EPISODE · Jul 24, 2026 · 20 MIN
Gipsabbau vernichtet Artengenom
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Der Biodiversitäts-Hotspot 18 – der Südharzer Zechsteingürtel mit Kyffhäuser und Hainleite – zählt zu den 30 national prioritären Zentren biologischer Vielfalt Deutschlands. Sein niedersächsischer Anteil im Landkreis Göttingen, insbesondere das Naturschutzgebiet Gipskarstlandschaft bei Ührde (ca. 705 ha, FFH-Gebiet „Gipskarstgebiet bei Osterode“), beherbergt eines der artenreichsten und geomorphologisch einzigartigsten Sulfatkarstsysteme Europas. Hier existieren spezialisierte Populationen von Orchideen (u. a. Bienen-Ragwurz, Purpur-Knabenkraut), Amphibien (Kammmolch), Reptilien (Zauneidechse), Fledermäusen und reliktären Pflanzenarten, die an die extremen Standortbedingungen des Gipskarstes adaptiert sind. Durch den genehmigten Dolomit- und Gipsabbau der Knauf-Tochter Rump & Salzmann – insbesondere die Erweiterung am Härkenstein und Blossenberg bis voraussichtlich 2090 – wird dieser Hotspot systematisch fragmentiert und reduziert. Was als streng geschütztes Gebiet ausgewiesen war, wird durch Holzeinschlag, Oberbodenabtrag und Sprengungen in eine Abbauzone umgewandelt. Die behördliche Freigabe (Staatliches Gewerbeaufsichtsamt Braunschweig / untere Naturschutzbehörde Göttingen 2014/2015) und die begleitende Kompensationsvereinbarung mit BUND- und NABU-Funktionären haben diesen Prozess politisch und institutionell legitimiert. Habitatzerstörung dieses Ausmaßes trifft nicht nur Individuen und Populationen, sondern das Artengenom selbst.
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