wenn also 10 Projekte ausgewählt sind, dann geht es weiter mit der Frage: Was denkst du dir über das, was du machst? 3. Personal Projects Appraisal Matrix ADas dritte Modul trägt den mehr als sperrigen Namen „Personal Projects Appraisal Matrix A“, aber dahinter steckt die spannende  Frage: Wie bewertest du deine Personal Projects? Was denkst du dir über sie? Dabei kannst du gerne gleich ein bisschen mitmachen. Wähle dazu irgend eines deiner Personal Projects aus, egal welches, irgend eines, das sich gerade beschäftig. Dieses Projekt werden wir jetzt gemeinsam anhand von 17 Kategorien analysieren. Deine Aufgabe ist jetzt, für jede Kategorie Punkte zu vergeben, nämlich von 0 bis 10. 0 bedeutet „trifft überhaupt nicht zu“ und 10 bedeutet „triff sowas von zu“. Okay, bereit? Hast du dein Personal Project gewählt? Los geht’s mit der „Personal Projects Appraisal Matrix A“ Kriterium: Importance oder Wichtigkeit, also: Wie wichtig ist dir dieses Projekt? Also wenn du jetzt sagst, dieses Projekt ist für mich megawichtig, dann gibst du 10 Punkte. Wenn du sagst, dieses Projekt ist an Unwichtigkeit nicht zu überbieten, dann gibst du 0 Punkte. Wenn es irgendwas dazwischen ist, dann eben 5 oder 7 oder 3 oder 8 oder wie auch immer du die Wichtigkeit dieses Projekts einschätzt. Difficulty oder Schwierigkeit, also: Für wie schwierig hältst du dieses Projekt? Also wieder: Wenn du das Projekt für ultraschwierig hältst, dann 10 Punkte. Wenn es babyleicht ist, dann 0 Punkte. Sonst irgendwas dazwischen. Visibility oder Sichtbarkeit, also: Wie gut ist dieses Projekt sichtbar für andere Menschen, die dich gut kennen? Wenn du sagt, das Projekt kennt niemand außer mir, das ist ein Geheimprojekt, dann vergibst du 0 Punkte für die Sichtbarkeit. Wenn du sagst, ich erzähle jedem Menschen, den ich sehe, von diesem Projekt, meine Facebook Wall ist voll davon und so weiter, dann bist du ein Zehner. Sonst irgendwas dazwischen. Control oder Einfluss, also: Wie sehr hast du das Gefühl, dass du Einfluss hast auf dieses Projekt? Wieder: 0 bis 10, jetzt weißt du ja schon, wie das geht. Responsibility oder Verantwortung, also: Wie sehr fühlst du dich für dieses Projekt verantwortlich? Time Adequacy oder Angemessenheit der Zeit, also: Wie sehr hast du das Gefühl, dass die Zeit, die du für dieses Projekt aufwendest, angemessen ist (sowohl zu viel Zeit als auch zu wenig Zeit)?  Outcome / Likelihood Of Success oder Erfolgsaussichten, also: Wie erfolgreich, glaubst du, wird dieses Projekt sein? Self Identity oder Selbstausdruck, also: Wie typisch ist dieses Projekt für dich als Person? Other’s View oder Ansicht der Anderen, also: Als wie wichtig empfinden dieses Projekte andere Menschen, die dir wichtig sind? Value Congruency oder Werte-Übereinstimmung, also: Wie gut passt dieses Projekt zu den Werten, die du als Mensch hast? Progress oder Fortschritt, also: Wie weit bist du mit dem Projekt bisher gekommen? Challenge oder Herausforderung, also: Wie herausfordernd findest du dieses Projekt? Absorption oder Versinken, also: Wie sehr kommst du in einen Flow, wenn du dich mit diesem Projekt beschäftigst? Support oder Unterstützung, also: Wie sehr fühlst du dich bei diesem...

  32. 70

    S07E03: Deine Vereinbarungen mit dir selbst (#69)

    Worum geht's in dieser Folge?Das ist die dritte Folge der 7. Staffel, und in der 7. Staffel lese ich ja das Buch „Personal Projects Pursuit” von Brian Little für euch. Das ist ein wissenschaftliches Buch, das sich mit der Personal Projects Forschung beschäftigt, und ich will die interessantesten, spannendsten und überraschendsten Aspekte daraus hier in diesem Podcast für euch aufbereiten, damit ihr dieses Buch nicht auch lesen müsst. Denn eine leichte Lektüre ist das wahrlich nicht. Ich bin inzwischen auf Seite 75 angekommen, habe einige sehr spannende Dinge gelesen… aber ich werde heute nicht - oder nicht direkt - über dieses Buch sprechen. Ich habe mich entschieden, stattdessen eine kleine Zwischenfolge einzuschieben. Nämlich eine Folge, welche die beiden ersten Folgen dieser Staffel ergänzt und hoffentlich noch ein bisschen verständlicher macht. Ich möchte nämlich heute über ein Bild, eine Metapher, eine Sichtweise sprechen, wie wir uns unsere Personal Projects vorstellen können.  Wir können nämlich unsere Personal Projects betrachten als Vereinbarungen. Jedes einzelne unserer Personal Projects ist eine Vereinbarung, die wir mit uns selbst und/oder mit anderen Menschen getroffen haben.  Was dieser Blickwinkel bedeutet und warum ich ihn nützlich finde, das werde ich in dieser Folge besprechen. Wozu wir "ja" sagen...Okay, ich wiederhole das nochmal: Wir können unsere Personal Projects sehen wie Vereinbarungen, die wir eingegangen sind. Jedes einzelne unserer Personal Projects ist etwas, zu dem wir „ja” gesagt haben - und durch dieses „ja” sind wir die Verpflichtung eingegangen, uns um dieses Projekt zu kümmern - was auch immer dieses „Kümmern” im konkreten Fall bedeutet.  Diese Verpflichtung sind wir eingegangen einerseits mit uns selbst. Das heißt, irgendwo in uns drinnen wissen wir, dass wir uns zu jedem einzelnen unserer Personal Projects auf irgendeine Weise verpflichtet haben. Nicht, dass wir irgend etwas unterschrieben hätten oder so, aber irgend etwas in uns weiß um diese Vereinbarung, die wir da eingegangen sind, und fühlt sich daran auch gebunden. Diese Verpflichtung sind wir aber möglicherweise genauso eingegangen gegenüber anderen Menschen. Manche - oder viele - unserer Personal Projects betreffen ja nicht nur uns allein, sondern haben ganz viel auch mit anderen Menschen zu tun - in der Familie, im Freundeskreis, unter Nachbarn, unter Arbeitskollegen, im Verein und so weiter. Indem wir uns ein Personal Project sozusagen aufgeschultert haben, haben wir möglicherweise auch anderen Menschen gegenüber das Versprechen abgegeben, dass wir uns um dieses Projekt kümmern werden. Wie genau dieses Versprechen - uns gegenüber oder anderen gegenüber oder beides - gelautet hat, ob es überhaupt explizit und laut ausgesprochen wurde oder ob das Versprechen eher ziemlich diffus ist… das hängt vom jeweiligen Personal Project ab.  Aber grundsätzlich lässt sich sagen: Mit jedem einzelnen unserer Personal Projects sind wir jemandem im Wort - nämlich uns selbst oder anderen oder beides. Ich finde, das ist ein sehr anschauliches Bild von dem Konzept der Personal Projects - und vermutlich viel anschaulicher als die wissenschaftliche Definition von Brian Little, die ich in der ersten Folge dieser Staffel besprochen habe. Jedenfalls war es mir wichtig, diese Folge einzuschieben und die Definition, was ein Personal Project ist, um dieses Bild zu ergänzen. Das spannende an dem Bild der Personal Projects als Vereinbarungen ist, dass es sogar noch einen Schritt weiter geht: Personal Projects sind auch alle Vereinbarungen, zu denen wir nicht explizit nein gesagt haben. Manche Personal Projects haben es so an sich, dass sie ungefragt in unser Leben kommen, wenn wir uns nicht mit Händen und Füßen dagegen wehren. Ein Beispiel vielleicht: Du gehst am Sonntagnachmittag in der Stadt spazieren und triffst eine Freundin, nennen wir sie Karin, die du schon lange nicht gesehen hast. Ihr plaudert kurz, und am Schluss sagt Karin: „Lass uns mal telefonieren.”  Und da haben wir schon den Salat. Wenn du in dem Moment nicht sagst: „Karin, sei mir nicht bös, aber nein: Ich will mit dir nicht telefonieren. Ich brauche nicht noch ein weiteres Projekt in meinem Leben, nimm’s bitte nicht persönlich.” Also, wenn wir das nicht sagen (und ich kenne wenige Menschen, die sowas sagen würden, also genau gar keinen, eigentlich), dann haben wir ein weiteres Personal Projects am Hals, nämlich „Bald mal mit Karin telefonieren”. Du bist diese Vereinbarung eingegangen, nämlich einerseits Karin gegenüber (indem du nicht widersprochen hast), aber natürlich auch dir gegenüber. Irgendwas in dir wird dich immer wieder mal an diese Vereinbarung erinnern. Dieses Personal Project bleibt also an dir kleben, bist du es gelöst hast. Wie sich die Vereinbarungen lösen lassen Also, wir haben gesagt, dass unsere Personal Projects wie Vereinbarungen sind, die wir mit uns selbst und/oder mit anderen eingegangen sind. Diese Idee habe ich übrigens von David Allen. Über David Allen habe ich in diesem Podcast schon das eine oder andere Mal gesprochen. Er ist der Erfinder der „Getting Things Done”-Systematik, das ist ein Selbstmanagement-System, wo es im Wesentlichen um das Management all unserer Personal Projects geht - wenngleich David Allen das nicht Personal Projects nennt, sondern „loose ends”, lose Enden. Aber für mich ist das ziemlich deckungsgleich. Ich finde, David Allen und Brian Little müssten wirklich mal miteinander reden, da würde was Spannendes raus kommen. Aber das ist eine andere Geschichte… Jedenfalls, hat David Allen unlängst im Podcast von Tim Ferriss darüber gesprochen, was wir denn tun können mit all den Vereinbarungen, die wir in unserem Leben eingegangen sind. Und das möchte ich euch zum Abschluss dieser Folge noch mitgeben. David Allen sagt zuerst mal, dass wir gut aufpassen müssen, wenn wir diese Vereinbarungen nicht einhalten. Denn wenn wir eine solche Vereinbarung mit uns selbst, also ein Personal Project, nicht einhalten, dann zahlen wir dafür einen Preis. Und dieser Preis ist der Verlust an Vertrauen. Nämlich einerseits Vertrauen in uns selbst (also Verlust von Selbst-Vertrauen) oder Verlust an Vertrauen, das andere Menschen in uns haben - oder beides. Und Vertrauen ist eine der wichtigsten Währungen in unseren sozialen Beziehungen überhaupt. Damit sollen wir also wirklich nicht leichtfertig umgehen. Deswegen sollten wir darauf schauen, dass wir unsere Vereinbarungen, unsere Personal Projects, nicht brechen. Gleichzeitig ist aber auch klar, dass die allermeisten von uns so viele Vereinbarungen getroffen, so viele Personal Projects aufgeschultert haben, dass es unmöglich ist, die alle gleichzeitig und gleichwertig und sofort zu erfüllen. Was also tun? David Allen sagt, wir haben drei Möglichkeiten: Möglichkeit: Geh die Vereinbarung gar nicht ein. Das Zauberwort hier heißt „nein”. Sag klar, wenn du etwas nicht machen willst oder dafür im Moment einfach keine Kapazitäten hast, dann läufst du auch nicht Gefahr, ein Versprechen zu brechen. Möglichkeit: Halt das Versprechen ein. Ruf Karin an. Besorg dir endlich die neuen Fische für’s Aquarium. Schick die Bewerbung endlich ab. Entscheide dich endlich, ob du weiterhin in dieser Wohnung wohnen bleiben willst oder ob du eine neue suchst.  Möglichkeit, und d...

  33. 69

    S07E02: Wie wählen wir unsere Personal Projects aus? (#68)

    Worum geht's in dieser Folge?Wir haben heute Episode 2 der 7. Staffel, in der ich ja den Versuch unternehme, das Buch für euch aufzubereiten und euch die interessanten und inspirierenden Dinge mitzugeben, die ich beim Lesen gelernt habe - damit ihr das Buch nicht auch lesen müsst.Ich bin im Buch mittlerweile bis Seite 61 gekommen, und in dieser Folge möchte ich mit euch etwas besprechen, das in zwei Absätzen auf den Seiten 54 und 55 angesprochen wird und das ich für eine der spannendsten Fragen rund um Personal Projects überhaupt halte. Nämlich: Wie wählen wir unsere Personal Projects überhaupt aus? Wie schafft es ein Personal Project überhaupt, bei uns sozusagen „auf den Schirm“ zu gelangen? Wie wählen wir aus, mit welchen Personal Projects wir uns gerade heute oder morgen oder in dieser Woche beschäftigen wollen? Das heißt, wie treffen wir eigentlich die Auswahl, mit welchen ganz konkreten Personal Projects wir uns beschäftigen wollen oder müssen aus der großen Menge der möglichen Personal Projects, mit denen wir uns beschäftigen KÖNNTEN. Und auf diese Frage möchte ich in dieser Folge zuerst eine wissenschaftliche Antwort geben und dann eine praktische Antwort aus meinem eigenen Leben. Die wissenschaftliche AntwortOkay, also zuerst die wissenschaftliche Sicht: Wie wählen wir unsere Personal Projects aus? Das ist eine Frage, die auch Brian Little und seine Kollegen bei der Erforschung von Personal Projects beschäftigt hat. Er hat eine ziemlich ausgefeilte Methodik entwickelt, wie man Personal Projects analysieren kann, und die nennt er (praktischerweise) „Personal Projects Analysis“. Über die Personal Projects Analysis spreche ich mal in einer anderen Folge genauer, das ist wirklich sehr interessant. Für heute reicht uns dazu folgende Überlegung: Stell dir vor, du bist ein Wissenschaftler und möchtest die Personal Projects einer Person erforschen. Dann stellt sich gleich zu Beginn deiner Forschung schon die grundsätzliche Frage: Ja, WELCHE der Personal Projects dieser Person soll ich denn genauer erforschen? Alle? Das wird wohl nicht gehen, das sind ja viel zu viele. Also besser auf ein paar Personal Projects konzentrieren. Aber auf wie viele. Und vor allem: Auf welche? Wie kann ich auswählen, welche Personal Projects wichtig sind und welche nicht?Das ist, finde ich, eine ganz spannende Frage, die uns ja auch im Alltag beschäftigt: Welche Personal Projects sind wichtig und welche nicht? Wie wir dieses Problem im Alltag angehen, dazu sage ich später mehr. Jetzt verrate ich dir aber mal, wie Brian Little dieses Dilemma bei seinen Forschungen gelöst hat.  Er macht das folgendermaßen: Zuerst bekommt jeder Teilnehmer, der an so einer Personal Projects Analysis teilnimmt, 10 - 15 Minuten Zeit. In der Zeit soll der Teilnehmer alle Personal Projects aufschreiben, die ihm einfallen. Einfach alles, was ihm gerade durch den Kopf schwirrt. Dann, im Anschluss, wird der Teilnehmer aufgefordert, aus dieser Liste 10 Projekte auszuwählen, die der Teilnehmer gerade für besonders wichtig oder typisch in seinem Leben hält. Das heißt, Brian Little gibt überhaupt keine genaueren Kriterien vor, was genau unter „wichtig“ oder „typisch“ zu verstehen ist. Er überlässt vollkommen den Teilnehmern die Bewertung und die Auswahl. Er arbeitet einfach mit den Projekten weiter, die die TEILNEHMER gerade für wichtig oder typisch oder beides halten.  Das mag auf den ersten Blick ein bisschen willkürlich und unwissenschaftlich aussehen, aber dahinter steckt eine ganz, ganz spannende Überlegung. Und zwar folgende: Brian Little geht davon aus, dass jeder von uns der Experte seiner eigenen Personal Projects ist. Kein anderer Mensch der Welt kennt deine Personal Projects so gut wie du - auch kein Wissenschaftler. Das heißt, niemand auf der Welt kann besser entscheiden als du selbst, welche deiner Personal Projects gerade wichtig sind. Nur du kannst das einschätzen, und dafür gibt es auch keine wissenschaftlichen Kriterien. Deshalb versucht er erst gar nicht, irgendwelche Entscheidungsbäume oder Entscheidungskriterien aufzustellen, was ein Personal Project jetzt „wichtig“ macht und was nicht. Weil es keinen Sinn hat, weil jeder von uns seine ganz eigenen Maßstäbe davon hat, was wichtig ist und was nicht. Und da jeder von uns der Experte für sich selbst ist, kann Brian Little als Forscher auf dieses Expertenurteil vertrauen. Es bleibt ihm auch, ehrlich gesagt, gar nichts anderes übrig, weil diese Auswahlmethode vielleicht nicht perfekt ist, aber immer noch um Längen besser als jede andere. George KellyDie Idee, dass wir Menschen Experten für uns selbst sind, stammt übrigens von George Kelly. Kelly geht davon aus, dass jeder von uns quasi wie ein Forscher durch sein eigenes Leben geht und Hypothesen darüber aufstellt, wie die Welt funktioniert, was wichtig ist im Leben, wofür es sich zu arbeiten lohnt und so weiter. Diese Hypothesen nennt Kelly „Personal Constructs“, und diese Hypothesen überprüfen wir unser Leben lang. Wen diese Idee genauer interessiert, ich habe in der 2. Staffel des Podcasts eine ganze Episode über Personal Constructs gemacht, nämlich Episode 6. Ein ganz spannendes Konzept, mit dem sich viel von dem erklären lässt, was wir in unserem Leben so tun oder nicht tun. Okay, Zwischenfazit: Wenn wir uns die Frage stellen: Wie sollen wir unsere Personal Projects auswählen?, dann ist erstmal die Antwort von Seiten der Personal Projects Forschung folgende: Welche Projekte du auswählen sollst, das weiß kein Mensch der Welt besser als du selbst. DU bist der Experte, und daher bist DU der einzige Mensch der Welt, der die richtige Auswahl treffen kann. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich hat dieser Gedanke, dass ich - und nur ich - der Experte meiner Personal Projects bin, ziemlich stark beeindruckt. Nämlich vor dem Hintergrund, dass wir uns ja oft wünschen würden, es gäbe da jemanden, der uns sagen würde, was wir tun sollen und was nicht. Irgend eine Instanz, die klar definieren würde, was wichtig ist in unserem Leben und was nicht. Irgendwelche Entscheidungskriterien, die uns helfen zu entscheiden, dass dieses eine Personal Project wichtiger ist als jenes andere.  Aber das spielt es eben nicht. Wir selbst müssen diese Entscheidungskriterien entwickeln, und das dadurch, dass wir zu Er-Forschern von uns selbst werden und zu Experten darin, wie wir ticken. Und wie das in der Praxis bei mir ausschaut, dazu gleich mehr. Meine persönliche AntwortOkay, also wir haben bisher gesagt: Wie du die Personal Projects auswählst, die für dich im Moment wichtig sind, das liegt allein an dir. Weil nämlich: DU bist der Experte für dich selbst, und du hast daher das allerbeste Wissen, um diese Entscheidung für dich zu treffen. So weit, so gut. Aber was bedeutet das für den Alltag unseres Projekts Leben? Wie setze ich das konkret um? Mich hat diese Frage erst vorgestern wieder beschäftigt. Ich habe mir vorgestern nämlich ein paar Stunden Zeit genommen und meine Personal Projects festgelegt, auf die ich mich in den nächsten Monaten konzentrieren will. Ich hab das ja schon öfters gesagt, ich habe für mich so ca. 300 Personal Projects identifiziert, und die Herausforderung war nun: Auf welche 20 oder 30 fokussiere ich mich in den nächsten Wochen? Ich bin bei der Auswahl auch irgendwie so vorgegangen wie ein Teilnehmer bei einer Personal Projects Analysis: Ich habe einfach intuitiv entschieden, in dem Vertrauen, dass ich schon irgendwie weiß, was wichtig ist und was nicht. Und so machen wir es ja auch i...

