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Oct 3, 2021 4 min

Fernreise

from Schlockback Hörbuch und Poetry

Fernreise Karg und kalt ist dieses Zimmer. Nur Du in diesem Bett und ich auf diesem immer härter werdenden Stuhl. Dann noch diese unendlichen Schläuche, die von irgendwelchen Beuteln und blinkenden sowie piependen Geräten ausgehend irgendwo in Deinem Körper enden. Nicht einmal ein Fenster ist in diesem Raum, in dem Du Deinen letzten Atem aushauchen wirst. Nur eine Neonröhre, an der bestimmt irgendwann mal weiß gewesenen Decke, spendet das notwendige, wenn auch unsagbar kalte Licht, damit wir uns sehen können. Selbst jetzt, wo Du so schwach bist, dass Du nicht mal mehr sprechen kannst, lächelst Du mich, in den wenigen Sekunden, die Du noch wach bist, an, während Deine müden Augen direkt auf mein Gesicht gerichtet sind. Diese Augen, deren Blick stets so unstetig und gehetzt war, reisen jetzt bald zusammen mit Dir ins Jenseits, ohne im Diesseits jemals wirklich angekommen zu sein. Zuhause war für Dich nie ankommen sondern immer rastlos unterwegs zu sein. Dabei hast Du nie nach hinten geblickt und bist nie heimgekehrt. Alles was ich über das Land weiß aus dem Du geflohen bist, weiß ich aus den Medien. Du hast nie von Deiner Heimat erzählt. Worte waren auch nicht nötig, die unzähligen Narben Deines Körpers sprachen für sich. Mehrere davon waren Schusswunden. Es waren Waffen und Munition „Made in Germany“, die damals Deinen Körper durchsiebt und fast tödlich verletzt haben. Und doch endete Deine Flucht ausgerechnet in diesem Land und Du hast mich, einen Deutschen, zum Mann genommen. Du hast nie erzählt, wie schwer sie es Dir gemacht haben Dich hier zu integrieren, in diesem Land, dessen Wohlstand auch darauf basiert, dass seine Rüstungskonzerne boomen. Und obwohl Dein Körper Bände davon sprechen konnte, welch immensen Schaden dieser Boom anrichten kann, hat Dir dieser Staat Dein dauerhaftes Bleiberecht lange verwehrt. Letzten Endes war es unsere Eheschließung, die Deinen fortwährenden Aufenthalt hier legitimiert hat. Es gibt heute noch Leute, die mal mehr, mal weniger deutlich zum Ausdruck bringen, dass Du hier nichts zu suchen hast und dahin zurückkehren sollst, wo Du hergekommen bist. Du bist geblieben. Hier bei mir. Und so kommt es, dass wir jetzt in diesem kargen kalten Zimmer beisammen sind. Ich sehe seit Wochen dabei zu, wie Du immer weniger wirst und das Leben aus Dir weicht. Mit jedem Deiner, immer schwächer werdenden Atemzüge, kommst Du unausweichlich dem Ende des irdischen Daseins näher. Du hast so lange gekämpft. Warst so mutig und unendlich stark. Doch jetzt schwinden Deine Kräfte und Du hast den imaginären Koffer mit all den Erinnerungen Deines Lebens bereits für diese letzte Reise gepackt. Du wirst diese Welt verlassen, und somit auch mich. Ich muss Dich loslassen und bleibe hier zurück. Ohne Dich. Ich bin der, der lebt und weine. <p style="margin-b

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