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Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast

Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast Ungefährliches Halbwissen ist der Laberpodcast de luxe, bei dem Abschweifen zur Königsdisziplin erhoben wird. Das Halbwissen der Hosts basiert auf einer Mischung aus Gedächtniskramen und flüchtigen Internetrecherchen – völlig ungefährlich, aber umso unterhaltsamer. Hier gibt es weder einen festen Themenkanon noch ein klares Ziel oder einen stringenten Ablaufplan. Paul und Hinrich, die beiden Hosts, sprechen über alles, was ihnen vor der eigenen Haustür, in Presse, Funk und Fernsehen oder auf Reisen begegnet. Dabei werfen sie sich gegenseitig regelmäßig Themen zu, stets in der bangen Hoffnung, dass das Gegenüber darauf anspringt. An guten Tagen ist das Hören von Ungefährliches Halbwissen wie das Belauschen eines unterhaltsamen, bisweilen anspruchsvollen, fast immer respektvollen und gelegentlich sogar informativen Gesprächs auf einer Party.Die beiden haben zwar versucht, das für sie heikle Thema Fußball zu meiden – scheitern

  1. 53

    UGHW: Zweimal im Monat Motiviert

    Zweimal im Monat motiviert! Jubiläum mit Söder, Spatzen und einem Loch in Irland Die goldene Folge! Folge 50 von Ungefährliches Halbwissen – und Paul und Hinrich feiern sie so, wie man es von ihnen erwartet: mit solidem Halbwissen, absurden Geschichten und dem einen oder anderen Ausflug ins Ungeplante. Spoiler: Diese Folge ist komplett Fußball frei. 🥁 Trommelpeter Markus Söder singt. Ja, wirklich. Der bayerische Ministerpräsident hat sich als singender Nachmacher von „Hoch auf dem gelben Wagen" verewigt – und damit unfreiwillig in eine illustre Gesellschaft eingereiht: der singende Bundespräsident und die unvergessliche Zara Leander mit „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh'n". Was kaum jemand weiß: Der Texter dieses Schlagers wurde extra aus der Gestapo-Haft entlassen, um den Song zu schreiben. Und als wäre das nicht genug: Für das Schlussbild des dazugehörigen UFA-Films musste die SS-Leibstandarte Adolf Hitler in Frauenkleider schlüpfen. Geschichte ist manchmal seltsamer als jede Fiktion. 🧠 Genial Daneben Mao Zedong erklärt den Spatzen den Krieg – und verliert. Der große Vorsitzende ließ die Vögel als Schädlinge bekämpfen, mit katastrophalen Folgen für die Ernte und Millionen von Menschenleben. Außerdem: Göhrde, ein beschauliches Dorf in der Lüneburger Heide, das sein Image als „Mörderdorf" einfach nicht loswird. Was steckt dahinter – und will man das überhaupt wissen? ✈️ Tipps Zwei Empfehlungen diese Woche – eine für Weltenbummler, eine für Friedhofsromantiker: In Irland gibt es ein Restaurant, in dem man die Beine über einem echten Loch -dem Lough Leane- ausstreckt und dabei Whiskey trinkt. Klingt schräg, ist es auch – und grandios. Und wer mal in Buenos Aires ist: Der Recoleta-Friedhof mit seinen 9.000 (!) Mausoleen ist weit weniger gruselig als man denkt, aber mindestens genauso unvergesslich. Ungefährliches Halbwissen erscheint halbmonätlich motiviert – also zweimal im Monat, meistens. Podcast abonnieren, bewerten, weiterempfehlen – oder einfach reinhören. Willkommen in Folge 50.

  2. 52
  3. 51

    UGHW: Wild-Life-Balance

    Koala zu sein kann anstrengend sein. Hauptberuflich „sooooo süß“, nebenbei 20 Stunden täglich Eukalyptus kauen – nährstoffarm, giftig, aber konkurrenzfrei. Eine Art vegetarisches Stammessen der Evolution. Da Koalas außerdem viel schlafen, bleibt nur der Biss ins Blatt. Kann man machen, ist aber eine Nische. Wegen der wenigen Nährstoffe muss man viel essen. Wie beim Aperol: Eine Orangenscheibe macht noch keinen Vitaminhaushalt. Für die Verdauung des Krauts haben Koalas einen langen Blinddarm und ein Entgiftungsenzym. Ein USP, sagen die einen. Eine Sackgasse, die anderen. Immerhin missionieren sie nicht. Sie fressen. Rund um die Uhr. Ähnlich Pandas: anderes Land, anderes Kraut, gleiches Prinzip. Zehn bis zwanzig Kilo Bambus täglich, 14 Stunden Kauen. Elefanten: 150 Kilo Pflanzen, 18 Stunden Arbeit. Löwen hingegen verschlafen den Tag. Sandvipern liegen herum und warten auf tölpelhafte Beute. Zack – weg. Der Rest ist Verdauung. Ein Muster: Überzeugungen kosten Zeit und Energie. Tiere entscheiden das nicht bewusst, ihnen fehlen Foodtrends und Flexitarismus. Vieles ist darwinistisch eingemendelt. Wir Menschen hingegen haben Wahlmöglichkeiten. Und doch gilt als Grundmaxime, dass die nächste Generation faul ist. Was früher auf der Parkbank gemault wurde, sitzt heute im Bundestag. Gitta Connemann wettert gegen „Lifestyle‑Teilzeit“, Christoph Ahlhaus kontert mit „Kompetenzvermutung“. Klingt wie Tic Tac Toe: „Ich find dich scheiße.“ Auch der Kanzler warnt vor der Vier‑Tage‑Woche. Als hätte man das nicht schon 1960 gehört. Dabei können wir unseren Lebensstil wählen – theoretisch. Praktisch haben viele Kinder, Eltern, Miete. Arbeitszeit und Produktivität steigen. Was die Statistik trübt, sind Menschen, die vor der Rente aufhören. Ihr gutes Recht. Aber sicher nicht Gen Z. Die Lage wird gern in dunklen Farben gemalt. Rudi Völlers tieferer Tiefpunkt ist regierungsfähig geworden. Ralph Ruthe bringt’s auf den Punkt: „Alle bekloppt geworden. Das Wetter.“ Zeitgeist, aber nicht neu. Cicero klagte schon über Sittenverfall. Die Griechen strebten nach Eudaimonia, Cicero nach „Muße mit Würde“. Selbst Marx wollte morgens jagen, nachmittags fischen, abends kritisieren. Die Stechuhr ist eine Erfindung der Industrialisierung. Bei Chaplin in Modern Times wirkt „achtsamkeitsbasierte Resilienzstrategie“ eher fehl am Platz. Selbst Pandas hören auf, wenn sie genug Bambus haben. Die brauchen keine Time‑Tracking‑App. Apropos Muße: Das war anstrengend. Jetzt ein Happen – kein Eukalyptus. Und dann löwen wir unter den Baum. Gute Nacht, Frau Connemann. Gute Nacht, Herr Merz. Dies – und vieles mehr – in Folge 48 von Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  4. 50

    UGHW: Eigentlich Untragbar

    Die Idee der Schuluniform gilt in vielen Ländern als tragfähig. Sie hat ein paar handfeste Vorteile: Sie macht optisch gleich – und das ist nicht per se schlecht. Ein Label auf der Klamotte war immer Teil des Rankings. Wehe dem, dessen Erziehungsberechtigte nicht mithalten konnten. Das war bei Babyboomern, Gen X, Generation Golf und Gen Y so und wird bei Gen Alpha ff. nicht anders sein. Auch die Silent Generation kannte das – nur sprach kaum jemand darüber. Je nach Ausgestaltung erkennt man an Schulklamotten die Zugehörigkeit zu einer Lehranstalt. Das schafft Zusammenhalt, den manche Schulen nicht so leicht erzeugen. Harry-Potter-Fans wissen, was gemeint ist. Schuluniformen können bei biegsamen Kinderseelen durch Strickjacken, Hemden mit angestoßenen Kragen und Einheitskrawatten durchaus Corps-Geist erzeugen. Das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit und gleichzeitigem Untertauchen in der Masse passt gut zusammen. In den 70er- und 80er-Jahren waren Ted, Punk, Rocker, Mod oder Popper weniger Stilfragen als Entscheidungen, ob man seine Freunde behält. Die meisten wollten nicht auffallen, sondern in ihrer Peergroup durchkommen. Wie beim Schalke-Trikot: auf der Süd das Hemd des Teufels, rund ums Parkstadion völlig normal. Das Beispiel #sportwettensherriff zeigt das deutlich. Auch Erwachsene lieben es, in der Masse zu verschwinden. Uniformen beantworten intern schnell die Frage, wer wem was zu sagen hat. Modernes Flecktarn verlängert im Ernstfall sogar die Verbleibdauer in der Unternehmensgruppe – etwas, das die Rotröcke des Empires zu spät verstanden. Eine Marke hat es geschafft, wenn Legionen kaufen, sobald das neue Modell erscheint. Junge Mädchen im Dreiteiler aus Uggs, Leggings und Canada-Goose-Jacke waren einst überall. Heute landet die Saisonware in Lagos oder Mombasa. Ähnlich funktioniert der Grundausstatter griffaffiner Männer: Camp-David-Polos in Lachs und Himmelblau, mit Prints von Orten, die die Träger nie sehen werden. Es geht nicht um Schönheit, sondern ums Nichtauffallen – und ums Lebensgefühl von Weite und Abenteuer, wie man es sich in Hoppegarten vorstellt. Namen erfüllen ähnliche Bedürfnisse. In den 1980ern waren DDR-Kindernamen oft von Sportlern oder Fernsehhelden inspiriert. Wenn der Camp-David-Träger in Apolda Enrico heißt, überrascht das niemanden. Kindernamen spiegeln Wünsche der Erzeugergemeinschaft wider. Was sagen Amalia, Emil und Emma? Egal. Spätestens wenn Leon-Samuel als Punk vor dem Lidl die Camp-David-Träger anschnorrt, wächst sich alles raus.

  5. 49

    UGHW: Abgefahren

    Menschen zu beleidigen ist keine Kunst – und selten sinnvoll. Oft ist es sogar strafbar. Wenn man, wie jüngst der Grünling Luis Bogba, Herrn Söder zwar nicht zur Bratwurst, aber immerhin zum „Hurensohn“ erklärt, ist das vor allem unklug. Bei Licht betrachtet richtet sich die Invektive gegen den angeblichen Broterwerb von Frau Söder senior. Nach allem, was man weiß, war Renate Söder jedoch Bankkauffrau. Entweder fehlte Bogba also Wissen – oder er ist noch etwas parteifarbig hinter den Ohren. Beleidigungen funktionieren wie Kunst: schlecht vorgetragen sind sie plump, virtuos vorgetragen zumindest unterhaltsam. Florett statt Keule. In der Politik, besonders im Bundestag, wird der Ton rauer. Die Wahlperiode 2021–2025 brachte 135 Ordnungsrufe hervor – historisch Platz zwei. Unangefochtener Rekordhalter bleibt Herbert Wehner mit 75 Rügen. Seine Spezialität: das Persönliche. Brandt „lauwarm badend“, Journalisten zu „Lüg“ umdeutend, Todenhöfer zum „Hodentöter“ machend. Perfide, weil es an etwas rührt, das man nicht ändern kann: den eigenen Namen. Ähnlich heikel ist die Herkunft. Wer aus Sachsen, Niederbayern oder Schwaben kommt, kennt das. Herkunftsbezogene Beleidigungen sind meist unangebracht, oft rassistisch. Wer aus Orten, Henstedt-Ulzburg oder Bottenhorn kommt, hat es leichter. Denn diese Flecken sind vollkommen unbekannt. Ganz anders bei Orten wie Edam, Eschede oder Nokia. Manche Namen tragen ein Schicksal, das größer ist als der Ort selbst. Schengen etwa: 5.212 Einwohner, aber ein Leben lang nur ein Thema. Apropos: Werbung an Autobahnen ist verboten – außer in Form der braunen „Touristischen Unterrichtungstafeln“. Verkehrszeichen 386.3, streng geregelt, aber horizonterweiternd. Ohne sie wüssten wir nichts vom Deutschen Erdölmuseum Wietze, der Pfefferkuchenstadt Pulsnitz oder dem Irrgarten Kleinwelka. Über 3.400 solcher Schilder gibt es. Laut Hochschule Harz nehmen 96 % der Autofahrenden sie wahr, jeder Sechste ist schon einmal spontan abgefahren. Effektives Regionalmarketing. Erfolgreicher ist nur Waterloo: 50.000 Tote – und alle singen ABBA. Dies – und vieles mehr – in Folge 46 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  6. 48

    UGHW: Der einzigste perfekteste Podcast

    Ave Caesar, morituri te salutant. So sollen Gladiatoren den Kaiser begrüßt haben – fühlt sich passend an für die Tage vor Tief Elli, als Deutschland sich schon im Überlebenskampf sah. Eis, Schnee, Wind – Wahnsinn, zumindest laut Unwetterwarnungen und Sondersendungen. Historisch stimmt der Spruch natürlich nicht. Cassius Dio berichtet nur von einem Schaukampf 52 n. Chr., bei dem 20.000 Sträflinge Claudius mit „Ave imperator, morituri te salutant!“ begrüßten. Claudius antwortete trocken: „Aut non.“ Diese Gelassenheit hätten wir bei Elli gut gebrauchen können. Stattdessen Dauerpanik. Immerhin hat es Jack Wolfskin und Strauss Workwear an die Grenzen gebracht. Wir leben im Zeitalter des Superlativs: am höchsten, am schnellsten, am schlimmsten. Nachrichten wie aus der Raucherecke des Schulhofs – Macker-News, nix für die MINT-Nerds. Trump liefert das passende Vokabular: der klügste Präsident, der dümmste Vorgänger, der korrupteste davor. Alles „ever“. Und hierzulande? Die schlechteste Regierung aller Zeiten, die höchste Neuverschuldung ever – heißt jetzt Sondervermögen. BTW: Glückwunsch zum Unwort des Jahres. Aber irgendwas muss ja passieren. Nichts passiert geht nicht. Was sollen Bild, Miosga, Klammroth oder Riewa sagen, wenn mal Ruhe ist? Keine Sorge: Die Jahresuhr steht niemals still. Jeden Tag ein größtes, schlimmstes, atemberaubendes Ereignis. Deswegen sind wir ständig außer Atem. Die Übertreibung hat Tradition: Marktschreier, Wundertinkturen, Reklame – „Die Menschheit will betrogen werden.“ Heute: SAT.1-Bälle runter, dann wird gelogen. Problematisch wird’s, wenn ohne Bälle gelogen wird. Dazu Konkurrenzdruck, moderne Übertragungstechnik und eine Aufmerksamkeitsspanne wie die Geschlechtsreife einer Eintagsfliege. Infotainment hat uns weichgekocht: Jumbo Schreiner, XXL-Schnitzel, das 41-Meter-Sandwich von Gießen. Das brauchen wir täglich. Und am Wochenende Galileo Big Picture. So sind wir bestens vorbereitet auf Skandale nonstop und Jahrhundertsturm Elli. War rutschig da draußen. Bilder werden hochgeladen. Dies – und vieles mehr – in Folge 45 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  7. 47

    UGHW: Grundformen der Angst

    Wenn die letzten aufgeweichten Böllerreste durchs Straßenbegleitgrün diffundieren, steht plötzlich Knut vor der Tür. Der Tag, an dem laut IKEA die Weihnachtszeit endet. Seit ein paar Jahren werfen Menschen hierzulande ihre Tannenbäume aus oberen Stockwerken, notfalls aus dafür angemieteten Wohnungen. Haben wir auf TikTok gesehen. Zum Glück wurde die Stille „zwischen den Jahren“ schon vorher mit sinnstiftenden Familienritualen gefüllt. Kaum ist the most wonderful time of the year vorbei, planen wir die schönsten Wochen des Jahres. Das Werbefernsehen hilft: Alles schreit „Hau endlich ab!“. Urlaubsreklame nonstop, dazwischen Ralf Schumacher, der Gebrauchtwagen kauft. Eine Wohltat. 1961 definierte Fritz Riemann in Grundformen der Angst vier Pole der Persönlichkeit. Christoph Thomann machte daraus später ein alltagstaugliches Modell: Distanz, Nähe, Dauer, Wechsel. Ein Koordinatenkreuz für unsere Psyche. Wer Nähe sucht, fürchtet Einsamkeit. Wer Wechsel braucht, hat Bindungsangst. So simpel sind wir gestrickt. Und im Urlaub zeigt sich das alles besonders schön: Wer jedes Jahr in die Vulkaneifel fährt, ist Dauer Nähe Typ. Wer über den Atlantik rudert, Wechsel Distanz Typ. Wer SPARnien frühbucht, tickt anders als jemand, der sein Airbnb erst auf der Anreise bucht. Wir Deutschen verreisen verschieden, aber eines eint uns: Wir lassen uns nicht verarschen. Wenn wir – die Reiseweltmeister – reisen, wollen wir auch so behandelt werden. Wehe, wenn nicht. Dann lernt die Welt das deutsche Reiseverkehrsrecht kennen. Urlaubsort Balearen, Gerichtsstand Düsseldorf. Die heilige Dreifaltigkeit: Mängelanzeige, Dokumentation, Fristen. Baulärm auf Kroatisch heißt građevinska buka, Buffet Frust auf Türkisch Buffet’te yeterince çeşit yoktu. Apropos: Weil Beschweren zum Urlaub gehört, lieben wir Achtung Abzocke. Peter Giesel jagt Rikscha Nepp und gefälschte Balaton Uhren – für uns! Erkenntnisgewinn null, Unterhaltung maximal. Und genau deshalb fahren wir immer wieder hin. Denn mit ADAC, Bild und Reiseverkehrsrecht bleibt die Urlaubsfreude dauerhaft verlängert. Und mit Knut fängt alles an. Dies – und vieles mehr – in Folge 4 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  8. 46

    UGHW: Wir striken!

