PODCAST · society
Innsbrucker Gender Lectures
by Julia Tschuggnall
Einblicke in die Welt der Geschlechterforschung!Die Innsbrucker Gender Lectures nehmen brisante und hochaktuelle Themen der Gender Studies in den Blick – und sind offen für alle, die sich für gesellschaftliche Fragen und geschlechterkritische Perspektiven interessieren. Diese Veranstaltungsreihe an der Universität Innsbruck bringt Expert*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um gemeinsam nachzudenken und zu diskutieren.Die Innsbrucker Gender Lectures sind mehr als nur eine Vortragsreihe – sie sind ein Forum für Dialog und Inspiration. Sei dabei und lass dich von neuen Perspektiven begeistern!Organisiert und veranstaltet vom Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck der Universität Innsbruck.
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Lucía Cavallero: „Feministische Kämpfe gegen den Autoritarismus der finanziellen Freiheit“
In diesem Vortrag wird Lucía Cavallero ihr jüngstes Buch vorstellen, in dem sie analysiert, wie im Namen der Freiheit die Finanzmärkte das Leben der Mehrheit regieren. Die Autorin zeigt, dass der Begriff der Freiheit im zeitgenössischen Finanzkapitalismus eine zentrale Rolle spielt – angetrieben von den neuen Rechten und gelenkt von Konzernen, die Reichtum in algorithmischen und extraktiven Formen konzentrieren. Ausgehend von ihren jüngsten Forschungen im argentinischen und lateinamerikanischen Kontext untersucht Cavallero die Verflechtungen von Neoliberalismus, Autoritarismus und Antifeminismus, die in der sogenannten „finanziellen Freiheit“ ihr Fetischkonzept, ihre großspurige, aber zugleich perverse Hülle finden – angesichts der beschleunigten Verarmung und sozialen Grausamkeit. Abschließend wird sie die Kämpfe der argentinischen transfeministischen Bewegung gegen den Vormarsch der extremen Rechten beleuchten sowie deren Widerstand zur Verteidigung anderer Formen von Leben, Gemeinschaft und Freiheit. Lucía Cavallero ist Soziolog*in und Forscher*in an der Universität Buenos Aires. Ihre Forschung konzentriert sich u.a. auf Schulden und Geschlecht. Sie ist Aktivistin bei Ni Una Menos, einer feministischen Bewegung, die sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzt. Sie ist Mitautorin von „A Feminist Reading of Debt“ und „The Home as Laboratory: Finance, Housing, and Feminist Struggle“. Der Vortrag wird auf Spanisch gehalten und vor Ort auf Deutsch übersetzt. Übersetzung: Melinka Karrer und Muriel González Athenas Moderation: Judith Goetz, Institut für Fachdidaktik, Universität Innsbruck
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Birgit Sauer: „Geschlechter- und Sexualitätsprojekte der autoritären Rechten als Treiber von Faschisierung“
Wie ist die aktuelle Entwicklung nach Rechts in vielen europäischen Ländern, aber auch weltweit einzuschätzen? Im Anschluss an Nicos Poulantzas ist die gegenwärtige Situation durch Prozesse der Faschisierung, die in sozialen und ideologisch-politischen Krisenprozessen entstehen, charakterisiert. Der Vortrag macht an den Beispielen Österreich und Deutschland deutlich, dass und wie rechtsautoritärer Antifeminismus ein Treiber dieser Faschisierung ist. Mit dem Bezug auf Geschlecht und Sexualität will die autoritäre Rechte eine moralische Panik befeuern – eine „Krise der Männlichkeit“ –, die nicht nur die Wähler- oder Anhänger*innenschaft erweitern, sondern eine Massenbasis durch kulturelle Hegemonie aufbauen soll. Ideologische Elemente dieses Faschisierungsprozesses sind Tolerierung und Mobilisierung von Gewalt gegen als „anders“ Identifizierte, wie z.B. Trans*Personen, die Wiedererringung von maskulinistisch-soldatischer körperlicher Stärke, von Männlichkeit mit einem Recht auf Aggressivität, eine Nekromännlichkeit also. Dazu wird ein Ideal komplementärer Heterosexualität sowie eindeutiger Zweigeschlechtlichkeit konstruiert und alle jenseits dieser Grenze werden mutwillig dem Tod ausgesetzt. Der Vortrag stellt Elemente dieses border fascism (Alberto Toscano) vor, der darauf abzielt, die Kontrolle über die Grenzen des Körpers zu erlangen und die Grenzen zwischen zwei distinkten Geschlechtern zu bewachen sowie eine Idee von Ungleichheit zu verfestigen. Birgit Sauer war bis zu ihrer Pensionierung Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien. Sie forscht zu Politik und Geschlecht; Geschlecht, Politik und Affekt; Rechtsautoritarisierung und Geschlecht. Aktuelle Buchpublikationen: Sauer, Birgit/Penz, Otto: Konjunktur der Männlichkeit. Affektive Strategien der autoritären Rechten, Frankfurt/M./New York: Campus, 2023; Ludwig, Gundula/Sauer, Birgit (Hg.) 2024: Das kälteste aller kalten Ungeheuer? Annäherungen an intersektionale Staatstheorie, Frankfurt/M.: Campus. Kommentar: Heike Krösche, Institut für Zeitgeschichte Moderation: Gundula Ludwig, Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck
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Simon Strick: „Begriffs- und andere Schäden: Vorschläge zur Faschisierung“
Angesichts der jüngsten Zuspitzung der Angriffe auf Demokratie und Menschenrechte, der zunehmenden Normalisierung von autoritären Politiken und der globalen Wahlsiege von Parteien mit unverhohlen rechter und rechtsextremer Programmatik setzen sich die Innsbrucker Gender Lectures im Studienjahr 2025/26 mit der Frage auseinander, wie diese aktuellen Entwicklungen analytisch zu fassen sind: Handelt es sich um eine neue Form des Faschismus? Oder um eine Faschisierung von Politik, Gesellschaft und Alltag? Wie viel Demokratie trägt die liberale Demokratie (noch) in sich? Welche Rolle spielen Geschlechter- und sexuelle Politiken in diesen aktuellen Transformationsprozessen? Wie lässt sich die „Obsession“ mit Gender, Sexualität, Identität und geschlechtersensibler Sprache erklären, die von rechten Kräften global vorangetrieben wird? Welche Affekte werden in Politiken hervorgebracht, die sich gegen feministische Errungenschaften und gegen queere und trans Lebensweisen richten? Wie wirken antidemokratische Gender- und Sexualitätspolitiken mit der Normalisierung von autoritärem und (neo-)faschistischem Denken und Handeln zusammen? Simon Strick ist Medien- und Geschlechterforscher, sowie Autor und Mitbegründer des Berliner Theaterkollektivs Panzerkreuzer Rotkäppchen (PKRK). 2014 promovierte er mit der Arbeit American Dolorologies: Pain Biopolitics Sentimentalism. 2021 erschien sein ausgezeichnetes Buch Rechte Gefühle: Affekte und Strategien des digitalen Faschismus im Transcript Verlag. Strick erforscht digitale Kulturen, Faschisierungsprozesse und ihre Wechselverhältnisse, derzeit im Forschungsprojekt „Digital Blackface“ am Institut für Künste und Medien Potsdam Kommentar: Mareike Gebhardt, Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck, Universität Innsbruck Moderation: Marion Näser-Lather, Institut für Geschichtswissenschaften und Empirische Kulturwissenschaft, Universität Innsbruck