  34. 68

    S07E01: Was genau ist ein Personal Project? (#67)

    Worum geht's in dieser Folge?Mit dieser Folge starte ich die siebente Staffel des Podcasts. Und für diese siebente Staffel habe ich mir ein Experiment vorgenommen, nämlich: Ich mache in dieser Staffel einen einzigen großen Buchclub. Und das Buch, das ich in dieser Staffel besprechen werde, ist „Personal Project Pursuit - Goals, Action, and Human Flourishing”. Es stammt aus dem Jahr 2007 und wurde herausgegeben von Brian R. Little, Katariina Salmela-Aro und Susan D. Phillips. Der aufmerksamen Hörerin, dem geneigten Hörer wird wahrscheinlich einer der Autoren bekannt vorkommen: Brian Little. Ich nenne ihn den Godfather der Personal Projects, und er ist der Begründer der Personal Projects Theorie, um die es ja in diesem Podcast im Grunde geht. Naja, jedenfalls war der Plan - und das habe ich in der letzten Folge, am Ende der sechsten Staffel angekündigt -, dass ich dieses Buch lese und meine Learnings dafür in diesem Podcast für euch, meine lieben Hörerinnen und Hörer aufbereite. Damit ihr dieses Buch nicht auch lesen müsst, sondern ihr das Nützlichste einfach bei mir im Podcast anhören könnt. Na gut, zu Beginn ist vielleicht die Frage angebracht: Wie ist es mir mit diesem Personal Project, das Buch zu lesen,  gegangen?  Naja, schlechter als gedacht, um ehrlich zu sein. Es ist ein wissenschaftliches Buch, das war mir von Anfang an bewusst, und es ist in Englisch geschrieben. Von da her war mir klar, dass das nicht so einfach werden würde. Aber WIE langsam ich weiterkommen würde, das habe ich dann doch unterschätzt. Ihr müsst euch das nämlich so vorstellen: Da gibt es Seiten im Buch, da steht in jedem Satz etwas super Spannendes drinnen. Die heutige Folge zum Beispiel, das ist im Buch nur eine einzige Seite. Aber die ist so dicht gefüllt mit Informationen, ein Wahnsinn. Und was dann noch dazu kommt: Wenn ich das lese, dann fallen mir selber noch zusätzlich Sachen dazu ein. Das heißt: Ich lese einen Satz, dann versuche ich ihn zu verstehen (nämlich wirklich zu verstehen) - und dann denke ich nach, was mir dazu noch einfällt, was der für mich bedeutet - und was er für das ganz praktische Personal Project Management bedeuten könnte. Insgesamt eine sehr spannende Sache, aber noch viel aufwändiger, als ich dachte. Aber das soll eure Sorge nicht sein. Das Projekt geht wie geplant über die Bühne: Diese siebente Staffel widmet sich meinen Learnings aus diesem Buch. Und in der heutigen Folge klären wir etwas ganz Grundsätzliches: Was ist eigentlich ein Personal Project? (Im Buch übrigens auf den Seiten 25 und 26). Fünf Punkte, die ein Personal Project ausmachenDer eine oder andere Hörer wird sich jetzt vielleicht fragen: Was? Günter, das ist jetzt die 67. Podcast-Folge, und JETZT erklärst du, was ein Personal Project ist? Ist das nicht reichlich spät? Naja, das könnte man zwar so sehen, aber: Natürlich habe ich das auch schon früher erklärt, nämlich genauer gesagt in der allerersten Podcast-Folge. Insofern ist das hier keine Premiere. Aber mir ist ein anderer Aspekt viel wichtiger: Ich glaube, es tut uns allen gut, uns wieder mal „back to the roots” zu begeben und zwischendurch mal so eine grundsätzliche Folge zu machen. Sich mal wieder zu vergegenwärtigen, wie die Idee der Personal Projects eigentlich aus Sicht der Psychologie aussieht - und nicht nur aus Sicht des Managements, so wie ich den Schwerpunkt in diesem Podcast lege.  Also, möchte ich euch in dieser Folge auf ein Blitz-Studium in Psychologie einladen und mit euch Punkt für Punkt klären, was genau ein Personal Project ist. Und es sind fünf Punkte, die wir da beachten müssen. Okay, legen wir los: Wie definiert Brian Little nun ein Personal Project? Er sagt, ich zitiere: „Personal Projects are extended sets of personally salient action in context.” Und das könnte man folgendermaßen übersetzen: „Personal Projects sind erweiterte Sets von persönlich herausragenden Handlungen in einem Kontext.” Ich bin mir nicht sicher, ob der Satz durch die Übersetzung klarer geworden ist. Ich wiederhole ihn nochmal: „Personal Projects sind erweiterte Sets von persönlich herausragenden Handlungen in einem Kontext.” Na gut, schauen wir uns das jetzt mal Punkt für Punkt an.  1) „Personal Projects sind ERWEITERTE Sets von persönlich herausragenden Handlungen.” Was bedeutet nun dieses „erweitert”? Personal Projects sind Unternehmungen, die sich über einen längeren Zeitraum und/oder über weitere Räume erstrecken. Das ist etwas, das länger dauert - oder zumindest länger dauern kann.  Nur ganz selten werden Personal Projects in einer ununterbrochenen Aktion erledigt. Meistens teilt sich das auf. Man arbeitet an einem Tag ein bisschen dran, dann macht man eine Pause, dann geht es an einem anderen Tag weiter. Mal ein paar Minuten, mal eine Stunde.  Personal Projects erstrecken sich typischerweise über Stunden, manchmal über Tage, vereinzelt über Jahrzehnte. Und mit manchen Personal Projects wird man in seinem Leben gar nicht fertig. Das alles ist gemeint mit „erweitert”. 2) Personal Projects sind erweiterte SETS von HandlungenDas bedeutet, dass Personal Projects nur sehr selten aus einer einzelnen Handlung bestehen, sondern eher aus einem Bündel (also einem Set) von Handlungen, die miteinander verwoben sind.  So wie in einem echten Projekt gibt es nächste Schritte, übernächste Schritte, Zwischenschritte, Zwischenziele, Projektziele, Zwischenergebnisse, Projektergebnisse und so weiter.  Personal Projects sind also in den allermeisten Fällen „work in progress”, wo ein Teil erledigt ist und ein anderer Teil noch fehlt. Meiner Erfahrung nach ist meistens der größere Teil der, der noch fehlt... Was noch dazu kommt: Für Außenstehende ist nicht immer klar erkennbar, dass und wie diese zusammengehörenden Handlungen miteinander verbunden sind. Als Außenstehender ist nicht immer klar, was genau eine konkrete Handlung für das Projekt bringen soll. Denken wir zum Beispiel an eines meiner Lieblings-Personal Projects: Eine Hochzeit planen. Wer selbst noch die durch die Freuden und Schmerzen dieses Projekts gegangen ist, kann gar nicht verstehen, was da alles zu tun sein könnte. Aber selbst wenn man schon Hochzeits-erfahren ist, kann es gut sein, dass man so manches nicht nachvollziehen kann, das ein anderes Paar bei ihrer Hochzeitsplanung tut oder nicht tut.  Das heißt, diese Sets, dieses Bündel an Handlungen, das ist nicht immer gleich - selbst wenn es sich um ähnlich gelagerte Projekte wie eine Hochzeit handelt. Gut möglich, dass es sogar noch nie zwei Hochzeiten gegeben hat, die genau das gleiche Set an Handlungen gehabt haben.  3) Personal Projects sind „persönlich herausragend”. Der psychologische Fachbegriff dafür lautet „salient”. Salient bedeutet, dass es für einen Menschen hervorstechend ist, also eine besondere Bedeutung hat. Umgelegt auf Personal Projects bedeutet das: Aus dem unendlichen Feld der Möglichkeiten, was wir in unserem Leben tun könnten, stechen die die Personal Projects heraus. Damit ein Projekt für einen Menschen überhaupt zu einem Personal Project werden kann, muss es für diesen Menschen salient sein. Mit anderen Worten: Es darf diesem Menschen nicht vollkommen am A… vorbei gehen.  Wenn jemand z.B. für die Jagd nichts übrig hat, dann ist es höchst unwahrscheinlich,...

  35. 67

    S06E10: Staffelfinale der 6. Staffel (#66)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist bereits das Staffelfinale dieser 6. Staffel von [Projekt: Leben]. In dieser Folge möchte ich wie in jedem Staffelfinale einen kurzen Rückblick auf die abgelaufene Staffel machen, einen Ausblick auf die kommende 7. Staffel geben und dazwischen auch einen kurzen Blick hinter die Kulissen des Podcasts werfen.RückblickWorum ist es denn in dieser 6. Staffel von [Projekt: Leben] gegangen? Naja, das Überthema war „Personal Project Management”, also die Idee, mal ein bisschen genauer hineinzuleuchten in das konkrete Management unserer Personal Projects. Begonnen habe ich in der ersten Episode mit der Frage, ob sich unser Leben überhaupt managen lässt - also überhaupt mal zu schauen, ob es nicht eigentlich völlig sinnlos ist, sowas wie Personal Project Management machen zu wollen, weil das Leben ohnehin kommt, wie es kommt. Wenig überraschend habe ich da ein bisschen eine andere Sicht, und das habe ich in dieser ersten Folge erklärt. In der zweiten Folge ging es dann um das „Warum” deiner Personal Projects. Für mich ist das Warum DIE zentrale Frage, die wir Personal Project Manager beantworten müssen, bevor wir mit einem Projekt überhaupt starten. Warum will ich mir das überhaupt antun? Worum geht es mir dabei, was soll dabei raus kommen? Und wenn wir das Warum geklärt haben, dann reicht es meistens, den nächsten Schritt des Projektes zu definieren. Und genau darum, um den nächsten Schritt, ging es in der dritten Folge.  Die vierte Folge beschäftigte sich dann mit Projekten, die etwas mehr Planung brauchen, und da habe ich die Methode der „natürlichen Projektplanung” vorgestellt, mit der sich auch umfangreichere Projekte sehr intuitiv in den Griff bekommen lassen. Die Folgen fünf und sechs waren dann dem Controlling unserer Personal Projects gewidmet. Zuerst habe ich versucht zu erklären, warum das Controlling unserer Personal Projects so wichtig ist, und dann habe ich einen Einblick gegeben, wie ich selbst ganz konkret strategisches und operatives Controlling in meinen eigenen Personal Projects mache. Folge sieben war dann ein Philosophicum, wo ich über den Unterschied zwischen simplen, komplizierten, komplexen und chaotischen Projekten philosophiert habe.  In Folge acht gab’s ein Interview mit Gernot Schwendtner, mit dem ich darüber gesprochen habe, was wir Personal Project Manager von Start-ups lernen können. In der Folge der vorigen Woche, Folge neun, habe ich mit Martin Schmidt einen Buchclub abgehalten, wo wir dieses Mal eine Podcast-Miniserie von Jesta Phoenix besprochen haben, nämlich zum Thema: Warum du wirklich bei deinen Projekten nicht weiter kommst.  Ja, und mit dieser heutigen Folge, dem Staffelfinale, ist diese sechste Staffel auch schon wieder komplett. Okay, das mal als kurzer Rückblick. Wenn du die eine oder andere Folge noch nicht gehört haben solltest, hier meine Einladung, die gerne noch anzuhören. Ich denke, es lohnt sich für dich. Wie geht es denn eigentlich dem Podcast?Ich werde ja immer wieder mal gefragt, wie es mir mit dem Podcast geht und wie viele Hörer ich habe und so weiter. Zuerst mal: Mir geht es mit dem Podcast super. Mit der heutigen Folge habe ich 66 Episoden produziert, und mir macht das wirklich viel Spaß. Die Ideen und Themen gehen mir noch lange nicht aus, und so gesehen kann’s noch viele weitere Folgen von [Projekt: Leben] geben. Was die Hörerzahlen betrifft… Im letzten Staffelfinale habe ich ja gesagt, ich hatte bisher knapp 5.000 downloads meines Podcasts. Und darauf war ich schon mächtig stolz. Aber jetzt stellt euch vor: Seither, also seit April 2019, das heißt in den letzten drei Monaten, sind nochmals fast 2.000 downloads dazu gekommen. 2000! Für mich ist das unglaublich. So viele Menschen hören meinen Podcast! Insgesamt sind es schon fast 7.000 downloads. Also, das hätte ich mir nie gedacht. Damit hätte ich nie gerechnet. Daher an dieser Stelle auch dir, liebe Hörerin, lieber Hörer, ein ganz, ganz herzliches Dankeschön, dass du mir dein Ohr leihst, und das immer und immer wieder. Du machst mir damit eine wirklich große Freude, das kann ich dir sagen. Okay, in other news.. Podcast Helden KonferenzJedes Jahr so Mitte Mai findet in Düsseldorf die Podcast Helden Konferenz statt. Die wird von Gordon Schönwälder organisiert, und das ist ein super Treffpunkt, um andere Podcaster kennenzulernen und auch neue Inspirationen für den eigenen Podcast zu bekommen. Ich war auch heuer wieder dabei, zum zweiten Mal bereits, und diesmal habe ich dort sogar einen kleinen Workshop gehalten.  Der Workshop war zum Thema „Didaktik für Podcaster”. Weil ich ja vom Beruf Trainer bin - was heißt Beruf, das ist schon mehr eine Berufung -, habe ich mir mal überlegt, wie man mit Ideen aus Didaktik und Pädagogik einen Podcast noch besser gestalten kann. Einiges davon ist auch in diesem Podcast umgesetzt, sozusagen unter der Motorhaube, und in meinem Workshop habe ich 10 Tipps gegeben, was man didaktisch so an seinem Podcast verbessern könnte.  Klicke hier zum AnhörenGordon Schönwälder hat diesen Workshop und alle anderen als einen eigenen Podcast herausgebracht. Übrigens ist da auch ein Workshop von Jesta Phoenix dabei, wo sie auch über das Thema „Warum du wirklich bei Projekten nicht weiterkommst” spricht. Hier der Link.Ausblick auf die 7. StaffelSo, zum Abschluss: Wie geht es weiter mit [Projekt: Leben]? Zunächst mal geht der Podcast in eine Sommerpause. Das heißt, bis Anfang September gibt es keine neuen Podcast-Folgen. Das gibt erstens mir ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen, und vielleicht auch der einen oder anderen Hörerin oder Hörer die Möglichkeit, ein paar ältere Folgen nachzuhören, die sie vielleicht noch nicht gehört haben. Die älteren Podcast-Folgen sind übrigens wie guter Wein: Die werden mit der Zeit immer besser! :) Aber ernsthaft: Wenn du magst, dann hört dir gerne ein paar Folgen aus dem Archiv an. Und wenn du schon alle meine Folgen gehört haben solltest, dann gebührt dir erstens die goldene [Projekt: Leben] Medaille und zweitens habe ich die Erfahrung gemacht, dass es manchmal echt sehr inspirierend ist, die Lieblingsfolgen auch...

