Erleuchtung garantiert - Wissenschaftliche Spotlights auf Religion und Spiritualität

PODCAST · society

Erleuchtung garantiert - Wissenschaftliche Spotlights auf Religion und Spiritualität

Was unterscheidet Menschen von Cyborgs? Was passiert, wenn wir sterben? Was hat Rap mit Religion zu tun? Gibt es Schuld und einen freien Willen? Was steht wirklich in der Bibel und wie ernst nehmen Muslime den Koran? An der Theologischen und Religionswissenschaftlichen Fakultät (TRF) der Universität Zürich wird zu diesen Fragen, zu Spiritualität und verschiedenen Religionen geforscht. Einmal im Monat spricht Religionswissenschaftlerin Dorothea Lüddeckens mit Kolleg:innen und Gästen über ihre Forschung, ihre Perspektiven auf Spiritualität, Religion und die Welt. Die Episoden erscheinen immer zum Ersten des Monats.

  1. 85

    Von Dornenkronen und Kopftüchern in Videoclips von Lady Gaga bis BTS – Religiöse Motive als symbolische Verdichtung

    Wieso sitzt Lady Gaga in einem Musikvideo bei Jesus auf dem Motorrad? Was bedeutet Karma für Taylor Swift? Warum kommen in einem Clip der K-Pop-Band BTS so viele christliche Symbole vor? Was hat Selbstfindung in der Popmusik mit Religion zu tun? Die Religionswissenschaftlerin Anna Höpflinger befasst sich unter anderem mit der Verwendung religiöser Symbole in Musikvideos und spricht im Podcast über den Kirchenraum in «Alice» von Veronica Fusaro, über Jesus und Judas als Teil einer Motorradgang bei Lady Gaga, über das Verständnis von Karma bei Taylor Swift und das Kopftuch bei Jaqlyn. Es geht um Frauengemeinschaften und eine moderne Interpretation der Ostergeschichte, um Popkultur als verbindendes Element, um Selbstfindung als transzendentem Vorgang und um das Brechen mit binären Kategorien. Und darum, was Hermann Hesse mit K-Pop zu tun hat. Besprochene Musikvideos (auf Youtube) – «Alice» von Veronica Fusaro – «Judas» von Lady Gaga – «Karma» von Taylor Swift ft. Ice Spice – «This is who I am» von Jaqlyn – «Safe me from myself» von Harris J. – «Blood Sweat & Tears» von BTS

  2. 84

    Buddhismus in Europa unter Migrantinnen und Konvertiten – von Idealen, Meditation und dem Umgang mit Missbrauch

    Ist die Buddha-Figur der neue Gartenzwerg? Wieso haben buddhistische Migrant:innen in der Schweiz nur selten etwas zu tun mit Schweizer:innen, die zum Buddhismus konvertiert sind? Wie gehen buddhistische Gemeinschaften mit Missbrauch um? Und was ist der «Alpin-Buddhismus»? Der Religionswissenschaftler Martin Baumann zeichnet im Gespräch die Geschichte des Buddhismus in Europa nach und erläutert wichtige buddhistische Begriffe und Konzepte. Er geht auf die Vielfalt an Glaubensrichtungen und Praktiken ein und auf die Idee einer idealen Religion. Es geht um die Bedeutung von Meditation und Ritualen in vietnamesischen, japanischen und tibetischen Gemeinschaften, um Reformbewegungen und Wiederverzauberung, um nationalistische Mönche in Sri Lanka und buddhistische Ökologie, um Schopenhauer, Dämonen und Selbstverantwortung.

  3. 83

    Insta- und Tiktok-Impulse zum Ramadan? – Junge Muslim:innen zwischen Norm und Erleichterung

    Welche Rolle spielen Social Media im Leben junger Muslim:innen? Mit was für Herausforderungen kämpfen Jugendliche im Fastenmonat Ramadan? Ist Gesundheit beim Fasten im Islam ein Thema? Und wer entscheidet eigentlich darüber, was jemand tun muss und lassen darf? Der Erziehungswissenschaftler und islamische Religionspädagoge Said Topalović berichtet von den Ergebnissen einer explorativen Studie zu den Social-Media-Aktivitäten muslimischer Jugendlicher und spricht über verschiedene Aspekte des Ramadans. Er macht deutlich, dass es im Ramadan nicht nur ums Fasten geht, sondern auch darum, ein besserer Mensch zu werden, Hilfsbereitschaft zu zeigen und soziale Kontakte zu pflegen. Topalović erklärt, inwiefern Social Media als Impulsgeber zwischen Normen und Erleichterungen fungieren und warum Tiktok und Insta manchmal dennoch überfordern. Ausserdem geht es darum, ob man sich im Ramadan die Zähne putzen darf, ob fasten die Produktivität erhöht und weshalb plötzlich sämtliche Parkplätze in der Umgebung von Moscheen belegt sind.

  4. 82

    Eremiten, eingemauerte Heilige, Digital Detox und Bodybuilding – Askese als soziale Praxis

    Ist Askese mehr als nur Verzicht und sich selbst quälen? Wieso kam es zwischen Asket:innen und kirchlichen Autoritäten immer wieder zu Reibereien? Warum ist für einen Marathonläufer das Publikum wichtig? Und wie kommt man ausgerechnet durch soziale Isolation zu Berühmtheit? Der Theologe Stefan Krauter und die Religionswissenschaftlerin Dorothea Lüddeckens sprechen über die Erkenntnisse aus einem gemeinsamen Seminar zum Thema Askese, diskutieren über extremen Verzicht als soziale Praxis, über zweifelhafte Freiwilligkeit, Disziplin, Ästhetik und religiöse Autorität. Es geht um eine Frau, die sich in einer St. Galler Kirche einmauern liess, um Digital Detox im Luxushotel und eine feministische Löwin.

  5. 81

    «Beide lachten und Jesus gab Gas» – Franz Hohler über Gott und die Welt

    Wieso macht der Teufel ausgerechnet in Bellinzona Autostopp? Wie kann man als politisch engagierter, mitfühlender Mensch das Böse ertragen, das uns auf Schritt und Tritt begegnet? Wie können Träume helfen, unsere eigene Welt nicht zu vergessen? Zum Jahreswechsel spricht der Schriftsteller und «Allgemeinpraktiker» Franz Hohler über seine religiösen Prägungen und über Figuren in seinen Erzählungen: «Gott und der Teufel gehören zum Mobiliar der Welt», sagt er. Geschichten seien immer Gegenwelten und können dabei helfen, «Inseln des Guten» zu schaffen. Wer keine eigene Welt mitbringen könne, werde erschlagen von der realen Welt. Im Podcast trägt er unveröffentlichte Gedichte vor, das «Gebet der Ungläubigen» und ein Neujahrsgedicht, und liest kurze Geschichten wie «Die Taube» und «Die Konferenz». Ausserdem erzählt er vom Cellospielen und der Kraft der Kunst, von Nonnen, die rund um die Uhr beten, und von Humor als Trauerarbeit.

  6. 80

    Weihnachten feiern – befreit von familiärer Kuschelromantik und moralischer Überforderung

    Weihnachten geht auch ohne harmonische Klein- oder Grossfamilie! Woher kommt überhaupt das omnipräsente romantische Weihnachtsideal? Sind seine Ursprünge wirklich im Christentum zu finden oder haben darin auch Singles und Patchworkfamilien einen Platz? Ethiker Michael Coors spricht im «Weihnachtspodcast» über Weihnachten als zivilreligiöse Verehrung von Familienidealen und über die grossen Belastungen, mit denen dieses Ideal oft verbunden ist. Er erinnert daran, dass die Familie von Jesus keineswegs dem moralischen Kleinfamilienstandard von heute entsprochen hat. Aus christlicher Sicht bietet Weihnachten durchaus Raum dafür, unterschiedliche Familien- und Freund*innenkonstellationen anzuerkennen, Konflikte zuzulassen und so oder so nicht «perfekt» sein zu müssen. Und nebenbei geht es auch um persönliche Weihnachtskonstellationen und -vorlieben von Michael Coors und Dorothea Lüddeckens. Hinweis: In dieser Folge sprechen wir auch über Themen, die emotional belastend sein können. Wenn dich etwas betrifft und du Unterstützung brauchst, zögere nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Informationen zu kostenlosen Beratungsangeboten findest du hier: https://www.wie-gehts-dir.ch/adressen-und-angebote/ich-suche-unterstuetzung

  7. 79

    Hate, Hope & Hashtag – alles möglich mit Tiktok, Insta und KI!

    Funktioniert Nächstenliebe auch in den sozialen Medien? Weshalb zeigen sich junge Christinnen mit Kopftuch auf Tiktok? Inwiefern hilft das Morgengebet islamischen Influencerinnen dabei, erfolgreich zu sein? Und weshalb führen Verschwörungserzählungen dazu, dass wir nicht mehr miteinander reden können? Diesen und vielen weiteren Fragen rund um Religion in den sozialen Medien gehen wir in einer «Special Edition»-Episode nach, die live am reformierten Jugendfestival Refine aufgenommen wurde. Fabienne Greuter, Valérie Helbling, Jolanda Macdonald und Leo Maucher, vier junge Wissenschaftler:innen aus Religionswissenschaft und Theologie, erzählen im Gespräch von ihrer Forschung, in der sie Glaubenstrends und religiöse Themen auf Youtube, Instagram und Tiktok in den Blick nehmen. Es geht um Scham, Selbstliebe und Shitstorms, um Leistungsdruck und Frühaufsteherinnen, QAnon und «Schlafschafe», um Flugtaxis, Klimawandel und Gemeinschaft. All das ist möglich in den sozialen Medien.

