Choose Your Filter! — Vom Forschungsprojekt zur Ausstellung (gpn24) episode artwork

EPISODE · Jun 5, 2026 · 55 MIN

Choose Your Filter! — Vom Forschungsprojekt zur Ausstellung (gpn24)

from Chaos Computer Club - recent audio-only feed · host Inge Hinterwaldner, Marc Schütze

Im selben Gebäude, in dem die GPN stattfindet, war 2025 die Ausstellung “Choose Your Filter!” zu sehen. Gezeigt wurden künstlerische Webbrowser aus drei Jahrzehnten, also Software, die selbst Kunstwerk und Anzeigeumgebung in einem ist. Der Ausstellung ging ein mehrjähriges Forschungsprojekt am KIT voraus, in dem solche Browser als eigenständige künstlerische Form untersucht wurden. Sie sind als Remix-Programme interpretierbar, sie situieren Nutzer*innen und formen mit, wie das Web durch sie hindurch wahrgenommen wird. Browser bestimmen, was sichtbar wird, in welcher Geschwindigkeit, Reihenfolge und Hierarchie. Damit sind sie Filter im wörtlichen Sinn, und Gegenstand sozio-politischer, ökonomischer und kultureller Fragen. Wenn solche softwarebasierten Werke überhaupt in den Blick genommen werden, beschränkt sich die Auseinandersetzung im akademischen Rahmen üblicherweise auf ihre Dokumentation, Beschreibung und Kontextualisierung der Arbeiten. Eine Ausstellung, die den Anspruch hegt, nicht (nur) Relikte zu zeigen, verlangt mehr: Dort sollen die Arbeiten wieder live erfahrbar sein, also tatsächlich laufen, in einem Raum, vor Publikum, über Monate hinweg — ohne Wartung im laufenden Betrieb und ohne technisches Personal, das im Zweifel eingreift. Damit verschiebt sich die Aufgabe grundsätzlich hin zu Reparatur und robuste Stabilisierung. Werke, die für eine bestimmte historische Konfiguration aus Browser, Plugin, Betriebssystem und Serverlandschaft geschrieben wurden, müssen in einer Gegenwart funktionieren, in der diese Konfiguration nicht mehr existiert, und sie müssen es selbständig tun: Crashes überstehen, Zustände zurücksetzen, mit unterschiedlichsten Besucher*inneninteraktion umgehen, fehlende Server kompensieren — alles ohne Hand am Gerät. Was im Forschungsprojekt eine Frage des Verstehens war, wird im Ausstellungsbetrieb eine Frage der Rekonstruktion und der autonomen Lauffähigkeit — konzeptuell, technisch und konservatorisch zugleich. Der Vortrag berichtet aus erster Hand davon, wie aus einem Forschungsvorhaben eine Ausstellung wurde: welche Entscheidungen kuratorisch fallen mussten, wie einzelne Werke wieder zum Laufen gebracht wurden, und welche Infrastruktur dabei entstanden ist, um Netzkunst aus mehreren Jahrzehnten parallel und stabil zu betreiben. Wir sprechen aus zwei Perspektiven — kunsthistorisch und museumstechnisch — über dasselbe Problem: was es heißt, Software, die selbst Kunstwerk ist, nicht nur zu beschreiben, sondern zu zeigen. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://cfp.gulas.ch/gpn24/talk/JQYNPX/

