EPISODE · Jul 31, 2026 · 1H 1M
Dieser Prozess bringt ihm 60% seines Umsatzes | Interview mit Avelino Nhalungo
from Handwerks-Schmiede Realtalk · host Liborio Manciavillano
60 bis 80 Stunden pro Woche, tagsüber Baustelle und danach noch Büro. Dazu Kundentermine, Angebote, Vertrieb, Mitarbeiterfragen – und sämtliche Informationen über den Betrieb in den Notizen seines Handys. Avelino hatte seinen Malerbetrieb selbst aufgebaut. Doch mit jedem neuen Mitarbeiter kamen weitere Fahrzeuge, Werkzeuge, Kosten, Baustellen und Entscheidungen dazu. Am Ende lief nahezu jede Schnittstelle über ihn. Der Betrieb funktionierte, aber der psychische Druck wurde immer größer. Im Realtalk mit Daniel erzählt Avelino, warum er irgendwann an dem Punkt war, an dem er sich fragte, wie lange er dieses Arbeitspensum noch durchhalten kann. Denn weniger zu arbeiten war gar nicht sein eigentliches Ziel. Er wollte weiterhin anpacken – aber selbst entscheiden können, woran er arbeitet. Gemeinsam mit Svenja hat er den Betrieb innerhalb eines Jahres komplett neu aufgestellt. Aufgabenbereiche wurden klar getrennt, Abläufe vom ersten Kundenkontakt bis zur Rechnung festgelegt und Trello wurde zur zentralen Übersicht im Büro. Heute konzentriert sich Avelino dort hauptsächlich auf Angebote und Vertrieb. Auf die Baustelle geht er nicht mehr, weil er muss, sondern weil er es möchte oder sein Team bewusst unterstützen will. In der Folge geht es auch um die Entscheidungen, die viele Inhaber zu lange vor sich herschieben. Aus einer Führung auf Kumpelbasis wurden klare Regeln für alle. Avelino spricht offen über vier Kündigungen, verbindliche Standards und ein Firmenhandbuch in einem kleinen Team. Denn klare Abläufe sind nicht erst dann notwendig, wenn ein Betrieb 40 Mitarbeiter hat. Die Probleme beginnen bereits mit dem ersten Wachstumsschritt. Dabei wurden die Mitarbeiter nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie wurden transparent eingebunden, kennen die Ziele des Betriebs und wissen, welche Linie für alle gilt. Gute Mitarbeiter profitieren davon, wenn Baustellenvorbereitung, Material, Verantwortung und Kommunikation nicht jeden Tag neu ausgehandelt werden müssen. Auch nach außen hat sich der Betrieb verändert. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Google-Bewertungen von rund 21 auf 85. Nach Avelinos Einschätzung übernehmen diese Bewertungen heute bereits 50 bis 60 Prozent seines Vertriebs. Kunden sehen vor dem ersten Gespräch echte Projekte, Bilder und Erfahrungen und wissen, wofür der Betrieb steht. Avelino erklärt außerdem, warum er nicht mehr jeden Auftrag um jeden Preis haben möchte. Der Betrieb steht für saubere Abläufe, hochwertige Materialien und eine verlässliche Projektabwicklung. Dafür braucht es Kunden, die genau diese Qualität suchen – und einen Unternehmer, der sich nicht für jeden Auftrag verbiegt. Diese Folge ist für Handwerksunternehmer, die tagsüber auf der Baustelle stehen, abends Angebote schreiben und morgens schon darüber nachdenken, was im Betrieb wieder alles an ihnen hängen bleibt. Das Ziel ist nicht, möglichst wenig zu arbeiten. Das Ziel ist, nicht länger der Gefangene im eigenen Betrieb zu sein.
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