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María do Mar Castro Varela: „Planetarische Utopien. Feministisch-postkoloniale Überlegungen“
Auch angesichts eines erstarkenden Rechtspopulismus muss die Frage nach der Zukunft neu gestellt werden. Der Vortrag geht der Frage nach, was feministisch-postkoloniale Ansätze sind und welche neuen Wege zu planetarischen Utopien sie eröffnen. Es wird diskutiert, wie globale Krisen wie Klimawandel, rassistische, sexistische und neokoloniale Machtstrukturen hinterfragt und herausgefordert werden können. Dabei geht es weniger um Visionen einer gerechten und nachhaltigen Zukunft, sondern einerseits um die Analyse historischer Ungerechtigkeiten und ihrer Wirkmächtigkeiten und andererseits um die Reflexion feministisch-postkolonialer Strategien gegen Gewalt und Ungerechtigkeit. María do Mar Castro Varela ist Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Sie ist u.a. Gründerin und Mitglied des bildungsLab* und Vorsitzende des Berliner Instituts für kontrapunktische Gesellschaftsanalysen (BI:KA). Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte umfassen Fragen der Ethik, Kunst, Trauma, Emanzipation und Wissensproduktion. Kommentar: Maria Heidegger: „1525-2025: Wie wird an den „Bauernkrieg“ erinnert? Kommentar aus der Perspektive der Geschlechtergeschichte“ Moderation: Muriel González Athenas
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Sophie Lewis und Friederike Beier: „Imagine otherwise: Rethinking and reinventing care“
In her book “Abolish the Family”, published in 2022, Sophie Lewis provides a feminist critique of the idealized concept of the family. She argues for the abolition of the family as a solution to the so-called ‚care crisis‘. Sophie Lewis also takes up these ideas in other texts. The article “Maybe we could be each other’s moms” questions traditional notions of intimacy and care. Referring to the series „Sex Education“, Lewis emphasizes that Gen Z is developing an idea of intimacy and care based on asexuality and a trauma-informed and caring approach. These ideas allow “that we develop norms around taking time off from sex […] or expanding non-genital vistas of intimacy” (Lewis, 2022b). With Lewis this perspective can be understood as a utopian step based on “mutual comradely mothering”, which allows us to redesign intimate relationships. In the article “A marriage abolitionist says: ‘I… do?’” (2023), Lewis takes a critical look at the traditional concepts of care perpetuated by the institution of marriage and the privatization of the household. These structures limit care to the private sphere and only allow care to be provided and expected within one’s own family, while marginalizing other ways of living and loving. Lewis proposes that we transform these traditional concepts by focusing on the deprivatization of care, through public kitchens, shared living spaces and collective support networks to enable inclusive care. In her anthology “Materialist Queer Feminism” (2023), Friederike Beier addresses the interconnectedness of gender, sexuality and capitalism. Beier argues that the crises of economy, health and ecology reinforce gendered and intersectional inequalities. In order to counter authoritarian, anti-feminist backlashes, supposed differences must be overcome and common ground sought. This anthology brings together texts on historical and current debates in materialist feminism and queer theory. Central to this is the question of how patriarchy, heterosexism and capitalism are intertwined and how feminist theory and practice can overcome economic conditions as well as gender and sexuality. In the article “Kinder, Küche, COVID” (2022), Beier analyzes the effects of the coronavirus pandemic on care work from a materialist-feminist state theory perspective. She shows that state measures are exacerbating the existing care crisis and shifting the burden of care work further into the private sphere. These trends call for a reorganization of care work, away from privatization towards collective and publicly funded solutions in order to achieve a fairer distribution and recognition of care work. Lewis and Beier’s contributions make it clear that feminist utopias of care are not just theoretical visions, but require political and social change. Both emphasize the need to detach care from traditional, patriarchal structures and to promote collective, solidary networks. By addressing the materiality of gender and sexuality and their embedding in capitalist structures, their reflections contribute to the deconstruction of existing hierarchizing inclusions and exclusions. Sophie Lewis is an author and independent scholar based in Philadelphia. She is teaching social and critical theory at the Brooklyn Institute for Social Research and is a visiting scholar at the Feminist, Queer and Transgender Studies Center at the University of Pennsylvania. She has published numerous texts in the “Boston Review”, the “New York Times”, “Feminist Theory” and the “London Review of Books”. Abolish the Family as well as her first book Full Surrogacy Now were published by Verso Books; a German translation by Lucy Duggan appeared with S. Fischer. Dr. Friederike Beier(she/her) is a research associate at the Department of Gender and Diversity at the Otto Suhr Institute for Political Science at Freie Universität Berlin. In her research and teaching, she focuses on feminist state theory, theories and politics of time, reproductive injustice and the intersection of queer, decolonial and materialist feminist theories. She is co-editor of femina politica – Zeitschrift für feministische Politikwissenschaft and publishes books on the theories and struggles of social reproduction and materialist feminism with Unras. Her most recent publication (2023) is the volume materialistischer Queerfeminismus. Theorien zu Geschlecht und Sexualität im Kapitalismus.
