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Mein Podcast aus Europa. Aktuell, exklusiv und modern. Ich bin Philipp Sandmann, ehemals politischer Korrespondent bei RTL/ntv in Berlin. Von 2023 bis 2025 war ich Master-Student (Studienfach “Foreign Service”) an der Georgetown Universität in Washington D.C. In dieser Zeit habe ich meinen ersten Newsletter, “Gedanken aus Washington D.C.”, gestartet. Nun schreibe ich aus Europa über ganz unterschiedliche Themen. Hier gibt es exklusive Interviews, investigative Themen und knackige Kommentare. Danke für Ihre Unterstützung! philippsandmann.substack.com

  1. 32

    Berlins Blackout ist Deutschlands letzte Warnung

    Liebe Leserinnen und Leser, das Jahr 2026 schickt in seinen ersten Stunden gleich ein paar deutliche Botschaften. Ich bin skeptisch, ob sie in Berlin gehört bzw. richtig interpretiert werden. Anhand von zwei Ereignissen der vergangenen vier Tage lassen sich klare Schlüsse ziehen: * US-Präsident Donald Trump hat - wie erwartet - den Diktator Venezuelas entmachtet und in die USA bringen lassen. Er zeigt damit, dass die USA (so wie Russland) das internationale Völkerrecht endgültig ignorieren und das der ganzen Welt auch beweisen wollen. Wer glaubt, es gehe Trump um das Wohlergehen der Menschen in Venezuela, der irrt gewaltig. —> Weltweit gilt immer öfter das Recht des Stärkeren. Die Europäische Union sollte sich darüber Gedanken machen.* Berlin erlebt zur kältesten Jahreszeit einen monumentalen Stromausfall, der für Tage andauert. Er lässt zeitweise 45.000 Haushalte ohne Strom und/oder ohne Heizung. Eine linksextremistische Gruppierung bekannte sich zu dem Anschlag auf ein Umspannwerk, der zu dem Stromausfall geführt hatte. Die Hauptstadt der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt zeigt sich fragil. —> Wir sind nicht auf den Ernstfall vorbereitet. Das müssen wir ändern.Schauen Sie hier meine kurze Reportage vom Sonntagabend aus dem Berliner Stadtteil Zehlendorf an. (LINK)„Maßstab bleibt das Völkerrecht“Aber fangen wir mit dem US-Angriff auf Venezuela an und schauen wir auf die Reaktion von Bundeskanzler Friedrich Merz. Der schrieb: „Nicolás Maduro hat sein Land ins Verderben geführt. Die letzte Wahl wurde gefälscht. Die Präsidentschaft haben wir – wie viele andere Staaten auf der Welt – daher nicht anerkannt. Maduro spielte in der Region eine problematische Rolle. Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit. Maßstab bleibt das Völkerrecht. Jetzt darf in Venezuela keine politische Instabilität entstehen. Ziel sollte ein geordneter Übergang hin zu einer durch Wahlen legitimierten Regierung sein.“Bemerkenswert ist, dass Friedrich Merz versucht, das Vorgehen des US-Präsidenten zu erklären bzw. zu legitimieren. Die rechtliche Einordnung des Einsatzes sei „komplex“ und es brauche nun einen „geordneten“ Übergang zu einer „durch Wahlen legitimierten Regierung.“Ich will Merz gar nicht grundsätzlich widersprechen. Er liegt richtig damit, dass Maduro kein legitimer Präsident war und dieser die Menschen im Land unterdrückt und teils grausam behandelt hat. Schwierig an dem Statement ist das, was zwischen den Zeilen vermittelt wird. Merz lässt durchblicken, dass Trump womöglich auf Basis von geltendem Recht gehandelt habe. Merz schreibt natürlich nicht dazu, welches Recht er genau meint. Denn in der Tat lässt sich darüber streiten, ob Trump nationales, also US-Recht, gebrochen hat oder nicht. Worüber sich allerdings nicht streiten lässt: dass Trump offensichtlich internationales Recht gebrochen hat.Für einige (u.a. rechtliche) Hintergründe darf ich meinen Artikel von vor ein paar Wochen empfehlen, in dem ich erklärt habe, warum US-Präsident Donald Trump schon vor Monaten von einem „nicht-internationalen bewaffneten Konflikt“ mit terroristischen Organisationen gesprochen hatte.Aber sicher rechtfertigt doch das Entfernen eines fiesen Diktators die Mittel? Hier kommen wir jedenfalls zu einer sensiblen Debatte. Denn die Frage ist schon auch: Was waren die wirklichen Beweggründe hinter dem Militäreinsatz? Gab es womöglich einen Deal zwischen Trump und Maduros Vizepräsidentin Delcy Rodríguez? Welche Rolle spielen die enormen Öl-Reserven in Venezuela? Die Aussagen von Donald Trump in den vergangenen Stunden lassen jedenfalls wenig Raum für Interpretation. Sie sind ziemlich klar und deutlich:* „Wir werden das Land vorerst regieren.“* Trump sagte, dass die USA sich „sehr stark“ in die Zukunft der venezolanischen Ölindustrie einmischen würden.* „Unsere Ölfirmen, die größten der Welt, werden in dem Land Milliarden investieren und die kaputte Infrastruktur reparieren.“Klingt das nach Regime-Change und Demokratie? Oder klingt das eher nach wirtschaftlichen Interessen? Ein weiterer Satz von Trump ist mir bei alledem in Erinnerung geblieben, den er vor einigen Monaten bei einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj sagte: „Während des Krieges muss man keine Wahlen abhalten? Mal sehen, wenn wir in dreieinhalb Jahren zufällig mit jemandem im Krieg sind, gibt es dann keine Wahlen mehr? Das ist gut.“Grönland - „SOON“Ebenfalls interessant ist, wie schnell doch einige Kommentatoren das internationale Völkerrecht verteufeln und Trump ausdrücklich dafür loben, dass er einfach gehandelt hat. Auch das ist erstaunlich kurzsichtig und naiv.Wir leben nämlich zunehmend in einer Welt, in der nicht Gesetze die Grundlage dafür sind was erlaubt ist und was nicht, sondern vielmehr die Macht des Stärkeren. Wer das feiert und gutheißt, der sollte nicht vergessen, dass es einen Grund dafür gibt, warum wir uns als Staatengemeinschaft auf Regeln geeinigt haben (z.B. auf die UN-Charta): Um zu gewährleisten, dass nicht das Recht des Stärkeren gilt und auch kleinere Länder und Staaten geschützt werden - wie z.B. in der Europäischen Union. Wenn wir zulassen, dass dieses Konstrukt gänzlich ausgehebelt wird, dann ist niemand mehr sicher. Schon gar nicht wir in Europa.Sie glauben mir nicht? Dann schauen wir auf das, was die politische Beraterin und Trump-Vertraute Katie Miller im Zuge des US-Militäreinsatzes in Venezuela veröffentlichte. Sie postete auf X eine Landkarte auf der Grönland in US-Farben eingefärbt ist. Sie schrieb dazu: SOON - also „bald“. Eine klare Anspielung darauf, dass die US-Regierung immer mehr in Erwägung zieht, Grönland an sich zu reißen und auch hier internationales Recht ignorieren will. Wie würden die europäischen Trump-Verteidiger dann reagieren? Wäre das auch eine wünschenswerte Handlung bei der Trump zeigt, dass er ein „Macher“ ist? Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen lieferte dazu einen - wie ich finde - klugen Kommentar, dem vor allem mit Blick auf internationales Recht nichts hinzuzufügen ist: „So wie in ihrer nationalen Sicherheitsstrategie dargelegt, betrachten die USA den amerikanischen Kontinent als ihre Domäne. Die Durchsetzung ihrer Interessen dort ist für die Regierung Trump keine Frage des Völkerrechts. Und die Europäer spielen für sie hier keine Rolle. Für Europa heißt das, dass nichts dafür spricht, dass Trump seine Ankündigung, Grönland als Teil des Staatsterritoriums Dänemark den USA einzugliedern, nicht verwirklicht. Selbst in diesem Fall verfügt Europa kaum über Machthebel. Das Wenige, was uns dann zur Seite stünde, wäre das Völkerrecht. Darum müssen wir auf der Autorität des Völkerrechts bestehen. Das gilt unbeschadet der Tatsache, dass Maduro ein illegaler Präsident, Diktator und Chef eines kriminellen Kartells war.“Berlins Blackout ist mehr als nur ein StromausfallZum Schluss noch ein paar kurze Einschätzungen zu dem weitflächigen Stromausfall im Südwesten von Berlin. Zum einen: Sollte es sich wirklich bestätigen, dass eine linksradikale Gruppierung für diesen Sabotageakt verantwortlich ist, dann müssen die Täter - sollten sie gefunden werden - mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden. Zum anderen: Ich sehe diesen Vorfall als so etwas wie die letzte Warnung für Deutschland mit Blick auf das Thema Zivilschutz und die Vorbereitung auf größere Krisen. Wenn es Übeltätern gelingt, dass große Teile Berlins für Tage ohne Strom bleiben, dann brauchen wir nicht nur eine Strategie, wie sich das verhindern lässt, sondern auch das neue Bewusstsein in der Bevölkerung, dass sie sich die Menschen auf solche Ernstfälle vorbereiten müssen. Das Jahr 2026 beginnt mit klaren Botschaften. Wir sollten zuhören. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche. Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  2. 31

    Der Blick von oben

    Liebe Leserinnen und Leser,ich wünsche Ihnen einen schönen vierten Advent. Dies ist mein letzter Newsletter für das Jahr 2025. Ich gehe in eine kurze Winterpause bis Anfang Januar.Vor genau einem Jahr, am 22. Dezember 2024, habe ich meinen finalen Text für 2024 geschrieben. 365 Tage später könnte ich ihn, leider, fast wortgleich so nochmal veröffentlichen.Vor ein paar Wochen saß ich im Flugzeug und schaute während der Landung aus dem Fenster. Ich bin beim Fliegen ein am-Fenster-Sitzer. Die Sonne schien, die Sicht war gut, der Himmel blau. Wir waren vielleicht noch 1200 Meter über dem Boden. Die perfekte Höhe, um unten alles wie ein Miniatur-Wunderland erscheinen zu lassen.Die Windräder wirkten wie kleine Zahnstocher, die jemand behutsam mit weißer und roter Farbe angemalt hatte und die Bahn sah wie eine Märklin-Modelleisenbahn aus, die ein spielendes Kind gerade auf die nächste Weiche zusteuern ließ. Drumherum Wiesen, Ortschaften, Traktoren, Fußballfelder, eine Autobahn, Strommasten, Seen, Wälder.Von oben sah alles so friedlich aus.Vor allem schien alles zu funktionieren. Als hätte irgendjemand den Einschaltknopf bedient und die perfekte kleine Welt zum Leben erweckt. Dieser Moment dauerte vielleicht eine Minute an. Eine schöne Minute, in der ich mir gedacht habe, wie sich das wohl für Astronauten anfühlen muss, die nicht nur einen Kilometer von der Erde entfernt sind, sondern mehrere hundert. Was fühlt man, wenn man aus so einer großen Entfernung auf unsere Erde blickt? Ich konnte jedenfalls ansatzweise verstehen, warum Astronauten oft ehrfürchtig sind, wenn sie zurückkehren auf die Erde und den Menschen sagen: Es gibt nur diesen einen Planeten für uns, wir sollten besser auf ihn aufpassen.Unten, nach der Landung, ist man dann zurück in der Realität. Zurück in der gleichen Welt, die von oben so friedlich und perfekt aussah, und in der man sich nun über all das ärgert, was nicht funktioniert. Da sind wir dann gefangen im täglichen Geschäft und in der kurzfristigen Sicht auf die Dinge.Dieser Moment im Flugzeug war für mich jedenfalls eine wichtige Erkenntnis am Ende eines Jahres, das für viele Menschen sicher kein ganz einfaches war. Wir brauchen immer mal wieder Abstand. Abstand von dem, was wir jeden Tag tun; Abstand von den Dingen, die wir lieben; Abstand von uns selbst.Abstand ist wichtig, um zu erkennen, was uns wichtig ist. Und vielleicht gewinnen wir dadurch auch wieder etwas mehr Optimismus.Mein Bauchgefühl sagt mir, dass 2026 ein Jahr mit vielen Herausforderungen wird. Trotzdem habe ich für mich entschieden, mit einer Mischung aus Realismus und Optimismus auf das kommende Jahr zu blicken. Ich bin der Meinung: Es ist unsere Verantwortung als Menschen, als Bürgerinnen und Bürger, dass wir einen Grund-Optimismus wahren und nicht in einen bodenlosen Pessimismus verfallen, der uns ganz sicher in den Ruin treiben würde.Pessimistisch zu sein, das ist einfach. Aber machen wir es uns nicht einfach, sondern überlegen wir lieber, wie wir die großen Hürden der kommenden Jahre gemeinsam meistern können.Ich wünsche Ihnen und Ihren Liebsten frohe Weihnachten und viele sanfte Landungen im kommenden Jahr. Ich bedanke mich herzlich für die Unterstützung und freue mich auf den weiteren Austausch in 2026.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  3. 30

    "Die USA sind kein Wertepartner mehr, sondern Gegner"

