EPISODE · Mar 4, 2026 · 17 MIN
Warum wir nach dem Arztgespräch oft mehr Fragen als Antworten haben | Dr. Andrea Morawe erklärt
from LandMEDchen
Gerade aus dem Arztzimmer raus und schon wieder vergessen, worum es ging?Ein Thema, dem sich Dr. Andrea Morawe in ihrer neuen Folge von „LandMEDchen“ widmet.Das dieses Phänomen ist kein Einzelfall, kein Zeichen von mangelndem Interesse oder niedrigem IQ, sondern es gibt Studien, die das unterstreichen. Patient:innen vergessen unmittelbar nach dem Arztgespräch zwischen 40 und 80% der erhaltenen Informationen.Von dem, was behalten wird, ist ein erheblicher Anteil auch noch falsch.Besonders betroffen sind dabei Informationen über neue Diagnosen, Therapieempfehlungen, Risiken, Nebenwirkungen und komplexe Behandlungspläne.Doch warum passiert das?Zunächst wegen kognitiver Überlastung. Medizinische Gespräche sind komplex, das menschliche Kurzzeitgedächtnis kann aber nur eine begrenzte Menge an Informationen gleichzeitig verarbeiten.Zudem können Emotionen die Erinnerungen blockieren, vor allem Angst, Stress und Unsicherheit. Das Gehirn schaltet in einen Schutzmodus und priorisiert die emotionale Verarbeitung statt der sachlichen Speicherung von Informationen.Der dritte Grund ist die Fachsprache, in der Ärzt:innen gerne verharren. Diese ist super für den Austausch untereinander, allerdings nicht für das Gespräch mit den Patient:innen.Die Therapietreue leidet enorm darunter, wenn wir zu viele Fachwörter verwenden.Ein weiterer komplizierender Faktor ist der Zeitdruck, der ein großes Problem im Gesundheitssystem ist. Kurze Gespräche erhöhen die Informationsdichte, gleichzeitig sinkt die Rückfragequote.Viele Patient:innen stellen gar keine Fragen, weil sie nicht stören wollen, nicht unwissend wirken wollen oder weil ihnen der Zeitdruck zusetzt.Die Patient:innen sind also nicht schuld, es ist eine ganz normale Reaktion, dass man nicht alles behält. Hierfür benötigt man nun eine Strategie. Es ist völlig okay, nachzufragen.An Ärzt:innen empfiehlt Andrea: Wiederholungen und Zusammenfassungen steigern die Erinnerungsquote. Sie selbst nutzt in ihrer Praxis Zettel, in denen die wichtigsten Informationen zu den Diagnosen zusammengefasst sind. Zudem schult sie ihr Personal, sodass diese auch bei der Beantwortung von Fragen unterstützen können.Ein weiterer Tipp: Eine Abkürzung im eigenen Kontext muss nicht die gleiche in einer anderen Fachrichtung sein. Diese erschweren also das Verständnis.Begleitpersonen erhöhen zudem die Sicherheit. Andrea hat in letzter Zeit öfter gehört, dass Begleitpersonen aus dem Behandlungszimmer geschickt werden, was sie sehr traurig findet. Denn diese erhöhen die Therapietreue. Eine Begleitperson wird oft aus Unsicherheit mitgenommen – dann soll sie auch dabeibleiben. Zudem werden mehr Informationen behalten und es gibt weitere Rückfragen.Die Frage ist also: Warum erwarten wir überhaupt, dass Patient:innen sofort alles verstehen und behalten? Wir brauchen Übersetzung der Fachsprache, Zeit und Wiederholungen.Das hilft bei der Therapietreue und sorgt so auch für weniger Komplikationen auf lange Sicht.Folg Andrea auf Instagram: https://www.instagram.com/andrea.morawe/ ZumPodcast auf YouTube: https://www.youtube.com/@landmedchen ZumPodcast auf Spotify: https://open.spotify.com/show/6fSmt4EgJeAPGGR1Il4BDu ZumPodcast bei Apple Podcast: https://podcasts.apple.com/de/podcast/landmedchen/id1835667319
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