EPISODE · Sep 2, 2026 · 22 MIN
Körperzusammensetzung statt Körpergewicht: Die BIA-Messung | Dr. Andrea Morawe erklärt
from LandMEDchen
In Fitnessstudios, bei betrieblichen Gesundheitsangeboten oder im Rahmen anderer Untersuchungen begegnet Patient:innen immer häufiger die Bioimpedanz-Analyse, kurz BIA. Die Ergebnisse werfen allerdings oft mehr Fragen auf, als sie zunächst beantworten. Deshalb erklärt Dr. Andrea Morawe in der neuen Folge von „LandMEDchen“, was hinter der Messung steckt und welche Informationen sie tatsächlich liefern kann.Andrea selbst setzt die BIA-Messung regelmäßig in ihrer Praxis ein. Besonders hilfreich findet sie die Methode in der ernährungsmedizinischen Diagnostik, bei einem Abnehmwunsch oder bei Fragestellungen im fortgeschrittenen Alter. Denn anders als die Zahl auf der Waage liefert die Bioimpedanz-Analyse zusätzliche Informationen über die tatsächliche Körperzusammensetzung.Doch wie funktioniert eine BIA eigentlich?Unser Körper besteht aus unterschiedlichen Geweben, die elektrische Ströme verschieden gut leiten. Muskulatur und Körperwasser besitzen beispielsweise eine höhere Leitfähigkeit, während Fettgewebe und Knochen den Strom schlechter leiten.Bei der Bioimpedanz-Analyse wird ein sehr schwacher und nicht spürbarer Wechselstrom durch den Körper geleitet. Das Gerät erfasst anschließend, wie stark dieser Strom auf seinem Weg durch den Körper abgebremst wird. Der dabei gemessene Widerstand wird als Impedanz bezeichnet.Auf Grundlage dieser Messwerte lassen sich weitere Kenngrößen bestimmen. Dazu gehört beispielsweise der Phasenwinkel, der Hinweise auf den Zustand der Zellmembranen geben kann. Außerdem können unter anderem Körperfettanteil, Muskelmasse und Wasserverteilung abgeleitet werden.Gerade mit zunehmendem Alter wird die Betrachtung der Körperzusammensetzung interessant. Denn im Laufe der Jahre verlieren wir schrittweise Muskelmasse. Auf einer normalen Waage ist diese Veränderung kaum zu erkennen: Das Gewicht kann nahezu gleich bleiben, obwohl die Muskelmasse abnimmt und gleichzeitig der Anteil an Fettgewebe steigt.Bei Frauen kommen hormonelle Veränderungen hinzu. Mit sinkendem Östrogen kann sich auch die Verteilung von Fett- und Muskelmasse verändern. Eine BIA-Messung kann hier helfen, subjektive Vermutungen durch objektivere Informationen über die eigene Körperzusammensetzung zu ersetzen.Zusätzlich verändert sich bei Frauen der Wasserhaushalt abhängig vom Zyklus. Dadurch können Gewichtsschwankungen entstehen, die auf der Waage schnell für Verunsicherung sorgen. Vergleichsmessungen können solche Veränderungen besser einordnen und gleichzeitig Hinweise darauf liefern, an welchen Stellen möglicherweise genauer hingeschaut werden sollte.Besonders wertvoll findet Andrea die Bioimpedanz-Analyse während eines Transformationsprozesses. Wer Gewicht reduzieren oder seine Körperzusammensetzung verändern möchte, sieht dadurch nicht ausschließlich eine Zahl auf der Waage. Es kann beispielsweise sichtbar werden, dass viszerales Fett reduziert oder gleichzeitig Muskulatur aufgebaut wurde – und genau solche Veränderungen können zusätzlich motivieren.Entscheidend sind dabei eine klare Zielsetzung und regelmäßige Vergleichsmessungen. So lässt sich überprüfen, wie sich die Körperzusammensetzung im Laufe der Zeit tatsächlich verändert. Andrea betrachtet dabei unter anderem auch den Muskelproteinanteil, um die Stoffwechselsituation und den Umgang des Körpers mit Fettgewebe besser beurteilen zu können.Eine besondere Bedeutung hat die BIA-Messung für Andrea bei Patient:innen, die die umgangssprachliche Abnehmspritze verwenden. Wird lediglich das Medikament eingesetzt, ohne gleichzeitig die Ernährung anzupassen und mehr Bewegung in den Alltag zu integrieren, kann neben Fettgewebe auch wertvolle Muskulatur verloren gehen. Dadurch besteht die Gefahr einer sarkopenen Adipositas.Für Andrea ist deshalb klar: Die Abnehmspritze sollte als Startschuss für ein gesünderes Leben verstanden werden – und nicht als rein kosmetische Behandlung.Viele Patient:innen erzählen ihr außerdem von Körperwaagen, die zu Hause den Körperfett- oder Muskelanteil bestimmen sollen. Bei Geräten, die lediglich über zwei Kontaktpunkte an den Füßen messen, handelt es sich allerdings nur um eine sehr grobe Schätzung. Gleichzeitig kann die tägliche Kontrolle der Werte zusätzlichen Stress verursachen.Die Bioimpedanz-Analyse ist deshalb für Andrea vor allem ein sinnvolles Werkzeug, um Veränderungen der Körperzusammensetzung nachvollziehbarer zu machen. Gerade während einer Gewichtsreduktion kann sie dabei helfen, den Fokus von der reinen Zahl auf der Waage zu lösen und dadurch auch emotional zu entlasten.Denn Fortschritt bedeutet nicht ausschließlich, weniger zu wiegen. Wenn viszerales Fett verschwindet, Muskulatur erhalten oder aufgebaut wird und sich die Körperzusammensetzung positiv verändert, sind das Erfolge, die man gemeinsam sichtbar machen und feiern kann.Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ZumPodcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchenZumPodcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDuZumPodcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319s
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