    Liebe Leserinnen und Leser,in den vergangenen Tagen ist einmal mehr klar geworden, dass auf das demokratische Europa schwere Zeiten zukommen.Die Europäische Union steht womöglich vor der größten Zerreißprobe ihrer Geschichte, denn sie hat es mit Feinden zutun, die die europäische Integration von innen und von außen vernichten wollen.So machte US-Präsident Donald Trump in seiner National Security Strategy deutlich, dass die USA in Europa Bewegungen unterstützen und „kultivieren“ wollten, die Widerstand gegen den aktuellen Weg Europas leisten. Außerdem müsse man verhindern, so Trump, dass die NATO als sich ständig ausdehnende Allianz wahrgenommen werde.Insgesamt ist der Teil zu Europa, der den Titel Promoting European Greatness trägt, voll von Passagen, die subtil (oder nicht so subtil) hervorheben, dass europäische Länder auf ihre nationale und individuelle Identität setzen sollten und weniger auf die europäische Gemeinschaft. So steht in dem Dokument:Die amerikanische Diplomatie sollte sich weiterhin für echte Demokratie, Meinungsfreiheit und die unverhohlene Würdigung der individuellen Identität und Geschichte der europäischen Nationen einsetzen. Amerika ermutigt seine politischen Verbündeten in Europa, die Wiederbelebung dieses Geistes zu fördern. Der wachsende Einfluss patriotischer europäischer Parteien gibt in der Tat Anlass zu großem Optimismus.Europa wird herabgewürdigtNatürlich hat Trump kein echtes Interesse an „European Greatness“. Ebenso hat Trump - wir wir mittlerweile in den USA gesehen haben - auch kein wirkliches Interesse an Meinungsfreiheit, es sei denn, es ist seine eigene Meinung.Der CDU-Außen- und Verteidigungsexperte Roderich Kiesewetter schickte mir seine Einschätzung zu dem Thema und fand deutliche Worte:„Europa wird herabwürdigend beschrieben und zum Objekt US-amerikanischer Machtpolitik. Die USA sind also kein Wertepartner mehr, sondern Gegner der bisherigen regelbasierten Ordnung.Europa läuft Gefahr, Gegenstand von Einflussinteressen zu werden. Das lösen wir nur mit klarer Positionierung und europäischer Koordinierung. Europa muss Smart Power aufbauen, militärische und geoökonomische Stärke entwickeln, um zu vermeiden, Spielball von USA, Russland oder China zu werden. In Teilen sind wir das bereits, wie der 28-Punkte-Plan zeigt.Auf Deutschland mit seiner Scharnierfunktion und noch vorhandenen ökonomischen Stärke kommt es jetzt besonders an.“Ebenfalls einen wichtigen Punkt machte Carl Bildt, ehemals Ministerpräsident von Schweden, der trocken bemerkte: „Der einzige Teil der Welt, wo die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA eine Bedrohung gegen die Demokratie sieht, ist anscheinend Europa. Bizarr.“Und dann ist da noch Elon Musk, der zum Frontalangriff gegen die Europäische Union aufgerufen hat. Nachdem die EU es gewagt hatte, seinem Unternehmen X aufgrund von Transparenzmängeln eine Strafe von 120 Millionen Euro aufzubrummen, schrieb dieser auf seinem Netzwerk: „Die EU sollte abgeschafft werden und die individuellen Nationen sollten ihre Souveränität zurückbekommen, damit die Regierungen ihre Bürger besser repräsentieren können.“Das EU-Bußgeld setzt sich aus drei Komponenten zusammen: 45 Millionen Euro entfallen auf die Regelungen zu den Verifizierungshäkchen, 40 Millionen Euro auf den unzureichenden Datenzugang für Forscher und weitere 35 Millionen Euro auf mangelnde Transparenz bei Werbeanzeigen.Musk ging noch einen Schritt weiter und schrieb, dass man die EU mit dem Nationalsozialismus vergleichen könne und sie deswegen so etwas wie das Vierte Reich sei.Musks Wut über die EU und seiner Forderung nach deren Abschaffung, wird in den kommenden Wochen diejenigen befeuern, die die EU von innen zerstören wollen.Dazu gehören Menschen wie Martin Sellner, ein rechtsextremer Aktivist aus Österreich, der die EU als „Freiluftgefängnis für Europäer“ bezeichnete.In diesem Zusammenhang möchte ich auf ein Video von Gerald Knaus hinweisen, das wir in der vergangenen Woche in Berlin aufgenommen haben. Ich kann es jedem empfehlen, weil Knaus hier dezidiert die Feinde der europäischen Integration benennt und erklärt, warum wir uns eine neue Strategie überlegen müssen, wie wir gegen diese Feinde ankommen.Naivität, Geschichtsvergessenheit, IgnoranzNeben den offensichtlichen Gegnern der EU und der NATO - radikale Kräfte, wie z.B. die AfD - gibt es in Deutschland leider auch erstaunlich viele Menschen, die mit einer ziemlichen Ignoranz auf das Thema EU, NATO und die Ukraine blicken.So sagte in einer ZDF-Sendung der junge „Politik-Influencer“ Simon David Dressler vor einigen Tagen u.a. diese Sätze:* „Ich lehne die Wehrpflicht ab. Ich finde, niemand hat dem Staat sein Leben zu geben.“* „Das ist ja die große Verlogenheit, dass immer so getan wird, als stünde der Russe einen Kilometer vor Berlin.“* „Ich kann mir nicht so richtig erklären, warum die morgen versuchen sollten, in Deutschland einzumarschieren.“* „Im absoluten worst case, dass der Russe morgen vor Berlin steht, auch dann würde ich sagen: Wir werden weiter existieren, nur der deutsche Staat wird vielleicht nicht weiter existieren. Aber ich bin ja nicht der deutsche Staat.“Die Aussagen sind so dermaßen naiv und geschichtsvergessen, dass man doch fast den Eindruck gewinnen könnte, dass der junge Mann hier ganz bewusst provozieren will, um Reichweite zu generieren. Leider funktioniert das in der heutigen Zeit in den sozialen Medien gut.Trotzdem hat mich gerade der letzte Satz schockiert. Da ist es im Grunde genommen nebensächlich, ob der Influencer ihn nur mit Blick auf Reichweite gesagt hat, oder ihn wirklich so meint. So ein Satz steht für eine Geisteshaltung, die mich zunehmend stört.Und ich muss es so deutlich sagen: Gerade die Deutschen sollten es wirklich besser wissen.Zu behaupten, dass „wir weiter existieren werden“, selbst wenn der deutsche Staat womöglich nicht mehr existiert, ist auf mehreren Ebenen eine grob fahrlässige Aussage.Ich will das erklären.Nehmen wir den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine als Beispiel. Hier wird nämlich klar, dass die Ukraine nur deswegen weiterhin existiert, weil Menschen bereit sind, für ihr Land zu kämpfen. Die Existenz von Staat und dem Individuum kann dabei nicht voneinander getrennt werden. Denn Wladimir Putins ausgewiesenes Ziel ist es ja, die Ukraine als solche zu zerstören und damit auch die Menschen zu vernichten, die weiterhin ukrainisch sein und ihre nationale Identität behalten wollen.Wenn man die Existenz des Staates und der individuellen Identität voneinander trennen würde - und die Ukrainer z.B. ihren Staat aufgegeben hätten - dann hätten sie längst beides verloren: ihr Land und ihre Identität.In diesem Kontext habe ich vor einigen Jahren ein Interview mit dem Historiker Eugene Finkel geführt, dessen Aussagen bis heute noch eine Relevanz haben. Er sagte damals:* „Wir haben natürlich damals schon die politische Rhetorik und Geisteshaltung an der Spitze der russischen Regierung beobachtet, sowie in den russischen Staatsmedien. Vor allem die Propaganda, dass die Ukraine nicht existiert oder dass die Ukraine ‘russifiziert’ werden soll und gleichzeitig jeder vernichtet werden muss, der nicht russisch sein will. Damals begann dieser Diskurs sich zu intensivieren: von der Befreiung von Ukrainern, zum Töten von Ukrainern. Seitdem sind immer mehr Beweise ans Licht gekommen, und zwar nicht von den Medien, sondern auch von hochrangigen Staatsbeamten. Man kann also sagen: Es gibt nun deutlich mehr Beweise dafür, dass es den tatsächlichen Vorsatz gibt, die ukrainische Nation zu zerstören.“* „Ukrainisch zu sprechen oder jegliche Form einer ukrainischen Identität zu zeigen, barg eine große Gefahr für die Menschen. Es gab und gibt konkrete Ziele, die auf einem ‘Ukrainischsein’ basieren.“Im Kampf der IdeenIch habe meine Zuversicht allerdings nicht verloren. Im Gegenteil. Ab 2026 starten wir ein Europa-Projekt, mit dem wir insbesondere junge Menschen erreichen wollen. Und ein Satz ist mir am Ende noch wichtig: Ich habe kein Problem damit, wenn Menschen in Deutschland gegen die Wehrpflicht auf die Straße gehen. Das ist ihr gutes Recht. Salman Rushdie sagte in dem Kontext jüngst in einem Interview:Meine altmodische Ansicht ist, dass die Verteidigung der Meinungsfreiheit dann beginnt, wenn jemand etwas sagt, das Ihnen nicht gefällt.Womit ich allerdings ein Problem habe - und darüber können wir gerne diskutieren - ist wenn Menschen behaupten, dass man nichts für den Erhalt des Staates oder der Heimat tun müsste. Denn letztlich ist es doch so: Deutschland und das demokratische Europa existieren heute nur deswegen, weil andere mal dafür gekämpft und uns vom Terror befreit haben.Haben wir das schon vergessen?Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntagabend und einen guten Start in die Woche.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  4. 29

    Im Kampf der Ideen für Europa

    Liebe Leserinnen und Leser,in den vergangenen Wochen hat mich die Frage beschäftigt, warum die demokratischen Kräfte drohen, den Kampf der Ideen zu verlieren.Warum gewinnen radikale Parteien und Bewegungen an Zuspruch und warum gelingt es ihnen, ein wirkungsvolles Narrativ zu etablieren?Eine Antwort: Die Vertreter dieser Parteien haben ihre Strategien in den sozialen Medien perfektioniert. Sie wissen, welche Geschichten sie erzählen müssen, damit die Algorithmen ihnen maximale Reichweite verschaffen. Emotional aufgeladene Botschaften verzerren, sind oft falsch, finden aber Gehör.Dazu ist in den sozialen Netzwerken zuletzt eine Grafik der Bertelsmann Stiftung geteilt worden, die den Status Quo gut beschreibt. Was sie zeigt: Obwohl der Output von CDU/CSU und AfD auf TikTok nahezu identisch ist (17,1% vs. 21,5%), so wird das Exposure der AfD-Inhalte durch den Algorithmus nahe zu verdoppelt - auf 37,4 Prozent. Der Content von CDU/CSU fällt wiederum auf 4,9 Prozent. Andere demokratische Parteien der Mitte haben ähnliche Probleme, wie z.B. die Grünen oder die SPD.Ganz rechts und ganz links schaffen es wiederum, dass ihre Inhalte vom Algorithmus „belohnt“ werden und sich ihre Reichweite um ein Vielfaches erhöht.Die Grafik steht für ein viel größeres Problem und einen Trend, der sich zunehmend verschärft: Radikale Parteien erreichen in den sozialen Medien, z.B. auf TikTok, immer mehr junge Menschen mit Halbwahrheiten und teilweise auch mit Hass, Hetze und Lügen. Die Parteien der Mitte wirken hingegen eher hilflos und entmutigt.Dabei müssten gerade jetzt die demokratischen Kräfte verstehen, dass sie raus aus der Defensive und in die Offensive müssen. Wie die Zeit vor einigen Tagen richtigerweise anmerkte: „Während andere Parteien noch nicht mal von Wahlkampf reden, führt ihn die AfD längst.“ Gemeint war u.a. die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im kommenden Jahr. Die AfD steht laut Umfragen bei knapp 40 Prozent.Auch die neue Parteijugend der AfD, die sogenannte Generation Deutschland, bringt sich in Stellung. Am vergangenen Samstag wählte sie Jean-Pascal Hohm (28) zum Chef des Nachwuchsverbands. Sein Landesverband in Brandenburg wird vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft.Wie reagiert das demokratische Europa?Die entscheidende Frage ist nun, wie die demokratischen Kräfte auf diese Entwicklungen reagieren. Reagieren sie überhaupt? Für mich ist klar: Europäische Demokratien müssen in den kommenden Jahren beweisen, dass sie in der Lage sind, Probleme zusammen zu lösen. Deutschlands enorme Herausforderungen lassen sich nur mit der Europäischen Union meistern und nicht allein über den Nationalstaat.Aus diesem Grund haben wir in den letzten Monaten bei der European Stability Initiative an einem Europa-Aufruf gearbeitet. Wir wollen ein Netzwerk an Verbündeten schaffen, die an das europäische Projekt glauben und uns dabei unterstützen, seine Werte gegen illiberale Kräfte zu beschützen. Nur so können wir auch künftig eine historisch einmalig erfolgreiche und attraktive Wirtschaftsregion für Unternehmerinnen und Unternehmer, Start-ups und Innovatoren erhalten.Es geht dabei um die Verteidigung des gemeinsamen Binnenmarktes, der Rechtsstaatlichkeit und der offenen Grenzen zwischen demokratischen Staaten. Ebenso geht es um die Fähigkeit, äußeren Bedrohungen wirksam begegnen zu können.Dabei ist jedoch offensichtlich, dass die Herausforderungen weiter wachsen werden. Das Putin-Regime hat seit 2022 durch Handlungen und Aussagen bestätigt, dass es auf die Zerschlagung der demokratischen Ukraine setzt, und auch seine hybriden Angriffe auf Europas Demokratien verschärft. In den USA kam 2025 ein Präsident an die Macht, der so klar wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg das internationale System, dass die USA nach 1945 mitgeschaffen haben, zerrüttet, und der dabei auch die europäischen Institutionen als Gegner sieht.Von Moskau wie von Washington werden in Europas Demokratien, auch in Deutschland, politische Kräfte unterstützt, die versprechen, die nach 1949 geschaffenen und bis heute den demokratischen Frieden tragenden Institutionen – die Europäische Union, die NATO und den Europarat – zu schwächen oder sogar abzuschaffen.Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass es diesen radikalen Kräften nicht gelingt, das demokratische Europa zu kapern und das Friedensprojekt der europäischen Integration zu demontieren. Das Argument, Deutschland solle aus der Europäischen Union austreten oder sie ganz abschaffen, damit Nationalstaaten zu „alter Stärke“ zurückfinden ist heute so gefährlich wie in der Vergangenheit.Dem stellen wir eine positive Vision entgegen: ein Europa der Staaten, die sich freiwillig in Institutionen integrieren, um einen Kontinent des demokratischen Friedens zu schaffen.Wenn Sie mehr über dieses Projekt erfahren wollen, schreiben Sie mir gerne. Ich habe das Gefühl, dass viele Menschen verstanden haben, dass wir handeln müssen.Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntagabend und dann einen guten Start in die Woche.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  5. 28

    Werdet nicht zu Kulturpessimisten!