  8. 78

    Gefährliche Heuschrecken, schwache Löwen und faule Ameisen – in Texten vom antiken Afrika bis ins gegenwärtige Europa

    Sind sprachliche Tierbilder in allen Kulturen und über alle Zeiträume dieselben? Wie übersetzt man eine Geschichte mit einer Bärin in einem Gebiet, in dem es gar keine Bärinnen gibt? Und weshalb suchte sich ein Mensch im 8. Jh. vor Christus ausgerechnet eine Heuschrecke als Bild für sein Siegel aus? Im Gespräch mit Nesina Grütter geht es um jahrtausendealte Tablets, Sprache als Waffen, Postkolonialismus und den Unterschied zwischen biblischen und Zürcher Löwen. Sie ist Expertin für ​Altes Testament/Hebräische Bibel und Altorientalische Religionsgeschichte, arbeitet mit Texten, die bis zu 3500 Jahre alt sind, und mit einer Vielzahl von antiken semitischen Sprachen, darunter Altäthiopisch, Aramäisch, Phönizisch, Ugaritisch und Akkadisch. In ihrem Forschungsprojekt zu «animal imagery» gehen sie und ihr Team kulturell kodierter Tiersymbolik auf den Grund und zeigen auf, dass sprachliche Bilder auch kippen können: Löwen sind plötzlich negativ, Heuschrecken positiv konnotiert.

  9. 77

    Magie, Kult und Ambiguitäten in Videospielen – Dunja Sharbat Dar zu Games und Göttlichkeiten

    Warum sind fast alle erfolgreichen Videospiele ausgerechnet von Religion durchzogen? Wieso glauben vor allem hässliche Goblins «falsch» und was hat das mit rassistischen Stereotypen zu tun? Und: Worin liegt die Faszination des Gamens von «World of Warcraft», «Anno» oder «Baldur’s Gate 3»? Im Rahmen des RefLab-Festivals 2025 «Alles wird gut» war die Religionswissenschaftlerin und Japanologin Dunja Sharbat Dar im Podcast «Erleuchtung garantiert» zu Gast. Sie gibt Einblick in die Welt komplexer Computer-Rollenspiele wie «Baldur’s Gate 3» und erklärt die Faszination, die so viele Menschen – in der Schweiz 65% der Bevölkerung! – zum Gamen bringt. Sharbat Dar spricht über die Ästhetik religiöser Phänomene in Videogames, über ihre Komplexität, Stereotypen und die Ambiguität von Göttern und Göttinnen in Games und in der japanischen Kultur. Und sie erklärt, weshalb das Gamen ihr Hoffnung gibt.

  10. 76

    Gesund dank Ahnengeistern und Pflanzenheilkunde: Traditionelle Medizin als Ressource in Uganda

    Was hat traditionelle Medizin mit Natur- und Ahnengeistern zu tun? Inwiefern können beide Ressourcen darstellen, wann wird es problematisch? Was geschieht, wenn die ökologische Grundlage der traditionellen Pflanzenheilkunde bedroht ist? Was, wenn die Politik gegen die traditionelle Medizin arbeitet? Jacqueline Grigo, Anthropologin und Religionswissenschaftlerin, forscht mit Partner:innen aus Uganda und der Schweiz zum Wandel traditioneller Medizin. Im Podcastgespräch erzählt sie, welche Rolle die traditionelle Medizin in Uganda spielt, mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert ist und wie sie mit religiösen und spirituellen Vorstellungen und Praktiken verwoben ist. Es geht um spirituelle Heiler und Scharlatane, um die ambivalente Stellung traditioneller Hebammen und um die Funktion von Museen als «Agents of social change». Grigo und ihre Projektpartner:innen nehmen auch die Schweiz in den Blick: Auch hier können Naturgeister, Planetenkonstellationen und rituelle Abläufe einen Platz im Herstellungsprozess pflanzlicher Heilmittel haben. Im Botanischen Garten der Universität Zürich ist noch bis zum 15. Oktober 2025 die Sonderausstellung «Ugandas Pflanzenheilkunst im Wandel» zu sehen. Sie enthält unter anderem Videoporträts von traditionellen Heilkundigen und Heilpflanzen sowie weiterführende Informationen zum medizinischen Pluralismus in Uganda.

  11. 75

    Unbekannte Schweiz: Über die Jenischen als Minderheit, die katholische Kirche und Antiziganismus

    Die Jenischen sind vermutlich die grösste anerkannte Minderheit der Schweizer Bevölkerung – und doch wissen die meisten erstaunlich wenig über sie. Dass wir es den Jenischen verdanken, dass wir unser Bier in einer Beiz trinken, weiss fast keiner – dafür gibt es zahlreiche Klischees über «die Fahrenden»: Sind alle Jenischen Nomad:innen, die als Scherenschleifer, Besenherstellerinnen oder Kesselflicker arbeiten? Was unterscheidet Jenische von Sinti und Roma? Sprechen Jenische eine eigene Sprache – und welche Religion haben sie? Die Religionswissenschaftlerin Carla Hagen gibt Einblick in die Kultur und die Geschichte der Jenischen und erzählt von ihrer Musik und dem Spiel «Bootschen», ihrem traditionellen Handwerk und ihrer Lebensweise. Sie beleuchtet ihre Verfolgungsgeschichte in der Schweiz, erklärt den Begriff «Antiziganismus» und zeigt auf, wie tief Vorurteile bis heute verankert sind. Dabei spielt auch die katholische Kirche eine zentrale Rolle – ebenso wie das Phänomen der «religiösen Übersättigung» oder die sogenannte «Speckkirche».

  12. 74

    Zürich um 1525: Von Gotteslästerung im Wirtshaus, Investitionen in Bildung und einem Hund auf der Kanzel

    Was ist uns fern und fremd an Zürich um 1525? Gleich neben dem Grossmünster, in dem vor 500 Jahren im Zuge der Reformation die «Prophezey» als «Hohe Schule» in Zürich gegründet wurde, fand dieser Live-Podcast mit der Neuzeit-Historikerin Francisca Loetz und dem Kirchenhistoriker Tobias Jammerthal statt. Die beiden erzählen von einem Hund, der für Furore sorgte, einem Alkoholiker, der sich mit der Bibel verteidigte und von muslimischen Kindern als «exotischen Mitbringsel». Es geht um die Rolle der Bibel und darum, was die Leute am Koran interessierte, der in einer überarbeiteten Übersetzung (angeblich) das erste mal in gedruckter Fassung in Zürich erschien. Gesprochen wird über Geschichtsklischees und die Anfänge der höheren Bildung in Zürich, über den Zusammenhang von Naturwissenschaft und Theologie und über das Schwätzen und Schlafen in der Kirche.

  13. 73

    «Hip-Hop is bigger than Religion» – Von Rappern mit Dornenkrone, dem Kendrick-Drake-Beef und Zeremonienmeister:innen

    Wieso spielen Religion und Spiritualität im Hip-Hop, dem einflussreichsten kulturellen Phänomen der zweiten Hälfte des 20.Jh., so eine grosse Rolle? Ist Rap eher muslimisch, christlich oder sogar atheistisch geprägt und wie ist er beeinflusst von neu-religiösen Bewegungen? Handelt es sich bei Superstar Kendrick Lamar um einen guten Christen oder um einen bibelaffinen Humanisten? Religionswissenschaftler David Atwood erklärt, was hinter dem «Beef» von Lamar und Drake steht und weshalb die diesjährige Half-Time-Show des Superbowls etwas anders war als sonst. Er spricht darüber, wie im Hip-Hop mit Religion umgegangen wird und wo Hip-Hop sogar selbst religiöse Züge annimmt – mit Masters of Ceremony (MCs), Mythen, Ritualen und Kanonisierung. Ausserdem geht es um Frauen im Hiphop, um die Bewegung «Black Hebrews» und den spirituellen Autor Eckhart Tolle. [Aus rechtlichen Gründen können die im Gespräch erwähnten Songs nicht wie geplant im Podcast abgespielt werden. Eine Aufnahme der Episode inkl. Songs findet sich unter: www.erleuchtung-garantiert.ch] Erwähnte Songs: – Kendrick Lamar: YAH: https://www.youtube.com/watch?v=QlmxRtdAOLU – Erykah Badu: The Healer: https://www.youtube.com/watch?v=n25vseUQdK8 – Kendrick Lamar: Not like us: https://www.youtube.com/watch?v=H58vbez_m4E

  14. 72

    Sterben als Projekt? – Über den guten Tod, zweifelhafte Ideale und die Ambivalenz des «selbstbestimmten Sterbens»

    Gibt es ein richtiges, authentisches Sterben? Führen die Freiheit und Selbstbestimmung, die Sterbehilfeorganisationen wie Exit versprechen, zu neuen Zwängen? Kann und soll man sich mit einer Patient:innenverfügung vor Horrorszenarien wie Demenz oder dem lebenserhaltenden «Hängen an Schläuchen» schützen? Und was haben solch grundlegende Fragen mit der AHV zu tun? Die Medizinethikerin, Theologin und Journalistin Nina Streeck spricht im Podcast über Sterbeideale und Palliative Care, über Akzeptanz, Festhalten und Loslassen und über den Druck, der eigenen Familie nicht zur Last zu fallen. Es geht um das finanzpolitische Kalkül der kanadischen Regierung im Zusammenhang mit der Liberalisierung von Sterbehilfe und um den Intellektuellen Walter Jens, der sich entschied, mit Demenz weiterzuleben, obwohl er das früher ausgeschlossen hatte. Und: Sollte man Todgeweihten ihre Diagnose wirklich immer offenlegen?

