Folge 1150: MEN - Wir Männer sind die Monster episode artwork

EPISODE · Aug 8, 2022 · 11 MIN

Folge 1150: MEN - Wir Männer sind die Monster

from SchönerDenken FilmPodcast · host Johanna, Tom und Thomas

Regisseur Alex Garland rechnet mit seinen Geschlechtsgenossen ab: In MEN befreit sich Harper Marlowe (großartig: Jessie Buckley) aus ihrer abusiven Beziehung und Ehe. Ihr vor der Trennung stehende Ehemann James schlägt sie, entwendet ihr Smartphone und stürzt vor ihren Augen in den Tod – es bleibt offen, ob er sich umbringen wollte oder einfach beim Versuch bei ihr einzubrechen abgestürzt ist. Harper flieht aufs Land – aber sie nimmt das Trauma mit und das, was die patriarchale Gesellschaft den Frauen in dieser Situation mitgibt: Hättest Du nicht mehr Verständnis haben müssen? Wenn Du nicht auf die Trennung bestanden hättest, würde Dein Mann noch leben. Du trägst Schuld.Ihr Trauma projeziert sich in jeden Mann, denn sie in ihrem Rückzugsort auf dem Land trifft: Jeder Mann sieht irgendwie gleich aus: Der kauzige, zu Beginn sehr freundliche Vermieter, der verständnislose Polizist, der trotzige, aggressive Junge, der lüsterne Priester und ein rätselhafter, nackter Waldmann – alle sehen aus wie Rory Kinnear. Und über kurz oder lang werden sie alle zu einer tödlichen Bedrohung für Harper, zu einer sich selbst wiedergebärenden Monstermaschine. Vor der Leinwand weiß man nicht, was einen mehr erschreckt: die egomanische Selbstgerechtigkeit des toxischen Ehemannes, die ekelerregende Lüsternheit des Pfarrers, der alle Frauen als verführende Huren beschimpft, oder der kalte Sadismus des Jungen.Alex Garland verzichtet auf jede Subtilität: Wir Männer sind alle gleich, wir unterscheiden uns nur in Art und Ausmaß der Bedrohung – das ist die Botschaft, die er mit der Wucht eines Vorschlaghammers an unsere Tür nagelt. Dabei ist die Mischung aus fast schon poetischen Bildern, Beziehungsdiskussionen, wohlgesetzten Schockelementen und blutigem Horror einzigartig. Als männlicher Zuschauer flüchtet man sich in die Gewissheit, selbst kein Täter und kein Monster zu sein. Aber wir Männer können selbst überhaupt nicht beurteilen, ob wir vielleicht nicht doch durch Rücksichtslosigkeit, durch Anstarren, durch passiv-aggressiven Druck, durch die Verweigerung von Care-Arbeit, emotionale Erpressung oder das Ausnutzen männlicher Privilegien doch Täter und eine Bedrohung sind.Im Podcast direkt nach dem Kino sieht Johanna schon relativ klar, Thomas ist noch lange nicht sortiert und Tom hat es früh schon aus der Kurve getragen.Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0Quelle: SchönerDenkenBild © Koch Films 2022Musik von Johannes KlanMenUK, 2022, 100 Min., Regie: Alex Garland

Regisseur Alex Garland rechnet mit seinen Geschlechtsgenossen ab: In MEN befreit sich Harper Marlowe (großartig: Jessie Buckley) aus ihrer abusiven Beziehung und Ehe. Ihr vor der Trennung stehende Ehemann James schlägt sie, entwendet ihr Smartphone und stürzt vor ihren Augen in den Tod – es bleibt offen, ob er sich umbringen wollte oder einfach beim Versuch bei ihr einzubrechen abgestürzt ist. Harper flieht aufs Land – aber sie nimmt das Trauma mit und das, was die patriarchale Gesellschaft den Frauen in dieser Situation mitgibt: Hättest Du nicht mehr Verständnis haben müssen? Wenn Du nicht auf die Trennung bestanden hättest, würde Dein Mann noch leben. Du trägst Schuld.Ihr Trauma projeziert sich in jeden Mann, denn sie in ihrem Rückzugsort auf dem Land trifft: Jeder Mann sieht irgendwie gleich aus: Der kauzige, zu Beginn sehr freundliche Vermieter, der verständnislose Polizist, der trotzige, aggressive Junge, der lüsterne Priester und ein rätselhafter, nackter Waldmann – alle sehen aus wie Rory Kinnear. Und über kurz oder lang werden sie alle zu einer tödlichen Bedrohung für Harper, zu einer sich selbst wiedergebärenden Monstermaschine. Vor der Leinwand weiß man nicht, was einen mehr erschreckt: die egomanische Selbstgerechtigkeit des toxischen Ehemannes, die ekelerregende Lüsternheit des Pfarrers, der alle Frauen als verführende Huren beschimpft, oder der kalte Sadismus des Jungen.Alex Garland verzichtet auf jede Subtilität: Wir Männer sind alle gleich, wir unterscheiden uns nur in Art und Ausmaß der Bedrohung – das ist die Botschaft, die er mit der Wucht eines Vorschlaghammers an unsere Tür nagelt. Dabei ist die Mischung aus fast schon poetischen Bildern, Beziehungsdiskussionen, wohlgesetzten Schockelementen und blutigem Horror einzigartig. Als männlicher Zuschauer flüchtet man sich in die Gewissheit, selbst kein Täter und kein Monster zu sein. Aber wir Männer können selbst überhaupt nicht beurteilen, ob wir vielleicht nicht doch durch Rücksichtslosigkeit, durch Anstarren, durch passiv-aggressiven Druck, durch die Verweigerung von Care-Arbeit, emotionale Erpressung oder das Ausnutzen männlicher Privilegien doch Täter und eine Bedrohung sind.Im Podcast direkt nach dem Kino sieht Johanna schon relativ klar, Thomas ist noch lange nicht sortiert und Tom hat es früh schon aus der Kurve getragen.Text und Podcast stehen unter der Creative Commons-Lizenz BY-NC-ND 4.0Quelle: SchönerDenkenBild © Koch Films 2022Musik von Johannes KlanMenUK, 2022, 100 Min., Regie: Alex Garland

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This episode was published on August 8, 2022.

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