    Liebe Leserinnen und Leser,im Sommer 2024 saß ich mit dem Kommunikationschef einer Partei beim Mittagessen in Berlin. Er sagte mir das, was man im Berliner Politik- und Medienbetrieb zu diesem Zeitpunkt von vielen Seiten hörte: Die nächste Regierung (damals war relativ klar, dass die Ampel nicht mehr lange hält) ist die letzte Chance für die Parteien der Mitte. Dieser „letzte Schuss“, der müsse sitzen. Wie erwartet gewann die Union dann die Bundestagswahl. Die Ampel und Olaf Scholz waren abgewählt, die FDP flog aus dem Bundestag.Dem waren allerdings mehrere eigenartige Geschichten vorausgegangen. So hatte Friedrich Merz, im Januar noch Oppositionsführer im Deutschen Bundestag, bei einer Abstimmung zum Thema Migration in Kauf genommen, dass erstmals eine Mehrheit mit Hilfe der AfD erreicht wurde. Das Kalkül war: Deutschland muss bei diesem so wichtigen Thema endlich handeln und der Wähler sollte sehen, dass die Union hier handlungsfähig ist. Nur so bekommt man die AfD klein, dachten sich Merz und sein engster Kreis.Der Plan ging grandios nach hinten los. Die Union fuhr bei der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar ihr zweitschlechtestes Ergebnis aller Zeiten ein, die AfD verdoppelte sich auf ihr bestes Ergebnis und die eigentlich schon in der politischen Versenkung verschwundene Linke erlebte eine Wiedergeburt. Und damit nicht genug: Als die Koalition aus Union und SPD stand, bekam Friedrich Merz bei der Wahl des Kanzlers im Bundestag im ersten Wahlgang keine Mehrheit. Ebenfalls ein historischer Tiefpunkt. Heute wissen wir (mit großer Sicherheit), dass die fehlenden Stimmen (zumindest teilweise) ein Signal aus den eigenen Reihen der CDU/CSU in Richtung Merz gewesen waren.Aber gut, nach diesem holprigen Start - dachten sich viele - konnte es jetzt ja richtig losgehen. Pragmatische Politik, Zukunft, entschiedenes Handeln. Doch es kam anders und nun steht die AfD in Umfragen gleichauf oder sogar vor der Union. Spätestens als es zum Debakel rund um die Wahl der Verfassungsrichter-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf kam, die die Koalition an den Rand des Zusammenbruchs brachte, war klar: hier läuft etwas gehörig schief. Der letzte Schuss? Womöglich schon vergeben.Unser politisches Personal Mist, Deutschland am Ende, die AfD schon mit einem Bein im Kanzleramt. So könnte man gerade denken. Ich rate allerdings davon ab und will erklären, warum. Kulturpessimismus als reichweitenstarker Selbstläufer1961 erschien das Werk des US-amerikanischen Historikers Fritz Stern „Kulturpessimismus als politische Gefahr“. Stern wurde 1926 in Schlesien geboren. Im September 1938 flohen er und seine Familie vor dem Nazi-Terror aus Deutschland und wanderten in die USA aus. Das Buch, dessen Grundlage Sterns Promotion Mitte der 50er-Jahre gewesen war, wurde zu einem seiner wichtigsten Werke. Stern fokussierte sich darin auf drei Personen: Paul de Lagarde, ein Orientalist (und Antisemit); Julius Langbehn, ein Schriftsteller und Kulturkritiker (und Nationalist); und Arthur Moeller van den Bruck, ein völkisch-nationaler Staatstheoretiker und Publizist, der 1923 ein Werk namens „Das dritte Reich“ veröffentlichte.Sterns Hauptargument: Diese drei Personen, die alle im 19. Jahrhundert geboren wurden und den Aufstieg Adolf Hitlers an die Macht dann gar nicht mehr miterlebten, bildeten ein Fundament für den sogenannten Kulturpessimismus, der wiederum zur Basis für den darauffolgenden Faschismus und die große Tragödie wurde.Kulturpessimismus, so Stern, war eine Form von ausgearteter Kritik am vermeintlichen „Niedergang“ deutscher Kultur und Werte.Stern schreibt:„Alle drei schrieben mit großer Eindringlichkeit und Leidenschaft. Ihnen ging es weniger um die Klarlegung und Analyse von Tatbeständen als vielmehr darum, Verdammungsurteile zu fällen und Prophezeiungen zu äußern. […] Jahrzehntelang wurden sie als Zeitkritiker und Propheten deutschen Volkstums gefeiert. Ich habe diese drei Männer nicht deshalb ausgewählt, weil ihre Ideen besonders originell waren, sondern weil ihr Denken und ihr Einfluss auf das deutsche Leben deutlich die Existenz einer kulturellen Krise im modernen Deutschland erkennen lassen. Sie waren – selbst krank – die Analytiker einer zumindest zum Teil kranken Gesellschaft, und als solche spielten sie in der deutschen Geschichte eine wesentliche, bisher nicht genügend erkannte Rolle.“Und an anderer Stelle schreibt der Autor:„Gerade weil er so unlogisch ist, trifft der Ausdruck ‚konservative Revolution‘ genau den Kern der Sache, verkörpert doch die Bewegung in der Tat ein Paradoxon: ihre Anhänger wollten die von ihnen verachtete Gegenwart zerstören, um in einer imaginären Zukunft eine idealisierte Vergangenheit wiederzufinden.“Warum ist das heute so relevant?Sterns Buch ist nicht nur ein bemerkenswerter Rückblick und eine Antwort auf die Frage, warum es zum Nationalsozialismus kam, sondern in Teilen auch eine Vorausschau auf das, was noch kommen würde. Und in der Tat, auch heute gibt es sie wieder, die Kulturpessimisten. Natürlich nehmen sie eine andere Gestalt an und vertreten (teils) andere Ideologien, doch es gibt viele Parallelen. Klar ist, dass die heutigen Kulturpessimisten und die Themen, die sie setzen bzw. die Falschinformationen, die sie verbreiten, auf eine empfängliche Masse treffen.Eines sollten wir dabei wissen: Es ist die ausgewiesene Strategie der politischen Rechtsradikalen und Neo-Kulturpessimisten, Deutschland (und Europa) so schlecht wie möglich zu reden. Es ist übrigens auch die ausgewiesene Strategie von Wladimir Putin und seinen Geheimdiensten, genau das zu unterstützen und noch zu befeuern. Und um auch das klarzustellen: Mit „schlechtreden“ meine ich nicht berechtigte und dringend notwendige Kritik an Politik, Wirtschaft und politischen Entscheidern. Was ich meine, das sind die, die den Untergang Deutschlands herbeischreiben und auf der Suche sind nach einem Sündenbock. Klingt nach einem bekannten Muster in Deutschland.Ganz oben auf der Agenda der Kulturpessimisten steht in dem Kontext natürlich das Thema Migration. Es ist mittlerweile zu einem Selbstläufer geworden. Auf Basis von Fakten wird schon lange nicht mehr argumentiert. Remigration ist das neue Zauberwort, mit der die Rechtsradikalen in den politischen Kampf ziehen. Vorbild: Die Politik von US-Präsident Donald Trump. Eva Vlaardingerbroek, eine Influencerin der katholischen Rechten, bezeichnet Remigration gar als die „Mission unseres Lebens.“Dabei werden in den sozialen Medien auch oft gezielte Kampagnen vorbereitet und ausgespielt, die wiederum ein ganz bestimmtes und negatives Bild über Deutschland und Europa darstellen sollen. Die Strategie ist klar: Deutschland steht am Abgrund und ist im Grunde bereits dem Niedergang geweiht.Die Stern-Reporterin Miriam Hollstein schrieb darüber auf X:Wenn nicht gerade gegen Migranten und/oder Minderheiten geschossen wird, dann werden wiederum politische Entscheiderinnen und Entscheider verächtlich gemacht. Hier geht es nicht um kritische Äußerungen oder berechtigte Rücktrittsforderungen. Nein, diese Form der Kritik hat ein anderes, ein viel zynischeres Level. Von Accounts mit vielen Followern (viele davon werden aus dem Ausland gesteuert) werden Ausschnitte aus Pressekonferenzen oder Bilder ohne Kontext genommen und auf eine bestimmte Art und Weise „geframed“. Dabei geht es ausschließlich darum, jemanden so schlecht wie möglich aussehen zu lassen und eine Geschichte um ein Bild zu bauen - natürlich frei von Fakten und Wahrheit. So stand Friedrich Merz auf einer Konferenz mit internationalen Regierungschefs für ein paar Momente allein auf der Bühne und verschränkte die Arme. Diesen Moment nutzten hunderte Accounts auf X, um den Bundeskanzler lächerlich aussehen zu lassen. Bei dieser Herabwürdigung von Deutschland und seinem politischen Personal machen aber nicht nur unbekannte Accounts mit. Es gibt auch „Journalisten“ in Deutschland, die zunehmend eine Art kulturpessimistische Kritik betreiben und damit bewusst oder unbewusst die gleiche Agenda pushen. Dazu gehört z.B. der ehemalige Chefredakteur der BILD Zeitung, Julian Reichelt. Und dann gibt es natürlich auch offen rechtsextreme Akteure. Dazu gehört z.B. der Aktivist und Publizist Jürgen Elsässer, Gründer und Chefredakteur des rechtsextremen Magazins „Compact“, der wiederum propagiert, dass Deutschland mehr Angst vor seinen eigenen Politikern haben sollte, als z.B. vor Wladimir Putin. Auch hier ist die Strategie klar: Deutschlands Regierung muss um jeden Preis verunglimpft und geschwächt werden. Putin wiederum wird als kluger Stratege dargestellt, der auf der Suche nach Frieden sei.Zu guter letzt sind da noch Kommentatoren wie Richard David Precht, den ich zwar nicht per se als Kulturpessimisten bezeichnen würde, der allerdings ebenfalls ein Geschäftsmodell aus der Negativität gemacht hat. Ich habe darüber in meinem Newsletter in der vergangenen Woche geschrieben.Tatsächlich lassen sich in den Medien, und natürlich auch in Podcasts, enorme Reichweiten mit dieser Art von negativer Berichterstattung erzielen. Da sind Gäste wie Precht absolute Klick-Garanten. Meistens entstehen dann Headlines wie diese hier: Werden wir gerade alle zu Kulturpessimisten? Verstehen Sie mich nicht falsch. Für mich ist es ein Unterschied, ob man berechtigte und dringend notwendige Kritik an den teils fragwürdigen Entscheidungen unserer politischen Akteure trifft, oder ob man jeden Tag den Untergang unserer Kultur, unseres Landes und der Wirtschaft herbeischreibt, ohne dabei auch nur eine einzige konstruktive Lösung vorzuschlagen. Und damit sind wir in diesem Artikel auch bei einem ganz entscheidenden Punkt angekommen. Viel wichtiger als die offensichtlichen Kulturpessimisten unserer Zeit ist nämlich die Frage, wie die Mitte der Gesellschaft, die immer kleiner wird, auf diese negative Dauerbeschallung reagiert. Ich stelle fest, dass sich auch bei den moderaten und diplomatischen Menschen im Land eine neue Negativität und ein Pessimismus eingenistet hat. Das ist eine gefährliche Entwicklung.Hinzu kommt, dass Menschen in der Mitte der Gesellschaft zunehmend verachtet werden. Sie werden von den Rändern als haltungslos und ohne Rückgrat dargestellt. Dabei bildet die Mitte einer Gesellschaft das Fundament einer funktionierenden Demokratie und oft findet man genau hier die so wichtigen Brückenbauer zwischen den verschiedenen Lagern.Das Herbeischreiben und Herbeikommentieren des Untergangs entwickelt sich wiederum gerade zum Bestseller: Alle sind gegen die Regierung und wettern gegen unser Land, aber keiner ist bereit, Kompromisse einzugehen. Wir schwächen uns selbst. Und zwar auf grandiose Art und Weise. Die, die ein Interesse daran haben, Deutschland und die EU zu zerstören, freuen sich dabei diebisch!Wenn wir dagegen ankommen wollen, dann brauchen wir bessere Argumente. Wir müssen z.B. besser erklären, warum Institutionen wie die Europäische Union so wichtig sind und warum wir sie verteidigen müssen vor ihren Feinden. Und ja, auch unsere gewählten Volksvertreter müssen erkennen, dass sie gerade eher hilflos agieren. Es braucht eine neue Form der wahrhaftigen und authentischen Kommunikation, damit wir endlich rauskommen aus diesem teuflischen Kreis des Pessimismus. Ideen? Her damit. Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  6. 27

    Kennen Sie Ronald Reagans Witz über Meinungsfreiheit?

    Liebe Leserinnen und Leser,jeder hat gerade eine Meinung zum Thema Meinungsfreiheit. Allerdings entsteht zugleich der Eindruck, dass es ja gar keine Freiheit der Meinung mehr gibt. Wie passt das zusammen?Es passt nicht zusammen. Es ist sogar ein bisschen albern.Denn Deutschlands Medien und Kommentatoren sprechen und diskutieren über Meinungsfreiheit, dabei meinen sie etwas anderes. Das ist schlampig. Und gefährlich.Da ist z.B. Richard David Precht, ein gern gesehener Gast in Talkshows und generell ein Mann, der viel meint. Sein aktuelles Buch heißt: Angststillstand - Warum die Meinungsfreiheit schwindet. In der Sendung Maischberger erklärte Precht, der von seinem Verlag als „Nr 1.-Podcaster“ angepriesen wird, jüngst:„Die Meinungsfreiheit ist eigentlich das, was das Gesetz regelt und da hat sich eben gar nicht so viel verändert, bis auf ein paar Kleinigkeiten. Aber die Meinungstoleranz ist geringer geworden.“Ich stimme Precht in diesem Punkt zu. Also: Meinungsfreiheit ist das Gesetz, Meinungstoleranz ist die subjektive Wahrnehmung bzw. das, was wir als Bürgerinnen und Bürger unter uns regeln. Der Meinungs-Markt sozusagen.Auch in der Beschreibung seines Buchs steht: „Beschleunigt durch Social Media und die Möglichkeiten des Shitstorms wird das Risiko freier Meinungsäußerungen immer größer und die sozialen Kosten steigen gefährlich an.“Auch hier würde ich Precht - zumindest teilweise - zustimmen. Trotzdem bleibt ein Störfaktor: Der Untertitel von Prechts Buch suggeriert, dass die Meinungsfreiheit schwindet und nicht etwa die Meinungstoleranz. Natürlich ist mir klar, dass Precht argumentiert, dass aufgrund der gesunkenen Meinungstoleranz auch die Meinungsfreiheit leidet. Das ist aber falsch. Ich will es erklären.Zunächst einmal stelle ich fest, dass auch die Medien auf den vermeintlichen Verlust der Meinungsfreiheit reagieren. Sie machen das so, wie Medien das halt so machen. Auf ziemlich offensichtliche Art und Weise. Ich will das gar nicht kritisieren, es ist nur nicht sonderlich kreativ.Bei ntv gibt es zum Beispiel nun eine Sendung mit den geschätzten Kollegen Nikolaus Blome und Clara Pfeffer. „Klar, kantig, kontrovers - mit Biss und Respekt“ ist das Motto des Formats, in dem jeder Gast und auch die Moderatoren eine kontroverse Meinung mitbringen sollen. Darüber wird dann diskutiert. Man will zeigen: Hier wird Meinungsfreiheit gelebt und gesendet.Fast zeitgleich kündigte der Sender Welt an, dass er ab November mit dem Format Meinungsfreiheit mit Nena Brockhaus an den Start gehe. Laut Aussage der Moderatorin, wolle sich diese „streiten“. Außerdem wolle sie, dass nicht nur ihre eigene Meinung gesendet werde, sondern auch die „andere“ Meinung. Auch gut.Aber das Problem ist auch hier: All diese neuen Formate und auch die Diskussionen in den Talkshows senden am Kern der Debatte vorbei. Sie suggerieren nämlich alle, dass wir dringend etwas gegen die schwindende Meinungsfreiheit in Deutschland tun müssten und uns deswegen jetzt bitte schnell streiten sollen, um zu beweisen, dass das so noch in Deutschland geht.Das ist deswegen albern, weil hier Meinungstoleranz mit Meinungsfreiheit verwechselt (oder ganz bewusst gleichgesetzt) wird. Denn wenn wir uns gegenseitig einschränken, weil wir, wie Precht es formuliert, den „sozialen Preis“ für die Meinungsäußerung erhöht haben, dann sind wir ja auch selbst schuld. Mit anderen Worten: Dafür trägt die Politik oder der Gesetzgeber keine Verantwortung.Lassen Sie uns lieber nochmal definieren, was Meinungsfreiheit wirklich ist. Ich habe, wie Sie sicherlich merken, in meinen Newslettern oft den US-Historiker Timothy Snyder zitiert und werde es auch an dieser Stelle tun. Er macht einen wichtigen Punkt und unterscheidet im Englischen klugerweise zwischen „free speech“ und „freedom of speech“:„Der Begriff ‚freie Meinungsäußerung‘ (‚free speech‘) hat eine sehr überhöhte Bedeutung erhalten und wird allzu oft nur noch verwendet, um das Recht zu bezeichnen, jemanden zu beleidigen oder durch bewusste Lügen Unruhe zu stiften, oft aus einer Position der Macht und des Reichtums heraus.Der Grund, warum uns die Meinungsfreiheit (‚freedom of speech‘) am Herzen liegt, ist jedoch, dass wir die Würde des Einzelnen schützen und den Einzelnen vor den Mächtigen schützen wollen.Die Meinungsfreiheit wird geschützt, damit wir den Mächtigen unsere Wahrheit sagen können, und nicht, damit die Mächtigen uns ihre Lügen aufzwingen können. Mit anderen Worten: Sie muss ein Recht sein, weil die Wahrheit riskant ist.Als Selenskyj in Kiew blieb, veröffentlichte er ein Selfie-Video mit Kollegen, in dem er den Menschen versicherte, dass ‚der Präsident hier ist‘. Dies war ein Ausdruck der Meinungsfreiheit im tieferen, richtigen Sinne. Er ging ein Risiko ein: Die Attentäter suchten nach ihm, russische Truppen waren in der Nähe von Kiew und die Stadt wurde bombardiert. Und er sagte die Wahrheit. Das Risiko war die Wahrheit, und die Wahrheit war das Risiko.“Snyder macht deutlich, dass Meinungsfreiheit, also freedom of speech, das wirkliche Elixir der Demokratie ist. Meinungsfreiheit ist nämlich nicht, dass man eine Meinung rausposaunt (die womöglich sogar beleidigend oder erniedrigend ist) und sich dann wundert, wenn es Gegenwind gibt. Das ist die Meinungstoleranz.Meinungsfreiheit ist das hier: In Deutschland können Sie 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche die Regierung, den Bundeskanzler, den Bundespräsidenten kritisieren (natürlich in einem durchaus sinnvollen rechtlichen Rahmen), sich über diese Personen lustig machen, sie lächerlich machen etc. Sie müssen jedoch keine Konsequenzen fürchten.Dürfen Sie das in China? Dürfen Sie das in Russland? Dürfen Sie das in Saudi Arabien? Und mittlerweile muss man sich fragen: Dürfen Sie das eigentlich noch in den USA? Die Antwort für die ersten drei Länder ist ein deutliches Nein. Die Antwort mit Blick auf die USA ist zumindest kein ganz klares Ja mehr.Der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan hat das Thema Meinungsfreiheit mal in einem seiner legendären Witze so auf den Punkt gebracht:An American and a Russian were arguing about their two countries. The American said: “Look, in my country I can walk into the Oval Office, I can pound the president’s desk and say Mr. President, I don’t like the way you’re running our country.” And the Russian said: “I can do that.” The American said: “you can?” He says: “yes, I can go into the Kremlin, to the General Secretary’s office, pound his desk and say: Mr. General Secretary, I don’t like the way President Reagan is running his country!”Auf Deutsch:Ein Amerikaner und ein Russe diskutieren über ihre beiden Länder. Der Amerikaner sagte: „Schau mal, in meinem Land kann ich ins Oval Office gehen, auf den Schreibtisch des Präsidenten schlagen und sagen: Herr Präsident, mir gefällt nicht, wie Sie unser Land regieren.“ Und der Russe sagte: „Das kann ich auch.“ Der Amerikaner sagte: „Das kannst du?“ Er sagte: „Ja, ich kann in den Kreml gehen, ins Büro des Generalsekretärs, auf seinen Schreibtisch hauen und sagen: Herr Generalsekretär, mir gefällt nicht, wie Präsident Reagan sein Land regiert!“Wir halten also fest: Meinungsfreiheit ist u.a. das, was es möglich macht, die Mächtigen, den Staat, die Regierenden zu kritisieren und sie so unter Druck zu setzen, dass sie ihr Amt verlieren oder zurücktreten müssen. Dabei müssen wir keine Repressalien fürchten. DAS ist in der Tat ein entscheidender Bestandteil unseres gesellschaftlichen Vertrags. Wenn der ins Wanken gerät, dann sollten wir uns Sorgen machen.Die freie Meinungsäußerung hingegen, wie Snyder sie bezeichnet, ist etwas anderes. Wir sollten diese Dinge strikt voneinander trennen.Warum?Weil wir uns selbst schaden, wenn wir suggerieren, dass die gesetzlich geregelte Meinungsfreiheit in Gefahr sei. Das stärkt nämlich genau die, die ein Interesse daran haben, unsere Demokratie auseinanderzunehmen und ein Bild zu zeichnen, das so aussieht: Die Mächtigen da oben unterdrücken die Kleinen da unten und lassen sie gar ins Gefängnis werfen, wenn ihnen eine Meinung oder Kritik an der Regierung nicht passt.Das ist in Deutschland mitnichten so.Und wenn eine Gesellschaft den sozialen Preis für die Meinungsäußerung erhöht, dann ist das womöglich kein sonderlich guter Trend, es ist aber am Ende des Tages eine Entscheidung der Menschen innerhalb einer Gesellschaft.Mit anderen Worten: Nein, die Meinungsfreiheit in Deutschland ist nicht in Gefahr.Wenn überhaupt haben wir es verlernt, andere Meinungen auszuhalten. Das ist aber nicht das Problem der Politik, sondern unser Problem. Wir sollten damit aufhören, diese beiden Dinge zu verwechseln. Denn wenn wir das weiterhin tun, dann stärken wir die, die eine ganz eigene Vorstellung von Meinungstoleranz haben und am Ende die wirkliche Meinungsfreiheit per Gesetz einschränken wollen.Die USA sollten uns in diesem Punkt eine Warnung sein.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  7. 26