  15. 71

    Rassismus an der Uni?! – Von Diskriminierung, Rassimuskritik und Schuldgefühlen

    Ist Rassismus in der Schweiz eine Erfindung der «woken Eliten» oder sind People of Color tatsächlich betroffen? Was kann man tun, wenn man rassistische Aussagen mithört, Mikroaggressionen miterlebt oder sogar selbst – ungewollt – ausübt? Lea Mägli erzählt von ihren Erfahrungen als Dozentin an der Uni, sie zeigt auf, wo und wie Rassismus auch bei uns eine Rolle spielt. Sie spricht sich für einen differenzierten Rassismusbegriff aus und klärt wie sich andere Diskriminierungsformen davon unterscheiden. Ausserdem geht es um die heftigen Abwehrreaktionen, die sich beim Thema beobachten lassen, um unwillentlichen Rassismus, Scham- und Schuldgefühle und um den Umgang damit. Und schliesslich auch um die Bedeutung von Religion(swissenschaft) in diesem Kontext.

  16. 70

    Religion im obligatorischen Schulunterricht? Worum es im Schulfach «Religionen, Kulturen, Ethik» (nicht) geht

    Was hat das Thema «Religion» an der öffentlichen Schule zu suchen? Sollen im Kanton Zürich die Schüler:innen religiöser werden oder vom Glauben abgebracht werden? Das obligatorische Schulfach «Religionen, Kulturen, Ethik» (RKE) will weder das eine noch das andere. Philipp Hetmanczyk, Religionswissenschaftler und Koordinator der fachwissenschaftlichen Ausbildung für dieses Fach, spricht im Podcast über Sinn und Zweck des Unterrichtes, über die Kompetenzen, die darin erworben werden, und die Herausforderungen, mit denen Schüler:innen und Lehrpersonen konfrontiert sind. Es geht um das Navigieren zwischen verschiedenen normativen Ansprüchen, um das Verstehen eigener und anderer Weltsichten und darum, wie Lehrpersonen im Unterricht mit ihrer eigenen (A-)Religiosität umgehen können und sollen. Dabei stellt sich durchaus auch die Frage: Ist es überhaupt noch zeitgemäss, in der Schule über Religion zu sprechen?

  17. 69

    Kinderkriegen für die Ahnen – Über Spiritualität, Familie und Wirtschaftsboom in Vietnam

    Weshalb werden in Vietnam viel mehr Jungen als Mädchen geboren? Warum führte hier der Wirtschaftsaufschwung auch zu einer Wiederbelebung von religiösen Praktiken? Und wieso werden in Vietnam nicht Geburtstage, sondern Todestage gefeiert? Die Ethnologin Prof. Dr. Annuska Derks forscht seit Jahrzehnten zu Südostasien, insbesondere zu Vietnam. Sie erzählt von der dortigen Religionslandschaft mit den drei sich ergänzenden Lehren Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus und vom herrschenden patrilinearen und patrilokalen Verwandtschaftssystem. Derks spricht über die Zusammenhänge von Wirtschaftsboom, Kleinfamilie und Religion, über die Omnipräsenz von Ahnenaltären in der vietnamesischen Alltagskultur, über Reproduktionsmedizin und über die hohe Rate an Ultraschalluntersuchungen. Ausserdem geht es darum, weshalb am ersten Tag des Monats niemand Kohle kauft und ob die verstorbene Grossmutter auch mal bei der Parkplatzsuche hilft. Annuska Derks (https://t.uzh.ch/1Og) ist Ausserordentliche Professorin im Bereich Ethnologie am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft (ISEK) und forscht u.a. zu sozialem Wandel, globalen Warenketten, Migration, Gender, Sexualität und Verwandtschaft. Ausserdem leitet sie ein Teilprojekt des Universitären Forschungsschwerpunkts «Human Reproduction Reloaded» (https://t.uzh.ch/1Oh).

  18. 68

    «Es bringt eben doch etwas» – Die Proteste von Muslim:innen gegen die hindu-nationalistische Politik in Indien

    2019 kam es in Indien zum bis dato grössten Aufstand seit der Unabhängigkeit 1947. Warum handelte es sich bei den Menschen, die mit Sit-In-Camps eine Hauptverkehrsachse in Delhi blockierten, vor allem um muslimische Frauen aus den unteren Kasten? Was ist aus diesen sogenannten «Shaheen Bagh»-Protesten geworden und wie ist die Situation heute? Britta Ohm, Politikwissenschaftlerin und Kulturanthropologin, forscht unter anderem zu Versammlungen und hat unter schwierigen Bedingungen mit Teilnehmer:innen der damaligen Grossdemonstrationen gesprochen. Im Podcast erzählt Ohm von der jahrzehntelangen Ghettoisierung, Überwachung und Ausgrenzung von Muslim:innen und von den Frauen, die den Kampf für das Recht auf Staatsbürgerschaft organisiert und angeführt haben – obwohl sie vorher nie alleine aus dem Haus gegangen sind. Ausserdem geht es um die Gefahren und Chancen von Social Media, um politische Gefangene, das Kastensystem in Südasien, um Indiens Premierminister Narendra Modi, Propaganda und Wahrheitsverdrehung. Weitere Informationen und Lektüre-Empfehlungen: – Personenprofil von Britta Ohm (Uni Mainz): https://kultur.ftmk.uni-mainz.de/dr-britta-ohm/ – Zum Kastensystem in Indien: «Indien heute» von Hanns Wienold und (für Fortgeschrittene) «The (im)possibility of a term: ‘Pasmanda’, the (non-)addressability of the state, and the ghettoization of communication» von Britta Ohm – Zum zeitgenössischen Widerstand in Indien: «Azadi heißt Freiheit» von Arundhati Roy

  19. 67

    Getauft im Metaverse? – Über kirchliche Aushandlungsprozesse rund um digitale Gottesdienste

    Ist eine rein digitale Taufe im Metaverse «echt»? Sind Avatare identisch mit den Personen, die sie steuern? Wer bestimmt über solche Fragen und wie gehen die etablierten Kirchen mit digitalen Tauf- und Abendmahl-Praktiken um? Braucht der Heilige Geist eine Substanz um zu wirken? Der Theologe Thomas Schlag berichtet von unterschiedlichen Formen digitaler und hybrider Taufen, spricht über den (virtuellen) Raum als «relationales Phänomen» und zeigt auf, wie unterschiedlich die Forscher:innen verschiedener Fachrichtungen Gottesdienste (mit und ohne Abendmahl) im Metaverse bewerten. Ausserdem geht es um das spirituelle Festival «Find your flow» und um die Frage, ob es Gott auch ohne den Menschen gäbe. Thomas Schlag (www.trf.uzh.ch/de/personen/schlag) ist Professor für Praktische Theologie an der TRF und Direktor des Universitären Forschungsschwerpunkts «Digital Religion(s)» (www.digitalreligions.uzh.ch). Weitere Informationen: – Website der Metaverse Church: https://www.vrchurch.org/ – Youtube-Video einer Taufe im Metaverse: https://www.youtube.com/watch?v=cM-XFrgXkMo – Publikation zu dem im Gespräch erwähnte Konzept der «Hybridität» von Homi Bhabha: https://www.turia.at/titel/bhabha1.php – Website des spirituellen Festivals «find your flow!»: https://www.findyourflow.ch/

  20. 66

    Heikle Fragen um Schwangerschaftsabbruch und Behinderung – Prekäre Geburten von Bethlehem bis Zürich

    Ethische Fragen rund um Geburt und Schwangerschaft: Kann ich mir das Leben mit einem Kind mit Behinderung vorstellen? Wie reagiert das Umfeld auf die eine oder andere Entscheidung? Und bekommen Familien mit Kindern mit besonderen Bedürfnissen die Unterstützung, die sie brauchen? Tanja Krones, Leitende Ärztin für Klinische Ethik am Universitätsspital Zürich, erzählt von konkreten Schicksalen, ordnet ein und plädiert mit Nachdruck für Perspektivenwechsel. Es geht darum, was in Spanien anders läuft als in der Schweiz und was ein Schwangerschaftsabbruch mit (Selbst)Fürsorge zu tun haben kann. Tanja Krones spricht über Präimplantationsdiagnostik und die Kritik, dass hier Menschen mit Behinderung diskriminiert werden. Ausserdem geht es um Frauen, die wie Maria ihr Kind in prekären Situationen «fern der Heimat» gebären – der Stall des Jesuskindes, so Krones, ist auch auf der Zürcher Langstrasse. Tanja Krones (https://t.uzh.ch/1Nl) ist Ärztin, Medizinethikerin und Soziologin. Neben ihrer Arbeit als leitende Ärztin Klinische Ethik am Universitätsspital Zürich ist sie Professorin am Institut für Biomedizinische Ethik der UZH und u.a. beteiligt am Universitären Forschungsschwerpunkt Human Reproduction Reloaded (https://www.humanreproduction.uzh.ch). Wer dem Vorschlag folgen möchte, die Pfarrer Sieber Stiftung zu unterstützen: https://www.swsieber.ch/ Weitere Informationen – Aufsatz von Tanja Krones: «Pränatal- und Präimplatationsdiagnostik: Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen?»: https://www.mwv-open.de/site/chapters/e/10.32745/9783954661879-20/ – Im Gespräch erwähntes Buch von Rayna Rapp «Testing Women, Testing the Fetus The Social Impact of Amniocentesis in America»: https://shorturl.at/1dbDy – Podcast-Episode zur prekären Geburtssituation von Frauen im Migrationskontext (mit Jill Marxer): https://erleuchtung-garantiert.podigee.io/60-marxer – Die biblische Erzählung von Marias Schwangerschaft und der Geburt ihres Kindes Jesus finden Sie im Lukasevangelium: https://www.die-bibel.de/bibel/ZB/LUK.2