  36. 66

    S06E09: Buchclub: Warum du wirklich bei Projekten nicht weiterkommst - Podcast-MiniSerie von Jesta Phoenix (#65)

    Worum geht's in dieser Folge?Wir haben heute wieder eine Ausgabe unseres allseits beliebten Buch-Clubs. Das wird besonders meine Hörerinnen und Hörer auf Spotify freuen, denn dort sind diese Buchclub-Folgen besonders beliebt. Und bei mir zu Gast ist wie immer - Martin Schmidt.Wobei, wenn wir ganz ehrlich sind… das ist heute gar kein richtiger Buchclub, sondern eher sowas wie ein Podcast-Club. Oder ein Hörbuch-Club. Denn heute starten wir ein kleines Experiment und probieren was Neues.Also, wir sprechen heute über eine Podcast-Miniserie mit dem Titel: Warum du wirklich bei Projekten nicht weiterkommst.  Was kann man sich da drunter vorstellen? Naja, das sind vier zusammenhängende Podcast-Folgen, jede so ca. 20 Minuten lang, aus einem Podcast, der heißt „Slow Business Coach” und wird gemacht von Jesta Phoenix. Jesta nennt den Podcast einen „Podcast für visionäre Pragmatiker”, und insgesamt gibt es schon über 60 Folgen. Martin und ich, wir haben uns diese vier Folgen angehört und tun mal so, als wäre es ein Buch, das wir da zu besprechen haben. Wie gesagt, in Wirklichkeit ist es aber was zum Anhören. #1: Inhalt: Worum geht es in diesen Podcasts?Die Podcast-Serie beschäftigt sich mit der Erörterung der Frage, warum man bei Projekten nicht weiterkommt. Dabei hat Jesta Phoenix vier Hauptkomponenten herausgearbeitet und sie jeweils in eine eigene Podcast-Folge verpackt:Du und die Struktur: Wenn ich nur eine ordentliche Struktur hätte. Wenn ich nur endlich ein gescheites To-Do-System hätte. Du und die Disziplin: Hach, ich müsste einfach nur in die Puschen kommen... Du und die Zeit: Wenn ich nur Zeit hätte, dann würde ich... Du und die Erlaubnis: Wir suchen nach Erlaubnis im Außen, wenngleich die Erlaubnis nur von Innen kommen kann. Der Sinn des Podcastes ist, die missverstandenen bzw. die wahren Gründe für das Nicht-Weiterkommen herauszufinden. Jesta Phoenix hat in ihren Coachings die Erfahrung gemacht, dass die meisten ihrer Klienten und Klientinnen am Anfang ganz andere Gründe nennen, als zum Ende der Analyse. Martins Bewertung: Man merkt Frau Phoenix an, dass sie weiß, wovon sie spricht und auch großen Praxisbezug zum Thema hat. Die Inhalte sind sehr interessant. Hier tue ich mir heute ein wenig schwer mit Schulnoten. Irgendetwas im Bauch hält mich davon ab, die Bestnote zu geben, kann es aber gar nicht so genau erklären, warum. Aber auch das ist ja eine wichtige Aussage in diesem Podcast: seinem Bauchgefühl zu vertrauen. Das mache ich jetzt einmal und gebe die Note 1-2. Günters Bewertung: Was Jesta Phoenix sagt, hat Hand und Fuß. Mir gefällt auch sehr , dass Jesta ein bisschen einen psychologischen Ansatz hat. Note: 1#2: VerständlichkeitJesta Phoenix hat eine angenehme Stimme und ihre Sprechgeschwindigkeit ist auch so, dass man den Inhalten gut folgen und nicht immer „gedanklich hinterherhetzen“ muss. Es ist sehr angenehm, ihr zuzuhören.Jede einzelne Folge ist gut strukturiert und bringt sowohl theoretische Background-Informationen zum Thema als auch praktische Werkzeuge und Übungen, das Ganze gleich in die Praxis umzusetzen. Martins Bewertung: Ich hätte jetzt ehrlich gesagt keine Idee, wie man den Podcast noch verständlicher aufbereiten hätte können. Daher gibt es hier auch ein klares „Sehr gut“ von mir. Günters Bewertung: Da gibt es nichts auszusetzen. Note: 1#3: Nützlichkeit und Learnings für Personal ProjectsEs sind einige konkrete Dinge dabei, die man sofort umsetzen kann, wie beispielsweise die 6-Hüte-Methode von Edward de Bono oder die Motivationstypologie von Gretchen Rubin. Man muss natürlich sagen: Über dieses Thema kann man fast endlos sprechen, und es wären wahrscheinlich auch locker möglich gewesen, 20 oder 30 Podcast-Folgen mit interessanten Inhalten zum Thema zu füllen. In diesen vier Folgen wurden aber wirklich wesentliche Dinge herausgearbeitet und auch alles gut auf den Punkt gebracht.Einige konkrete Learnings zum Mitnehmen:Hol dich da ab, wo du bist. Nimm die Struktur, Werkzeuge, Gewohnheiten, die du eh schon hast. Da bist du eh schon nah dran am Perfekten. Beobachte dich und entwickle das weiter. Du wirst langfristig nur dem folgen, was dir gut tut. „Eigentlich müsste ich nur machen…” - Ja, wenn es so einfach wäre, dann hättest du es schon gemacht! „Ich glaube nicht an Disziplin als Allheilmittel. Manchmal hat der Schweinehund auch recht.” Manchmal ist der Schweinehund auch ein guter Wachhund. Der notwendige nächste Schritt kann auch eine Auszeit sein: „Auszeit ist einfach das Gegenteil dessen, von dem du gerade zu viel hast.” (Gerade jetzt für den Sommer vielleicht ein guter Tipp!) „Welche Erlaubnis brauchst du, um das Projekt in die Welt zu bringen?" z.B. die Erlaubnis, Angst zu haben; es unperfekt zu machen; es auf meine Art zu machen... Diese Erlaubnis kann dir niemand von außen geben... Projekte als Experimente sehen Siehe auch das Philosophicum Folge über komplexe ProjekteMartins Bewertung: Die vorgestellten Werkzeuge und auch der theoretische Background haben mich auf jeden Fall wieder ein wenig schlauer gemacht. Viel mehr ist in dieser kurzen Podcast-Serie auch nicht möglich. Darüber hinaus gibt es ja auch noch Shownotes zu jeder einzelnen Folge, in der man das Wissen anhand der angeführten Links auch noch vertiefen kann. Insgesamt also auch hier für mich ein „Sehr gut“. Günters Bewertung: Ich beschäftige mich jetzt wirklich intensiv mit allem rund um Personal Projects und auch mit Selbstmanagement, und dennoch habe ich einige wirklich gute und inspirierende Anregungen bekommen. Also, das hat schon Hand und Fuß! Über die vier Folgen hin ist es vielleicht ein bisschen redundant. Andererseits: Man soll die Folgen ja auch einzeln hören können, ohne die anderen gehört haben zu müssen. Von da her ist das schon okay. Note: 1  #4: Wow-Faktor und Empfehlungs-FaktorMartins Bewertung: Ich kann mir vorstellen, dass das Thema nicht jeden fesselt. Für alle, die ihren Projekt-Schweinehunden allerdings ein wenig auf den Zahn fühlen wollen, kann man eine klare Empfehlung aussprechen. Der Wow-Faktor ist bei mir dennoch ein wenig ausgeblieben. Dafür war mir die ganze Serie dann vielleicht auch ein wenig zu unspektakulär. Das ist jetzt auch vielleicht ein wenig ungerecht, weil die Nüchternheit und Sachlichkeit dem Podcast inhaltlich auch gut tut. Damit ich zum Stammhörer von Frau Phoenix werde, fehlt aber ein wenig die „Action“. Günters Bewertung: Ich empfehle den Podcast! Wenn nur alle Podcasts so wären! Diese Podcast-Miniserie ist sehr nah an dem, was ich mir auch denke. Das passt sehr gut zum Personal Project Management Ansatz, da schwimmen wir auf einer Wellenlänge. Ich muss aber dazu sagen: Ich habe aber noch nicht viele andere Podcast-Folgen von Jesta Phoenix gehört. Kann daher nicht für den Podcast an sich sprechen. Dennoch: Hört euch das ruhig an und schaut mal, ob euch das gefällt. Und wenn, dann abonniert den Podcast, Jesta wird sich freuen. Note: 1Wen das Thema "Sel...

  37. 65

    S06E08: Was können wir von Start-ups lernen? Interview mit Gernot Schwendtner (#64)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist ein Interview mit Gernot Schwendtner. Gernot ist nicht nur ein cooler Typ und lieber Freund, sondern auch ein Experte, was Start-ups betrifft. Mit seinem Unternehmen weGrow berät er Start-ups in Sachen Wachstum. Er lebt und arbeitet in Amsterdam, wo es von Start-ups nur so wimmelt.Gemeinsam mit Gernot gehe ich in dieser Folge der Frage nach: Was können wir Personal Project Manager davon lernen, wie Projekte in Start-ups gemanagt werden?Ein spannende Punkte aus dem Interview mit Gernot Schwendtner:Start-ups arbeiten sehr "dynamisch". Das bedeutet: Vieles ist möglich, aber alles ist ungewiss. Man arbeitet und entscheidet ins Ungewisse hinein.Sprint = Man fokussiert kurzfristig die Ressourcen auf ein bestimmtes Problem/Projekt, bis es gelöst ist. Und dann erst kommt das nächste dran. OKR = Objectives and Key Results = Man nimmt sich nicht nur ein Ziel vor, sondern stellt auch ein konkretes Ergebnis (key result) dahinter, das erreicht werden soll. Anhand dieses key results lässt sich auch messen, ob man das Ziel erreich that. Stretch Goals = Sehr ambitionierte Ziele, für die man sich ziemlich anstrengen („strecken”) muss, damit man sie erreicht. 100% zu erreichen, ist bei Stretch Goals meist gar nicht möglich. Aber auch 80% bringen einen schon sehr weit.Nur 0,4% aller Start-ups schaffen es, wirklich groß zu werden. Als Start-up muss man also damit leben können, Fehler zu machen und auch zu scheitern. Hauptsache, man lernt daraus.Bei der Planung in Start-ups hilft das Denken in "three horizons" (= drei Horizonte): Schauen, das das aktuelle Geschäft möglichst glatt und ertragreich läuft.Gleichzeitig: Neue Produkte entwickeln, die mittelfristig Umsatz bringen sollen. Ideen und Visionen für die fernere Zukunft entwickeln.Hol dir den [Projekt: Leben] Newsletter!

  38. 64

    [S06E07]: Philosophicum: Simple, komplizierte, komplexe und chaotische Projekte (#63)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist wieder mal ein Philosophicum. Ein Philosophicum ist bei mir immer eine Folge, wo ich, wie der Name schon sagt, ein bisschen philosophieren will und ein bisschen in die Tiefe gehen will. Das ist dann vielleicht eine Folge, wo es weniger praktische Tipps und Tricks zum Mitnehmen für dich gibt, aber dafür nehmen wir uns die Zeit, gemeinsam nachzudenken über unser Leben und unsere Personal Projects, mit denen wir dieses Leben ausfüllen. Und in diesem Philosophicum geht es um simple, komplizierte, komplexe und chaotische Personal Project. Genauer gesagt geht es darum: Was der Unterschied ist zwischen einem simplen, einem komplizierten, einem komplexen und einem chaotischen Projekt und wie wir mit solchen Projekten jeweils umgehen sollten und welche Strategien in diesen Projekten jeweils sinnvoll sind. Ich denke, das könnte ganz spannend werden. Möge die Übung gelingen! Zuerst mal: Die Idee zur Unterscheidung zwischen simplen, komplizierten, komplexen und chaotischen Projekten habe ich vom so genannten Cynefin (sprich Kjunefin) Modell. Dieses Modell kommt eigentlich aus der Systemtheorie und beschreibt verschiedene Systeme. Es wurde vom Wissenschaftler David Snowden und der Beraterin Mary E. Boone entwickelt und ist eigentlich dafür gedacht, Führungskräften dabei zu helfen, die richtigen Entscheidungen in den jeweils unterschiedlichen Situationen zu treffen. Als ich dieses Modell gesehen habe, habe ich mir sofort gedacht: Günter, das passt auch super zu Personal Projects. Daraus musst du unbedingt eine Podcast-Folge machen. Naja, und hier ist sie! 1. Simple ProjekteSimple Projekte sind Projekte, die durch einfache wenn-dann-Beziehungen gekennzeichnet sind. Das heißt, das sind Projekte, wo du sehr zuverlässig sagen kannst: Wenn ich das mache, dann wird das geschehen. Also zum Beispiel: Ein Projekt wie „Urlaub planen”. Das ist - normalerweise zumindest - ein simples Projekt. Da gibt es eine Liste von Aufgaben, die zu erledigen sind, aber jede für sich ist ziemlich simpel: Wenn du z.B. auf ein Reiseportal im Internet gehst und dort Urlaubsdestination und Datum eingibst, dann wirst du Vorschläge bekommen. Also eine ganz eindeutige wenn-dann-Beziehung. Wenn du dort was buchen willst, wirst du mit Kreditkarte bezahlen können - oder müssen. Wenn du mit Kreditkarte bezahlt hast, wird das Hotel für dich zum Wunschtermin ein Zimmer frei haben. Wenn du keine zusätzliche Reiseversicherung buchst, wirst du im Schadensfall keine Versicherungsleistung bekommen. Und so weiter, und so fort.Ein simples Projekt kann also aus einer Vielzahl von einzelnen Arbeitsschritten bestehen. Aber jeder einzelne Schritt hat eine ganz einfache Struktur: Wenn du das und das machst, wird das und das geschehen. Wenn du das und das nicht machst, wird das und das nicht geschehen. Also jeder einzelne Schritt für sich ist relativ simpel. Die Menge an notwendigen Schritten kann das Projekt zwar anstrengend machen, aber mit ein bisschen Ruhe und Konzentration solltest du jeden einzelnen der Schritte selber bewältigen können. Deshalb brauchen viele Menschen, Dank des Internets, heute kein Reisebüro mehr für die Buchung ihres Urlaubs.Andere Beispiele für simple Projekte wären Projekte wie „Endlich mein Fahrrad reparieren” oder „Die Prüfungen meiner Schüler korrigieren” oder auch „Beim Kasperltheater im Kindergarten meines Sohnes mitspielen”. Diese Projekte sind zwar mehr oder weniger aufwendig, aber von ihrer Struktur her, von dem, wie das Projekt insgesamt ablaufen wird, sehr überschaubar und auch vorhersehbar. Wir haben intuitiv einen recht guten Plan davon, wie wir vorgehen müssen - nicht zuletzt, weil wir von ähnlichen Projekten, die wir im Laufe unseres Lebens gehabt haben, wissen, wie man solche Projekte angeht - und wie besser nicht.Die Mehrzahl unserer Personal Projects sind simple Projekte. Gott sei Dank, wie wir sehen werden. Denn bei den nächsten Projekten wird es schon kompliziert. 2. Komplizierte ProjekteUnd damit sind wir auch schon bei den komplizierten Projekten. Was macht ein Projekt zu einem komplizierten Projekt?Naja, in erster Linie die Tatsache, dass man zur Erledigung dieses Projekts Expertenwissen braucht. Und wenn man es selbst nicht hat, dann muss man sich für komplizierte Projekte Berater oder Helfer dazu holen, weil man es alleine nicht bewältigen kann.Ein Beispiel für ein kompliziertes Personal Project wäre „Wir bekommen ein Baby”. Überleg dir mal, wie viele Experten mit ihrem Expertenwissen rund um die Geburt, von der Feststellung der Schwangerschaft bis zum Verlassen des Krankenhauses, an diesem Projekt mitarbeiten. Das sind unglaublich viele! Da ist z.B. die Gynäkologin, die Hebamme, die Krankenschwestern, die Beamten am Standesamt, die unzähligen Ratgeberbücher rund um die Geburt, da gibt es Geburtsvorbereitungskurse, da bekommt man Ratschläge und Tipps von den Eltern und von den Schwiegereltern und von Freunden und von wildfremden Menschen. Also eine Menge Menschen, die ihr Expertenwissen ins Projekt einbringen, weil man selbst, als werdende Eltern, gar nicht das ganze Wissen hat, das nötig wäre, um dieses Projekt zu bewältigen. Man wird zwar mit jeder weiteren Schwangerschaft immer kompetenter, und das Projekt wird weniger kompliziert - das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, beim zweiten Kind ist man schon viel entspannter als beim ersten - aber trotzdem: Auch bei der fünften Schwangerschaft wird man noch immer Expertenhilfe brauchen, weil das Projekt „Wir bekommen ein Baby” immer kompliziert bleiben wird.Komplizierte Projekte lassen sich also nur dadurch lösen, dass wir uns jene Kompetenzen und jenes Wissen dazu holen, das wir selbst nicht haben, um das Projekt erfolgreich abzuschließen. Andere komplizierte Projekte wären zum Beispiel „Bei den Eltern ausziehen und die erste eigene Wohnung suchen” oder „Mein Testament machen”. Alle Dinge, die wir zum ersten Mal machen und die sehr starke Auswirkungen auf unser weiteres Leben haben werden, sind tendenziell kompliziert - aber noch nicht notwendigerweise komplex.Womit wir auch schon bei der nächsten Kategorie wären. 3. Komplexe ProjekteWir haben ja gesagt, dass uns bei komplizierten Projekten das Wissen oder die Kompetenz fehlt, um selbst das Projekt zum Erfolg zu bringen. Deswegen müssen wir uns Experten dazu holen. Aber wenn wir das tun, dann haben auch komplizierte Projekte eine sehr hohe Chance, gut über die Bühne zu gehen. Weil die Experten ja wissen was sie tun. Man könnte auch sagen: Für eine Hebamme, die einige Jahre im Geschäft ist, ist eine Geburt kein kompliziertes, sondern wahrscheinlich ein ziemlich simples Projekt. Zumindest die allermeisten Geburten. Daher können wir uns bei komplizierten Projekten ziemlich gut darauf verlassen, dass wenn wir tun, was die Experten sagen, das Projekt einen guten Abschluss finden wird. Bei komplexen Projekten ist das anders. Komplexe Projekte haben so viele Variablen, so viele Ungewissheiten, dass es nicht mehr möglich ist vorauszusagen, was passiert, wenn wir das oder das tun. Und auch Experten helfen uns dabei nicht mehr. Bei komplexen Projekten kann dir einfach niemand sagen, was passieren wird, wenn du etwas tust oder etwas nicht tust. Ein Beispiel für ein komplexes Projekt ist „Mein eigenes Unternehmen gründen”. Das ist mehr als kompliziert, das ist komplex. Weil dir bei so einem Projekt niemand im Vorhinein sagen kann, was du tun sollst, damit du Erfolg hast. Der Erfolg deine...