    Warum "rote Linien" für Künstliche Intelligenz so wichtig sind

    Liebe Leserinnen und Leser,fragt man die Künstliche Intelligenz (also z.B. ChatGPT), ob wir rote Linien und Regeln für KI brauchen, dann bekommt man eine durchaus differenzierte Antwort, die ungefähr so lautet:„Ja, es braucht aus meiner Sicht klare rote Linien und Regeln für die Nutzung von künstlicher Intelligenz – und zwar aus mehreren wichtigen Gründen: Schutz von Menschenrechten & Würde, Transparenz und Nachvollziehbarkeit, Haftung und Verantwortung, Vermeidung von Machtkonzentration und der Schutz demokratischer Strukturen.“Interessanterweise hebt die KI aber auch hervor, dass Regeln nicht gleichbedeutend sein dürften mit einer „Innovationsbremse“. ChatGPT sagt: „Die Kunst liegt darin, klare ethische und rechtliche Leitplanken zu schaffen, ohne Innovation zu blockieren. Eine verantwortungsvolle KI-Entwicklung kann und sollte sowohl sicher als auch fortschrittlich sein.“Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass dies womöglich eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist. Die Frage ist: Auf welche Regeln können sich Staaten und Unternehmen beim Thema KI überhaupt einigen? Wie schaffen wir das?Ein Moment für die Vereinten Nationen?Diese und andere Fragen gewinnen gerade an Fahrt und bekamen zuletzt vor den Vereinten Nationen (UN) eine große Bühne. Die Rede ist vom „Global Call for AI Red Lines“ (Übersetzung: Globaler Aufruf zu roten Linien bei Künstlicher Intelligenz), ein Aufruf, der während der 80. Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgetragen wurde und von einer Vielzahl an Nobelpreisträgern unterstützt wird. Dazu gehören u.a. Joseph Stiglitz, Maria Ressa, Daron Acemoglu oder Geoffrey Hinton.Maria Ressa, eine philippinische Journalistin, Autorin und Friedensnobelpreisträgerin, sagte z.B.:„Ohne Sicherheitsvorkehrungen für KI könnten wir bald mit epistemischem Chaos, künstlich herbeigeführten Pandemien und systematischen Menschenrechtsverletzungen konfrontiert sein. Die Geschichte lehrt uns, dass angesichts irreversibler, grenzenloser Bedrohungen Zusammenarbeit der einzige rationale Weg ist, um nationale Interessen zu verfolgen.“Ressa macht dabei einen ganz entscheidenden Punkt: Zusammenarbeit zwischen Staaten bei dem Thema ist von großer Bedeutung. Kann dies womöglich ein „neuer“ Moment für die UN sein? Ein Moment, der vergleichbar ist mit den wegweisenden Entscheidungen nach dem Zweiten Weltkrieg?Ich wollte mehr über das Thema erfahren und habe das Glück, dass ein ehemaliger Kommilitone von mir, Mehdi Kocakahya, der ebenfalls an der Georgetown University studiert hat, derzeit „Visiting Analyst“ bei der Denkfabrik „The Future Society“ ist.Mehdi hat mich wiederum mit Tereza Zoumpalova verbunden, die sich bei der Future Society schwerpunktmäßig mit globaler KI-Governance beschäftigt. Die Future Society ist eine unabhängige gemeinnützige Organisation, die 2014 gegründet wurde. Mit einem Team von KI-Experten aus aller Welt berät die Denkfabrik regelmäßig politische Entscheidungsträger in den USA, der EU und weltweit dazu, wie sie den aktuellen Herausforderungen begegnen können. Zudem war die Future Society einer der Ideengeber der Initiative „AI Red Lines“.Das ganze Interview mit der Expertin Tereza Zoumpalova können Sie hier im Podcast (Englisch) auf Substack oder auch bei Spotify und iTunes hören.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  8. 25

    Jetzt hat Trump seinen "War on Terror"

    Liebe Leserinnen und Leser,im Jahr 2021 veröffentlichte eine angehende amerikanische Juristin, damals Kandidatin für einen Doctor of Jurisprudence (J.D., Rechtswissenschaft) an der University of San Diego School of Law, eine Abschlussarbeit mit der Überschrift: Applying the “War on Terror” to the “War on Drugs:” The Legal Implications and Benefits of Recategorizing Latin American Drug Cartels as Foreign Terrorist Organizations. Die ungefähre Übersetzung: Anwendung des „Kriegs gegen Terror“ auf den „Krieg gegen Drogen“: Rechtliche Auswirkungen und Vorteile einer Neukategorisierung lateinamerikanischer Drogenkartelle als ausländische terroristische Organisationen.In ihrer Arbeit schrieb die damalige Studentin über die Parallelen zwischen dem „War on Terror“ (George W. Bush) und dem „War on Drugs“ (Richard Nixon). Sie stellte diese beiden „Kriege“ in den Kontext von nationalem und internationalem Recht und wies auf die rechtlichen Implikationen einer Einstufung von Drogenkartellen als ausländische Terrororganisationen hin. Zum Schluss nannte die Juristin die Vor- und Nachteile einer solchen (damals noch nicht geschehenen) Kategorisierung und kam zu einer Empfehlung. Sie schrieb wörtlich:„Der [damals] ehemalige Präsident Trump und andere glauben, dass die Umkategorisierung von lateinamerikanischen Drogenkartellen (LADCs) zu ausländischen Terrororganisationen (FTOs) und der Krieg gegen den Drogenterrorismus die richtige Lösung für die sich entwickelnden LADC-Probleme seien.Obwohl eine Umkategorisierung eine Aufstockung der Mittel für den Krieg gegen Drogen, den Einsatz von Drohnenangriffen und die Anwendung von Gesetzen zur nationalen Sicherheit wie dem PATRIOT Act ermöglichen würde, ist dieser Ansatz kurzsichtig.Ein Krieg gegen den Drogenterrorismus würde die Probleme des Krieges gegen den Terror und des Krieges gegen die Drogen verschärfen, indem er Mittel aus anderen notwendigen Bereichen der Regierung abziehen, die Außenbeziehungen belasten und viele weitere Probleme schaffen würde.Stattdessen sollte die US-Regierung die innerstaatlichen Drogengesetze überdenken und das Verbot durch die Regulierung illegaler Substanzen ersetzen.“Der „ehemalige“ US-Präsident Donald Trump wurde dann wieder zum aktuellen US-Präsident. Er hörte nicht auf die Studentin von 2021 und verlor wenig Zeit, genau das umzusetzen, wovor in der obengenannten Abschlussarbeit gewarnt worden war.Am 20. Januar 2025, dem Tag der erneuten Amtseinführung Trumps, erließ dieser eine Präsidialanordnung mit der Überschrift: Kartelle und andere Organisationen als ausländische terroristische Organisationen und speziell benannte globale Terroristen einstufenSomit bekam der Krieg gegen die Drogen einen neuen Stempel. Drogenkartelle sollten fortan ganz offiziell als Terrororganisationen behandelt werden.Es war somit der Beginn einer neuen Strategie von Trump, die in der Tat den Krieg gegen Terror (George W. Bush nach 9/11) als Vorlage nahm, um eine nahezu beispiellose Ausweitung präsidialer Macht voranzutreiben. Ich schreibe „nahezu“, weil es für diese Art der Ausweitung präsidialer Exekutivmacht tatsächlich eine Blaupause gibt, die sich in der Präsidentschaft von George W. Bush und seinem Vizepräsidenten Dick Cheney finden lässt. Ich habe darüber geschrieben und argumentiert, dass das Gesetz, damals wie heute, zu einer Art Steigbügelhalter für einen rechtsfreien Raum wurde. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  9. 24

    Trump vs. Late Night!

    Liebe Leserinnen und Leser, an diesem Sonntag bekommen Sie von mir nur einen kurzen Text und den Hinweis zu einem Video. Mein Kollege Celal Cakar und ich haben uns den Fall rund um den Late-Night-Show-Talker Jimmy Kimmel genauer angeschaut. Warum? Weil wir beide Journalisten sind und uns das Thema Meinungsfreiheit am Herzen liegt!Kimmel wurde zunächst von seinem Sender ABC gefeuert und wenig später wieder eingestellt. US-Präsident Donald Trump hatte seine Entlassung zunächst öffentlich gefordert (und sie dann gefeiert). Grund genug, Trumps Hass auf Comedy, die Medien und den Journalismus mal unter die Lupe zu nehmen - mit einem gewissen Augenzwinkern. Hier kommen Sie zum kompletten Video auf YouTube:Was hat Trump gegen Comedy?Ich würde mich freuen, wenn Sie das Video (sollte es Ihnen gefallen) an Freunde und Bekannte weiterleiten und/oder meinen YouTube-Kanal abonnieren. Das ermöglicht es mir, in Zukunft weitere journalistische Projekte umzusetzen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und dann einen guten Start in die Woche.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  10. 23

    Meinungsfreiheit: Ein kleines Märchen

    Liebe Leserinnen und Leser,die MAGA-Welt und Trump-Anhänger bekommen in diesen Tagen einen Crashkurs in Sachen Meinungsfreiheit. Viele scheint das gehörig zu überfordern, deswegen muss ganz schnell ein neues Narrativ her.Aber fangen wir von vorne an.Ich will Ihnen ein Zitat vorlesen. Es lautet:„Hassrede existiert in Amerika rechtlich gesehen nicht. Es gibt hässliche Sprache. Es gibt vulgäre Sprache. Es gibt bösartige Sprache. Und ALLES davon ist durch das First Amendment geschützt. Bewahrt Amerikas Freiheit.“Von wem stammt es?Von Charlie Kirk, dem konservativen Aktivisten, der vergangene Woche auf offener Bühner erschossen wurde.Ich nenne Ihnen dieses Zitat nicht um Charlie Kirk zu verunglimpfen, sondern weil es eine Denkhaltung widerspiegelt, die so in der MAGA (Make America Great Again)-Bewegung vertreten wird (oder wurde). Mit anderen Worten: Du sollst in den USA alles sagen dürfen und dabei keine Konsequenzen fürchten müssen. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  11. 22

    Why Europe should worry about the dollarization of the world economy

    Dear Readers,A few days ago, the British magazine “The Economist” ran the headline: “America’s economy defies gloomy expectations.” This headline sums up well the fact that some of the key data (e.g., the latest labor market figures) are not all that positive for the US economy, but that it also continues to prove itself to be fairly robust.Why is this the case? Why were even experienced economists wrong with some of their predictions (at least so far)?These are the questions I want to ask and answer in today’s special edition of my newsletter. That’s why I spoke to Dr. Pippa Malmgren, who is an economist, author, and former advisor to President George W. Bush. Today, Dr. Malmgren continues to advise presidents and prime ministers, as well as CEOs and start-up founders. I always appreciate her “big picture” takes and her different perspective on certain issues. I had the opportunity to interview her back in 2017 (Donald Trump had just begun his first term in office). At the time, she made some forward-thinking remarks:* “I think that Germany is definitely going to continue to have a problem. In part, because Trump has the view of ‘you are either with me or against me.’”* “Donald Trump detests supranational organizations of any kind. He prefers bilateral relationships. He also feels that a big state is hostile to the interest of its citizens, therefore he views the EU as something to oppose.”* “Trump is confident he can manage Putin. George W. Bush was also, but it didn’t work out that way.”“This is a strategy for dollarizing the entire world economy”Eight years later, Malmgren describes Donald Trump’s economic and financial policy as “radical,” but the economist also believes that the US economy is undergoing a fundamental transformation that could lead to great success.One of her statements stands out in particular and Europe should probably listen closely:“The President and Scott Bessent in particular, the Secretary of the Treasury, are coming up with innovative new ways to generate inflow into the US bond market. One of those is the introduction of Stablecoins and a Bitcoin reserve, which are convertible to US dollars and collateralized by US treasuries. They, I think, are not well understood in Europe. (…)That is going to pull money out of Europe, as investors look for higher performance. And that’s one reason the European Central Bank opposed the introduction of Stablecoins and their convertibility to US dollars.Put really simply, this is a strategy for dollarizing the entire world economy. And most investors, when they’ve made a lot of money (if we think of Asia, for example, where they all have some form of capital controls), they would rather have their money in dollars.”Listen to the entire interview here on Substack, or also on Spotify and iTunes.To all of my readers and listeners in Germany and all over the world: Have a great start to your day or a nice evening.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  12. 21

    Ära der Sprachlosigkeit

    Liebe Leserinnen und Leser,wir sprechen und schreiben viel darüber, dass aus Worten Taten folgen können. Stimmt. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.Vielmehr fällt mir auf, dass wir es zunehmend verlernen, miteinander zu sprechen und zu diskutieren. Zu oft werden Diskussionen abgebrochen, weil eine Seite zu emotional wird und dann grundsätzlichere Dinge in Frage gestellt werden (Freundschaft, Moral).Das ist mir auch während meiner Zeit in den USA (Washington D.C.) an der Universität aufgefallen. Manchmal habe ich den Satz gehört: „Wenn du bei diesem Thema nicht die gleiche Meinung hast wie ich, dann kann ich nicht mit dir befreundet sein.“Welche Konsequenzen hat das?Wenn ein Gespräch nicht mehr möglich ist und trotzdem ein Punkt gemacht werden soll, dann bedeutet das - im besten Fall - ein kurzer Boxkampf mit Handschlag danach.Aber natürlich ist auch das eine naive Vorstellung wenn wir auf die Dynamik der heutigen Zeit schauen. Im schlimmsten Fall passiert nämlich das, was wir gerade in den USA sehen. Ein Aktivist wird auf offener Bühne erschossen. Jemand, der das Gespräch gesucht hat (und dabei ist letztlich egal, welche fragwürdigen Thesen er verbreitet hat), verstummt für immer.Es sind nämlich nicht unbedingt die Worte, die zu Taten führen. Vielmehr ist es doch die Sprachlosigkeit, die aus einer Hilflosigkeit heraus entsteht, die zu schlimmen Taten führt. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  13. 20