  21. 65

    Diskriminierung durch KI? – Von antimuslimischen Algorithmen, Verantwortung und dem Kampf um Sichtbarkeit

    Wie gehen Menschen damit um, wenn ihnen eine KI bzw. AI unterstellt, sich für extremistische Inhalte zu interessieren, nur weil Merkmale wie «muslimisch» und «arabisch-sprechend» auf sie zutreffen? Wieso sind Passfoto-Automaten immer dann «kaputt», wenn eine Frau mit Kopftuch Fotos machen möchte? Und wer steht eigentlich hinter den Entscheidungen von Künstlicher Intelligenz? Die Religionswissenschaftlerin Maike Sieler hat im Rahmen ihrer Forschung mit Menschen gesprochen, die von antimuslimischer Stellvertreterdiskriminierung durch KI betroffen sind, und berichtet, wie sie damit umgehen. Sieler spricht über den Bias von Algorithmen, die Verantwortung von Programmierer:innen und über die Tricks, die angewendet werden, um KI zu überlisten. Wie erfolgreich das sein kann, haben die Fans einer K-Pop-Band bewiesen. Maike Sieler (www.trf.uzh.ch/de/personen/sieler.html) arbeitet am Religionswissenschaftlichen Seminar der UZH und am Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik (ZRWP). Sie forscht u.a. zu antimuslimischem Rassismus und KI, zu Digital Religion und zum Mediendiskurs Islam. Weiterführende Informationen: Blogbeitrag zu «Antimuslimischem Rassismus und AI»: https://www.religion.ch/blog/antimuslimischer-rassismus-und-ai/ Artikel zum Nutzen von Künstlicher Intelligenz für die Gesellschaft: https://www.trf.uzh.ch/de/aktuell/facultativ/2023/god-like_AI.html

  22. 64

    Unerfüllter Kinderwunsch als existenzielle Krise – Reproduktionsmedizin, Fruchtbarkeitsyoga und Gebete

    Wie gehen Menschen mit ungewollter Kinderlosigkeit um? Linda Bosshart hat mit Menschen, religiösen und nicht-religiösen, gesprochen, die aus medizinischen Gründen keine Kinder bekommen können. Ganze Lebensentwürfe können zusammenbrechen, wenn sich einfach keine Schwangerschaft einstellt. Im Gespräch geht es um die Suche nach den Gründen für die Unfruchtbarkeit und um Möglichkeiten, die die moderne Reproduktionsmedizin bietet. Linda Bosshart berichtet von den starken Belastungen, denen betroffene Menschen ausgesetzt sind, und spricht über Endometriose, künstliche Befruchtung, Akupunktur, Fruchtbarkeitsyoga und Fehlgeburten. Und darüber, dass manche Angebote mit Schuldzuweisungen einhergehen und manchmal die Einstellung entscheidend ist, ob ein Angebot unterstützend wirkt oder nicht. Ausserdem geht es um die Frage, ob «Gottes Wunder» durch die Reproduktionsmedizin wirkt, um den Glauben als mögliche Ressource und um radikale Beziehungstipps. Linda Bosshart (www.trf.uzh.ch/de/personen/bosshart) forscht im Universitären Forschungsschwerpunkt «Human Reproduction Reloaded» (H2R): www.humanreproduction.uzh.ch Mehr zum Thema Reproduktionsmedizin hören Sie in der Folge «Wer darf (keine) Kinder kriegen?» mit Carolin Schurr: https://erleuchtung-garantiert.podigee.io/56-schurr Im UFSP «Human Reproduction Reloaded» wird u.a. auch zu den Themen Fehlgeburten (Dr. Julia Böcker), Leihmutterschaft (Lea Heistrüvers) und Spenderkinder (Dr. Daniel Drewniak) geforscht. Von Dr. Julia Böcker ist 2020 das Buch «Fehlgeburt und Stillgeburt. Eine Kultursoziologie der Verlusterfahrung» erschienen. Open Access verfügbar unter: https://tinyurl.com/bdduyv8p (rezensiert von Linda Bosshart: https://www.soziopolis.de/eine-frage-der-deutung.html) Weitere Informationen zu Endometriose erhalten Sie in der Sendung Puls von SRF: «Wenn der weibliche Zyklus krank macht» (https://tinyurl.com/5ae9ch39). Ein Podcast des Religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Zürich.

  23. 63

    Antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus heute – Vom Internationalen Frauentag bis zur Psychiatrie

    Rassismus auf dem Internationalen Frauentag? Ungleichbehandlung im Gesundheitswesen von Menschen, die als «fremd» wahrgenommen werden? Meltem Kulaçatan, Professorin für Soziale Arbeit, erzählt von ihrer Forschung mit Jüdinnen und Musliminnen und ihren Erinnerungen an ihre Arbeit in der Psychiatrie. Es geht um Misogynie und areligiösen Feminismus, um rassifizierte Zuschreibungen und um positive Stereotype, die auch rassistisch und antisemitisch sein können. Erklärt wird zudem, wie Religion im Umgang mit Ablehnung und Rassismus auch zur Ressource werden kann – und was Ramadan und Jom Kippur damit zu tun haben. Meltem Kulaçatan ist Professorin für Soziale Arbeit an der Internationalen Hochschule in Nürnberg. Sie ist derzeit Verena-Meyer-Gastprofessorin an der UZH (https://www.gleichstellung.uzh.ch/projekte/gastprofessur_verena_meyer.html). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Jugend, Religion mit Schwerpunkt Islam, Migration, Frauen- und Geschlechterforschung, Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft, jüdisch-muslimische Gegenwartsbeziehungen sowie islamistisch bedingte Radikalisierung und Radikalisierungsprävention in Deutschland. Sie war Projektleiterin (2017 – 2021) der Projekte «Religiöse Selbstentwürfe junger Muslim:innen in pädagogischen Handlungsfeldern», «Mapping und Analyse von Präventions- und Distanzierungsprojekten im Umgang mit islamistischer Radikalisierung» und «Frauen- und Mädchenarbeit im Kontext von Demokratieförderung und Radikalisierungsprävention». Mehr zu Forschung und Publikationen von Meltem Kulaçatan finden Sie hier: https://www.iu.de/hochschule/lehrende/kulacatan-meltem/ https://www.mapex-projekt.de/projektinformationen/ Dies ist ein Podcast des Religionswissenschaftlichen Seminars der Universität Zürich.

  24. 62

    Einhörner, Dating und Astrologie

    Wie kommt das Einhorn in die Astrologie? Wie passt das Interesse v.a. von jungen Frauen an Sternzeichen und Horoskopen in den Zeitgeist? Alexandra Kruse, Astrologin, spirituelle Entrepreneurin, Podcasterin, Hexe und «hart am Klischee» erklärt im Gespräch ihre Sicht zu den Chancen und Gefahren der Astrologie. Es geht um Sternkonstellationen und Datingverhalten, um das Verschieben von Operationen und um Entlastung ohne «aus der Verantwortung zu entlassen». Und auch Tina Turner, Matcha Latte und nicht zuletzt das Bezahlen von Rechnungen spielen im Gespräch zwischen Astrologin und Religionswissenschaftlerin eine Rolle. Mehr zu Alexandra Kruse finden Sie hier: – Website: https://www.alexandrakruse.com/ – Podcast «KOSMOS & CHAOS»: https://open.spotify.com/show/7uIP8UFamGGjpSl38A7gPo – Bei der Annabelle: https://www.annabelle.ch/redaktion/alexandra-kruse/