  39. 63

    [S06E06]: Personal Project Controlling II (#62)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge ist die Fortsetzung zur letzten Folge, in der es um Personal Project Controlling gegangen ist - was das eigentlich ist und wofür das aus meiner Sicht gut ist.In der heutigen Folge möchte ich diesen Gedanken noch ein bisschen weiterspinnen und euch erzählen, wie ich persönlich ganz konkret Personal Project Controlling in meinen Personal Projects umsetze. Dabei werde ich dir auch den Unterschied erklären zwischen strategischem Controlling und operativem Controlling.Strategisches und operatives Controlling - echt jetzt?Zuerst mal muss ich was ansprechen, das ich immer wieder mal höre. Ich bin ja vom Beruf her Trainer für Betriebswirtschaft. Und Menschen, die das wissen und mich kennen, für die stehe ich so ein bisschen im Verdacht, ein bisschen unlocker zu sein und ab und zu dabei zu übertreiben, wenn ich Managementwissen auch auch mein Privatleben umlegen will.  Und ich denke, so könnte es auch in dem Fall sein: Der Gedanke, in seinem Leben strategisches und operatives Controlling zu machen… ich könnte mir vorstellen, dass der mitunter, naja, sagen wir, Skepsis auslöst. Schieße ich da nicht etwas über das Ziel hinaus? Ist es wirklich notwendig, sein Leben so zu verwirtschaftlichen und zu vermanagen? Berechtigte Frage. Ich habe folgende Antworten drauf: Natürlich ist das nicht notwendig. Was ist schon wirklich notwendig im Leben? Du kannst selbstverständlich auch Glück und Zufriedenheit finden, wenn du kein strategisches oder operatives Controlling in deinen Personal Projects machst. Aber ich halte Folgendes dagegen: Das Ziel meines Podcasts - und warum ich diesen Podcast überhaupt mache - ist ja, dass ich euch die Managementtechniken „aus der Wirtschaft” vorstelle, die aus meiner Erfahrung - und das ist wichtig: aus meiner eigenen persönlichen praktischen Erfahrung, also nicht nur theoretisch - die eben aus meiner Erfahrung echt nützlich sind. Und ich denke mir: Wenn sie für mich nützlich sind, sind sie das vielleicht auch für meine Hörerinnen und Hörer. Und in diesem Fall, wo es um strategisches und operatives Controlling geht, kommt noch etwas dazu, was typisch ist für die Betriebswirtschaftslehre: Die BWL geht sehr häufig her und nimmt Dinge des Alltagslebens, die einem eigentlich eh der gesunde Hausverstand sagen würde, und gibt diesen Dingen dann komplizierte Namen und verwissenschaftlicht das dann. Das findet man sehr häufig in der BWL. Daher: Dieses Konzept von strategischem und operativem Controlling stelle ich euch in dieser Folge nicht deswegen vor, weil ich so ein Freak bin und Spaß daran habe, mein Leben zu ver-BWL-isieren. Sondern es ist genau umgekehrt: Etwas, das im Alltag sehr nützlich ist, hat Einzug in die BWL gefunden. Dort hat es dann ein paar lateinische Fachbegriffe als Namen bekommen, dort klingt es ein bisschen komplizierter, ... aber es ist immer noch das gleiche praktische und alltagstaugliche Prinzip. Und dieses nützliche Prinzip möchte ich euch heute hier vorstellen. Was ist der Unterschied zwischen strategischem und operativem Controlling? „Strategisch”, das bedeutet so viel wie langfristig. Da geht es um das große Ganze, da betrachten wir einen Zeitraum ab einem halben Jahr bis hin zu 2, 3 Jahren. Da geht es um die langfristige Perspektive, unsere langfristigen Pläne, Ziele und Träume. „Operativ” bedeutet hingegen, dass wir uns um die alltäglichen, sehr praktischen Dinge kümmern. Also da geht es um das „daily busines”. Beim operativen Controlling schauen wir also, dass das, was wir jeden Tag so tun, möglichst rund läuft. Okay, das mal zum Unterschied zwischen strategisch und operativ. Schauen wir uns beide jetzt noch genauer an und beginnen wir mit dem strategischen Controlling. Strategisches Controlling meiner Personal Projects Beim strategischen Controlling unserer Personal Projects geht es also um unsere längerfristige Perspektive. Es geht darum zu entscheiden, welche Strategie wir für unsere Personal Projects haben wollen - sagen wir für das nächste halbe Jahr oder Jahr. Und dabei geht es im Grunde um eine einzige Frage, und zwar: Welche Personal Projects sind im nächsten halben Jahr für mich wichtig und relevant - und, vielleicht noch wichtiger: Welche nicht? Es geht also darum, eine Auswahl zu treffen: An welchen Projekten will ich aktuell arbeiten? Und das strategische Controlling sorgt dann dafür, dass wir diese Auswahl dann auch möglichst gut einhalten. Wie sieht das konkret bei mir aus. Naja, ich habe, das habe ich schön öfter gesagt, aktuell so ca. 300 Personal Projects. Es ist wahrscheinlich klar und logisch, dass ich nicht an 300 Projekten gleichzeitig arbeiten kann. Also muss ich eine Auswahl treffen. Und wie mache ich das? Ich wähle nach dem Pareto-Prinzip aus. Das Pareto-Prinzip besagt in dem Fall, dass du mit 20% deiner Personal Projects 80% deines aktuellen Lebens gemanagt bekommen wirst. Konkret heißt das für mich: Ich suche mir die 60 Projekte heraus, an denen ich in den nächsten paar Monaten arbeiten möchte. Und der Rest? Der bleibt „on hold”. Ja, an 240 meiner 300 Projekte arbeite ich zur Zeit überhaupt gar nicht. Anders würde das gar nicht gehen. Weil: Zu viele Projekte bedeutet: Es geht insgesamt nichts weiter, weil sich die Energie einfach auf zu viele Projekte verteilt. Wobei sich natürlich auch argumentieren lässt: 60 Projekte sind auch schon sehr viel. Stimmt wahrscheinlich. Aber weniger geht momentan nicht... bilde ich mir halt ein.   Jedenfalls, ca. Alle 3 Monate nehme ich mir einen Vormittag Zeit und gehe mit mir in Klausur. Dafür gehe ich gerne aus dem Haus. Ein Ortswechsel öffnet den Blick auf das Wesentliche und hilft mir, festgefahrene Gedankenautobahnen zu verlassen. Ich schaue mir dann die Liste mit allen meinen Projekten durch und wähle die 20% der Projekte aus, an denen ich in den nächsten Monaten arbeiten will - oder muss. Diese Projekte sind dann meine Fokus-Projekte für die nächsten drei Monate. Und bei dieser Auswahl bleibe ich dann auch - so gut ich kann. Bis zur nächsten Vormittags-Klausur soll ich an dieser Auswahl möglichst nicht rütteln. Das bedeutet: „Neue” Fokus-Projekte darf ich erst bei der nächsten Klausur wieder „annehmen". Jedes neue Personal Project muss also bis zur nächsten Klausur warten, wo ich dann entscheide, ob es mir wichtig genug ist, dass ich mich wirklich intensiver darum kümmere. So zumindest die Idee. Natürlich: Das Leben passiert einfach und kümmert sich nicht um meine 3-Monats-Frist. Da kommt immer wieder mal plötzlich was dazu, eh klar. Aber zumindest versuche ich, nicht auch noch aktiv zu diesem Projektzuwachs beizutragen. Diese Wartezeit hat nämlich den Vorteil, dass ich mich nicht so leicht von spontanen Projekten ablenken lasse, die zwar im Moment gut klingen, bei denen aber schon nach kurzer Zeit meine Begeisterung wieder nachlassen würde. Das wäre also mein strategisches Projektcontrolling. Ich versuche dabei, bei meiner strategischen Auswahl von Fokus-Projekten zu bleiben und immer darauf zu achten, dass ich mich nicht selbst mit Projekten zumülle. Keine kleine Herausforderung, kann ich euch sagen. So, und wie funktioniert jetzt mein operatives Projektcontrolling? Operatives Controlling meiner Personal Projects Wie gesagt, es geht beim operativen Controlling darum zu schauen, dass die Fokus-Projekte, die ich im strategischen Controlling ausgewählt habe, auch wirkli...

  40. 62

    [S06E05]: Personal Project Controlling I (#61)

    Worum geht's in dieser Folge?In der letzten Folge habe ich ja über die „natürliche Planung” gesprochen, also was man tun kann, wenn wir es mit aufwendigeren Personal Projects zu tun haben, wo es sich wirklich auszahlt, dass wir uns wirklich so etwas wie einen Projektplan überlegen. Und da ist die so genannte natürliche Planung eine Herangehensweise, die aus meiner Sicht intuitiv ist, aber auch super Ergebnisse liefert - zumindest für mich. Heute möchte ich einen Schritt weiter gehen und über das Controlling unserer Personal Projects reden. Und das möchte ich in zwei Teilen tun.  In der heutigen Folge werde ich dir erzählen, was Projektcontrolling ist und warum es aus meiner Sicht essentiell für Zufriedenheit und Glück in unserem Leben ist. Und in der nächsten Folge werde ich dir dann einen Blick hinter meine Kulissen geben und dir erzählen, wie ich persönlich ganz konkret Projektcontrolling bei meinen eigenen Personal Projects umsetze. Was ist eigentlich Projektcontrolling?Ihr müsst euch das ungefähr so vorstellen: Vorige Woche habe ich eine Abschlussprüfung beaufsichtigt, an einer Fachhochschule in Wien. Ich weiß nicht, wer von euch das schon mal gemacht hat, aber man kann sich das ungefähr so vorstellen: Du bist da in einem ziemlich großen Hörsaal, so mit aufsteigenden Reihen, wie in einem Auditorium. Und da drinnen sitzen, mehr oder weniger gut verteilt, 60 Studentinnen und Studenten. Die sind nervös und voller Erwartung, dass sie nun endlich los legen können. Du teilst ihnen die Prüfungen aus, und sofort beginnt hektische Betriebsamkeit. Jeder Einzelne von den Studierenden arbeitet vor sich hin. Und was ist dann deine Aufgabe als Aufsichtsperson? Klar, einerseits mal aufpassen, dass keiner schummelt. Bei 60 Studierenden  gar nicht so leicht. Aber andererseits schaust du auch drauf, dass jeder Einzelne von ihnen optimal arbeiten kannst. Du schaust, dass keiner rein kommt und stört. Du schaust, ob wer zusätzliches Papier braucht. Und du gehst hin, wenn jemand aufzeigt und eine Frage hat.  Und wie macht man das, ganz konkret? Naja, man platziert sich irgendwo im Raum und lässt seinen Blick wandern über die Gruppe. Jeder Einzelne bekommt für ein paar Sekunden deine Aufmerksamkeit. Du checkst, ob alles passt, und wenn ja, wandert dein Blick weiter zum Nächsten. Jeder bekommt genau so viel Aufmerksamkeit, wie im Moment notwendig ist. Wo alles glatt läuft, brauchst du dich nicht viel kümmern. Wenn es wo Probleme gibt oder Störungen oder irgend etwas Unerwartetes, da musst du dann genauer hinschauen und dich kümmern, bis das Problem gelöst ist. Und genau das gleiche, nämlich überhaupt nichts anderes, ist Projektcontrolling. Deine Personal Projects sind vergleichbar mit den Studierenden bei der Prüfung: Jedes einzelne deiner Personal Projects arbeitet vor sich hin. Manche schneller, manche langsamer, manche tun sich leicht, manche sind gehörig im Schwitzen. Deine Aufgabe als Controller ist nun, dir regelmäßig Zeit zu nehmen und zu schauen: Wie geht’s denn meinen Pappenheimern gerade? Bei wem läuft’s? Wer ist in Schwierigkeiten? Bei wem sieht es aus, als würde er gleich vom Sessel fallen? Und wie bei der Prüfungsaufsicht ist es auch beim Projektcontrolling: Jedes Personal Projects bekommt genau so viel Aufmerksamkeit, wie im Moment notwendig ist. Wenn es läuft, lässt du es einfach weiter laufen. Aber wenn es irgendwo Probleme gibt oder Störungen oder irgend etwas Unerwartetes, da musst du dann genauer hinschauen und dich kümmern, bis das Problem gelöst ist. Damit dein Personal Project wieder gut vor sich hinarbeiten kann. Also, beim Projektcontrolling geht es darum, dass du möglichst frühzeitig erkennst, wenn es bei einem Projekt Probleme gibt, damit du rechtzeitig gegensteuern kannst und damit dein Leben insgesamt so entspannt wie möglich bleibt. Und dazu musst man sich eben von Zeit zu Zeit hinstellen und sich jedes Projekt ansehen und sich fragen: Was braucht das Projekt jetzt gerade von mir? Jetzt stellt sich aber natürlich die Frage: Das ist ja alles schön und gut, aber was bringt mir Projektcontrolling für meine Personal Projects denn eigentlich? Wozu ist Projektcontrolling gut? Was bringt mir das?Bleiben wir bei dem Beispiel mit der Prüfungsaufsicht: Was glaubst du, dass passiert, wenn du als Aufsichtsperson mal eine Zeitlang nicht hinschaust? Naja, kommt wahrscheinlich drauf an.  Das erste ist: Wenn du 60 Studierende gleichzeitig beaufsichtigst, kannst du sowieso nicht alles mitbekommen, was gerade läuft. Die totale Kontrolle hast du nie, das wäre eine Illusion. Wenn du mal ein paar Minuten nicht voll konzentriert bist und aus dem Fenster raus schaust statt auf die Schreibtische der Prüflinge, wird wahrscheinlich auch nicht viel passieren. Die Prüfung wird normal weiterlaufen. Du kannst ja auch nicht zu jeder Zeit zu 100% konzentriert sein, das geht gar nicht. Je länger du jedoch nicht hinschaust, und wenn die Studierenden das zu bemerken beginnen, desto mehr Chaos wird sich verbreiten. Einzelne, einigermaßen verzweifelte und daher sehr mutige Studierende werden beginnen, sich unerlaubte Hilfe zu holen. Wenn sie damit davon kommen, werden sie noch mutiger werden. Und es werden immer mehr Studierende werden, die Dinge tun, die sie nicht tun sollten. Die ganze Sache beginnt, nach und nach aus dem Ruder zu laufen. Und wenn das Chaos groß genug ist, ist es auch ganz schwer, das Ganze wieder einzufangen und wieder in Ordnung zu bringen. Der Schaden ist dann oft schon angerichtet. Überhaupt ganz schlimm ist es, wenn du dich sozusagen verabschiedest und den Prüfungsraum verlässt. Wenn du sozusagen die Aufsicht ganz abgibst und einfach deinen Job nicht erledigst. Du steckst einfach den Kopf in den Sand und sagst dir: ist mir doch wurscht, was da drinnen passiert, ich muss da jetzt raus! Dann darfst du dich nicht wundern, wenn innerhalb kürzester Zeit im Hörsaal das reinste Chaos ausbricht. Und das, was passiert ist, während du nicht im Raum warst, weil du nicht hinschauen wolltest, das kannst du nie wieder korrigieren. The damage is done. Du wirst damit leben müssen, dass da einiges schief gegangen sein wird. Du wirst alle Hände voll zu tun haben, die Scherben aufzusammeln. Ich hoffe, ich konnte dir mit dieser Metapher zeigen, was dir Projektcontrolling bringt: Deine Personal Projects, das sind die Studierenden im Hörsaal. Wenn du präsent bist und regelmäßig hinschaust und tust, was notwendig ist, wenn irgendwo eine Störung auftritt… ja, dann wird deine Prüfungsaufsicht einigermaßen entspannt sein. Und so ist es auch bei deinen Personal Projects. Wenn du regelmäßig und rechtzeitig schaust, ob alles glatt läuft bzw. wo du genauer hinschauen und was korrigieren musst, dann werden deine Projekte gut vorankommen. Wenn du aber keine Lust hast, hinzuschauen oder dich für eine längere Zeit ausklinkst, dann wird was aus dem Ruder laufen - bei der Prüfung genauso wie bei deinen Personal Projects. Und je länger du den Kopf in den Sand steckst, desto schwieriger wird es, im Nachhinein was geradezubiegen - sofern es überhaupt möglich ist. Anders formuliert, lässt es sich so auf den Punkt bringen: Wenn du dir Zeit für Projektcontrolling nimmst, dann kommst du vom reaktiven Modus in den proaktiven Modus.Im reaktiven Modus OHNE Projektcontrolling bist du wie ein Feuerwehrmann, der damit beschäftigt ist, einen Brand nach dem anderen in deinen Personal Projects zu löschen. Du hast alle Hände voll damit zu tun, damit das Feuer nicht außer Kont...

  41. 61

    [S06E04]: Natürliche Projektplanung (#60)

    Worum geht's in dieser Folge?In den letzten beiden Folgen habe ich ja darüber gesprochen, warum es aus meiner Sicht so wichtig ist, zuerst das „Warum” eines Projektes festzulegen und in der Folge immer die ganz konkreten nächsten Schritte festzulegen. Heute möchte ich das noch ein bisschen erweitern, und zwar um eine Projektplanungsmethode, mit der ich persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht habe und die ich dir deshalb in dieser Folge vorstellen möchte: nämlich die so genannte „natürliche Planung”.  Bevor wir uns aber anschauen, was natürliche Projektplanung ist und wie sie funktioniert, müssen wir zuerst mal eine ganz wichtige grundsätzliche Frage klären. Nämlich:Wie viel Planung braucht dein Projekt überhaupt?Aus meiner Erfahrung sage ich, dass der allergrößte Teil der Personal Projects - ich schätze irgendwas zwischen 70 und 90 Prozent, je nachdem, wie komplex dein Leben ist - also dass die allermeisten deiner Personal Projects keine aufwendige Projektplanung brauchen.  Bei den allermeisten deiner Personal Projects wird das reichen, was ich in den letzten beiden Folgen dieser Staffel gesagt habe. Und zwar: Du musst wissen, worum es in dem Projekt für dich geht und eine zumindest ungefähre Vorstellung davon haben, was raus kommen soll. Und: Du musst konsequent den nächsten Schritt festlegen. Und zwar schriftlich, und außerdem so, dass er wirklich umsetzbar ist. Faustregel: In 5 Minuten zu erledigen. Wenn dir also klar ist, worum es in dem Personal Project geht, was raus kommen soll und was als nächstes zu tun ist, dann reicht das meiner Meinung nach. Das langt dicke. Wenn du das hast, und zwar für alle deine Personal Projects, dann hast du mehr als 80% der Menschen da draußen. Und wie du wahrscheinlich aus eigener Erfahrung weißt: Das ist eh schon Herausforderung genug. Aber dann gibt es hin und wieder doch ein Projekt, das ist anders. Wie gesagt, ich schätze, dass das so zwischen 10 und 30% deiner Projekte betreffen wird, die sind ziemlich komplex. Für die lohnt es sich, tatsächlich etwas mehr Zeit in die Projektplanung zu investieren, weil es sich am Ende auszahlen wird. Um genau diese Projekte geht es in dieser Podcastfolge.  Wobei, da muss ich vorher noch etwas klar stellen, nämlich: Wann schadet Planung mehr, als sie nützt?Spannende Frage. Und da finde ich es ganz wichtig, dass wir uns Folgendes in Erinnerung rufen: Es gibt einen Unterschied zwischen Leistungsprojekten und Beziehungsprojekten. Diesen Unterschied habe ich in der dritten Folge der dritten Staffel schon mal erklärt. Wenn du diese Folge noch nicht gehört haben solltest, dann hör die bitte noch nach. Ich persönlich finde, dass das eine der besten Folgen war, die ich in diesem Podcast bisher gemacht habe und zu der ich auch viel positives Feedback bekommen habe. Jedenfalls, kurz zusammengefasst: Was ist der Unterschied zwischen Leistungsprojekten und Beziehungsprojekten? Leistungsprojekte (oder Ergebnisprojekte) sind jene Personal Projects, wo es darum geht, ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Das heißt, es ist ein klar definierter Output, der durch das Projekt entstehen soll, und meistens ist auch der Zeitraum bekannt, in der das Ergebnis erreicht werden soll. Ein Beispiel wäre das Personal Project „Unsere Hochzeit planen”: Da gibt es ein konkretes Datum, wann die Hochzeit stattfinden wird, da haben die Brautleute bestimmte Vorstellungen, was an dem Tag geschehen soll, und dafür gibt es im Vorfeld verschiedenste Dinge vorzubereiten. Ein klassisches Leistungsprojekt. Beziehungsprojekte funktionieren da ganz anders. Ein Beziehungsprojekt wäre zum Beispiel das Personal Project „Eine gute Ehe führen”. Das ist was vollkommen anderes, als eine Hochzeit zu planen. Warum? Weil beim Personal Project „Eine gute Ehe führen” es ganz schwer ist, konkrete To Dos zu definieren. Man weiß ja nicht mal, wie lang das Projekt überhaupt dauern wird. Und das, was wir im Laufe einer Ehe unter einer „guten Ehe” verstehen werden, wird sich auch laufend ändern. Also solche Beziehungsprojekte sind nur ganz schwer zu managen und zu planen. Warum ist mir dieser Unterschied zwischen Leistungsprojekten und Beziehungsprojekten so wichtig? Naja, weil wir verdammt aufpassen müssen, wenn wir einem Projekt einen Projektplan überstülpen wollen. Kurz gesagt besteht folgender Zusammenhang: Leistungsprojekte profitieren von Projektplänen. Je komplexer das Projekt und je aufwendiger die Leistung, desto wichtiger ist Projektplanung. Je aufwendiger die Hochzeit, desto wichtiger ist zu planen, wer was bis wann erledigt - sonst geht sich das einfach alles nicht aus. Beziehungsprojekte hingegen schadet Planung hingegen eher. Bei Beziehungsprojekten müssen wir spontan reagieren, viel improvisieren, uns immer wieder auf neue Umstände einstellen. Bei dem Personal Projects „Eine gute Ehe führen”, da sind langfristige Pläne zum Scheitern verurteilt. Die machen einfach keinen Sinn und schaden eher nur. Da gibt’s übrigens ein recht witziges Buch drüber, was passiert, wenn man ein Beziehungsprojekt generalstabsmäßig zu planen versucht. Das Buch heißt „The Rosie Project”, auf deutsch „Das Rosie Projekt”. Hab ich übrigens von meiner Frau zum Lesen bekommen… warum auch immer… Naja, jedenfalls ist Folgendes wichtig: Wenn ich in dieser Folge von Projektplanung rede, dann betrifft das ausschließlich die Leistungsprojekte in deinem Leben - und auch bei deinen nur einen kleinen Teil, nämlich diejenigen, die so komplex sind, dass es nicht ausreicht, nur das Warum und die nächsten Schritte festzulegen. Und für all diese Projekte empfehle ich dir als Planungsmethode die so genannte „natürliche Planung”. Was ist „natürliche Planung”?Das Konzept der natürlichen Planung stammt von David Allen. David Allen ist der Erfinder von "Getting Things Done”, dieser Selbstmanagement-Methode, die du vielleicht kennst. Auf deutsch gibt es dazu das Buch "Wie ich die Dinge geregelt kriege”, und darin beschreibt er in Kapitel 3 eben diese natürliche Planung, wie er es nennt. Warum nennt er sie „natürlich”? Naja, David Allen sagt, dass die natürliche Planung die Art und Weise ist, wie wir natürlicherweise an die Planung eines Projekts herangehen würden. Also was Kinder machen, wenn sie ein Projekt angehen. Aus seiner Sicht müssen wir die natürliche Planung also nicht lernen - weil wir sie eh schon von klein auf kennen. Aber wir müssen sie häufig erst wieder entdecken - weil wir zB im Job normalerweise sehr unnatürlich planen und daher schon fast verlernt haben, wie wir als Kinder an unsere Projekte herangegangen sind. Wir müssen also wieder ein bisschen werden wie die Kinder, und dann klappt es auch besser mit unse...