Im selben Gebäude, in dem die GPN stattfindet, war 2025 die Ausstellung “Choose Your Filter!” zu sehen. Gezeigt wurden künstlerische Webbrowser aus drei Jahrzehnten, also Software, die selbst Kunstwerk und Anzeigeumgebung in einem ist. Der Ausstellung ging ein mehrjähriges Forschungsprojekt am KIT voraus, in dem solche Browser als eigenständige künstlerische Form untersucht wurden. Sie sind als Remix-Programme interpretierbar, sie situieren Nutzer*innen und formen mit, wie das Web durch sie hindurch wahrgenommen wird. Browser bestimmen, was sichtbar wird, in welcher Geschwindigkeit, Reihenfolge und Hierarchie. Damit sind sie Filter im wörtlichen Sinn, und Gegenstand sozio-politischer, ökonomischer und kultureller Fragen. Wenn solche softwarebasierten Werke überhaupt in den Blick genommen werden, beschränkt sich die Auseinandersetzung im akademischen Rahmen üblicherweise auf ihre Dokumentation, Beschreibung und Kontextualisierung der Arbeiten. Eine Ausstellung, die den Anspruch hegt, nicht (nur) Relikte zu zeigen, verlangt mehr: Dort sollen die Arbeiten wieder live erfahrbar sein, also tatsächlich laufen, in einem Raum, vor Publikum, über Monate hinweg — ohne Wartung im laufenden Betrieb und ohne technisches Personal, das im Zweifel eingreift. Damit verschiebt sich die Aufgabe grundsätzlich hin zu Reparatur und robuste Stabilisierung. Werke, die für eine bestimmte historische Konfiguration aus Browser, Plugin, Betriebssystem und Serverlandschaft geschrieben wurden, müssen in einer Gegenwart funktionieren, in der diese Konfiguration nicht mehr existiert, und sie müssen es selbständig tun: Crashes überstehen, Zustände zurücksetzen, mit unterschiedlichsten Besucher*inneninteraktion umgehen, fehlende Server kompensieren — alles ohne Hand am Gerät. Was im Forschungsprojekt eine Frage des Verstehens war, wird im Ausstellungsbetrieb eine Frage der Rekonstruktion und der autonomen Lauffähigkeit — konzeptuell, technisch und konservatorisch zugleich. Der Vortrag berichtet aus erster Hand davon, wie aus einem Forschungsvorhaben eine Ausstellung wurde: welche Entscheidungen kuratorisch fallen mussten, wie einzelne Werke wieder zum Laufen gebracht wurden, und welche Infrastruktur dabei entstanden ist, um Netzkunst aus mehreren Jahrzehnten parallel und stabil zu betreiben. Wir sprechen aus zwei Perspektiven — kunsthistorisch und museumstechnisch — über dasselbe Problem: was es heißt, Software, die selbst Kunstwerk ist, nicht nur zu beschreiben, sondern zu zeigen. Licensed to the public under https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/ about this event: https://cfp.gulas.ch/gpn24/talk/JQYNPX/

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Breaking News Show | eTurboNews Juergen Thomas Steinmetz News is relevant to the global travel and tourism industry, human rights and global issues.Breaking news when it happens and only from the source. That Hoarder: Overcome Compulsive Hoarding That Hoarder Hoarding disorder is stigmatised and people who hoard feel vast amounts of shame. This podcast began life as an audio diary, an anonymous outlet for somebody with this weird condition. That Hoarder speaks about her experiences living with compulsive hoarding, she interviews therapists, academics, researchers, children of hoarders, professional organisers and influencers, and she shares insight and tips for others with the problem. Listened to by people who hoard as well as those who love them and those who work with them, Overcome Compulsive Hoarding with That Hoarder aims to shatter the stigma, share the truth and speak openly and honestly to improve lives. HOMELAND HOMELAND The Church is a body not a building. It's the bride of Jesus Christ! Jesus is coming back for a mature bride. That means it's time for the church of Jesus Christ to move from milk to meat. This is the hour of maturity!HOMELAND is an announcement that the church is being set free. Only the church has the ability to transform the world. The kingdom's of this world will become the kingdoms of our Lord and Savior!All of creation has been waiting for this moment! Sons and daughters of God are rising up and taking their seat! LIGHTS, CAMERA, SMILE! Creatives Club Media Lights, Camera, Smile, is a podcast for anyone with a dream to share something with the world, out of the overflow of themselves - be it their mind, their heart, their personalities, and much more. Each of us are alive in this moment in time, with an innate ability to have ideas and create various things to benefit both ourselves and the people around us for a reason, and here, you will find the encouragement, the inspiration, and the motivation to do just that. Hosted by Cicily, founder of Creatives Club, she dives into various topics surrounding creativity and business. Exploring entrepreneurship for creatives in a corporate reality, sharing tips and tricks in a media centered company, answering questions regarding what a creative actually is are just a few of the things discussed on this podcast. Be encouraged to create for yourself as Cicily gets vulnerable by pivoting the camera to herself for the first time.To submit questions for Cicily to answer, or have her address certain t

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This episode was published on June 5, 2026.

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