EPISODE · Apr 29, 2025 · 7 MIN
Unsichtbare Risiken – Gefahren bei der Erkundung und beim Filmen von Lost Places
from Markus Flicker Fotograf Videograf Content Creator Autor · host Markus Flicker Fotograf Videograf Content Creator Autor
Wenn Du Deine erste verlassene Fabrikhalle betrittst oder durch ein überwuchertes Herrenhaus streifst, spürst Du wahrscheinlich zuerst die Faszination, das Kribbeln, die Mischung aus Abenteuerlust und Ehrfurcht. Doch bevor Du Dich voll auf das Fotografieren und Filmen konzentrierst, solltest Du Dir bewusst machen: Lost Places und moderne Ruinen bergen nicht nur spannende Motive, sondern auch echte Gefahren. Diese sind oft versteckt, unsichtbar oder werden erst in einem Moment akut, in dem jede Vorsicht zu spät sein kann.Verlassene Gebäude sind oft über Jahrzehnte sich selbst überlassen worden. Ohne regelmäßige Pflege setzt ihnen die Natur unaufhaltsam zu: Wasser dringt ein, Frost sprengt Mauern, Pflanzenwurzeln heben Böden an. Während Du mit der Kamera auf Motivsuche gehst, kann ein morscher Holzboden unter Deinen Füßen nachgeben oder eine marode Treppe plötzlich brechen. Besonders perfide: Viele Schäden sind auf den ersten Blick kaum zu erkennen, weil Staub und Schutt die wahren Schwachstellen verdecken.Oft reicht ein kurzer Moment der Unachtsamkeit – ein Schritt zur falschen Zeit – und Du findest Dich in einem stockfinsteren Kellerloch wieder oder verletzt Dich schwer an herabfallenden Deckenplatten. In Zeiten, in denen viele Lost Places durch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen oder Stürme zusätzlich beschädigt wurden, verschärfen sich diese Risiken sogar noch. Selbst vermeintlich stabile Industriebauten oder Plattenbauten aus den 1960er Jahren können durch verborgene Erosion zur tödlichen Falle werden.Deshalb gilt: Jede Bewegung sollte bedacht sein. Bevor Du ein Gebäude betrittst, verschaffe Dir von außen einen Überblick. Achte auf Risse, einsturzgefährdete Bereiche und morsche Anbauten. Beim Fotografieren oder Filmen hilft es, die Perspektive so zu wählen, dass Du nie den Blick für Deinen Standpunkt verlierst.Manche Gefahren lauern nicht in Form bröckelnder Mauern, sondern in der Luft selbst. Verlassene Krankenhäuser, Labore, ehemalige Industrieanlagen und selbst alte Wohnhäuser bergen oft chemische Altlasten. Asbest in Isolierungen, Schimmelsporen in feuchten Wänden, Lösungsmittelreste oder gar giftige Dämpfe aus vergessenen Behältern können Dir gefährlich werden, ohne dass Du es sofort bemerkst.Vor allem bei der Produktion von Content wie Filmprojekten, bei denen Du Dich länger in einem Raum aufhältst, ist das Risiko erhöht. Jedes Einatmen von belasteter Luft kann Deine Gesundheit ernsthaft schädigen. In aktuellen Diskussionen über Umweltschutz und Altlasten wird immer deutlicher, wie gravierend die Spätfolgen solcher Expositionen sein können.Auch neue Entwicklungen wie sogenannte "Geisterstädte" – aufgegebene Neubausiedlungen, in denen giftige Baumaterialien verarbeitet wurden – sind ein Thema, das Urbexer in den kommenden Jahren noch stärker betreffen wird. Es ist ratsam, eine FFP3-Maske oder sogar eine vollständige Schutzausrüstung in besonders riskanten Locations mitzuführen und einzusetzen.Verlassene Orte sind nicht wirklich leer. Oft haben sich Tiere in die Ruinen zurückgezogen. Wildtiere wie Füchse, Waschbären oder auch verwilderte Hunde können territorial reagieren, wenn Du in ihr Revier eindringst. Gerade in Zeiten des Klimawandels, wo Lebensräume schwinden und sich Tiere neue Rückzugsorte suchen, werden Begegnungen immer wahrscheinlicher.Neben den offensichtlichen Gefahren durch Bisse oder Kratzverletzungen gibt es auch ein verstecktes Risiko: Parasiten wie Zecken, die Krankheiten wie Borreliose übertragen können, oder Fledermäuse, die Krankheiten verbreiten können, gehören ebenso dazu. Zudem solltest Du Insektennester wie die der Asiatischen Hornisse im Blick behalten, die sich mittlerweile auch in Mitteleuropa verbreitet und deren Stiche lebensgefährlich sein können.Hier heißt es: Achtsam sein, auf Geräusche achten und keine Panik bekommen. Meist weichen Tiere dem Menschen aus, aber gerade bei Aufnahmen mit Licht und Ton kannst Du ungewollt aggressive Reaktionen provozieren.
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