    „Ein Jahr ist schnell vorüber.“ Da wird ein weises Wort gelassen ausgesprochen. Und es ist ja auch wahr. Sonst hätte es die Münchener Freiheit nicht gesungen. In 45 Folgen haben wir 2025 alles rausgelassen, was uns durch die Köpfe ging. Das war bisher ein wirklich großer Spaß. Wir verabschieden uns in einen kleinen Weihnachtsurlaub. Für dieses Jahr ist alles gesagt. Daher lassen wir andere sprechen. Eventuell nicht über uns, aber wer will da kleinlich sein. Wir hören uns auf der anderen Seite! Neues Jahr, neues Glück. „Wer alles gibt, hat nichts zu bereuen.“ – Philipp Lahm „Wir spielen immer am besten, wenn der Gegner nicht da ist.“ – Otto Rehhagel „Das kann doch wirklich nicht mein Ernst sein.“ – Werner Lorant „Es gibt nur eine Möglichkeit: Vollgas.“ – Jürgen Klinsmann „Wir haben uns vorgenommen, uns nichts vorzunehmen.“ – Lothar Matthäus „Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so links war wie er – obwohl er rechts spielt.“ – Berti Vogts „Wir dürfen nicht den Sand ins Getriebe werfen.“ – Karl-Heinz Körbel „Ich weiß, dass ich bald weg bin. Aber noch bin ich nicht weg.“ – Mario Basler „Lebbe geht wieder.“ – Dragoslav Stepanović „Da lach ich mir doch den Arsch ab!“ – Thomas Doll „Ich sage nur ein Wort: Vielen Dank!“ – Horst Hrubesch

  9. 45

    UGHW: Filmfest

    Auch unser Leben bekommt mit Traditionen, Bräuchen und Riten eine Struktur, die wenig aneckt und millionenfach ausprobiert wurde. Wir Deutschen haben, wie jedes andere Volk, unsere eigenen Traditionen ausgebildet. So wird kaum jemand die Reihenfolge Taufe, Konfi, Abiball, Hochzeit, Leichenschmaus durcheinanderbringen. Ob es nun praktiziert wird oder nicht. Wir können es einordnen und darauf rausgeben. Wenn wir wissen, wo es langgeht und alle gehen mit, ist eine Menge geschafft. Kein Fest hat so viele Riten wie Weihnachten. Das Fest der Traditionen. Da gehen wir weit über unsere Schmerzgrenzen. Stichwort: Würstchen mit Kartoffelsalat. „Aber Papa, ich bin Veganer.“ „Nicht heute, Kind. Nicht an Weihnachten!“ Natürlich ist bei Weihnachten inzwischen nicht mehr jeder bibelfest. Fest der Liebe. Ja, ok. Aber warum nun ganz genau ihr Kinderlein in der stillen Nacht, heiligen Nacht zum Oh Tannenbaum oder zur Krippe in Bethlehems Stall kommen sollten, ist nicht mehr ganz klar. Eventuell ist ein Ros entsprungen. Egal. Hauptsache Driving home for Christmas. Yeah! Irgendjemand muss Oma holen. Ich nicht, ich war last Christmas dran. Was aber tun, wenn die organisierte Religion als Eventplaner, als Taktgeber ausfällt? Wer weiß schon noch, dass Christmette recht wenig mit Hackfleisch zu tun hat. Und was, wenn sich im Adventskalender nur 24 köstliche Bierspezialitäten aus aller Welt verstecken? Wer gibt Weihnachten den Sinn, die Struktur? Wie so oft: Das gute alte Fernsehen! Puh. Glück gehabt. Linear und – wir sind bei den Eltern – analog. Eventuell sogar terrestrisch. Zumindest bis wir den Router eingerichtet haben. Wir haben eine große Zahl von Weihnachtsfilmen, die seitens der Rezipienten immer noch ein wenig in Ost und West unterteilt sind. In den frischen Bundesländern ist Aschenbrödel der tradierte Festgottesdienst. Aschenbrödel ist, wenn Tschechen in den 1970ern – als die DDR noch einwandfrei war – im sächsischen Moritzburg Märchenfilme drehen. Und so sieht es dann auch aus. Aber wenn man viele Jahre im Dresdner Stollen verbracht hat, mag man das. Und im Westen? Sissi. Aber da ist jedes Wort zuviel. Keine Sorge, wir haben ja noch ein paar mehr Filme zur Auswahl: Tatsächlich… Liebe, der Grinch, Die Geister, die ich rief, Eine schöne Bescherung, Das Wunder von Manhattan undsoweiterundsoweiter. Das Grundrauschen der klassischen Weihnachtsfilme funkt eigentlich immer auf der gleichen Frequenz: Kaltherzige, egoistische Menschen erfahren rund um das Fest der Liebe unter Zuhilfenahme von reichlich Glöckchenmusik, was Familie, Freundschaft und Zusammenhalt bedeuten. Alle zusammen, alle glücklich. Beim Happy End wird abgeblendet. Das ist wirklich schön! Klingt aber auch ein wenig nach Sozialismus. Apropos Weihnachtsfilme: Wir überwinden ja gerade das postheroische Zeitalter. Daher braucht es Weihnachtsfilme, die andere Werte in den Vordergrund stellen. Grundidee: Weihnachten als individuelle Herausforderung, als Kampf des Einzelnen gegen finstere Mächte. Und Gewalt als Lösung. Klar, es sterben rechts und links ein paar Teilnehmer, aber am Ende steht der Held strahlend unterm Weihnachtsbaum. Versprochen ist versprochen lassen wir in dem Zusammenhang da mal als konsumkritische Komödie durchgehen. Aber bei Tödliche Weihnachten hört der Spaß auf. Und bei Stirb langsam hat er nie angefangen, Schweinebacke. Das sind natürlich keine Filme für die ganze Familie. Also braucht es eine kindgerechte Erzählweise. Und schon ist Kevin allein zu Haus. Die Parallelen zu Stirb langsam sind wirklich verblüffend. Tausche Plastiksprengstoff gegen die Farbeimerschaukel. Uzi gegen Murmeln. Aber sonst? Der Held stemmt sich gegen Schicksal und Schurken. Wenn alles und alle erledigt sind, darf auch die nichtsnutzige Verwandtschaft noch kurz ins Bild. Oh Gott, wir sind filmreif. Frohes Fest! Dies – und vieles mehr – in der 42. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast

  10. 44

    UGHW: Die erste Kerze brennt

    Die Adventszeit hat begonnen. Besinnlich ist sie – und damit ist nicht gemeint, dass im Fernsehen das „Adventsfest der 100.000 Lichter“ mit Florian Silbereisen ohne Trigger-Warnung ausgestrahlt wird. Das ist ein Angebot für eine Zielgruppe, die die „Rentenrebellen“ der JU nur aus den Augenwinkeln wahrnehmen. Laut Eigenwerbung eine Mischung aus „emotionalen Momenten, festlicher Musik und stimmungsvoller Kulisse aus Suhl“. Aber die echte Adventszeit ist seit Jahrhunderten tief in unserer Kultur verwurzelt. Den Jüngeren sei erklärt: Alles läuft auf Weihnachten hinaus – das beliebteste aller Verpflichtungsgeschäfte. Schon im alten Rom war Schenken nicht folgenlos: „Donum non est gratuitum, sed obligatio.“ Die Heiligen Drei Könige machten den Anfang mit Gold, Weihrauch und Myrrhe. Im Gegenzug bot das Jesuskind Erlösung und Weltfrieden. Von wegen „dieses Jahr schenken wir uns nur Kleinigkeiten“! Zwischen Lebkuchen im Laden und Blockflöte unterm Baum liegen nur wenige Monate. In dieser Zeit müssen Geschenke besorgt werden – für Liebste und Familie. Das setzt uns unter Druck. Eigentlich geht es aber um innere Vorbereitung: Fasten, Einkehr, Verzicht. 40 Tage lang, wie Jesu Fasten in der Wüste. Daher die Partys: Ostern minus 40 ist Karneval, Weihnachten minus 40 ist St. Martin. Dort wird traditionell eine Gans verzehrt – früher ein Mitesser, heute Tiefkühlware. Fastenzeit vor Ostern ist bekannt. Wenn man es Digital Detox oder Intervallfasten nennt, ist es sogar instagrammable. Vor Weihnachten gibt es die Verzichts-Challenge nur in der Ostkirche, das sogenannte Philippus-Fasten. Mit Ostkirche ist die Orthodoxie gemeint – nicht die Kirche in den Beitrittsgebieten nach Art. 23 GG. Und wenn nach Sankt Martin der letzte Mantel geteilt ist? Bauern hatten im Winter mehr Freizeit, aber weniger Einkommen. Also ran an die Werkbank: Nussknacker drechseln, Kerzen ziehen, Deckchen klöppeln. Alles auf den Markt. Diese Idee war so gut, dass 1296 die Wiener Händler von Herzog Albrecht I. das Recht erhielten, einen „Dezembermarkt“ abzuhalten. Stadtmarketing war geboren. Apropos „Dezembermarkt“: Natürlich muss es Weihnachtsmarkt heißen. Volkstümliche Erzählungen behaupten, man habe unsere Märkte umbenennen müssen, weil „Menschen, die nicht von hier kommen“ es so wollten. Tatsächlich gilt: Ein Weihnachtsmarkt wird meist als Spezial- oder Jahrmarkt nach §§ 68 ff. GewO festgesetzt. Damit erhält er Privilegien wie längere Öffnungszeiten, Verkauf an Sonn- und Feiertagen, vereinfachte Gewerberegeln – aber auch strenge Auflagen bei Sicherheit und Genehmigung. Ein Wintermarkt hingegen wird oft als Privatveranstaltung ohne Festsetzung durchgeführt. Dadurch entfallen Privilegien, aber auch viele Pflichten – was für Veranstalter günstiger ist. Anders gesagt: „Hör mer uff! Nu klon se uns och noch de Weihnachtsmärkte. Is is mir egol, ob’s erst viertel zwee is – gib mer noch vier Glühween mit Schuss, aber so richtsch.“ Dies – und vieles mehr – in der 41. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  11. 43

    UGHW: Eine Buddel voll Ruhm

    Sich einen Ruf zu erarbeiten, in die Geschichte einzugehen, sich einen Namen zu machen, ist ein hartes Geschäft. Für viele sogar eine Lebensaufgabe. Bismarck entwarf dereinst eine Metapher, bei der man den beleibten preußischen Junker förmlich in seiner ordensbekleckerten Paradeuniform vor sich stehen sieht: „Man muss den Herrgott durch die Weltgeschichte schreiten sehen und dann den Zipfel seines Mantels ergreifen.“ So spricht der Vater des Vaterlandes! „Und doch wird der Bismarcksche Nachruhm von Doppelkorn und Hering überlagert. Als Ergebnis eines langen politischen Lebens ist das ein klein wenig unfair! Manchmal dauert der Eintritt in die Geschichte nur einen Augenblick und niemand hat ihn kommen sehen. Vor allem die Protagonisten selbst nicht. So der 19-jährige Konrad Schumann, der sich im August ’61 just dann zum Sprung über die noch sehr unvollständige Mauer entschloss, als der Fotograf einen neuen Film eingelegt hatte. Oder Eric Moussambani aus Äquatorialguinea. Bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 schwamm er die langsamste Zeit über 100 Meter Freistil und wurde weltberühmt. Das hatte er sich beim Frühstück im Olympischen Dorf wohl so nicht vorgestellt. Gelegentlich ist es wie beim Abreißen des Pflasters. Kurz, ratsch, und dann tut es doch noch ein Weilchen weh. Wie bei Jana aus Kassel. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die junge Dame im Nachhinein ihre Sophie-Scholl-Gefühle lieber für sich behalten hätte. Trapattonis Lebenswerk ist mit „Isch habe fertig“ wohl ebenso unzureichend zusammengefasst wie die Reduktion auf die „Hand Gottes“, Gomez’ Fehlschuss und Andy Möllers Schwalbe. Dabei kann es im Sport auch ganz anders laufen. Beim Turnen oder Eiskunstlaufen wurden ganze Figuren nach ihren Erfindern benannt. Auerbach, Axel, Lutz, Ginger und Bielmann haben sich mit den lizenzfreien Nachahmern ihren Platz auf dem ewigen Siegerpodest verdient. Anderes Beispiel: „Mach ihn, mach ihn! Er macht ihn! Götze!“ dauerte im Laufen, Schießen und Moderieren exakt 3,2 Sekunden und reicht sowohl Mario Götze als auch Reporter Tom Bartels, um nie wieder Cocktails an der Hotelbar bezahlen zu müssen. Sheesh! Damit kann, damit muss man aber auch ein Leben lang klarkommen. Auf die eine Sache, den einen Moment reduziert zu werden, kann einträglich und unerträglich zugleich sein. Zum Glück kann Götze einfach weiter irgendwo Fußball spielen – und wenn es nur in Frankfurt ist. Er muss nicht immer und immer wieder dieses eine Tor schießen. Das ist schön. Aber ob Gottlieb Wendehals sein Karo-Jackett, sein Gummihuhn und vor allem seine Polonäse Blankenese wirklich 40 Jahre lang so lustig wie beim ersten Mal fand? Hoffentlich nicht. Auch Gavrilo Princip, der am 28. Juni 1914 den Österreicher Franz Ferdinand Habsburg erschoss, strebte nach Unsterblichkeit. Er wollte damit ein politisches Zeichen setzen und natürlich berühmt werden. Das ist gelungen. Bis in die 1990er Jahre war die Straße des Geschehens (Principova ulica) nach ihm benannt. Da er zur Tatzeit unter 20 war, konnte er nicht zum Tode verurteilt werden. Princip starb 1918 im Gefängnisspital Theresienstadt. Kurioserweise hätte er den Ersten Weltkrieg also fast überlebt. Der von ihm getroffene Habsburger Stammhalter gab seiner bei dem Attentat neben ihm sitzenden Frau einen kurzen Lagebericht: „Es ist gar nichts!“ Seine letzten Worte. Man lehnt sich wohl nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn man das in der Rückschau sowohl persönlich als auch weltpolitisch als Fehleinschätzung wertet. Apropos letzte Worte: „Schieß ruhig, du Feigling. Du wirst einen Mann töten, …“ rief Ernesto „Che“ Guevara, einer der bärtigsten Revolutionär überhaupt, einem Soldaten zu, der nicht einmal das Satzende abwartete und ihn erschoss. Er wollte noch „… aber du wirst nicht die Revolution aufhalten können.“ In der Kurzform ist es aber irgendwie stimmiger. Dies – und vieles mehr – in der 40. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  12. 42

    UGHW: Wie Geht`s?

    Eine der gefährlichsten Fragen unserer Zeit. Teile der Antwort könnten die Bevölkerung verunsichern. Eine ehrliche Antwort trägt womöglich mehr zur Spaltung bei als die alten Bruchlinien der Bundesrepublik: Geha oder Pelikan, Scout oder Amigo, Puma oder Adidas, Punk oder Popper. Später kam Nokia oder Siemens hinzu – keine Religion, aber fast Konfession. Liberale Geister konnten mit einem Nokia- oder Siemens-Nutzer reden – bis zum dritten Bier. Nichts stiftet mehr Gemeinschaftsgefühl als Ausgrenzung. Heute sind wir uns einig: Ost und West bekennen, uns geht es schlecht. Wer auf „Wie geht’s?“ mit „Gut!“ antwortet, darf das noch als Floskel durchgehen lassen. Zufriedenheit oder gar Glück wirkt verdächtig – oder Ratiopharm kickt gerade. Klar ist: Wir sind am Ende. Dieses Land ist am Tiefpunkt. Und dass wir weiter abrutschen, wird gerade geprüft – vielleicht vom Netzwerk Recherche, sicher aber von BILD, WeltN24 und NZZ. Wer zufrieden ist, ist schlecht informiert. Was hilft? Politpodcasts. Für den Einstieg: Sahra Wagenknecht – wohlig weh, aber nicht zu doll. Gregor Gysi macht gute Laune, das ist kontraproduktiv. Weg damit. Wer nachhaltig schlecht draufkommen will, hört Precht und Lanz. Sie kennen keine Lösung, aber fundieren das Problem und klären die Schuldfrage. Lanz hat dazu noch seine ZDF-Sendung, täglich. Das Switch-reloaded-Original war allerdings stärker. Hard Stuff: Ulf Poschardt. Eigentlich bräuchte es eine Trigger-Warnung. Wer am nächsten Tag eine Hochzeit hat oder das Bruttosozialprodukt steigern will, sollte ihn meiden. Ulfi, die semieloquente Atombombe der Meinungsfreiheit. MEGA heißt seine Dosis Zukunftsfeindlichkeit – „Make Economy Great Again“. Inhaltlich mager, sprachlich nah am POTUS. Schwarz / weiß. Pah! Nur schwarz. Auffällig: Vor allem Konservative sind schlecht gelaunt. Früher war das anders. Atomtod, Ozonloch, NATO-Doppelbeschluss, Waldsterben – das Ende der Welt lauerte links. Was wollten die Linken schon gegen Helmut Kohls geistig-moralische Wende ausrichten? Der Pfälzer Saumagen gegen den Hallenser Eierwerfer – ein Bild viriler Kraft! Bei den Grünen war Schlechtdraufsein Markenkern. Die SPD saß nach Schmidt führerlos auf der Rückbank des Mehr-Demokratie-Wagens. Also: Freie Fahrt für freie Bürger. Blühende Landschaften. Heute? Wer behauptet, die Sauerländer Tanne je lachen gesehen zu haben, glaubt auch an Nessi und Bigfoot. Früher war alles besser. Stellen wir uns die Wahlslogans CDU in der alten Bundesrepublik heute vor: „Wohlstand für alle“ (1957), „Mit Optimismus gegen Sozialismus“ (1980), „Sicher sozial und frei“ (1976). Geht, klemmt aber. Von „Black is beautiful“ (1980) oder „Weiter so, Deutschland!“ (1987) würde man abraten. Ganz schwierig wird es mit dem Claim von 2002: „Aufschwung beginnt mit den Köpfen.“ Dazu Fritze, Söder und Klingbeil – uuh. Aber wir wollen konstruktiv sein: Vorschlag zur Güte – „So wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben!“, „Alles mit dem Volk, alles durch das Volk, alles für das Volk!“ oder „Mein Arbeitsplatz – mein Kampfplatz für den Frieden!“ Credits gehen an die SED. Immer noch besser als „Von mir aus: Verbrenner-Aus-Aus“ oder „Hoch die Hände – Klimawende“. Wie dem auch sei: Wir hauen einen raus. Uns geht’s gut! Judge me. Dies – und vieles mehr – in der 39. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  13. 41

    UGHW: Mahlzeit

    Der Volksmund spricht ja gerne. Nicht selten auch mit vollem Mund. Das spart Zeit und reduziert den Appetit des Gegenübers. Steht aber als echtes No-Go in Knigges kleiner Lebenshilfe. Das Bild vom Unfall im Tunnel drängt sich auf, vor allem wenn es Fleischwurst mit roter Soße gibt. Der Volksmund sagt dann gerne so Sachen wie „Man ist, was man isst.“ Das ist die unakademische Version von der Maxime des dialektischen Materialismus („Das Sein bestimmt das Bewusstsein“, Kalle Marx). Zurück zu Tisch. Wenn in Deutschland am Herd gebrutzelt wird, stehen gerichtlich auf dem Siegertreppchen: Pizza, Lasagne und Spag Bollo! Allen Kochshows zum Trotz. Erst auf Platz fünf liegt mit der Rinderroulade ein deutscher Klassiker neben dem Rotkohl. Wäre Kochen in Deutschland olympisch, müsste die heimische Küche um die Sportförderung bangen. Sobald die Einwohner dieses Landes auswärts essen gehen, ist Döner die klare Nummer eins. Und wenn schon Essen mit Hinsetzen und Kerze auf dem Tisch, gewinnt Italien vor Griechenland, China und Vietnam. Es gibt alleine 22.000 italienische Restaurants (die 2.500 Eiscafés nicht mitgerechnet). Das sind mehr als katholische und evangelische Kirchengemeinden zusammen Anders gesagt: Auf jedes deutsche Opernhaus kommen 190 Italiener! Mamma mia. Rein kulinarisch sind wir Deutschen also entweder Südländer oder Asiaten. Die meisten unserer Lieblings-Restaurants sind echte Familienbetriebe. Gekocht wird von ehemaligen Gastarbeitern und ihren Nachkommen. Tatsächlich steht auf den Leuchtreklamen unseres Stadtbildes selten „Deutsches Haus“. Aber jeder wie er will. Doch es gibt eiserne Regeln, gegen die die Vorgaben des örtlichen Gesundheitsamtes wie unverbindliche Vorschläge wirken. 1. Wenn Restaurants im ersten Stock sind, müssen es Chinesen sein! 2. Wenn bei Italienern die Tischdecke nicht rot-weiß kariert ist, wird zur Kompensation die CD Italohits 92 gespielt. Durchgehend. 3. Wenn Steakhouse und Rippchen, dann satt. Für Griechen gelten zahlreiche Sonderregeln. Die Bundes-Kegelbahn im Keller ist natürlich Pflicht. Ebenso wie die Serviette mit Akropolis vorne und den zehn wichtigsten Vokabeln hinten. Baupolizeilich wird eine sehr grob verputze weiße Wand erwartet. Gips-Götter-Statuen ohne Arme sollten, 5-Liter Metaxa-Flaschen müssen. Knifflig wird es erst nach dem Verspeisen von Knorpelplatte/Tsatsiki/Pommes: Muss wirklich beim obligatorischen Ouzo aufs Haus der Kinderschnaps immer Sprite sein oder geht auch Fanta? Man weiß es nicht. Wir sollten Abstimmen. Dafür haben uns die Griechen schließlich die Demokratie beigebracht. Zum Schluss egal. Hauptsache lecker. Apropos lecker. Auf der großen Insel am Rande der Nordsee klingen gastronomische Einrichtungen ja immer sehr dramatisch! Was kann/ muss/ darf man hinter der Tür von Red Lion, King’s Head oder Blue Dragon erwarten? Vermutlich eine Mischung aus Ritter der Kokosnuss und Kammer des Schreckens. Zumindest klingt es wie ein Escape Room. Aber nein! Zumeist handelt es sich um gemütliche Horte des kommunikativen Daydrinkings. Wohnzimmer mit Tresen, Teppich und Spielautomat. Selbst das Essen ist landesüblich erträglich. Also Cheers, Salute, Yamas oder Şerefe bzw. – wenn auch selten – Prost. So sagt man und meint „Zum Wohl!“ Nur in China sagt man Ganbei, wörtlich übersetzt „leeres Glas!“ und es ist die Aufforderung, das Getränk komplett zu leeren. Sofort! Also „Nich lang schnacken, Kopp in Nacken.“ Jetzt kopieren die Chinesen sogar schon das deutsche Saufen. Wenn die jetzt noch das Oktoberfest irgendwo in der chinesischen Provinz nachbauen, stellt sich jetzt mal ernsthaft die Frage, ob unsere Oktoberfeste auf dem Karstadt-Parkdeck überhaupt noch Sinn machen! Schon wegen Kultur, Lightbild, Stadtbild und so. Dies – und vieles mehr – in der 38. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  14. 40

