EPISODE · Aug 29, 2026 · 17 MIN
"Für Menschlichkeit eintreten." - Gespräch mit Tobias Schrörs
from Blick in die Bibel · host DOMRADIO.DE
Im DOMRADIO.DE-Podcast „Blick in die Bibel“ spricht der Theologe, Religions- und Lateinlehrer Tobias Schrörs über seinen Weg zum Diakon mit Zivilberuf befindet und erzählt er die Geschichte eines Kirchenliedes, das er als Student zur Seligsprechung von Kardinal Clemens August Graf von Galen geschrieben hatte. Das Lied wurde zunächst bei Feierlichkeiten in Rom aufgeführt und später sogar im Petersdom bei der Seligsprechung gesungen. Zu seiner großen Überraschung fand es schließlich ohne vorherige Rücksprache Eingang in den Münsteraner Regionalteil des Gotteslobs.Anschließend wenden sich die Gesprächspartner dem Tagesevangelium aus Markus 6,17–29 zu, das von der Enthauptung Johannes des Täufers berichtet. Schrörs hebt hervor, wie wichtig Menschen sind, die unbequeme Wahrheiten aussprechen und Missstände benennen, selbst wenn sie dadurch Nachteile erfahren. Er verweist auf Kardinal von Galen, der während der Zeit des Nationalsozialismus öffentlich gegen die Euthanasiepolitik Stellung bezog. Auch heute brauche es Menschen, die sich gegen Unrecht, Menschenfeindlichkeit und die Verletzung der Menschenwürde aussprechen.Auf die Frage, was Menschen den Mut gibt, gegen Widerstände Haltung zu zeigen, betont Schrörs die Bedeutung gegenseitiger Unterstützung und des Vertrauens darauf, dass Gott an der Seite der Menschen steht. Das Christentum sei selten ein einfacher Weg gewesen; immer wieder habe es Zeiten der Verfolgung und des Widerstands gegeben. Gerade deshalb sei es wichtig, sich auf die Botschaft des Evangeliums zu besinnen. Alle Menschen seien von Gott geliebt und besäßen dieselbe Würde, unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialem Status. Daraus erwachse die Verantwortung, für Menschlichkeit einzutreten und sich nicht aus Angst oder Bequemlichkeit zurückzuhalten. EvangeliumHerodes hatte Johannes festnehmen und ins Gefängnis werfen lassen. Schuld daran war Herodias, die Frau seines Bruders Philippus, die er geheiratet hatte. Denn Johannes hatte zu Herodes gesagt: Du hattest nicht das Recht, die Frau deines Bruders zur Frau zu nehmen. Herodias verzieh ihm das nicht und wollte ihn töten lassen. Sie konnte ihren Plan aber nicht durchsetzen, denn Herodes fürchtete sich vor Johannes, weil er wusste, dass dieser ein gerechter und heiliger Mann war. Darum schützte er ihn. Sooft er mit ihm sprach, wurde er unruhig und ratlos, und doch hörte er ihm gern zu. Eines Tages ergab sich für Herodias eine günstige Gelegenheit. An seinem Geburtstag lud Herodes seine Hofbeamten und Offiziere zusammen mit den vornehmsten Bürgern von Galiläa zu einem Festmahl ein. Da kam die Tochter der Herodias und tanzte, und sie gefiel dem Herodes und seinen Gästen so sehr, dass der König zu ihr sagte: Wünsch dir, was du willst; ich werde es dir geben. Er schwor ihr sogar: Was du auch von mir verlangst, ich will es dir geben, und wenn es die Hälfte meines Reiches wäre. Sie ging hinaus und fragte ihre Mutter: Was soll ich mir wünschen? Herodias antwortete: Den Kopf des Täufers Johannes. Da lief das Mädchen zum König hinein und sagte: Ich will, dass du mir sofort auf einer Schale den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt. Da wurde der König sehr traurig, aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er ihren Wunsch nicht ablehnen. Deshalb befahl er einem Scharfrichter, sofort ins Gefängnis zu gehen und den Kopf des Täufers herzubringen. Der Scharfrichter ging und enthauptete Johannes. Dann brachte er den Kopf auf einer Schale, gab ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn seiner Mutter. Als die Jünger des Johannes das hörten, kamen sie, holten seinen Leichnam und legten ihn in ein Grab. (Mk 6,17-29)
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