PODCAST · music
100 Songs - Geschichte wird gemacht
by ORF
Stefan Niederwieser und Co-Host Robert Stadlober beleuchten hundert ikonische Songs und ihr Eigenleben: ein Abschiedslied aus Chile wird zur Hymne von Protestbewegungen rund um den Globus; ein Protestlied wird zur Hymne von Sportfans; oder ein Lied übers Tanzen wird zu einer feministischen Hymne, selbst über den eigenen Körper zu bestimmen. Expertinnen und Experten erzählen die Geschichte von Revolutionen, Riots und Reformen, von Unruhen und Umbrüchen, von Kämpfen, Krisen und Konflikten, vom Wandel, Wenden und Zeitenwenden. Weitere Infos: https://oe1.orf.at/100songs
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"Simplemente Amigos" - (Mexiko, 1988)
1987 nahm Maria Guadalupe Araujo Yong 32-jährig am internationalen OTI-Song-Festival teil, bei dem sie - das war außergewöhnlich - als Songwriterin und Sängerin ihres eigenen Songs den dritten Platz erreichte. Ein Jahr später gelang ihr mit dem Song "Simplemente Amigos" - einem Song über eine geheime Liebe - der endgültige Durchbruch daheim in Mexiko. Im Video wurde der Song als Mann-Frau-Beziehung inszeniert, während der Text in Wirklichkeit für die homosexuellen Fans von Ana Gabriel geschrieben wurde.Diese Folge wurde in Ö1 am 15. 06. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Man! I Feel Like A Woman!" - (Kanada, 1997)
Heute Abend möchte sie sich überhaupt nicht politisch korrekt benehmen, sang die kanadische Sängerin Shania Twain 1997 auf "Man! I Feel Like A Woman!". In der konservativen Welt des Country war der Song trotz seiner klassischen Rollenverteilung eine kleine feministische Revolution. Shania Twain schuf einen neuen Typus Country-Pop-Star, ohne den Taylor Swift nicht möglich wäre.Diese Folge wurde in Ö1 am 16. 06. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"In The End" - Linkin Park (USA, 2000)
Das Debütalbum der kalifornischen Band Linkin Park markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung von Nu-Metal: es verband melodischen, introspektiven Alternative Rock mit Rap und schweren Gitarrenriffs. Die Band wurde so zum wichtigsten Einfluss auf Emo-Punk der 2000er-Jahre und Emo-Rap der 2010er-Jahre. "In The End" wurde dabei zur maßgeblichen Single, die allerdings erst ein Jahr nach dem Album-Release veröffentlicht wurde. Am Tag, als US-Radiostationen mit ihr bemustert wurden, dem 11. September 2001, schlugen zwei Flugzeuge im World Trade Center ein. Die schmerzhafte, alles übertönende und letztlich vergebliche Sinnsuche, die im Song geschildert wird, mag dabei vielen jungen Amerikanern und Amerikanerinnen aus der Seele gesprochen haben.Diese Folge wurde in Ö1 am 17. 06. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Mu isamaa on minu arm" (Sowjetunion, 1988)
Die Machthaber in Moskau hatten Ende der 1980er Jahre mit Großprojekten, die tief in die Umwelt eingreifen sollten, starke Proteste im Baltikum ausgelöst. Bald regte sich auch Widerstand gegen einen alten Pakt zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion, der nach wie vor Grundlage der Annexion des Baltikums durch die Sowjetunion war. Am 11. September 1988 versammelten sich am Ort des großen estnischen Liederfests weit über 200.000 Menschen, um zu protestieren und Lieder zu singen. Krönender Abschluss war “Mu isamaa on minu arm“ ("Mein Vaterland ist meine Liebe"), ein altes Lied, das 1944 vom Komponisten Gustav Ernesaks mit einer neuen, hymnischen Melodie versehen wurde. Er war nach wie vor am Leben und dirigierte an diesem Höhepunkt der Singenden Revolution.Diese Folge wurde in Ö1 am 13. 05. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Paranoid" - Black Sabbath (UK, 1970)
Birmingham war seit der Industriellen Revolution Heimat einer stolzen Arbeiterklasse und verfügte über ausgezeichnete Infrastruktur. Hier wurde in den frühen 1970er Jahren Heavy Metal erfunden - allen voran durch die Band Black Sabbath, die sich nach einem italienischen Horrorfilm benannt hatten. Ihr Gitarrist hatte bei einem Fabriksunfall zwei Fingerkuppen verloren, dadurch stimmte die Band ihre Saiteninstrumente tiefer, weil sie so weniger Kraft beim Spielen benötigten. Black Sabbaths zentraler Proto-Metal-Song "Paranoid" wurde 1970 veröffentlicht. Bassist Geezer Butler - der den Text schrieb - litt an Depressionen, die Hoffnungen der 68er-Bewegung waren mit Tränengas erstickt worden und der übermäßige Konsum von bewusstseinsverändernden Drogen zeigte auch deutlich negative Wirkungen.Diese Folge wurde in Ö1 am 12. 05. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Rise Like A Phoenix" - Conchita Wurst (Österreich, 2014)
"Jetzt hat sie uns den Schas gewonnen" - mit diesen Worten krönte ORF-Moderator Andi Knoll das Ende einer fast fünfzigjährigen Durststrecke, als Conchita Wurst als überragende Gewinnerin des Eurovision Song Contest 2014 verkündet wurde. Die internationalen Reaktionen auf "Rise Like A Phoenix" zeigten einmal mehr einen tiefen Spalt im Umgang mit Homosexualität und Gender-Stereotypen in den Ländern Ost- und Westeuropas. Für manche Analyst:innen wurde Conchita Wurst deshalb zur Symbolfigur eines progressiven Europa. Und "Rise Like A Phoenix" - ein eleganter und zugleich bombastischer Song über eine transformative Wiedergeburt - wurde zum Banner-Song eines neuen, toleranten Europa.Diese Folge wurde in Ö1 am 11. 05. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Über sieben Brücken musst du gehn" - Karat (Deutschland, 1978)
