EPISODE · Dec 18, 2019 · 1 MIN
Ein Atemzug in der Stille zwischen Regentagen
from Zettel und Zeilen · host Kerim Mallée
Das zweitschlimmste ist, im Fahrstuhl festzusitzen und nicht zu wissen, wie man die Musik ausstellt. Das schlimmste ist, wenn man es irgendwann hinbekommt und dann merkt, dass man sie vermisst. Je näher du dem Kern kommst, desto mehr häufen sich die Fragen und selbst die ehrlichsten Seelen kommen mit ihren Geständnissen nicht mehr hinterher. Das Kissen kann nur so lange deine Tränen schlucken, bis du wieder Atem holen musst. Die Luft riecht nach Benzin und Wechselspannung in dieser hässlich schönen Welt. Es gibt Tage, da scheint mir die Welt voller Geheimnisse zu sein: In den Schubladen alter Kommoden, in den Taschen schmutziger Mäntel und in der Blumenerde im Vorgarten schlummern sie und warten darauf, ausgegraben zu werden. Je mehr die Oberfläche splittert, desto mehr kommen unsere wahren Qualitäten zum Vorschein. Und unsere Stimmen sprechen Wahrheit. Musik. Ein Echo, das durch die Täler hallt, dass ein Beben um die Erde wandert, als würde die Welt in Wehen liegen. Das die Wolken kitzelt und der Regen fällt und fängt den Staub toter Sprachen, die Erinnerungen an verschenkte Küsse, den Salzgeruch des Meeres und noch in 70 Jahren, werden die Alten davon reden, wie deine Worte auf die Felder fielen und von der Ernte ihres Lebens. Kerim Mallée
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