EPISODE · Apr 12, 2026 · 1H 15M
#9 – Pleonexie, Paradiese und Planetenblicke – Vom Sauerland bis hinter den Mond
from Über dem Nebelmeer
Die neunte Episode des Nebelmeers beginnt, wo die letzte aufgehört hat: mit Ostern. Sebastian hat die Feiertage im Sauerland verbracht – Basislager Brilon, von dort aus Wildpark Willingen mit Alligatorhäuten, Wolfspelzen und einem Original-Dinosaurierfußabdruck, ein 45 Meter hohes Riesenrad und das Fort-Fun-Abenteuerland, das Sebastian noch aus Kindheitstagen kennt. Nebenbei: ein Spaziergang am Geburtshaus von Friedrich Merz, das sich als herrschaftliche Playmobil-Villa entpuppt (derzeit zum Verkauf, ohne Gedenktafel, Baujahr 1752). Nico seinerseits hat Ostern an der Möhne verbracht, mit Tanten, langen Spaziergängen und einem ersten Besuch im Torhaus.Dann – live während der Aufnahme – öffnet Sebastian seinen Spam-Filter und findet dort die Ergebnisse seiner KI-gestützten Hautkrebsvorsorge aus Episode 8: Entwarnung, keine exzisionsbedürftigen Naevi. Das Ergebnis bietet den Übergang zu einem deutlich größeren Thema: der Artemis-2-Mission. Seit dem 2. April 2026 umrunden vier Astronauten – Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und der erste Kanadier im Mondflug, Jeremy Hansen – den Mond. Mit 406.778 Kilometern Entfernung haben sie den Apollo-13-Rekord gebrochen. Dazu: Jim Lovells Zitat über das Paradies, das wir bereits bewohnen, und Hans Blumenbergs Gedanke, dass die Vertreibung aus demselben womöglich noch gar nicht abgeschlossen sei.Ein FAZ-Artikel gibt den Anstoß für das nächste Thema: Gen-Z-Nostalgie für die 90er Jahre, die auf TikTok unter dem Tag »Mom, what was the 90s like?« kursiert (ohne dass die Nostalgikerinnen das Jahrzehnt erlebt hätten). Sebastian hatte die 90er im früheren Podcast »Per Album durch die Galaxis« einmal als das freieste Jahrzehnt bezeichnet. Die Gegenfrage liegt nahe: Was wird man in dreißig Jahren über die 2020er sagen? Sebastians Antwort: »Anstrengend.« Und dann, nach kurzem Zögern: vielleicht das Jahrzehnt, in dem man in eine neue Form des Autoritarismus abgeglitten sei.Daran schließt sich einer der philosophisch dichtesten Momente der Episode an. Nico stellt den Begriff »Pleonexie« vor, den er bei Arnold Gehlen entdeckt hat, den dieser wiederum von Max Scheler nimmt, der sowohl Habgier als auch die Gier nach Meinung bezeichnet: den Drang, trotz mangelnder Sachkenntnis überall mitzureden. Gehlen versus Habermas, Meinungsselbstherrlichkeit versus gelebte Demokratie, Querdenker und dann auch noch ein schwebendes Nutella-Glas nebst NASA-Fotos, die die KI als mögliche Fälschung einschätzt.Dann erneut: Die Straße von Hormuz. Diese trägt eine zweitausendjährige Geschichte als umkämpftes Nadelöhr – Portugiesen, Holländer, Perser, Briten, heute Iran und USA. »Nichts Neues unter der Sonne«, sagt Nico, ohne es gutzuheißen. Der letzte Öltanker ist an diesem Aufnahmetag in Rotterdam eingelaufen. Danach kein Öl mehr aus dem Persischen Golf. Es folgen E-Autos, chinesische Schnellladetechnik und der Traum vom Autobatterietausch wie bei einer Taschenlampe.Ganz am Ende, ganz organisch: das Lob des Ausgedruckten. Nico druckt Artikel aus, annotiert sie mit der Hand und überträgt die Notizen anschließend ins digitale Zettelkasten-System. Das Analoge als Durchgangsstation zum Digitalen. Die Multioptionsgesellschaft als letztes verbliebenes Paradies. Blumenberg hatte recht.⸻Aufnahmedatum: 10. April 2026Intro- & Outro-Musik: »Dark Girl« von Elijah_K, https://pixabay.com/music/beats-dark-girl-280133/
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#9 – Pleonexie, Paradiese und Planetenblicke – Vom Sauerland bis hinter den Mond
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