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Queeres Chaos Kollektiv: „Wie viele Queers braucht es, um diesen Vortrag zu halten?“
Einblicke in eine bunte Mischung aus Beispielen von queerem Engagement und alltäglichen Hürden. Aktivismus sieht sich, quasi per Definition, diversen Formen des Widerstands ausgesetzt. Schließlich muss etwas losgerüttelt werden, um vom Bequemen zum Gerechten zu kommen. Anhand einer bunten Mischung von Beispielen aus dem eigenen Engagement, akademischer Forschung und Erfahrungsberichten anderer Gruppen wollen wir gemeinsam einen Einblick bieten, welche Hürden queerem Aktivismus im Wege stehen – und wie mensch mit diesen umgehen kann. Es geht darum, ein Gespür dafür zu schaffen, wie zunächst unsichtbare Hindernisse andere zum Straucheln bringen und welchen Rückhalt Einzelne und Gruppen dabei bieten können.
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Tatjana Takševa: „Tracing the Maternal through a Transnational Feminist Perspective“
As a scholar of motherhood who occupies a distinct transnational space—an emigree from socialist Yugoslavia who has been producing feminist knowledge from within the Anglosphere for over two decades—I welcome opportunities to reflect more systematically on the respective theoretical functioning of the maternal in the context of European and Anglo-American feminist traditions. Given that the thematic focus of the current interdisciplinary lecture series explores why parenthood needs a gender, for the purpose of this lecture I have decided to organize some of these reflections into a theoretical position to suggest that: the relationship of parenting to gender corresponds to the relationship between motherhood and feminism. What I mean by this is that if we wish to understand why parenthood functions as gendered, we must look at how motherhood and the maternal experience are conceptualized and represented in different feminist traditions. In the lecture, I will elaborate on how the reproductively marked, and female-gendered maternal body is represented and theorized by different intellectual feminist traditions within Europe and outside of it. In the Anglosphere, the biopolitical status of the gendered maternal body, at least since the second feminist wave, has developed in a direction consistent with the push toward women’s equal employment rights and the avoidance of the implications of women’s reproductive bodies with respect to the demands of the labour market. In these contexts, premised on gender equality and hence also gender neutrality, the discursive replacement of motherhood with parenting functions as a principle of progressive politics, but with many accompanying risks, contradictions, and inconsistencies. Continental European feminist philosophical traditions, on the other hand, historically start from a position of gendered and sexual difference, which enables them to take the maternal body as the beginning of all feminist theoretical interventions, as well as ‘the matrix of all life’. In these contexts, biopolitics is rooted in the feminist tradition of sexual difference, and gender equality is not sought as a basis to affirm a feminist standpoint. From within this perspective, the maternal sometimes seeks to be recognized publicly and even as a basis for political action, manifested as different types of maternalism. Continental European feminist traditions are therefore more intimately and from the start connected to gendered embodiment, or ‘the realm of generation’ associated with the female reproductive capacity. In the lecture, I will suggest that the degree to which theories of gender equality have been naturalized or rejected in specific socio-cultural and geopolitical locations has implications for private experiences of both parenting and motherhood, but also their public manifestations and the social policies that regulate them. Biographical statement Having studied English Language and Literature at Belgrade University (Serbia) and the University of Cyril and Methodius in Skopje (North Macedonia), Tatjana emigrated to Canada where she received a Master’s Degree, and then a Ph.D. in English Studies and Book History from the University of Toronto (2003). In 2004 she joined the Department of English Language and Literature at Saint Mary’s University, where she is currently Chair. A mother of three children, she has been teaching and publishing in motherhood studies and feminist theory since 2006, when she became an active member of the association Motherhood Initiative for Research and Community Involvement. She is the author of numerous essays, including recently, “Motherhood Studies and Feminist Theory: Elisions and Intersections” (2018), and “One Is Not Born but Rather Becomes a Mother: Claiming the Maternal in Women and Gender Studies,” (2019). Her 2015 collection of essays, Mothering Under Fire: Mothers and Mothering in Conflict Zones, co-edited with Arlene Sgoutas, Ph.D. examines the nature and meaning of motherhood in times of war through diverse disciplinary perspectives, contributing to the study of gender and conflict and the maternal as a resource for peacebuilding (Demeter Press). Tatjana’s most recent book, Unforgetting: Voices from Contemporary Bosnia and Herzegovina. (Routledge, 2023 forthcoming), is organized around her conversations with women survivors of war-related sexual violence in Bosnia, and it investigates, among other things, the concept of mother love and gendered agency in women who have raised children born of war rape. Her teaching and research have been recognized and supported through numerous awards, most recently through the 2020 Grant of the Social Equity Working Group, Universities and Colleges Division of Nova Scotia Department of Labour and Advanced Education. Kommentar: Sandra Tausel, PhD Candidate & University Assistant, Department of American Studies, University of Innsbruck Moderation: Flavia Guerrini, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Innsbruck
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Mona Motakef: „Queering the family?“ Elternschaft und Familie jenseits von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit
LGBTQ*-Familien haben im letzten Jahrzehnt an Sichtbarkeit gewonnen, wobei das Akronym für lesbian, gay, bisexual, trans und queer steht. Auch im Recht zeichneten sich im deutschsprachigen Raum Tendenzen der Gleichstellung ab, die allerdings als ambivalent zu bewerten sind: Zwar werden Anerkennungsdefizite gleichgeschlechtlicher Lebensformen abgebaut, jedoch werden auch neue Ausschlüsse produziert. Der Vortrag zeichnet exemplarisch anhand dreier Familienkonstellationen heraus, welche Ungleichheiten im Recht fortbestehen. Gezeigt wird, wie sich diese Ungleichheiten in die familialen Alltagspraxen von zwei-Mütter-, Mehreltern- und trans*-Familien einschreiben und welchen Aufwand sie unternehmen, um „Normalität“ herzustellen. Die Familien greifen auch auf (heterosexuelle) Familiennormen zurück, verändern aber gleichzeitig die rechtlichen und gesellschaftlichen Normalvorstellungen darüber, was Elternschaft und Familie ist und sein kann. Empirische Grundlage ist eine qualitative InterGviewstudie mit dreizehn vielfältigen Familien, die wir im DFG-Projekt „Ambivalente Anerkennung. Doing reproduction und doing family jenseits der heterosexuellen Normalfamilie“ (MO 3194/2-1, PE 2612/2-1, WI 2142/7-1) durchgeführt haben. Mona Motakef ist Professorin für Soziologie der Geschlechterverhältnisse an der TU Dortmund. Zusammen mit Prof. Christine Wimbauer und Prof. Almut Peukert war sie Leiterin des DFG-Projekts „Ambivalente Anerkennung. Doing reproduction und doing family jenseits der heterosexuellen Normalfamilie“(MO 3194/2-1, PE 2612/2-1, WI 2142/7-1, Laufzeit 1.1.2018 bis 31.7.2021), in dem Dr. Julia Teschlade und Leoni Linek als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen beschäftigt waren. Ihre Schwerpunkte liegen in der Geschlechter- und Ungleichheitsforschung, wobei sie insbesondere zu prekärer Erwerbs- und Sorgearbeit, vielfältigen Familien und Paar- und Nahbeziehungen mittels qualitativer Methoden der Sozialforschung forscht und lehrt. Sie ist u.a. Mitautorin von „Rechtlicher Wandel im Schneckentempo: LGBTQ*-Familien zwischen Gleichstellung und Heteronormativität“ (2023, Leviathan 51 (1), 85-113, zusammen mit Julia Teschlade, Christine Wimbauer und Lena Mobers) und Mitherausgeberin von „Elternschaft und Familie jenseits von Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit“ (2020, Sonderheft 5 der Zeitschrift Gender, mit Almut Peukert, Julia Teschlade, Christine Wimbauer und Elisabeth Holzleithner). Kommentar: Paul Scheibelhofer, Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck Moderation: Christine Baur LL.M, Stellvertretende Vorsitzende des Universitätsrats, Universität Innsbruck
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Helga Krüger-Kirn: „Mütterlichkeit braucht kein Geschlecht. Elternschaft und Gender Trouble“
Trotz Gleichstellungspolitik und einer Vielfalt von Elternschafts- und Familienformen stoßen wir im Handeln von Subjekten als auch der Formation von Gesellschaft auf Geschlechtertheorien, die implizit und explizit hierarchische Grundstrukturen in den familialen Geschlechterverhältnissen untermauern. Ein Baustein, um dieses dichotome Verständnis aufzubrechen ist, über die unbewusste Wirkmacht der in die subjektive Psyche eingeschriebenen Geschlechtergrenzen und Stereotypien nachzudenken. Wie unsere Studie „Mutterschaft und Geschlechterverhältnisse zeigt, reichen gegenderte Lesarten prominenter Entwicklungskonzepte aus der Bindungsforschung und ödipalen Triangulierung bis in die Mitte der Gesellschaft. Ausgehend von einer feministisch-psychoanalytischen Perspektive auf den Zusammenhang von Körper und geschlechtlichen Identitätsentwicklungen werden diese geschlechterkritisch und kultursensibel in den Blick genommen. Da auch in den Theorien selbst hierarchisch angelegte Geschlechternormen und ein latenter Androzentrismus wirksam sind, beziehen sich Ansatzpunkte für ein Denken von geschlechterübergreifender Entwicklung auf die Herausforderung einer nicht hierarchischen Anerkennung von Differenz, respektive Mütterlichkeit, die bis heute geschlechter-hierarchisch aufgespalten an Weiblichkeit geknüpft ist. Helga Krüger-Kirn, Prof. Dr. phil., Dipl.-Psych., Honorarprofessorin an der Philipps-Universität Marburg. Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Lehranalytikerin (DGPT) und Dozentin für analytische Paar- und Familientherapie sowie Körper-Psychotherapie. Forschungen und Veröffentlichungen zu Mutterschaft und Mütterlichkeit sowie zu Anti-Feminismus in der Gesellschaft, zuletzt: Elternschaft und Gendertrouble. Geschlechterkritische Perspektiven auf den Wandel der Familie. Budrich-Verlag, 2021. Aktuelles Buchprojekt: Mütterlichkeit braucht kein Geschlecht. Psychosozial-Verlag www.praxis-krueger-kirn.de Kommentar: Monika Schamschula, MA, Doktoratskolleg Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation, Universität Innsbruck Moderation: Marion Näser-Lather, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Universität Innsbruck
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Karin Neuwirth: „De- und Re-Institutionalisierung von Elternschaft im Recht im 20. /21. Jahrhundert in Österreich“
Erst in den 1970er Jahren wurden die patriarchalen Vorrechte des Mannes im österreichischen Ehe- und Kindschaftsrecht beseitigt. Die Definition von Familie als verschiedengeschlechtliches, verheiratetes Paar mit Kindern blieb dabei unverändert. Gleichzeitig sah der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte auch unverheiratete Eltern und ihre Kinder vom grundrechtlichen Schutz des Rechts auf Familienleben erfasst, und seit Beginn des 21. Jh. bestätigt der EGMR dieses Recht auch für gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern. Obwohl die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) in Österreich im Verfassungsrang steht, stieß das Parlament keine diesbezüglichen Rechtsreformen an. So musste der Verfassungsgerichtshof im Wege der Aufhebung gleichheitswidriger Normen Neuerungen erzwingen und unzulässige Diskriminierungen im Familienrecht beseitigen. Damit kam es 2013 zur endgültigen Überwindung der rechtlichen Unterscheidung zwischen in- und außerhalb einer Ehe geborener Kinder bzw. der Kinder von hetero- oder homosexuellen Eltern, weiters 2015 zur Reform des Fortpflanzungsmedizinrechts und schließlich 2019 zur Öffnung von Ehe und eingetragener Partnerschaft unabhängig von Geschlecht oder sexueller Orientierung. Aktuell wird – ebenfalls durch Spruch