    Kalter Krieg in den USA

    Liebe Leserinnen und Leser,eigentlich müsste ich den Titel dieses Newsletters gleich wieder revidieren. Der echte Kalte Krieg, also der zwischen den USA und der Sowjetunion, führte am Ende nicht zu einem Krieg. Das, was ich als kalten Krieg bezeichne, also das, was wir gerade in unseren Gesellschaften in den USA und in Europa erleben, könnte allerdings zu einem Krieg mit Waffen führen.Lassen Sie mich gleich zum Punkt kommen.Am Mittwoch ist in den USA ein rechts-konservativer Aktivist auf offener Bühne erschossen worden. Charlie Kirk war bekannt für seine provokanten Thesen, er war allerdings auch bekannt dafür, dass er das Gespräch, die Diskussion und die Auseinandersetzung mit Menschen gesucht hat. Ob er wirklich ein „Held der Meinungsfreiheit“ war, darüber kann jeder für sich zu einem Urteil kommen.Ich will in diesem Newsletter einen Schritt weitergehen und weniger die emotionale Schiene bedienen, sondern versuchen zu analysieren, was nun in den USA passieren kann.Dieser Artikel enthält deswegen die Bezeichnung „Kalter Krieg“, weil wir uns bereits am Ende (und nicht am Anfang) einer verbalen und auch physischen Aufrüstung verschiedenster Lager befinden. Man könnte es auch so formulieren: Der kalte Krieg in den USA liegt eigentlich schon hinter uns. Was wir jetzt sehen ist bereits der Griff zur Waffe. Wir sehen, wie aus Worten Taten folgen. Wir sehen, wie die enthemmte Wut und der Hass aus dem Internet in unser physisches Leben schwappt. In Deutschland und in Europa drohen ähnliche Entwicklungen.Ich will Ihnen deswegen einige der Reaktionen zeigen, die ich in den sozialen Medien gesehen habe, um zu verdeutlichen, dass die Radikalisierung von allen Seiten rapide voranschreitet. Rechtsradikale und Linksradikale werden weiter aufrüsten. Ein Bürgerkrieg ist deswegen nicht mehr ausgeschlossen, weil das Land sich in Richtung eines „fragile states“ entwickelt. Was genau das bedeutet und warum das nicht nur meine subjektive Meinung ist, das will ich später im Text erklären.Musk: „kämpfen oder sterben“Ein X-Account hatte einige der ersten Reaktionen aus der eher rechten (bis rechtsradikalen) Bubble nach dem Anschlag auf Charlie Kirk gesammelt.Die meisten dieser Accounts haben eine große Reichweite. Allein die Personen, die ich hier unten zitiere, haben zusammen knapp 235 Millionen Follower. Einige der Aussagen waren:* Libs of TikTok: „DAS IST KRIEG“* Elon Musk: „Wenn sie uns nicht in Frieden lassen, dann ist unsere Wahl kämpfen oder sterben“* Gunther Eagleman: „Sie haben den Krieg erklärt.“* Joey Mannarino: „Die Demokratische Partei muss als inländische Terrororganisation eingestuft und deren Mitglieder entsprechend behandelt werden.“* Brian Eastwood: „Ich bin bereit für den Bürgerkrieg.“Die allermeisten dieser Accounts rufen ganz offen zum Bürgerkrieg auf. Dabei wissen sie zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht, wer das Attentat ausgeübt hat.Von der „anderen“ Seite, der eher linken Bubble, hört man ebenfalls besorgniserregende Töne. Hier wird der Tod von Charlie Kirk teilweise gefeiert. Kirk, ein ausgesprochener Befürworter des Second Amendment (Recht auf Besitz und Tragen von Waffen), wird mit seinen eigenen Zitaten konfrontiert. Es ist Häme und Zynismus zu beobachten.Eher in der Minderheit sind wiederum die, die versuchen zu de-eskalieren. So schrieb z.B. der ehemalige US-Präsident Joe Biden: „Für diese Art von Gewalt ist in unserem Land kein Platz. Sie muss jetzt ein Ende haben. Jill und ich beten für Charlie Kirks Familie und seine Angehörigen.“Der Atlantic analysiert die aktuelle Situation u.a. so:Einige rechte Aktivisten fordern die Trump-Regierung auf, gegen linke Organisationen vorzugehen – mit anderen Worten, Kirks Tod als Vorwand für politische Repressionen zu nutzen, was genau das ist, was eine autoritäre Regierung tun würde.Niemand sollte angesichts des Mordes an Charlie Kirk etwas anderes empfinden als Entsetzen und Schrecken. Und niemand sollte den Mord an einem Mann, der für sein Eintreten für die Meinungsfreiheit bekannt war, dazu nutzen, andere oder sich selbst davon abzuhalten, die Wahrheit über die gefährliche Lage, in der wir uns befinden, auszusprechen.Was sind „Group Grievances“?Ich beschreibe diese Dynamik nicht aus sensationalistischer Sicht. Ich beschreibe die Lage, weil ich tatsächlich Parallelen sehen kann zwischen den USA und der Dynamik in Ländern, die einen Bürgerkrieg erlebt haben.Ich will das aber ganz präzise erklären und natürlich auch verdeutlichen, dass es große Unterschiede gibt zwischen den USA und Ländern, die sich tatsächlich in einem Bürgerkrieg befinden oder einen hinter sich haben (wie z.B. Syrien). Die Parallelen, die es gibt, sind allerdings interessant.Der entscheidende Begriff in diesem Kontext sind die sogenannten „Group Grievances“, die das deutsche Wörterbuch als „Gruppenbeschwerden“ übersetzt. Das ist allerdings keine gute Übersetzung.Sucht man bei Google nach dem Begriff, dann landet man schnell beim sogenannten Fragile States Index, den ich in diesem Newsletter in der Vergangenheit schonmal thematisiert habe. Der Index listet (fast) alle Länder dieser Welt nach „Fragilität“ - also letztlich Stabilität - auf. Im Jahr 2024 war z.B. Somalia auf Platz 1 (am fragilsten) und Norwegen auf Platz 179 (am wenigsten fragil).Für dieses Ranking gibt es wiederum ganz verschiedene Kriterien. Eines davon sind die Group Grievances, die so erklärt werden:Der Indikator konzentriert sich auf Spaltungen und Brüche zwischen verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft – insbesondere Spaltungen aufgrund sozialer oder politischer Merkmale – und deren Rolle beim Zugang zu Dienstleistungen oder Ressourcen sowie bei der Einbeziehung in den politischen Prozess.Gruppenkonflikte können auch eine historische Komponente haben, wenn benachteiligte Gemeinschaften auf Ungerechtigkeiten der Vergangenheit verweisen, die manchmal Jahrhunderte zurückliegen und die Rolle dieser Gruppe in der Gesellschaft sowie ihre Beziehungen zu anderen Gruppen beeinflussen und prägen. Diese Geschichte kann wiederum durch Muster tatsächlicher oder wahrgenommener Gräueltaten oder Verbrechen geprägt sein, die offenbar straffrei gegen Gemeinschaftsgruppen begangen wurden.Gruppen können sich auch benachteiligt fühlen, weil ihnen die Autonomie, Selbstbestimmung oder politische Unabhängigkeit verweigert wird, auf die sie ihrer Meinung nach Anspruch haben.Liest man diese Bezeichnung, dann könnte man vieles davon tatsächlich auf die USA anwenden. Hinzu kommt, dass die USA ein enorm großes Problem mit Waffengewalt haben.Wie ich hier schonmal geschrieben habe - und ich zitiere aus einem Artikel vom 27. Mai 2025:Vor 18 Jahren, also im Jahr 2007 (kurz vor der Finanzkrise), lagen die USA auf Platz 159 auf dem Index und waren umgeben von Ländern wie Italien oder Frankreich. Die USA galten - zu diesem Zeitpunkt - als weniger fragil als Deutschland, das wiederum höher auf der Liste (also fragiler) angesiedelt war (auf Platz 153).Im Jahr 2024 lagen die USA wiederum auf Platz 141. Ein Unterschied von genau 18 Plätzen. Im Schnitt büßten die USA somit seit 2007 jedes Jahr einen Platz ein und bewegten sich in Richtung zunehmender Fragilität. Im Jahr 2024 galten Argentinien, Chile und Qatar als weniger fragil, als die Vereinigten Staaten von Amerika.(…)Ein Indiz [warum das so ist] findet sich im Fragile States Index von 2023. Hier wird erklärt, dass sich die Cohesion Indicators (Indikatoren für gesellschaftlichen Zusammenhalt) in den meisten demokratischen Ländern zwischen 2007 und 2020 stark verschlechtert haben.Innerhalb dieser Gruppe demokratischer Nationen haben die USA mit Abstand die schlechtesten Werte. Das Interessante an der Sache: Die Zahlen lassen sich nur zum Teil auf politische Faktoren zurückführen. Was die USA zunehmend zu einem fragilen Staat werden lässt sind Massenschießereien und Amokläufe (z.B. in Schulen).Wir haben in den USA also eine Mischung aus zwei ganz konkreten Dingen: Den Group Grievances und den Schießereien. Uns bestätigen Forschung und Experten (die sich eigentlich eher mit Ländern wie dem Sudan oder Syrien beschäftigen), dass sich die USA in eine gefährliche Richtung bewegen und sich das sogar anhand von Zahlen und Daten belegen lässt.Das muss keineswegs bedeuten, dass in den USA ein Bürgerkrieg bevorsteht und man sollte diesen auch nicht herbeireden, allerdings sollte man die Realität auch nicht ignorieren.Das Pendel der GewaltGroup Grievances können dann noch weiter verstärkt werden, wenn die Gruppe, die gerade an der Macht ist, z.B. mit einer gewissen Brutalität gegen ehemalige und aktuelle Widersacher vorgeht.Auch hier gibt es Parallelen zu Ländern wie Syrien. So hat sich z.B. Donald Trump dazu entschieden, gegen seine Kritiker vorzugehen. Man könnte das teilweise sogar als Rachefeldzug bezeichnen. Trump nutzt die Macht seines Amtes, um sich zu rächen.Das kann wiederum dazu führen, dass die Demokraten - sollten sie irgendwann wieder an der Macht sein - ähnlich vorgehen werden.Mit anderen Worten: Hier entsteht ein teuflischer Kreis und ein Pendel, das wie wild immer von der einen Seite zur anderen schwingt, je nachdem, wer gerade an der Macht ist. Bestraft wird immer die Seite, die unterlegen ist. Die wiederum wehrt sich - z.B. mit Gewalt.Ein Ende dieser Spirale kann nur dann gelingen, wenn eine Seite (am besten die Seite, die gerade an der Macht ist) sich versöhnlich zeigt. In den USA ist allerdings gerade genau das Gegenteil der Fall.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  14. 19

    "Frauen werden verbluten, Frauen werden sterben!"

