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EPISODE · Nov 14, 2019 · 9 MIN

Windenergie

from Uni? Sicher! Deutsch 2 - Training Hörverstehen (2013)

44 - Windenergie YouTube-Kanal 13. Windenergie Transkription des Textes „Windenergie“ Sehr geehrte Damen und Herren, Ende 2010 deckten die 27 EU Mitgliedsstaaten 56 Prozent ihres Energiebedarfs durch Importe von Öl, Gas, Kohle und Uran. Bis 2030 wird der Importanteil auf über zwei Drittel steigen. Allerdings zeichnet sich ein Gegentrend ab. So gingen einerseits die Kapazitäten von Kohle-, ÖI- und Atomkraftwerken seit dem Jahr 2000 um rund 30 Gigawatt zurück. Die kumulierte Leistung von regenerativen Energieanlagen, die Wind, Fotovoltaik, Wasserkraft und Biomasse verwenden, stieg jedoch um 107 Gigawatt. Die Anfänge der Windindustrie reichen in Deutschland und Dänemark in die 1970er Jahre zurück. Ein Jahrzehnt später hatten Windenergieanlagen durchschnittlich 100 bis 150 Kilowatt Leistung. Mitte der 1980er Jahre bekam die junge Branche Auftrieb durch Dänemarks Absage an die Atomkraft. Stattdessen öffnete das Land seine Stromnetze für Windstrom und sicherte Erzeugern feste Einspeisetarife zu. Fünf Jahre später waren 100 Megawatt Windenergieleistung installiert, 1999 schon 1.500 Megawatt und Ende 2010 exakt 3.752 Megawatt. Windenergie deckt heute ein Viertel des dänischen Strombedarfs. Hierzulande gab das Stromeinspeisegesetz das Signal zum Aufbruch. Dieser Vorläufer des Erneuerbare Energien Gesetzes, des EEG, verpflichtete Netzbetreiber ab 1991, ihre Netze für dezentral erzeugten Strom zu öffnen und garantierte Erzeugern eine Mindestvergütung. Dieses Gesetz und erst recht das später vielfach kopierte EEG mit seinen langfristig garantierten Einspeisevergütungen setzten eine enorme Dynamik in Gang: bis 1994 gingen 1.000 Megawatt Windenergieleistung in Betrieb, bis 2001 schon 10.000 Megawatt, und Ende 2010 erzeugten 21.607 Windenergieanlagen mit 27.214 Megawatt Gesamtleistung C02-freien Strom. Deutschland blieb ein Jahrzehnt globaler Leitmarkt: Die deutsche Windindustrie ist geradezu ein Motor für Beschäftigung mit über 100.000 Stellen und gilt als technologisch führend. Windenergieanlagen aus hiesiger Produktion sind Exportschlager. Neben ihrer Zuverlässigkeit mit Verfügbarkeiten um 98 Prozent überzeugt ihre Effizienz. Die installierte Windenergieleistung steigt in Europa seit 15 Jahren mit jährlichen Raten von 17,5 Prozent. Wurden 1995 noch 814 Megawatt zugebaut, waren es letztes Jahr bereits 9.883 Megawatt. Damit stieg die Gesamtleistung auf 86 Gigawatt. Sie reicht in durchschnittlichen Windjahren für 180 Terawattstunden klimaneutralen Strom, der 5,3 Prozent des europäischen Bruttostrombedarfs deckt. Europa bleibt vor Asien mit 58,6 Gigawatt und Nordamerika mit 44,2 Gigawatt führende Windmacht. Anders als vor einem Jahrzehnt, als Deutschland, Spanien und Dänemark 85 Prozent des EU-Marktes auf sich vereinten, ruht der Erfolg heute auf vielen Schultern. So hat das Wachstum in Südosteuropa den 2010 rückläufigen Zubau in den Top-Märkten Deutschland, Großbritannien und Spanien fast komplett kompensiert. Was den Markt besonders antreibt, ist die Richtlinie zur Förderung Erneuerbarer Energien. Darin legt die EU fest, dass Erneuerbare Energien bis 2020 ein Fünftel des Endenergiebedarfs decken sollen. Windenergie kommt dabei als weitgehend ausgereifter Technologie eine zentrale Rolle zu. Die Planung und Umsetzung von Windparks dauert oft Jahr. Am Anfang steht die Standortanalyse. Wie sind die Windverhältnisse vor Ort? Entsprechen die Abstände zu Wohnhäusern und Verkehrswegen den Vorgaben des Bundeslandes? Und leben im Planungsgebiet möglicherweise geschützte Arten oder ist es Rast- und Brutgebiet von Zugvögeln? Landschafts- und Naturschutzinteressen sind ebenso in die Vorüberlegungen einzubeziehen, wie die Frage nach Zufahrtswegen und den Möglichkeiten für den Anschluss an das Energienetz. Nur wenn alle Randbedingungen stimmen, beginnt die Umsetzung: vom Einleiten des