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    [S06E03]: Der nächste Schritt (#59)

    Worum geht's in dieser Folge?Es geht heute vielleicht um die wichtigste Zutat im Personal Project Management überhaupt, um die „secret sauce”, wie die Amerikaner sagen. Es geht um den „nächsten Schritt.”Wir werden uns ansehen:warum der nächste Schritt für das Management unserer Personal Projects so wichtig ist, wie man die nächsten Schritte seiner Personal Projects am besten festlegt und welche Stolpersteine es dabei gibt. Wenn ihr einen Moment lang an Menschen in eurem Umfeld denkt, so ihr sagt: "Wow, die haben ihre Personal Projects wirklich im Griff. Bei denen geht wahnsinnig viel weiter.” Wenn ihr also an solche Menschen denkt, dann haben die wahrscheinlich eines gemeinsam: Sehr produktive Menschen wissen immer und zu jeder Zeit, was ihre nächsten Schritte sind. Den nächsten Schritt eines Personal Projects zu kennen, ist DAS Produktivitätsgeheimnis schlechthin. Und ich möchte dir in dieser Podcast-Folge erklären, warum das so ist. Warum ist der nächste Schritt so wichtig?In der letzten Folge habe ich euch ja erzählt, wie ich selbst meine Personal Projects manage: Ich habe alle meine Personal Projects in einem Notizprogramm, das heißt Evernote. In Evernote habe ich für jedes einzelne meiner Personal Projects eine eigene Notiz für jedes Projekt angelegt. Und in diese Notiz schreibe ich dann alles hinein, was mit dem Personal Project zu tun hat. Letzte Woche habe ich ja gesagt, dass das Allererste, was ich in eine neue Notiz für ein neues Personal Project reinschreibe, das „Warum” ist. Also dass ich mir überlege: Worum geht es in dem Projekt überhaupt? Und weiter: Worum geht es in dem Projekt für mich? Warum ist mir das wichtig? Was erwarte ich mir davon?Okay, wenn ich also das Warum für mich klar festgelegt habe (das sind meistens so drei oder fünf oder auch mal zehn Sätze), dann mache ich Folgendes als nächstes: Ich lege den nächsten Schritt fest. Ich schreibe mir also auf, welche EINE Handlung als nächstes zu erledigen ist. Und vielleicht noch die nächste und übernächste. Aber ich gehe nicht her und plane jedes Projekt vollständig durch. Also ich mache keine großartigen Projektpläne, sondern ich mache nur Folgendes: Ich schreibe auf, warum mir das Projekt wichtig ist, und dann schreibe ich auf, was als nächstes zu tun ist. Warum ist das so wichtig für mich? Naja, ihr müsst euch folgendes vorstellen: Ich habe aktuell über 300 Personal Projects. Das klingt nach viel, ist es aber meiner Meinung nach gar nicht. Aber auch wenn du viel weniger hast, sagen wir 50 oder 100, dann kann es leicht passieren, dass man den Überblick über unsere Projekte verliert. Und, was noch erschwerend dazukommt: Es ist ja nicht so, dass wir unsere Projekte eines nach dem anderen abarbeiten. Es ist ja nicht so, dass wir uns ein Projekt hernehmen, daran so lange arbeiten, bis es abgeschlossen ist, und dann nehmen wir das nächste. In Wirklichkeit ist es ja so, dass wir an Dutzenden Projekten parallel arbeiten - mal eine Stunde an dem Projekt, mal eine Viertelstunde an jenem Projekt, mal fünf Minuten an einem anderen Projekt.  Das heißt, unsere Projektarbeit ist ziemlich fragmentiert. Unsere Projektarbeit ist Stückwerk. Dagegen können wir kaum was unternehmen, so ist halt das Leben. Viele Dinge kommen gleichzeitig auf uns zu. Und genau auf diese stückweise Projektarbeit, darauf müssen wir uns einstellen - und dafür müssen wir unser Personal Project Management optimieren. Und da kommt der nächste Schritt ins Spiel. Wenn ich für jedes einzelne meiner Personal Projects den nächsten Schritt festlege, dann weiß ich jederzeit genau, was als nächstes zu tun ist. Und damit kann ich dann auch an einen Projekt arbeiten, wenn ich nur eine Viertelstunde oder auch nur fünf Minuten Zeit habe. Weil ich nicht erst nachdenken muss, was als nächstes zu tun ist, sondern weil ich sofort los legen kann. Einfach den nächsten Schritt abarbeiten - und dann sofort wieder den nächsten nächsten Schritt festlegen. Und an dem dann entweder gleich arbeiten, oder eben dann, wenn ich wieder für dieses Projekt Zeit habe.  Der riesen, riesen Vorteil davon, den nächsten Schritt jedes Personal Projects festgelegt zu haben, ist also, dass du sofort loslegen kannst, ohne erst nachdenken zu müssen, was eigentlich zu tun ist. Du musst dich in das Projekt nicht erst einarbeiten, sondern du kannst sofort konkrete Schritte setzen, die dich deinem gewünschten Ergebnis konkret näher bringen. Aber damit das wirklich wie gewünscht funktioniert, gibt es ein paar Punkte zu beachten. Wie legt man diesen nächsten Schritt richtig fest - und wie nicht?Die wichtigste Regel dabei ist folgende: Der nächste Schritt muss tatsächlich umsetzbar sein. Was meine ich damit? Stell dir vor, du hast ein Personal Project „Einen neuen Anzug für die Hochzeit meines Bruders kaufen”. Jetzt passiert häufig folgender Fehler: Wenn du dich fragst: „Was ist der nächste Schritt in dem Projekt?", dann ist man versucht zu sagen: „Naja, was schon: Einen neuen Anzug kaufen. Das ist ja eigentlich auch gar kein Projekt, weil da gibt es ja eh nur einen einzigen Schritt zu erledigen, nämlich den Anzug kaufen. Wenn das erledigt ist, ist auch das Projekt abgeschlossen.” Das könnte jemand so sagen. Das Problem dabei: Der nächste Schritt „Einen neuen Anzug kaufen” ist so nicht umsetzbar. Was meine ich damit? Ich nehme mich als Bespiel: Bevor ich in ein Geschäft gehen kann und mir einen Anzug kaufen kann, gibt es noch viele Schritte vorher für mich zu erledigen. Also mein nächster Schritt wäre: Bei einem alten Anzug, der mir passt, schauen, welche Anzuggröße ich eigentlich habe.  Der nächste Schritt „einen Anzug kaufen” ist also nicht umsetzbar, weil er zu groß ist. Das ist zu unspezifisch, zu wenig konkret. Das muss ich erst noch in viel kleinere Schritte runterbrechen. Sinnvolle und wirkungsvolle nächste Schritte sind sehr kleinteilig. Als Faustregel kannst du dir merken: Ein wirklich umsetzbarer nächster Schritt dauert nicht länger als fünf Minuten. Alles, was länger als fünf Minuten dauert, da besteht der dringende Verdacht, dass dieser nächste Schritt nicht umsetzbar ist und sich in Wirklichkeit viele kleinere nächste Schritte darin verstecken. Also lautet hier das Motto: Babysteps! Ganz kleine Schritte. Ganz konkret. Maximal fünf Minuten. Nur so geht wirklich was weiter in unseren Personal Projects. Denn was passiert, wenn unsere nächsten Schritte zu groß sind? Dann sind wir überwältigt. Wir spüren das ganz intuitiv: Wenn bei einem Personal Project der nächste Schritt so groß ist, dass er, sagen wir, ca. 3 Stunden dauern würde… dann fangen wir häufig erst gar nicht damit an. Denn wann haben wir schon mal drei Stunden ununterbrochen Zeit, uns um ein einziges Personal Project zu kümmern? Zu große nächste Schritte überwältigen uns. Unsere Personal Projects stecken häufig genau deswegen fest, weil der konkrete nächste Schritt zu groß und zu wenig umsetzbar ist. Und wenn das der Fall ist, dann tun wir lieber gar nichts - oder suchen uns ein Projekt, wo wir den nächsten Schritt besser bewältigen können. Und so passiert es, dass auch bei Projekten, die uns eigentlich sehr wichtig sind, wo auch das Warum für uns sehr klar und stark ist, dass auch bei diesen Projekten nichts weiter geht - und das fühlt sich nicht gut an. Daher, wenn du eine Sache aus dieser Folge mitnehmen sollt, dann wäre es das: Wenn wir die nächsten Schritte in unseren Projekten konkret sch...

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    [S06E02]: Warum? (#58)

    Worum geht's in dieser Folge?Wir sind am Beginn der 6. Staffel, wo es ja um ganz grundsätzliches und ganz praktisches Personal Project Management geht. Und ich möchte diese zweite Folge der Königin aller Fragen widmen, nämlich der Frage „Warum?”  Denn aus meiner Sicht sollte die Frage nach dem Warum am Anfang jedes Personal Projects stehen - und zwar noch bevor du das allererste To Do deines Personal Projects angehst. Oder anders gesagt: Das allererste To Do eines jeden deiner Personal Projects sollte eigentlich sein, dass du dir bewusst machst, WARUM du genau dieses Personal Project genau jetzt starten willst. Und warum ich das für so wichtig halte, das will ich dir in dieser Folge erklären. Genauer will ich dir darauf drei Antworten geben: eine kommt von Brian Little, dem Godfather der Personal Project Theorie eine kommt von Simon Sinek, dem Autor des Buches „Start with why”, auf deutsch „Frag immer erst: Warum" und eine Antwort kommt von mir, aus meiner eigenen Erfahrung.1. Was Brian Little über Initiierung und Warum sagtAlso, fangen wir gleich an mit Brian Little. Brian Little, für alle, die ihn noch nicht kennen, ist ja derjenige, der diese ganze Personal Projects Theorie „erfunden” hat. In seinem Buch „Mein Ich, die anderen und wir” fasst er seine jahrzehntelange Forschung über Personal Projects sehr anschaulich zusammen. Martin Schmidt und ich haben auch eine Buchclub-Folge über das Buch aufgenommen, und im März 2018 habe ich Brian Little persönlich in Cambridge getroffen und mit ihm ein sehr hörenswertes Interview geführt. Jedenfalls, Brian Little sagt, dass es im Wesentlichen von drei Dimensionen abhängt, wie gut wir in unseren Personal Projects vorankommen: Initiierung: Wer ist der Haupt-Initiator des Personal Projects? Selbstwirksamkeit: Erwarte ich einen erfolgreichen Ausgang des Projekts? Kontrolle: Wie viel Einfluss habe ich auf den Ausgang des Projekts? Okay, mit den Dimensionen Selbstwirksamkeit und Kontrolle beschäftigen wir uns in späteren Folgen dieser Staffel. Für heute bleiben wir mal bei der ersten Dimension, nämlich der Initiierung. Bei der Initiierung geht es also darum, wer die Idee für das Personal Projects gehabt hat, wer es sozusagen in die Welt gesetzt hat. Warst du das selbst, oder hat dir das Projekt jemand auf’s Auge gedrückt? Und du kannst dir wahrscheinlich vorstellen - und hast es sicher am eigenen Leib schon erfahren-, dass das einen Riesenunterschied macht. Weil warum? Die Motivation ist ganz anders bei Projekten, die wir uns selbst aussuchen. Die wir selbst ins Leben rufen. Die „unsere” sind. Dagegen tun sich die meisten von uns schwer mit Projekten, die wir nicht selbst gewählt haben. Und das hat Brian Little auch wissenschaftlich belegt: Selbst initiierte Projekte haben eine wesentlich höhere Erfolgsaussicht als fremd-initiierte - oder, und das ist wichtig - gefühlt fremd-initiierte, also „schicksalhafte” Projekte. Ein besonders heftiges, aber eindrückliches Bespiel dafür ist das Personal Project „Schwangerschaft und Kinder kriegen”: Selbst gewählt, kann das das tollste Projekt der Welt sein. Eine ungewollte Schwangerschaft kann sich hingegen wie die größte Katastrophe überhaupt anfühlen. In beiden Fällen handelt es sich um das gleiche Projekt, aber die Initiierung ist total konträr - und damit auch, und das ist jetzt der wichtige Punkt für diese Folge: Damit ist auch das WARUM dieses Projekts ganz konträr.  Denn das Warum geht Hand in Hand mit der Initiierung. Oder, genauer gesagt: Unser Warum geht Hand in Hand mit dem, was wir glauben, dass dieses Projekt initiiert hat. Oder, anders ausgedrückt: Die Geschichte, die wir uns selbst erzählen darüber, wie wir zu einem bestimmten Personal Projects gekommen sind, die legt die Basis für unser Warum - und für die grundsätzliche Motivation, die sich durch das Projekt ziehen wird. Also das Warum ist so gesehen nicht viel was Anderes als die Geschichte, die wir uns selbst (und anderen) darüber erzählen, wie wir zu diesem Projekt gekommen sind. Und diese Geschichten glauben wir uns. Und diese Geschichten können wir, bei Bedarf, ändern. Jedenfalls, diese Geschichten sind machtvoll. Hör dir vielleicht bei Gelegenheit mal selbst zu, welche Geschichten du dir und anderen  z.B. über deine Herzensprojekte erzählst. In wie vielen Geschichten hast du das Projekt selbst initiiert, in wie vielen Geschichten nicht? Könnte spannend sein… Okay, das mal dazu, was Brian Little von der wissenschaftlichen Seite dazu sagt. Kommen wir nun zu Simon Sinek und seinem „Start with Why”. 2. Simon Sinek: Frage immer zuerst: Warum?Das Buch ist mittlerweile ein ziemlicher Klassiker, und ich kann mir vorstellen, dass es einige von meinen Hörerinnen und Hörern eh schon gelesen haben. Wenn noch nicht, kann ich das Lesen jedenfalls sehr empfehlen. Ist wirklich ein Buch, das einen neuen Blickwinkel eröffnet und mich persönlich sehr begeistert hat. Außerdem ist Simon Sinek ein guter Typ, von dem es auch sehr unterhaltsame Videos auf Youtube gibt. Jedenfalls, der Buchtitel verrät es eh schon, die Grundaussage des Buches ist: Die wichtigste Aufgabe bei allen deinen Projekten ist es, zuerst mal das Warum für dich zu klären. Das Warum ist die Basis für alles, was dann in der Folge noch entstehen soll. So weit, so logisch, aber Simon Sineks Befund ist folgender: In den allermeisten Projekten, egal ob beruflich oder privat, wird für die Frage des Warum viel zu wenig Zeit verwendet oder die Frage überhaupt nicht beantwortet. Das Warum ist während des ganzen Projekts nicht klar. Es gibt keine Projektvision, und das hat mitunter dramatische Folgen. Was passiert dann nämlich? Wenn das Warum nicht klar ist, dann ist auch das Wie und das Was des Projekts nicht klar. Wenn du nicht weißt, wieso du ein bestimmtes Projekt verfolgst, wie sollst du dann die richtigen Entscheidungen treffen? Wie sollst du dann wissen, was wichtig ist und was nicht? Wie sollst du wissen, was als nächstes zu tun ist? Und so weiter. Jetzt kann man natürlich sagen: Naja, Günter, also so schwer ist das jetzt aber wirklich nicht. Ich weiß bei meinen Projekten sehr wohl, warum ich die mache. - Und das glaube ich dir auch. Ich glaube dir, dass du das glaubst. Aber mal Hand auf’s Herz: Bist du dir wirklich hundert Prozent sicher, dass das Warum, das du glaubst, dass du hast, tatsächlich dein wirkliches Warum ist? Oder bist du sicher, dass das Warum, das du glaubst, dass du hast, stark genug ist, um dein Personal Projects durch eine Krise zu bringen? Wie sehr kannst du dich auf ein Warum verlassen? Wie gut könntest du dein Warum jemand anderem erklären? Wie gut könntest du dein Warum gegenüber anderen Menschen verteidigen? Wie sehr stehst du hinter deinem Warum, und wie sehr steht dein Warum hinter dir? Wenn du jetzt ins Zweifeln gekommen bist, dann liegt es vielleicht daran, dass du dir für dein Warum doch noch nicht genug Zeit genommen hast. Nämlich für dein WIRKLICHES Warum, nicht dein oberflächliches, das rasch zur Hand und bequem ist. Und das bringt mich auch schon zu meiner dritten Antwort, nämlich meinen eigenen Erfahrungen. 3. Meine eigenen Erfahrungen mit dem WARUMIch erzähle dir mal, wie ich ein neues Personal Project aufsetze: Ich öffne Evernote, erstelle eine neue Notiz, gebe der Notiz einen Titel (das ist dann der Name...