    Liebe Leserinnen und Leser,die vergangene Woche hat mal wieder eindrücklich unter Beweis gestellt, wie radikal rückwärtsgewandt Trump’sche Politik sein kann. Zwei Meldungen unterstreichen, dass die Republikanische Partei unter US-Präsident Donald Trump einen Feldzug gegen die Wissenschaft und gegen die Rechte von Frauen führt.So meldete die New York Times am Mittwoch, dass der Bundesstaat Florida plane, jegliche Formen der Impfpflicht abzuschaffen - auch für Schulkinder. Der „Surgeon General“ (Generalarzt) von Florida, der ausgewiesene Impfskeptiker Dr. Joseph A. Ladapo, nannte als Begründung eine wirre Mischung aus Gott und Sklaverei. Seine Worte:„Wer bin ich, dass ich Ihnen vorschreiben könnte, was Ihr Kind zu sich nehmen soll? Ihr Körper ist ein Geschenk Gottes.“ Er fügte hinzu, dass die Regierung daran arbeiten werde, alle Impfvorschriften „abzuschaffen“. Jede einzelne dieser Vorschriften sei falsch und trieft vor „Verachtung und Sklaverei.“Gleichzeitig kündigte der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, die Einrichtung einer Kommission an, um den Bundesstaat an die von US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. festgelegten Ziele anzupassen. Die Kommission soll von Casey DeSantis, der Ehefrau des Gouverneurs, geleitet werden.Gesundheitsminister Kennedy ist ebenfalls ein langjähriger Impf-Skeptiker. Zuletzt feuerte er unabhängige Berater der wichtigen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) und ersetzte sie durch ausgewiesene Impf-Kritiker. Auch die Direktorin der CDC hatte Kennedy nach weniger als einem Monat im Amt entlassen.In Texas arbeitet die Regierung des Bundesstaats wiederum daran, dass bald jeder Ärzte und Vertreiber von Abtreibungspillen verklagen kann, wenn diese an der Lieferung bzw. dem Import der Pillen in den Bundesstaat beteiligt sind.Wie die Washington Post berichtete, soll der von Abtreibungsgegnern unterstützte Gesetzentwurf es ermöglichen, Privatpersonen, Unternehmen und Einzelpersonen zu verklagen, die Abtreibungspillen herstellen oder an Patientinnen in Texas vertreiben.Welche Folgen hat diese Politik?Aber warum über diese Themen spekulieren, wenn man nachfragen kann. Ich hatte die Gelegenheit, zum einen mit einer erfahrenen Epidemiologin aus den USA zu sprechen, die bereits seit über zehn Jahren für die Behörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) tätig ist.Zum anderen konnte ich mit einer angehenden Epidemiologin sprechen, die sich auch auf die Rechte von Frauen und Minderheiten spezialisiert hat. Beide stimmten einem Interview unter der Voraussetzung der Anonymität zu, da sie sonst um ihre Jobs und Karrieren fürchten müssten.Als Journalist ist es mir wichtig, Ihnen zu sagen, dass beide Personen über eine große Expertise bei dem Thema verfügen. Selbstverständlich versichere ich Ihnen auch, dass beide Personen existieren und sie auf Basis ihrer langjährigen Erfahrungen meine Fragen beantwortet haben. Falls Sie meinen Newsletter als Podcast hören: Ich habe die Antworten meiner Interviewpartner von einer KI-Stimme sprechen lassen.Die ersten zwei Fragen wurden von der erfahrenen CDC-Expertin beantwortet (Quelle 1). Die dritte Frage wurde sowohl von der CDC-Expertin, als auch von der angehenden Epidemiologin (Quelle 2) beantwortet. Fragen vier und fünf wurden von Quelle 2 beantwortet.Hier geht es zum Interview:„Die USA sind in Bezug auf die globale Gesundheitssicherheit völlig handlungsunfähig“Was ist das Ziel von Gesundheitsminister Kennedy? Welche Auswirkungen wird seine Politik nicht nur auf die CDC, sondern auch auf den US-Gesundheitssektor im Allgemeinen haben?Kennedy behauptet, dass er die im Vergleich zu anderen OECD-Ländern unverhältnismäßig hohen Raten chronischer Erkrankungen in den Vereinigten Staaten bekämpfen will. Gleichzeitig hat er aber viele der CDC-Zentren, die genau daran gearbeitet haben, aufgelöst.Er behauptet, dass diese Aufgaben stattdessen von einer neuen AHA-Behörde (Administration for a Healthy America) übernommen werden sollen. Allerdings gibt es weder Mittel für diese Behörde, noch gibt es Pläne, sie ins Leben zu rufen. Wenn diese Behörde jemals zustande kommen soll, dann erst in vielen Jahren, sodass in der Zwischenzeit ein Großteil der Arbeit im Zusammenhang mit der Überwachung chronischer Krankheiten, der Bewertung von Strategien und Programmen zur Informationsgrundlage für Entscheidungsprozesse und der Bereitstellung evidenzbasierter Leitlinien für die amerikanische Öffentlichkeit und Ärzte stark eingeschränkt wird.Meiner Meinung nach verkauft Kennedy Wunderwaffen, um seine Anhänger von „Make American Healthy Again“ (MAHA) zu beschwichtigen. Er hat viel Lärm darum gemacht, dass Junkfood-Unternehmen Lebensmittelfarbstoffe abschaffen oder Fruktose-Glukosesirup durch Zuckerrohrsirup ersetzen sollen.Wir Experten für öffentliche Gesundheit wissen jedoch, dass diese kleinen Änderungen keinen messbaren Einfluss auf chronische Krankheiten haben werden, da er nichts unternimmt, um die wirklichen Ursachen anzugehen. Dazu gehören z.B. der eingeschränkte Zugang zu gesunden Lebensmitteln, die steigenden Kosten für gesunde Lebensmittel, der Mangel an Versicherungsschutz und Zugang zu Gesundheitsversorgung (insbesondere unter der ärmeren Bevölkerung auf dem Land) und natürlich auch die generellen sozialen Faktoren, die sich auf chronische Krankheiten auswirken. Kennedy geht mit seiner MAHA-Agenda überhaupt nicht auf diese grundlegenden Probleme ein.Da er nichts Wirksames unternimmt, um die chronischen Krankheiten zu bekämpfen, hat das alles einen noch negativeren Einfluss auf unsere Fähigkeit, Infektionskrankheiten zu kontrollieren. Er hat nicht nur viele Jahre lang, bevor er Minister wurde, die Impfskepsis im Land geschürt, sondern baut nun auch im Alleingang unsere gesamte Impfstoff-Infrastruktur ab.Er hat 500 Millionen Dollar für die mRNA-Forschung gestrichen und damit unsere Fähigkeiten, auf die nächste Pandemie zu reagieren, erheblich beeinträchtigt. Er hat angesehene Experten aus den externen Beratungsgremien, die den Regulierungsprozess der FDA (Food and Drug Administration) und den Empfehlungsprozess der CDC beraten, entfernt und durch unqualifizierte Impfgegner ersetzt. Die FDA hat bereits die Zulassung des COVID-19-Impfstoffs für die kommende Saison auf Erwachsene über 65 Jahre und Personen mit Risikofaktoren beschränkt. Anfang dieses Jahres hat Kennedy die COVID-19-Impfempfehlung für Schwangere widerrufen. Er hat sich bei dieser Entscheidung mit niemandem in der CDC beraten und hat bis heute keine Beweise vorgelegt, die diese Entscheidung rechtfertigen würden.Es ist wichtig zu beachten, dass in den Vereinigten Staaten die meisten Versicherer die Kosten für einen Impfstoff nicht übernehmen, wenn die geimpfte Person nicht zu einer Gruppe gehört, die von der FDA für die Verwendung zugelassen und/oder von der CDC in ihre Empfehlung aufgenommen wurde.Obwohl Kennedy sowohl bei der Anhörung für seine Bestätigung vor dem Senat vor ein paar Monaten, sowie vor ein paar Tagen erneut unmissverständlich erklärte, dass „jeder, der sich impfen lassen möchte, eine Impfung erhalten kann“, haben seine Maßnahmen den Zugang zu Impfstoffen für Millionen von Menschen, die sich impfen lassen möchten, eingeschränkt.Noch alarmierender ist, dass für Ende dieses Monats eine ACIP-Sitzung (Advisory Committee on Immunization Practices) geplant ist, bei der nicht nur COVID-19, sondern auch MMR, RSV und Hep-B auf der Tagesordnung stehen – also Impfstoffe, die seit Jahren ganz oben auf der Agenda der Impfgegner stehen. Wenn sie beschließen, die Empfehlungen für Kinder zu streichen, werden die Versicherer diese Impfstoffe nicht mehr übernehmen und Millionen von Familien werden den Zugang dazu verlieren – trotz Kennedys gegenteiliger Versprechen.Darüber hinaus sind neben den Kürzungen bei der mRNA-Forschung auch die Forschungsgelder des Bundes in nahezu allen Bereichen der Gesundheits- und Biomedizinforschung ernsthaft gefährdet. Labore im ganzen Land haben ihre Forschung bereits eingestellt, Universitäten haben weniger (wenn überhaupt) Plätze für neue Doktoranden – unsere biomedizinische Forschung wird in den kommenden Jahren stark eingeschränkt sein.Wie gefährlich ist es, dass Florida plant, alle Impfvorschriften aufzuheben? Welche schwerwiegenden Folgen könnte dies haben?Sehr gefährlich! Nehmen wir das Beispiel Masern. Wir können uns den Masernausbruch im Südwesten der USA in diesem Jahr ansehen, der seinen Ursprung in einer impfkritischen Gemeinde mit geringer Durchimpfungsrate hatte. Bis heute gab es mindestens 1.431 Fälle in 45 Bundesstaaten – der größte Ausbruch seit 1992 – mit 3 Todesfällen, davon zwei unter Kindern.Masern waren in den USA seit 2000 ausgerottet, obwohl wir jedes Jahr eine geringe Anzahl importierter Fälle verzeichnen. Es ist anzumerken, dass wir in diesem Jahr mehr importierte Fälle (n=137) hatten als in jedem anderen Jahr seit 2000. Wenn sich dieser Trend fortsetzt und es gleichzeitig mehr Gebiete mit geringer Durchimpfungsrate gibt, dann ist eine Katastrophe vorprogrammiert. Insbesondere Florida ist ein wichtiger Einreisepunkt für internationale Reisende in die Vereinigten Staaten.Interessant an diesem Plan zur Abschaffung der Impfpflicht ist, dass Eltern in Florida seit mehr als einem Jahrzehnt das Recht haben, eine nicht-medizinische Befreiung von der Schulimpfung (z. B. aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen) zu beantragen. Es gibt jedoch eine unbeabsichtigte Folge, an die meiner Meinung nach derzeit viele Menschen nicht denken. In meiner Arbeit stelle ich fest, dass die Impfvorschriften für den Schuleintritt oft eine wichtige Erinnerung für Eltern und Betreuer sind, ihren Kindern die aktuellsten Auffrischungsimpfungen mit DTaP, IPV und MMR (Masern, Mumps und Röteln) zu verabreichen.Der größte Teil des Impfplans für Kinder ist im Alter von 18 Monaten abgeschlossen, einem Zeitraum, in dem Eltern und Betreuer von ihren Kinderärzten dazu angehalten werden, regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen zu vereinbaren, bei denen die ersten Impfdosen verabreicht werden. Nachdem Babys jedoch zwei Jahre alt geworden sind, gibt es nicht mehr viele geplante Routineuntersuchungen oder Impftermine. Diese letzten Auffrischungsimpfungen werden im Alter von 4 bis 6 Jahren empfohlen, und in den dazwischenliegenden Jahren vergessen vielbeschäftigte Eltern das einfach – bis sie ihr Kind in der Schule anmelden.Ohne die geltenden Vorschriften vermute ich, dass viele Eltern, die eigentlich die Impfung ihres Kindes unterstützen, diese letzten Impfungen versäumen werden. Ich vermute, dass die Durchimpfungsrate für die zweite Dosis MMR um einige Prozentpunkte sinken wird (sie liegt bereits unter 90 Prozent, für die Herdenimmunität gegen Masern sind jedoch 95 Prozent erforderlich), insbesondere wenn die Berichterstattung in den Medien nachlässt und die Eltern beginnen, die zweite Dosis zu vergessen, die für die Steigerung der Wirksamkeit und die Aufrechterhaltung der Immunität so wichtig ist.Und welche Folgen hat eine veränderte US-Gesundheitspolitik für kleinere Länder mit weniger Geld und weniger Ressourcen?Quelle 1: Das ist eine sehr wichtige Frage. In den US-Medien habe ich darüber noch nicht viel gehört.Zunächst einmal waren die Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten der größte Geber von Entwicklungshilfe im Gesundheitsbereich. Ein Großteil dieser Mittel wurde in diesem Jahr bereits an der Quelle gekürzt, weil Behörden wie USAID (das Entwicklungsministerium der USA) komplett aufgelöst wurden. Das hat weitreichende Folgen für die kommenden Jahrzehnte.Die UNO und die WHO haben sich insbesondere in diesem Jahrzehnt dafür eingesetzt, dass ressourcenärmere Länder beginnen, ihre Finanzierungsmechanismen im Gesundheitsbereich zu diversifizieren, um unabhängiger zu werden. Dies ist jedoch eine komplexe politische und ressourcenbezogene Herausforderung, deren wirksame Umsetzung Zeit erfordern wird. Anstatt den Finanzierungsfluss auf nachhaltige Weise zu verlangsamen, um den Ländern eine Anpassung zu ermöglichen, ist diese US-Regierung mit Blick auf unsere Finanzierungs- und Hilfsmechanismen „mit der Brechstange“ vorgegangen.Darüber hinaus ist es unseren Forschern im Bereich der öffentlichen Gesundheit auf Bundesebene nicht mehr gestattet, in irgendeiner Form mit der WHO zusammenzuarbeiten, was unsere Fähigkeit, mit anderen Ländern bei wichtigen Aktivitäten wie der Überwachung von Krankheiten und der Reaktion auf Ausbrüche zusammenzuarbeiten, erheblich beeinträchtigt.Wir sind im Blindflug, wenn es darum geht, die weltweite Ausbreitung verschiedener Infektionskrankheiten zu überwachen. Selbst wenn wir von einem Land alarmiert werden, sind wir aufgrund neu verhängter Reisebeschränkungen und einer Vielzahl neuer Genehmigungsverfahren, die unsere Fähigkeit zu einer schnellen und wirksamen Reaktion beeinträchtigen, weniger in der Lage, auf Anfrage technische Unterstützung im Land zu leisten. Ganz zu schweigen davon, dass wir in diesem Jahr durch Personalabbau Tausende von Experten verloren haben. Selbst wenn ein Team zur Hilfe gerufen wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein weltweit führender Experte, der das Team z.B. noch vor neun Monaten geleitet hätte, nicht mehr da ist. Wir sind in Bezug auf die globale Gesundheitssicherheit völlig handlungsunfähig.Ich habe bei all diesen Fragen nur die Spitze des Eisbergs angeschnitten. Es gibt noch viel mehr zu sagen über die Millionen von Amerikanern, die mit der Verabschiedung der „Big, Beautiful Bill“ wahrscheinlich ihren Zugang zur Gesundheitsversorgung verlieren werden. Oder auch das Thema der Deregulierung der Umweltpolitik, die zu mehr Schadstoffen in unserer Luft und unseren Gewässern führen wird.Angesichts der vielen politischen Maßnahmen, die während dieser Amtszeit in der gesamten Regierung umgesetzt wurden, stehen die Vereinigten Staaten vor einer Zukunft, in der sie ärmer, kränker und weniger gut auf die nächste Pandemie vorbereitet sein werden. Es scheint, als wären Gedanken und Gebete wirklich alles, was wir derzeit haben.Quelle 2: Die Kürzung der Mittel für USAID wird in den nächsten fünf Jahren schätzungsweise 14.000.000 vermeidbare Todesfälle verursachen, und bisher haben die Kürzungen dieser Mittel bereits zu circa 300.000 Todesfällen geführt.Krankheiten, die bisher unter Kontrolle waren, werden mit voller Wucht zurückkehren. Menschen mit HIV, die keine Medikamente mehr bekommen, werden wieder krank, Malaria breitet sich aus, wenn keine Moskitonetze mehr verteilt werden, und vermeidbare Epidemien wie Cholera oder Masern breiten sich aus, weil Impfkampagnen komplett eingestellt werden. Reichere Länder können das alles besser abfedern, aber kleinere Nationen haben keine Notvorräte oder Rücklagen für schlechte Zeiten. Fortschritte, die Jahrzehnte gedauert haben, werden rapide zunichte gemacht.Es geht auch nicht nur um Geld: USAID hat auch Ärzte, Krankenschwestern, Fachkräfte im öffentlichen Gesundheitswesen und Laborpersonal ausgebildet. Sie haben dafür gesorgt, dass Diagnoselabore weiterarbeiten konnten. Ohne diese Unterstützung verlieren Gesundheitssysteme sowohl Personal als auch Instrumente.Hinzu kommt noch die diplomatische Seite. Jahrzehntelang waren die globalen Gesundheitsprogramme der Vereinigten Staaten nicht nur humanitär, sondern auch eine Form von Soft Power. Das hat Allianzen gestärkt und verschaffte den USA Einfluss in Regionen, in denen China, die EU, Russland oder andere aufstrebende Supermächte nicht so eifrig waren, sich zu engagieren. Kleinere Länder haben keine andere Wahl, als sich nun anderweitig um Unterstützung zu bemühen.Was früher ein Symbol für die Führungsrolle der USA im globalen Gesundheitswesen war, wird heute von vielen als Rückzug angesehen, was der Glaubwürdigkeit und moralischen Stellung der USA auf der Weltbühne schadet.Anderes Thema: Texas will es jedem ermöglichen, Ärzte und Händler von Abtreibungspillen zu verklagen. Welche Folgen hat das für die Gesundheit von Frauen?Der Schritt des Bundesstaates Texas, Privatpersonen die Möglichkeit zu geben, Ärzte und Händler von Abtreibungspillen zu verklagen, ist einfach nur widerwärtig.Dieser Gesetzentwurf soll bald vom Gouverneur von Texas unterzeichnet werden, der damit das Gesundheitswesen instrumentalisiert. Wir alle wissen, um was für ein Spiel es sich hier handelt. Ein Spiel, bei dem Grundrechte je nach politischer Lage mal gewährt und mal entzogen werden. Und ja, ich gehe davon aus, dass der Oberste Gerichtshof letztendlich zugunsten von Texas entscheiden wird. Er wird sich hinter der Ausrede verstecken, dass „die Bundesstaaten letzten Endes darüber entscheiden“ sollen.Einer der beunruhigendsten Aspekte des texanischen Gesetzes ist, dass es über territoriale Grenzen hinweg gelten soll. Es erlaubt Texanern - es ermutigt sie sogar - Ärzte, Apotheker und Telemedizin-Anbieter in anderen Bundesstaaten zu verklagen, die Abtreibungspillen an Patientinnen in Texas verschreiben oder versenden. Das bedeutet, dass ein Anbieter in einem Bundesstaat wie Kalifornien, Illinois oder New York, der sich vollständig im Rahmen der Gesetze seines eigenen Staates bewegt, plötzlich in Texas in Gerichtsverfahren verwickelt werden kann, weil die Patientin sich dort medizinisch versorgen ließ.Texas hat also beschlossen, dass seine Autorität über seine Grenzen hinausreicht, und bestraft Menschen, die in ihren eigenen Bundesstaaten legal medizinische Versorgung leisten. Das ist nicht nur eine Überschreitung der Befugnisse, sondern auch verfassungswidrig.Diese Taktik sorgt für Chaos und Angst in der medizinischen Community. Ärzte im ganzen Land fragen sich, ob sie durch die Behandlung ihrer Patienten in feindlich gesinnten Bundesstaaten, die Hunderte von Kilometern entfernt liegen, mit Klagen rechnen müssen. Einige Kliniken haben bereits den Zugang zu Telemedizin für Patienten in Texas gesperrt, weil sie die finanziellen und rechtlichen Folgen nicht riskieren können.Das bedeutet, dass Frauen in Texas noch weiter isoliert werden und nicht nur von lokalen Angeboten abgeschnitten sind, sondern auch von Ärzten, die ihnen aus der Ferne helfen wollen.Und was bedeutet das alles konkret, z.B. für Abtreibungen?Es bedeutet weniger sichere Abtreibungen, nicht weniger Abtreibungen. Die Realität ist, dass Abtreibungen nicht aufhören werden. Sie werden nur unsicherer. Frauen werden verbluten, Frauen werden sterben, weil Politiker zu feige sind, sich die tatsächlichen Daten anzusehen. Texas hat offen erklärt, seine eigenen Berichte über die Müttersterblichkeit aus den Jahren 2022 und 2023, die einen Anstieg der Todesfälle unter schwangeren Frauen zeigten, zu ignorieren. Anstatt diese Krise zu beheben, haben sie sich dafür entschieden, sie zu verschärfen.Ich kenne persönlich Ärzte in Notaufnahmen in Texas, die bereits mit dieser Angst leben. Sie sehen Patientinnen, die Fehlgeburten haben, und wissen genau, welche Behandlung erforderlich ist, aber sie schweigen, weil eine einzige Verschreibung sie ihre Zulassung kosten könnte. Stellen Sie sich vor, Sie wären gezwungen, Patientinnen leiden zu lassen, während Sie zusehen, weil Politiker Ihrem medizinischen Urteilsvermögen Fesseln angelegt haben. Das ist keine Medizin, das ist Kontrolle und Grausamkeit.Und die Kluft wird immer größer. Wohlhabende Frauen werden ohne Probleme in andere Bundesstaaten reisen, um sich dort behandeln zu lassen. Frauen mit geringerem Einkommen, Frauen in missbräuchlichen Beziehungen und Frauen, die niemanden haben, an den sie sich wenden können, werden jedoch in der Falle sitzen. Sie werden zum Schweigen gebracht. Sie werden gezwungen sein, ihr Leben für eine grundlegende Gesundheitsversorgung zu riskieren.Das alles sollte eigentlich niemals Gegenstand einer öffentlichen Debatte sein. Es sollte niemals in den Händen von Gesetzgebern, Kopfgeldjägern oder Gerichten liegen. Diese Entscheidung sollte allein zwischen einer Patientin und ihrem Arzt getroffen werden.Aber bei dem, was Texas tut, geht es nicht um „Leben“ – es geht um Macht, es geht um Kontrolle, es geht um Religion. Es ist ein direkter Angriff auf die Selbstbestimmung, Sicherheit und Würde von Frauen.Wenn Sie all diese Entwicklungen betrachten und bewerten: In welche Richtung entwickeln sich die USA derzeit?Wenn man einen Schritt zurücktritt und sich das ansieht, was derzeit in den Vereinigten Staaten geschieht, dann ist das alles katastrophal. Es geht nicht nur um den Angriff auf das Gesundheitswesen und die öffentliche Gesundheit, sondern auch um das Chaos an den Grenzen, die Grausamkeit und die Migrationspolitik, die Entfremdung langjähriger Verbündeter und den Abbau internationaler Partnerschaften, die Amerika einst zu einer globalen Führungsmacht gemacht haben.Hinzu kommen die offene Feindseligkeit gegenüber der Wissenschaft, die Verbreitung von Fehlinformationen, die Selbstgefälligkeit der Menschen und Politiker, die eigentlich das Volk vertreten sollten, und die Aushöhlung demokratischer Normen. Man sieht ein Land, das sich an allen Fronten aktiv selbst untergräbt. Das sind keine isolierten politischen Entscheidungen, sondern miteinander verbundene Versäumnisse, die das Bild einer Nation zeichnen, die ihre eigene Glaubwürdigkeit und Stabilität untergräbt.Die Gesundheit der Bevölkerung ist nur ein Teil dieses größeren Zusammenbruchs, aber ein wichtiger. Die öffentliche Gesundheit funktioniert am besten, wenn die Menschen sich ihrer Existenz oder Wirksamkeit nicht bewusst sind. Die öffentliche Gesundheit betrifft nicht nur Menschen, die an die Wissenschaft „glauben“ – sie betrifft alle. Viren, Müttersterblichkeit und Epidemien fragen nicht nach Politik. Dennoch entscheiden sich die Vereinigten Staaten für eine bestimmte Ideologie einiger weniger, statt für Fakten. Das Land lässt zu, dass Fehlinformationen Gesetze und Politik beeinflussen. Das ist das wirklich Beängstigende daran: Es handelt sich um einen allgemeinen Angriff auf die Wissenschaft und die Wahrheit selbst, und wenn diese einmal verloren sind, beginnen alle anderen Systeme – Bildung, Gesundheitswesen, Wirtschaft, Sicherheit – zu zerfallen.Dieses Land bewegt sich in Richtung Isolation. Amerika geht nicht vorwärts, sondern rückwärts und zieht sein Volk mit sich. Amerika steht nicht an erster Stelle. Amerika hat nicht nur seine Glaubwürdigkeit verloren, sondern auch seine Seele.Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche.Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  15. 18

    US-Migrationsexperte: "Merkel hatte recht!"