Genehmigungsverfahrens und das Erstellen der erforderlichen Gutachten, über die Klärung der Eigentumsverhältnisse bis zur Finanzplanung und der Auswahl des geeigneten Anlagentyps. Bei alledem darf die Kommunikation mit den Bürgern, Politikern und Genehmigungsbehörden in den Anrainergemeinden nicht zu kurz kommen. Sie brauchen Ansprechpartner, um Sorgen und Interessen zu äußern. Wenn alle Genehmigungen erteilt und alle Widersprüche ausgeräumt sind, kann der Bau beginnen. Während für Betrieb, Netzanbindung und Einspeisevergütung das Erneuerbare Energien Gesetz maßgeblich ist, gibt beim Planen von Windparks das Bundes-Immissionsschutzgesetz und das Baugesetzbuch den rechtlichen Rahmen vor. Antragsteller müssen detaillierte Angaben zur Bauplanung und zu den geplanten elektrischen Anlagen machen. Und sie müssen Gutachten über Schallentwicklung, Schattenwurf, Sichtbarkeit und Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie über die ökologischen Einflüsse vorlegen, die von dem Projekt ausgehen. Auch Bau-, Straßen- und Luftverkehrs- sowie das Naturschutzrecht sind relevant. Neben Bundesrecht werden bei den Abständen zu Wohngebieten, Verkehrswegen, Naturschutzgebieten oder Gewässern auch die Gesetzgebungen der Länder wirksam. In diesen können etwa Höhenbegrenzungen festgelegt seine Als weitere Instanzen wirken Naturschutzbehörden und die Bauämter der Gemeinden bei der Genehmigung mit. Ist der Windpark in Betrieb, regelt das Steuerrecht die Verteilung der Gewerbesteuer: 70 Prozent gehen an die Standortgemeinde des Windparks, 30 Prozent an die Standortgemeinde des Betreibers. Im Planungsprozess gilt es, Bürger, Politiker, beteiligte Behörden oder auch Naturschützer vor Ort „mitzunehmen“. Sie müssen 20 Jahre lang mit den Dreiflüglern in der Nachbarschaft leben. Selten stößt ein Windpark—Projekt auf ungeteilte Zustimmung. Umso wichtiger ist es, von Anfang an Transparenz zu schaffen, Sorgen und Ängste ernst nehmen und darüber offen mit den Betroffenen zu kommunizieren. Die Erfahrungen zeigen, dass die Vorbehalte gegen Windenergie gerade in der Nachbarschaft von Windparks deutlich zurückgehen. Oft sind besorgte Anwohner nicht auf dem aktuellen Stand der Anlagentechnik. Und so hat man sie erst mal darüber aufgeklärt, dass durch aerodynamisch optimierte und verstellbare Rotorblätter die Schallimmissionen sich stark reduzieren lassen und dass nicht mehr reflektierende Lacke verwendet werden. Auch hat man ihnen erklärt, dass es nicht mehr zu einem sensorgestützten Abschalten der Anlage 711 kommen braucht, sobald der Schattenwurf das gesetzliche Höchstmaß von 30 Minuten pro Tag oder 30 Stunden pro Jahr überschreitet. Eine solche Aufklärung erleichtert es schließlich den Bürgern, diesen Projekten zuzustimmen. Bei Konflikten mit Mensch und Natur gilt die Regel: Ein tragfähiger Kompromiss ist allemal besser als gerichtliches Durchsetzen der eigenen Rechte. Auch hier können Hinweise auf erfolgreiche Ausgleichsmaßnahmen helfen, mit denen in anderen, zum Beispiel Umweltbereichen erforderliche Leistungen erbracht werden. Die Erschließung von Standorten für die Windenergie ist meist mit einem Konfliktpotenzial hinsichtlich der naturschutzfachlichen Interessen, insbesondere des Artenschutzes verbunden. Zwar konnten in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Studien und Gutachten viele Befürchtungen widerlegt werden. In der Praxis gestaltet sich die einvernehmliche Planung und Umsetzung von Windenergieprojekten immer noch schwierig. Lösungsansätze finden sich auf der Ebene der Regionalplanung und im Genehmigungsprozess. Umwelteinflüsse werden durch sorgfältige Standortplanung weitgehend vermieden. Jedes größere Projekt durchläuft eine Prüfung, 0b es umweltverträglich ist. Die Eingriffe in Natur- und Landschaft werden bewertet und gegebenenfalls kompensiert. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Episode metadata supplied by the publisher feed · Published Nov 14, 2019

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