War früher alles besser, Katja Hoyer? episode artwork

EPISODE · Jun 24, 2026 · 1H 12M

War früher alles besser, Katja Hoyer?

from Nur eine Frage · host DIE ZEIT

Menschen neigen dazu, die Vergangenheit besser zu bewerten, als sie objektiv war. War das schon immer so – und wie sollte die Politik darauf reagieren?    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.     In dieser Ausgabe von Nur eine Frage wollen wir wissen: War früher alles besser? Unser Gast dieses Mal ist die Historikerin Katja Hoyer. Sie wurde 1985 in Guben geboren, in der damaligen »Wilhelm-Pieck-Stadt« der DDR. Ihr Vater war Offizier in der Nationalen Volksarmee, als die Mauer fiel, war sie vier Jahre alt. Studiert hat Hoyer Geschichte in Jena, sie lebt und arbeitet seit über fünfzehn Jahren in Großbritannien – am King’s College in London, als Fellow der Royal Historical Society. Katja Hoyer hat drei Bücher über entscheidende Abschnitte deutscher Geschichte geschrieben: das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die DDR – drei Epochen, die von Nachgeborenen oft verklärt wurden. Die Sunday Times nennt sie »Britain’s favourite German historian«. In Deutschland jedoch ist sie nicht unumstritten: Ihr DDR-Buch Diesseits der Mauer löste 2023 eine der heftigsten Geschichtsdebatten der letzten Jahre aus – mit dem Vorwurf, sie würde die DDR rosarot weichzeichnen. Ihr neues BuchWeimar. Glanz und Grauen der deutschen Geschichte erschien im Mai und stößt ebenfalls auf große mediale Resonanz.    Hoyers klare Antwort auf die Frage lautet »Nein«. Nostalgie sei ein Phänomen, das die Menschheit vermutlich schon immer begleitet habe. »Jeder durchlebt seine Kindheit und Jugend und fragt sich später, wie er an den Punkt gekommen ist, an dem er heute steht. Dabei neigt man dazu, die eigene Vergangenheit positiver zu bewerten, als sie tatsächlich gewesen ist.« Insbesondere in Krisenzeiten griffen Menschen bevorzugt auf vermeintlich positivere Vergangenheit zurück.     Wie aber lässt sich ein objektives Bild der Vergangenheit zeichnen? Hoyer betont, dass es zwar objektive Fakten und in diesem Sinn eine historische Realität gebe. Das könne man einfach festmachen daran, wann welche Gesetze erlassen und welche Entscheidungen getroffen wurden. Aber wie wurden diese dann von den Menschen erlebt? »Hier beginnt die Interpretation«, sagt die Historikerin.Hoyer betont auch die Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Erfahrungen: Am Beispiel der DDR oder der NS-Zeit zeigt sie, dass positive individuelle Alltagserfahrungen neben Unterdrückung und Verbrechen existieren konnten.  »In dieser Gleichzeitigkeit liegt das Entscheidende: Menschen erleben moralische Brüche, reagieren innerlich unterschiedlich, aber der Alltag läuft weiter.« Diese Mischung aus Verdrängung, Gewöhnung und Alltagsbindung erkläre vieles, sagt Hoyer. »Menschen müssen nicht aktiv zustimmen, um Teil solcher Entwicklungen zu werden – oft reicht es, nicht zu handeln und weiterzumachen wie bisher.«    Produktion: ifbbw  Redaktion: Tobias Oellig, Jens Lubbadeh   Visuelle Produktion: Michael Pfister    Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter.  Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an [email protected]

