Traumgekrönt XXII-XXVIII - Rainer Maria Rilke episode artwork

EPISODE · Mar 18, 2020 · 8 MIN

Traumgekrönt XXII-XXVIII - Rainer Maria Rilke

from A Lyrical Singers Life · host Barbara Marie-Louise Pavelka

Liebe Hörerinnen und Hörer! In der heutigen Folge bringe ich euch die letzten Gedichte des Gedichtezyklus "Traumgekrönt" von Rainer Maria Rilke.  Ich hoffe euch in dieser schweren Zeit der Isolation etwas Freude zu bringen. XXII Wie eine Riesenwunderblume prangt voll Duft die Welt, an deren Blütenspelze, ein Schmetterling mit blauem Schwingenschmelze, die Mainacht hangt. Nichts regt sich; nur der Silberfühler blinkt ... Dann trägt sein Flügel ihn, sein frühverblaßter, nach Morgen, wo aus feuerroter Aster er Sterben trinkt ... XXIII Wie, jegliches Gefühl vertiefend, ein süßer Drank die Brust bewegt, wenn sich die Mainacht, sterbetriefend, auf mäuschenstille Plätze legt. Da schleichst du hin auf sachter Sohle und schwärmst zum blanken Blau hinauf, und groß wie eine Nachtviole geht dir die dunkle Seele auf ... XXIV O gäbe doch Sterne, die nicht bleichen, wenn schon der Tag den Ost gesäumt; von solchen Sternen ohnegleichen hat meine Seele oft geträumt. Von Sternen, die so milde blinken, daß dort das Auge landen mag, das müde ward vom Sonnetrinken an einem goldnen Sommertag. Und schlichen hoch ins Weltgetriebe sich wirklich solche Sterne ein, - sie müßten der verborgnen Liebe und allen Dichtern heilig sein. XXV Mir ist so weh, so weh, als müßte die ganze Welt in Grau vergehn, als ob mich die Geliebte küßte und sprach: Auf Nimmerwiedersehn. Als ob ich tot wär und im Hirne mir dennoch wühlte wilde Qual, weil mir vom Hügel eine Dirne die letzte, blasse Rose stahl ... XXVI Matt durch der Tale Gequalmt wankt Abend auf goldenen Schuh, -  Falter, der träumend am Halme hängt, weiß nichts vor Wonne zu tun. Alles schlürft heil an der Stille sich. - Wie da die Seele sich schwellt, daß sie als schimmernde Hülle sich legt um das Dunkel der Welt. XXVII Ein Erinnern, das ich heilig heiße, leuchtet mir durch innerste Gemüt, so wie Götterbildermarmorweiße durch geweihter Haine Dämmer glüht. Das Erinnern einstiger Seligkeiten, das Erinnern an den toten Mai, - Weihrauch in den weißen Händen, schreiten meine stillen Tage dran vorbei ... XXVIII Glaubt mir, daß ich, matt vom Kranken, keinen lauten Lenz mehr mag, - will nur einen sonnenblanken, gipfelroten Frühherbsttag. Will die Lust, die jubelschrille, nicht mehr in die Brust zurück, -  will nur Sterbestubenstille drinnen - für mein totes Glück. Eure, Barbara Marie-Louise Pavelka Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich und meine Podcast auch finanziell etwas unterstützen könntest. Dabei ist jeder kleine Betrag eine große Hilfe! Ihr könnt das über diesen Link tun: paypal.me/BarbaraMLPavelka

