EPISODE · Mar 31, 2025 · 5 MIN
Rindenküche: Köstlichkeiten aus Baum- und Strauchrinden von Denise Grahofer und Eunike Grahofer
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Details zum Buch: https://markusflicker.com/rindenkueche-koestlichkeiten/Buch auf Amazon.de kaufen: https://amzn.to/4iS1ZCODas Buch „Rindenküche: Köstlichkeiten aus Baum- und Strauchrinden“ von Denise und Eunike Grahofer ist ein außergewöhnliches Werk, das sich einem fast vergessenen Kapitel der europäischen (und insbesondere alpinen) Esskultur widmet: der Verwendung von Rinden – also dem Gewebe, das Bäumen und Sträuchern als Schutz dient – in der Küche. Es ist eine Mischung aus Naturkunde, Wildpflanzenwissen, Volksheilkunde und kreativer Wildkräuterküche.Die Grahofers, Mutter und Tochter, sind bekannt für ihre tiefe Verwurzelung in der Volksheilkunde, im Wissen um Pflanzen, und ihre kreative Kraft, altes Wissen in moderne Kontexte zu übertragen. In „Rindenküche“ bringen sie etwas auf den Teller, das viele Menschen nur aus Märchen, historischen Notlagen oder symbolischen Darstellungen kennen: die Baumrinde als Nahrungsquelle – jedoch nicht als karge Notnahrung, sondern als kulinarische Delikatesse.Das Buch ist klar gegliedert. Nach einer Einführung in die Philosophie der Wildküche und die Bedeutung von Bäumen und Rinden in der Kulturgeschichte, folgt ein botanisch fundierter Teil. Dort werden verschiedene Bäume und Sträucher vorgestellt, deren Rinden essbar oder in irgendeiner Form kulinarisch nutzbar sind – darunter etwa:BirkeUlmeLindeKieferFichteEicheHaselstrauchHolunderu.a.Zu jeder Baumart geben die Autorinnen Informationen über das Aussehen, den Standort, die geschichtliche und volksheilkundliche Bedeutung, sowie die richtigen Erntezeiten und Erntemethoden der Rinde. Besonders wichtig ist dabei der respektvolle Umgang mit dem Baum: Die Entnahme von Rinde ist kein beliebiger Akt, sondern erfordert Wissen, Sorgfalt und ein Verständnis dafür, den Baum nicht zu schädigen.Historisch wurde Rinde vor allem in Zeiten großer Not gegessen – beispielsweise während Hungersnöten oder Kriegen. Besonders bekannt ist etwa die „Brotrinde“, die aus getrockneter, gemahlener Rinde hergestellt und Mehl beigemischt wurde. Die Grahofers greifen dieses alte Wissen auf – aber transformieren es zu einer modernen Form der Wildküche: Rinde als Aroma-, Bitter-, Süßstoff, als Würzmittel, Mehlersatz, Tinktur oder Dekoration.Viele Rinden enthalten ätherische Öle, Gerbstoffe, Bitterstoffe oder Harze – was sie geschmacklich extrem interessant macht. So entstehen Gerichte mit unerwartet komplexen Aromen – erdig, holzig, frisch, harzig oder sogar zitronig, je nach Baumart.Die Rezeptsektion ist der wohl faszinierendste Teil des Buches. Hier zeigen die Grahofers, dass Rinde weit mehr kann als nur „Notbrot“. Es gibt Suppen, Brote, Aufstriche, Tees, Sirupe, Marmeladen, Süßspeisen und sogar Liköre und Essigvariationen mit Rindenanteilen. Einige Beispiele (aus dem Geist des Buches nachempfunden):Brot mit BirkenrindenmehlLindensuppe mit FrühlingsrindeHarziger Fichtensirup als SüßungsmittelGeräucherte Rindenchips als BeilageUlmenrindentee mit HonigHolunderholz-ZuckerEichenrindenlikör mit KräuternDabei wird stets auf eine regionale, saisonale und nachhaltige Nutzung geachtet. Die Zubereitung ist oft einfach, aber mit tiefem Wissen verbunden – z. B. wann man welche Rinde erntet, wie man sie trocknet, schabt, röstet oder einweicht, um unerwünschte Bitterstoffe zu reduzieren oder erwünschte Geschmacksnoten zu betonen.Was „Rindenküche“ auszeichnet, ist der ganzheitliche Zugang. Es geht nicht nur um Ernährung oder Rezepte, sondern um eine tiefere Verbindung zur Natur. Die Rinde, als äußere Schutzschicht des Baumes, ist symbolisch auch ein Übergang zwischen Innen und Außen. Die Autorinnen erzählen von alten Bräuchen, spirituellen Bedeutungen und von der Energie, die Bäume in sich tragen – und die wir mit Respekt aufnehmen können.Diese Haltung durchzieht das ganze Buch: Achtsamkeit, Dankbarkeit und das Verlernen der Entfremdung von unserer natürlichen Umgebung. Essen wird hier zu einem Akt der Verbindung.
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