Im real existierenden Sozialismus sollten in der DDR inmitten blühender Landschaften menschenwürdige Arbeit geschaffen werden und ein Bollwerk gegen feindliche Klassenkräfte entstehen. Doch Mitte der 1970er Jahre wurde die Kluft zum Westen immer deutlicher sichtbar. In dieser Atmosphäre wurde "Über Sieben Brücken musst du gehen" für die Verfilmung einer Liebesgeschichte zwischen einer Deutschen und einem Polen geschrieben. Nach dem Erfolg bei der Erstausstrahlung des gleichnamigen Films im Jahr 1978 befand die ostdeutsche Einheitspartei, dass der Song zu sentimental wäre. Seiner Beliebtheit als melancholische Durchhalteparole tat das keinen Abbruch. Ein Cover des Westdeutschen Peter Maffay verhalf dem Song auch auf der anderen Seite der Zone - in der Bundesrepublik - zu enormer Bekanntheit.Diese Folge wurde in Ö1 am 07. 04. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Plastic Love" - Mariya Takeuchi (Japan 1984)
In den 1980ern lief die japanische Wirtschaft auf Hochtouren und schloss langsam zu den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Citypop wurde zum klingenden Ausdruck eines urbanen, hochtechnisierten und konsumfreudigen Lebensgefühls, das sich mit Walkman und tragbaren Kassettenspielern überall hin transportieren ließ. Als Citypop während der 2010er Jahre in Europa und den USA wiederentdeckt wurde, stießen vor allem anspruchsvolle und smoothe Songs, die sich an Erwachsene richteten, auf großen Zuspruch. Dabei wurde der relativ unbekannte Song "Plastic Love" von Mariya Takeuchi weltweit bekannt. In "Plastic Love" träumt ihre Protagonistin von einem ausgelassenen Leben in der Stadt, nachdem sie verlassen wurde.Diese Folge wurde in Ö1 am 08. 04. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Little Dark Age" - MGMT (USA, 2018)
Ein dunkles Zeitalter war angebrochen, das stand für die Band MGMT nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA fest. Das Duo war Mitte der 2000er Jahre mit unbeschwerten Hits über das Leben als Teenager weltbekannt geworden. Danach war es jedoch still um die Band geworden. Das Album "Little Dark Age" entstand über mehrere Jahre und wurde 2018 veröffentlicht. Der Titelsong - inspiriert durch Synthesizer aus der späten Sowjet-Ära - wird zu einem klaustrophobischen Panoptikum, in dem persönliche Ängste mit gesellschaftlichen Abgründen verschmelzen, während im Video Gothic Horror auf Symbolismus und Dekadenz trafen.Diese Folge wurde in Ö1 am 09. 04. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Anak" - Freddie Aguilar (Philippinen, 1978)
Rechtswissenschaften sollte Freddie Aguilar studieren, so wollte es sein Vater. Der 17-Jährige lief stattdessen von Zuhause - unweit der philippinischen Hauptstadt Manila - weg und schlug sich als Straßenmusiker durch. Seinen Song "Anak" - Tagalog für "Kind" - soll er in etwa einer Stunde geschrieben haben, kurz nachdem er seine Fehler eingesehen hatte. Der Song über einen reumütigen, verlorenen Sohn erwies sich auf dem ersten Metro Manila Popular Music Festival 1978 als internationales Sprungbrett für Freddie Aguilar; und bald schon soll er an die 30 Millionen Exemplare weltweit verkauft haben. Diese Folge wurde in Ö1 am 10. 03. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Day O" - Harry Belafonte (Jamaica, 1956)
Calypso - ein afro-karibischer Musikstil aus Trinidad und Tobago - erlebte in den 1930ern einen ersten Boom in New York. Einer der berühmtesten Calypsos wurde 1952 zunächst von einem trinidadisch-britischen aufgenommen. "Day Dah Light" handelte von einer harten Nachtschicht am Dock und dem anbrechenden Schichtende. Erst die Version des New Yorker Musikers Harry Belafonte - 1956 hieß sie wahlweise "Banana Boat (Day O)" oder "Day O (The Banana Boat Song)" - verhalf dem Work-Song zu weltweiter Berühmtheit. Auf seinen populärsten Song war Harry Belafonte nicht sonderlich stolz - zu leicht ließ sich sein sozialrealistischer Inhalt überhören.Diese Folge wurde in Ö1 am 09. 03. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Only Time" - Enya (Irland, 2000)
Am 11. September 2001 wurden die USA zum Ziel von islamistischen Terroranschlägen. Innen- und Außenpolitik sowie die kulturelle Landschaft veränderten sich dadurch grundlegend. Unmittelbar nach den Attentaten wurde der Song "Only Time" der irischen New-Age-Musikerin Enya besonders häufig zur Bilduntermalung in Fernsehsendern eingesetzt, während der Opfer gedacht werden sollte. Gerade in den USA und alliierten Ländern wie Kanada, Deutschland, Polen, aber auch der neutralen Schweiz und Österreich konnte sich "Only Time" sehr oft verkaufen. Die Kritiken waren dabei vernichtend. 20 Jahre später hat sich die Bewertung dieser Musikerin gedreht. "Enya ist überall", titelte ein weitschweifender Essay in einer tonangebenden Musikzeitschrift über ihren Einfluss in der elektronischen Musik.Diese Folge wurde in Ö1 am 11. 03. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"WAP" - Cardi B, Megan Thee Stallion (USA, 2020)
