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EPISODE · Apr 8, 2026 · 40 MIN

Das System kippt! Wie Hausarzt-Praxen gerade funktionieren | Dr. Andrea Morawe

from LandMEDchen

Was passiert eigentlich hinter den Kulissen einer Hausarztpraxis? Wie läuft die Abrechnung ab, womit verdienen Ärzt:innen ihr Geld – und wie viel Zeit bleibt wirklich für die einzelnen Patient:innen?Diesen Fragen geht Dr. Andrea Morawe in einer neuen Folge von „LandMEDchen“ nach. Ihre Einschätzung ist dabei klar: Das derzeitige System gerät zunehmend ins Wanken. Die Diskussionen darüber sind oft emotional aufgeladen – umso wichtiger ist es ihr, sowohl Ärzt:innen eine Stimme zu geben als auch Patient:innen transparent zu erklären, wie der Praxisalltag tatsächlich funktioniert.Ein zentrales Thema dabei sind die steigenden Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung. Um dem entgegenzuwirken, wurde die Finanzkommission Gesundheit ins Leben gerufen. Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen unter anderem eine Steuer auf Tabak und Alkohol sowie eine Zuckersteuer. Für Andrea ist das einer der wenigen Ansätze, die sie als sinnvoll bewertet.Um das Ganze besser einordnen zu können, lohnt sich ein Blick auf das GKV-System – denn darüber generieren Ärzt:innen den Großteil ihrer Einnahmen, etwa 80 bis 95 Prozent. Sobald Patient:innen einmal pro Quartal ihre Gesundheitskarte einlesen lassen, entsteht ein sogenannter Abrechnungsschein. Hinter jeder Leistung steht ein Punktwert, der in einen Geldbetrag umgerechnet wird. Gleichzeitig ist jede Leistung mit einer festen Prüfzeit verknüpft.Die Kassenärztliche Vereinigung gibt vor, wie viele Stunden Ärzt:innen pro Tag und pro Quartal abrechnen dürfen. Wird diese Zeit überschritten, entsteht schnell der Eindruck, dass Leistungen nicht ordnungsgemäß erbracht wurden. Medizin wird also nicht nur nach Inhalt, sondern auch nach Zeit bewertet.Ein Beispiel: Bei chronisch kranken Patient:innen kann eine Chronikerziffer angesetzt werden. Diese erhöht die kalkulierte Behandlungszeit um 18 Minuten und bringt eine zusätzliche Vergütung von 16,56 Euro. In der Realität reicht diese Zeit jedoch oft nicht aus.Gerade ältere Patient:innen benötigen häufig deutlich mehr Aufmerksamkeit. Sie kommen mehrfach im Quartal, ihre Krankheitsbilder sind komplexer, und selbst einfache Abläufe wie das An- und Auskleiden können viel Zeit in Anspruch nehmen. Hinzu kommt die Abstimmung mit Angehörigen.Umso wichtiger ist ein gut eingespieltes Team. Andrea betont, wie sehr sie davon profitiert, Aufgaben delegieren zu können, um sich auf die medizinischen Entscheidungen zu konzentrieren.Viele Menschen gehen davon aus, dass Ärzt:innen jede erbrachte Leistung direkt bezahlt bekommen. Dieses Prinzip gilt im System der privaten Krankenversicherung, im GKV-System jedoch nur eingeschränkt. Die tatsächlich investierte Zeit übersteigt häufig die abrechenbare Zeit – diese Differenz bleibt unvergütet.Dabei passt Verantwortung nicht in starre Zeitfenster. Gute Medizin entsteht häufig trotz der bestehenden Rahmenbedingungen – nicht aufgrund dieser.Ein weiterer kritischer Punkt ist die Budgetierung. In vielen Fachbereichen sind Leistungen gedeckelt. Werden mehr Patient:innen behandelt, als das Budget vorsieht, erfolgt keine zusätzliche Bezahlung. In der hausärztlichen Versorgung gab es zwar ab Oktober 2025 eine teilweise Entbudgetierung, doch deren Auswirkungen werden sich erst verzögert zeigen, da Abrechnungen zeitlich nachgelagert erfolgen.Auch wirtschaftlich spitzt sich die Lage zu. Aktuelle Zahlen des Zentralinstituts zeigen ein Defizit von minus 13,3 Prozent. Gleichzeitig steigen die Kosten weiter – insbesondere für Personal und Mieten. Andrea betont ausdrücklich, dass höhere Gehälter für Mitarbeitende absolut gerechtfertigt sind. Ihr Ziel bleibt es, qualitativ hochwertige Medizin anzubieten und die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern.Ein zusätzliches Problem zeigt sich im Vergleich zur Klinik: Dort sind die Gehälter oft attraktiver. Das erschwert es, junge Ärzt:innen für die Niederlassung zu gewinnen. Die Frage stellt sich also: Wie kann Selbstständigkeit im ambulanten Bereich attraktiv bleiben?Ärzt:innen treten an, um Menschen zu helfen. Oft wird dabei auch auf den ärztlichen Eid verwiesen. Doch dieser ersetzt keine wirtschaftliche Grundlage. Die Herausforderung liegt nicht im fehlenden Engagement – sondern in einem System, das aus dem Gleichgewicht geraten ist.Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ ZumPodcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen ZumPodcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu ZumPodcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s

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This episode was published on April 8, 2026.

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Was passiert eigentlich hinter den Kulissen einer Hausarztpraxis? Wie läuft die Abrechnung ab, womit verdienen Ärzt:innen ihr Geld – und wie viel Zeit bleibt wirklich für die einzelnen Patient:innen?Diesen Fragen geht Dr. Andrea Morawe in einer...

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