Menschen neigen dazu, die Vergangenheit besser zu bewerten, als sie objektiv war. War das schon immer so – und wie sollte die Politik darauf reagieren?    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.     In dieser Ausgabe von Nur eine Frage wollen wir wissen: War früher alles besser? Unser Gast dieses Mal ist die Historikerin Katja Hoyer. Sie wurde 1985 in Guben geboren, in der damaligen »Wilhelm-Pieck-Stadt« der DDR. Ihr Vater war Offizier in der Nationalen Volksarmee, als die Mauer fiel, war sie vier Jahre alt. Studiert hat Hoyer Geschichte in Jena, sie lebt und arbeitet seit über fünfzehn Jahren in Großbritannien – am King’s College in London, als Fellow der Royal Historical Society. Katja Hoyer hat drei Bücher über entscheidende Abschnitte deutscher Geschichte geschrieben: das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die DDR – drei Epochen, die von Nachgeborenen oft verklärt wurden. Die Sunday Times nennt sie »Britain’s favourite German historian«. In Deutschland jedoch ist sie nicht unumstritten: Ihr DDR-Buch Diesseits der Mauer löste 2023 eine der heftigsten Geschichtsdebatten der letzten Jahre aus – mit dem Vorwurf, sie würde die DDR rosarot weichzeichnen. Ihr neues BuchWeimar. Glanz und Grauen der deutschen Geschichte erschien im Mai und stößt ebenfalls auf große mediale Resonanz.    Hoyers klare Antwort auf die Frage lautet »Nein«. Nostalgie sei ein Phänomen, das die Menschheit vermutlich schon immer begleitet habe. »Jeder durchlebt seine Kindheit und Jugend und fragt sich später, wie er an den Punkt gekommen ist, an dem er heute steht. Dabei neigt man dazu, die eigene Vergangenheit positiver zu bewerten, als sie tatsächlich gewesen ist.« Insbesondere in Krisenzeiten griffen Menschen bevorzugt auf vermeintlich positivere Vergangenheit zurück.     Wie aber lässt sich ein objektives Bild der Vergangenheit zeichnen? Hoyer betont, dass es zwar objektive Fakten und in diesem Sinn eine historische Realität gebe. Das könne man einfach festmachen daran, wann welche Gesetze erlassen und welche Entscheidungen getroffen wurden. Aber wie wurden diese dann von den Menschen erlebt? »Hier beginnt die Interpretation«, sagt die Historikerin.Hoyer betont auch die Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Erfahrungen: Am Beispiel der DDR oder der NS-Zeit zeigt sie, dass positive individuelle Alltagserfahrungen neben Unterdrückung und Verbrechen existieren konnten.  »In dieser Gleichzeitigkeit liegt das Entscheidende: Menschen erleben moralische Brüche, reagieren innerlich unterschiedlich, aber der Alltag läuft weiter.« Diese Mischung aus Verdrängung, Gewöhnung und Alltagsbindung erkläre vieles, sagt Hoyer. »Menschen müssen nicht aktiv zustimmen, um Teil solcher Entwicklungen zu werden – oft reicht es, nicht zu handeln und weiterzumachen wie bisher.«    Produktion: ifbbw Redaktion: Tobias Oellig, Jens Lubbadeh  Visuelle Produktion: Michael Pfister    Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren N1F-Newsletter.  Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an [email protected].

NOW PLAYING

War früher alles besser, Katja Hoyer?

0:00 1:12:41

No transcript for this episode yet

We transcribe on demand. Request one and we'll notify you when it's ready — usually under 10 minutes.