des VfGH veranlasst – eine Neuregelung des Abstammungsrechts vorbereitet, die die Fortpflanzungsfreiheit und die soziale Elternschaft stärken soll. Der Vortrag wird neben einer kurzen Darstellung dieser Entwicklungen insbesondere der Frage nachgehen, ob nunmehr alle Eltern-Kind-Verhältnisse bzw. das Rechtsinstitut Familie diskriminierungsfrei geregelt sind oder weitere Reformen notwendig wären. Grundsätzlich geht der österreichische Gesetzgeber von einer Zwei-Eltern-Familie als Grundmodell aus und das Verbot der Leihmutterschaft soll weiterhin aufrecht bleiben, was sowohl Frauen als auch Männer in bestimmten Konstellationen hinsichtlich ihrer Reproduktionsfreiheit ungleich behandelt. Behörden und Gerichte anerkennen durch Bestätigung ausländischer Abstammungsnachweise zwar den faktischen Fortpflanzungstourismus und erleichtern so die reale und rechtliche Lage etlicher Familien; Rechtsgarantien bestehen jedoch nicht. Auch in Zusammenhang mit Adoptionen oder sogenannten Co-Parenting-Vereinbarungen müssen die Gerichte immer wieder tätig werden, und Stiefeltern- und Patchwork-Familien sind gesellschaftliche Realität. Wäre es somit juristisch nur konsequent, Elternschaft tatsächlich neu zu denken und zu fordern, dass mehr als zwei Personen rechtliche Eltern eines Kindes sein können? Karin Neuwirth, Dr.in iur., ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Institutsvorständin am Institut für Legal Gender Studies an der Johannes Kepler Universität Linz (JKU). Sie ist in der universitätspolitischen Gleichbehandlung engagiert und Vorsitzende der Schiedskommission der JKU, Mitglied der interdisziplinären Sektion Familienforschung der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie sowie Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Geschlechterforschung. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Antidiskriminierungsrecht, Geschlechterverhältnisse und (historisches) Familienrecht. Veröffentlichungen zum Thema der Lecture: Vater, Mutter, Elternteil – und wer weiter? iFamZ 2023, 6–8; Vom Ehekonzept des ABGB zur Pluralität familiärer Lebensformen, in Ulrich/Greif/Neuwirth (Hrsg), Kritisches Rechtsdenken I. Von der feministischen Rechtsgeschichte zu Legal Gender Studies (2020) 209–245; Elternschaft neu oder wie viele Elternteile braucht ein Kind? Blogbeitrag in Junge Wissenschaft im Öffentlichen Recht, https://www.juwiss.de/52-2015/. Kommentar: Caroline Voithofer, Institut für Theorie und Zukunft des Rechts, Universität Innsbruck Moderation: Monika Niedermayr, Institut für Zivilrecht, Universität Innsbruck
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Susanne Schulz: „Die Politik des Kinderkriegens“
Die Politik des Kinderkriegens Feministische Perspektiven auf demografische Krisennarrative und dis/reproduktive Technologien Zu viel Bevölkerung oder zu wenig? Wer soll Kinder bekommen und wer vom Gebären abgehalten werden? Und welche Kinder sollen geboren werden und welche lieber nicht? Kinderkriegen ist eingebunden in mächtige Regierungsstrategien, die auf Körper und Bevölkerungen abzielen. Auch heute gibt es weiter ein malthusianisches Denken, das fast alle Krisen unserer Zeit zu Bevölkerungsproblemen umdeutet. Dies zeigt sich in einer „demografisierten“ Klimadebatte ebenso wie in repressiven globalen Verhütungsprogrammen. Der Status quo von sozialer Ungleichheit, Rassismus und globaler Zerstörung bleibt dabei unberührt. Es ist insofern wichtig, das demografische Denken zu sezieren – auch in Bezug auf deutsche Kinderwunsch-, Familien- und Migrationspolitik. Susanne Schultz forscht zu Bevölkerungspolitik und Machtverhältnissen im Bereich der Reproduktion und der Humangenetik. Sie ist Beirätin des Gen-ethischen Netzwerks e.V. Berlin und Mitglied des Herausgeber*innenkollektives Kitchen Politics. Ihr aktuelles Buch heißt: Die Politik des Kinderkriegens. Zur Kritik demografischer Regierungsstrategien (transcript: Bielefeld 2022).
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Bettina Bock von Wülfingen: „Zeugung unter dem Mikroskop 1850er bis 1900“
Zeugung unter dem Mikroskop 1850er bis 1900 Wie zwischen Biologie und Bürgerlichem Gesetzbuch die moderne Kleinfamilie entstand und das Problem der Erbschaft löste Wenn Spermium und Eizelle sich bei der Zeugung vereinigen, geben beide ihr Erbmaterial an den Embryo weiter. Dieser seinerzeit revolutionäre biologische Befund von 1875 hatte weitreichende Folgen, nicht zuletzt für das Erb- und Familienrecht. Denn aus der Erkenntnis, dass väterliche und mütterliche Anteile an die Nachkommen weitergegeben werden, resultierten politische Fragen der Gleichberechtigung und der Verteilungsgerechtigkeit. Solche Themen waren speziell im Deutschen Kaiserreich virulent, als zwischen 1870 und 1900 das Bürgerliche Gesetzbuch entstand. Das BGB legte die Grundlage für das Verständnis von Familie als biologischer Einheit, Wirtschaftsgemeinschaft und von geschlechtlicher Arbeitsteilung, wie sie bis in das 21. Jahrhundert hinein wirksam geblieben ist. Bettina Bock von Wülfingen ist freiberufliche Kulturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt Geschichte der Lebenswissenschaften. Sie war 2021/2022 für ein Jahr Vertretungsprofessorin für Historische Wissenschaftsforschung an der Universität Bielefeld und im Anschluss Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie (KA/EE) der Universität Münster. Sie ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Geschichte der Wissenschaften, der Medizin und der Technik (GWMT). Kommentar: Flavia Guerrini, Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck Moderation: Ina Friedmann, Institut für Zeitgeschichte, Universität Innsbruck
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Katharina Klappheck: „Disabled Protocols. Politiken der Unmöglichkeiten.“