  25. 61

    Schon immer dagewesen und hochaktuell: Doulas, Begleiterinnen rund um die Geburt

    Schon immer dagewesen und hochaktuell: Doulas, Begleiterinnen rund um die Geburt Wer sind Doulas? Warum wächst die Nachfrage nach ihnen? Welche Rolle spielen sie im Judentum und welche für Frauen, die in der Schweiz Asyl suchen? Kürzlich hat eine Studie auf die besonders prekäre Situation der Gesundheitsversorgung im Asylwesen hingewiesen. Warum Doulas hier ganz besonders wichtig für die Begleitung in der Schwangerschaft sind, erklärt Jill Marxer im Podcast. Sie spricht über die Besonderheiten der Arbeit von jüdisch-orthodoxen Doulas, erklärt wie sich Hebammen und Doulas im Gesundheitswesen ergänzen und geht auf verschiedene Übergangsriten ein. Jill Marxer studierte Religionswissenschaft, Soziologie, Islamische Welt und Jüdische Studien. Weiterführende Links: – Mehr zu Jill Marxer finden Sie hier: https://t.uzh.ch/1Lh – Eine weitere Podcast-Folge mit ihr, «Weibliche Beschneidung als religiöse Praxis?», hören Sie hier: https://erleuchtung-garantiert.podigee.io/41-bosshart-marxer – Informationen zu der im Gespräch erwähnten Studie der Berner Fachhochschule finden Sie hier: https://refper-studie.ch/ – Mehr erfahren Sie im Artikel «Besser gebären mit ‹urweiblichem Wissen›?» von Jill Marxer: https://t.uzh.ch/1Li

  26. 60

    Wenn die Vergangenheit in der Gegenwart eine Zukunft macht – Dominik Müller über modernen Islam in Tatarstan

    Wieso studieren viele Menschen aus Zentralasien ausgerechnet in der Republik Tatarstan (Russische Föderation) Islam? Weshalb haben in Tatarstans Hauptstadt Kasan religiöse Unternehmer:innen Aufschwung und hippe Halal-Cafés Erfolg? Und was hat das alles mit Kommunismus zu tun? Dominik Müller ist Lecturer für Islam in Europa am Religionswissenschaftlichen Seminar und berichtet im Podcastgespräch von der Republik Tatarstan (Russische Föderation), die hierzulande kaum jemand kennt, obwohl sie geografisch Teil von Europa ist. Er wirft einen Blick in die Geschichte der Region und erzählt, wie Iwan der Schreckliche Moscheen zerstört und Katharina die Grosse religiöse Vielfalt gefördert hat, wie der Islam in der Sowjetunion zuerst als Urkommunismus interpretiert und später verfolgt wurde. Vor allem zeigt Müller aber auf, wie lebendig, modern und urban der Islam in Tatarstan heute ist. Er schildert wie Fashion-Influencer:innen an lange stigmatisierte Traditionen anknüpfen und wie ein junger Elektromusik-Produzent in einer Datscha zum Akkordeon greift und klassische tatarische Musik anstimmt.

  27. 59

    «Wir waren schon immer Cyborgs» – Hureyre Kam über Transhumanismus, Islamische Theologie und die Matrix

    Soll der Mensch sich selbst zum «nächsten Schritt in der Evolution» verhelfen? Kann die Seele auf einen Chip geladen werden? Und welche spirituellen und ethischen Konsequenzen haben solche Überlegungen für Musliminnen und Muslime? Hureyre Kam geht auf die neusten Debatten rund um KI-Technologien und Transhumanismus ein und spricht über Enhancement, Mind Uploading und Cyborgs. Es geht darum, ob der Film «Matrix» mehr ist als ein Hollywood-Blockbuster und ob wir in einer Simulation leben. Hureyre Kam ist im Herbstsemester 2024 als Gastprofessor für Islamische Theologie und Bildung an der TRF in Zürich.

  28. 58

    «Teamfluencer» als neues Kirchenmodell? – Evelyne Baumberger über Communitys, Feminismus und Followerzahlen

    Was heisst es für die Kirche als Institution, wenn Christ:innen sich lieber zum Wandern oder online treffen als im Kirchenraum? Wie könnte eine Kirche aufgebaut sein, in der nicht die Pfarrpersonen das Heft in der Hand haben? Und was haben die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung mit Feminismus zu tun? Evelyne Baumberger, Co-Leiterin des RefLab, erläutert im Podcast-Gespräch was unter «Nomanden-Christ:innen» und «Hiking-Church» zu verstehen ist und weshalb ein kirchliches «One-size-fits-all»-Modell nicht funktioniert. Sie spricht sich für flexiblere Strukturen, weniger Hierarchien und für einen Feminismus aus, der sich für alle Benachteiligten stark macht. Ausserdem verrät sie, was für die Arbeit auf Social Media wichtiger ist als die blanken Followerzahlen.

  29. 57

    Wer darf (keine) Kinder kriegen? – Carolin Schurr über Eizellspende, «Reproduktionsindustrie» und Ausbeutung

    Haben alle Menschen ein Recht darauf, Kinder zu bekommen? Welche Rolle spielen internationale Beziehungen und Migrationspolitik im Zusammenhang mit Eizellspende und Leihmutterschaft? Und was hat das alles mit Feminismus und Religion zu tun? Die Sozial- und Kulturgeografin Carolin Schurr zeigt auf, wie Leihmutterschaft und Eizellspende neue Familienformen ermöglichen, gleichzeitig aber auch zu neuen Formen der Ausbeutung führen können. Sie spricht über Spanien als El Dorado des Reproduktionsmedizin-Tourismus, über den Gerechtigkeitskampf des Schwarzen Feminismus in den USA und über die fehlende gynäkologische Versorgung von asylsuchenden Frauen in der Schweiz. Ausserdem geht Schurr auf den medizin-ethischen Umgang mit genetischen Erbkrankheiten ein und erzählt, welche Rollen Gott und der Religion bei all diesen Fragen zugesprochen werden.

  30. 56

    Fakenews, Geheimschrift und ein Einhorn-Talisman – David Mache und Paul A. Neuendorf über den Bullinger-Briefwechsel

    Warum berichten Briefschreiber:innen im 16. Jahrhundert immer wieder von Dingen, die nie passiert sind? Was veranlasst den angehenden Kaiser dazu, mit einem Zürcher Pfarrer zu korrespondieren? Und weshalb war der Bote manchmal wichtiger als der Brief, den er überbracht hat? David Mache und Paul A. Neuendorf entziffern, übersetzen und edieren Briefe aus dem Briefwechsel von Heinrich Bullinger, dem Nachfolger von Ulrich Zwingli. Die rund 12 000 erhaltenen und im Archiv der UZH gelagerten Briefe von und an Bullinger gewähren einzigartige Einblicke in Politik, Alltagsleben und Mentalität des 16. Jahrhunderts, stellen Mache und Neuendorf aber auch immer wieder vor grosse Herausforderungen. Im Podcastgespräch erzählen sie von ihrer Arbeit als Detektive und von Lügen, Geheimschrift und den heilenden Kräften eines Stückchen Einhornhorns. Weitere Informationen: • Bullinger-Briefwechsel-Edition: https://www.irg.uzh.ch/de/forschung/bullinger/edition-briefwechsel.html • Bullinger Digital: https://www.bullinger-digital.ch/ • Heinrich Bullinger-Stiftung: https://bullinger-stiftung.ch/

  31. 55

    Kirche hat mehr zu bieten – Stephan Jütte über Macht, Engagement und Kult

    Wer hat die Macht in der reformierten Kirche der Schweiz? Hat die Kirche überhaupt noch politischen Einfluss? Was unterscheidet die Kirche von einem Hilfswerk? Und: Kann sie wirklich dabei helfen, mit Ängsten umzugehen? Stephan Jütte, zuständig für die Kommunikation bei der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz (EKS) und Leiter des Kompetenzzentrums für Theologie und Ethik (KTE), erklärt im Podcast-Gespräch, weshalb die dezentrale Organisation der Reformierten Kirche ihre grosse Stärke ist und warum sie nicht auf ihr soziales Engagement reduziert werden darf. Jütte macht sich stark für das «Kultische» und das Bewusstsein, dass es Dinge gibt, die bedeutender sind als das eigene Leben. Ausserdem spricht er über Kirchgemeinden, die sich um Anweisungen foutieren, und über viel zu grosse Pullis und Selbstverzwergung. Informationen zur im Gespräch erwähnten Aktion «Beim Namen nennen» finden Sie hier: https://www.beimnamennennen.ch/

  32. 54

    Der herausgeforderte Staat – Regierungsrätin Jacqueline Fehr über Risiken und Chancen einer aktiven Religionspolitik

    Weshalb erhalten die Kirchen Geld vom Staat, obwohl ihre Mitgliederzahlen rapide sinken? Müssen alle Religionsgemeinschaften gleich behandelt werden? Und was bringt das alles den Atheist:innen? Im Podcastgespräch spricht die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr offen darüber, dass Religionsgemeinschaften den Staat immer wieder in seiner Autorität herausfordern. Sie betont aber auch, welche grosse Bedeutung sie für die Gesellschaft nach wie vor haben und welche ungeheure Ressource insbesondere der starke interreligiöse Dialog ist. Fehr spricht sich mit Nachdruck dafür aus, jenen den Rücken zu stärken, die hier leben wollen, und nicht denjenigen das Wort zu reden, die Religion dazu benutzen, Menschengruppen gegeneinander auszuspielen. Im Gespräch erwähnte Texte und Studien: – Leitsätze zu Religion und Staat im Kanton Zürich: https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/sport-kultur/religion/StaatundReligion.pdf – 1.-August-Rede von Jacqueline Fehr im theologische Feuilleton «Feinschwarz»: https://www.feinschwarz.net/wir-machen-religionspolitik-nicht-kirchenpolitik/ – Informationen zur Studie zum Beitrag von Zürcher Religionsgemeinschaften zum Gemeinwohl: https://www.zh.ch/de/news-uebersicht/medienmitteilungen/2024/02/die-zuercher-religionsgemeinschaften-tragen-zum-gemeinwohl-bei.html