    UGHW: Heimat am Heck

    Autokennzeichen bieten hierzulande seit 1956 eine feste Orientierung. Das ist wichtig in dieser chaotischen Welt. Wo kommt der her? Ein Blick und alles ist klar. Wilder Landwirt (WL), Bereifte Mörder (BM), Arsch im Cockpit (AIC) - alles bekannt. Wie der schon fährt! Und auf langen Autofahrten boten Kennzeichen uns Kindern allerlei Kurzweil. Ein Punkt für jedes erkannte Kürzel, ein anständiger Hieb auf den Arm der Mitreisenden für jedes gelbe Auto. So sind die Regeln. Der Gewinner bekam ein Päckchen Sunkist aus Muttis Proviantkorb, der Verlierer eine gehörige Lektion in regionaler Geografie – und blaue Flecke am Oberarm. Das war er, der goldene Westen. Dann kam die Wende – und brachte alles durcheinander. Plötzlich 190 neue Kennzeichen aus den frischen Bundesländern, montiert auf stinkenden Plastikautos oder Gebrauchtwagen, die hier keiner mehr wollte. Das konnte nicht gutgehen. Also folgten Kreisgebietsreformen. Schneller beschlossen, als neues Briefpapier gedruckt werden konnte. In MecklenburgVorpommern schrumpfte die Zahl der Kreise von 36 auf 8, in Sachsen von 54 auf 13. Putbus, Hainichen, Hettstedt, Flöha? Abgewickelt, als wären sie ein xbeliebiger VEB Obertrikotagen. Mit ihnen brach auch ein Stück Identität weg. Alleingelassen im Landkreis Nordwestvorpommern. Verraten von denen da oben im Kreis Niesky. Und dabei sah der Trabbi mit NYKennzeichen ein wenig nach schöner neuer Welt aus. Heimatlos. Auch im Westen sollte die regionale Neuordnung aus Feinden Freunde machen. Aber ein Verwaltungsakt ist keine Liebeserklärung. Im Gegenteil. Das Arnsberg/HochsauerlandGesetz, das BielefeldGesetz – schon die Namen klingen wie ein Schlag mit einem stumpfen Gegenstand. Stolze Gemeinden wie Brackwede, Sennestadt, Heepen, Jöllenbeck, Vilsendorf, Theesen, Schröttinghausen, Hillegossen, Ubbedissen – zack: alles Bielefeld. Zwangskollektivierung in OstWest-Falen. Jede Neuordnung der unteren Verwaltungsebene ist ein Angriff auf die eigene Geschichte, Stammeszugehörigkeit und Identität. Vor allem die Bindestriche fühlen sich an wie Stiche ins Heimatherz: Siegen-Wittgenstein, Minden-Lübbecke, Baden-Württemberg, Bayern, M-V. Das klingt doch schon nach schiefem Haussegen. Da musste eine Antwort, eine Lösung her. Verwaltung lässt sich nur mit Verwaltung besiegen – Fight fire with fire: Die Erste Verordnung zur Änderung der FahrzeugZulassungsverordnung und anderer straßenverkehrsrechtlicher Vorschriften (FZVuaÄndV) von 2012. Wow! Kennzeichenliberalisierung und „Heimat am Heck“. Endlich wieder zu Hause! Jetzt in 827 deutschen Varianten. Zwischen 25.000 Fahrzeugen in LüchowDannenberg (DAN) und 1,25 Millionen in Berlin (B) – alles dabei. Und dabei hat die Bundeshauptstadt mit 334 Pkw pro 1.000 Einwohner den niedrigsten Wert bundesweit. Den höchsten Wert mit 956 Pkw je 1.000 Einwohner gibt es selbstverständlich Wolfsburg. Kinder und Greise inbegriffen. Das 1-Pro-Kopf-Auto ist ein Volkswagen. Und doch stößt das neue Bekenntnis zur Region an ihre menschengemachten Grenzen. Der Gestaltungsspielraum bei Gewerbe- und KFZ-Steuern erlaubt einen gigantischen Zugehörigkeitsbetrug! Stichwort Mietwagen. „Der sieht doch gar nicht wie jemand aus München, Euskirchen oder Wiesbaden aus“ denkt man so manches Mal beim Überholvorgang. Zu Recht. Gerade M, EU oder WI sind bekannt für ihre Trojanische Autos. So war das mit der „Heimat am Heck“ nicht gemeint.Apropos Trojanisches Pferd. Niemand weiß, ob Herr Odysseus wirklich zu dieser List griff, um den Trojanischen Krieg zu beenden. Ganz anders Bremen. Dort gibt es einen Elefanten, in den man tatsächlich reinkrabbeln kann. Ein Denkmal erst für, dann gegen den Kolonialismus. Aus Gründen des Tierschutzes und derNachhaltigkeit handelt es sich jedoch um ein aus Backstein gemauertes Denkmal in Hauptbahnhofnähe. Wir wissen jetzt, wie man Bremen erobern kann. Okay, aber warum sollte man? Dies – und vieles mehr – in Folge 37 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  15. 39

    UGHW: Hello Wien

    Sprache erfüllt viele Funktionen: Sie hilft, wenn Gestik nicht reicht, kann inkludieren oder ausschließen – je nach Gruppe und Stimmung. Jugendsprache wie „Schere“ oder „Das crazy“ ist codiert und signalisiert Zugehörigkeit. Auch Berufsgruppen nutzen eigene Codes, etwa bei der Bundeswehr: „Komm zwölfhundert mit AllgFspWNBw durch“ will sagen „Ich rufe mittags mal an“. Deutsch ist Amtssprache in Deutschland – außer in Bayern, Sachsen, Ruhrgebiet, Berlin, Köln, Emsland, Thüringen, Saarland, Schwaben, Franken, Nord- und Ostfriesland, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland und Pfalz. Aber das sind Ausnahmen. Auch in Österreich, Liechtenstein, Schweiz, Luxemburg und Belgien wird grundsätzlich auch Deutsch gesprochen. Hierzulande dominiert Hochdeutsch mit Fokus auf Sachebene und Appell. In Österreich hingegen zählt die Metaebene: Selbstoffenbarung und Beziehung. Friedemann Schulz von Thuns Kommunikationsquadrat zeigt, wie Missverständnisse entstehen, wenn Sender und Empfänger unterschiedliche Ebenen betonen. Österreich glänzt zudem mit pittoresken Ausdrücken aus der KuK-Zeit. „Tachinieren im Betagtenheim“ klingt einfach besser als „Arbeitszeitbetrug in der Seniorenpflegeeinrichtung“. Wien galt lange als unfreundlichste Stadt der Welt – laut Expats 2023 auf Platz 53. 2024 ging’s zwei Plätze rauf. Berlin und München sind nun unfreundlicher. In Berlin nennt man das „Berlinern“, in München wird „grantelt“, in Wien „geschäht“. Touristisch wertvoll. Apropos Ring: In Silverstone drehen seit 1950 Autos und Motorräder ihre Runden. Vom Nähmaschinenmotor bis zum Monstermotor wird alles verbrannt, was mit Nikolaus August Ottos Erfindung an Flüssigfossilien zu verbrennnen ist. Wer keinen Rennstall hat, geht in den Giftshop: Ed-Hardy-meets-Camp-David-Poloshirts für € 85. Teuer, aber ein Statement gegen das Verbrenner-Aus: „Nimm das, Greta!“ Schulz von Thun würde sagen: Appell, Selbstoffenbarung, Beziehung – alles drin. Sachebene? Schwächelt. In Berlin, München und Wien wären man zufrieden. Dies – und vieles mehr – in Folge 35 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  16. 38

    UGHW: Fake News

    Im Krieg ist die Wahrheit bekanntlich das erste Opfer. Und da draußen ist immer Krieg. Medienkrieg, Krieg der Systeme und der Kampf um die Meinungshoheit. Die Ente, den Hoax, die Fakenews gab es schon lange, bevor wieder sie so in Mode gekommen sind wie heute. „Der Bericht über meinen Tod wurde stark übertrieben.“ Der amerikanische Schriftsteller Mark Twain äußerte diesen Satz im Jahr 1897, nachdem Berichte über seinen Tod kursierten. Im Allgemeinen müssen wir zwischen Verschwörungserzählungen, gezielter Falschinformation und sprachlichen Verirrungen unterscheiden. Verschwörungserzählungen sind so alt wie die Menschheit. Bis heute wollen wir ja auch nicht immer die ganze Wahrheit hören, denn ein Teil der Antwort könnte die Bevölkerung beunruhigen. Und wenn man schon keine Lösung hat, hilft es doch sehr, wenn man Schuldige benennen kann. Brunnenvergifter, „die da oben“ oder „die da drüben“. 1950 wurde die DDR von einer Kartoffelkäferplage biblischen Ausmaßes getroffen. Als streng atheistisches Land fiel die historisch erprobte Schuldzuweisung der Gottesstrafe leider weg. Hexen waren auch gerade nicht greifbar. Man hätte also schlicht – und wahrheitsgemäß – die schlechte Vorbereitung auf die zu erwartenden Schädlinge erwähnen können oder aber zugeben müssen, dass die wenigen Pflanzenschutzmittel zumeist an den großen Bruder im Osten abgegeben werden mussten. Aber warum? Es waren „Amikäfer“ – Millionen von „Amikäfern!“ So stand es wochenlang im Neuen Deutschland. Das war zwar logistisch und biologisch Unsinn. Aber jemand anders hatte Schuld und man selbst musste nichts tun. Ganz anders die klassische Falschmeldung, die Ente. Dabei handelt es sich zumeist um schlampige Recherche, Wollen statt Wissen oder zu viel Meinung bei zu wenig Ahnung. Auf jeden Fall geht es um Aufmerksamkeit und Auflage. Seit viele Jahren ist die Bild dafür fast täglich ein verlässlicher Lieferant für Bonmots, Sprachverirrungen, verquere Meinungen, Halbwahrheiten und schlichtweg Lügen ist eine andere Zeitung. Unser Headline-Alltime-Favorite ist: „Ostzonensuppenwürfel machen Krebs.“ Dieses Frühwerk ist nicht zu toppen. Obwohl „Diese Affenhitze – Werden wir jetzt alle Afrikaner?“ oder „Lotto-Zahlen immer blöder“ ja auch nicht schlecht sind. Sportreporter haben bei Springers heißem Blatt grundsätzlich Narrenfreiheit: „Bundesliga-Hammer. 1. Tor mit Penis geschossen“ oder „Adios Diego. Dein Messi kriegt heut auf die Fressi.“ Bzw. „Litti, Wutti, Klinsi – Bumm, bumm, bumm!“ Was sagen die Schöpfer dieser Zeilen eigentlich ihren Kindern, wenn sie nach ihrem Beruf gefragt werden? Aber die Bild kann sich ändern. DDR wird nicht mehr „DDR“ geschrieben (seit etwa 1989), nackte Frauen sind nur noch mit Begründung auf der Titelseite und die Bild hat jetzt – zumindest online – eine Rubrik, in der sie eigene Fehler benennt und korrigiert. Das ist wirklich mutig! In Echtzeit kann man da Bild-Journalisten bei der Weigerung eines einfachen Faktenchecks z. B. durch dieses neuartige Google begleiten. Meldung für Meldung. Ganz anders als bei Insta ist das Scrollen ohne Reue. Anderes Thema. In den 1980er Jahren gab es für eine kurze Zeit den Versuch, eine Konkurrenzliga zur NFL zu etablieren. Darunter so lustige Namen wie Houston Gamblers oder Memphis Showboats. Nach zwei Jahren mit immer weniger Zuschauern und ohne Fernsehvertrag war dann der Kick wieder off. Dabei war der erfolgreichste Geschäftsmann aller Zeiten mit von der Partie: Donald J. Trump. Keine Verschwörung an dieser Stelle. Apropos Verschwörungstheorie und Football: 1871 verwüstete ein großer Brand weite Teile von Chicago. Die größte Katastrophe der Stadt. 130 Jahre nach dem Brand fanden die Eigentümer des lokalen Fußball-Anbieters, dass es eine gute Idee wäre, ihren Club zu „Ehren“ des Infernos Chicago Fire zu nennen. Warum nur? 38 Jahre vor 9/11 nannten die New Yorker ihr Team Jets. Just saying. Dies – und mehr – in Folge 35 von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  17. 37

    UGHW: Geht unter die Haut

    Nein, ich bereue nichts! Je ne regrette rien. Klingt auf Französisch irgendwie besser. Vor allem, wenn es der Spatz von Paris mit ihrem tiefen Timbre singt und die Lebenserfahrung aus jedem einzelnen Ton tropft. Édith Piafs letzter großer Hit geht unter die Haut. Das leichter verdauliche No Regrets ist vollkommen zu Recht das gestochen scharfe Körperschmuck-Motiv Nr. 34 im Katalog des Tattoo-Studios an der Ecke. (Namen von Studios sind mindestens so zweifelhaft wie die von Friseursalons – und verdienen eine Sonderfolge!) Kunden dieses äußerst beliebten Ausdrucks von Individualität kauften auch „Carpe Diem“-Wandtattoos. Aber es ist doch toll, wenn man nach einem mehr oder weniger langen Leben nichts zu bereuen hat. Dabei ist es fast egal, ob man einfach nur sehr wenig erlebt hat, ein schwaches Gedächtnis oder miserabel ausgeprägte Moralvorstellungen besitzt. Natürlich unterliegen auch Tattoos Modetrends. Bis in die 1980er führten vor allem ältere Männer im Freibad Matrosen, Meerjungfrauen, Anker und blutende Herzen spazieren. Die Körperbemalten waren zumeist Seeleute oder Menschen, die schwedische Gardinen sehr gut kannten, ohne je bei IKEA gewesen zu sein. Stichwort: Träne oder drei Punkte. Dank Angelina Jolie, Christina Aguilera und anderer leuchtender Vorbilder erkämpften sich dann Ende des letzten Jahrtausends formschöne Ornamente ihren Platz auf dem Steiß. Angeblich von indigenen Völkern inspiriert. Die bestreiten auf Nachfrage vehement. Trotzdem toller Trend. Unbestrittener Höhepunkt: die Wahl zur Miss Arschgeweih am 8. August 2004 in Berlin – veranstaltet von der Bild und mit der Bloodhound Gang als Jury. Einmalig, denn wie will man das je toppen? Später soll so mancher der so Gezeichneten die Motivwahl bitterlich bereut haben. Aber No regrets – es kommt alles wieder! Das Y2K-Revival der Gen Z hat uns ja auch schon Plateau-Schuhe, ???, Vokuhila und Leggings beschert. Also: Geduld. Drachen, Stacheldraht und Indianerfedern waren auch mal total angesagt. Und natürlich chinesische Schriftzeichen. War schon bei Britney Spears eher merkwürdig als mysteriös. Wenn das wiederkommt, kann man in der U-Bahn dank Bilderkennung die peinlichen Fehlübersetzungen, die einem an heißen Sommertagen entgegenquellen, direkt entlarven. Ein entsprechender Hinweis wird sicherlich dankbar entgegengenommen. Schöne neue Welt. Derzeit angesagt sind ja Microtattoos, Single-Line oder auch Sticker-Style. Das sieht so aus wie früher die Schreibtischunterlagen nach langen Telefonaten – alles voll mit kleinen Doodles, Emojis und HSV-Rauten. Passend dazu eine kleine Idee für ein interaktives Tattoo: Käsekästchen oder Tic-Tac-Toe. Davon haben alle was. Nie aus der Mode gekommen sind Namen und Geburtsdaten der Liebsten. Wahrscheinlich, damit man sie nicht vergisst. „Wie heißt du noch mal? Nicht sagen – ich gucke kurz nach.“ Viel häufiger werden aber doch wohl PINs, Telefonnummern, unregelmäßige Verben oder einzukaufende Lebensmittel vergessen. Milch, Zucker, Kondome. Das wäre ein wirklich sinnvolles Tattoo! Apropos nie vergessen: Den Stadtplan von Miami – vulgo Vice City – haben wir 1:1 im Kopf. Sind da ja auch oft genug unterwegs gewesen. Noch immer wartet die Welt auf das Release von GTA VI. Ist uns seit langer Zeit versprochen. Und wie die Zeugen Jehovas bei der Berechnung für die Rückkehr des Messias sich immer mal wieder korrigieren mussten, schiebt auch Rockstar das Erscheinungsdatum regelmäßig. Um uns zu trösten, tauchen wir immer mal wieder in die Welt von Vice City ein. Und wenn der Taxifahrer dann noch im Radio Emotion 98.3 mit Moderator Fernando Martinez anstellt, finden wir auch Britney Spears wieder irgendwie frech, wild und süß. Dies – und vieles mehr – in der 34. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  18. 36

    UGHW: Stadt Land Fluss

    Manche Städte und Länder lassen sich mit nur drei Begriffen beschreiben: lustlose Kommissare, Geysir, Vulkan. Ganz klar – wir sind in Island. Und bei Regenwald, Samba, Fußball denkt jetzt niemand wirklich an Weißrussland. Diese inneren Eselsbrücken machten sich einfallsreiche Geografen zunutze und erfanden die Drei-Wort-Methode. Die Welt – aufgeteilt in 57 Billionen 3×3 m große Quadrate, jedem Viereck drei zufällige Wörter zugeteilt – ergibt das ansprechendste Navi der Welt. Ehren, greifen, aufbauen ist so ziemlich genau der Anstoßkreis in der Arena auf Schalke. Man kann über die Wörter nachdenken. Bringt aber nichts – ist Zufall. Aber manchmal haben sich die Macher einen kleinen Scherz erlaubt. prayers.bricks.spaghetti definiert den Standort der Sagrada Família in Barcelona. Das kann man vor seinem geistigen Auge sehen. Und fancy.crown.charm ist der Buckingham. Das ist ganz lustig. Und Kuriositäten sind bei nationalen Symbolen nicht so selten – zum Beispiel bei Fahnen. Die Südstaaten im amerikanischen Bürgerkrieg hatten in den vier Jahren ihres Bestehens drei unterschiedliche Flaggen. Die Südstaaten-Fahne, die wir jetzt wieder immer häufiger sehen müssen, war jedoch nie dabei. Im Gegenteil: Der Kongress der Konföderierten lehnte den Entwurf mehrfach ab. Waffen sind ein erstaunlich beliebtes Motiv auf Flaggen. Gern genommen sind Schwerter – wie in Guatemala, Paraguay, Sri Lanka oder Saudi-Arabien. Aber mittelalterlichen Hiebwaffen sind ja eher so „Ritter“. Eine Phase, die bei Jungs ganz oft nach den Dinos und vor Paw Patrol kommt. Die Schusswaffen auf der Fahne von Haiti sind angesichts der aktuellen Situation in dem Karibikstaat dann schon eher programmatischer Natur. Und die technisch korrekte Abbildung einer Kalaschnikow auf der Fahne von Mosambik ist wohl auch keine Idee des Tourismusministers. Ganz anders: Kambodscha. Dort hat man einfach die Hauptsehenswürdigkeit Angkor Wat auf das flatternde Nationalsymbol gedruckt. Das ist clever. Man stelle sich jedoch einmal vor, die Bayern würden das auch machen. Söder isst auf Blau-Weiß. Muss nicht! Auch bei der Wahl des Hauptstadtnamens gibt es Merkwürdigkeiten. „Die gute Luft“ von Buenos Aires könnte so im Neckermann-Katalog stehen. Ob der Name des sudanesischen Khartum („Elefantenrüssel“) positiv besetzt ist, ist Geschmackssache. Völlig ratlos lässt uns das kirgisische Bischkek zurück. Es bedeutet „Rührlöffel“. „Halt!“, rufen empörte Etymologen jetzt. „Bischkek kann man auch mit Joghurtstampfer übersetzen.“ Ok, klingt schon besser. Nur mit Mühe lassen sich Grosny und Damaskus positiv deuten. Übersetzt heißen sie „Die Schreckliche“ bzw. „Ort des Blutstroms“. Hier fängt Städtemarketing bei null an. Mehr als nur einen Kick-off-Workshop weiter ist die Hauptstadt von Burkina Faso. Ouagadougou bedeutet: „Du bist willkommen bei uns.“ Klingt ein wenig nach evangelischem Kirchentag oder Penny Hamburger Straße – aber trotzdem: Dankeschön! Apropos Ouagadougou. Wir sind ja ein serviceorientierter Podcast. Daher: Ouagadougou ist ein fast unschlagbarer Tipp für das schöne Spiel Galgen bzw. Hangman. Denn trotz der zwei recht einfachen Vokale wird zumeist bis zum Strichmännchentod weiter geraten. Noch besser ist nur noch Sylt. Kein Vokal und trotzdem ganz weit oben. Die zwei Runden gehen auf uns. Dies – und vieles mehr – in der 31. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  19. 35

    UGHW: Was willst Du?