Disabled Protocols. Politiken der Unmöglichkeiten. Katharina Klappheck, Gunda Werner Institut, Heinrich Böll Stiftung Künstliche Intelligenz (KI) als digitale Infrastruktur ruft Fragen nach ihrer Produktionsweise auf. Wer stellt scheinbar unsichtbare Techniken her? Auf welchen materiellen Begebenheiten fußen sie? Wer bezahlt für ihren Einsatz? In diesem Vortrag möchte ich diesen Fragen aus einer behinderten Perspektive nachgehen. Meine These dabei lautet, dass Behinderung eine Möglichkeitsbedingung von KI ist. Dabei reichen diese Verwurzelungen von den Anfängen der Wissenschaftsdisziplinen bis in die Gegenwart. Bereits Donna Haraway verwies in den 80iger Jahren auf die nicht zu trennende Geschichte von Behinderung im 20. Jahrhundert und die neuaufkommenden Informationstechnologien. Behinderung, so die These, ist dabei immer die Grenze von KI, etwas was sowohl das Scheitern dieser Technologie, als auch ihre vermeintlichen Erfolge als transhumanes Artefakt symbolisiert. Einerseits ist Behinderung der Moment, den KI versucht zu überkommen, die scheinbare menschliche Schwäche, das Imperfekte, anderseits ist Behinderung innerhalb des Produktionsfeldes KI eine der lukrativsten Schnittstellen von Mensch und Technologie, wie smarte Prothesen oder verhaltensregulierende Apps für neuroqueere Menschen. Aus dieser Ambivalenz ergeben sich sowohl Momente der Unterdrückung als auch subversives Potential. So ermöglichen Schnittstellen immer auch das Hacken dieser vorweg. Die Möglichkeit zu einer anderen Welt bildet dabei den kritischen Fluchtpunkt für Überlegungen hinsichtlich alternativer Designs und Politiken digitaler Infrastrukturen. Kurzbiographie Katharina Klappheck M.A. ist behinderte Politikwissenschaftler*in. They beschäftigt sich mit Behinderung, Queernes und KI, sowie Design als Politik. Katharina Klappheck arbeitet hierzu unter anderem an der Technischen Universität Dresden und dem deutschen Bundestag. Momentan ist Katharina Klappheck Head of Feminist Internet Policy am Gunda Werner Institut der Heinrich Böll Stiftung. Moderation: Lisa Pfahl, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Innsbruck Kommentar: Katta Spiel, Research Unit for Human Computer Interaction, Technische Universität Wien Katta Spiel ist derzeit FWF Hertha-Firnberg Post-Doc an der HCI Group der Technischen Universität Wien, mit dem Projekt “Exceptional Norms: Marginalised Bodies in Interaction Design”. Im Rahmen der Dissertation hat Katta die Erfahrungen autistischer Kinder in technologischen Zusammenhängen untersucht und ein Konzept für Partizipative Evaluation entwickelt. Katta verfügt über eine Grundausbildung in Medienkultur (B.A.), Mediensystemen (B.Sc.) sowie einen Master in Computer Science and Media (M.Sc.) welche an der Bauhaus Universität Weimar absolviert wurden und hat das Doktorat im Bereich Mensch Maschine Interaktion 2018 an der TU Wien abgeschlossen. Katta beschäftigt sich mit marginalisierten Perspektiven auf Technologie um kritisches Design und Technologiegestaltung zu informieren. Diese Arbeit spielt sich an der Schnittstelle von Informatik, Design und Kritischer Theorie ab. Dabei bezieht sich Katta auf Methoden des (Kritischen) Partizipativen Designs sowie Action Research. Kollaborationen mit neurodivergenten und/oder nicht-binären Personen haben dabei schon Erkundungen von neuwertigen Potentialen für Design, methodischen Entwicklungen in der Mensch-Maschine Interaktion sowie innovativen technologischen Artefakten geführt.
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Hannah Fitsch: „Extreme brains. Körpernormierungen, neue Bezüglichkeiten und Subjektivierungsweisen des Digitalen am Beispiel der Neurowissenschaften.“
Der Vortrag stellt die historische Entwicklung einer Mathematisierung der Wahrnehmung (Fitsch 2022) vor und zeigt auf, wie sich deren vermessenden und probabilistischen Logiken mittels Digitalisierung in gegenwärtige Körpernormierungen und Subjektivierungsweisen einschreiben konnten. Den Wunsch, das komplexe Gefüge von Körpern, Gehirnen und Denkprozessen zu formalisieren gibt es schon seit Jahrhunderten. Durch die Implementierung einer mathematischen Logik in binäre/informatische Technologien des Digitalen und künstlicher Intelligenz, konnten epistemologische Methoden und Modelle aus der Mathematik und der Informatik Eingang in die Neurowissenschaften, die Ideen des Denkens und dem Konzept des freien Willens erhalten. Hannah Fitsch (Dr. phil.) ist feministische Wissenschafts- und Techniksoziologin mit Schwerpunkt auf Neurowissenschaften, Digitalisierung, (Technik-)Museen, Bildwissen/ Bildpraktiken, Ästhetik und feministischer Theorie. Zusätzlich zu ihren theoretischen Forschungsarbeiten sucht Hannah Fitsch immer auch nach anderen Ausdrucks- und Vermittlungsformaten, etwa in Museen, im Theater, als Video-, Audio- und/oder visuelle Arbeiten. 2022 erhielt sie den Emma Goldmann Snowball Award. Aktuell erschienen: „Die Schönheit des Denkens. Über die Mathematisierung der Wahrnehmung am Beispiel der Computational Neurosciences.“, Transcript-Verlag/open access. „Der Welt eine neue Wirklichkeit geben. Feministische und queertheoretische Interventionen“ (gemeinsam mit Greusing, I., Kerner, I., Meißner, H., Oloff, A.), Transcript-Verlag/open access. Kommentar: Denise Bergold-Caldwell, Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck, Universität Innsbruck Moderation: Verena Sperk, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Innsbruck
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Bianca Prietl: „Das Geschlecht der Datafizierung. MachtWissen im digitalen Zeitalter“
Digitale Datentechnologien wie algorithmische Entscheidungssysteme oder Künstliche Intelligenz halten in immer mehr Bereiche der Gesellschaft Einzug und beeinflussen hier, wie und was wir wissen (können). Die damit einhergehenden Verschiebungen in der gesellschaftlichen Wissensordnung sind – so die These dieses Vortrags – nicht geschlechtsneutral. Vielmehr ist der in digitalen Datentechnologien verobjektivierte, datafizierte und datafizierende Zugriff auf die (soziale) Welt gesellschaftlich höchst voraussetzungsvoll wie folgenreich. Im Zentrum des Vortrags steht deshalb die Frage, welche Weltzugänge, Wahrheitsregime und Denkformen mit digitalen Datentechnologien verknüpft sind, wie diese die Verfahren, Subjekte und Möglichkeiten von Erkenntnis regulieren und in diesem Sinne als zugleich machtförmig wie machtvoll verstanden werden können. Die im Anschluss an Foucault aufgeworfene Frage nach dem MachtWissen im digitalen Zeitalter leistet einen Beitrag zur Geschlechteranalyse aktueller digitaler Transformationen, unter Fokussierung auf das wechselseitig konstitutive Verhältnis von Technik, Macht und Wissen. Damit geht es weder zentral um Frauen und ihre Karrierechancen im Zuge der Digitalisierung, noch um die diskursprägende Auseinandersetzung über