  33. 53

    Wie geht der Mensch mit dem Mitmenschen um? Komponist Dr. h.c. Rudolf Lutz und seine Musik im Gespräch

    Wie lässt sich Grausamkeit, Verlogenheit, Trauer, Einsamkeit und Hoffnung mit Musik ausdrücken? Rudolf Lutz führt es vor in seinem jüngsten Werk, wo er – ausgehend von Bachs verloren gegangener Markuspassion – etwas Neues geschaffen hat: Die musikalische Geschichte von einem verzweifelten Jesus, einem vielschichtigen Judas, schottischen Legionären, Jüngern, die nichts mehr verstehen und Frauen, die eine ziemlich entscheidende Rolle spielen. Wie geht ein Komponist vor, wie setzt er gezielt Motive ein, wie versucht er Text musikalisch auszudrücken? Und was bewegt ihn, wenn er sich mit einzelnen Figuren auseinandersetzt? Im Gespräch mit dem Musiker Rudolf Lutz und dem Theologen Jörg Frey geht es – mit Musikeinspielungen – um eine Oktave als Vollendung einer Idee und um barocke Sprache, die heute verstanden werden soll und sich in Teilen anhört wie Musik des 20. Jahrhunderts. Jörg Frey findet, dass Lutz Bach in seiner Expressivität noch einmal steigert, Rudolf Lutz findet, dass er Bachs Ideen neu benutzt hat, und spricht von grossen Momenten. Er erzählt, weshalb er diese «gewagte Sache» in Angriff genommen hat, wie er beim Komponieren vorgegangen ist und welche Überlegungen ihn bei der Konturierung einzelner Passagen geleitet haben. Gemeinsam mit Jörg Frey und Dorothea Lüddeckens denkt Lutz über die ungeheure Einsamkeit von Jesus nach und erläutert, wie er der Komplexität der Judas-Figur begegnet ist. Ausserdem geht es um «angenehmes Mordgeschrei», Antijudaismus und den römischen Hauptmann Miles. Zu hören sind immer wieder Ausschnitte aus der Uraufführung – kommentiert, eingeordnet und erläutert aus wissenschaftlicher und musikalischer Perspektive. Gegenstand ist die Markus-Passion nach Bach'schem Libretto, uraufgeführt am 1. März 2024 in der Aula der Universität Zürich, komponiert von Dr. h.c. Rudolf Lutz, Ehrendoktor der Theologischen und Religionswissenschaftlichen Fakultät 2021. Zeitgleich mit dieser Podcast-Episode erscheint auch eine Aufnahme der Uraufführung, unter: www.trf.uzh.ch/aktuell/news/240419_Markuspassion.html

  34. 52

    Würfeln wäre schlauer – Katja Rost über Führungsstrukturen in Klöstern und korrumpierte Berufungsverfahren

    Klöster werden im Durchschnitt 750 Jahre alt, moderne Aktiengesellschaften gerade einmal 25 Jahre. Klöster kennen keine überrissenen Managerlöhne, besitzen aber eine robuste «Governance» und können auf einer gemeinsamen Wertebasis aufbauen. Religion scheint auch ausserhalb von Klöstern gut für die Arbeitsmoral zu sein, das zeigt eine Studie, die auch nachweist, dass religiös sozialisierte Personen stärker an Politik interessiert sind. Die Soziologin Katja Rost erklärt im Podcast auch, warum sie überzeugt ist, dass ein qualifiziertes Losverfahren bei der Wahl von Professor:innen besser wäre: es wäre weniger korrumpierbar, würde besser vor eingebildete Professor:innen schützen – und Geld sparen. Informationen zur im Podcast erwähnten Studie finden Sie in der Medienmitteilung «Die Zürcher Religionsgemeinschaften tragen zum Gemeinwohl bei», die der Kanton Zürich am 1.2.2024 veröffentlicht hat.

  35. 51

    Die Stille aushalten – Katharina Merian über den Karsamstag als Zwischenraum

    Am Karfreitag wurde Jesus gekreuzigt, am Ostersonntag ist er auferstanden – und dazwischen, am Karsamstag? Auf zahlreichen Bildern wird es abgebildet: Jesus steigt in die Unterwelt zu den Toten. Die Theologin Katharina Merian spricht über die Deutung dieses Abstieges in die Unterwelt, über die Woche vor dem Karfreitag, die jüdischen Kontexte von Schabbat und Pessach und wie das heute auch für Nicht-Christen «Sinn» machen kann.

  36. 50

    #ichvermissedich – Lea Gröbel über modernes Trauern, Engel und das Präsenthalten von Toten im Internet

    Können Internet und Social Media im Umgang mit dem Tod helfen? Wie wird auf Instagram getrauert und welche Vorstellungen von einem Leben nach dem Tod sind damit verbunden? Die Theologin Lea Gröbel forscht im Rahmen des universitären Forschungsschwerpunkts «Digital Religion(s)» zu digitalen Gedenkorten und Trauerpraktiken. Im Podcastgespräch erzählt sie, wie Social-Media-User:innen ihre Beziehungen zu Verstorbenen öffentlich machen, über die Toten und zu den Toten sprechen und sie so im eigenen Leben präsent halten. Oft werden sie als Engel beschrieben, die oben im Himmel und doch ganz nah bei den Trauernden sind, meist wird ihre Gegenwart als eine Ressource erlebt, manchmal kann sie vielleicht auch zur Belastung werden. Und was sagt die christliche Theologie dazu?

  37. 49

    «Mir langt der Heiland» – Bernadett Bigalke über Extremfasten, duldsame Heldinnen und konkurrierende Heiligkeitsmodelle

    Heilige Frauen, die über ihren Betten schweben und Lebensberatung für Pilger und Pilgerinnen anbieten? Das gabs! Zumindest wenn man den entsprechenden katholischen Heldinnengeschichten des 18., 19. und 20. Jahrhunderts glaubt. Zu den wesentlichen Merkmalen von Frauen wie Therese Neumann aus Konnersreuth gehörten aber nicht nur Stigmatisation und Levitation, sondern auch die Praxis radikaler Nahrungsabstinenz. Pünktlich zur Fastenzeit erzählt die Religionswissenschaftlerin Bernadett Bigalke im Podcast, wie invalide, bettlägerige Frauen u.a. durch den Verzicht auf Nahrung zu grosser religiöser Autorität in einem bestimmten katholischen Milieu gelangten. Sie kommt dabei auch auf konkurrierende Konzepte von Heiligkeit zu sprechen, auf «Breatharianism» und auf bekehrte Ärzte. Und sie erklärt, weshalb Markus Söder in die Peripherie der tschechischen Grenze fährt, um Wahlwerbung zu machen. Weiterführende Literatur - Walker Bynum, Caroline: «Die Frau als Körper und Nahrung», in: Menke, Bettine, Vinken, Barabra (Hg.), Stigmata: Poetiken der Körperinschrift, Paderborn 2004, S. 113-144. - Wolf, Hubert (Hg.): «Wahre» und «falsche» Heiligkeit: Mystik, Macht und Geschlechterrollen im Katholizismus des 19. Jahrhunderts, München 2013. - Köppl, Christiane: Mystik und Öffentlichkeit: Der Kult der Therese Neumann, Aachen 1997. - Bigalke, Bernadett: «Essen oder Nicht-Essen? Handlungsfelder radikaler Nahrungsabstinenz im 19. und 20. Jahrhundert», in: Kollodzeiski, Ulrike, Hafner, Johann (Hg.), Du sollst nicht essen: Warum Menschen auf Nahrung verzichten – interdisziplinäre Zugänge, Baden-Baden 2024, S. 61-76. - Osselaer, Tine van, u.a. (Hg.): The Devotion and Promotion of Stigmatics in Europe, c. 1800–1950 Between Saints and Celebrities, Leiden 2020. - Pulz, Waltraud: Nüchternes Kalkül « verzehrende Leidenschaft: Nahrungsabstinenz im 16. Jahrhundert, Köln 2007.

  38. 48

    Religionen klug lesen – Niklaus Peter über Weihnachten als Anfangsgeschichte(n), Ochs, Esel und Transformation

    Weshalb hat die Weihnachtsgeschichte vier verschiedene Anfänge? Wie kann man angesichts der aktuellen Weltlage an Weihnachten Hoffnung schöpfen? Und – jetzt wirklich – wie kommen Ochs und Esel eigentlich in die Krippe? Der Theologe und pensionierte Fraumünster-Pfarrer Niklaus Peter erzählt von der Radikalität der Weihnachtsgeschichte und von ihrer Kraft, noch nach 2000 Jahren die Glocken zum Klingen zu bringen. Er spricht sich dafür aus, Religionen klug zu lesen, und auf die Kraft zur Transformation zu hoffen. Ausserdem erzählt er von blökenden Franziskanern, vom kreativen Potenzial von Übersetzungsfehlern, von der Einführung von Christbäumen und von Evangelien in Klangform. Im Gespräch erwähnt: – Cees Nooteboom: Paradies verloren – Tumasch Dolf

  39. 47

    Lebenssatt oder lebensmüde? – Ralph Kunz über das Alter(n), Einsamkeit und Sinnfragen

    Wann ist man alt und woran merkt man das? Sind alle alten Menschen unglücklich und einsam? Und: Kann man sich auf das Alter(n) vorbereiten? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich Ralph Kunz, Professor für Praktische Theologie, nicht nur, aber auch beruflich. Im Podcast-Gespräch berichtet er von überraschenden Forschungsergebnissen und spricht über Einsamkeit und Gemeinschaft im Alter. Ausserdem geht es um Übergänge und Lebensaufgaben, um «Successful Aging», geistigen Proviant und reife Früchte.