Ein tiefer Spalt wurde 2020 einmal mehr sichtbar, als die Rapperinnen Cardi B und Megan The Stallion ihr Duett "WAP" - kurz für 'Wet Ass Pussy' veröffentlichten. In Amerika, aber auch den Feuilletons weltweit, wurde der unverfroren explizite Song sehr kontrovers diskutiert. Die einen sahen darin eine Selbstermächtigung starker, schwarzer Frauen, die das taten, was ihre männlichen Rap-Kollegen schon längst taten - nämlich die Macht des eigenen Geschlechtsorgans zu feiern -, andere sahen in dem Song einmal mehr den Verfall einer liberalen Kultur, die außer gottlosen Obszönitäten und voyeuristischer Identitätspolitik nichts zu bieten hätte.Diese Folge wurde in Ö1 am 12. 03. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Construção" - Chico Buarque (Brasilien, 1971)
Als Chico Buarque im Jahr 1970 nach eineinhalb Jahren aus dem italienischen Exil heim in die brasilianische Militärdiktatur zurückkam, war er schockiert. Auf Autos klebten Sprüche wie "Brasilien, lieb es oder verlass es" oder "Brasilien, lieb es oder stirb". Im Titelsong des Albums "Construção" von 1971 verband Dichtung mit subtilen sozialen Kommentaren. Der Titel bedeutet übersetzt "im Bau" oder Baustelle. Damit konnte sowohl Brasilien gemeint sein, das neu errichtet werden sollte, die Arbeiterklasse im Land oder die kunstvolle Art, wie Chico Buarque das Album konstruiert hatte.Diese Folge wurde in Ö1 am 3. 02. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Bad Romance" - Lady Gaga (USA, 2009)
Mit der Weltfinanzkrise blühte sog. "Recession Pop" auf, also schnelle, laute, tanzbare Popmusik, die gute Stimmung zur schlechten Lage verbreiten wollte. Die New Yorker Sängerin Lady Gaga wurde 2008 fast über Nacht mit avantgardistischen Bühnenoutfits, Eurodance-Beats und queer-feministischem Spektakel weltbekannt. Ihr Song "Bad Romance" ist ein Jahr später ein Beispiel für den sog. 'Millennial Whoop', bei dem Silben ohne Bedeutung aneinandergereiht werden und Ordnung in chaotisch gewordene Zeichen bringen.Diese Folge wurde in Ö1 am 4. 02. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Susamam" - Saniser (Türkei, 2019)
In "Susamam" - deutsch "Ich kann nicht schweigen" - nahmen 20 türkische Rapper die Zustände in ihrem Land ins Visier. Eine verlorene Generation sprach über Umwelt, Dürre, Recht, Gerechtigkeit, Bildung, Neugier, Frauenrechte, Gewalt an Frauen, Tierrechte, Verkehr, Straßen, Suizid, Faschismus und natürlich über die Türkei. Das Video des Songs "Susamam" wurde innerhalb einer Woche 20 Millionen Mal angesehen.Diese Folge wurde in Ö1 am 5. 02. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Big Yellow Taxi" - Joni Mitchell (Kanada, 1970)
Joni Mitchell hatte die Vorhänge ihres Hotelzimmers auf Hawaii geöffnet, sie sah in der Ferne vulkanische Berge, während sich unmittelbar vor dem Hotel ein riesiger Parkplatz auftat. "Wir haben das Paradies betoniert", sang die kanadische Songwriterin im Jahr 1970 relativ beschwingt. "Ist es nicht immer so, dass wir erst wissen, was wir hatten, wenn es nicht mehr da ist?", meinte sie weiter und schrieb mit "Big Yellow Taxi" eine der frühesten ökologischen Hymnen der Popmusik.Diese Folge wurde in Ö1 am 2. 02. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"DtMF" - Bad Bunny (Puerto Rico, 2025)
Der Reggaetónero Bad Bunny zählt bereits seit einigen Jahren zu den erfolgreichsten Musikern der Welt und stellte mehrfach Streaming-Rekorde auf. Am Dreikönigstag 2025 veröffentlichte er das Album "DtMF," kurz für "Debí tirar más fotos", auf Deutsch "ich hätte mehr Fotos machen sollen". Dieser Satz wird zum Bannerspruch einer Zeit auf der Karibikinsel Puerto Rico - ein Außengebiet der USA in der Karibik - bevor amerikanische Touristen und amerikanische Fastfood-Ketten die Insel schleichend in Besitz nahmen.Diese Folge wurde in Ö1 am 5. 01. 2026 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Don't stop believing" - Journey (USA, 1980)
Die Vereinigten Staaten waren am Anfang der 1980er Jahre in der schwersten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression. Die Inflation und Arbeitslosigkeit lagen über zehn Prozent. In dieser tiefen Krise macht sich eine kalifornische Hard-Rock-Band auf die Suche nach dem unbändigen amerikanischen Traum; und sie waren überzeugt, dass Menschen sich mit ehrlicher Arbeit weiterhin zu den Schmieden ihres eigenen Glücks machen konnten. 1981 wurde der Song "Don't Stop Believing" ein respektabler Hit, aber im kollektiven Gedächtnis der USA wird er durch die Verwendung im "Made In America" betitelten Finale der Mafia-Serie Sopranos verankert. Im Streaming-Zeitalter wird der Song immer dann bemüht, wenn es darum geht, die Ideale des amerikanischen Traums zu beschwören.Diese Folge wurde in Ö1 am 29. 12. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Fight The Power" - Public Enemy (USA, 1989)