Alben für die Ewigkeit audiowest, Freddy Kappen, Stephan Kleiber, Dieter Kottnik Es gibt Alben, die sind etwas Besonderes. Da ist nicht einfach nur Musik drauf – sondern Musik, die bleiben wird. Vielleicht für immer. Es sind Alben, die die Geschichte der Rock- und Popmusik um entscheidende Entwicklungen bereichert haben. Die nicht nur Erfolg, sondern auch Wirkung haben. Und hier stellen wir sie vor.Bei uns könnt Ihr zeitlose Klassiker der Musikgeschichte kennenlernen. Oder sie noch einmal neu erleben und sozusagen ein zweites Mal kennenlernen. Ihr erfahrt die Geschichten, die hinter diesen Alben stecken: Wann und wo sind sie entstanden? Was lässt sie hervortreten aus der Menge? Warum sind sie so, wie sie sind? Und was ist das Besondere an ihnen? Und: Natürlich spielen wir auch Musik. Jede Menge sogar — denn darum geht‘s ja bei uns. Verfassungspod Verfassungsblog Wir nehmen uns die großen Themen vor, suchen die Leute, die davon wirklich etwas verstehen, und geben keine Ruhe, bevor wir der Sache nicht auf den Grund gegangen sind. Das Ergebnis: eine Podcast-Langstrecke, die sich wirklich lohnt.Jetzt auf Steady unterstützen! https://steadyhq.com/de/plans/7cdcee9d-d81e-4962-95b0-01b1b9ff9941 iChange Podcast – Für mehr Leichtigkeit Navanita & Khadro – Heart-Leadership, Mindset Mentoring & Authors Der «iChange Podcast» von Navanita und Khadro ist ein Podcast für alle Menschen, die die Wahrnehmung des Bewusstseins erweitern wollen. Wenn du dich für Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Leben, Lieben oder universelle Gesetze interessierst, findest du beim «iChange Podcast» viele spannende, inspirierende Geschichten und Interviews mit berühmten aber auch «normalen» Menschen, die über ihre Lebenserfahrungen und ihren Weg zum Erfolg berichten. Nicht nur auf der Tanz- oder Yogabühne waren Navanita und Khadro ein Paar; auch privat sind sie eng verbunden und es wäre nicht verwunderlich, wenn ihre Namen exemplarisch neben dem Wort «Liebe» stehen würden. Die beiden Seelenverwandten haben sich gefunden, um gemeinsam Menschen zu bewegen und Herzen zu berühren. Auch als Unternehmer sind sie erfolgreich und begleiten und führen Menschen zum Erfolg. Als Holistic Coaches - Ganzheitliche Lebensberater, unterstützen sie Menschen ihre Veränderungen konstruktiv zu nutzen und die Ursachen aufzude Soular Sisters Jana Liebig & Anka Goeker Zwei kosmisch verbundene Wassermann-Frauen, ein Podcast und unendlich Stoff zum reden.Jana ist Traumatherapeutin mit Herz & Tiefe, Anka kreative Brand- und Webdesignerin mit Blick für die Schönheit des Lebens. Zusammen sinnieren sie über innere Prozesse, Psychologie, spirituelle Aha-Momente, Selbstliebe und über das Leben - zwischen Sinnkrise und Magic Moments.Jana teilt dabei ihr Wissen und ihre Erfahrungen als Traumatherapeutin, Anka bringt ihre kreative Perspektive als Brand- & Webdesignerin mit ein - mindestens genauso gerne reden (& judgen) sie aber auch über fünfzig offene Browser-Tabs, PMS-Mental-Breakdowns, warum man beim Meditieren plötzlich an das peinliche Referat in der fünften Klasse denkt und die Frage, warum das Leben manchmal einfach völlig absurd und dadurch irgendwie divinely aligned ist.Soular Sisters ist der Podcast für alles, was das Leben ausmacht – von früheren Leben über aktuelle Struggles bis hin zu visionären Zukunftsträumen. Sie garantieren für nichts, au

Frequently Asked Questions

How long is this episode of Nur eine Frage?

This episode is 1 hour and 12 minutes long.

When was this Nur eine Frage episode published?

This episode was published on June 24, 2026.

What is this episode about?

Menschen neigen dazu, die Vergangenheit besser zu bewerten, als sie objektiv war. War das schon immer so – und wie sollte die Politik darauf reagieren?    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber...

Can I download this Nur eine Frage episode?

Yes, you can download this episode by clicking the download button on the episode player, or subscribe to the podcast in your preferred podcast app for automatic downloads.
URL copied to clipboard!