    Bei der richtigen Beantwortung dieser zumindest im Satzbau recht einfachen Frage kommt es extrem auf das Gegenüber und die Situation an. Dem/der Geliebten ins Ohr gesäuselt kann z. B. „Ein kaltes Bier“ oder auch „Dass du mich für immer liebst“ als sehr adäquat und sogar beziehungsfestigend angesehen werden. Gegenüber einer einem völlig unbekannten Kleingruppe junger, offensichtlich alkoholisierter Männer mit sichtbar getragenen Signets des rivalisierenden Fußballanbieters nach einer überraschend deutlichen Niederlage sind die beiden obigen Aussagen eventuell nicht zielführend. Im schlimmsten Fall können sie sogar als Provokation aufgefasst werden. Unangenehm. Sich dann auf das Provokationsrecht der zweiten römischen Republik zu berufen, zeugt von einem gewissen Geschichtsverständnis. Es trägt aber wohl dennoch nicht zur wünschenswerten Entspannung bei und ist – der Fachmann weiß dies nur zu gut – auch inhaltlich vollkommen falsch! Denn das Provokationsrecht ist bekanntlich das Recht eines jeden Bürgers, das Volk um Beistand anzurufen (provocare = herbeirufen, aufrufen), wenn Leib und Leben durch die Gewalt staatlicher Magistrate bedroht sind. Allerdings nur in einer Diktatur. Diese Herrschaftsform dauerte maximal sechs Monate und diente dem Schutz der Republik. Der inzwischen etwas aus der Mode gekommene Staatstheoretiker Niccolò Machiavelli bezeichnete die Diktatur sogar als wichtiges Mittel zur Verteidigung der Freiheit. Viele derer, die wir heute verschiedentlich als Diktatoren bezeichnen, wären mit der Zuschreibung als Verteidiger der Freiheit und Beschützer der Republik wohl sehr einverstanden. Und derzeit haben wir recht viele Herrschaften, deren Eigenwahrnehmung hierzu passt. Doch wie so oft stimmen Eigen- und Fremdwahrnehmung nicht immer überein. Sicher ist, dass der Titel „Diktator“ nur ganz selten auf der Visitenkarte steht. Viel lieber nennt man sich Präsident, Generalissimo oder Staatsratsvorsitzender. Kann aber alles bedeuten. Stutzig werden sollte man jedoch bei „Großer Vorsitzender“, „Bruder Nr. 1“ oder „König der Könige“. Das klingt dann irgendwie nicht mehr nach Amtsverzicht am Ende der Legislaturperiode. Wie dem auch sei. Bei Staats- und Regierungschefs entscheidet die Geschichte, ob sie als Vater der Nation oder grausame Tyrannen in Erinnerung bleiben. Dabei galt lange Zeit der Grundsatz: „Wer schreibt, bleibt.“ So konnte Ramses II. sein knappes Unentschieden gegen die Hethiter via Wandrelief in einen großen Sieg umdeuten. Aber wer, der nicht dabei war, wird schon etwas gegen das in Stein gemeißelte „Auge, Schlange, Wolke, Zickzacklinie, Mann, Sonne“ sagen wollen. Caesar hat mit dem Verfassen des Bellum Gallicum die historische Deutung seines ausgedehnten Angriffskrieges gleich selbst geschrieben. Auch so etwas dürfte bei digitaler Aufzeichnungs- und Übertragungstechnik heute etwas schwerer fallen. Und ob nach Napoleon nach einer intensiven Berichterstattung über den Russlandfeldzug im Jahr 2025 immer noch ein Sekt oder ein Grill benannt würde, ist fraglich. Selbstverständlich ist für den Nachruhm ein eingängiger Name nicht ganz unwichtig. Napoleon und Caesar sind schon nicht schlecht. Aber wer wird je unvoreingenommen die Regierungszeit von Katharina der Großen oder August dem Starken bewerten können. Augusts Vorfahre Albrecht der Gebissene hat es da schon etwas schwerer. Und auch der erste karolingische König Pippin der Kleine hat gegenüber seinem Sohn Karl dem Großen imagetechnisch erhebliche Nachteile. Apropos eingängiger Name. Llanfairpwllgwyngyll ist sicher keiner. Eine walisische Ortschaft heißt tatsächlich so. Das Ortsschild ist instagrammable. Mehr in dem Ort aber nicht. Sicher ist, dass die Waliser damit auch nicht jedem hippen Trend wie NY, LA, Stuggi oder P-Berg hinterherlaufen. Und in Llanfairpwllgwyngyll essen sie natürlich auch nicht Pudding mit der Gabel. Warum auch? Dies – und vieles mehr in der 31. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  20. 34

    UGHW: Untenrum

    Man ist ja heutzutage schon dankbar, wenn junge Menschen etwas lesen, bei dem man nicht scrollen muss. Denn der Weg von der Lesefibel („Fu ruft tut“) bis zu den deutschen Klassikern ist kein Spaziergang, sondern ein Wüstenmarathon. Nicht alle kommen ans Ziel. Wer den Zauberberg freiwillig liest und James Joyces Ulysses zum Zeitvertreib, wer mit Wohlwollen an den Klavierunterricht zurückdenkt, der hat das Stahlbad des Bildungsbürgertums hinter sich. Aber wie führt man die Jüngsten an Bildung, an die hohe Literatur heran? Früh anfangen, niedrigschwellige Angebote – das klingt gut. Aber Vorsicht: Zu niedrig, und man landet schnell bei Rosamunde Pilcher. Beziehungsweise bei Italien-, Island- oder Ostseekrimis. Je nach Reiselust und klimatischer Vorliebe. Doch gefühlt hat inzwischen jeder Skandinavier seinen Krimi geschrieben. Der Trend? Am Abklingen. Die nordischen Schreiberlinge folgen den Gothic- und Vampirromanen – die sind ja schon lange tot. Und der aktuelle Literaturtrend? Den finden nicht nur Literaturpäpste kacke. Entschuldigung, aber diese Wortwahl ist angemessen. Denn es geht um Töpfchenbildung. Um die Vermittlung von Grundkenntnissen über das Ende des Verdauungsprozesses. Um Ausscheidung als erzählerisches Prinzip. Begonnen hat alles mit einem modernen Klassiker der Coming-of-Age-Literatur: Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat. Drei Millionen verkaufte Exemplare, 27 Sprachen, Merch ohne Ende, Figurentheater, Zeichentrickfilm, sogar eine Oper. Mit dieser Mischung aus Tabubruch und Detektivgeschichte wurde ein großer Haufen Geld gemacht. Und wie das so ist im Literaturbetrieb: Wo ein Haufen liegt, kommen die Nachahmer. Der Markt boomt. Hier ein unvollständiger Überblick über das aktuelle Angebot der pädagogischen Pipi-Kacka-Bücher: Nur noch ein kleiner Furz, Das Alpaka muss Kacka, und von den gleichen Autoren Das Krokodil pupst zu viel. Das Pupskonzert im Zoo ist sogar interaktiv – mit Geräuschen. Für Freunde der Industriellen Revolution: Die Kackwurstfabrik. Dazu – eventuell eher als Sekundärliteratur – Windel, Töpfchen, Klo – Wohin mit dem Popo und natürlich Wer pupst denn da. Die gibt es alle wirklich. Und noch viel mehr. Doch der neue leuchtende Star am Untenrum-Firmament ist Furzipups – der Knatterdrache. Natürlich kann man mit dem Furzipups-Plüschtier in den Schlaf kommen. Der Devotionalientisch ist reich gedeckt. So gibt es z. B. das Furzipups-Freundebuch, das jungen Beziehungen reichlich Rückenwind verleiht. Vielleicht reicht es ja für den gemeinsamen Besuch des Furzipups-Theaterstücks. Kunst kommt von Können. Gilt fürs Töpfchen und darstellende Kunst gleichermaßen. Daher ist es vollkommen unverständlich, warum es immer noch kein Musical gibt! Bisher sind drei epochale Bände erschienen. Dabei werden mit Schluckauf und Rülpsen sogar noch zwei weitere körpereigene Geräusche thematisiert. Da werden heiße Eisen angepackt. Und es klingt schön. Apropos „Klingt schön“: Gute Musik kann sehr authentisch sein. Man denkt nur an Joan Baez oder Tracy Chapman. Sängerin, Gitarre, Mikro. Fertig. Was man nicht weiß: Ob die Damen und Herren Künstler ihrem Management nicht durch allerlei Zickereien das Leben schwer machen. Nichts für ungut, Oasis, Robbie Williams und Mariah Carey. Also kann man gleich handzahme Interpreten casten. Das klappt seit Jahrzehnten ganz ausgezeichnet. Jetzt noch einen Knebelvertrag, und der ewigen Weltkarriere steht nichts mehr im Weg. Denkt man. Aber das Ende von Take That und Tic Tac Toe mahnt zur Vorsicht. Dann schon lieber gleich ganz virtuell. Klingt nach KI und Hightech, ist aber ein alter Hut. Hat sich John Kirshner schon 1968 ausgedacht: The Archies. Unbekannt? Wie wäre es mit Sugar, Sugar? Viel Spaß mit dem Ohrwurm. Dies – und vieles mehr – in der 31. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  21. 33

    UGHW: Die sind Helden

    Wie viele Finger braucht ein Held? Uns persönlich reichen drei – plus Daumen, also vier. Das genügt Donald Duck, Homer Simpson, Calvin (Hobbes sowieso), Garfields Herrchen Jon, Felix the Cat und Hägar dem Schrecklichen vollkommen. Figuren, die mit reduzierter Anatomie eine erstaunlich hohe Identifikationskraft entfalten. Der fünfte Finger? Ein überflüssiger Wink in Richtung Realität. Donald Duck ist zynisch, selten erfolgreich und semischlau – genau unser Typ. Homer ebenso. Und Hägar bringt es im Dialog mit Sven Glückspilz auf den Punkt: „Lass mich erzählen, du verdrehst immer alles.“ – „War nicht gar!“ So ist das Leben. Echte Comic-Welten - also die mit fünf Fingern - sind überzeichnet und gerade deshalb so zugänglich. Sie bieten einfache Orientierung in einer kitschig-dualen Welt: Helden gut, Bösewichte böse. Superman ist super. Wonder Woman und Supergirl? Noch besser und textil näher an den Bedürfnissen der jugendlichen Zielgruppe. Helden sollen einfach Helden sein. Das reicht. Ironische Helden sind meist unlustig, selten unterhaltsam. Ausnahmen bestätigen die Regel: Hancock ist cool. Deadpool leider albern. Wenn Hollywood-Popcorn, dann bitte mit Schmackes. Wer nach der nächtlichen Herr-der-Ringe-Trilogie mit „Ganz gut, aber etwas unrealistisch“ resümiert, hat das Prinzip nicht verstanden. Wenn irre, dann irre! Harry Potter, eigentlich nur Hanni und Nanni mit Zauberstab – geschenkt. Superhelden brauchen Umhang, können Fliegen und haben Röntgenblick. Zerbrechlichkeit? Schwierig. Batman? Eigentlich großartig. Bruce Wayne? Nicht immer. Kindheitstrauma durch Elternmord? Okay. Aber der Therapeut hat sicher auch nach Drehschluss noch Sprechstunde. Wir wollen den kantigen Val Kilmer – oder besser noch Adam West. Muskelfrei und trotzdem hauteng. Die visuell verstärkten Lautmalereien wie „Pow“, „Slam“ oder „Zapp“ sind wahre Poesie. Immer feste druff. Bei Roy Lichtenstein sogar echte Kunst. Wir stehen also auch intellektuell auf der richtigen Seite. Was im MoMA hängt, ist kein Schund. Ein innerlich zerrissener James Bond, der Verflossenen nachtrauert, das Töten moralisch abwägt und im Alkohol sowie Auto-Zerstören nicht den Sinn des Lebens findet? Menschlich nachvollziehbar – aber dafür haben wir uns doch nicht durch das künstlerisch sicherlich eventuell irgendwo anspruchsvolle Adele-Tina Turner- Madonna-Billy Eilish-Intro gequält. Apropos „BAAM!“ – die deutsche Sprache hat ihren Sprung in die Popkultur erst durch die Lustigen Taschenbücher geschafft. Huch! Ein klassischer Erikativ. Die langjährige Übersetzerin von Walt Disney, Dr. Erika Fuchs hat literarische Maßstäbe gesetzt. Der Erikativ – eine unflektierte Verbform, gebildet durch das Weglassen der Infinitivendung – ist pure Sprachkunst: seufz von seufzen, purzel von purzeln. Puh! Und er ist der Vorläufer der Emojis. RollmitdenAugen. Der Duck’sche Erikativ hat die deutsche Sprache stärker und nachhaltiger verändert als jedes Gendersternchen. Beides gute Entwicklungen. Duck und weg! Dies – und vieles mehr – in der 30. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  22. 32

    UGHW: Das Ende ist nah!

    Der Urlaub hat uns verändert. Wir sind gelassener geworden, tragen jetzt viel Leinen und haben diese coole Lederkette mit der bunt bemalten Muschel um den Hals hängen. Sieht man unter dem Businesshemd zum Glück nicht. Nur am Casual Friday. Wir sagen jetzt Dinge wie „Ich versuche, achtsam zu essen“ und „Ich habe gelernt, loszulassen“. Und wir haben uns vorgenommen, nicht mehr so viele Termine und To-dos zu haben. Das haben wir uns vorsichtshalber als Reminder ins Outlook geschrieben – mit täglicher Deadline. Doch kaum hat man den letzten Sonnenbrand mit Aloe Vera versiegelt, steht Weihnachten vor der Tür. In etwa 100 Tagen ist es so weit. Das heißt: Zwei Drittel des Jahres sind gelebt. Der Winter streckt seine kalten, nassen, windigen Finger nach uns aus. Langsam. Einen nach dem anderen. Als erster, brutaler Vorbote kommen die Lebkuchen in die Regale. Warum nur? Warum?! Man könnte zum militanten Dominosteine-Schmeisser werden. An Munition mangelt es ja nicht. Aber gut – der Markt regelt das. Irgendjemand wird das schon essen wollen. Oder aber die Ankunft der Jahresend-Leckereien ist einzig dafür da, dass man empörte Posts absetzen kann. Dann rennen wir in den Supermarkt und kaufen Sangria-Tetrapacks. Aus Protest! Das ist umgekehrte Psychologie. Der Einzelhandel arbeitet mit allen Tricks. Aber warum gibt es Adventskalender im Oktober? Fast jedes Produkt hat ein Ablaufdatum. Danach soll man es nicht mehr bedenkenlos essen können. Nur Adventskalender haben einen festen Verzehrbeginn. DAVOR kann man sie nicht bedenkenlos essen. Alles diesseits des 1. Dezember reißt ein Loch ins Raum-Zeit-Kontinuum. Und ja, wir stehen vor der grausamen Dreifaltigkeit des Feierns. Den Anfang macht das Oktoberfest. Billige süddeutsche Landhausmode von Ruhrgebiet bis Waterkant. Der Gewerbeverein lädt zum 4. Traditionellen Mindener Oktoberfest! Das haut rein. Derart geschwächt erwartet einen Halloween. Nachlässig verkleidete Kinder betteln unter Androhung von Umgemacht um Zuckerzeug für sich selbst. Sie sagen auch nichts auf oder bieten etwas dar. Noch nicht einmal in Reel-Länge. Halloween verhält sich zu den Sternsingern wie Wario zu Mario. Eigentlich dient das Fest dem Vertreiben böser Geister. Dabei erscheinen diese kleinen Nervensägen doch nur zu genau diesem Anlass. Ein gruseliges perpetuum mobile. Das Zwischentief „Karnevalsbeginn“ ist zum Glück ein regionales Phänomen. Dem kann man entkommen. Und dann geht es schon bald auf den Weihnachtsmarkt. Entschuldigung – zum Wintermarkt. Heißer Rotwein, über Tage den Alkohol rausgekocht, dafür Gewürzmischung, Zucker und Kopfschmerz rein. Da das alles auch aus dem Tetrapack kommt, finden die Restanten des sommerlichen Sangria hier ihre späte Verwendung. Und das vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Die Jahresuhr der Getränkeindustrie. Apropos Rotwein: 1913 schrieb Hermann Hesse in sein Tagebuch über seinen Aufenthalt im fernen Kandy/Sri Lanka: „Seit einigen Tagen lebe ich von Rotwein und Opium, und mein Darm muß eine rasende Lebenskraft oder einen verzweifelten Todesmut besitzen, daß er trotz allem noch nicht Ruhe gibt.“ Je nach individueller Tagesgestaltung klingt das nach Urlaub, Oktoberfest oder Weihnachtsmarkt. Dies – und vieles mehr – in der 29. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  23. 31

    UGHW: Gegen Fernweh hilft Heimweh

    Am 5. Juli 1841 war es endlich so weit: Der britische Baptistenprediger und Freizeitvisionär Thomas Cook organisierte die erste Pauschalreise der Welt. Ziel: Loughborough – immerhin 16 Kilometer vom Ausgangspunkt Leicester entfernt. Die Mitreisenden waren Mitglieder der Temperenzler-Bewegung, also Menschen, die Alkohol für Teufelszeug hielten. Cook dachte sich: „Wenn schon kein Gin, dann wenigstens Blaskapelle und alkoholfreier Tee.“ Und zack – das Rundum-sorglos-Paket war geboren. Später eröffnete Cook das erste Reisebüro und bot sogar Weltreisen an. Auch in Deutschland wollte eine Nische gefunden werden. Der clevere Herr Rominger eröffnete 1842 in Stuttgart das erste deutsche Reisebüro. Im Angebot: One-Way-Tickets nach Amerika – Rückfahrt unerwünscht, denn die Kundschaft wollte auswandern. Bezahlt wurde nicht nur mit Geld, sondern auch mit Ziegen, Kühen oder ganzen Weingärten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging’s dann richtig los: Erst Italien, dann Spanien, Türkei und die ganze Welt. Von Wegen „Ich war noch niemals in New York“!. Der Düsenjet machte Reisen dann so billig, dass man sich plötzlich auch als Normalsterblicher zwischen Olivenhainen und Sangria-Eimern wiederfand. Mallorca wurde erst zur „Putzfraueninsel“, dann zum 17. Bundesland. Doch die Reiselust hat Nebenwirkungen: Overtourism. Städte wie Dubrovnik, Santorini oder Venedig reagieren inzwischen mit Eintrittsgeldern, Besucherlimits und dem gelegentlichen Einsatz von Wasserwerfern gegen Selfie-Sticks. Dabei könnten sie sich in Sachen Duldsamkeit eine Scheibe von Hallstatt abschneiden – dem österreichischen Idyll mit 750 Einwohnern und über 1 Million Touristen jährlich. Das sind 1.300 Besucher pro Hallstädter Kopf. Da wird’s eng in der heimischen Stube. Rein statistisch. Aber es gibt Hoffnung: In Luoyangzhen, China, wurde Hallstatt einfach eins zu eins nachgebaut – inklusive Bergsee. Ein voller Erfolg. Anfragen für den Nachbau von Ludwigshafen, Bitterfeld und Neumünster sollen angeblich laufen. Chinesen sind leidensfähig. Inzwischen ist ja sogar Island überlaufen! Stundenlang stehen Touristen Schlange, um endlich ihr Instapic von Einsamkeit und unberührter Natur absetzen zu können. Das nervt. Daher suchen immer mehr Menschen im Urlaub die Abgeschiedenheit. Willkommen beim Trend: Solo Travelling - Selbstfindung und Selbstbestimmung. Allerdings muss man dann bei der Wahl der Destination Abstriche machen oder sehr lange fahren. Egal, Hauptsache weit weg. Denn das Schlimmste, was Deutschen im Ausland passieren kann, ist andere Deutsche zu treffen. Einfach mal ein fröhliches „Moin“ rüber rufen. Das macht die fix und fertig! Apropos echte Einsamkeit. Die gibt es am Point Nemo mitten im Pazifik. Dieser sogenannte Pol der Unzugänglichkeit liegt am weitesten aller Orte auf diesem Erdenrund von anderen Landmassen entfernt. Bei ihrem gelegentlichen Überflug sind die ISS-Besatzungen die nächsten Menschen. Pole der Unzugänglichkeit werden übrigens mit dem geometrischen Begriff des Euklidischen Abstands berechnet. Reines Klugscheißerwissen. Auch Deutschland hat einen solchen Pol: Bergen in der Lüneburger Heide. Ganze 6,2 Kilometer sind es bis zur nächsten menschlichen Behausung. Weiter geht nicht. Warum Deutschlands Spitzenreiter sich nicht – wie man vermuten könnte – in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg befindet, sondern in Niedersachsen, hat einen guten Grund. Er liegt mitten auf einem Truppenübungsplatz. Und da will man ja nun wirklich nicht von anderen Leuten getroffen werden. Dies – und vieles mehr – in der 28. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  24. 30