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    [S06E01]: Lässt sich unser Leben überhaupt "managen"? (#57)

    Worum geht's in dieser Folge? Ja, herzlich willkommen auch zur 6. Staffel des Podcasts. Ich melde mich zurück aus ein paar Wochen Pause, und ich freue mich schon auf diese Staffel.Worum wird es denn gehen in dieser Staffel? Naja, ich habe mir vorgenommen, eine Staffel zu machen über das Management unserer Personal Projects. Und dabei will ich über ganz praktische Fragen sprechen, wie wir unsere Personal Projects managen können, wie wir dafür sorgen können, dass wir unsere Projekte zum Erfolg führen und so weiter.Also ich denke, dass das eine ganz spannende Staffel werden könnte, wo ich auch ein bisschen Einblick darin geben möchte, wie ich selbst meine Personal Projects manage. Und vielleicht ist da ja die eine oder andere Anregung für dich dabei, die du in dein eigenes Personal Project Management übernehmen möchtest.Okay, also darum wird es in dieser 6. Staffel des Podcasts gehen. 6. Staffel, Wahnsinn, wer hätte das gedacht...Naja, jedenfalls... bevor es mit den ganz praktischen Dingen los geht, will ich diese Folge, also den Opener dieser Staffel, dafür nutzen, um ein paar Fragen anzusprechen, die ich immer wieder gestellt bekomme im Zusammenhang mit Personal Projects. Dazu inspiriert haben mich ganz konkret die Feedbacks von zwei Stammhörerinnen des Podcasts, nämlich von Claudia und von Sandra. Also wenn ihr das hört, liebe Claudia, liebe Sandra, danke für eure Anregungen, die das Grundgerüst der heutigen Staffel bilden.Ich denke, die Zeit am Anfang dieser neuen Staffel ist gut investiert, wenn ich ein paar grundlegende Fragen oder Missverständnisse kläre - oder vielleicht auch nur meine Sicht auf Personal Projects nochmals genauer erläutere und damit vielleicht verständlicher mache, worum es mir geht.Also danke nochmals Claudia und Sandra - und los geht’s!1. Die Sprache der WirtschaftOkay, das erste Thema, das ich ansprechen möchte, ist die Frage, ob die Sprache der Wirtschaft überhaupt geeignet oder überhaupt sinnvoll ist, um damit über das Leben und die Dinge zu sprechen, die uns im Leben wichtig sind. Oder anders formuliert: Muss wirklich alles im Leben ein Projekt sein? Claudia hat das in einem Mail an mich so formuliert:  "Ich habe mich auch noch immer nicht ganz daran gewöhnt, persönliche Vorhaben mit dem Wort "Projekt" zu etikettieren, weil das schon ein Reizwort aus dem Berufsalltag ist - wo es leider oft als Versuch daherkommt, einer chaotischen Umsetzung verschiedener Arbeitsschritte  einen gut klingenden Namen zu verpassen. "Nennen wir es Projekt, das klingt schon mal gut." Gemanagt wird in der Regel nicht viel, jeder macht irgendwas, und dann hoffen wir mal, dass es ein paar Kümmerer gibt, die am Ende dafür sorgen, dass was G'scheits herauskommt."Und da spricht Claudia einen wichtigen Punkt an, denke ich. Nicht wenigen Menschen stellt es allein schon beim Wort „Projekt” die Haare auf. Und das kommt meisten aus dem Berufsleben heraus. Weil dort ist praktisch alles ein Projekt. Wenn wir nicht mehr weiter wissen, machen wir ein Projekt draus. Und diese Projekte sind dann häufig auch noch schlecht aufgesetzt, schlecht durchgeführt und schlecht gemanagt, was praktisch allen Beteiligten die Lust an Projekten vergehen lässt. So wird das Wort „Projekt” zum Reizwort, und das Bedürfnis kommt auf, zumindest sein Privatleben, seine Freizeit vor solchen Projekten zu schützen. Das verstehe ich vollkommen. Jeder, der schon in projektorientierten Unternehmen gearbeitet hat, wird das schon erlebt haben, dass einem da die Lust auf Projekte vollkommen vergehen kann. Das kann ich voll und ganz nachvollziehen. Ich finde daher auch die Frage berechtigt, ob es wirklich eine gute Idee ist, unsere persönlichen Ziele, Wünsche, Vorhaben im Leben als „Projekte” zu bezeichnen. Tun wir uns damit wirklich einen Gefallen, oder verwirtschaften wir damit auch noch die letzten Winkel unseres Lebens?  Wie schaut meine Antwort auf diese Frage aus? Naja, ich stelle mal eine Gegenfrage: Wie sollen wir denn am besten über das Leben reden - nämlich so, dass wir uns alle verstehen? Für mich ist der Blickwinkel der Personal Projects Theorie in erster Linie eine Metapher für das Leben. Also ein Bild, eine bestimmte Art und Weise, das Leben zu konzeptualisieren und damit auch zu ermöglichen, über das Leben und was darin vor geht, einigermaßen verständlich zu reden. Wir brauchen Konzepte, wir brauchen Denkmodelle, um über komplizierte Dinge - und das Leben ist kompliziert, weiß Gott - um eben über komplizierte Dinge überhaupt reden zu können. Und eines dieser Denkmodelle ist die Personal Projects Theorie. Und diese Theorie ist, wie der Name schon sagt, eben eine Theorie, ein abstraktes Modell, eine Metapher für das Leben - und nicht das Leben selbst. Das ist wichtig: Das Leben selbst ist das Leben, nicht ein Personal Project. Aber wenn wir uns unser kompliziertes Leben als Abfolge von Personal Projects vorstellen, dann wird es vielleicht etwas übersichtlicher, etwas geordneter, etwas verständlicher - und etwas leichter, über das Leben und was darin vor geht zu reden. Wie gesagt: Es ist ein Bild, eine Metapher, wenn wir von unserem Leben als Abfolge von Personal Projects reden. Eine Metapher, nicht die Wirklichkeit. Ein Denkmodell, ein sprachliches Konstrukt. Aus meiner Sicht hat diese Metapher der Personal Projects aber einen Riesenvorteil: Praktisch jeder Mensch da draußen hat zumindest eine gewisse Vorstellung davon, was ein „Projekt” ist. Das heißt, man braucht den allermeisten Menschen nicht erklären, was mit „Projekt” ungefähr gemeint ist. Und auch der Schritt hin zum „personal project” ist für die meisten Menschen relativ leicht: Es gibt Projekte, und es gibt auch persönliche Projekte. Eh klar, eh logisch. Das ist nachvollziehbar, das ist vertraut, das muss man nicht weiter erklären. Das Bestechende für mich bei der Personal Project Theorie ist also, dass sie sich einer Sprache bedient, die uns schon vertraut ist aus dem Berufsleben oder aus der Schulzeit oder aus dem Studium. Wir wissen intuitiv, was mit „personal projects” gemeint sein könnte, selbst wenn wir zum allerersten Mal von Personal Projects hören. Und das ist ein Riesenvorteil. Wir müssen nämlich nicht erst die Fachsprache des Denkkonzepts lernen, sondern können die Fachsprache des Projektmanagements verwenden, die vielen von uns schon aus anderen Bereichen vertraut ist. Und das führt möglicherweise natürlich dazu, dass diese Sprache schon vorbelastet ist - vorbelastet mit schlechten Erfahrungen, so wie bei Claudia. Aber das muss ich wohl in Kauf nehmen, weil ein Vorteil für mich überwiegt: Wenn wir vom Leben reden durch die Brille der Personal Projects Theorie, dann ist das für die allermeisten Menschen intuitiv verständlich. Sie müssen dieser Sichtweise nicht unbedingt zustimmen, aber es ist zumindest relativ leicht verständlich, worum es bei dieser Sichtweise geht und ob das etwas ist, das einem zugänglich und nützlich ist oder eben nicht.  Und das ist mehr, als viele andere Denkmodelle über das Leben von sich behaupten können. So, das war mal ein sehr ausführlicher Ausflug in die konzeptuelle Ebene der Personal Projects Theorie. Und eigentlich sind wir damit auch nahtlos bei einer anderen häufig gestellten Frage rund um Personal Projects, nämlich:  2. Lässt sich unser Leben überhaupt „managen”?Und auch das ist eine berechtigte Frage. Nämlich der Gedanke, ob es nicht eine reine Illusion ist, wenn wir glauben, dass wir unser Leben unter Kontrolle haben. Wenn wir glauben, dass wir so tun könnten, als könnten wir den großen Fluss des Lebens austricksen, wenn wir P...

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    [S05E12]: Staffelfinale der 5. Staffel (#56)

    Worum geht's in dieser Folge?Diese Folge bildet das Finale der 5. Staffel von Projekt: Leben, wo es ja um die Feinde unserer Personal Projects gegangen ist. Und in diesem Staffelfinale möchte ich einen kurzen Rückblick machen, einen kleinen Blick hinter die Kulissen geben, und dann habe ich ein paar Ergänzungen und natürlich einen Ausblick auf die 6. Staffel des Podcasts.1. Wie geht es dem Podcast?Das erste, was ich ansprechen möchte, weil ich auch immer wieder gefragt werde: „Sag, Günter, wie geht es eigentlich dem Podcast? Wie viele Hörer hast du denn so?“ Also, wie viele Hörerinnen und Hörer hat denn der Podcast? Das ist eigentlich eine einfache Frage, aber die ist gar nicht so leicht zu beantworten. Dadurch, dass der Podcast über mehrere Plattformen und mit verschiedenen Apps gehört werden kann, ist es gar nicht so leicht, da eine Gesamtübersicht zu bekommen. Und außerdem ist es nicht leicht herauszufinden, ob ein Podcast z.B. nur heruntergeladen und dann nie gehört wurde oder tatsächlich auch ganz angehört wurde - oder nur bis zur Hälfte oder nur ein Drittel oder so. Das macht natürlich einen Unterschied. Aber darüber gibt es für uns Podcaster keine verlässlichen Daten. Das bisschen, was ich an Daten habe, verrate ich euch hier und heute aber mal. Meinen Podcast gibt es jetzt seit etwas mehr als einem Jahr, und mit dieser Folge habe ich insgesamt 56 Episoden in 5 Staffeln ausgestrahlt. Insgesamt scheinen diese 56 Episoden schon knapp 5.000 mal gehört worden zu sein. Ich habe also knapp 5.000 „total listens“, sagt mein Podcast Hoster - was auch immer das genau heißen mag. Die bisher am häufigsten gehörte Folge ist das Interview mit Silvia Breier, wo wir über die Geldtypen reden. Den Podcast gibt es inzwischen auch auf Spotify, und auch da habe ich Hörerinnen und Hörer, und zwar genau 46.  Auf Spotify ist übrigens die am häufigsten gehörte Folge ein Buchclub, und zwar wieder zum Thema Geld, die Folge über das Buch „Der reichste Mann von Babylon“. Interessanterweise ist auf Spotify auch auf Platz zwei ein Buchclub, nämlich „Managing Oneself“ von Peter Drucker. Mein Co-Host Martin scheint also meine Attraktivität für meine Spotify-Hörerinnen und Hörer massiv zu steigern. Soweit mal die Daten, die ich habe. Generell ist ja Folgendes: Ich habe für mich entschieden, mich von diesen Hörer-Statistiken nicht verrückt machen zu lassen. Das ist nämlich ein bisschen wie mit Facebook-Likes, die machen süchtig und bergen die Gefahr in sich, dass man nur mehr Sachen macht, um viele Likes zu bekommen. Ich möchte mit Projekt: Leben aber lieber die Themen besprechen, die ich für sinnvoll und wichtig halte, und das soll nicht abhängig sein davon, ob eine bestimmte Folge jetzt mehr oder weniger Hörer gehabt hat. Denn ich weiß es ja aus eigener Erfahrung als Podcast-Hörer: Ob ich eine bestimmte Folge eines Podcasts, den ich an sich regelmäßig höre, dann auch konkret mir anhöre, hat schon auch mit dem Thema der Folge zu tun. Aber sehr häufig auch mit vielen anderen Dingen: Ob ich gerade Zeit habe, was sonst noch gerade für Podcasts in meinem Podcast Feed warten, ob es gerade eine stressige Woche ist oder nicht und so weiter. Also habe ich für mich beschlossen, einfach das zu tun, was ich für richtig halte und dann zu schauen, was passiert. Und was bis jetzt passiert ist, ist, dass meine bisher 56 Podcast-Folgen fast 5.000 mal angehört worden sind. Und ich würde sagen, damit bin ich sehr zufrieden. 2. HörerInnen-TreffenWenn wir schon beim Thema Hörerinnen und Hörer sind, dann auch noch ein paar Anmerkungen zum letzten HörerInnen-Treffen, das am 21 März 2019 in Wien stattgefunden hat. Das mit dem Hörertreffen ist ja so eine Sache… Interessanterweise machen das nur ganz wenige Podcaster, und ich habe auch eine Vermutung, warum: So ein Hörertreffen ist nämlich ein ziemliches Risiko. Nämlich das Risiko: Was ist, wenn kein Mensch kommt? Und dieses Gefühl, so offensichtlich auf Desinteresse zu stoßen, das ist gar nicht so leicht zu nehmen. Nämlich nicht persönlich zu nehmen. Und ich glaube, deswegen setzen sich viele Podcaster diesem Risiko erst gar nicht aus. Naja, ich war beim Hörertreffen jedenfalls Gott sei Dank nicht allein. Danke Sandra, danke Gabi, für euer kommen. Es war wirklich ein netter und interessanter Abend mit euch.  Jetzt kann man sich natürlich fragen: Zwei Hörerinnen, ist das nicht ein bisschen wenig? Zahlt sich das überhaupt aus?  Das denke ich mir dazu? Alles, was bedeutsam ist, hat irgendwann klein angefangen. Von da her ist das voll okay. Auch interessant: Gordon Schönwälder, der deutsche Podcast-Guru mit viel, viel mehr Hörern als ich, hat unlängst ein Hörertreffen in München gemacht, da kamen ungefähr 9 Hörerinnen und Hörer. Also prozentuell sind zu meinem Hörertreffen mehr gekommen als zu ihm. Aber Vergleiche führen zu nichts, das habe ich in dieser Staffel ja ausführlich besprochen. Am wichtigsten, das habe ich beim „Verein zur Verzögerung der Zeit“ gelernt: Wer immer die Teilnehmenden sein mögen, es sind genau die richtigen. Das ist sowas von wahr, dass man es manchmal gar nicht glauben kann. Und daher wird es auch zur nächsten Staffel wieder ein HörerInnen-Treffen geben, und es wird auch dann weiter HörerInnen-Treffen geben, wenn mal gar keiner kommt. Einfach deshalb, weil’s mir wichtig ist und ich es aushalten kann und will, das Risiko einzugehen. Und im schlimmsten Fall habe ich ja immer ein Buch dabei. 3. Ergänzungen zur Folge über zur Resignation (S05E08)Zur Folge über die Resignation und vor allem dazu, was man gegen die Resignation tun kann, habe ich einige sehr interessante und nützliche Hinweise bekommen, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Martin sagt z.B., dass ihm gegen Resignation Gespräche mit Menschen helfen, die inspirieren und motivieren können. Außerdem sagt er, dass nach einer halben Stunde Laufen die Welt auch schon wieder ganz anders aussieht. Das kann ich absolut nur bestätigen. Und schließlich sagt er ganz richtig, dass manchmal die Zeit für bestimmte Projekte oder die nächsten Schritte einfach noch nicht reif ist und es dann voll okay ist, die Dinge einfach mal liegen und reifen zu lassen. Das passt ja auch ganz wunderbar zum Thema Eigenzeit. Und Barbara hat dann noch ergänzt, dass ihr geholfen hat, ein resigniertes und lange liegengelassenes Projekt wieder aufzugreifen, indem sie sich einen Zweiten dazugeholt hat, der das nötige Know-how mitbringt. Auch eine gute Idee, finde ich. 4.  Ausblick auf die nächste StaffelSo, zum Abschluss: Was wird die sechste Staffel von [Projekt: Leben] bringen? Ich habe (oder hatte) einige Themen im Kopf, z.B. ist ja immer noch die Staffel über „Shared Projects“ ausständig, also die Projekte, wo wir mit anderen Menschen zusammenarbeiten dürfen oder müssen. Aber das muss noch warten, denn ich habe mir für die sechste Staffel Folgendes überlegt: In der fünften Staffel haben wir Personal Projects ja aus einer ziemlich allgemeinen Perspektive betrachtet. Als...

