Die Therapeutische Gesellschaft episode artwork

EPISODE · Mar 13, 2025 · 30 MIN

Die Therapeutische Gesellschaft

from Kulturleben · host Leibold, Christoph

Wir müssen uns zentrieren oder klare Grenzen setzen, oft geht es um "mental load", wir werden getriggert, die Kinder in der Schule werden gemobbt. Die Beziehung ist "toxisch" oder es geht um Menschen, deren "red flags" vorab bereits erkennbar waren. Wir erstellen uns Diagnosen, ADHS, PTBS, Depression, Angststörung. Wir alle sind verstrickt und unglaublich zerbrechlich. Soziologen sprechen von der therapeutischen Gesellschaft. Tatsächlich hat die Sprache der Therapeuten lange Zeit die Populärkultur überschwemmt: Begriffe wie "Hysterie", "Kriegsneurose" und das "innere Kind" spiegeln die psychoanalytischen Ansätze ihrer Zeit wider. Vor allem Freud überhäufte die westliche Literatur mit heute gebräuchlichen Ausdrücken: Verdrängung, Todeswunsch, Versprecher, Verleugnung, Übertragung. Mit dem Boom der Therapiebegriffe in der Sprache geht einher, dass die psychische Gesundheit der Menschen rückläufig ist. In Deutschland sind jedes Jahr 27,8 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das entspricht rund 17,8 Millionen betroffenen Personen. Nach Covid stiegen Depressionen und Angstzustände insbesondere bei jungen Menschen an. Das wachsende Bewusstsein für psychische Erkrankungen könnte die Zahlen noch weiter in die Höhe treiben. Das Problem mit eiligen Diagnosen oder dem, was heute als "Instagram-Therapie" gilt, besteht darin, dass sie einen zutiefst relationalen und kontextuellen Prozess in etwas Ich-Bezogenes verwandeln kann, so als ob es immer darum ginge: "Ich bin die wichtigste Person, und ich muss mich um mich selbst kümmern." Oft werden banalsten Umständen scheinpsychologische Diagnosen übergeworfen. Der Boom von Mental Health verrät große Sehnsucht nach Selbsterforschung und Selbstbeschreibung. Er deutet zudem darauf hin, dass psychische Probleme nicht mehr tabuisiert werden, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen und von Scham befreit sind. Im Perspektivwechsel sprechen wir mit der Linguistin Susanne Kabatnik und der Kultursoziologin Sarah Pritz über therapeutisches Sprechen und die Emotionsgesellschaft.

Episode metadata supplied by the publisher feed · Published Mar 13, 2025

Wir müssen uns zentrieren oder klare Grenzen setzen, oft geht es um "mental load", wir werden getriggert, die Kinder in der Schule werden gemobbt. Die Beziehung ist "toxisch" oder es geht um Menschen, deren "red flags" vorab bereits erkennbar waren. Wir erstellen uns Diagnosen, ADHS, PTBS, Depression, Angststörung. Wir alle sind verstrickt und unglaublich zerbrechlich. Soziologen sprechen von der therapeutischen Gesellschaft. Tatsächlich hat die Sprache der Therapeuten lange Zeit die Populärkultur überschwemmt: Begriffe wie "Hysterie", "Kriegsneurose" und das "innere Kind" spiegeln die psychoanalytischen Ansätze ihrer Zeit wider. Vor allem Freud überhäufte die westliche Literatur mit heute gebräuchlichen Ausdrücken: Verdrängung, Todeswunsch, Versprecher, Verleugnung, Übertragung. Mit dem Boom der Therapiebegriffe in der Sprache geht einher, dass die psychische Gesundheit der Menschen rückläufig ist. In Deutschland sind jedes Jahr 27,8 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Das entspricht rund 17,8 Millionen betroffenen Personen. Nach Covid stiegen Depressionen und Angstzustände insbesondere bei jungen Menschen an. Das wachsende Bewusstsein für psychische Erkrankungen könnte die Zahlen noch weiter in die Höhe treiben. Das Problem mit eiligen Diagnosen oder dem, was heute als "Instagram-Therapie" gilt, besteht darin, dass sie einen zutiefst relationalen und kontextuellen Prozess in etwas Ich-Bezogenes verwandeln kann, so als ob es immer darum ginge: "Ich bin die wichtigste Person, und ich muss mich um mich selbst kümmern." Oft werden banalsten Umständen scheinpsychologische Diagnosen übergeworfen. Der Boom von Mental Health verrät große Sehnsucht nach Selbsterforschung und Selbstbeschreibung. Er deutet zudem darauf hin, dass psychische Probleme nicht mehr tabuisiert werden, sondern in der Mitte der Gesellschaft angekommen und von Scham befreit sind. Im Perspektivwechsel sprechen wir mit der Linguistin Susanne Kabatnik und der Kultursoziologin Sarah Pritz über therapeutisches Sprechen und die Emotionsgesellschaft.