    UGHW: Age of Empires

    Den zweiten Teil des Ferienprogramms verbringen wir im ehemaligen Empire. Nicht das von Star Wars, sondern dem British Empire. Zum Glück ist da die Auswahl der Reiseziele recht groß. Denn tatsächlich hatten die Engländer lediglich mit 22 Ländern dieser Erde KEINEN Krieg. Brexit und die Berichterstattung der englischen Boulevardpresse zu Welt- und Europameisterschaften sind da noch nicht eingerechnet. Die größte Ausdehnung hatte das britische Reich unter Königin Victoria. Eine gebürtige Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld, die mit ihrem Mann Albert aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha am liebsten Deutsch sprach. Wahrscheinlich haben sie leicht gesächselt. Was für eine schöne Vorstellung! Die Idee des British Empire war der weltweite Handel. Also eine weltweite Hanse, nur ohne Partnerschaft und mit modernerer Technik. In dem Fall Repetiergewehr und Kriegsschiffe. Seit dieser Zeit ist der Fünf-Uhr-Tee eine gute englische Tradition. Blöd nur, dass auf den Inseln in der kalten Nordsee kein Tee wächst. Die Engländer haben es versucht. Mehrfach. Was will man da machen? Nun ja, man könnte eine Firma gründen, deren Geschäftsmodell gut in die Zeit passt. Gesagt, getan. Die East India Company war ein echtes Kolonialwarengeschäft. Im Angebot vor allem Gewürze, Textilien, Opium, eigene Gesetze und recht robustes Personal. Gut, aber immer noch kein Tee für England. Den gab es in China. Doch die Chinesen zeigten wenig Interesse an den meisten britischen Handelswaren, und Europäer waren nicht wirklich willkommen. Vielleicht lag es daran, dass die Chinesen nicht wie der Rest Asiens oder Afrikas als Kolonie enden wollten. Irgendwie verständlich, aber aus englischer Sicht doof. Nur am bengalischen Opium als Handelsware waren Teile der Gesellschaft interessiert. Rauschgift findet ja eigentlich niemand gut. Außer dem Dealer selbstverständlich. In dem Fall die Briten. To make a long story short: England bekam den heiß ersehnten Tee und Shanghai und Hongkong obendrauf. Die Chinesen im Gegenzug viele Millionen Drogenabhängige. Kanonenbootpolitik nennt man diese Nische des Groß- und Außenhandels. That’s dealmaking, Mr. Trump! 1876 wurde Königin Victoria zur Kaiserin von Indien gekrönt. Man erzählte sich, dass damit ein lang gehegter Wunsch der Inder in Erfüllung ging. Allerdings erzählten sich das nur Briten. Selbstverständlich war die Kaiserin nie vor Ort. Zu weit, zu heiß, zu viele Menschen und kein Termin frei. Wer kennt das nicht. Tatsächlich schaute von allen indischen Kaisern englischer Zunge nur König Georg V. mal vorbei.. Ihm zu Ehren wurde am Hafen das Gateway of India errichtet. Man muss sich das als eine Art Porta Nigra in groß, neu, heile und hässlich vorstellen. Aber ähnlich dem sozialen Wohnungsbau der 1970er Jahre hat man sich im Laufe der Jahre an den Anblick gewöhnt. Wie König Georg das Bauwerk fand, wissen wir nicht. Denn leider weilte der Grundgute bei der Einweihung schon seit fünf Jahren wieder bei seiner Teegesellschaft im beschaulichen London. Aber die dankbaren Inder wollten dieses Monument fremder Macht trotz Abwesenheit des Regenten unbedingt zu Ende bauen. Muss man respektieren. Bis heute ist das Gateway praktisch das einzige Wahrzeichen der 25-Millionen-Metropole. Apropos Wahrzeichen. Sir Thomas Raffles gründete für die East India Company bzw. das Empire einen Handelsposten namens Singapur. Allerdings hinterließ der umtriebige Engländer außer der Statue einer biologisch zweifelhaften Löwen-Fisch-Kombination der Stadt kein Wahrzeichen. Und irgendeine Freiheitsstatue, Eiffelturm oder Elbphilharmonie brauchen die örtlichen T-Shirt-Händler. Also wurde 2010 Marina Bay Sands eröffnet. Das ikonische Hotel mit dem „Schiff“ auf dem Dach prägt die Skyline. Es beherbergt neben dem Hotel, eine Mall, ein Casino und – als Highlight – einen Infinity-Pool. Features, die dem Gateway of India sicherlich auch guttun würden. Dies – und vieles mehr – in der 27. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  25. 29

    UGHW: Flieg mit den Gänsen davon

    Skandinavien hat es geschafft. Und Schweden sowieso. Das Bild unserer nordischen Nachbarn ist unerschütterlich gut. Ein Sehnsuchtsort mit viel Raum. Auch für die eigenen Fantasien. Dabei basiert unser Schwedenbild auf drei tragenden Säulen: Königshaus, Einrichtungshaus und Bullerbü. Die Monarchie ist ja ein eher vorzeitliches Staatskonzept, gegen das man aus recht guten Gründen mal auf die Straße gegangen ist. Die Älteren erinnern sich an Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit. Und ausgerechnet das verbinden wir Deutschen irgendwie mit einem Land, bei dem das Staatsoberhaupt den Job bekommen hat, weil es den Vorgänger von klein auf kennt. Die Skandinavier schaffen es irgendwie, dass ihr Hochadel besonders knuffig rüberkommt. Aber das ist ja ohnehin so, dass wir denen und Dänen so einiges durchgehen lassen, was hierzulande Montagsdemonstrationen in ungeahntem Ausmaß hervorrufen würde. Tempolimit – Ach, herrlich entschleunigt! Steuerbescheid öffentlich ausgehängt – Toll, das stärkt das Gemeinschaftsgefühl. Stabil hohe Steuern – Da funktioniert der Sozialstaat noch! IKEA wiederum holt uns emotional genauso ab, wie wir deren Möbel. Und die sind noch nicht einmal fertig zusammengebaut. Bei IKEA reicht ein bisschen Hej und ein wenig Duzen und wir glauben, dass wir die heimische Zweiraumwohnung ganz individuell von unserem nordischen Freund haben gestalten lassen. Und das bei 77 Millionen verkauften Billy-Regalen. Das ist so, als würde man das Fahren eines VW Golf als sympathischen Ausdruck von leicht verspielter Individualität betrachten. Und von dem sind nicht einmal die Hälfte der Billyg-Regale zusammengeschraubt worden. Um die Dreifaltigkeit unseres Schwedenbildes vollzumachen, fehlt nur noch sie. Die Säulenheilige der längst nicht mehr so alternativen Kindererziehung. Astrid Lindgren. Schweden ist Bullerbü. Fertig. Auf Schwedisch heißt die Heimat unserer kindlichen Träume Bullerbyn. Das bedeutet Lärmdorf. Humor hatte die Dame. Der Erfolg der Bücher rund um Karlsson, Michel und Pippi basiert natürlich auf der Idee, dass Kinder ihren eigenen Kopf haben. Und das finden auch Eltern toll. Zumindest theoretisch. Bei Licht betrachtet ist Pippi eine Systemsprengerin mit einem gewaltigen Problem im Umgang mit ihren erwachsenen Mitmenschen. „Nicht gemeinschaftsfähig“ wäre der wohl passende Fachterminus. Und auch Michels Geschichten könnten ja viele Sitzungen bei einem Familientherapeuten nach sich ziehen. Das übernimmt sogar die Krankenkasse. „Michel muss mehr Männchen machen“ ist daher eher eine Forderung als eine Feststellung. Aber so ist unser Schwedenbild. Was hier nicht geht, ist da fantastisk. Und das finden die Schweden auch. Die deutschen Beiträge zur Kinderliteratur fallen dagegen etwas ab. Wie Michel und Pippi leben Max und Moritz selbstbestimmt und eher unkonventionell. Aber Leichtigkeit und Witz ersetzen sie durch schlichte Boshaftigkeit, die Pranks sind eher cringe. Und sie wohnen nicht in Schweden. Zudem enden sie als Entenfutter. Sheesh! Ganz einzigartig ist der Struwwelpeter. Finger abschneiden, ertrinken, verbrennen, verhungern. Man will ja gar nicht wissen, was da bei „Kunden, die dieses Produkt gekauft haben, interessieren sich auch für“ erscheint. Wenn man das auf der Bettkante eines Fünfjährigen vorgelesen hat, braucht man erst mal einen Schnaps. Der Vorleser auch. Apropos Schnaps. Alkohol ist in Schweden ein heikles Thema. Trinken in der Öffentlichkeit ist verboten, alles über 3,5 % gibt es nur in staatlichen Monopolläden, den Systembolaget. Und erst ab 20 Jahren. Schon diese kleine Tatsache würde in deutschen Schützenfestregionen zu Teer, Federn und brennenden Fackeln greifen lassen. Ganz anders in Schweden. 500.000 Flaschen Absolut Vodka verlassen jeden Tag das Werk in Åhus. Nur um weltweit Schluck für Schluck ein wenig schwedische Lebensart zu verbreiten. Skål! Dies – und vieles mehr – in der 26. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  26. 28

    UGHW: Auf zum Nord-Cup!

    Skandinavien ist für uns ja immer eine Region voller Seen, Wälder, Fjorde, Hotdogs, Weite und leerer Menschen. Also: ohne viele Menschen. Nicht Lehrermenschen. Obwohl die gefühlt sehr gerne in den langen Sommerferien nach Skandinavien fahren. Das ist keine belastbare Statistik, nur eine persönliche Einschätzung – basierend auf den zahlreichen Elch- und Nordkap-Aufklebern am Heck der Volvos auf dem Lehrerparkplatz. Dabei hat Skandinavien viel mehr als Natur zum europäischen Kulturerbe beigetragen. Und das jenseits von Abbas Waterloo und Gimme! Gimme! Gimme!. Für Textzeilen, die das Innerste zum Schwingen bringen – wie „Where did you come from? Where did you go? Where did you come from, Cotton-Eyed Joe?“ der ebenfalls stark sverigen Band Rednex – braucht es wohl die ein oder andere Polarnacht. Das ist irgendwas im Wasser. Denn Roxette, Dr. Alban, Europe, Ace of Base, Avicii und Alcazar fallen ja nicht einfach so vom schwedischen Himmel. Und A-ha nicht einfach so links daneben. Inhaltlich nicht ganz so tief wie Rednex, aber mindestens genauso oft zitiert: „Es ist etwas faul im Staate Dänemark.“ Am besten begleitet durch ein leicht distinguiertes Kinnkneten und nachdenklich gemurmelt. Wirkt in bestimmten Kreisen einfach geiler als „Kacke, was ist denn hier los?“ Unnötig zu erwähnen, dass das ein Zitat aus Shakespeares Hamlet, 1. Akt, 4. Szene ist (nur das mit Dänemark). Wesentlich häufiger wird ebenjener Hamlet aber aus dem ersten Akt, erste Szene zitiert: „Gute Nacht.“ Neben Ikeas Lattenrost Dunvik ein weiterer skandinavischer Klassiker, der es in deutsche Schlafzimmer geschafft hat. Unbehandelt jedoch eventuell auf Dauer etwas schmerzhaft. Ebenso unangenehm sind schwedische Gardinen, zumindest in der Innenansicht. Dieser immer noch gebräuchliche Ganoven-Ausdruck geht auf die besondere Qualität der Stahllegierungen zurück, die für Gefängniszellen verbaut wurden. Gute Erklärung. So überhaupt nicht zu erklären ist der wirklich eklige Ausdruck des Schwedentrunks. Bitte nur mit leerem Magen googeln. Spoiler: Hat wirklich gar nichts mit Carlsberg zu tun. Apropos Sprit: In England heißt Benzin bekanntlich Petrol, was nicht viel Sinn ergibt, denn es ist ja kein Petroleum. Petroleum hingegen nennen sie Paraffin. Die Amerikaner wiederum nennen das Hauptbetriebsmittel ihrer Spritsäufer Gas. Das ist aggregatzuständischer Unsinn. Pauls neues Objekt der Begierde, der Volvo 240 Kombi, verlangt hingegen gerne reichlich nach langkettig gesättigten Alkanen – einfach gesagt: CₙH₂ₙ₊₂. Noch einfacher: Diesel. Die Insassen hingegen oft nach skandinavischem Öl. Vor allem, wenn vorne viele Lampen an sind. Es sei denn, sie sind Lehrer. Die wollen zumeist einfach nur Ruhe. Und Elchaufkleber.

  27. 27

    UGHW: Immer etwas hintendran

    Jetzt mal ganz ehrlich: Wir sind gerade nicht so closed miteinander. Sorry, aber jetzt ist es raus. Denn es sind Ferien. Erst fährt der eine weg und dann der andere. Schön für uns, schwierig für die Technik. Der erste Gehversuch mit seeeehr weiten Übertragungswegen hat dann auch ein ganz neues Format unserer kleinen Unterhaltungsreihe gezaubert. Wir antworten weiterhin sehr gerne auf die Fragen des anderen – aber durch so manches Delay dann gerne auf die Frage davor. Lustig. Wenn wir schon beim Thema Verspätungen sind, könnte man ja ein paar Witze über die Deutsche Bahn aufgleisen. Aber das ist sehr langweilig. Wir haben uns allerdings immer gefragt, ob mit der Übernahme des Postens des Vorstandsvorsitzenden eine Namensänderung einhergeht. So wie beim Papst oder dem Dalai Lama. Die legen ja auch ihre bürgerliche Identität ab. Bei der Krone des deutschen Schienenverkehrs heißt der Ehrentitel schlicht Bahnchef. Bahnchef Mehdorn, Bahnchef Grube und jetzt eben Bahnchef Lutz. Kennen wir so und nur so aus den Medien. Eine schöne Tradition. Ferienzeit, Zeit mit der Familie, Zeit zum Entschleunigen. Vor der Abreise noch schnell ein paar Brettspiele ins Auto gepackt. Denn nach dem Silvesterabend ist der nahende Urlaub der Jahreshöhepunkt des vorsätzlichen Selbstbetrugs. Im Urlaub wird man ganz sicher a) mehr lesen, b) etwas Sport machen, c) digital detoxen, d) mit der Familie Gesellschaftsspiele spielen. Mau Mau oder Kniffel bieten sich an. Überhaupt nicht empfehlenswert ist hingegen Mensch ärgere Dich nicht! Doch, tue ich mich. Immer. Jedes Mal. Bei jedem verkackten Versuch! So eine Scheiße! Entschuldigung, ich habe mich gehen lassen. Gehört aber dazu. Dann schon lieber Siedler von Catan. Gefühlt ähnlich oft Spiel des Jahres wie Bayern Meister. Aber zumindest unterhaltsam und im Vergleich deutlich variantenreicher. Immer wieder kommen neue Erweiterungspakete auf den Markt. Vielleicht wäre eine Kooperation mit EA strategisch sinnvoll. Noch mehr Varianten gibt es nur bei Monopoly. Über tausend Editionen sind bisher bekannt. Hello Kitty, AC/DC, Star Wars, Lüdenscheid und Schwedische Angelreviere sind nur ein paar Ausgaben, die sich wahrlich aufgedrängt haben. Das ursprünglich „The Landlord’s Game“ genannte Monopoly aus dem Jahr 1904 sollte die Einheitssteuertheorie verbreiten helfen und harsche Kritik an eben jenem monopolistischen Landbesitz üben. Nun ja, wir üben noch. Apropos Monopoly: Der recht windige Finanzmagnat Ivar Kreuger lieh dem etwas klammen Deutschen Reich 1929 insgesamt 125 Millionen Dollar. Zur Absicherung des Kredits forderte er ein landesweites Monopol. Seine Wahl fiel auf Streichhölzer. Warum auch nicht. Ivar war ab 1932 nicht mehr. Das Deutsche Reich spätestens ab 1945. Aber die letzte Rate des Kredits in Höhe von 275.724,44 Dollar überwies das Bonner Finanzministerium am 15. Januar 1983. Gut gespielt, Ivar! Dies – und vieles mehr – in der 23. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  28. 26

    UGHW: König von Deutschland

    Es gibt ja Musik, die eine erstaunliche Karriere hinter sich gebracht hat. Wie zum Beispiel Laudato Si als Bums-Schlager – wir sprachen zu gegebenem Anlass darüber. Beethovens Für Elise, offizieller Name Bagatelle in a-Moll, ist eventuell nicht des Bonners Meisterwerk. Aber den Samsung-Klingelton hat es dann doch nicht verdient. Oder Peter Schillings Major Tom. Dieses schlechteste aller denkbaren David-Bowie-Cover feiert gerade ein sehr, sehr unangenehmes Stadion-Comeback. Wenigstens ist damit endgültig toten Hose und Tage wie diese sind gezählt. Für schräge Musikkarrieren ist das Fußballstadion immer ein guter Ort. Verdis Triumphmarsch entwickelt erst in der Kurve und mit dem recht eingängigen Text „Schalalala“ seine volle Pracht. Auch Bonnie Tylers It’s a Heartache findet als Schmähgesang auf die Bayer-, Dortmunder-, Kieler-, Kölner etc. seine eigentliche Bestimmung. Ganz anders schön ist, dass der Bayern3 Jingle, für den Verkehrsfunk verdammt nach „In München steht ein Hofbräuhaus“ klingt. Bayern in a nutshell. Dennoch: Don´t drink and drive, gell? Okay. Jetzt müssen wir auch über Bella Ciao reden. Ersonnen unter der gleißenden Sonne Italiens: Vino, Widerstand, Weltrevolution. Bei den zahlreichen deutschen Versionen bleibt die von Hannes Waders ungeschlagen. Aus jeder vom Publikum voller Inbrunst gesungenen Note quillt die Liebe zu Klarsichthüllen und pünktlichem Feierabend. Leider heißt das Album Hannes Wader singt Arbeiterlieder und nicht – wie Tucholsky gesagt hat – „Die Revolution findet wegen schlechten Wetters im Saale statt.“ Und dann kam Netflix und Das Haus des Geldes. Mehr muss dazu wirklich nicht gesagt werden. Ciao Bella! Oft wird Musik gegen ihren hörbaren Willen zur Verkaufssteigerung missbraucht. Vielleicht sind The Clash nicht die Godfather of Punk, aber sie gehören zur engen Verwandtschaft. Dass dann die Textzeile „Now war is declared, and battle come down“ aus London Calling den Verkauf von Alte-Männer-Luxuskarren der Marke Jaguar ankurbeln soll, ist erstaunlich. Und Nick Drake konnte via vorzeitiges Ableben nicht mehr verhindern, dass VW sein Meisterwerk Pink Moon zwecks Imagetransfers für den Dauerlangweiler Golf missbrauchte. Es hätte sicherlich protestiert. Leise und sehr, sehr traurig. Selbst schuld hat hingegen Rio Reiser. Der Meister, der Beste, der Größte. Aber weitere Wege als von „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ und „Mach ´ne Faust aus deiner Hand“ bis zu „Das alles, und noch viel mehr – könnt’ ich kaufen, wenn ich Kunde bei Kaufland wär“ sind nicht denkbar. Dass er dabei Michael Wendler als Werbefigur ablöste, weil dieser sich wegen rechter Corona-Schwurbelei kurzfristig in die USA absetzen musste, tut doppelt weh. EGALl!!!1! Rio stört das nicht mehr. Er ist und bleibt der König von Deutschland! Apropos gekrönte Häupter. Der französische Präsident und der Bischoff von Urgell teilen sich das Amt des Staatsoberhauptes von Andorra. „Hmm, wo liegt denn Urgell?“ wird sich so mancher fragen. Gegenfrage: Wo liegt Andorra? Das klären wir beim Besuch einer alten Dame. Dies – und vieles mehr – in der 23. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  29. 25

    UGHW: Man spricht Deutsch

    Sommerzeit, Ferienzeit, Duolingo-Erntezeit. Prinz Henrik, Gemahl von Königen Margret von Dänemark war eigentlich Franzose, der viel lieber auf seinem Schloss in Südfrankreich saß. Zeitlebens konnte er nur schlecht Dänisch. In einem Interview sagte er: Die Dänen verschlucken die Hälfte der Konsonanten, und sie sprechen so kehlig, als hätten sie eine heiße Kartoffel im Mund. Dänisch sei keine Sprache, sondern eine "schwere Halskrankheit“. So gewinnt man zwar nicht die Herzen seiner Untertanen, aber Gottesgnadentum lockert die Zunge. Die Schwester von Königin Margret wiederum sitzt als Ehefrau von Fürst Sayn-Wittgenstein-Berleburg im verregneten Sauerland fest. Das Leben ist nicht fair. Nur nebenbei: Stimmt es eigentlich, dass Portugiesisch nur das betrunkene Spanisch ist? Frage für keinen Freund. Zurück zum Thema: Herrscher machen sich – historisch gesehen – unnötig mit dem Pöbel gemein, wenn man eine Sprache teilt. Queen Victoria -Königin, als die britische Empire-Uhr noch nicht gänzlich abgelaufen war- sprach zu Hause lieber Deutsch. Auch Katharina die Grobe, quasi die legitime Amtsvorgängerin von Putin, hätte sich mit Marie Antoinette (erst Kuchen, dann Schafott) ebenfalls gerne auf Deutsch unterhalten. Friedrich der Große dagegen, mehr Preußen, märkischer Sand, deutsche Wiege und „aba weeste selba, wa“ geht nun wirklich nicht, sprach hingegen deutlich lieber Französisch. Noch geiler: Ludwig XIV. – halb Sonne, halb König – quatsche mit seinen Homies am liebsten Latein. Quid coitio?! Aber die Landessprache nicht zu können, stört ja auch Auswanderer auf Mallorca kaum. Zumindest wenn man den zahlreichen und sicherlich notwendigen Dokudramen auf den hinteren Sendeplätzen Glauben schenken mag. Apropos Landessprache nicht verstehen. Da hat man jahrelang in Schulbüchern Sätze wie „Hello Kitty, nice to see you. Come and see the pets.“ gebüffelt, nutzt die karge Reisezeit, um gut vorbereitet auf den Britischen Inseln zu landen, nur um dann an Sprachbarrieren zu scheitern. Dabei ist noch immer ist der hintere Zahnschmelz vom kollektiv geübten „the, the, the“ ramponiert. Und dann das. Cockney ist nicht Oxford. Und Brummie erst recht nicht. Frag mal einen Scouser nach dem Weg! Oder einen Scott, wie er die aktuellen Leistungen des örtlichen Sportanbieters würdigt. Arseways. Na gut. Wir sind eventuell not the brightest star in the sky. Dies – und vieles mehr – in der 22. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  30. 24

    UGHW: Es gibt Grenzen!