Alles an der Band Public Enemy war revolutionär: ihr Selbstbewusstsein, ihre Dringlichkeit, ihre Militanz und ihre Präsenz. Musik und Texte vermittelten eine Art Ausnahmezustand. Der Unterdrückung von Minderheiten in den USA sollte ein Ende gesetzt werden. Einer der Slogans von Public Enemy war folgerichtig "By any means necessary" - in Anlehnung an den Bürgerrechtler Malcolm X. 989 nahmen Public Enemy dann ihren bekanntesten Song auf: "Fight The Power". Eingearbeitet waren eine Reihe afroamerikanischer Samples, darunter James Brown, Syl Johnson, Sly Stone, die Isley Brothers und sogar Bob Marley. Der Song wird eine Art Leitmotiv für den Film "Do The Right Thing" des schwarzen Filmregisseurs Spike Lee.Diese Folge wurde in Ö1 am 30. 12. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Griechischer Wein" - Udo Jürgens (Österreich, 1974)
In den 1960er Jahre erlebte die Wirtschaft in Mitteleuropa eine Hochkonjunktur; Arbeitskräfte wurden gesucht und sollten bald leichter aus dem Ausland für einige Saisonen angeworben werden können. 1962 vereinbarte Österreich ein erstes Abkommen mit Spanien, 1964 mit der Türkei und 1966 mit Jugoslawien. 1973 wurden die Abkommen - kurz nach der ersten Ölpreiskrise - weitgehend gestoppt, zehntausende Verträge wurden nicht verlängert. Eine Rückkehr in die Türkei ist für viele allerdings schwer, denn das Militär hatte geputscht und die Inflation war hoch. Udo Jürgens nahm sich solcher Schicksale 1974 im Song "Griechischer Wein" an. In einem Wirtshaus sitzen griechische Gastarbeiter zusammen, die sich irgendwann ein kleines Glück in ihrer alten Heimat aufbauen möchten. Diese Folge wurde in Ö1 am 01. 12. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"American Idiot" - Green Day (USA, 2004)
Die Vereinigten Staaten von Amerika führten unter Präsident George W. Bush bald schon Kriege in Afghanistan und im Irak, während politische Gefangene ohne Prozess in ein Militärgefängnis auf Kuba verschleppt wurden. Medien wirkten insbesondere nach den Anschlägen vom 11. September gleichgeschaltet - das jedenfalls beobachtete die Pop-Punk-Band Green Day auf ihrem Album "American Idiot" von 2004.Diese Folge wurde in Ö1 am 03. 12. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Kelmti Horra" - Emel Mathlouthi (Tunesien, 2012)
Am 14. Jänner 2011 stand Emel Mathlouthi auf der Avenue Habib Bourguiba in Tunis und fing an zu singen. "Mein Wort ist frei", lautet eine Textzeile auf Arabisch, "Wir haben keine Angst" eine anderem oder "Für die, die aufbegehren, sind wir die Stimme". Die Sängerin war vor wenigen Jahren nach Frankreich gezogen, aber wegen einer seit Wochen anhaltenden Proteste gegen die Staatsführung war sie in ihr Heimatland gekommen. 2015 sang Emel Mathlouthi ihren Song dann bei der Zeremonie zur Verleihung des Friedensnobelpreises. Vier Personen aus Tunesien wurden dabei für ihren Einsatz für Dialog und Demokratie geehrt.Diese Folge wurde in Ö1 am 04. 12. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Mona Ki Ngi Xica" - Bonga (Angola, 1972)
Zu Beginn der 1970er Jahre war Afrika weitgehend entkolonisiert. Nur Portugal hielt noch an den sogenannten Übersee-Provinzen fest. Dazu zählte Angola in Südwestafrika. Der Leichtathlet José Adelino Barceló de Carvalho - der wegen seiner sportlichen Leistungen ungewöhnlich viel Reisefreiheit genoss - half in dieser Zeit dabei mit, die Unabhängigkeitsbewegungen im Ausland miteinander zu vernetzen. Er musste ins europäische Exil gehen und nahm dort sein erstes Album "Angola 72/74" in seiner Muttersprache Kimbundu auf - darunter auch den Song "Mona Ki Ngi Xica" über emotionale Entwurzelung. 1975 wurde Angola als Folge der portugiesischen Nelkenrevolution unabhängig, versank aber für mehrere Jahrzehnte im Bürgerkrieg.Diese Folge wurde in Ö1 am 10. 11. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"London Calling" - The Clash (UK, 1979)
1978 erlebte Großbritannien einen ungewöhnlich kalten "Winter des Missvergnügens", dazu monatelange Streiks, eine Kernschmelze in einem US-amerikanischen Nuklearkraftwerk und die zweite Ölpreiskrise. Die britische Post-Punk-Band The Clash sah sich gezwungen, mit dem Song "London Calling" einen lauten, verzweifelten Notruf aus dem Herzen eines untergehenden Imperiums abzusetzen. Sänger Joe Strummer griff zu Galgenhumor, um sich und die Welt auf die konservative Gegenrevolution der 1980er Jahre einzustimmen. Denn mit der Wahl von Margaret Thatcher zur britischen Premierministerin waren Nachkriegskonsens und sozialer Ausgleich in sich zusammengebrochen. "London Calling" gilt heute trotz seines düsteren Inhalts als essentieller Protestsong.Diese Folge wurde in Ö1 am 11. 11. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Fast Car" - Tracy Chapman (USA, 1988)
Der Zufall wollte es, dass aus "Fast Car" ein weltweiter Hit wurde. Im Juni 1988 fand im Londoner Wembley Stadion ein Benefizkonzert anlässlich des 70. Geburtstags des inhaftierten Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Mandela statt. Soul-Star Stevie Wonder hatte Technikprobleme, deshalb sollte die junge Sängerin Tracy Chapman ein weiteres Mal auf die Bühne, wo ihr an die 600 Millionen Menschen weltweit via Satellitenfernsehen zuhören konnten, wie sie über ein schnelles Auto sang und dabei einen nüchternen Blick auf das Versprechen sozialen Aufstiegs warf. Ein Cover des Songs "Fast Car" von Luke Combs wurde 2023 zum Hit. Bei den Grammy Awards 2024 sangen beide - die scheue schwarze queere Folk-Sängerin und der unprätentiöse Country-Sänger - "Fast Car" gemeinsam.Diese Folge wurde in Ö1 am 12. 11. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Kyarenga" - Bobi Wine (Uganda, 2018)