    Liebe Leserinnen und Leser,auf den Tag genau zehn Jahre ist es nun her, dass die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren berühmten Satz „Wir schaffen das“ sagte. Gemeint war die große Herausforderung, vor der unser Land stand (und steht), das binnen kürzester Zeit über eine Million Menschen aufnahm.Zehn Jahre später nur die Frage zu stellen, ob wir es „geschafft“ haben, das wäre zu einfach und ist bereits in vielen Analysen und Leitartikeln geschehen. Natürlich ist vollkommen klar, dass unser Land sich in den vergangenen Jahren stark verändert hat.Ich wollte Ihnen in diesem Newsletter deswegen keine Perspektive aus Deutschland bieten, sondern eher eine Perspektive auf Deutschland.Gesprochen habe ich mit dem Präsidenten des renommierten Migration Policy Institute, das seinen Sitz in Washington D.C. hat. Andrew Selee leitet das Institut seit 2017 und ist ein ausgewiesener Migrationsexperte. Zudem lehrt Selee an der Georgetown University (wo ich einen seiner Kurse belegen konnte).Hören Sie sich das Gespräch hier (auf Englisch) im Podcast an oder schauen Sie es gerne auch als Video auf meinem YouTube-Kanal.Die wichtigsten Themen des Gesprächs:Selee über……Deutschland, die Flüchtlinge und Angela Merkel* „Aus einer Außenperspektive betrachtet, denke ich, dass Merkel recht hatte. Den Menschen, die damals gekommen sind, geht es größtenteils gut; ihnen geht es besser als anderen Kohorten in der Vergangenheit. Sie sind größtenteils in den Arbeitsmarkt und in die Schulen integriert, ihre Kinder wachsen mit Deutsch als Sprache auf.“* „Was mir an Merkels Aussage gefällt, ist, dass sie sich auf die positiven Aspekte der Migration konzentriert hat.“„Der Arbeitsmarkt wird einen Sog auf Menschen ausüben. Ich glaube, damit haben wir uns noch nicht genügend auseinandergesetzt.“* „Die größere Frage lautet allerdings: Was macht Deutschland jetzt? Was tun in einer Welt, in der Länder wie Deutschland, die USA, Italien oder Korea Arbeitskräfte aus dem Ausland brauchen? Der Arbeitsmarkt wird einen Sog auf Menschen ausüben. Ich glaube, damit haben wir uns noch nicht genügend auseinandergesetzt.“* „Die Formel, die wir alle anstreben, lautet: Wie können wir legale Wege für Menschen schaffen, die aus Gründen der Arbeitsmigration zu uns kommen wollen und die wir auch brauchen? Ob in Deutschland oder den USA – wir brauchen diese Menschen für unsere Arbeitsmärkte. Wie können wir also Wege dafür schaffen, aber gleichzeitig strengere Asylregeln durchsetzen und damit sicherstellen, dass Asyl nicht als Hintertür für Arbeitsmigration genutzt wird?“…die USA, den Arbeitsmarkt und wie gelungene Integration aussehen kann* „In den USA erwarten wir, dass die Menschen es aus eigener Kraft schaffen. Das führt wiederum dazu, dass die Menschen schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Die Menschen bleiben nicht, wenn sie keinen Zugang zum Arbeitsmarkt finden.“* „Es gibt zwei Arten, über Integration nachzudenken. Die eine ist, wie sich Einwanderer und die einheimische Bevölkerung mit der Zeit einander angleichen. Meistens passen sich Einwanderer an die Kultur an, in der sie leben, aber sie verändern auch die Kultur um sich herum, sodass es zu einer gewissen Anpassung in der Gesamtbevölkerung kommt.“„Die eigentliche Frage lautet: Haben die Kinder der Einwanderer die gleichen Chancen wie die Kinder der Einheimischen?“* „Die andere Art der Integration ist das, was wir tatsächlich messen können. Also, inwieweit gleichen sich Einwanderer in bestimmten Merkmalen (wie z.B. beim Einkommen oder der Bildung) an? Und wahrscheinlich noch wichtiger als das, was mit den Einwanderern geschieht, ist das, was mit ihren Kindern geschieht.“* „Die erste Generation der Einwanderer hat oft ein ambivalentes Verhältnis zu ihrem neuen Lebensumfeld, da sie oft erst in einem späteren Lebensabschnitt einwandert, in dem es schwieriger ist, sich zu verändern. Die eigentliche Frage lautet: Haben die Kinder der Einwanderer die gleichen Chancen wie die Kinder der Einheimischen?“…die großen Trends und Herausforderungen beim Thema Migration* „Es ist wichtig, das Tempo des Wandels und der Veränderung anzuerkennen. Nicht, weil Wandel etwas Schlechtes ist. Ich glaube sogar, dass es uns Menschen gut tut, anderen zu begegnen, uns weiterzuentwickeln und anzupassen. Das haben wir als Spezies im Laufe der Geschichte immer getan.“* „In einer idealen Welt achten wir auf das Tempo des Wandels. Wir holen Menschen hauptsächlich aus Interesse an Arbeitskräften ins Land und wir konkurrieren um Talente. Natürlich holen wir auch schutzbedürftige Menschen ins Land, aber wir treffen die Entscheidungen darüber idealerweise früher und nicht erst an der heimischen Grenze.“„In Wirklichkeit wird sich das alles viel chaotischer entwickeln.“* „Meiner Meinung nach wird sich das allerdings in Wirklichkeit alles viel chaotischer entwickeln. Zum Teil, weil niemand wirklich die Weitsicht hat, um die legalen Migrationswege zu ebnen.“* „Wir werden einerseits eine schrittweise Ausweitung der legalen Migrations-Möglichkeiten sehen, die den nationalen Eigeninteressen entsprechen. Wir werden aber auch viel Chaos und Widerstand in Bezug auf Identität und Ordnung sehen und mit Blick auf Menschen, die spontan an Grenzen auftauchen.“* „Ich glaube, es geht hier nicht nur um Identität. Ich denke, viele Menschen reagieren vor allem negativ auf Chaos. Sie reagieren auch, wenn sie glauben, dass sich Menschen nicht integrieren. Das mag ebenso sehr die Schuld der Gesellschaft sein wie die der Einwanderer.“* „Das Tempo des Wandels ist enorm. Ich glaube, wir sollten uns nicht wundern, dass Menschen Zuflucht in Identitäten und dem bereits Bekannten suchen. Die Frage ist, wie wir in diesen Identitäten Zuflucht finden und sie gleichzeitig so inklusiv gestalten können, dass sie in einer wirklich mobilen Welt nicht zu einem Abwehrmechanismus werden. Aber wir müssen auch sensibel mit dem Tempo umgehen, in dem dies geschieht.“Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und einen guten Start in die Woche!Philipp Sandmann Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  16. 17

    Wladimir Putin: Die große Analyse seiner Rede

    Liebe Leserinnen und Leser,im Grunde genommen versteht man Wladimir Putin erst dann, wenn man mal versucht, sich in seine Gedankenwelt hineinzuversetzen. Argumentiert man aus der Sicht Putins, dann macht alles Sinn: Die große Wunde über den Zerfall der Sowjetunion, der Ärger über den erfolgreichen Westen und die „logische“ Konsequenz des russischen Überfalls auf die Ukraine.Wichtig ist am Ende allerdings, dass man auch wieder den Sprung aus dieser Gedankenwelt herausschafft, um zu erkennen, dass Wladimir Putins Argumente weitestgehend auf einer Art Umschreibung der Geschichte beruhen.Bevor ich Putins Rede vom Freitagabend analysiere, möchte ich Ihnen nochmal vor Augen führen, wie der russische Präsident seine „Spezialoperation“ gegen die Ukraine vor einigen Jahren begründete.Putin sagte am 24. Februar 2022, dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine, wörtlich (Auszüge):PUTIN: „Ich habe über unsere größten Sorgen und Befürchtungen gesprochen und über die grundlegenden Bedrohungen, die unverantwortliche westliche Politiker Russland Jahr für Jahr konsequent und rücksichtslos auferlegt haben. Ich beziehe mich dabei auf die Osterweiterung der NATO, die ihre militärische Infrastruktur immer näher an die russische Grenze heranrückt. (…) Das umfasst das Versprechen, die NATO nicht um einen Zentimeter nach Osten auszuweiten. Um es noch einmal zu wiederholen: Sie haben uns getäuscht, oder, um es einfach auszudrücken, sie haben uns hinters Licht geführt.“ Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  17. 16

    Die NATO, der Frieden und ein gefährlicher Mythos

    Liebe Leserinnen und Leser,Heute treffen sich US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin in Alaska. Es ist der vorläufige Höhepunkt und zugleich ein Tiefpunkt von Donald Trumps Außenpolitik, die insbesondere beim Thema Ukrainekrieg – gelinde gesagt – hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben ist.Dass Trump den Krieg zwischen Russland und der Ukraine binnen 24 Stunden hätte beenden können, das glaubte wohl niemand. 24 Stunden in Trump-World kann man in der echten Welt umrechnen in 100 Tage oder ein halbes Jahr. Doch auch nach diesem großzügigen Umtauschkurs muss man festhalten: Trump ist von Wladimir Putin regelrecht vorgeführt worden.Und während vor ein paar Tagen noch davon die Rede war, dass Trump beim Treffen mit Putin einen Friedensdeal aus dem Hut zaubern könne, so ruderte das Weiße Haus am Mittwoch gehörig zurück und sprach nur noch von einer „listening exercise“.Die Washington Post schreibt:„Ein Einzelgespräch mit Trump ist aus Putins Sicht bereits ein Sieg, da er seit langem danach strebt, die Ära wiederherzustellen, in der Washington und Moskau die beiden dominierenden Hauptstädte der Welt waren. Seit er 2014 die ukrainische Halbinsel Krim mit Gewalt annektiert hat, betont er, dass der Weg zur Lösung des Konflikts über Gespräche mit einem US-amerikanischen Staatschef und nicht mit einem ukrainischen Staatschef führt. Abgesehen von einem Besuch bei den Vereinten Nationen im Jahr 2015 hat der russische Staatschef seit 2007, dem Jahr vor seiner Invasion in Georgien, einem weiteren Nachbarland Russlands, keinen Fuß mehr auf US-amerikanischen Boden gesetzt.“Ähnlich sieht es der Generalleutnant a.D. Ben Hodges, ehemals Commanding General der US Army Europe, der mir dieses Zitat per E-Mail zukommen ließ:„Ich habe sehr geringe Erwartungen an dieses Gipfeltreffen zwischen Präsident Trump und Präsident Putin, und es scheint, dass auch die Trump-Regierung damit beschäftigt ist, die Erwartungen zu dämpfen.Die Drohungen mit ‚schwerwiegenden Konsequenzen‘ für Russland, sollte es zu keiner Einigung über einen Waffenstillstand kommen, klingen hohl, da der Präsident dies bereits fünf oder sechs Mal getan hat, ohne dass es tatsächliche Konsequenzen für Russland gab, und Putin weiß das.Die Trump-Regierung hat von Anfang an einen zum Scheitern verurteilten Ansatz verfolgt, weil sie nie ein klares strategisches Ziel für den Ausgang des russischen Krieges gegen die Ukraine definiert hat (derselbe Fehler wie die Biden-Regierung), weil sie die Geografie, Geschichte und Kultur dieses Krieges nie verstanden oder sich darum gekümmert hat und weil sie nicht einmal versucht hat, den verfügbaren und enormen wirtschaftlichen Hebel einzusetzen, um Russland zur Beendigung seiner Aggression zu zwingen.Der Ansatz von Präsident Trump entspricht dem eines Geschäftsmannes aus den späten 1990er Jahren, der ein Immobiliengeschäft in Manhattan abwickelt.“ Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  18. 15

    Die AfD ist "verstörend" - aber ist sie auch verfassungswidrig?

    Liebe Leserinnen und Leser,der Fall der Verfassungsrichter-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf wird in die nächste Runde gehen. Noch ist allerdings politische Sommerpause. Das gibt uns die Gelegenheit, die Frage zu stellen, was wir aus der Debatte der vergangenen Woche gelernt haben.In diesem Newsletter wollte ich Ihnen ein bisschen mehr Tiefe zum Thema Bundesverfassungsgericht anbieten und habe deswegen mit Alexander Thiele gesprochen. Thiele ist Professor für Staatstheorie und Öffentliches Recht an der Business & Law School in Berlin. Er kritisierte den Umgang mit Frauke Brosius-Gersdorf scharf. In einer Stellungnahme vom 14. Juli hieß es:„Dieser Umgang ist geeignet, die Kandidatin, die beteiligten Institutionen und mittelfristig über den Verfall der angemessenen Umgangskultur die gesamte demokratische Ordnung zu beschädigen.“Im Interview sagte Thiele: „Das ist ein Alarmsignal für die Manipulierbarkeit des Diskurses.“Pünktlich zu dieser Diskussion ist (zufällig) auch Thieles aktuelles Buch erschienen, das ich jedem empfehlen kann, der mehr über die Geschichte des Bundesverfassungsgerichts erfahren will.Hören Sie das ganze Interview mit Professor Alexander Thiele als Podcast bei Substack oder auch bei Spotify oder iTunes. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  19. 14

    Trump in Gefahr!

    Liebe Leserinnen und Leser,vor sechs Monaten und sieben Tagen began die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump. Die ersten vier Monate davon konnte ich in Washington D.C. hautnah miterleben.Doch seitdem hat sich viel verändert und während Trump zwar - wie angekündigt - seinen Worten hat Taten folgen lassen, so gibt es auch überraschende Erkenntnisse und Entwicklungen. Und zwar sowohl für Trump-Fans als auch für Trump-Kritiker. In dem heutigen Newsletter würde ich gerne zwei Themen beleuchten, die für Trumps Erfolg oder Misserfolg eine entscheidende Rolle spielen werden: Die Wirtschaft und wie sich seine eigenen Anhänger künftig verhalten werden.Wie geht es der US-Wirtschaft?Fangen wir mit der Wirtschaft an und schauen wir auf Entwicklungen und Fakten, die für den ein oder anderen ausgewiesenen Trump-Widersacher wahrscheinlich schwer zu ertragen sind.Sagen wir’s mal so: Die US-Wirtschaft brummt! Noch.Der Meinung ist auch Finanzexperte Philipp Vorndran, mit dem ich vor zehn Tagen über die finanzielle Situation der USA gesprochen habe. Das ganze Gespräch können Sie hier hören oder auch bei YouTube sehen.Die Financial Times stellte jedenfalls gestern die interessante Frage: Wie lange kann die US-Wirtschaft den Erwartungen trotzen? Die Antwort: Die US-Wirtschaft ist erstaunlich widerstandsfähig und resilient. Doch es gibt auch ein paar Risse. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  20. 13

    Fall Brosius-Gersdorf: Um was es hier wirklich geht

    Liebe Leserinnen und Leser,dass es in der heutigen Zeit zu heftigen Debatten im öffentlichen Diskurs kommt, die mitunter deutlich unter die Gürtellinie gehen, daran dürfen wir uns nicht gewöhnen, aber wir müssen damit umgehen.Dennoch überrascht mich das Ausmaß der Diskussion über Frauke Brosius-Gersdorf, Kandidatin für das Bundesverfassungsgericht. Wie es der Journalist Paul Ronzheimer trefflich formulierte:“Hochinteressant und beunruhigend zugleich die Reaktionen auf den Auftritt von Brosius-Gersdorf bei Lanz zu beobachten hier. Jeder/jede nimmt sich das raus bzw. clippt, was zur eigenen Linie/Argumentation passt. Diese ‘Clippisierung’ führt zu den aufgeregten Debatten dieser Zeit.”Ich stimme zu, dass diese Clippisierung problematisch ist. Allerdings ist sie in der Tat ein fester Bestandteil der Welt, in der wir heute leben. An ihr wird sich wenig ändern lassen, und schon gar nicht in den sozialen Medien.Deswegen sollten wir uns fragen, ob wir wirklich über den Kern des Problems sprechen.Ich will es so erklären: Ich finde nicht, dass Frau Brosius-Gersdorf radikale Thesen vertritt. Trotzdem akzeptiere ich, dass sich einige in der Union (und darüber hinaus) an ihr reiben. Das ist vollkommen legitim.Die Frage, die ich allerdings an diejenigen habe, die die Kandidatin verhindern wollten und das auch weiterhin beabsichtigen, ist diese hier: Haben Sie Ihre Haltung entwickelt bevor oder nachdem die ersten Nachrichten-Portale kritisch (und teilweise auf Basis von Falschinformationen) über die Kandidatin berichteten?Das ist eine wichtige Frage, die jeder für sich beantworten muss. Denn hier geht es um Haltung. Hier unterscheidet sich, um die Floskel zu bemühen, die Fahne im Wind vom Fels in der Brandung. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  21. 12

    Sind die USA pleite, Herr Vorndran?

    Liebe Leserinnen und Leser,warum ist die Stimmung an den Börsen eigentlich so optimistisch (vor allem in den USA) wenn sich die Welt doch in einem Handelskrieg befindet und wir mit immer größeren Sorgen auf die vielen Konflikte blicken? U.a. diese Frage habe ich Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch, gestellt.Seine Antwort: In der Zukunft sei es hochwahrscheinlich, dass die Unternehmen im S&P 500 weiterhin Erfolg haben würden. Der Finanzexperte erklärte:“Börsianer gehen davon aus, dass das in der Zukunft auch so sein wird. Gute Unternehmen sind eben deshalb gute Unternehmen, weil sie auch in schwierigen Zeiten performen.”Etwas ernster sei die Lage allerdings mit Blick auf die hohe Staatsverschuldung der USA, sagt Vorndran. Hier müsse man genau auf die Entwicklung gewisser Pfeiler schauen, z.B. auf den Immobilienmarkt.“Wenn allerdings der Pfeiler dieses Systems, der Immobilienmarkt, ins Schwanken kommt, dann bekommen die Amerikaner und auch der Konsum als Treiber der Volkswirtschaft ein existenzielles Problem.”Sie wollen das Gespräch im Video sehen? Schauen Sie gerne auf meinem YouTube-Kanal vorbei!Deswegen werde Trump nicht müde, Jerome Powell, den Chef der US-Notenbank, “unflätig” anzugehen, dass er doch viel zu spät mit der Zinssenkung sei, so Vorndran.Weiter erklärte der Kapitalmarktstratege: “Das ist die Schlüsselgröße, auf die wir wirklich achten müssen. Solange der Wohnimmobilienmarkt noch halbwegs ok ist, mache ich mir begrenzt Sorgen, weil die Unternehmen in den USA in den richtigen Sektoren positioniert sind, die uns beispielsweise in Deutschland komplett fehlen.” Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  22. 11

    Ist das Fliegen noch sicher?