PodParley-generated summary based on available episode metadata and transcript content.

NOW PLAYING

Die Therapeutische Gesellschaft

0:00 30:29

No transcript for this episode yet

We transcribe on demand. Request one and we'll notify you when it's ready — usually under 10 minutes.

Kulturkiosk Onetz.de Hereinspaziert in den Kulturkiosk! Alle zwei Wochen – immer donnerstags – öffnen Kira, Lisa und Maria hier die Türen zu Musik, Kunst, Theater, Literatur und allem, was das Kulturleben in der Oberpfalz sonst noch bunt und spannend macht.Impressum:https://www.onetz.de/impressum/ Vorstandssitzung Bühnen & Orchester der Stadt Bielefeld Die Bielefelder Philharmoniker feiern ihr 125jähriges Jubiläum – und nehmen das Publikum so nah mit hinter die Kulissen wie noch nie. Im Podcast sprechen Konzertmeisterin Katrin Adelmann und Solo-Trompeter Manuel Viehmann mit Musikerinnen und Musikern aus dem Orchester: über Leidenschaft und Lampenfieber, Proben, Pausen und persönliche Lebenswege. Wie entsteht Klang im Team? Was macht den Alltag eines Orchesters aus? Und wer sind die Menschen, die Abend für Abend auf der Bühne stehen und im Orchestergraben sitzen?Humorvoll, ehrlich und lebendig – hier gibt es spannende Einblicke in den Orchesterberuf, Anekdoten aus dem Musikleben und Geschichten, die man im Konzertsaal nie hört. Perfekt für alle, die klassische Musik lieben, neugierig auf das Bielefelder Kulturleben sind oder einfach wissen wollen, was hinter den Kulissen der Philharmoniker passiert.© Foto: Gernot Kaspersetz© Intro-Musik: Herb Alpert – Carmen Der MuTh Podcast MuTh Der Podcasts mit spannenden, witzigen und informativen Geschichten aus dem MuTh, rund um die Themen Musik und das Wiener Kulturleben Kulturfrequenzen Jonas Urbat Kulturfrequenzen macht das Kulturleben im Landkreis Rottweil hörbar.Host Jonas – Musikproduzent und Klangkünstler – spricht mit Menschen, die hier Kultur gestalten: über ihre Arbeit, das, was sie antreibt, ihre Hoffnungen und Visionen. Wir hören genau hin – nicht nur zwischen die Zeilen, sondern auch in die Räume und Werkstätten, in denen Kultur lebendig wird. Aus den vor Ort gesammelten Klangaufnahmen entsteht der Soundtrack jeder Folge.Am Ende jeder Episode gibt es den Infoblock: Ankündigungen für Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Theater, Festivals und mehr – direkt aus der Region.Mitmachen ist ausdrücklich erwünscht: Schickt eure Ankündigung als maximal 30-sekündige Sprachnachricht an +49 1575 5457455 (WhatsApp oder Telegram).Kulturfrequenzen ist Teil des Projekts „Kultur verbindet“, für das der Landkreis Rottweil im Bundesprogramm Aller.Land ausgewählt und gefördert wurde.

Frequently Asked Questions

How long is this episode of Kulturleben?

This episode is 30 minutes long.

When was this Kulturleben episode published?

This episode was published on March 13, 2025.

What is this episode about?

Wir müssen uns zentrieren oder klare Grenzen setzen, oft geht es um "mental load", wir werden getriggert, die Kinder in der Schule werden gemobbt. Die Beziehung ist "toxisch" oder es geht um Menschen, deren "red flags" vorab bereits erkennbar waren....

Can I download this Kulturleben episode?

Yes, you can download this episode by clicking the download button on the episode player, or subscribe to the podcast in your preferred podcast app for automatic downloads.
URL copied to clipboard!