    Wie es sich über den Wolken mit der Freiheit verhält, hat uns Reinhard Mey, dieser musikgeschmackliche Grenzgänger, gelehrt. Doch in Wirklichkeit hat alles seine Grenzen. Europäische Länder haben nicht nur die längste, sondern auch die kürzeste Trennlinie der Welt. Ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist, dass beide nicht in Europa liegen. Die längste EU-Außengrenze verläuft über 730 km zwischen dem Département 973 – im Volksmund Französisch-Guayana genannt – und Brasilien. Nur einen Hauch kürzer ist die Grenze zwischen Spanien und Marokko. Die insgesamt 85 Meter in Peñón de Vélez de la Gomera sind vermutlich nicht in mehrere Grenzabschnitte eingeteilt. Frankreich grenzt nicht an die Niederlande, oder? Doch, allerdings nur auf den kleinen Antillen in der Karibik. Dort wird Sint Maarten von St-Martin getrennt. Blutige Grenzkonflikte sind so alt wie die Menschheit selbst. Um jeden Quadratmeter Mutterboden bzw. Vaterland wurde und wird gestritten. Ganz anders verhält es sich mit Bir Tawil. Diese 2.000 km² in Nordafrika sind ganz offiziell eine „Terra Nullius“ – niemand will es. Sudan und Ägypten lehnen beide dankend ab. Na, dann eben nicht. Sehr ähnlich verhält es sich mit Lieberland, einem an der Donau gelegenen Flecken, der von Kroatien verwaltet wird, international jedoch als serbisches Gebiet ausgewiesen ist. Das allerdings bestreitet Serbien auf Nachfrage vehement. Ebenfalls ein eher ungewöhnlicher Konflikt unter Nachbarn war der jahrzehntelange „Whiskykrieg“ zwischen Dänemark und Kanada. Beide Länder beanspruchten die Hans-Insel, ein unbewohntes und leider auch gänzlich vegetationsloses Eiland. Abwechselnd landeten Kriegsschiffe der beiden Kontrahenten, hissten ihre eigene Fahne und hinterließen als Gruß jeweils eine Flasche dänischen bzw. kanadischen Whiskys. Inzwischen haben sich die Kontrahenten. Aber eine Frage bleibt: Will man wirklich kanadischen oder gar dänischen Whisky trinken? Geschmackssache. Apropos Geschmackssache: In historischen italienischen Städten sind die sogenannten Restaurants der recht verbreiteten Burger-Kette McDonald's nur schwer zu finden. Die örtlichen Autoritäten finden, dass die sonst so selbstbewusst an die Fassade geschlagenen goldenen Bögen das Stadtbild verschandeln. Als kleine Revanche tischen die Amerikaner den Italienern – dem Land der Pizzabäcker und somit Wiege allen Fastfoods – neben den üblichen warmen Käsebrötchen auch Pasta auf. Noch weiter geht McDonald's in Holland: Als regionale Spezialität gibt es den „McKroket“. Sodbrennen schon beim Runterschlucken – da ist auch bei uns eine Grenze überschritten. Dies – und vieles mehr – in der 20. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  31. 23

    UGHW: … der deinen Namen trägt!

    Das Jahr 1900 kann durchaus als epochal eingestuft werden. In Deutschland tritt das BGB in Kraft, in fernen China tobt der Boxeraufstand, und die Küstenfunkstelle Borkum wird feierlich eröffnet! Hurra. Das konnte Paris kaum auf sich sitzen lassen und veranstaltete eine Weltausstellung. Und für just diese Verbrauchermesse ersann der Reifenhersteller Michelin einen Werkstattwegweiser, bei dem eher beiläufig Rasthöfe und Restaurants erwähnt wurden. Wer den ganzen Tag auf dem Bock sitzt, braucht ja schließlich auch mal Curry-Pommes-Mayo. Natürlich sind wenig Bewegung und ungesundes Essen der Gesundheit nicht zuträglich. Eventuell ist das Michelin-Männchen eine diskrete, aber einprägsame Warnung. 35.000 Exemplare ihres Reiseführers ließen die französischen Pneumaten kostenlos in Paris verteilen. Das sind exakt 15,58 Hefte für jeden der damals 2.400 französischen Autofahrer. Die scheinen die nicht genutzten Exemplare an Freunde und Verwandte weitergegeben zu haben – denn inzwischen gibt es den Guide in sehr vielen Ländern. Die Qualität der dort beschriebenen Restaurants wird bis heute eingeteilt in: „Lohnt einen Stopp“ (ein Stern), „Lohnt einen Umweg“ (zwei Sterne) „Lohnt eine Reise“ (drei Sterne). Alles andere ist nur Nahrungsaufnahme. Die angepeilte Zielgruppe der Berufskraftfahrer nahm und nimmt den praktischen Reisebegleiter begeistert auf. Wer kennt sie nicht – die Schlangen der 40-Tonner vor den einschlägigen Sternerestaurants? Tokio ist übrigens die leckerste Stadt der Welt. Mit 191 Sternen isst man aktuell dort doppelt so gut wie in Paris. Allerdings ist die Sterne-Skala nicht immer und auf alles übertragbar. Unser Podcast z.B. würde sich über einen Stern eher nicht so freuen. Fünf wären gut. Ehrlich! Auch der Satz: „Schatz, ich gönne uns mal etwas ganz Feines. Das tunesische Hotel hat zwei Sterne in der Landeskategorie.“ ist nicht immer der Beginn einer traumhaften Reise. Apropos traumhafte Reise: Swasiland möchte seit einiger Zeit unter dem Namen Eswatini angesprochen werden – ein Geschenk von König Mswati III. zu seinem 50. Geburtstag. Auch die Türkei hat eine Namensänderung hinter sich. Die internationale Bezeichnung Turkey fand man am Bosporus eher unvorteilhaft. Ob man sich dabei an der Bezeichnung für einen kalten Entzug, einen erfolglosen Spinner oder schlicht an dem Vergleich mit einem Truthahn gestört hat, ist nicht bekannt. Aber gut – dann eben Türkiye und Eswatini. Dies – und vieles mehr – in der 20. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  32. 22

    UGHW: Dabei sein ist alles

    Hamburg bewirbt sich wieder um Olympische Spiele. Nun ja. Die letzten Versuche der hanseatischen Olympiateilnahme scheiterten am Unwillen der eigenen Bevölkerung. Unverständlich, denn die Spiele versprechen weltweite Beachtung, Anerkennung und werden in einer demokratischen Wahl vergeben. Dabei hatte Olympia nicht immer so viel Strahlkraft. Die Olympischen Spiele in Paris 1900 zum Beispiel. Am Rande der Weltausstellung organisiert, dauerten sie über fünf Monate. Doch als lästiges Anhängsel der Expo gerieten die Wettkämpfe zur Nebensächlichkeit. Zuschauer waren eher zufällige Zaungäste. Auch die Teilnehmerliste und der Medaillenspiegel changieren irgendwo zwischen unbekannt, zweifelhaft und frei erfunden. So gab es Sportler, die niemals oder erst Jahre später erfuhren, dass sie an Olympischen Spielen teilgenommen hatten. Für die älteren Semester unter uns könnte sich also ein Anruf beim IOC lohnen – eventuell ist man ja Olympiasieger. So etwas kann ein ganzes Leben krönen. Und gekrönte Häupter zieht es immer mal wieder zu den Spielen mit den Ringen: Prinzessin Anne von England war 1976 mit ihrer Lieblingsstute am Start. Und trotz relativer Erfolglosigkeit sah man sie in Montreal stets wie ein Honigkuchenpferd strahlen. Immerhin war sie da amtierende Europameisterin – was beachtlich ist. Denn erstens gehörte ihr Land damals offensichtlich noch zu Europa, und zweitens dürfte sie damit wohl das einzige Familienmitglied, das sich jemals einen Titel in einem fairen Wettbewerb erarbeitet hat. Auch Prinz Albert von Monaco war bei Olympia. Fünfmal setzte er sich bei den knallharten monegassischen Bob-Vorentscheidungen durch. Respekt. Hubertus von Hohenlohe ist – wie der Name vermuten lässt – Mexikaner und kommt somit aus einem Kernland des alpinen Sports. Für seine Nominierung durch den mexikanischen Skiverband hatte er diesen kurz zuvor persönlich gegründet. Über Jahrzehnte stürzte sich der Blaublüter die Skipisten hinunter. Das Blaue im Blut ist zwar grundsätzlich angeboren, wird aber dem Vernehmen nach regelmäßig nachgefüllt. Nach über zwanzig Weltmeisterschaften, sechs Olympia-Teilnahmen und gerade mal sechzig Lenzen ist jetzt Schluss. Vielleicht wird da ein hoffnungsvolles Talent etwas zu früh weggeschmissen. Ein winterlicher Fiete Arp-Move. Just saying. Doch der wahre König ist und bleibt Costa Cordalis – zumindest im Dschungelcamp 2004. Als Sänger hat er der Welt „Anita“ geschenkt und so ganze Generationen in die klebrigen Arme des griechischen Weins getrieben. Bereits 1994 hatte sich Κωνσταντίνος Κορδαλής für die Olympischen Spiele in Sarajevo qualifiziert. Selbstverständlich im Skilanglauf. Doch das heimische NOK befürchtete, dass die griechische Nachtigall durch blanke Schlechtleistung die Ehre der olympischen Wiege beschmutzen könnte. Teilnahme verboten. Das konnte Costa so nicht auf sich sitzen lassen und startete ein Jahr später bei den Nordischen Weltmeisterschaften. Dass er mit weitem Abstand als Letzter ins Ziel kam, soll die Heldengeschichte hier nicht unnötig schmälern. Etwas peinlich ist es aber schon. Apropos peinlich: Mickie Krause hat den Kirchen-Smash-Hit „Laudato Si“ zu einem Ballermann-Hit gemacht – ein musikalischer Kracher, der u.a. sehr gern von zehn nackten Friseusen gesungen wird. So ein Crossover ist schon mutig. Nur andersherum wäre es wohl noch mutiger. Krauses Hits als Teil der Liturgie? Muss wirklich nicht, geht aber: „Ich bin solo“ ist zumindest mit dem katholischen Zölibat durchaus vereinbar. Zur Abendmahl-Feier ist „Da ist doch wieder Alkohol im Spiel“ ja auch nicht gänzlich unangebracht. Doch Vorsicht: „Finger in Po – Mexiko“ ist einer Weltkirche nicht würdig. Und als Schlusslied scheint „Geh doch zu Hause, du alte Scheiße“ thematisch passend, aber nun wirklich unangebracht. Dies – und vieles mehr – in der 19. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  33. 21

    UGHW: Voll verzockt

    Laut aktuellen Statistiken beträgt die durchschnittliche Bildschirmzeit hierzulande 150 Minuten – täglich. Bei Jugendlichen sind es sogar bis zu 4,5 Stunden. Erschreckend. „Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos. Das Ende der Welt ist nahe.“ Das haben wir mal locker übersetzt – denn der unbekannte Autor dieser weisen Worte kratzte sie vor rund 4.500 Jahren irgendwo zwischen Euphrat und Tigris in nassen Ton. Und Keilschrift kann ja heutzutage kaum noch jemand lesen. Auf dem Smartphone-Bildschirm sowieso schlecht zu entziffern. Aber auf die Nutzlosigkeit des jeweiligen Nachwuchses ist dauerhaft Verlass. Während die heutige Jugend ihre Zeit mit Posts, Reels und Swipen bis zur Sehnenscheidenentzündung verplempert, waren wir noch draußen an der frischen Luft – also, draußen in Red Dead Redemption. Stundenlang ritten wir durch die Prärie. Auch bei schlechtem Wetter. Denn wir wollten noch etwas bewegen! Zum Beispiel geklaute Autos in San Andreas oder Vice City. Und fast alles, was wir taten, taten wir nicht für uns – sondern für die Gesellschaft. Ehrenamt und Engagement sind wichtig. Und wer dann noch ein halbwüchsiges Tamagotchi zu füttern hatte, weiß, was Care-Arbeit bedeutet. Natürlich haben wir zwischendurch auch Sport gemacht. Block, Hit, Special Move. Nie wieder so ein Muskelkater wie nach dem Tekken-Marathon gehabt. Wir sind Morgan Freeman in Half-Life nicht von der Seite gewichen und haben Wolfenstein Castle praktisch im Alleingang aufgeräumt. Der Dank? Eher mau – schon gar nicht von den eigenen Eltern. Mit Hilfe des Dienstprogramms CIV gründeten wir Dörfer und ganze Zivilisationen – und in zahllosen Nächten durchlebten wir Age of Empires I, II und III. !!!1! Die Snipermissionen in Medal of Honor erledigten sich ja auch nicht von selbst. Unsere geheimen Waffen: kleine Tipps & Tricks – Cheats genannt. Auf dem Schulhof gehandelt wie die Physikklausuren von dem faulen Lehrer aus dem Vorjahr. Ein schüchtern gehauchtes „I WIN“ auf der Tastatur – und schon gewann man Stunden Lebenszeit. Denn das Leben ist endlich. Nur nicht bei Super Mario. Man musste nach dem letzten Ableben nur den A-Knopf im Menü halten und dabei Start drücken – und weiter ging’s, als wäre nichts gewesen. Näher am Samsara, dem Kreislauf von Werden und Vergehen, kann man kaum sein. Wie dem auch sei – wir waren stolz auf alles, was wir erreicht haben. Auf jedes einzelne Level. Apropos: „Das erreicht man aber nicht durch die verlogene Hetze!“ – nur ein kleiner Zwischenruf, aber einer mit Geschichte. Mit dieser flotten Bemerkung kassierte der KPD-Abgeordnete Heinz Renner 1949 den allerersten Ordnungsruf im frisch gegründeten Bundestag. Das ist etwas mehr als ein sprachlicher Steinwurf entfernt von Joschka Fischers Klassiker: „Herr Präsident, mit Verlaub – Sie sind ein Arschloch.“ Was sich im Bundestag gehört oder besser ungehört bleibt, hat sich zum Glück im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Inzwischen dürfen Frauen sogar Hosen tragen. Und Männer den Langbinder ablegen. Unerhört! Dies – und vieles mehr – in der 18. Folge von: Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast.

  34. 20

    UGHW: Faust aufs Auge

    Hals- und Beinbruch! Wie liebevoll wir Deutschen uns Glück wünschen! Wer kam jemals auf die Idee, dass Unfälle die ultimative Motivation sein sollen? Die Segler legen noch einen drauf mit „Mast- und Schotbruch“, was klingt, als würde man in einen Sturm geschickt werden – begleitet von einem ermutigenden Schulterklopfen. Sprichwörter sind oft seltsam, sperrig und nicht immer erklärbar. Müssen wir auch nicht. „Das ist nicht unser Bier“ Ausgerechnet in England wird aus diesem leicht nach Stammtisch klingenden Satz ein fast königliche Nachmittagsrunde „Not my cup of tea“ Vielleicht aber auch, damit man auch nach der Sperrstunde noch Menschen abwimmeln kann. Nahrungsmittel spielen in der Welt der Sprichwörter insgesamt eine erstaunlich große Rolle. Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt, aber dass die Italiener sagen: „Non tutte le ciambelle escono col buco“, also in etwa Nicht alle Donuts haben ein Loch, ist immerhin appetitlich. Die Polen hingegen hadern mit dem Servierservice: „Senf nach dem Essen“ bedeutet, dass man zu spät dran ist. Aber alles – bis auf die Wurst – hat eben ein Ende. Doch das schönste kulinarische Bild kommt aus Schweden und beschreibt Menschen, die mit dem goldenen Löffel im Mund geboren wurden: „Auf einer Garnelenstulle ins Leben gleiten“ – das klingt nach einem Luxusleben zwischen Knäckebrot und Kaviar! Auf nach Småland. Im internationalen Bereich macht die deutsche Sprache nicht immer bella figura. Der Spanier sagt z. B.: „Es passt wie ein Ring auf den Finger“. Muy bien. Voll okay ist das englische „Es passt wie ein Handschuh“ – sieht nur O. J. Simpson etwas anders. Wie immer voller Poesie und Klang ist das italienische „Es passt wie Schuhe, die auf den Fuß gezeichnet wurden“. Und dann das deutsche „Wie die Faust aufs Auge“. Das hatten wir so nicht kommen sehen und schmerzt daher sehr. Aber immer noch besser als „Arsch auf Eimer.“ Als visuell veranlagte Menschen sehen wir das. Tragisch! Jetzt sind die Karotten aber gekocht würde jetzt wohl ein Franzose sagen und meint schluss damit. Hat er Recht, der Franzose. Das finnische Wort „Kalsarikännit“ bedeutet im Übrigen so viel wie „sich in Unterhosen daheim allein betrinken“. Na dann. Kippis, Mahlzeit! Dafür haben die Finnen sogar ein eigenes Emoji. Wie sähe das wohl für „Die Flinte ins Korn werfen“ aus? Apropos Korn: Die Hersteller von Klarem setzen meist auf bodenständige Namen. Wie ein Bärwurz oder Blutwurz schmeckt, will man lieber nicht so genau wissen – ebenso wenig wie beim Blauen Würger. Meist wird jedoch schlicht der Stadtname gewählt. Menschen aus Steinhagen, Hardenberg oder Nordhausen wissen, wovon die Rede ist. Interessanterweise hält die Markentreue hierzulande beim Schnaps statistisch gesehen deutlich länger als die durchschnittliche Ehe. Um diese besondere Verbundenheit zu zelebrieren, hat die Oldesloer Brennerei in Heiligenhafen ein ganzes Hotelzimmer eingerichtet. Selbst das Wasserbett soll hochprozentig gefüllt sein. Wer auf dem Zimmer noch Lust auf einen Absacker hat, muss allerdings nicht gleich sein Bett zerstören. In dem Raum gibt’s neben der traumschönen Nachbildung der Korn-Brennerei und einer romantischen Leuchtreklame auch eine gut gefüllte Bar. Wer in einem solchen Zimmer aufwacht, will sich wohl auch gar nicht an die letzte Nacht erinnern. Dies – und vieles mehr – in der 17. Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  35. 19

    UGHW: Maß aller Dinge

    Den Taschenrechner wieder auf Grad statt Radiant eingestellt? Ein Klassiker! Wem ist das in der Physikklausur nicht passiert? Uns. So weit sind wir gar nicht gekommen. Aber was eine Meile ist, weiß jeder: 1.609,344 Meter – zumindest in den USA und England und natürlich nur an Land. Auf See ist eine Meile jedoch 1.852,0 Meter lang. Für die beinharte Seepferdchen-Prüfung kann das durchaus eine Rolle spielen. Und in Skandinavien? Da beträgt eine Meile 10 Kilometer. Verständlich, denn die Entfernungen in Finnland sind ja oft weiter als erwartet. Kurze Zwischenfrage: Ist das englische Pfund eigentlich immer noch ein halbes Kilo wert? Auch die gefühlte Temperatur kann man messen. Während 32°C weltweit als ideales T-Shirt-Wetter gilt, kann man das von 32°F nur in Kanada behaupten. Die haben ja ein ähnlich merkwürdiges Temperaturverständnis wie sonst nur mittelalte Engländerinnen in mittelenglischen Städten während der wochenendlichen Ladies’ Night. Anders als die Kanadier nutzen die US-Amerikaner Maßeinheiten, die sonst kaum jemand gebraucht. Aber keine Sorge! Für Gallonen, Unzen, Inch und Yard gibt es praktische Umrechnungstabellen. Was soll da schon schiefgehen? Nun ja, zum Beispiel die Marsmission Mars Climate Orbiter. Im Dezember 1998 gestartet, erreichte die Sonde neun Monate später den Mars – und sollte sanft in eine Umlaufbahn eintreten. Bis dahin war die Stimmung im Kontrollzentrum bestens. Doch dann stellte sich heraus: Die NASA rechnete metrisch, Lockheed Martin, die das Dinge hergestellt hatten, hingegen angloamerikanisch. Dieses kleine „A-ha-“ bzw. „Och-nö-Erlebnis“ kostete eine Sonde bzw. 327,6 Millionen Dollar. Die geplante Party in Houston fiel an diesem Tag eventuell etwas kleiner aus. Auch in Deutschland lebten wir nicht immer im Glück der Einheit: Ein Mecklenburgischer Fuß maß 29,1 cm, ein Badener Fuß war geringfügig länger, doch der Hessische Standardfuß kam auf gerade mal 25 cm. Der Bayerische Fuß war sogar 30 kürzer als der Österreichische. Und wenn eine Elle zwei Fuß ist – wie viele Zentimeter sind das eigentlich? Meint man die Preußische oder die Braunschweiger Elle? Was eine Sächsische Elle ist, kann man bis heute an der Walpurgiskirche in Apfelstädt nachmessen. Aber Apfelstädt liegt halt nicht immer auf dem Weg. Und wie viele Spannen hat eigentlich ein Klafter? Keine leichten Fragen. Deshalb gilt seit dem 1. Januar 1872 in ganz Deutschland das metrische System – die Älteren unter uns werden sich erinnern. Und was ein Meter ist? Allgemeinwissen! Die Länge der Strecke, die das Licht im Vakuum während 1/299.792.458 Sekunden zurücklegt. Stimmt, haben wir gerade nachgemessen. Außerdem ist das festgelegt in DIN 1301-1:2002-10. Also an dieser Stelle: null Problemo. Apropos Nullen: Eine Million hat sechs, eine Milliarde neun. Aber wie nennt man eine Zahl mit 100 Nullen? Googol! Der Begriff wurde vom amerikanischen Mathematiker Edward Kasner geprägt, erfunden hat ihn jedoch sein neunjähriger Neffe Milton. Und genau nach dieser Zahl wurde später eine bekannte Suchmaschine benannt. Glaubt ihr nicht? Könnt ihr ja googlen.