sexistische oder rassistische Biases. Stattdessen wird die Aufmerksamkeit auf die viel grundlegendere Frage gerichtet, wie eine auf digitale Datentechnologien gründende Wissensordnung überhaupt verfasst ist und was dies für unsere Möglichkeiten des in der Welt Seins – gerade aus einer an Geschlechterverhältnissen interessierten Machtperspektive – bedeutet. Denn: Wer sich an der Produktion von Wissen beteiligen kann, wessen ‚Stimme Gewicht hat‘ und welche Instrumente – seien sie kognitiver oder materieller Art – dafür legitimerweise zur Verfügung stehen, ist nicht unabhängig von der gesellschaftlichen Geschlechterordnung, sondern zutiefst mit der historisch etablierten strukturell-symbolischen Dominanz des Verhältnisses von Technik und Männlichkeit verflochten. Wie sich das Zusammenspiel von Wissen, Macht und Technik im Kontext aktueller Digitalisierungsbestrebungen gestaltet, neu festzieht, lockert oder gar löst, möchte ich im Rahmen dieses Vortrags sondieren. Bianca Prietl ist habilitierte Soziologin und als Professorin für Geschlechterforschung mit Schwerpunkt Digitalisierung an der Universität Basel tätig. Ihre Forschungsinteressen entfalten sich an der Schnittstelle von Frauen- und Geschlechterforschung einerseits und Wissenschafts- und Technikforschung andererseits. Rezente Forschungsthemen umfassen die akademische Institutionalisierung von Data Science und damit verbundene Verschiebungen in der gesellschaftlichen Wissensordnung, Männlichkeitskonstruktionen der Digitalen Avantgarde, Feministische Kritik an big data, algorithmischen Entscheidungssystemen und maschinellem Lernen. Kommentar: Silvia Rief, Institut für Soziologie, Universität Innsbruck Moderation: Flavia Guerrini, Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck und Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Innsbruck
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Ricarda Drüeke: „Dissonante Öffentlichkeiten: Digital vernetzte Medien und rechte Akteur:innen“
75. Innsbrucker Gender Lecture mit Ricarda Drüeke „Dissonante Öffentlichkeiten: Digital vernetzte Medien und rechte Akteur:innen“ Ricarda Drüeke – Fachbereich Kommunikationswissenschaft, Universität Salzburg Mein Beitrag beleuchtet mittels welcher digitalen Medienstrategien rechte Akteur:innen die „Grenzen des Sagbaren“ ausweiten und sich affektiver Formen sowie Teilöffentlichkeiten bedienen. Ich greife dabei drei Strategien heraus: Diskurspiraterie und Mimikry als Aneignung von Themen und Symbolen feministischer und demokratischer Bewegungen. Als Hijacking werden die Umdeutungen durch antifeministische und rechte Akteur*innen von queer_feministischen Hashtags und Inhalten bezeichnet. Diese Strategie verdeutliche ich am Beispiel von #metoo und #120db. Die Ausweitung des Sagbaren findet insbesondere durch Abwanderung ins sogenannte „Dark Net“ statt; ein Beispiel dafür liefert die Plattform Telegram. Diskutieren möchte ich dabei, wie wir mit der Dynamik digitaler Medien umgehen könnten, gerade in Bezug auf entsolidarisierende und exkludierende Kommunikationsformen und -foren sowie welchen Stellenwert solch dissonante Öffentlichkeiten für Fragen der Demokratiegestaltung haben. Ricarda Drüeke ist habilitierte Assoziierte Professorin am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Universität Salzburg und Co-Leiterin des Programmbereichs Zeitgenössische Kunst und Kulturproduktion der interuniversitären Einrichtung Wissenschaft und Kunst. Sie forscht und lehrt zu Inklusions- und Exklusionsprozessen in und durch Medien, digitalen Öffentlichkeiten (insbesondere mit einem Schwerpunkt auf Protestartikulationen und -bewegungen sowie Dynamiken der Empörung am Beispiel von Hate Speech) sowie im Bereich Gender Media Studies. In ihrer Habilitation beschäftigte sie sich mit queer_feministischem Aktivismus mittels digitaler Medien unter Berücksichtigung der Ausdifferenzierung von Öffentlichkeiten. Kommentar: Matthias Kettemann, Institut für Theorie und Zukunft des Rechts, Universität Innsbruck Moderation: Judith Goetz, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Innsbruck
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Mira Wallis: „Digitale Plattformen, Arbeit und die Krise der sozialen Reproduktion.“
Der Vortrag beleuchtet den Zusammenhang zwischen der Verbreitung digitaler Plattformen, der Transformation von Arbeit und Krisen der sozialen Reproduktion. Im Bereich der sozialen Reproduktion kommt es seit Jahren zu vielfältigen Krisenerscheinigungen, von der Aushöhlung der öffentlichen Daseinsvorsorge, Versorgungslücken, zunehmender Vermarktlichung und Privatisierung bis hin zu Überlastung und abnehmenden finanziellen und zeitlichen Ressourcen im ‘Privaten’. Diese multiplen Krisen der sozialen Reproduktion bieten Plattformunternehmen ein profitables Geschäftsfeld. Helpling, Lieferando, Care.com, Airbnb und viele weitere Plattformen stellen heutzutage Dienstleistungen aus zentralen Feldern der sozialen Reproduktion mit wenigen Klicks zur Verfügung. Ob Gesundheitsversorgung, Ernährung oder Kinderbetreuung – digitale Plattformen transformieren nicht nur Produktionsverhältnisse, sondern intervenieren auch direkt oder indirekt in die gesellschaftliche Re-Organisation sozialer Reproduktion und die vergeschlechtlichte Arbeitsteilung. Der erste Teil des Vortrags liefert eine Einführung in die zentralen Charakteristika der Plattformökonomie und skizziert, auf welche Entwicklungen im Bereich der sozialen Reproduktion Plattformen reagieren, an welche Krisen sie anknüpfen und welche Transformationsprozesse sie befördern. Im zweiten Teil des Beitrags wird dieser theoretische Zusammenhang beispielhaft anhand eines Teilbereichs der Plattformökonomie, heimbasierter digitaler Arbeit auf sogenannten Crowdwork-Plattformen, weiter ausgeführt. Abschließend wirft der Vortrag die Frage auf, inwiefern diese neue Form der Arbeit auch auf ein neues Reproduktionsregime verweist. Mira Wallis ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Promovendin am Institut für Europäische Ethnologie und am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2018 bis 2022 arbeitete sie im DFG-geförderten Forschungsprojekt „Digitalisierung von Arbeit und Migration“. Das Projekt beschäftigte sich mit der Rolle digitaler Plattformen bei der Transformation von Arbeit, sozialer Reproduktion und Mobilität/Migration. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf ortsungebundener Plattformarbeit (sog. Crowdwork), die sie als eine neue Form digitaler Heimarbeit in Deutschland und Rumänien untersucht. Gemeinsam mit Moritz Altenried und Julia Dück gab sie 2021 den Sammelband Plattformkapitalismus und die Krise der sozialen Reproduktion heraus. Kommentar: Carla Ostermayer, Doktoratskolleg „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation: Räume – Relationen – Repräsentationen“, Universität Innsbruck Moderation: Zoe* Steinsberger, Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck und Doktoratskolleg „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation: Räume – Relationen – Repräsentation“, Universität Innsbruck