    Liebe Leserinnen und Leser,die Zahlen beim weltweiten Flugverkehr sind explodiert. 2019, dem letzten Jahr vor Corona, gab es 4,4 Milliarden Flugpassagiere - ein Rekord. Dann kam zunächst der Einbruch aufgrund der Pandemie, doch im Jahr 2025 kommt die Flugbranche schon fast wieder an die Zahlen von 2019 heran. Dieser Trend hat auch seine Schattenseiten.Gerade in den vergangenen Monaten und Jahren hat sich die Anzahl der Flugzeugabstürze und Unglücke doch merklich erhöht. Das ist nicht nur meine subjektive Wahrnehmung, sondern das spiegelt sich auch in den Fakten wider. So war 2024 z.B. das tödlichste Jahr in der Fliegerei seit 2018. Das Jahr 2025 zeigt in den ersten sechs Monaten ebenfalls eine verheerende Bilanz auf. Der Nachrichtendienst Bloomberg schreibt:“Laut Jan-Arwed Richter, dem Gründer von Jacdec, einem deutschen Beratungsunternehmen, das sich mit der Sicherheit in der Luftfahrt befasst, ist die Zahl der Todesopfer in der Zivilluftfahrt im Jahr 2025 weltweit auf mehr als 460 gestiegen. Der Durchschnitt der letzten zehn Jahre liegt bei 284, basierend auf der Methodik des Unternehmens.”Besonders schockierend waren ein Absturz im Januar, als ein Passagier-Jet in Washington D.C. kurz vor der Landung mit einem Hubschrauber kollidierte und der Absturz der Air-India-Maschine (Boeing 787) im Juni kurz nach dem Start.Es gibt also zwei Fragen, die ich in diesem Artikel beantworten will. Erstens, ist das Fliegen eigentlich noch sicher? Und zweitens, lässt sich die erhöhte Zahl der Abstürze erklären, also z.B. aufgrund von gesunkenen Sicherheitsstandards oder aufgrund von Personalmangel? Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  23. 10

    Das Ende von Gedanken aus Washington D.C. - Good bye, USA.

    Liebe Leserinnen und Leser,Nach einer etwas längeren Pause nun das Finale: Heute erhalten Sie den letzten Newsletter von Gedanken aus Washington D.C. Meine Zeit in Washington D.C. endet und mein Master-Studium an der Georgetown Universität ist abgeschlossen. Es zieht mich nach Europa, wo spannende Entwicklungen stattfinden, die ich mitgestalten will.Ich bedanke mich herzlich bei Ihnen für die vergangenen Monate und dafür, dass Sie meinen Newsletter gelesen und geteilt haben. Ich bedanke mich für die Kommentare und Rückmeldungen und ich möchte Ihnen sagen: Es war mir eine Freude, jede Woche für Sie aus Washington D.C. zu schreiben und zu berichten.Gedanken aus Washington D.C. startete zur US-Wahl im November 2024. Seitdem haben über 500 Menschen meinen Newsletter abonniert. Ende April gelang dieser kleinen (aber feinen) Publikation der größte Erfolg: Ein Interview mit Bundespräsident a.D. Joachim Gauck sorgte für großen Gesprächsstoff, und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in internationalen Medien. Dass mein Newsletter mal in einer gedruckten Zeitung zitiert werden würde, das hätte ich auch nicht gedacht.Das zeigt: etwas Neues zu starten, das lohnt sich. Ich habe den größten Respekt vor den vielen freien Journalistinnen und Journalisten, die täglich auf der Suche nach guten Geschichten sind und damit ihren Lebensunterhalt finanzieren. Auch wenn mich mein Weg womöglich nicht zurück in den Journalismus führen wird, so werde ich diesem Beruf immer treu bleiben.Und, es wird einen neuen Newsletter geben. Aus Deutschland. Dazu bald mehr.Ich würde mich freuen, wenn Sie mir als Leserinnen und Leser treu bleiben. Sie werden natürlich auch die Möglichkeit bekommen, sich abzumelden. Für meine zahlenden Abonnenten eine wichtige Information: Ihre Zahlungen werden für die nächsten Wochen pausiert (ich mache eine kleine Pause).Aber nun, mein letzter Text aus Washington D.C.Er handelt um ein Land mit der womöglich berühmtesten Idee des sozialen Aufstiegs. Es geht aber auch um ein Land, das es in dieser Form so nicht mehr gibt. Die Idee von Amerika wird zwar bleiben. Künftige Generationen, die Menschen die ich während meines Studiums kennenlernen durfte, werden dieser Idee allerdings wieder neues Leben einhauchen müssen. Und vielleicht bleibt doch auch etwas von dem Grundgedanken: Die USA sind ein Land der Einwanderer und ein Land der (unbegrenzten) Möglichkeiten. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  24. 9

    Melnyk an Merz: "Das ist jetzt die Stunde Deutschlands"

    Liebe Leserinnen und Leser,es ist ein Foto, das in die Geschichte eingehen wird. So viel steht jetzt schon fest.Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der amerikanische Präsident Donald Trump sitzen sich, am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen Papst, im Petersdom gegenüber und sprechen über eine mögliche Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine.Grund genug, um darüber mit jemandem zu sprechen, der sich nicht nur gut mit der Ukraine auskennt, sondern auch mit Diplomatie. Andrij Melnyk war viele Jahre Botschafter der Ukraine in Deutschland. Nun ist er für sein Land als Botschafter in Brasilien und schon bald wird er die Ukraine bei den Vereinten Nationen in New York vertreten.Das ganze Interview gibt es im Podcast oder hier als Text in verkürzter Fassung.Philipp Sandmann: Guten Tag, Herr Melnyk. Schön, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Vielen Dank dafür. Wo erreiche ich Sie gerade?Andrij Melnyk: Guten Abend, Herr Sandmann. Ich bin gerade in Brasilia, immer noch als Botschafter. Demnächst werde ich umziehen nach New York, um diese neue Mission zu beginnen. Darauf freue ich mich.Es wird gerade über ein eindrückliches Bild gesprochen und diskutiert. Ihr Präsident Wolodymyr Selenskyj sitzt gegenüber von Donald Trump, dem US-Präsidenten. Die beiden sitzen auf zwei provisorisch herbeigeschobenen Stühlen im Petersdom, am Rande der Trauerfeier für den verstorbenen Papst. Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie so ein Foto sehen?Andrij Melnyk: Zum einen bin ich froh, dass Präsident Selenskyj überhaupt nach Rom gereist ist. Das war nicht sicher wegen der schwierigen Lage an der Front und der täglichen Angriffe auf Städte und die vielen Opfer, die wir zu beklagen hatten in den letzten zwei, drei Wochen.Und da dachte ich mir: Es wäre so wichtig, dass der Präsident jetzt dabei ist bei dieser Trauerfeier, die eine große Bedeutung hat, weil dort auch der amerikanische Präsident anwesend sein sollte. Ich war so erleichtert, als ich diese Bilder dann im Petersdom gesehen habe. Das Treffen war ja, soweit ich weiß, nicht wirklich geplant. Das war eine spontane Begegnung, die natürlich gesucht wurde. Ich weiß, wie diese Chemie funktioniert, dass man keine Vereinbarung hat und trotzdem alles dafür tun muss, um so eine Begegnung zu ermöglichen.Das hatte für mich eine starke Symbolkraft, weil wir gesehen haben, wie schwierig das war, einen Dialog zu führen und auch einen direkten Draht zum neuen Chef im Weißen Haus zu finden. Wir haben immer noch diese schrecklichen Bilder im Kopf im Oval Office von vor ein paar Wochen.Es war für uns überlebenswichtig, dass Präsident Selenskyj einen Weg findet, wie man Donald Trump gewinnen kann und wie man auch das Vertrauen zurückgewinnen kann. Ich habe den Eindruck – ich war nicht dabei, aber ich hatte Feedback von den Kollegen, die dort waren – dass das ein guter Anfang war. Das war der zweite Anfang und auch, wenn es nur 15 Minuten gewesen sind, so hatte man den Eindruck, dass das schon ein gelungener zweiter Anfang war. Die Menschen in der Ukraine konnten ein bisschen aufatmen. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  25. 8

    Das ist die größte Schwachstelle der US Constitution!

    Liebe Leserinnen und Leser,ich hoffe, dass Sie ein schönes Osterfest verbracht haben.“We the people” ist der erste Satz der amerikanischen Verfassung und, nein, das ist nicht die größte Schwachstelle in diesem historischen Dokument. Ganz im Gegenteil. Das ist womöglich der großartigste Satz. Er ist deswegen so gut, weil er deutlich macht, dass es die Menschen im Land sind, also die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika, die die Werte der Verfassung aufrechterhalten sollen.Welchen Satz ich als Schwachstelle in der US Constitution bezeichnen würde, dazu später mehr.Der heutige Newsletter baut auf einem Text auf, den ich vor zwei Wochen geschrieben habe, in dem es um die (ziemlich uneingeschränkte) Macht des US-Präsidenten geht.Weil in diesen Tagen viel über eine “neue” Gesetzlosigkeit in den USA geschrieben wird (und ich dieser These auch teilweise zustimmen würde), so sollte man doch auch einen Blick in die Geschichte werfen, um zu verstehen ob es sich wirklich um eine neue Form der Missachtung der Gerichte handelt oder ob dieses Mal nur andere Menschen davon betroffen sind.Das Fundament für meinen Text ist Trumps Verwendung (und Interpretation) des sogenannten “Alien Enemies Act” (der im oben verlinkten Artikel erklärt wird). Doch ich will heute noch einen Schritt weitergehen, da in den vergangenen Tagen klar geworden ist, dass Trump nicht nur die Deportation von nicht-US-Staatsbürgern ausweiten will, sondern womöglich auch US-Staatsbürger aus dem Land werfen und nach El Salvador überführen will. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  26. 7

    Warum die USA eine Wette auf die Zukunft sind

    Liebe Leserinnen und Leser,meine Zeit in den USA neigt sich dem Ende zu. In etwa einem Monat geht es zurück nach Deutschland. Mein großer Rückblick kommt noch, heute wollte ich über einige meiner akademischen Erlebnisse schreiben.Ich könnte viele Newsletter schreiben über die großartigen Dinge, die ich in den Kursen an der Universität gelernt habe, aber heute habe ich mich für drei Geschichten zu drei ganz unterschiedlichen Themen entschieden. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  27. 6

    Die Macht des US-Präsidenten ist (fast) grenzenlos

    Liebe Leserinnen und Leser,in diesen Tagen frage ich mich oft: was bedeutet es eigentlich, in einem “Rechtsstaat” zu leben? Wofür sind Gesetze da? Und warum gibt es Gerichte, die diese Gesetze durchsetzen und aufrechterhalten?Gesetze existieren, weil sie das Fundament für unseren gesellschaftlichen Vertrag bilden. Sie sind außerdem eine ziemlich effiziente Versicherung.Warum dieser große Bogen? Weil ich gerade in einem Land lebe, in dem diese Versicherung - also das Gesetz und die Gerichte - mißachtet wird. Und zwar nicht von irgendwem, sondern vom US-Präsidenten und seiner Regierung.Trump und sein höriges Kabinett führen einen offenen Krieg gegen die Richter in den USA, die versuchen, Trumps unrechtmäßige Vorhaben zu stoppen.Ein aktueller Fall zeigt, was passieren kann, wenn Menschen ohne Verfahren und außerhalb des Gesetzes festgenommen und abgeschoben werden. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  28. 5

    Warum Linke andauernd verlieren

    Liebe Leserinnen und Leser,war der Sieg von Donald Trump unvermeidbar? Nein, war er nicht.Allerdings taten die Demokraten viel dafür, ihm zum Sieg zu verhelfen. Um es überspitzt zu formulieren: Weil Joe Biden sich weigerte, das Chaos an der südlichen Grenze der USA ernst zu nehmen, nur eine ernsthafte Rede zu dem Thema hielt und viel zu spät reagierte, verlor Kamala Harris die Wahl. Die hohen Eierpreise gaben den Demokraten dann den Rest.In dem Zusammenhang habe ich festgestellt, dass die Parteien der Mitte generell ziemlich viel dafür tun (oder wenig dagegen), dass radikale Kräfte in Europa und in den USA weiter an Zuspruch gewinnen.Im heutigen Newsletter möchte ich deswegen die Frage stellen: Muss das so bleiben? Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  29. 4

    55 Tage Freiheit in Amerika

    Liebe Leserinnen und Leser,Die USA sind so unfrei, wie lange nicht mehr. Ich bin 34 Jahre alt und noch nie in meinem Leben habe ich mich so unfrei gefühlt, wie in den vergangenen 55 Tagen. Ich habe in Deutschland gelebt, in Großbritannien und jetzt in den USA. Was hier in den vergangenen Monaten passiert ist, das stellt alles in den Schatten.Um zu verstehen, wie gravierend der Angriff von Trump auf die Freiheit ist (ich sage bewusst Freiheit und nicht nur Meinungsfreiheit), hilft vielleicht eine Bündelung der vergangenen 55 Tagen. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  30. 3

    Müssen wir nur den Unternehmen zuhören?

    Liebe Leserinnen und Leser,in den USA ist einiges los, in Deutschland ist einiges los. Allerdings möchte ich in dieser Woche ein Thema setzen, das zwar nicht (akut) die Titelseiten der Medien bestimmt, aber in Zukunft eine große Rolle spielen wird.Es geht um unsere Wirtschaft und unsere großen Unternehmen. Ich möchte in diesem Newsletter bewusst eine konträre Rolle einnehmen, weil ich es für wichtig halte, dass wir über dieses Thema sprechen.Um was geht’s?In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich im Kontext der schwächelnden Wirtschaft in Deutschland oft diesen (oder einen ähnlichen) Satz gehört: “Wir müssen jetzt endlich mal wieder den Unternehmen zuhören, damit unsere Wirtschaft nach vorne kommt.” Der Satz wird gerne von Politikern auf Wahlkampfveranstaltungen gebrüllt oder in den sozialen Medien gepostet, um sich schnellen Applaus abzuholen.Ich habe mir allerdings immer öfter die Frage gestellt: Was ist überhaupt dran an der Behauptung? Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  31. 2

    Auf Wiedersehen, USA

    Was Trump und seine Gefolgschaft tatsächlich geschafft haben: Sie haben das sogenannte Narrativ umgedreht. Auf einmal muss sich Selenskyj entschuldigen für diesen Krieg. Auf einmal wird Selenskyj als Diktator dargestellt. Und auf einmal denkt über die Hälfte von Amerika, dass Selenskyj sogar für diesen Krieg verantwortlich sei.Die USA haben die Seiten gewechselt. Oder um es so zu erklären, dass es jeder versteht: Die USA haben nun endgültig die WhatsApp-Gruppe des Westens verlassen.Ich spüre keinen Hass gegenüber diesem Land und seinen Menschen. Ganz im Gegenteil. Aber die vergangenen Wochen haben dafür gesorgt, dass ich eine neue Liebe für Europa entdecke. Dafür danke ich dem US-Präsidenten sehr herzlich. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

  32. 1

    Neu: Podcast mit Gerald Knaus

    Heute wählt Deutschland einen neuen Bundestag und damit auch eine neue Bundesregierung. Wie wichtig die nächsten vier Jahre für Deutschland sind, das muss ich Ihnen nicht erklären. Doch vielleicht kann ich eine Perspektive aus den USA anbieten, um zu zeigen, was auf dem Spiel steht. Get full access to sandmann exklusiv at philippsandmann.substack.com/subscribe

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ABOUT THIS SHOW

Mein Podcast aus Europa. Aktuell, exklusiv und modern. Ich bin Philipp Sandmann, ehemals politischer Korrespondent bei RTL/ntv in Berlin. Von 2023 bis 2025 war ich Master-Student (Studienfach “Foreign Service”) an der Georgetown Universität in Washington D.C. In dieser Zeit habe ich meinen ersten Newsletter, “Gedanken aus Washington D.C.”, gestartet. Nun schreibe ich aus Europa über ganz unterschiedliche Themen. Hier gibt es exklusive Interviews, investigative Themen und knackige Kommentare. Danke für Ihre Unterstützung! philippsandmann.substack.com

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Philipp Sandmann

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