Uganda wird seit beinahe vierzig Jahren von Yoweri Museveni regiert. Der prominenteste Kämpfer gegen seine Politik ist der Reggae- und Dancehall-Musiker Bobi Wine. Der Musiker wurde 2017 zum Abgeordneten zum Parlament gewählt. Im Mai 2018 erschien Bobi Wines Single "Kyarenga". Das Liebeslied ließ sich sehr leicht als Allegorie auf die Zustände im Land verstehen. Bald schon gründete Bobi Wine eine politische Bewegung - People Power, alle Macht geht vom Volk aus - sowie eine Partei - die National Unity Platform. Der Musiker wurde mit Strafen und Gewalt eingeschüchtert. Trotzdem trat er gegen den Langzeitpräsidenten Museveni bei umstrittenen Wahlen an, wo er letztlich rund ein Drittel der Stimmen erhielt.Diese Folge wurde in Ö1 am 13. 11. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Non, Je Ne Regrette Rien" - Edith Piaf (Frankreich, 1960)
Die französische Sängerin Edith Piaf widmete ihren letzten großen Hit "Non, je ne regrette rien" der französischen Fremdenlegion, sie sang den Song auf einer Plattform des Eiffelturms anlässlich des Kinostarts eines Films über die Landung alliierter Truppen in der Normandie; und als französische Truppen 1962 aus Algerien in Marseille landeten, sangen sie ebenfalls dieses Chanson. Andererseits gilt "Non, je ne regrette rien" als Edith Piafs Schwanengesang. 1961 war sie bereits gezeichnet von schwerer Krankheit, als sie vor versammelter Prominenz bei einem Comeback-Konzert auftrat, nachdem sie ihr Leben lang für einfache Leute gesungen hatte.Diese Folge wurde in Ö1 am 6. 10. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Running Up That Hill" - Kate Bush (UK, 1985)
"Running Up That Hill" chartet in vielen Ländern weltweit zweimal. Einmal am Höhepunkt der Thatcher-Ära, als sich Tories und Labour in Großbritannien einander ideologisch bekämpften und der Kalte Krieg in atomarer Hochrüstung mündete. Das andere Mal 2022 als eine weltweite Pandemie tiefe gesellschaftlich Gräben hinterlassen hat. Der Song "Running Up That Hill" handelt von einem faustianischen Vertrag - nicht mit dem Teufel, sondern mit Gott, um die unüberwindbaren Verständigungsschwierigkeiten zwischen zwei Menschen zu überbrücken. Kate Bush hatte das dazugehörige Album in Eigenregie in ihrem Heimstudio mit neuartigen Synthesizern und Rhythmusmaschinen aufgenommen. Diese Folge wurde in Ö1 am 8. 10. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Where Does My Heart Beat Now" - Celine Dion (Kanada, 1990)
Die englischsprachige Minderheit war über Jahrhunderte in der kanadischen Provinz Québec tonangegebend. Das änderte sich erst mit der sog. "Stillen Revolution", die in den 1960ern auch eine gesellschaftliche Öffnung brachte. Das Verhältnis von kandischem Staat und der Provinz Québec blieb aber zurüttet. Celine Dion, die berühmteste Musikerin der Provinz, wurde in diese Querelen hineingezogen, als sie etwa den accent über dem E aus ihrem Namen streichen ließ. Aus Céline wurde Celine. Oder etwa als die Sängerin, die vielen als unraffiniert galt, immer häufiger Songs auf Englisch einsang. Der Song "Where Does My Heart Beat Now" von 1990 bringt die Ambivalenz auf den Punkt - fünf Jahre bevor eine weitere Unabhängigkeitsabstimmung in Québec endgültig Klarheit bringen sollte.Diese Folge wurde in Ö1 am 9. 10. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Quimbara" - Celia Cruz (USA, 1974)
"Salsa existiert nicht", pflegte die Königin des Salsa selbst zu sagen. Sie würde nur kubaniche Musik spielen wie sie schon die kubanische Band Sonora Matancera gespielt hatte, also Guarachas, Boleros, und so weiter. Aber Celia Cruz wurde als Königin des Salsa bekannt. Und kubanische Musik wurde in New York transformiert. Dort lebten bereits hunderttausende Menschen aus Puerto Rico, denen ab 1959 - ausgelöst durch eine Linke Revolution - zehntausende Menschen aus Kuba folgten. Für sie war Salsa eine Verbindung zwischen der alten, vorindustriellen Heimat und der modernen, teils dystopischen Großstadt, wie auch ein Weg, um sich in ihrer karibischen Identität zu bestärken, für die sie in New York oft verspottet werden. Diese Folge wurde in Ö1 am 7. 10. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"I Feel Love" - Donna Summer (Deutschland, 1977)
Im Sommer 1975, so war in einer berühmten New Yorker Disco-Kolumne zu lesen, habe man über kaum etwas so oft gesprochen wie über Donna Summers 17-minütiges "Love to Love You Baby" - ein Import aus dem fernen München. Die Stadt war im Zuge der Olympischen Spiele 1972 umfassend modernisiert worden. Donna Summer sang dort zunächst in Musicals, bevor sie im Studio des jungen Südtirolers Giovanni Giorgio Moroder aufnahm. Zwei Jahre später markierte "I Feel Love" (1977) einen Wendepunkt in der Geschichte der Popmusik: Der Song gilt als Geburtsstunde der elektronischen Tanzmusik. Summers sinnlicher Gesang traf auf ein Arrangement, das nahezu vollständig auf modularen Synthesizern basierte - eine radikale Abkehr vom üppigen, orchestralen Disco-Sound der Zeit. Diese Folge wurde in Ö1 am 8. 09. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Peremen! (Changes!)" - Kino (Sowjetunion, 1986)