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    [S05E11] Buchclub: Zwei Bücher zum Thema "Überfluss" (#55)

    Worum geht's in dieser Folge? Wir haben heute unseren Buch-Club. Bei mir zu Gast ist wieder Martin Schmidt.Wir sprechen heute über nicht eines, sondern zwei Bücher. Zwei Bücher, die sich aus unterschiedlichen Blickwinkel mit einem weiteren Feind unserer Personal Projects beschäftigen. Und dieser Feind ist der Überfluss.Und die beiden Bücher sind„Die Kunst, ohne Überfluss glücklich zu leben”von Josef ‚Joki‘ Kirschner Das Buch ist 1980 erschienen, also inzwischen fast 40 Jahre alt. Geschrieben wurde es von Josef Kirschner, einem könnte man sagen, österreichischen Selbsthilfe-Guru seiner Zeit, inzwischen verstorbenen. „Living With Less” des Amerikaners Joshua Becker aus dem Jahr 2012. Das Buch ist 2012 erschienen, also einigermaßen aktuell. Geschrieben von Joshua Becker, einem amerikanischen Pastor (und das merkt man auch). Einer der Pioniere der „Minimalism”-Bewegung. „Living With Less” war eines der ersten amerikanischen Bücher (oder Büchlein) zu diesem Trend, der seither hohe Wellen geschlagen hat. Meine Idee bei diesen beiden Büchern war ja Folgende: Da ist einmal ein Buch aus dem Jahr 1980, von einem Österreicher geschrieben. Und dann ist da ein anderes Buch, fast 25 Jahre später von einem Amerikaner geschrieben. Beide beschäftigen sich mit dem Thema „Überfluss”. Jetzt habe ich mir gedacht, es wäre ja spannend zu schauen: Wie sich das Problem Überfluss über die Jahre verändert? In wie weit ist das Problem aus österreichischer und aus amerikanischer Sicht anders? Oder haben die beiden Bücher vielleicht sogar mehr gemeinsam, als man denkt? Aber zuerst mal überhaupt die Frage:  Was ist das Problem mit dem Überfluss?  Der Überfluss… Warum ist das ein Feind unserer Personal Projects? Ein Überfluss an Personal Projects = Wir haben zu viele Personal Projects, und verstreuen unsere Energie wie bei einem Feuerwerk. Wir kommen bei keinem Projekt richtig weiter. Wir haben das Gefühl, dass wir uns zwischen unseren Personal Projects zerreiben. Materieller Überfluss: Je mehr Dinge wir haben, desto mehr belasten sie uns. Überfluss ist längst nicht mehr ein materielles Problem. Es geht nicht nur um die Dinge, die wir zu viel haben.  Informationsüberfluss: Siehe Folge 2 dieser Staffel „Informationsüberflutung”: Zu viel Information lähmt uns.  Wir müssen unsere eigenen Kuratoren sein. Also Gründe genug, darüber nachzudenken, ob wir nicht mit weniger Überfluss glücklicher leben würden. Und genau mit dieser Frage beschäftigen sich auch die beiden Bücher, die wir in dieser Folge besprechen werden.# 1: InhaltMartinBeide Bücher beschäftigen widmen sich primär dem Thema Minimalismus. Joki Kirschner bezeichnet dabei Minimalismus als das große Abenteuer unserer Zeit, wobei die Zeit, in der er das Buch geschrieben hat, schon einige Jahrzehnte vorbei ist. Joshua Becker beschreibt Minimalismus als unerwarteten Schlüssel zu Glück und Zufriedenheit. Damit haben beide meiner Meinung nach ein wenig recht: es ist sicherlich zunächst einmal ein Abenteuer, sich auf Minimalismus einzulassen und bringt uns aus meiner Sicht auch Zufriedenheit ins Leben. Josef KirschnerJosef Kirschner hat dieses Buch vor fast 40 Jahren (1980) geschrieben. Das muss man bei der Beurteilung des Inhalts auf jeden Fall berücksichtigen, denn das Wertebild der Gesellschaft hat sich seit damals massiv verändert. Das wird vor allem bei Kapitel 16 deutlich, wenn Kirschner über das Rollenbild der Frau schreibt oder auch in Kapitel 18, wo es auch ein wenig um das Thema Führung geht. Mit den Ansichten, die er hier vertritt, würde wohl kein Verlag dieses Buch heute noch veröffentlichen. Was noch dazukommt, ist, dass die meisten Menschen meiner Generation in Österreich den Autor sehr gut aus dem Fernsehen kennen und man deshalb auch immer die Erzählerstimme im Ohr hat. Joshua Becker Joshua Becker ist Pastor und wählt daher wenig überraschend einen viel geistlicheren Ansatz als Josef Kirschner. Er zitiert im Buch öfter stellen aus der Bibel und bringt sie in Zusammenhang mit den Vorteilen des Minimalismus beziehungsweise verwendet sie als Erklärungsbasis dafür.Das Thema ist in beiden Fällen interessant, die Herangehensweise gefällt mir bei Kirschner ein wenig besser als bei Becker. Daher bekommt Kirschner von mir die Note 2 und Becker die Note 3 für den Inhalt. Günter Josef Kirschner Überfluss wird aus verschiedensten Perspektiven betrachtet und warum das ein Problem ist und was man dagegen tun kann. In fast 40 recht kurzen Kapiteln. Insgesamt scheint es ihm weniger um deine Anleitung für den Einzelnen zum Minimalismus zu gehen, sondern um eine Kritik an einer Gesellschaft, die im Überfluss lebt und daran degeneriert. Joshua BeckerJoshua Becker erklärt den Minimalismus-Gedanken aus zwei Perspektiven: Minimalismus ist „what Jesus would do”. Wie er selbst zum Minimalismus gekommen ist und wie er den in seinem eigenen Leben lebt. Joshua Becker ist ein Pastor, und Minimalismus ist aus seiner Sicht „what Jesus would do”. Sehr amerikanisch. Dadurch ergibt sich eine enge Verknüpfung von Minimalismus und christlicher Religion, die natürlich nicht sein müsste. Ja sogar eher verstörend wirkt für jemanden, der nur an der Praxis des Minimalismus als Lebensstil interessiert ist.  # 2: Verständlichkeit, LesbarkeitMartin Josef KirschnerJosef Kirschner schreibt in einer sehr einfachen Sprache und hält seine Kapitel sehr kurz. Er gliedert knapp 220 Seiten in 35 Kapitel, das bedeutet, jedes Kapitel hat im Schnitt knapp über 6 Seiten. Das macht es auf jeden Fall übersichtlich und einfach zu lesen und deshalb bekommt er von mir dafür die Note 1.Joshua Becker Joshua Beckers Buch hat insgesamt nur etwas mehr als 100 Seiten, die in 4 Teile mit insgesamt 11 Kapiteln unterteilt sind. Also hält er sich in den einzelnen Kapiteln ebenfalls sehr kurz und bringt seine gewünschten Aussagen schön auf den Punkt. Daher erhält auch Joshua Becker von mir in dieser Kategorie die Note 1. Als Anmerkung sei noch gesagt, dass ich das Buch von Dir in englischer Sprache bekommen habe. Hier muss man auch erwähnen, dass sich das Buch einer recht einfachen Sprache bedient und daher auch für Nicht-Natives wie mich einfach lesbar ist. Günter Josef Kirschner Es ist verständlich, keine Frage. Joki Kirschners Sprache ist stellenweise ein bisschen hölzern. Seine Beispiele sind mitunter aus der Zeit gefallen (zB wenn er über die Aufgaben seiner Frau schreibt).  Note: 2-3 Joshua Becker Es ist verständlich, keine Frage. Das Englis...

  47. 55

    [S05E10] PHILOSOPHICUM: Die Ökonomisierung unseres Lebens (#54)

     Worum geht’s in dieser Folge?Diese Folge ist wieder mal ein Philosophicum, und zwar das Philosophicum zur 5. Staffel von [Projekt: Leben], in der es ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects geht. Im Philosophicum versuche ich immer, ein bisschen über den Tellerrand hinauszuschauen und mir über philosophischere Themen ein paar Gedanken zu machen.Und für dieses Philosophicum habe ich mir ein aktuelles Phänomen ausgesucht, das nennt sich „die Ökonomisierung unseres Lebens“.Und das ist, das sage ich gleich vorweg, ein ziemlich schwieriges Thema. Schwierig deshalb, weil es gar nicht so einfach ist zu erklären, was damit gemeint ist. Und trotzdem ist es allgegenwärtig. Aber die Schwierigkeit dabei ist, dass es so präsent ist, dass uns oft gar nicht auffällt - weil es für uns völlig „normal“ ist, so wie es ist und so wie wir leben. Die Ökonomisierung versteckt sich also sozusagen vor unseren Augen. Und dennoch - oder gerade deswegen - möchte ich in dieser Folge den Versuch starten, anhand eines Beispiels zu zeigen, wie ökonomische Motive (und ökonomisch heißt hier nichts anderes als wirtschaftlich) unser Leben beeinflussen. Möge der Versuch gelingen!Was bedeutet "Ökonomisierung"? Ich schlage vor, wir starten mal ganz am Anfang. Ich erkläre mal, was mit „Ökonomisierung“ eigentlich gemeint ist. Ökonomie, das ist nichts anderes als ein Fremdwort für Wirtschaft. Und Ökonomisierung ist also sowas wie eine „Verwirtschaftlichung“, in dem Fall eine Verwirtschaftlichung unseres Lebens. Gemeint ist damit, dass immer mehr Bereiche in unserem Leben, also Beziehungen, Bildung, Gesundheit, gesellschaftliches Engagement, Freizeit etc., dass immer mehr dieser Bereiche einer Logik folgt, die eigentlich aus dem Wirtschaftsbereich kommt. Dass Denkweisen und Handlungsweisen, die eigentlich ihren Ursprung in Unternehmen und in der Betriebswirtschaftslehre haben, auch auf Lebensbereiche angewendet werden, die vordergündig gar nichts mit Wirtschaft zu tun haben. Ich werde euch dazu noch ein Beispiel geben, aber das mal zur Erklärung im Groben. Jetzt schauen wir uns mal an: Welche Denkweisen und Handlungswiesen sind es denn, die da vom Wirtschaftsleben auf unser gesamtes Leben umgelegt werden? Naja, da wäre zuerst mal (und am wichtigsten) das so genannte „ökonomische Prinzip“, oder auch „Wirtschaftlichkeitsprinzip“. Das ökonomische Prinzip kennt im Grunde jeder, aber wahrscheinlich nicht unbedingt unter diesem Namen. Im ökonomischen Prinzip geht es um nichts anderes als das Verhältnis von Input und Output, also von dem, was man einsetzt (der Input) und das was man rausbekommt (der Output). Und die Logik des ökonomischen Prinzips ist jetzt folgende: Wirtschaftlich ist etwas, wenn ich mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Output bekomme. Also zum Beispiel: Wenn ich mit möglichst wenig Lernaufwand eine gute oder sogar sehr gute Note bekomme. Das wäre aus Sicht der Ökonomie wirtschaftliches Handeln. Oder wenn ich um möglichst wenig Geld eine supertolle Urlaubsreise buche. Denn in der Ökonomie geht es im Grunde um nichts anderes als zu schauen, dass wir möglichst immer wirtschaftlich und möglichst selten unwirtschaftlich handeln. Wobei „wir“ in dem Fall eigentlich ein bisschen ungenau ist. Denn ursprünglich geht es der Ökonomie darum, dass Unternehmen möglichst wirtschaftlich handeln. Also z.B. mit möglichst wenig Mitarbeitereinsatz möglichst viel Gewinn machen. Das wäre das ökonomische Prinzip in einem Unternehmen. Aber man kann das ökonomische Prinzip auch auf Menschen und das Leben von Menschen umlegen. Und so gesehen bedeutet Ökonomisierung des Lebens, dass diese Logik von Input und Output, die in einem Unternehmen gilt, auch auf den einzelnen Menschen und unser Leben umgelegt wird. Dass also die Frage, ob etwas „wirtschaftlich“ ist oder nicht, immer mehr unserer Lebensbereiche und Lebensentscheidungen (und damit nichts weniger als unsere Personal Projects und unsere Herzensprojekte) beeinflusst. So, jetzt ist es aber höchste Zeit für ein Beispiel, damit ihr euch das besser vorstellen könnt. Ein sehr anschauliches Beispiel, wie ich finde, ist die Ökonomisierung im Bereich der Bildung. Und damit ist nicht gemeint, dass irgendwelche Firmen in den Schulen Werbung aufhängen und die Schulen dafür Geld bekommen. Oder das Hochschulen immer mehr angewiesen sind auf Forschungsprojekte, die von Unternehmen finanziert oder mitfinanziert werden. Nein, das mag eine Folgeerscheinung sein, aber darum geht es mir nicht. Worum es mir geht, ist viel grundsätzlicher. Und es oft schon so „normal“, dass es uns gar nicht mehr auffällt. In Österreich haben wir derzeit eine Wirtschaftsministerin, die heißt Margarete Schramböck. Margarete Schramböck ist von der ÖVP, also einer traditionell eher Unternehmer-freundlichen Partei, und Frau Schramböck selbst ist erst seit Kurzem Politikerin, sie ist Quereinsteigerin und hat zuvor lange Zeit in der Telekommunikationsbranche gearbeotet. Naja, jedenfalls hat Frau Schramböck unlängst in einem Interview gemeint, dass die Gymnasien in Österreich „am Markt vorbei“ produzieren. Gemeint hat sie damit wohl, dass das, was die Schülerinnen und Schüler in einem Gymnasium lernen, nicht das ist, was die Unternehmen später von ihren zukünftigen Mitarbeiterinen und Mitarbeitern brauchen. Dass man also im Gymnasium das Falsche für den späteren Berufseinstieg und den beruflichen Erfolg lernt - Stichwort Fachkräftemangel. Naja, dieser Aussage kann man jetzt grundsätzlich zustimmen oder nicht, da gibt es Für und Wider. Wie immer geht es mir in diesem Podcast nicht um eine politische Diskussion, sondern es geht mir darum, dass diese Aussage, nämlich dass „Schule am Markt vorbei produziert“, ein gutes Beispiel ist für die Ökonomisierung eines Lebenbereiches, in dem Fall der Bildung. Was da nämlich passiert, ist, dass die Schulbildung unserer Kinder (also sozusagen der Input) reduziert wird auf die Frage: Kommt da der richtige Output raus? Und noch genauer: Kommt da der richtige Output für unsere Unternehmen heraus? Wenn man so argumentiert, dann lässt man klarerweise viele Dinge völlig weg, die in einer Schule passieren oder passieren können und die gut und wichtig für die Kinder sind. Übrig bleibt dann nur mehr die ökonomische Frage: Ist das, was in der Schule passiert und gelernt wird, „wirtschaftlich“ im Sinn von: Ist es nützlich, ist es effizient, ist das Wissen später brauchbar und so weiter. So, und jetzt stelle ich mal eine Behauptung auf: Bei diesem Beispiel der österreichischen Wirtschaftsministerin, die fordert, dass sich die Gymnasien mehr am Markt orientieren… Ich behaupte, dass sich viele Menschen da draußen, in Österreich und in Deutschland, denken: „Ja, da hat sie ja recht!“ Und ich behaupte auch, das sich gerade in diesem Moment auch ein guter Teil meiner Hörerinnen und Hörer denkt: „Günter, ich verstehe nicht, was da dein Problem ist. Im Grunde stimmt es ja: Was nützt es denn, wenn die Kinder im Gymnasium sinnlose Sachen lernen, die sie später im Berufsleben nie mehr brauchen?“ So, und da muss ich jetzt Karl Marx ins Spiel bringen.  Tauschwert vs. GebrauchswertKarl Marx ist etwas aus der Mode gekommen, das liegt auch daran, dass das Experiment des Kommunismus schrecklich schief gegangen ist. Aber ein Gedanke von Karl Marx ist für das Verständnis dieses Phänomens sehr hilfreich, finde ich, und den möchte ich euch jetzt vorstellen. Karl Marx hat nämlich eine Unterscheidung getroffen, wofür das Wissen gut sein kann, das wir im Lauf...

  48. 54

    [S05E09] Diffuse Angst (#53)

    Worum geht’s in der heutigen Folge?In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist die diffuse Angst.Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…Was ist eigentlich diffuse Angst und was ist das Problem damit? Wie wirkt sich die diffuse Angst auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um diffuse Angst in unseren Personal Projects zu verringern? Was ist eigentlich „diffuse Angst“ und was ist das Problem damit?Diffuse Angst ist, wie der Name schon sagt, eine Form der Angst, eben mit der Besonderheit, dass sie diffus ist. Das bedeutet, das ist keine Angst vor etwas ganz Konkreten, wie wenn jemand z.B. Angst vor Spinnen hat oder Flugangst oder Angst vor dem Zahnarzt. Das wären alles Bespiele für ganz konkrete Ängste. Konkrete Ängste haben einen bestimmten Grund und auch ein bestimmtes Objekt, auf das sich diese Angst richtet, eben Spinnen oder Flugzeuge oder den Zahnarzt. Diffuse Ängste funktionieren anders. Diffuse Ängste haben nämlich keinen bestimmten Grund und auch keine bestimmte Richtung - deswegen sind sie eben „diffus“. Diffuse Ängste entstehen, obwohl es gar keine konkrete Bedrohung gibt. Da ist gar nicht wirklich was, das uns Anlass zur Sorge oder zur Angst geben würde - und wir fürchten uns trotzdem.  Diffuse Ängste funktionieren nach der so genannten Angstformel, die ich bei Joki Kirschner gefunden habe. Über Joki Kirschner werde ich übrigens im Buchclub in der übernächsten Folge sprechen, wie immer gemeinsam mit meinem Co-Host Martin Schmidt. Also, Joki Kirschners Angstformel lautet: „Was geschieht, wenn morgen dies oder jenes passiert?”Die diffuse Angst beruht also auf dem „Was wäre wenn…“. Und dabei geht es meistens darum, dass wir Angst haben, dass unser Leben sich verschlechtert. Dass es uns aus irgend einem Grund in der Zukunft nicht mehr so gut gehen wird wie jetzt. „Was wäre, wenn in der Zukunft mein Umsatz einbricht?“ Das wäre ein typisches Beispiel für eine diffuse Angst einer Selbständigen. Diffus deswegen, weil sie im Moment keinen Umsatzeinbruch hat. Sie hat wahrscheinlich nicht mal Anzeichen dafür, dass in absehbarer Zukunft der Umsatz einbrechen wird. Aber es besteht natürlich die theoretische Möglichkeit, dass das irgendwann passiert - und davor hat sie Angst. Eigentlich ohne Grund und ohne Anlass, aber die Angst ist trotzdem da. Und sie ist real. Dabei ist es jetzt wichtig, diffuse Angst nicht mit Pessimismus zu verwechseln. Pessimistische Menschen sehen so ziemlich alles aus einer negativen Perspektive, aber diffuse Angst kann auch Menschen betreffen, die in den meisten Bereichen ihres Lebens ganz optimistisch sind. Und: Diffuse Angst kommt, wie gesagt, meistens da her, dass wir Angst um unsere Lebensqualität, um unsere Sicherheit und unsere materielle Absicherung haben. So weit also mal dazu, was diffuse Angst ist. Aber was hat das jetzt mit unseren Personal Projects zu tun? Wie wirkt sich diffuse Angst auf unsere Personal Projects aus?In den vergangenen Folgen über die Feinde unserer Personal Projects haben wir es ja schon öfter mit Formen der Angst zu tun gehabt, z.B. in der Folge über FOMO (die Angst, etwas zu verpassen) oder auch in der Folge über den Individualismus.  Jedenfalls habe ich da auch schon immer gesagt: Angst ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um unsere Personal Projects geht.  Warum eigentlich? Weil Angst unsere Wahrnehmung einschränkt. Wenn wir Angst haben, nehmen wir bedrohliche Dinge viel stärker wahr. Oder, noch schlimmer: Wir nehmen viel MEHR Dinge als bedrohlich wahr. Wir interpretieren Informationen also als potenziell bedrohlich, auch wenn sie eigentlich ganz neutral wären oder gar keine konkreten Auswirkungen auf unser Leben haben. Die Selbständige, die Angst davor hat, dass ihr Umsatz einbricht… Wenn die in der Zeitung davon liest, dass das Wirtschaftswachstum um 0,1% gesunken ist, dann schrillen bei ihr wahrscheinlich die Alarmglocken, weil sie befürchtet, dass ihre Kunden jetzt weniger Geld haben und ihr scharenweise davon laufen. Das ist natürlich nicht rational, aber unter Angst denken wir eben nicht rational. Wir bekommen einen Tunnelblick und nehmen Dinge als bedrohlich wahr, die objektiv gesehen gar nichts mit unserer ganz konkreten aktuellen Situation zu tun haben. Kein einziger Kunde hat gekündigt, und es gibt auch keine Anzeichen, dass das der Fall sein wird. Es ist also eine reine Fantasie, der unsere Selbständige in ihrem Herzensprojekt da zum Opfer fällt. Eine Fantasie, und eben keine Tatsache. Für unsere Personal Projects bedeutet das, dass wir so gut wie möglich versuchen sollten, die Angst aus unseren Projekten raus zu halten. Unter Angst treffen wir nämlich schlechte Entscheidungen, eben durch den Tunnelblick. Wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Projekte und besonders unsere Herzensprojekte bedroht sind, wenn wir uns vor Verlust und Mangel fürchten, dann verringern sich unsere wahrgenommenen Handlungsoptionen, dann verlieren wir unsere Kreativität, und unsere Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt.  Alles Dinge, die wir bei unseren Projekten genau nicht wollen, weil sie uns blockieren und weil auf diese Weise unsere Projekte ins Stocken geraten. Und Projekte, die stocken, bei denen wir das Gefühl haben, es geht nichts weiter oder überhaupt, dass wir Rückschritte machen… diese Projekte machen uns unglücklich. Und meistens verstärkt das dann noch die diffuse Angst, die wir eh schon haben. Also ziemlich tückisch, die ganze Sache. Bleibt die Frage: Was können wir tun?    Was können wir tun, um diffuse Angst in unseren Personal Projects zu verringern?Die Angst zu besiegen oder auch nur zu verringern, das ist keine einfache Sache. Das weiß jeder, der zB Angst vor dem Zahnarzt hat. Da nützen vernünftige Argumente nicht viel. Da kann ich mir natürlich sagen: "Günter, schau, das ist zu deinem besten. Wenn der Zahnarzt jetzt ein bisschen bohrt, dann sparst du dir viele unangenehme  Schmerzen in der Zukunft.“ Das ist vernünftig, das verstehe ich… aber ob es die Angst verringert? Ich bezweifle es. Und noch ein bisschen schwieriger ist es bei der diffusen Angst. Die hat ja gar keine konkrete Ursache, kein Ziel und keine Richtung, und deshalb ist es noch schwieriger, ihr Herr zu werden. Aber trotzdem ist es aus meiner Sicht nicht völlig hoffnungslos. Wir machen nämlich schon einen Riesenschritt, wenn uns überhaupt bewusst wird, dass es eine diffuse Angst ist, die wir da empfinden. Weil nämlich: Meistens glauben wir, dass unsere Angst oder Besorgnis völlig logisch und begründet ist. Wir nehmen die meisten unserer diffusen Ängste nämlich gar nicht als diffus wahr. Wir glauben nämlich, dass wir guten Grund haben, uns vor zB dem Umsatzeinbruch zu fürchten.  Und diesen Irrtum gilt es aufzudecken. Und dazu habe ich zwei Anregungen für euch. (1) Die erste Anregung kommt von Seth Godin, einem persönlichen Hero von mir. Seth Godin schreibt in einem Blog-Artikel über den Unterschied zwischen dem, was bedrohlich IST, und dem, was sich bedrohlich ANFÜHLT. Und da ist ein Riesenunterschied.  Die meisten Dinge, vor denen wir uns fürchten, fühlen sich bedrohlich an, aber in Wirklichkeit sind sie es gar nicht. Es zahlt sich also a...