  36. 18

    UGHW: Live is live

    Es gibt eine alte Punk-Regel: „Wenn du es nicht kannst, mach es schnell und laut.“ Wenn ein Stück also länger als zwei Minuten dauert, ist das eventuell ein Hinweis darauf, dass es kein Punk ist – aber dennoch kein Qualitätsmerkmal. Im schönen Sachsen-Anhalt denkt man offensichtlich anders. ASLSP ist ein Musikstück für Orgel von John Cage aus dem Jahr 1987. Die Abkürzung steht für „As Slow As Possible“ – und ist die Spielanweisung: Die vierseitige Partitur soll so langsam wie möglich gespielt werden. Bei der Uraufführung am 21. November 1987 war der Organist in einer knappen halben Stunde durch. In Halberstadt hat man diese Anweisung entweder so richtig richtig oder so richtig falsch verstanden: Seit 2001 wird es dort in der Sankt-Burchardi-Kirche als das langsamste und längstdauernde Orgelstück der Welt aufgeführt. Die geplante Gesamtdauer? 639 Jahre. Im Jahr 2640 soll das Stück dann planmäßig enden. So gegen Nachmittag. Es sei denn, das Publikum besteht auf einer Zugabe. Der große Karel Gott, das fleißige Bienchen Maja aus Prag, hat einmal gesagt: „Das einzige Attest, das zur Absage eines Konzerts berechtigt, ist die Sterbeurkunde.“ Das sollte man dem Halberstädter Organisten vielleicht mal sagen. Für musikbeflissene Konzertbesucher empfiehlt es sich, beim zwischenzeitlichen Rausgehen sich an der Kasse einen Stempel aufs Handgelenk geben zu lassen – Essen oder sogar Pipi geht in einer Kirche ja nicht. Schlafen schon. Das können regelmäßige Kirchgänger bestätigen. Und ganz anders als die meisten andere Kirchen in Deutschland kann Sankt-Burchardi immerhin weit über das kommende Weihnachtsfest hinaus mit einer stabilen Auslastung und somit einer mittelfristigen Perspektive aufwarten. In diesem Fall lassen wir also die Kirche lieber im Dorf. Apropos Kirche im Dorf lassen: Dieter Bohlen hat einmal gesagt: „Ich glaube, wenn Mozart heute noch leben würde, würde er sowas Ähnliches machen wie ich.“ Kann man natürlich so sagen. Ist ja ein freies Land. Aber wir denken dann doch eher an Punk – und nicht an Halberstadt. Wenn es sein muss, mach es laut. Aber mach schnell. Dies – und vieles mehr – in der 15. Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  37. 17

    UGHW: Sonderfolge Die Gäste sind das Beste!

    Die Gäste sind das Beste! Selbstwahrnehmung und Selbstoptimierung gehen nicht immer als Freunde durch dick und dünn. Markus Rühl ist so ein Internetphänomen – und wer ihn nicht kennt, hat wohl viel verpasst. Oder besser gesagt: ganz viel Mensch. Denn er beschäftigt sich vor allem mit Body-Bildung und ist damit eher jenseits des klassischen Bildungskanons unterwegs. Und dennoch hat er uns einiges mitzugeben. Sein berühmtestes Mantra: „Wenn’s nicht mehr geht, dann noch viermal.“ Kann man bringen – aber wann und wo? Alternativ hätte ich: „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es könnt’ geladen sein.“ Stand in meinem Poesiealbum. Hat mich mein Leben lang begleitet – verstanden habe ich es nie. Bevor Arnold Schwarzenegger als Schauspieler, Gouverneur und vor allem als Simpsons-Figur bekannt wurde, war er auch mal Bodybuilder. Als solcher wurde er zum Mister Universum gewählt. Ein zweifelhafter Titel – denn ein Blick in die Siegerlisten zeigt: Offensichtlich standen ausschließlich Erdenbewohner auf dem Podest. Sind wir da etwa einem galaktischen Betrug auf der Spur? Aber mal im Ernst: Wie bei jeder guten Party sind die Gäste das Beste! Zum ersten Mal haben wir Besuch in unserem Studio: Dr. Jonas Stephan. Er hat uns zwei Dinge voraus – einen Doktortitel und einen seit Jahren viel beachteten und zu Recht hochgelobten Podcast. Der Historiker hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Dritte Reich von Anfang bis zum bitteren Ende zu dokumentieren. Stück für Stück, Woche für Woche. Nach mehr als 70 Folgen ist er nun mit seinem Projekt am Ende des Jahres 1934 angekommen. Der Fachmann weiß, was der Laie ahnt: Da ist noch eine weite Wegstrecke bis zum dicken Ende zu gehen. Sein Podcast heißt „Deutschland 33/45“ – und wir outen uns ganz offiziell als Fanboys. Den Link gibt es hier. Dies – und vieles mehr – in der zweiten Sonderfolge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  38. 16

    UGHW: Imagewechsel

    Piraten waren früher schlicht organisierte Kriminalität – sie plünderten, brandschatzten und brachten sich und andere mit großer Hingabe um. Ein durch und durch elendiges Leben. Doch dank Hollywood, Johnny Depp und einer absurden Menge Kajal wurden aus diesen wilden Räubern eine Mischung aus Fashion-Ikone und charmantem Abenteurer. Heute sind Piraten nicht mehr gefürchtete Berufsverbrecher, sondern romantische Outlaws mit einer Vorliebe für schummrige Tavernen, Schatzkarten und dramatische Seeblick-Momente. Das zeigt: Gute Imageberater können selbst die zwielichtigsten Figuren in popkulturelle Legenden verwandeln. Und wer könnte da besser PR-Arbeit leisten als die cleveren Werbestrategen des Tierreichs? Eichhörnchen sind im Grunde nichts anderes als hyperaktive Baumratten mit einer leichten Neigung zum Nesträubern. Oder der Marabu. Dieser Vogel sieht aus, als hätte er in seinem Gesicht geschlafen und noch keine Zeit gehabt, sich zurechtzumachen. Mit seinem krummen Hals und dem federlosen Kopf – mit Flecken, als hätte er im Dortmund-Block einmal zu oft „Schalke, Schalke“ gerufen. Trotzdem hat er es irgendwie zum Schokoladenmaskottchen geschafft. Wie? Imageberater, die wissen: Menschen achten nicht auf Ästhetik, wenn sie gerade eine Tafel Schokolade in der Hand haben. Good Job! Aber es gibt auch Absteiger – quasi die P-Diddys des Tierreichs. Was für ein Strahlemann war die Taube! Das Zeichen der Hoffnung auf der Arche Noah, ein echtes Symbol des Friedens. Welches Tier kann das schon von sich behaupten? Das Ozelot oder der Nacktmull sicher nicht. Wenn Freddy Quinn dir ein „La Paloma, ohé“ hinterherschmachtet, hast du es eigentlich geschafft. Als Hans Hartz konstatierte, dass die weißen Tauben müde sind, bekam das Image erste Risse. Der Absturz bis zur „Ratte der Lüfte“ ist dann trotzdem unerwartet hart. Kein PR-Team der Welt kann das noch retten. Oder die Hyäne. Mit den großen Ohren, den traurigen Augen und dem wuscheligen Fell bringt sie optisch eigentlich alles mit, um Everybody’s Darling zu sein. Sie schenken uns sogar das, wie sie für ein Lächeln halten. Und auch der Job ist modern, hip und nachhaltig: Recycling deluxe – Aasentsorgung als Beitrag zum Umweltschutz. Environmental Care at is best! Doch was willst du machen, wenn Disney den König der Löwen inbrünstig gegen dich singen lässt. Harter Diss. Da hilft nur auswandern oder mindestens ein neuer Name. Apropos Namensänderung: Seit Neuestem gilt wieder das alte friesische Namensrecht. Jeder, der sich als Friese fühlt, darf seinen Kindern als Nachnamen den eigenen Vornamen geben. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz knuffig. Peter Petersen ist jetzt wieder möglich. Oder Jörn Jörnsen. Das klingt, wie Nordsee riecht. Aber Vorsicht: Kevin Kevinsen oder Roberta Robertasen ist und bleibt sperrig. Dies – und vieles mehr – in der 14. Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  39. 15

    UGHW: Blast from the past

    Hurra, Yps ist wieder da! Schon wieder. Unsere Urzeitkrebse aus der ’83-Ausgabe stehen wohl immer noch auf dem elterlichen Dachboden. Vermutlich haben sie längst ein komplexes Einzeller-Großreich mit Einzeller-König und schleimiger Hofhaltung auf einem Stapel alter MAD-Hefte errichtet. Besser nicht umkippen. Lieber nur vorsichtig mit dem originalen Um-die-Ecke-Fernglas nachsehen. Ach, die 80er Jahre! Alles, was man heute mit Apps bestellen kann, gab es schon – natürlich nur in sehr geringer Auswahl und sehr aufwendig. Dafür hatte die Prä-Internet-Ära die tollsten Lieferservices aller Zeiten: Der Eiermann kam, ohne dass man ihn rief – dafür jeden Donnerstag und mit Glocke aus dem Fahrerfenster. Der Bofrost-Fahrer war unser Lieferando. Nur mit sehr langer Vorlaufzeit und selbst warm machen. Immerhin gab es als Gimmick eine Lebensweisheit: „Am besten im Kühlschrank auftauen.“ Und der Otto-Katalog hat mehr zur frühkindlichen Aufklärung beigetragen als das Was-ist-was-Heft „Unser Körper“ je zeigen durfte. Nur gucken, nicht bestellen! Zu viel Nostalgie? Das ist das kindliche Stockholm-Syndrom. Wir lieben es, weil wir immer noch Gefangene sind. Wie sonst sind die Neuauflagen von Tritop, Brauner Bär und Flutschfinger zu erklären? Geschmacklich sicher nicht. Schluss damit! Es ist Zeit für eine kleine Kreativitätsübung: 1.⁠ ⁠Überlege dir ein Produkt, das du als Kind unbedingt haben wolltest, aber nie bekommen hast. 2.⁠ ⁠Verwandle es in ein völlig überteuertes Erwachsenen-Must-Have. 3.⁠ ⁠Falls dir nichts einfällt, frag einfach die Marketing-Abteilungen von Playstation, Ben & Jerry’s oder die Entwickler des Lego-Sternenzerstörers – die machen sowas beruflich. Apropos Star Wars: Die irische Insel Skellig Michael lebte jahrhundertelang friedlich vor sich hin – Möwen, Moos und maximal ein verschrobener Botaniker auf Wanderschaft. Dann kam Das Erwachen der Macht – und plötzlich stapfte halb Instagram in Jedi-Umhängen mit Selfie-Sticks über den Felsen. Die einheimische Tierwelt ist vermutlich längst aufs Festland ausgewandert. Oder Dubrovnik: Seit Game of Thrones fahren die Einheimischen für ein bisschen Ruhe und Einsamkeit zum Kölner Karneval. Aber Moment mal – ist das nicht DIE Chance für vergessene Perlen wie Herne, Bremerhaven oder Eisenhüttenstadt? Einfach einen inhaltlich maximal fragwürdigen Fantasyfilm drehen lassen – gerne auch Episode 8 oder 9. Dafür haben wir doch die Filmförderung. Und schon halten ganze Reisegruppen vorm Altglascontainer, weil dort „die epische Verwandlungsszene“ gedreht wurde. Nur so eine Idee. Dies – und vieles mehr – in der 12. Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  40. 14

    UGHW: Sonderfolge Volkspark

    Wenn man zehn Minuten nach dem Abpfiff im Hamburger Volksparkstadion auf den zertrampelten Rasen blickt und sich unvermittelt an die legendäre Weihnachtsfolge der Radio-Comedy Stenkelfeld erinnert fühlt – dann ist klar: Es braucht eine kleine Sonderfolge. Eine Hommage an das Chaos mit Anlauf. An Menschen, die sich aus Rasenstücken Kleingartenlauben bauen. Und an Stunden, in denen alles an lieb gewonnene Stadionstruktur nur noch Souvenir ist. Zu Ehren jener Fans, denen nach sieben biblischen Dürrejahren nun der Zauberer Merlin höchstselbst sieben fette Jahre versprochen hat. Und natürlich auch zu Ehren aller Bewohner:innen von Stenkelfeld, die es schon immer wussten: Wenn der HSV aufsteigt, wird’s kurz dunkel in Europa. Dieser kleine Beitrag ist aber auch ein Versprechen: Den Aufstieg des FC Schalke 04 feiern wir noch größer. Die Mannschaft hat uns ein ganzes Jahr zur Vorbereitung geschenkt – wir nehmen das an.

  41. 13

    UGHW: Hauptsache berühmt

    Wer heute berühmt werden will, muss Influencer sein. Oder Reality-Star. Was in der Praxis bedeutet, dass man in der Realität alles ist – nur eben kein Star. Früher war der Weg zum Ruhm deutlich steiniger. Da brauchte es einen gescheiterten Bauernaufstand, eine gepflegte Seeschlacht oder ausgedehnte Feldzüge in die Nachbarschaft. Denn Denkmäler zeigen nicht immer nur die Guten. Wer sich besonders danebenbenahm, wurde entweder geköpft – oder bekam ein Denkmal. Oder beides. Klaus Störtebeker zum Beispiel: Pirat, Plünderer, Mützenmodell, Robin Hood mit Nordseegeruch. Seine Spezialität: Blutige Raubzüge, aber mit folkloristischem Flair. Nach offiziellen Angaben wurde er in Hamburg hingerichtet. Nach inoffiziellen Angaben lief er kopflos noch an seinen Kumpels vorbei. Und das reicht offenbar für ein jährlich ausverkauftes Festival auf Rügen und eine Statue am Hafen. Wer überzeugend stirbt, bekommt Kulturförderung. Hätte es damals Social Media gegeben – der Mann hätte ein blaues Häkchen und seinen eigenen Kultgetränk. Oder Al Capone: Sympathischer Serienmörder und Boss einer knuffigen Clankriminalität mit 20er-Jahre-Charme. Bis heute spielt er in mehr Filmen mit als Til Schweiger. Naja, jede Medaille hat zwei Seiten. Und dann Fritz Haarmann: vor 100 Jahren brachte er in Hannover über 20 junge Männer um. Klarer Fall – ab auf den offiziellen Adventskalender der Stadt! Einerseits ein Skandal, andererseits: Was soll Hannover machen? Immer nur die Scorpions und Ursula von der Leyen – das reicht eben nicht für 24 Türchen voller Spannung, Spaß und Gänsehaut. Apropos schräge Stadtgeschichte. Bremen hat Gesche Gottfried – im Volksmund zärtlich „Engel von Bremen“ genannt. Das verwundert, denn sie hat 15 Familienmitglieder umgebracht – sozusagen entfernte Verwandte. Bis heute erinnert ein Spuckstein am Dom an den Moment, in dem sie selbst unter den Augen von 35.000 Tausend Schaulustigen den Weg alles Vergänglichen ging. Aber wo soll man in Bremen auch sonst hin, wenn kein Freimarkt ist, Werder nicht spielt und Kinderwochenende ist. Die Bremer kommentieren die Lebensleistung von Gesche bis heute mit hanseatisch-rotziger Lässigkeit. Ihrem Nachruhm hat’s nicht geschadet: 5 Filme, 3 Theaterstücke, 3 Hörspiele, 2 Songs und eine Oper sind ihr gewidmet. Trotzdem ist Temptation Island kein guter Weg zum Ruhm. Dies – und vieles mehr – in der 12. Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  42. 12

    UGHW: Alte Meister

    Bodypositivity ist deutlich leichter zu beschreiben als zu schreiben. Dabei hatte der fancy GenZ-Begriff Jahrhunderte Zeit zu reifen. Peter Paul Rubens verschaffte ihm als Malermeister früh den internationalen Durchbruch. #MehrIstMehr. Anders als viele glauben, war Rubens übrigens kein gebürtiger Holländer, sondern stammt aus Siegen. Was ist schlimmer als verlieren? Siegen. Dieser Spitzenwitz wurde – genau wie der berühmte Maler – im Jahr 1577 geboren. Bei ihm war alles üppig: die Hüften, die Haare, die himmlischen Hintergründe – vermutlich auch das Buffet im Atelier. Ganz anders Jan Vermeer. Der Niederländer malte still. So still, dass man nur ganz leise über das Mädchen mit dem Perlenohrring sprechen mag. Außerdem wirken seine Protagonistinnen, als sei gerade eine Hungersnot ausgebrochen– vermutlich sind die Rubens-Damen schuld. Bleiben wir beim Essen. Niemand speist so bodenständig wie deutsche Kanzler. Ihre Lieblingsgerichte sprechen Bände: Adenauers rheinischer Apfelpfannkuchen, Willy Brandts Kartoffelpuffer, Ludwig Erhards Linsensuppe und die Merkelsche Kartoffelsuppe. Alles günstig, sättigend oder sogar aus der Dose – unter 5 Mark. Das erklärt die Sparpolitik. Helmut Kohls Pfälzer Küche wurde sogar zum außenpolitischen Stilmittel. Gorbatschow, Mitterrand und George Bush sollen noch Jahre später in privaten WhatsApp-Gruppen Saumagen-Rezepte ausgetauscht haben. Im Hamburger Reihenhaus von Helmut Schmidt hingegen wurden – so berichten die Chronisten – ausschließlich Mentholzigaretten und Cola serviert. Tut uns light. Noch bodenständiger ist immer nur Gerhard Schröder. Seine berühmte „Kanzlerplatte“ bestand aus allem, was man bei Regen unter einem Bahnhofsvordach essen kann. Dazu eine Flasche Bier – sonst streikt er hier! Und dann kam Friedrich Merz. Es muss erst eine Sauerländer Tanne ins Kanzleramt, um internationalen Flair in der Waschmaschine zu verbreiten! Seine Leibspeise? Spaghetti Frutti di Mare. Kann er sogar selbst kochen, sagt er. Das glauben wir ihm jetzt einfach mal. Würden es auch gerne nachkochen – aber bei Chefkoch ist das Rezept nicht zu finden. Daher weiß bislang nur seine Familie, was er so anrichtet. Apropos: Donald Trump kann nicht kochen. Aber er isst gerne Hamburger – im Aktionszeitraum für 1,99. Sein bislang bester Deal. Dies – und vieles mehr – in der 11 Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  43. 11

