Ihre Augen
from Schlockback Hörbuch und Poetry
Für alle die, die den Text lieber lesen oder sich ausdrucken möchten: Ihre Augen Seit mittlerweile 30 Jahren ist er Polizist in Uniform. Seit dieser Zeit hat er auf unzähligen Demonstrationen tausende Stunden seiner Dienstzeit verrichtet. Aus seiner Sicht ging es immer darum, dafür zu sorgen, dass nichts aus dem Ruder läuft. Eskalationen zu vermeiden. Eskalationen bedeuteten immer Gewalt. Und Gewalt führt stets zu verletzten Menschen. Natürlich ging es auch darum, Sachbeschädigungen und Vandalismus zu verhindern. Diese Form von Zerstörungen konnten berufliche und wirtschaftliche Existenzen gefährden. Im Gegensatz zur körperlichen Unversehrtheit, waren Sachschäden jedoch immer letzten Endes bezahlbar. Gesundheit hingegen war und ist unbezahlbar. Heute war wieder eine Großdemonstration gewesen. Die Stimmung war schon im Vorfeld sehr aufgeheizt. Die Presse sowie die sozialen Netzwerke hatten dahingehend ganze Arbeit geleistet. Die Tatsache, dass zeitgleich vor Ort eine unangekündigte und somit nicht genehmigte Gegendemonstration satt fand, machte alles noch viel schwieriger. Man war auf des Gesamtszenario nicht genügend vorbereitet. Es fehlten hunderte an Polizisten und von einer im Vorfeld gut vorbereiteten Strategie konnte beim besten Willen keine Rede sein. Wer auch immer für all dies die Verantwortung trug, spielte während der Demonstration keine Rolle. Die, die den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes hinhalten mussten, waren, wie immer, er und seine Kollegen. Sie waren mit 20 Mann auf Position. Sie sollten den Durchgang zu einer Anwohnerstraße absichern. Zigtausende Demonstranten gingen an ihnen vorbei. Bis auf die üblichen Pöbeleien, die sich jeder Polizist auf einer Demo anhören muss, blieb alles soweit friedlich. 20 Mann. Ausgerüstet mit Helmen, Schutzkleidung, Schildern und Gummiknüppeln. Plötzlich ging alles ganz schnell. Eine Gruppe von mehreren hundert gewaltbereiten Teilnehmern scherten aus dem Demonstrationszug aus und wollten die Kette, die seine Kollegen und er gebildet hatten, durchbrechen, um in die Anwohnerstraße zu gelangen. 20 Mann gegen Hunderte gewaltbereiter Menschen. Einige davon mit Schlagringen, Knüppeln und abgebrochenen Flaschenhälsen bewaffnet. Eine Panik brach aus. Friedliche Demonstranten wurden von dem gewaltbereiten Mopp einfach umgerannt und niedergetreten. Seine Kollegen und er versuchten alles, um der Situation Herr zu werden. Es war vollkommen aussichtslos. Sie wurden einfach überrannt. Er hatte gar keine andere Wahl und musste sich mit seinem Gummiknüppel, so gut es irgendwie ging, gegen die angreifenden Chaoten zu Wehr setzen. Aber es waren einfach zu viele. Ein Rückzug, von einem geordneten ganz zu schweigen, war nicht mehr möglich. Die Kette, die seine Kollegen und er gebildet hatten, war längst durchbrochen und er war von einer gewaltbereiten Meute umzingelt. Er geriet in Panik und schlug einfach nur noch unkontrolliert, auf die größtenteils vermummte, Menge um ihn herum ein. Er konnte nicht mehr zwischen gewaltbereiten und friedlichen Demonstranten unterscheiden. Er wollte sich einfach nur noch aus der Umkesselung befreien. Plötzlich, nachdem er in seiner Panik, einen, durch eine Skimaske für ihn unkenntlichen, Kopf hart getroffen hatte, sah er ihre Augen. Diese Augen,
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