EPISODE · Aug 31, 2025 · 3 MIN
Also sprach Zarathustra - Teil 4 - Kapitel 75-77 - Das Lied der Schwermuth - Von der Wissenschaft - Unter Töchtern der Wüste
from Friedrich Nietzsche Podcast in Deutsch · host Chris Longliveenduro
Das Lied der Schwermuth Untertitel: Die Verführung durch die romantische MelancholieGeschichte: Nachdem Zarathustra die Höhle verlassen hat, nutzt der alte Zauberer die Gelegenheit, die höheren Menschen mit einem schwermütigen Lied auf seiner Harfe zu verzaubern. Das Lied beklagt das Schicksal des Dichters und Wahrheitssuchers, der verbannt sei von aller Wahrheit und nur "Narr" und "Dichter" sein könne. Die Gäste verfallen der melancholischen Stimmung. Der "Gewissenhafte des Geistes" durchschaut jedoch den Trug, reißt dem Zauberer die Harfe weg und ruft nach Zarathustra und "guter Luft".Aussage: Die Schwermut ist eine verführerische Gefahr, besonders für die "höheren Menschen". Der Zauberer repräsentiert die romantische, selbstmitleidige Kunst, die das Leiden verherrlicht und den Geist in einem "Gefängnis" der Melancholie gefangen hält. Dagegen steht die Forderung nach Klarheit, Stärke und einer "guten Luft" des freien Geistes.Von der Wissenschaft Untertitel: Furcht als Ursprung der Wissenschaft und Mut als wahre VorgeschichteGeschichte: Der Gewissenhafte des Geistes hält eine Rede, in der er erklärt, dass er nach Sicherheit suche, während die anderen die Unsicherheit lieben. Er stellt die These auf, dass Wissenschaft aus der Furcht – insbesondere der Furcht vor dem "inneren Vieh" – entstanden sei. Zarathustra kehrt zurück, wirft ihm Rosen zu und stellt seine "Wahrheit" auf den Kopf: Nicht Furcht, sondern Muth sei des Menschen ganze Vorgeschichte. Der Mensch wurde erst zum Menschen, indem er den wildesten Tieren ihre Tugenden (ihren Mut) abgeneidet und abgeraubt hat.Aussage: Nietzsche widerspricht hier der Vorstellung, dass die Wissenschaft aus einem rein passiven Sicherheitsbedürfnis (Furcht) entsteht. Er stellt ihr einen aktiven, erobernden Impuls gegenüber: Der wahre menschliche Antrieb zur Erkenntnis ist der Mut, sich dem Unbekannten und Gefährlichen zu stellen und es zu beherrschen.Unter Töchtern der Wüste Untertitel: Die Sehnsucht nach einer leichten, unproblematischen WeltGeschichte: Der Wanderer und Schatten bittet Zarathustra zu bleiben, um die aufkommende Schwermut zu vertreiben. Er singt ein zweites Lied, das er einst "unter Töchtern der Wüste" gedichtet hat. Das Lied preist die Wüste und eine Oase mit den "allerliebsten Freundinnen" Dudu und Suleika. Es ist ein spielerisches, exotisches und sehnsüchtiges Lied nach einer leichten, unbeschwerten, "wolkenlosen" Welt, im Gegensatz zum schweren, zweifelsüchtigen Europa. Das Lied endet mit dem wiederkehrenden Refrain: "Die Wüste wächst: weh Dem, der Wüsten birgt!".Aussage: Das Lied drückt die Sehnsucht nach einer Flucht vor der Schwere und Komplexität des europäischen Geistes aus. Die "Wüste" ist hier doppeldeutig: Einerseits ist sie ein Ort der Reinheit und Klarheit, andererseits symbolisiert der Refrain das Wachsen des Nihilismus. Die "Töchter der Wüste" stehen für eine naive, unproblematische Existenz, die für den Denker eine Versuchung, aber keine Lösung ist.
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