"Peremen!" forderte Kino-Sänger Wiktor Zoi im Jahr 1986. In der Sowjetunion konnte das früher Gefängnis bedeuten. Doch Michail Gorbatschow hatte bei seinem Amtsantritt als Staatsoberhaupt der Sowjetunion Offenheit und Umbau (Glasnost und Perestroika) versprochen. Der Song "Peremen!" verband eingängige New-Wave-Gitarrenriffs mit minimalistischer Rhythmik. Der Refrain "Wir warten auf Veränderung!" wurde dabei zum kämpferischen Slogan einer jungen Generation. Der Song verbreitete sich über Mixtapes, wurde auf illegalen Konzerten gespielt und gelangte zuletzt auf die großen Bühnen der UdSSR - trotz der Skepsis der Behörden gegenüber der wachsenden westlich-geprägten Rockszene. Noch heute wird "Peremen!" bei Protesten in Russland oder Weißrussland gespielt.Diese Folge wurde in Ö1 am 9. 09. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Unfinished Sympathy" - Massive Attack (UK, 1991)
In den späten 1980ern mischten sich in der britischen Hafenstadt Bristol auf einzigartige Weise Reggae, Dub, Hip Hop mit Punk-Ethos, elektronischen Sounds, Samples und dem Handwerk einer erstklassigen Musikuniversität. Während der Rest des Landes auf eine Antwort auf amerikanischen Grunge wartete - der als Britpop bekannt werden sollte - entstand in der relativen Abgeschiedenheit von Bristol elektronische Musik, die für die Zeit nach dem Club gedacht war. 1991 - kurz nach Zusammenbruch des Ostblocks - formuliert der Song "Unfinished Sympathy" eine sehnsüchtige, opulente Offenheit - ohne klassischen Refrain, ohne klassische Bassfigur. Stattdessen schwillt ein Orchester an und ab, während eine soulige Frauenstimme von ihren Leiden erzählt. Diese Folge wurde in Ö1 am 10. 09. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Formation" - Beyoncé (USA, 2016)
"Formation" war der kämpferische Auftakt zu Beyoncés visuellem Album "Lemonade", das sich als komplexe Hommage an die Geschichte, Traumata, Spiritualität und Widerstandskraft schwarzer Amerikanerinnen und Amerikaner verstand. Das Video zu "Formation" wurde einen Tag vor dem 50. Super Bowl veröffentlicht.Diese Folge wurde in Ö1 am 11. 09. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1:Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Coimbra" - Amália Rodrigues (Portugal, 1952)
In Coimbra steht die zweitälteste Universität Europas, zeitweise residierten dort die portugiesischen Könige und im 20. Jahrhundert lehrte Antonio Salazar hier Ökonomie, bevor er in den 1930er Jahren zum Diktator Portugals aufstieg. In Coimbra entstand ein Gegenentwurf zum Fado aus der Hauptstadt Lissabon. Die Gitarren waren größer. Und statt über vergebliche Liebe wurde öfters über die Zumutungen der Welt an empfindsame Seelen gesungen. Die Fado-Sängerin Amalia Rodrigues aus Lissabon setzte dieser Schule des Fado mit ihrer Interpretation von "Coimbra" ein Denkmal. 1951 nahm sie den Song auf, 1952 erschien er auf Vinyl. Die Stadt Coimbra wird in diesen Jahren unter Diktator Salazar ausgebaut, Portugal tritt der Nato und der UNO bei, bleibt aber bis in die 1970er Jahre eine Diktatur.Diese Folge wurde in Ö1 am 02.06. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Sukiyaki" - Kyu Sakamoto (Japan, 1961)
"Sukiyaki" ist der einzige Song aus Japan, der jemals eine Nummer Eins in den USA war. Ein britischer Radio-DJ hatte sich den einfach zu merkenden Titel einfallen lassen, der nichts mit dem Inhalt des Songs zu tun hat. Der Song beschreibt die ambivalenten Gefühle eines Mannes, der sich nicht von seiner Traurigkeit übermannen lässt, seinen Kopf hoch hält und weiter geht. Der Text wurde 1960 von Rokusuke Ei geschrieben, der eines Abends von den größten Protesten heimkam, die Japan im 20. Jahrhundert erlebt hatte. Hunderttausende Menschen demonstrierten gegen die Militärpräsenz der USA in Japan. Die Proteste scheiterten. Damit scheiterten die Bemühungen um eine stärkere Neutralität. Japan war damit allerdings zurück auf der Weltbühne. Diese Folge wurde in Ö1 am 03.06. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Wonderwall" - Oasis (UK, 1995)
In den 1990er Jahren entwickelte sich im Vereinigten Königreich rasch eine Alternative zu US-amerikanischem Grunge, die bald Britpop genannt wurde.Das Land rückte in die politische Mitte, wo Tony Blair seine New Labour Party seit 1994 positioniert hatte. Britpop bereitete diesen Wandel mit vor. Unter dem Schlagwort 'Cool Britannia' verbreiteten sich britische Musik, britische Kunst und der Union Jack wieder bis an die Ränder des ehemaligen Empires. Die größte Band dieser Zeit - und die Band mit der größten Klappe - war Oasis. Und ihr Hit über eine Person, einen Mann oder eine Frau, die den Protagonisten doch retten möge.Diese Folge wurde in Ö1 am 04.06. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Regenbogenfarben" - Kerstin Ott, Helene Fischer (Deutschland, 2018)