Liebe Hörerinnen und Hörer! In der heutigen Folge bringe ich euch die letzten Gedichte des Gedichtezyklus "Traumgekrönt" von Rainer Maria Rilke.  Ich hoffe euch in dieser schweren Zeit der Isolation etwas Freude zu bringen. XXII Wie eine Riesenwunderblume prangt voll Duft die Welt, an deren Blütenspelze, ein Schmetterling mit blauem Schwingenschmelze, die Mainacht hangt. Nichts regt sich; nur der Silberfühler blinkt ... Dann trägt sein Flügel ihn, sein frühverblaßter, nach Morgen, wo aus feuerroter Aster er Sterben trinkt ... XXIII Wie, jegliches Gefühl vertiefend, ein süßer Drank die Brust bewegt, wenn sich die Mainacht, sterbetriefend, auf mäuschenstille Plätze legt. Da schleichst du hin auf sachter Sohle und schwärmst zum blanken Blau hinauf, und groß wie eine Nachtviole geht dir die dunkle Seele auf ... XXIV O gäbe doch Sterne, die nicht bleichen, wenn schon der Tag den Ost gesäumt; von solchen Sternen ohnegleichen hat meine Seele oft geträumt. Von Sternen, die so milde blinken, daß dort das Auge landen mag, das müde ward vom Sonnetrinken an einem goldnen Sommertag. Und schlichen hoch ins Weltgetriebe sich wirklich solche Sterne ein, - sie müßten der verborgnen Liebe und allen Dichtern heilig sein. XXV Mir ist so weh, so weh, als müßte die ganze Welt in Grau vergehn, als ob mich die Geliebte küßte und sprach: Auf Nimmerwiedersehn. Als ob ich tot wär und im Hirne mir dennoch wühlte wilde Qual, weil mir vom Hügel eine Dirne die letzte, blasse Rose stahl ... XXVI Matt durch der Tale Gequalmt wankt Abend auf goldenen Schuh, -  Falter, der träumend am Halme hängt, weiß nichts vor Wonne zu tun. Alles schlürft heil an der Stille sich. - Wie da die Seele sich schwellt, daß sie als schimmernde Hülle sich legt um das Dunkel der Welt. XXVII Ein Erinnern, das ich heilig heiße, leuchtet mir durch innerste Gemüt, so wie Götterbildermarmorweiße durch geweihter Haine Dämmer glüht. Das Erinnern einstiger Seligkeiten, das Erinnern an den toten Mai, - Weihrauch in den weißen Händen, schreiten meine stillen Tage dran vorbei ... XXVIII Glaubt mir, daß ich, matt vom Kranken, keinen lauten Lenz mehr mag, - will nur einen sonnenblanken, gipfelroten Frühherbsttag. Will die Lust, die jubelschrille, nicht mehr in die Brust zurück, -  will nur Sterbestubenstille drinnen - für mein totes Glück. Eure, Barbara Marie-Louise Pavelka Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich und meine Podcast auch finanziell etwas unterstützen könntest. Dabei ist jeder kleine Betrag eine große Hilfe! Ihr könnt das über diesen Link tun: paypal.me/BarbaraMLPavelka

NOW PLAYING

Traumgekrönt XXII-XXVIII - Rainer Maria Rilke

0:00 8:36

No transcript for this episode yet

We transcribe on demand. Request one and we'll notify you when it's ready — usually under 10 minutes.

MG Show MG Show The MG Show, hosted by Jeffrey Pedersen and Shannon Townsend, is a leading alternative media platform dedicated to uncovering the truth behind today’s most pressing political issues. Launched in 2019, the show has grown exponentially, offering unfiltered insights, comprehensive research, and real-time analysis. With a commitment to independent journalism and factual integrity, the MG Show empowers its audience with knowledge and encourages active participation in the political discourse. Ask A Spaceman Archives - 365 Days of Astronomy Ask A Spaceman Archives - 365 Days of Astronomy Podcasting Astronomy Every Day of the Year Eat to Live Jenna Fuhrman, Dr. Fuhrman Our health is our most precious gift and smart nutrition can change your life. Each month, join Dr. Fuhrman and his daughter, Jenna Fuhrman as they discuss important topics in the world of nutrition. Eat to Live will change the way you eat and think about food. French Your Way Jessica: Native French teacher founder of French Your Way Boost your French listening skills and test your comprehension with this one of a kind series of podcasts. Get the chance to listen to a real conversation between native speakers talking at normal speed AND customise your learning experience through carefully designed sets of questions (2 levels of difficulty) available for download at www.frenchvoicespodcast.com. All interviews also come with the transcript. French teacher Jessica interviews native speakers of French from around the world who share a bit of their life and passion. Where else would you meet in one same place a French yoga teacher based in Melbourne, a soap manufacturer from Provence, or a couple cycling around the world?

Frequently Asked Questions

How long is this episode of A Lyrical Singers Life?

This episode is 8 minutes long.

When was this A Lyrical Singers Life episode published?

This episode was published on March 18, 2020.

What is this episode about?

Liebe Hörerinnen und Hörer! In der heutigen Folge bringe ich euch die letzten Gedichte des Gedichtezyklus "Traumgekrönt" von Rainer Maria Rilke.  Ich hoffe euch in dieser schweren Zeit der Isolation etwas Freude zu bringen. XXII Wie eine...

Can I download this A Lyrical Singers Life episode?

Yes, you can download this episode by clicking the download button on the episode player, or subscribe to the podcast in your preferred podcast app for automatic downloads.
URL copied to clipboard!