  49. 53

    [S05E08] Resignation (#52)

     Worum geht’s in der heutigen Folge?In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist die Resignation.Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit? Wie wirkt sich Resignation  auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um Resignation in unseren Personal Projects zu vermeiden? Was ist eigentlich Resignation in Hinblick auf unsere Personal Projects und was ist das Problem damit?Also die Resignation in unseren Personal Projects… Bevor ich darüber sprechen kann, möchte ich ein bisschen ausholen. Die Resignation hat nämlich eine Vorstufe, und die nennt sich: Überforderung. Überforderung in unseren Personal Projects ist, glaube ich, eher die Regel als die Ausnahme. Wir sind in vielfältiger Weise mit unseren Personal Projects und ganz besonders mit unseren Herzensprojekten überfordert. Nehmen wir Projekte wie „Eine Ehe führen“ oder „Eine erfolgreiche berufliche Karriere haben“ oder „Mir nicht immer alles so zu Herzen nehmen“. Das sind anspruchsvolle Projekte, und ich denke, es ist ganz gut nachvollziehbar, dass wir mit diesen Projekten auch ab und zu mal überfordert sind. Aber werfen wir da mal einen genaueren Blick drauf, auf die Überforderung. Wo kommt die Überforderung in unseren Personal Projects eigentlich her? Naja, zuerst mal, und das habe ich eh schon angedeutet: Überforderung liegt quasi in der Natur von Personal Projects. Sie ist part of the game, sozusagen. Wenn man in der Managementliteratur nachliest, wie eigentlich Projekte definiert sind, dann findet man da meist folgendes Merkmal von Projekten: Etwas ist dann ein Projekt, wenn es neuartig ist. Das heißt auch für unsere Personal Projects, dass Personal Projects von ihrem Wesen her einzigartige, neuartige Dinge sind, die wir zum ersten Mal machen, wo wir noch überhaupt keine Erfahrung damit haben. Nehmen wir diesen Podcast als Beispiel: Ja, manchmal bin ich mit dem Podcast auch überfordert. Manchmal ist es echt schwer, die Zeit zu finden, eine neue Episode zu konzipieren und dann aufzunehmen. Manchmal ist es gar nicht so einfach, meine Gedanken in eine schlüssige Form zu bringen, wo ich das Gefühl habe, meine Hörerinnen und Hörer können das auch nachvollziehen. Und auch wenn ich jetzt nach mehr als 50 Folgen schon etwas Routine habe, ist doch jede einzelne Folge eine neue Herausforderung. Aber das ist ganz klar. Diese Art von Überforderung ist ganz normal und, wenn es im Rahmen bleibt, auch gut. Denn diese leichte Überforderung macht die Arbeit ja auch spannend, und umso größer ist die Freude und der Stolz, wenn wieder eine weitere Folge sozusagen im Kasten ist. Manchmal kommt die Überforderung aus unserer Umwelt. Manchmal kommen Personal Projects auf uns zu, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns jemand auf’s Auge drückt. Wenn dir deine Partnerin plötzlich eröffnet, dass sie sich von dir trennen will… Naja, das kann dich schon mal überfordern, länger oder kürzer, je nachdem. Also solche Personal Projects, die wir uns nicht ausgesucht haben und die uns in ihrer Heftigkeit vor scheinbar unüberwindbare Herausforderungen stellt, solche Projekte gibt es. Aber ich glaube, solche Projekte sind eher die Ausnahme, was die Überforderung betrifft. Meistens kommt die Überforderung nämlich aus uns selbst heraus. Wir überfordern uns selber auf vielfältige Art und Weise. Wir überfordern uns zB mit der Anzahl von Personal Projects, die wir gleichzeitig schaffen wollen. Wir überfordern uns mit den Erfolgskriterien, die wir an unsere Personal Projects anlegen. Und wir überfordern uns, und da müssen wir uns auch mal ehrlich sein, weil wir uns nicht immer wie erwachsene Menschen verhalten und auch in unseren Personal Projects einfach dumme Dinge tun. So ehrlich müssen wir auch sein. Also, das waren mal ein paar Gedanken zur Überforderung in unseren Personal Projects. Wie gesagt, Überforderung, das ist aus meiner Sicht ganz normal. Das ist im Paket unserer Personal Projects dabei. Das kommt immer wieder vor, das werden wir auch nicht vermeiden können und darüber brauchen wir uns keinen großen Kopf machen.So ist einfach das Leben. Im Prinzip ist wohl jeder von uns mit dem Leben an sich überfordert, und wir tun halt, so gut wir können. Aber Resignation… das ist etwas anderes. Resignation spielt auf einer ganz anderen Ebene als die Überforderung. Resignation ist tatsächlich ein Feind unserer Personal Projects.  Wenn wir bei einem Personal Project resignieren, dann hören wir auf, das zu tun, was eigentlich notwendig wäre. Wir geben einfach auf. Aus, Ende. Wir stecken den Kopf in den Sand und hören auf, die notwendigen nächsten Schritte im Projekt zu tun. In den meisten Fällen bedeutet das: Wir treffen einfach keine Entscheidungen mehr, weil wir das Gefühl haben: Ist eh schon wurscht, ist eh alles für die Fische. Es ist völlig egal, was ich als nächstes tue, es wird keinen Unterschied machen. Und dieser Zustand der Resignation ist, glaube ich ohne Übertreibung sagen zu können, ein Todfeind unserer Personal Projects.  Warum? Wie wirkt sich Resignation auf unsere Personal Projects aus?Resignation bedeutet, dass wir ein Personal Project einfach aufgeben - aber nicht, weil wir es schon abgeschlossen hätten oder aus der bewussten Entscheidung, das Projekt fallen zu lassen. Sondern einfach, weil wir uns damit nicht mehr beschäftigen mögen. Wir kapitulieren und treffen gar keine Entscheidungen mehr. Hauptsache, wir haben unsere Ruhe. Resignation kann viele Erscheinungsformen haben. Nicht jede Form von Resignation ist so offensichtlich. Ich gebe euch mal ein paar Beispiele für Formen der Resignation. Da wäre als erstes mal die Prokratstination, d.h. wir schieben das, was wir eigentlich zu tun hätten, bis zum St. Nimmerleinstag hinaus. Der Anruf beim Kunden, den wir schon seit zwei Wochen auf der To Do Liste haben? Warum ist der noch nicht erfolgt? Schaut so aus, als hätten wir in diesem Projekt - aus welchem Grund auch immer - resigniert. Dann wäre da das Phänomen, dass wir eine Entscheidung zu treffen haben, aber wir verlieren uns in einer endlosen Informationsrecherche. Wir rechtfertigen das damit, dass wir natürlich alle Informationen und Optionen kennen müssen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Und wir wirken ja auch sehr engagiert in dem Projekt, weil wir auch wirklich viel Zeit investieren. Aber wenn wir bei der Recherche zu keinem Ende und dadurch zu keiner Entscheidung kommen, dann ist das auch nichts anderes als eine sehr beschäftigte Form der Resignation. Dann wäre da natürlich das Grübeln, das Gedankenkreisen. Wenn wir in endlosen Reflexionsschleifen gefangen sind und dadurch zu keiner Entscheidung fähig sind, dann ist das auch nichts anderes als Resignation. Oder diese beliebte Form der Resignation: Wir überlassen wichtige Entscheidungen einfach jemand anderem - und geben damit auch die Verantwortung ab. Oder wir überlassen die Entscheidung überhaupt dem Zufall oder dem Schicksal oder dem Horoskop. Das sind alles Formen der Resignation, weil wir die Verantwortung in unseren Personal Projects nicht mehr wahr nehmen. Noch schlimmer natürlich, wenn das unsere Herzensprojekte betrifft. Und letztes Beispiel, ebenfalls sehr beliebt: Wir wählen kontinuierlich die Option, die uns kurzfristig weniger Schmerze...

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    [S05E07] FOMO - Die Angst, etwas zu verpassen (#51)

    Worum geht's in dieser Folge? In der 5. Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja um die „Feinde“ unserer Personal Projects, und der Feind, den ich mir in dieser Folge vornehme, ist FOMO - Fear Of Missing Out, oder die Angst, etwas zu verpassen.Und so möchte ich mir auch in dieser Folge wieder ansehen…Was bedeutet FOMO genau, und was ist eigentlich das Problem damit? Wie wirkt sich FOMO  auf unsere Personal Projects aus? Was können wir tun, um mit FOMO in unseren Personal Projects besser umzugehen? Was bedeutet „FOMO“ genau, und was ist eigentlich das Problem damit? FOMO ist die Abkürzung, also das Akronym, von „Fear Of Missing Out“ - also die Angst, etwas zu versäumen. Gemeint ist damit, dass wir Menschen darunter leiden, wenn wir das Gefühl haben, wir sind bei etwas nicht dabei - und genau dort, wo wir jetzt nicht dabei sind, könnte etwas passieren oder besprochen werden, was für uns eigentlich ganz, ganz immens wichtig wäre. FOMO tritt also dann auf, wenn du z.B. zur Vereinssitzung nicht gehen kannst, weil du krank bist. Wer weiß, was du da versäumst! Oder wenn du an einem Abend entweder zur Geburtstagsparty deines Freundes oder zum Konzert deiner Lieblingsband gehen kannst: Egal, wie du dich entscheidest, du wirst unter FOMO leiden, weil du notgedrungen etwas verpasst. Also die Angst, etwas zu verpassen, ist auch die Angst, dass wir die falschen Entscheidungen treffen und uns im Nachhinein denken: Wäre ich nicht doch besser zum Konzert gegangen und nicht zu dieser öden Party! Oder eben auch umgekehrt: Wer weiß, wie viel Spaß meine ganzen Freunde bei der Party haben, und ich steh da allein in der stickigen Konzerthalle. Und das natürlich umso mehr, wenn du während des Konzerts auf Facebook ein lustiges Foto von der Party gepostet siehst. Und jedes weitere lustige Foto befeuert deine Zweifel. Aber wiederum auch umgekehrt: Wenn du bei der Party bist und währenddessen nur mal kurz Facebook checkst und da siehst du ein Livevideo vom Konzert… Naja, du kannst dir wahrscheinlich denken, was dann passiert. Dabei ist FOMO längst kein neues Phänomen, das durch Social Media entstanden wäre. Nein, FOMO gibt es im Grunde schon so lange es Menschen gibt. Soziale Interaktionen sind für uns Menschen unerlässlich. Wir brauchen sie zum Leben genauso notwendig wie Nahrung. Die Angst vor dem Alleinsein, also die Angst, etwas wichtiges in den sozialen Gruppen, in denen man sich bewegt, etwas Wichtiges zu versäumen… ja, das war eine Art Überlebensschutz! Diese Zeiten sind natürlich vorbei, und FOMO ist keine Frage des Überlebens mehr. Und dennoch ist FOMO heute weiter verbreitet denn je. FOMO verstärkt sich nämlich durch die modernen technischen Geräte (ja klar, ich meine das Smartphone) und dem schnellen Zugang zu Informationen über die sozialen Gruppen, in denen wir uns bewegen (und ja, ich meine damit Facebook und Instagram und die anderen üblichen Verdächtigen). Social Media macht es so wahnsinnig einfach, uns mit anderen zu vergleichen. Und das Vergleichen ist der ideale Nährboden für FOMO. Nach dem Motto: Warum ist mein eigenes Leben eigentlich so langweilig? FOMO ist, und das muss uns bewusst sein, eine diffuse Angst. Also keine Angst vor etwas Bestimmten, vor einer bestimmten Gefahr (wie zB Flugangst oder die Angst vor Spinnen), sondern eben diffus. Diese Angst hat keinen eindeutigen Auslöser, keinen bestimmten Grund und auch keine konkrete Bedrohung. Und genau das macht diffuse Ängste so gefährlich. Aber mehr zu diffusen Ängsten dann in der übernächsten Podcast-Folge. Bleiben wir für heute bei der FOMO und schauen wir uns als nächstes an: Wie wirkt sich FOMO auf unsere Personal Projects aus?Grundsätzlich gilt ja: Angst ist ein schlechter Ratgeber, besonders bei unseren Personal Projects. Und die Angst, etwas zu versäumen, macht da keine Ausnahme. Mir kommt vor, dass FOMO wie eine Art Brandbeschleuniger wirkt. Die Herausforderungen, die wir mit Personal Projects haben und über die ich in den vorigen Episoden dieser Staffel schon gesprochen habe, die werden durch FOMO nochmal verstärkt. Was ich damit meine, möchte ich euch an drei Beispielen zeigen. (1) Wir haben ja schon gesagt, dass das Vergleichen mit Anderen - und damit auch das Vergleichen unserer Personal Projects mit den Personal Projects anderer - uns und unseren Personal Projects viel mehr schadet als nützt. In der Folge über den Verlust der Eigenzeit habe ich das schon genauer besprochen. FOMO verstärkt natürlich unser Drängen, uns zu vergleichen - weil schließlich wollen wir nicht mit Personal Projects unsere Zeit verschwenden, wenn andere mit anderen Personal Projects viel glücklicher zu sein scheinen. Aber das ist natürlich völliger Unsinn. Wir vergleichen nämlich, was nicht zu vergleichen ist - und FOMO gibt uns dafür scheinbar die Legitimation. (2) In der letzten Folge, wo es um den Verlust der Stille gegangen ist, habe ich ja gesagt, dass wir die wenigen Momente der Stille, die wir eigentlich hätten, uns oft selber zerstören, indem wir uns mit irgendwelchen Nichtigkeiten von der Stille ablenken. Und FOMO ist genau der Grund dafür. Während wir nämlich still sein könnten, haben wir Angst, was wir durch das Stillsein versäumen könnten. Was passiert derweil auf Facebook? Welche Podcasts könnte ich in der Zwischenzeit hören? usw. Seltsamerweise haben wir aber kein FOMO, wenn es um die Stille geht. Wir haben keine Angst vor dem, was wir versäumen, wenn wir zu wenig still sind. Nur umgekehrt. Und das tut, wie gesagt, unseren Personal Projects - und ganz besonders unseren Herzensprojekten - nicht gut. Weil die brauchen Stille wie die Blumen den Regen. (3) FOMO verhindert, dass wir uns festlegen. FOMO verhindert, dass wir Entscheidungen treffen - weil wir uns nicht endgültig festlegen wollen. Eben weil wir Angst haben, dass wir uns mit einer Entscheidung die ganzen anderen Möglichkeiten vergeben, gegen die wir uns entscheiden würden. Über dieses Problem habe ich in der allerersten Staffel des Podcasts eine Folge gemacht mit dem Titel „Im Rausch der Optionen“. Wenn du Lust hast, kannst du darin gerne nachhören, wie die Angst vor der Auswahl (und damit natürlich die Angst, dass wir etwas versäumen), viele unserer Personal Projects nie abschließen oder andere Personal Projects gar nie starten oder bei anderen Personal Projects laufend auf der Stelle treten. Diese drei Beispiele sind natürlich nicht umfassend für die Probleme, die FOMO in unseren Personal Projects erzeugt. Aber ich denke, sie zeigen schon, dass wir es da mit einem mächtigen Feind zu tun haben, vor dem wir unsere Personal Projects so gut wie möglich schützen sollten. Die Frage ist aber: Wie? Was können wir tun, um mit FOMO in unseren Personal Projects besser umzugehen?Ich denke, hier schadet ein kleiner Reality Check nicht. Die Angst, etwas zu versäumen - gerade was soziale Beziehungen betrifft -, die ist tief in unserem Gehirn verwurzelt. Die werden wir nicht los. Ich bin mir nicht mal sicher, ob irgendwelche Zen-Möche, die abgeschieden in einen Kloster leben und den ganzen Tag meditieren, ob nicht auch diese Zen-Mönche nicht immer wieder mal FOMO haben und sich denken: Meine Güte, das Leben hier ist schon ziemlich langweilig. Ich hätte wahrscheinlich doch besser in meinem Dorf bei meiner Familie bleiben sollen. Kann sein, dass sich auch die sowas in der Richtung denken. Also, ich glaube, wir werden FOMO nicht los. Was wir aber versuchen können, ist, FOMO so weit in den Griff zu bekommen, dass sie uns nicht zu sehr schadet und ablenkt von dem, was eigentlich w...

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[Projekt: Leben] - Der Podcast für alle, die noch was vor haben im Leben. Hier lernst du, deine "Personal Projects" clever zu managen, sodass du all die Dinge verwirklichen kannst, die dir wirklich wichtig sind - und damit zu einem erfüllten Leben findest. Von und mit: Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com

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