  40. 46

    Voodoo jenseits von Hollywood – Birgit Meyer über traditionelle afrikanische Götter im Schatten des Christentums

    Voodoo (Vodun) bezeichnet eine Vielzahl religiöser Praktiken und Traditionen – an der Küste Westafrikas sowie auf Haiti und in Louisiana. In Brasilien spricht man von Candomblé und auf Kuba über Santería. Allen gemeinsam ist der Bezug auf Geister, die ursprünglich aus Afrika kommen. Die Anthropologin und Religionswissenschaftlerin Birgit Meyer zeichnet im Podcastgespräch nach, wie die christlichen Missionare die Götter des Vodun systematisch verteufelten – und den Glauben an sie gerade dadurch am Leben erhielten. Meyer, 2023 Ehrendoktorin der Theologischen Fakultät der UZH, spricht zudem über Vodun als Ressource für Schutz und Heilung, über die Offenheit von Vodun-Priestern gegenüber dem Internet und neuen Medien und über Museumsstücke, in denen hungrige Geister auf ein Opfer warten. Weitere Informationen zu den erwähnten Personen und Themen: - Workshop «Methods and Media of the Absent/Present»: https://vodun-epistemologies.ch/workshop/ - Informationen zum Schrein «Afrikan Magick Temple» in Accra und den Priester Christopher Voncujovi: https://www.afrikanmagicktemple.net/ und https://www.revodution.com/ - Die erwähnten Legba-Figuren und Dzoka («Amulette») sind Teil der Sammlung des Übersee-Museums in Bremen: https://www.uebersee-museum.de/

  41. 45

    Vom Letzten und Vorletzten – Tobias Jammerthal zu Philipp Melanchthon, der Reformation und dem Umgang mit Leistungsdruck

    Dass in Deutschland und Österreich der 31. Oktober 1517 als Reformationstag gilt, ist nicht etwa Luther zu verdanken, sondern dem damals erst 20-jährigen Philipp Melanchthon. Er war es, der Luthers legendären Thesenanschlag über sein breites Briefnetzwerk bekannt gemacht hat. Tobias Jammerthal, seit Anfang September Professor für Reformationsgeschichte an der Theologischen Fakultät in Zürich, erzählt im Podcast-Gespräch von Melanchthons rasanter universitärer Karriere und von seiner Vermittlerrolle in der Reformation. Ausserdem macht Jammerthal auf wirtschaftliche Aspekte der Reformationsbewegung aufmerksam, erläutert die unterschiedlichen Positionen bei den Zürcher Disputationen und verrät, wer in Wittenberg gemeinsam in einer ‹Reformatoren-WG› wohnte. Für Jammerthal sind die Überlegungen der Reformatoren auch heute noch aktuell – nicht nur, weil Religion etwas ist, das jeden direkt angeht, sondern auch, weil sie dabei helfen, den wachsenden Leistungsdruck in unserer Gesellschaft zu relativieren.

  42. 44

    «Es braucht eine positive Religionspolitik» – Irène Kälin über die Pflichten des Staates und Fake-News in der Politik

    Religion spielt im Nationalrat nur dann eine Rolle, wenn es um Skandale, Ausgrenzung und Abwehr geht. Dabei gibt es bei der Integration von religiösen Minderheiten, im Umgang mit (spirituellen) Konfessionslosen und in der «Seelsorge» viel zu tun. Die Nationalrätin Irène Kälin beschreibt im Podcast-Gespräch, wo ihrer Meinung nach der Staat zurzeit seine Verantwortung nicht wahrnimmt und wie eine «positive Religionspolitik» aussehen könnte. Ausserdem erzählt sie von der Frustration, dass «Fake-News» und Fakten in der Politik gleich viel (oder wenig) wert sind, spricht über die Gemeinsamkeiten von politischen Parteien und religiösen Bewegungen und formuliert einen Auftrag an die (Religions-)Wissenschaft: Sie soll raus aus dem Elfenbeinturm und sich laut und offensiv bemerkbar machen! Ein Podcast der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, produziert in Zusammenarbeit mit der Podcastschmiede.

  43. 43

    «Nächstenliebe gab es schon vor Jesus» – Rabbiner Jehoschua Ahrens über Sukkot und christlichen Antisemitismus

    Warum ziehen manche Jüdinnen und Juden ab heute, mit dem Beginn von Sukkot, für eine Woche in eine wacklige «Laubhütte»? Und wo bekommt man eine solche her, wenn man ohne Balkon, Garten oder Terrasse lebt? Beim fröhlichsten der drei jüdischen Wallfahrtsfeste geht es um eine Erinnerung – und daran, dass es nicht der Reichtum ist, der zählt. Rabbiner Dr. phil. Jehoschua Ahrens erklärt die historischen Hintergründe und warum bis heute in orthodoxen Synagogen Frauen und Männer getrennt sitzen. Er spricht ausserdem über die Ursprünge des christlichen Antisemitismus und die noch immer latent vorhandenen antijüdischen Tendenzen in Teilen der christlichen Theologie. Rabbiner Ahrens ist aber auch überzeugt, dass wir in «historischen Zeiten» leben, und zitiert den Zürcher Rabbiner Zwi Taubes (1900–1966), einen Kritiker des kirchlichen Antisemitismus. Nie seien sich die drei «positiven Offenbarungsreligionen» so sehr auf Augenhöhe begegnet wie heute. Ahrens blickt deshalb positiv in die Zukunft und ist überzeugt, dass die Religionen die Menschen zusammenbringen müssen, zumal sie jenseits von nationalstaatlichen Interessen und Parteipolitik auf der Basis von Grundwerten, Ethik und Moral Brücken bauen können. Weitere Informationen zu den erwähnten Personen und Themen: Ephräm der Syrer: https://www.augustinus.de/einfuehrung/texte-ueber-augustinus/kirchenvaeter-im-gespraech/815-ephraem-der-syrer-interview Das Neue Testament – jüdisch erklärt: https://shop.die-bibel.de/das-neue-testament-juedisch-erklaert-3384 Rabbiner Jakob Emden: https://www.jewishencyclopedia.com/articles/5730-emden-jacob-israel-ben-zebi-ashkenazi Rabbiner Zwi Taubes: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/014922/2011-05-23/ Ein Podcast der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, produziert in Zusammenarbeit mit der Podcastschmiede.

  44. 42

    Weibliche Beschneidung als religiöse Praxis? – Linda Bosshart und Jill Marxer zu einem undifferenziert geführten Diskurs

    Über weibliche Beschneidung scheint alles gesagt zu sein: Es handelt sich um eine barbarische, afrikanische Praxis, die mit «richtiger» Religion nichts zu tun hat. Oftmals wird von «Genitalverstümmelung» gesprochen, zumal die meisten bei diesem Thema an extreme Formen der Beschneidung denken. Dass es eine grosse Vielfalt sowohl in den Praktiken als auch den Deutungen weiblicher Beschneidung gibt, wird im öffentlichen und im wissenschaftlichen Diskurs konsequent ausgeblendet. Die Religionswissenschaftlerinnen Linda Bosshart und Jill Marxer zeigen im Podcastgespräch, dass die derzeit dominante, undifferenzierte Betrachtung weiblicher Beschneidung den Blick für andere Deutungsmuster versperrt und der Realität nicht gerecht wird. Narrative von Frauen, die ihre Beschneidung religiös oder traditionell-gemeinschaftlich verstehen – z.B. als Vollendung des Körpers, als Verbindung zu ihren Ahninnen oder als feministischen Akt (wie Fuambai Ahmadu) –, sind diskursiv marginalisiert. Die «westliche» Perspektive ist zudem geprägt von kolonialen Vorstellungen von Afrika, blendet Parallelen zur männlichen Beschneidung gezielt aus und hat z.T. rassistische und paternalistische Züge – z.B. wenn es um die Unterscheidung von operativen Eingriffen aus ästhetischen oder religiösen Gründen geht. Weiterführende Informationen finden Sie im Artikel «Weibliche Beschneidung: (k)ein religionswissenschaftliches Thema?» von Linda Bosshart und Jill Marxer: https://doi.org/10.4000/zjr.2320 Ein Podcast der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, produziert in Zusammenarbeit mit der Podcastschmiede.

