EPISODE · May 16, 2026 · 1H 4M
♾️ Bottom-Up: Autistisch gut im Kontakt -mit allen Details
from EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus · host Mathias Küfner
In dieser Folge greifen wir ein früheres Thema auf und widersprechen der einfachen Vorstellung, Menschen im Autismus-Spektrum würden soziale Interaktion nur kognitiv „emulieren“. Wir beschreiben stattdessen die These, dass wir oft besonders stark mit sensorischen Eindrücken, inneren Zuständen und Kontexten verbunden sind, diese Eindrücke aber nicht einfach nach außen in allgemeine soziale Regeln übersetzen können. Wir stellen zwei grobe Denkweisen gegenüber: ein eher top-down geprägtes, neurotypisches Vorgehen und ein eher bottom-up geprägtes Vorgehen im neurodivergenten Bereich. Dabei erklären wir, dass wir häufig von vielen Details, Wahrnehmungen und Mustern ausgehen, diese analysieren und erst dann zu Schlussfolgerungen kommen. Das kann zu Konflikten mit abstrakten gesellschaftlichen Erwartungen führen, die wenig Rücksicht auf konkrete Situationen nehmen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die soziale und emotionale Selbstwahrnehmung. Wir beschreiben, dass wir komplexe, gleichzeitig vorhandene Gefühle und Körperempfindungen oft sehr differenziert wahrnehmen, diese aber im Alltag oder in Gesprächen auf pauschale Antworten reduzieren sollen. Genau diese Vereinfachung kann zu Missverständnissen, Maskierung und dem Gefühl führen, die eigene Wahrnehmung sei falsch. Zum Schluss ordnen wir das als mögliche Erklärung für Erschöpfung, Masking und Imposter-Gefühle ein. Wir betonen, dass wir uns in vielen Situationen ständig übersetzen und anpassen müssen, um in einem System mit abstrakten Regeln zu funktionieren, auch wenn unsere eigene Wahrnehmung deutlich komplexer ist.
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