    UGHW: Frische Mische

    „Zur inneren und äußeren Anwendung“ – das stand einst auf der Flasche von Echt Kölnisch Wasser. Und irgendjemand im Rheinland hat das wohl etwas zu wörtlich genommen. So entstand ein hoffentlich einzigartiges Mischgetränk, der 4711-Remix: wärmt von innen und riecht nach Omas Badezimmer. Tatsächlich käuflich zu erwerben – eine Grenzerfahrung, irgendwo zwischen Kosmetikprodukt und Körperverletzung. Immerhin: Die damit verbundene Fahne dürfte jede Verkehrskontrolle schadlos überstehen. Und wenn dieser Drink nicht zündet, helfen Longdrinks auf Jägermeister-Basis. Die Menschheit lernt immer nur durch Schmerzen. Doch die wahren Klassiker brauchen kein fancy Etikett: Cola-Korn für die Herren mit Jeanswesten oder Fanta-Korn – liebevoll „Fako“ genannt – für alle, die nach einem angemessenen Schütteln „lecker“ sagen. Wenn der letzte heimische Spargel gestochen ist, beginnt sie: die Hochsaison der dezentralen Zeltdiskos. Dorffest, Stoppelfete, Kirmes, Scheunenschwof, Schützenfest, Freimarkt oder Remmidemmi – das Kind muss schließlich einen Namen haben. Der Anlass ist egal, der Ablauf bewährt: Bier, Bratwurst und Nackensteak – alles unter der fürsorglichen Aufsicht der Freiwilligen Feuerwehr. Bürgermeister Ölgenmöller hält die Eröffnungsansprache mit der Verlässlichkeit eines Wetterhähnchens. Kernthese: Schunkeln ist gelebte Demokratie und Bekenntnis zur Heimat. Klarer Fall: Wir sind in Stenkelfeld – egal, wie das Dorf wirklich heißt. Wenn dann DJ Crazy Claus zur späten Stunde zum fünften Mal auf ausdrücklichen Wunsch „Atemlos“ macht und das Kondenswasser vom Zeltdach für unverhoffte Erfrischung sorgt, ist es Zeit für den Heimweg. Auch wenn es nur zumeist 500 Meter Luftlinie sind, kann sich der Weg schnell in ein spontanes Maislabyrinth verwandeln. Wohl dem, der sich noch eine frische Mische mitgenommen hat. Wie sagte schon Friedensreich Hundertwasser? „Die gerade Linie ist gottlos.“ Das stimmt. Genauso wie: „Wenn das Bier spricht, hört die Freundschaft zu – doch der Heimweg bleibt stumm.“ Könnte ein walisisches Sprichwort sein – ist es aber nur KI generierter Unsinn. Schade. Apropos Wales: Am Hafen von Tenby gibt es eine wirklich hervorragende Brauerei. Damit man sie nicht verpasst, heißt sie einfach „Harbour Brewery“. Das ist mal klare Kommunikation. Dies – und vieles mehr – in der zehnten Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  44. 10

    UGHW: Volles Glas voraus

    Wer schon immer mal wissen wollte, wie sich ein romantischer Sonnenuntergang über den Containerhäfen von Rotterdam oder Seebrügge anfühlt, sollte dringend eine Kreuzfahrt buchen. Nirgendwo sonst bekommt man so viele wassernahe Industriegebiete geboten – quasi: „Beton meets Brise“. Fremde Länder und Städte werden einem frei Haus am Fenster vorbeigezogen. Der besondere Clou: Ganz wie beim runden Geburtstag im eigenen Vereinsheim muss dabei niemand auf das große Helene-Fischer-Medley verzichten – dargeboten von einem stets engagierten Alleinunterhalter. Nur die Eistorten-Tischfeuerwerk-Parade unter Leitung von Chefhostess Heidi Keller fehlt. Diese traumschiffhaften Zeiten sind endgültig vorbei. Stattdessen: ein riesiges schwimmendes Hotel mit 3.000 Menschen, von denen mindestens 2.950 denken, der Dresscode sei durchgehend „Jogginghose trifft Cocktailkleid“. Auf mitgebrachte Butterbrote kann man dank All-Inclusive in Scheckkarten-Format getrost verzichten. Es gibt mehr Buffets als Rettungsboote auf der Titanic. Und schon am frühen Morgen kann an der Bar ein ausgedehnter Ausflug zum Teetrinken nach Long Island gebucht werden – mehrfach und ganz ohne schiefe Blicke. Toll! Apropos kulinarische Rundumversorgung: Neulich entdeckten wir, dass hinter der großen Hot-Dog-Ausgabe in den blau-gelben Häusern auch tatsächlich Möbel verkauft werden. Spannend. Müssen wir uns mal anschauen. Und wenn schon Schweden und schnelles Essen – dann bitte stilecht: Pizza Frutti di Mare aus dem Bahnhofsrestaurant in Mora, Dalarnas län. Warum? Weil es geht. Und weil Meeresfrüchte auf Teig nun mal eine eigene Geschichte erzählen. Dies – und vieles mehr – in der achten Folge von: „Ungefährliches Halbwissen – The last missing podcast“. https://linktr.ee/ungefaerhrlicheshalbwissen

  45. 9

    UGHW: #moderndenken

    #moderndenken Guter Move, Sachsen-Anhalt! Städte, Regionen und sogar ganze Bundesländer haben immer wieder den Drang, sich einprägsame Claims zu geben. Ob dieses Top-Beispiel die sachsen-anhaltinische Seele streichelt, weiß man allerdings nicht. Die KI, die dieses Bild generiert hat, scheint etwas hinterher zu hinken. Viel klarer: „An Hessen führt kein Weg vorbei.“ Zumindest auf der A7. Hoffentlich reicht die Tankfüllung bis zum Rasthof Göttingen. Baden-Württemberg nennt sich inzwischen „The Länd“. Womit der Vorgänger-Claim „Wir können alles außer Hochdeutsch“ endgültig widerlegt ist – Englisch geht offenbar auch nicht so gut. Ob in der Münchner Selbstbeschreibung „Weltstadt mit Herz“ gleich zwei kleine Flunkereien versteckt sind, liegt im Auge des Betrachters. Freiburg wirbt als „Green City“. Ob da die politische Couleur durchleuchten soll? Ratsmehrheit ist Ratsmehrheit. Vollkommen ratlos lässt uns hingegen die Große Kreisstadt Germering zurück: „Könnte schöner. Kaum besser.“ Geht besser! Zurück nach Hessen: Der Slogan von Friedrichsdorf – „Mach mal Friedrichsdorf“ – klingt wie die Ansage an einen renitenten 14-Jährigen, endlich mit dem Zocken aufzuhören und das Zimmer aufzuräumen. Und bei „Soul OF Hessen“, dem Slogan aus Offenbach, macht man sich ein bisschen Sorgen um das hessische Seelenheil. Klingt nach okkulten Feiern vor den Toren Frankfurts. Insgesamt haben die Creativen (mit C!) offenbar nicht immer die umfassende Wirkung ihrer Ideen bedacht. Ein Bild mit der im Wasser liegenden Carola-Brücke oder einem brennenden Dynamo-Auswärtsblock bekommt mit dem Claim „So geht sächsisch“ einen ganz neuen Spin. Dagegen ist „Bonn. Die Stadt.“ eine gänzlich unambitionierte Feststellung. Nach dem Umzug nach Berlin scheint man sich am Rhein ein wenig aufgegeben zu haben. Mehr „Is mir egal, wo mein Haus wohnt“ geht nur im Hamburger Speckgürtel: „Elmshorn – supernormal“. Die Mitarbeitenden in der örtlichen Touri-Info haben dafür wahrscheinlich viel Tagesfreizeit. Apropos ungewöhnliche Reiseziele: Namenlose Tourismus-Rankings empfehlen Badeurlaub in Kamerun. Wer statt Malle mal Mangroven möchte, ist hier genau richtig. Zwischen Atlantikküste, Vulkansandstränden und Regenwald gibt’s echtes Tropenfeeling – nur ohne All-Inclusive-Bändchen. Anreise? Ganz einfach: Flug nach Douala, danach mit dem Bus, Boot oder einem sehr optimistischen Taxi weiter Richtung Kribi oder Limbe – die Badeperlen Kameruns. Dies und vieles mehr in der achten Folge von „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“!

  46. 8

    UGHW: Seid Bereit

    Immer bereit! Auch 30 Jahre nach dem Wind of Change hat sich in den frischen Bundesländern so mancher Begriff tapfer im Sprachgebrauch festgekrallt– als geheimer Handschlag unter Eingeweihten. Einkaufen geht man mit einem Plastebeutel, denn Plastiktüte klingt nach Westpaket. Nachwuchs bekommen, Kredit bei der Bank? Kann man abkindern – effizient und direkt. Wenn’s mal schiefgeht, haben wir eine Havarie. Das klingt viel dramatischer als „Problem“, und Schiffromantiker haben sofort die Weite der Weltmeere vor dem inneren Auge. Wenn es einer richten muss, ist es der Dispatcher, was immerhin nach internationalem Spitzenmanagement klingt. Und wenn mal wirklich alles einwandfrei läuft? Dann hat es Weltniveau – mehr Lob geht nicht. Auch in der Kulinarik hat der Bau der Mauer die deutsche Sprache hart in ihr und wir getrennt. Hähnchen sind Broiler, Hot Dogs nennen sich Kettwurst, und der Burger möchte lieber als Grilletta angesprochen werden. In der HO-Gaststätte gab es Dinge zu bestellen, die man nur mit einer Sozialisation zwischen Elbe und Oder mögen kann: Jägerschnitzel – oder wie der Sachse sagt, Jogdworschtglobber – sind panierte und gebratene Jagdwurstscheiben. Daumendick! Das Gericht Hoppelpoppel ist zwar inzwischen von den Speisekarten der gehobenen Gastronomie verschwunden, hat es aber zumindest in den Duden geschafft. Ragout fin – vulgo Ragufeng oder treffender Würzfleisch – ist der klangvolle Name eines heiteren Mixes aus hellem Fleisch, Innereien und weißer Soße. Doch der stets überhebliche Wessi kann sich seine kulinarische Häme sparen. Um Käse-Igel, Russische Eier und Toast Hawaii wird in der internationalen Spitzengastronomie ebenfalls ein großer Bogen gemacht. Apropos weite Wege: Der Arsch der Welt hat viele Namen: Pampa, Einöde, Walachei oder OVP sind weit verbreitete und akzeptierte Ausdrücke für Gegenden, in denen man gerne eine OKF macht. Wer aber j.w.d. beziehungsweise jottwede zu sagen pflegt, ist wirklich lost – und soll doch bitte bleiben, wo der Pfeffer wächst! Dies und vieles mehr in der siebten Folge von „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“!

  47. 7

    UGHW: Anfang der Durchsage

    Es gibt kaum eine bessere Methode, eine Stadt, Land und Leute kennenzulernen, als mit dem örtlichen ÖPNV. Denn jede U-Bahn hat ihren eigenen Charakter, ihre eigene Persönlichkeit. Die Berliner U-Bahn zum Beispiel ist wie eine WG-Party – laut, chaotisch, in einer Ecke riecht es komisch. Es sind auch immer ein paar Leute da, von denen niemand weiß, wer sie eigentlich eingeladen hat. Und selbstverständlich ist irgendwo immer eine Tür kaputt. In Paris wiederum hat man das Gefühl, die Bahnen wurden für Hobbits gebaut – zu klein, zu eng, und wenn die Metro ankommt, scheint sie nur aus Höflichkeit zu bremsen. Dafür gibt es sehr hübsche Jugendstil-Schilder, die den Eingang markieren. Sie werden im Stadtbild zwar völlig übersehen, aber in einem stimmigen Ensemble will man ja auch nicht auffallen. Die Londoner Underground ist wie ein viktorianischer Teesalon – elegant, traditionsreich und völlig unmodern. Es wäre jedoch unhöflich, den technisch gebrechlichen Charme der alten Dame aus dem untergegangenen Empire zu tadeln. Hinzu kommen die ständigen fürsorglichen Durchsagen „Mind the Gap“ – so oft gehört, dass man fast glaubt, der „Gap“ sei eine Art gefräßiges U-Bahn-Monster. In New York wiederum nuscheln die Ansager so schnell und monoton, dass selbst Muttersprachler irgendwann aufgeben. Wahrscheinlich sind rauschfreie, gut verständliche Lautsprecher laut irgendeines Verfassungszusatzes verboten. Wahre Paläste findet man in Moskau jenseits des Kremls nur unterirdisch. Jede Metro-Station gleicht einem Museum – riesige Kronleuchter, goldene Mosaike, marmorne Hallen, die zum Umsteigen eigentlich viel zu schade sind. Man hat beständig das Gefühl, dass Zar Nikolaus oder zumindest Genosse Stalin jederzeit zusteigen könnte. Auch der offizielle Name der U-Bahn ist bemerkenswert: „Moskauer Leninorden- und Rotbannerorden-Metro namens W. I. Lenin“. Das ist durchaus angemessen – schließlich wurde der Bahn 1947 offiziell eben dieser Leninorden verliehen. Angeblich trägt sie den aber nur an hohen Feiertagen und auf Familienfeiern. Das Moskauer U-Bahn-Modell findet sich im gesamten ehemaligen Ostblock wieder – so auch in Prag, dem heutigen Ausflugsziel. Die Prager Metro ist wie ein Escape Room: geheimnisvolle Durchsagen, schnelle Türen und das beklemmende Gefühl, dass man hier vielleicht nie wieder rausfindet. Doch die wahre Herausforderung ist auch hier die Durchsage: „Ukončete prosím výstup a nástup, dveře se zavírají. Příští stanice: Staroměstská.“ Apropos unverständliche Ansagen: Wer jemals ein Torfrock-Konzert besucht hat, weiß, dass gelungene Kommunikation nicht komplex sein muss. Gelegentliche „Odin!“-Rufe können die gesamte Gefühlspalette abdecken. Mehr behörnte Häupter hat es wohl nur in grauer Vorzeit gegeben. Aber auch wenn Mittelaltermärkte weiterhin im Trend liegen, muss man wissen: Die erste Boomphase dieser Events endete bereits vor 500 Jahren. Dies und vieles mehr in der sechsten Folge von „Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast“.

  48. 6

    UGHW: Mehr Frei-Tage!

    Dass der „Sprich-wie-ein-Pirat-Tag“ weltweit gefeiert wird, gehört ebenso zum Allgemeinwissen wie der „Tag des Reisfladens“, der am 16. März in Deutschland und Belgien begangen wird. Inzwischen erfindet jeder Verband, der etwas auf sich hält, irgendwann einen „Tag des Irgendwas“. Aber wenn es um echte, gesetzliche Feiertage geht, zeigt sich Deutschland eher knauserig: Gerade mal neun gibt es bundesweit. Als halbe Feiertage gelten Heiligabend und Silvester. Doch es gibt regionale Besonderheiten. In Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland darf man sich über zwölf Feiertage freuen, während Hamburg sich mit zehn begnügen muss. Bemerkenswert: In Thüringen ist der Weltkindertag frei, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern der Weltfrauentag. Und im nahezu religionsfreien Sachsen bleiben am Buß- und Bettag die Büros, Geschäfte und Behörden verwaist. Man müsste in Augsburg leben! Bayern gilt ja mit seinen vielen Feiertagen ohnehin als Paradies der Blaumacher, aber die bayrischen Schwaben setzen noch einen drauf. Die Ausrufung des Westfälischen Friedens von 1648 – wohlgemerkt im 500 km entfernten Münster – versetzt die Augsburger bis heute in eine solche Ekstase, dass an Arbeit nicht zu denken ist. Seit 1950 ist das „Hohe Friedensfest“ daher in Artikel 1 Absatz 2 des Bayerischen Feiertagsgesetzes verankert. In Großbritannien gibt es zwar nur etwa die Hälfte der Feiertage Deutschlands, aber nicht traurig sein: Fällt ein Feiertag aufs Wochenende, wird er einfach auf den Montag danach verschoben. Da kann man in der Kneipe also ruhig noch mal nachbestellen – so wie die drei Seeleute, die 1912 in Southampton so heftig versackt sind, dass sie die Abfahrt der Titanic verpassten. Ob das stimmt? Keiner weiß es. Aber der Pub „Titanic“ in Southampton lebt gut davon, all jene anzulocken, die trotz des dramatischen Film-Endes immer noch auf einen zweiten Teil des Blockbusters hoffen. Apropos maritime Kuriositäten: Verglichen mit der Vasa war die Titanic ein echtes Langstreckenschiff. Das stolze Kriegsschiff der schwedischen Marine legte auf seiner Jungfernfahrt ganze 0,7 Seemeilen zurück, bevor es in Sichtweite der Festgäste sank. Auch ungewöhnlich: Ungarn, ein Binnenstaat ohne Küste, hatte ab 1920 einen Admiral als Staatsoberhaupt – ganz ohne eigene Flotte. Und die Reederei MSC, eine der größten der Welt, hat ihren Sitz am Genfer See. Sollte dort je ein hauseigener Containerriese vor Anker gehen, müsste man ihn wohl über die Alpen tragen. Vielleicht am „Tag des über-die-Alpen-geschleppten Schiffes“? Das und vieles mehr in der fünften Folge von „Ungefährliches Halbwissen – the last missing Podcast

  49. 5

    UGHW: Wegwerfgesellschaft

    Wir müssen dringend über Dereliktion reden. Dieses etwas ekelig klingende Wort ist eigentlich nur der hochtrabende juristische Ausdruck für eine „freiwillige Besitzaufgabe“. Wer eine Münze über die Schulter – zum Beispiel in den Trevibrunnen – wirft, will sie ja nicht zurückhaben. Aber ist das wirklich eine wirksame Besitzaufgabe oder doch eher eine Insta-taugliche Spendenform? Schließlich freuen sich Stadtkassen oder andere gute Zwecke über den finanziellen Niederschlag. Und falls es eine Spende ist – wer stellt dann die Zuwendungsbescheinigung aus? Nach einer anderen Theorie handelt es sich beim Münzwurf um ein Rechtsgeschäft – schließlich erwartet man im Gegenzug Glück, Liebe oder wenigstens eine unfallfreie Heimreise. Vollkommen unklar bleibt jedoch, wie mit berechtigten Einreden bei Nichterfüllung umzugehen ist. Ein ganz anderer Fall ist Bartolomeu Diaz, vermutlich einer der erfolglosesten Kolonialisten überhaupt. Aber die Welt kann nicht nur aus Helden bestehen. 1488 landete er an der Küste Namibias, schaute sich um und stellte fest, dass es auf den ersten Blick nur Sand, Steine und sehr skeptische Einheimische gab. Nach einer dramatisch inszenierten Besitznahme unter Ausschluss der Öffentlichkeit segelte er davon – und kam nie wieder. Unauffälligere Überfälle gibt es sonst nur bei Käpt’n Blaubärs Zwergpiraten. Diese und viele weitere Fragen in der vierten Folge von „Ungefährliches Halbwissen – the last missing podcast.“

  50. 4

    UGHW: Was Paul am Balkan

    Wenn aus dem Auswärtsblock ein kehliges „Eins, zwei, drei Oberkörper frei“ herüberweht, wünscht man sich einen resoluten Einsatz der Ästhetik-Polizei. Woher das unerschütterliche Selbstbewusstsein der zumeist auch ganz Oben-Ohnen kommt, ist schwer zu sagen. Aber sicherlich aus der gleichen Ecke, wie die „Nett hier-Aufkleber“. An denen hat sich Matthias Spaetgen von der Werbeagentur Scholz & Friends mitschuldig gemacht. Als er die Kampagne ersann, hatte er einen Gedanken, dem er lieber ein wenig nachgehangen hätte. "Die Grundidee ist vielleicht ein bisschen Größenwahn und Angeberei.“ Das kann man auch angesichts der vielen Nachmacher quasi körperlich spüren. Gute Nachricht zum bösen Spiel: Laut verantwortlichem Staatsministerium in Stuttgart enthalten die Aufkleber kein Milcheiweiß Kasein und sind daher vegan. Man kann also bedenkenlos daran lecken! Wagga Wagga (WGA), Broken Hill (BHQ) und Useless Loop (USL) sind einprägsame australische Flughafennamen. So wie „Bud Spencer Bad“ ein sehr guter Name für das Freibad der Stadtwerke Gmünd ist. Der Flughafen von Tirana ist nach Mutter Theresa benannt und der von Belgrad nach Nikola Tesla. Apropos: Halt kurz mein Bier, ich bell grad! Warum eine Balkanreise von Thessaloniki über Sofia bis nach Serbien lohnt und vieles mehr, gibt es in der dritten Folge von „Ungefährliches Halbwissen – the last missing podcast“.

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Ungefährliches Halbwissen – The Last Missing Podcast Ungefährliches Halbwissen ist der Laberpodcast de luxe, bei dem Abschweifen zur Königsdisziplin erhoben wird. Das Halbwissen der Hosts basiert auf einer Mischung aus Gedächtniskramen und flüchtigen Internetrecherchen – völlig ungefährlich, aber umso unterhaltsamer. Hier gibt es weder einen festen Themenkanon noch ein klares Ziel oder einen stringenten Ablaufplan. Paul und Hinrich, die beiden Hosts, sprechen über alles, was ihnen vor der eigenen Haustür, in Presse, Funk und Fernsehen oder auf Reisen begegnet. Dabei werfen sie sich gegenseitig regelmäßig Themen zu, stets in der bangen Hoffnung, dass das Gegenüber darauf anspringt. An guten Tagen ist das Hören von Ungefährliches Halbwissen wie das Belauschen eines unterhaltsamen, bisweilen anspruchsvollen, fast immer respektvollen und gelegentlich sogar informativen Gesprächs auf einer Party.Die beiden haben zwar versucht, das für sie heikle Thema Fußball zu meiden – scheitern

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