In den 2010er Jahren wurde in immer mehr west- und mitteleuropäischen Staaten die "Ehe für alle" gesetzlich verankert. Im Film, in der Kunst, im Pop und R'n'B waren schwule, lesbische und langsam auch trans- und non-binäre Künstler:innen Normalität. Im deutschen Schlager und der Volksmusik dauerte es, bis sie wirklich willkommen waren. 2018 konnte man im Video zu "Regenbogenfarben" von Berliner Schlagersängerin Kerstin Ott sehen, wie sie ihre Frau küsst und ein lesbisches Paar Hochzeit feiert. Im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit kam der Song in einer Version mit Deutschlands größtem Schlagerstar Helene Fischer für ihre Fernseh-Weihnachtsshow an.Diese Folge wurde in Ö1 am 05.06. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von Ö1.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"The Third Man Theme" - Anton Karas (Österreich, 1949)
Die Saiten schwingen sanft im Rhythmus einer Melodie. Und sie füllen die Leinwand aus. Mit diesen Bildern beginnt der britische Film Noir "Der Dritte Mann" im Jahr 1949. Wien erklingt. "Gab es je einen Film" - so beginnt der legendäre Filmkritiker Roger Ebert einen Text, "dessen Musik perfekter zur Handlung passte als im Dritten Mann?". Der Klang ist fröhlich, schrieb er, aber ohne Freude, wie ein Pfeifen im Dunkeln. Die Musik zum Film wurde von dem Wiener Zitherspieler Anton Karas in London geschrieben und eingespielt, sie wurde zur ersten Nummer-Eins eines Österreichers in den Vereinigten Staaten, wo sie sich elf Wochen lang hielt, und führte zu einem Zither-Boom.Diese Episode wurde in Ö1 am 5.05. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"What's Going On" - Marvin Gaye (USA, 1971)
Motown Records aus der Autostadt Detroit, Michigan, wurde in den 1960er Jahren zum Inbegriff des sozialen Aufstiegsversprechens für die schwarze Bevölkerung in den USA. Das Label fertigte hochwertige Musik en masse an. Als der Motown-Star Marvin Gaye ein Konzeptalbum mit überlangen Songs aus Sicht eines Vietnamkriegsveteranen schreiben wollte, soll Labelchef Berry Gordy gesagt haben, es wäre das Schlimmste, was er je gehört hat. Marvin Gaye konnte sich letztlich durchsetzen. Auf dem Album "What's Going On" war die politische Paranoia der konservativen Nixon-Jahre deutlich zu spüren, während die Slogans von Liebe durch urbane Gewalt, verarmte Innenstädte, sauren Regen und Rassismus immer deutlicher in Frage gestellt wurden.Diese Episode wurde in Ö1 am 6.05. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"I'm 16" - Ros Serey Sothea (Kambodscha, 1972)
Der König von Kambodscha wollte seinem Land die Moderne und Wohlstand bringen - in Äquidistanz zu den beiden großen Machtblöcken in der Welt. Er versuchte sein Land in die Neutralität zu führen und verlor dabei zusehends die Unterstützung linker und rechter Kräfte in Kambodscha. Dabei ließ er auch westliche Kultur fördern. Eine besonders dramatische Stimme gehörte Ros Serey Sothea. Sie wurde zum Aushängeschild einer neuen Zeit. Doch Kambodscha wurde zusehends in den Kampf von Ost gegen West hineingezogen. 1970 wurde der König gestürzt, 1975 übernahmen die Roten Khmer nach einen blutigem Bürgerkrieg die Macht, in dessen Wirren auch Ros Serey Sothea getötet wurde.Diese Episode wurde in Ö1 am 7.05. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Smells Like Teen Spirit" - Nirvana (USA, 1991)
1991 ist das Ende der Geschichte angebrochen. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben den Kalten Krieg gewonnen und Kapitalismus war mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Massaker am Platz des Himmlischen Friedens neuerdings die einzige Ideologie, die die Welt formen konnte. "Here we are now, entertain us", singen Nirvana aus dem kalten Nordosten Amerikas, aus Aberdeen. Wenige Songs ließen die Popmusikgeschichte in ein Vorher und ein Nachher zerfallen. Wenn sich die ironisch-zynische Generation X auf einen Song reduzieren lassen würde, es wäre dieser. Nirvana wurden zur Stimme einer neuen Zeit hochstilisiert - einem Ruf, dem sich insbesondere Sänger Kurt Cobain vergeblich zu entziehen versuchte.Diese Episode wurde in Ö1 am 8.05. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Surfin' USA" - Beach Boys (USA, 1963)
Die Bevölkerung von Kalifornien wuchs in zwei Jahrzehnten auf das Doppelte an. Und im Sommer 1961 veranstaltete Dick Dale erstmals in einem großen Ballsaal an einem Strand nahe Los Angeles sogenannte Stomps. Sie wurden zur Keimzelle von Surf-Musik wie auch dem filmischen Genre der Beach Partys. Die Beach Boys verdankten dieser Freizeitkultur ihre ersten Hits. Die Beach Boys galten in der instrumentalen Surfszene zunächst als Außenseiter. Ihre Hits aber - zunächst Surfin, dann Surfin Safari und 1963 dann Surfin USA - katapultieren die Subkultur ins nationale Rampenlicht. Eine Eigenproduktion des ORF, gesendet in Ö1 von 07. 04.-10.04. 2025.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Sailing" - Christopher Cross (USA, 1980)
1980 waren Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Deng Xiaoping frisch an der Macht. Die zweite Ölpreiskrise - eine Folge der islamistischen Revolution im Iran - hatte kurz zuvor Schockwellen durch die Weltwirtschaft geschickt. In den USA waren Arbeitslosigkeit und Inflation hoch. Und der Texaner Christopher Cross sang, dass das Paradies nicht mehr weit wäre. Auf "Sailing" tragen Wind und Segel das lyrische Ich ins Nimmerland. Bald wird es frei sein, hieß es. Christopher Cross gewann auf Anhieb fünf Grammys, darunter die großen drei für den Song, das Album und die Aufnahme des Jahres.Diese Episode wurde in Ö1 am 4.04. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Waka Waka" - Shakira (Kolumbien, 2010)