  45. 41

    «Pfingsten ist eine politische Geschichte» – Stefan Krauter über römische Ideologie, den Heiligen Geist und Karate

    Was ist an Pfingsten eigentlich passiert? Ist der Heilige Geist als Feuerflamme auf die Menschen herabgekommen oder haben lediglich ein Dutzend betrunkener Männer am jüdischen Pilgerfest Schabuot randaliert? Stefan Krauter, Professor für Neues Testament, spricht über wesentliche Elemente der Pfingstgeschichte und ordnet sie ein. Er erklärt, was der Heilige Geist mit heisser Atemluft zu tun hat, worum es sich bei «Zungenrede» handelt und inwiefern Pfingsten die Umkehrung der Geschichte des Turmbaus zu Babel zu ist. Gelesen als politischer Text überbietet die Pfingstgeschichte nicht nur die römische Ideologie der Prinzipatszeit, sondern hat mit ihren charismatischen Elementen auch innerhalb der heutigen Kirche noch Sprengkraft. – Aber was hat das alles mit Karate zu tun? Mit dieser Episode geht «Erleuchtung garantiert» in die Sommerpause. Im September 2023 melden wir uns mit der 5. Staffel zurück. Bis dahin möchten wir Ihnen die bisher aufgezeichneten Folgen ans Herz legen – die meisten Episoden haben bis heute nicht an Aktualität verloren. Gerne halten wir Sie zudem auf unserem Instagram-Kanal auf dem Laufenden: https://www.instagram.com/erleuchtung_garantiert/ Wir freuen uns, wenn Sie uns ab September wieder Ihr Ohr leihen, alle zwei Wochen am Freitag. Ein Podcast der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, produziert in Zusammenarbeit mit der Podcastschmiede. Folgen Sie uns auch auf Instagram: https://www.instagram.com/erleuchtung_garantiert!

  46. 40

    Macht und Einfluss der Evangelikalen von heute: Thorsten Dietz über Evangelikale, Liberale und – den Teufel

    Ohne die Kenntnis von Evangelikalismus kann man die heutige Welt nicht mehr verstehen: Ob es sich um die Entwicklungen in der US-Geschichte der letzten 50 Jahre handelt, um afrikanische Pfingstkirchen oder auch um den Erfolg Bolsonaros in Brasilien – all diese Phänomene sind eng mit dem politischen Einfluss von evangelikalen Kreisen verknüpft. Das sagt der Theologe und Profi-Podcaster Thorsten Dietz. Er erklärt den Unterschied zwischen Evangelikalen, Links-Evangelikalen und Post-Evangelikalen und zeigt auf, wieso der Autoritätsglaube in evangelikalen Kreisen so ausgeprägt ist. Dietz spricht ausserdem über die liberale Theologie als «Endgegner» des Evangelikalismus und über die Aktualität und Sinnhaftigkeit des Teufels.

  47. 39

    Gott war schon immer non-binär – Michael Coors über Transidentität, Ehe und Polyamorie aus ethischer Perspektive

    Queere Identitäten und neue, alternative Beziehungsformen stellen die traditionellen, im Christentum verankerten Vorstellungen von Zweigeschlechtlichkeit und Monogamie in Frage. Was verbirgt sich hinter den Buchstaben LGBTQI? Was gilt wann als normal? Hat Gott die Menschen wirklich als Mann und Frau erschaffen? Der Theologe und Ethiker Michael Coors geht darauf ein und erklärt, zu welchen existenziellen Problemen soziale Normen führen können. Coors äussert sich ausserdem zur Debatte über die Anerkennung polyamorer Beziehungsformen und ihr Verhältnis zur traditionell monogamen Ehe und spricht sich mit Nachdruck dafür aus, die rechtliche Änderung der Geschlechtsidentität zu vereinfachen. Weitere Informationen rund um das Thema trans finden Sie auf der Website von Transgender Network Switzerland: https://www.tgns.ch Ein breites Spektrum an Beratungsangeboten insbesondere für junge Menschen bietet auch das Programm du-bist-du. Informationen dazu erhalten Sie unter https://du-bist-du.ch

  48. 38

    Vegan, nachhaltig, gewaltlos – Johannes Beltz über Ethik und Aktualität des Jainismus

    Achtsamkeit, konsequente Gewaltlosigkeit und Verzicht sind zentrale Werte im Jainismus. Sehr viele Jains sind Vegetarier:innen, immer mehr leben vegan und einige sind ökonomisch sehr erfolgreich – ziemlich aktuell sollte man meinen. Dennoch ist diese alte, aus Indien stammende Religion nur wenigen bekannt. 6–7 Millionen Menschen zählen sich weltweit zum Jainismus. Johannes Beltz, stellvertretender Direktor und Leiter der Sammlung des Museums Rietberg erklärt, was es mit dem Sterbefasten auf sich hat, wieso Wissen in der Ethik der Jains so eine grosse Rolle spielt und warum sich der Jainismus nicht viel mehr verbreitet hat. Beltz führt uns durch die Ausstellung zum Jainismus im Museum Rietberg, erläutert wie Verzicht und Reichtum zusammenpassen können und zeigt Unterschiede und Gemeinsamkeiten zum Buddhismus auf. Die Ausstellung «Jain Sein – Kunst und Leben einer indischen Religion» läuft noch bis zum 30. April 2023 im Museum Rietberg in Zürich. Fotos und Kurzvideos zum Gespräch in der Ausstellung und zu den erwähnten Exponaten finden Sie auf unserem Instagram Kanal: https://www.instagram.com/erleuchtung_garantiert/

  49. 37

    Karfreitag vertont – Musiktheologe Rudolf Lutz über Johann Sebastian Bachs musikalische Erzählungen der Passion Jesu

    Die Johannespassion von Johann Sebastian Bach ist, wenn man genau hinhört, stellenweise sowohl in Moll als auch in Dur geschrieben. Dieser musikalische Widerspruch ist kein Zufall, sondern Bachs Interpretation vom Geschehen am Karfreitag – er zeigt eindringlich die Gleichzeitigkeit von Grauen und Hoffnung in der Passion Jesu. Der Dirigent, «Musiktheologe», Komponist und Ehrendoktor Rudolf Lutz erzählt auch davon, warum und wie Menschen, die weder mit Kirche noch mit «klassischer» Musik etwas anfangen können, von Bach fasziniert sein können. Ausserdem denkt er über musikalischen Zeitgeist nach, erläutert die unterschiedlichen Jesusbilder in den Passionen und spielt und singt vor, wie Judas sich anhört. Ganz zum Schluss spielt Rudolf Lutz noch ein paar Takte seiner eigenen Markuspassion, die im März 2024 an der Universität Zürich uraufgeführt wird – eine Weltpremiere! Wir danken der J.S. Bach-Stiftung, dass wir den Anfang von Bachs Johannespassion im Podcast verwenden dürfen, und dem Musikzentrum der Migros Klubschule in St. Gallen für die Möglichkeit, in einem ihrer Räume aufzuzeichnen. Ein Podcast der Theologischen Fakultät der Universität Zürich, produziert in Zusammenarbeit mit der Podcastschmiede. Folgen Sie uns auch auf Instagram: www.instagram.com/erleuchtung_garantiert!

  50. 36

    Does Chat GPT have a soul? – Beth Singler on the consciousness of robots, Jediism and AI-created religions

    The Jedi religion from the Star Wars saga has hundreds of thousands of followers today, down from the hundreds of thousands who said they were Jedi in the 2001 and 2011 England and Wales Censuses. But do they really believe in Darth Vader and the Death Star? And what connections can be established between pop culture and religious ideas in general? Beth Singler, Assistant Professor of Digital Religion(s) - and not, as Chat GPT has suggested, a member of the Health and AI steering committee at the Turing Institute - talks about science fiction-inspired religions, animism in vernacular Christianity and the fact that we think Chat GPT is intelligent just because it is linguistically eloquent. She also addresses ethical issues surrounding the Metaverse, asks whether artificial intelligence could found a religion and presents some specimens from her robot collection. Die Jedi-Religion aus der Star-Wars-Saga hat heute hundertausende von Anhänger:innen – glauben diese wirklich an Darth Vader und den Todesstern? Und welche Zusammenhänge lassen sich zwischen Popkultur und religiösen Ideen ganz allgemein feststellen? Beth Singler, Assistenzprofessorin für Digital Religion(s) – und nicht, wie Chat GPT suggeriert, Mitglied im Steuerungsausschuss am Turing Institut – spricht über Science-fiction-inspirierte Religionen, Animismus im volkstümlichen Christentum und die Tatsache, dass wir Chat GPT für intelligent halten, nur weil er sprachlich eloquent ist. Ausserdem geht sie auf ethische Fragen rund um das Metaverse ein, fragt ob Künstliche Intelligenz eine Religion gründen könnte und stellt einige Exemplare ihrer Robotersammlung vor. Ein Podcast der Theologischen Fakultät der Universität Zürich. Produziert in Zusammenarbeit mit der Podcastschmiede. Diese Episode von «Erleuchtung garantiert» erscheint ausnahmsweise in englischer Sprache. Feedback dazu oder zum Inhalt der Folge ist sehr willkommen – auch auf unserem brandneuen Instagram-Kanal!

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Was unterscheidet Menschen von Cyborgs? Was passiert, wenn wir sterben? Was hat Rap mit Religion zu tun? Gibt es Schuld und einen freien Willen? Was steht wirklich in der Bibel und wie ernst nehmen Muslime den Koran? An der Theologischen und Religionswissenschaftlichen Fakultät (TRF) der Universität Zürich wird zu diesen Fragen, zu Spiritualität und verschiedenen Religionen geforscht. Einmal im Monat spricht Religionswissenschaftlerin Dorothea Lüddeckens mit Kolleg:innen und Gästen über ihre Forschung, ihre Perspektiven auf Spiritualität, Religion und die Welt. Die Episoden erscheinen immer zum Ersten des Monats.

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