Südafrika war 2010 Schauplatz der Fußball-Weltmeisterschaft. Für den offiziellen Song der Weltmeisterschaft griff ein US-amerikanischer Produzent für die kolumbianische Sängerin Shakira auf eine südafrikanische Band und einen Song aus Kamerun zurück. "Waka Waka" beruhte auf "Zangaléwa", einem Song, der vor allem bei Soldaten, der Polizei und bei Paraden in Kamerun beliebt war. Die Urheber wurden erst verständigt, nachdem viele Menschen online auf seine Ursprünge hingewiesen hatten.In Südafrika selbst hielt man Shakira nicht unbedingt für die beste Überbringerin einer panafrikanischen Botschaft. Bald schon wurde "Waka Waka" aber mit seinem globalisierten Pop-Sound und seinem fast naiven Optimismus zum erfolgreichsten Song eines Fußball-Turniers. Diese Episode wurde in Ö1 am 7.04. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Oblivion" - Grimes (Kanada, 2012)
2012 trieb die kanadische Sängerin Grimes mit ihrem Song "Oblivion" die Geister aus, die sie seit einem sexuellen Übergriff verfolgten. Das Video wurde in zwei großen Sportstadien von Montreal gedreht. Footballspieler und Motocrossfahrer marschierten dort in ihren leichten Rüstungen auf, um ihr Können miteinander zu messen. Währenddessen tänzelte Grimes mit pinken Haaren durch die modernen Arenen und später in einer Umkleidekabine zwischen nackten Männer-Oberkörpern. Diese Episode wurde in Ö1 am 5.04. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Essence" - Wizkid, Tems (Nigeria, 2020)
Afrobeats ist wie ein Schwamm für unterschiedlichste Einflüsse. Einer der vielen Posterboys von Afrobeats heißt Wizkid. Kein anderer Musiker aus Nigeria wurde 2020 öfter gestreamt, vor allem sein Song "Essence". Wizkid sang ihn gemeinsam mit der nigerianischen Alté-Musikerin Tems ein - teils auf Englisch, teils auf Pidgin, teils auf Yoruba. Während der Corona-Lockdowns fing "Essence" das Gefühl unendlicher Erschöpfung und den Drang ein, nah bei anderen sein zu wollen. Im Sommer 2023 füllte Wizkid dann das Stadium von Tottenham in London. Seine Duett-Partnerin Tems hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Grammy gewonnen. Ein neues Zeitalter afrikanischer Kultur schien angebrochen. Gleichzeitig begann ein neuer Wettlauf um Afrika; westliche Musikkonzerne hatten Büros in Nigeria eröffnet, um Geld zu verdienen.Eine Eigenproduktion des ORF, gesendet in Ö1 von 10.-13. 03. 2025.Die Playlist und Literaturliste zum Podcast: 100 Songs - Shownotes
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"Royals" - Lorde (Neuseeland, 2012)
Lorde schrieb"Royals", als sie 15 Jahre alt war. Die neuseeländische Sängerin hatte sich über die abstrusen Reichtümer gewundert, die im US-Pop der beginnenden 2010er Jahre angepriesen wurden, die nichts mit ihrer eigenen Realität zu tun hatten - teure Autos, teurer Alkohol oder Tiger, die an goldenen Leinen gehalten werden. "Wir werden niemals adelig sein", singt Lorde mit einem Hauch von Renitenz. "Royals" war gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit dem US-amerikanischen Kulturimperialismus. Allen voran mit Hip-Hop der Charts. Lorde brachte das auch Rassismus-Vorwürfe ein. Dass Lorde gleichzeitig ein Fan von Hip Hop war, wurde ausgeklammert.Diese Episode wurde in Ö1 am 10.03. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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"Amor Prohibido" - Selena (USA, 1994)
Als Selena Quintanilla - Künstlername Selena - im März 1995 von der Präsidentin ihres Fanclubs ermordet wurde, war sie der größte Popstar der Tejanos. Mit ihr begann die Latin Wave, die wenig später Stars wie Ricky Martin, Jennifer Lopez und Marc Anthony hervorbringen sollte. Tejanos heißen die Bewohner von Texas mit lateinamerikanischen Wurzeln. Selena brachte diese Musik, die mitunter an populäre Schlager erinnern konnte, erstmals in viele amerikanische Haushalte. Gleichzeitig experimentierte sie mit neueren Stilen wie R'n'B, Reggae, Tecnocumbia und elektronischer Musik. Der Song "Amor Prohibido" handelte dabei von einer verbotenen Liebe über soziale Gräben hinweg. Damit konnten Klassenunterschiede gemeint sein, politische Lager oder auch als queere Liebe.Diese Episode wurde in Ö1 am 11.03. 2025 gesendet und ist Teil des kultur- und zeitgeschichtlichen Archivs von oe1.ORF.at.Playlist und Literaturliste zum Podcast
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ABOUT THIS SHOW
Stefan Niederwieser und Co-Host Robert Stadlober beleuchten hundert ikonische Songs und ihr Eigenleben: ein Abschiedslied aus Chile wird zur Hymne von Protestbewegungen rund um den Globus; ein Protestlied wird zur Hymne von Sportfans; oder ein Lied übers Tanzen wird zu einer feministischen Hymne, selbst über den eigenen Körper zu bestimmen. Expertinnen und Experten erzählen die Geschichte von Revolutionen, Riots und Reformen, von Unruhen und Umbrüchen, von Kämpfen, Krisen und Konflikten, vom Wandel, Wenden und Zeitenwenden. Weitere Infos: https://oe1.orf.at/100songs
HOSTED BY
ORF
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