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Lisa Nakamura: „Histories of Online Racism and Gendered Harassment: Women of Color Digital Diversity Work as Community Defense.“
This talk traces the history of women of color’s participation in online gaming forums, anti-racist social media posts, and Zoom meetings as examples of community defense. Black and Latinx female Xbox players who engage in „resistance griefing,“ to use game scholar Kishonna Gray’s formulation, Generation Z women who post video documentation of their encounters with racism and xenophobia in public places, and women of color resisting racist zoombombing share an understanding of their efforts as digital diversity work. This talk argues that women of color online were engaging in community defense models as alternatives to traditional policing and the carceral state years before the mainstream left in the U.S. deployed them as part of a populist politics. Lisa Nakamura is the Gwendolyn Calvert Baker Collegiate Professor in the Department of American Cultures at the University of Michigan, Ann Arbor. Lisa Nakamura is a member of the DISCO (Digital Inquiry, Speculation, Collaboration, and Optimism) Network along with André Brock, Stephanie Dinkins, Rayvon Fouché, Catherine Knight Steele, and Remi Yergeau. She is also the founding Director of the Digital Studies Institute at the University of Michigan and has been writing about digital media, race, and gender since 1994. Lisa Nakamura wrote books and articles on digital bodies, race, and gender in online environments, on toxicity in video game culture, and the many reasons that Internet research needs ethnic and gender studies. In November 2019 she gave a TED NYC talk about her research called “The Internet is a Trash Fire. Here’s How to Fix It.” Comment: Doris Allhutter, Institute of Technology Assessment, Austrian Academy of Sciences Moderation: Levke Harders, Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) und Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie
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Maria San Filippo: „Full-Frontal Feminism: Sex Scenes in Jane Campion’s Turn of the Millennium Trilogy“
This talk regards Jane Campion’s exemplary approach to crafting sex scenes in ways that confront gendered dynamics of power and (visual) pleasure, focusing on the trio of films Campion chose to make in the wake of receiving global acclaim for The Piano (1993). Viewing The Portrait of a Lady (1996), Holy Smoke! (1999), and In the Cut (2003) as an unofficial trilogy, considered within the entwined contexts of pre-/post-9/11 gender anxiety and surveillance culture and of feminist genre revisionism, I explore how these works encapsulate Campion’s singular approach to screening sex. Maria San Filippo is a 2021-22 Fulbright U.S. Scholar in the Department of American Studies at Universität Innsbruck. She is Associate Professor of Visual and Media Arts at Emerson College and Editor of New Review of Film and Television Studies. She authored the Lambda Literary Award-winning The B Word: Bisexuality in Contemporary Film and Television (2013) and Provocauteurs and Provocations: Screening Sex in 21st Century Media (2021), both published by Indiana University Press, and edited the collection After “Happily Ever After”: Romantic Comedy in the Post-Romantic Age (Wayne State University Press, 2021). Her Queer Film Classics volume on Desiree Akhavan’s Appropriate Behavior (2014) is forthcoming in fall 2022 from McGill-Queen’s University Press. Comment: Christian Quendler, Department of American Studies, University of Innsbruck Moderation: Cornelia Klecker, Department of American Studies, University of Innsbruck
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Denise Bergold-Caldwell: „Die Kolonialität von Geschlecht: Perspektiven auf Subjektivierungen in (post-)kolonialen Ordnungen“
Die Kolonialität der Macht (Quijano 2002) zeigt sich auch und in besonderem Maße im Bezug auf Geschlecht (Lugones 2016). Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass nicht nur der vergeschlechtlichte und rassifizierte Körper durch diese Macht hervorgebracht wird, sondern auch der Ort und der Kontext wirken auf die Entfaltung dieser Macht. In Deutschland wurde die Verwicklung in den Kolonialismus lange nicht beachtet und Rassismus wird als strukturelles Problem geleugnet (vgl. Mecheril 2010). Diesen Verstrickungen in den Kolonialismus bis in die Gegenwart und der Unsichtbarmachung von kolonialen Kontinuitäten werden in dem Vortrag anhand vergeschlechtlichter und rassifizierter Subjektivierungsprozesse nachgegangen. Dazu analysiere ich die Erfahrungen von Mora – einer Schwarzen Frau – mit einem sexualisierten Übergriff in einer deutschen Kleinstadt und zeige, warum sich dieser als Reaktualisierung von kolonialem Begehren und kolonialer Herrschaft verstehen lässt. Es wird verdeutlicht, wie die Vergangenheit von Versklavung und Kolonialismus in einem Modus der sprachlichen Reaktualisierung erneut hervortritt und die ‚Vergangenheit‘ als Präsenz im Hier und Jetzt immer eine Rolle spielen kann. Dr.in phil. Denise Bergold-Caldwell ist Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin und lehrt mit einem Schwerpunkt auf post- und dekoloniale Bildungsprozesse. Neben zahlreichen Publikationen in den Bereichen der Gender- und Queerstudies, des Antifeminismus, der Migrationspädagogik und der interkulturellen Bildung und Erziehung ist 2020 die Monographie „Schwarze Weiblich*keiten. Intersektionale Perspektiven auf Bildungs- und Subjektivierungsprozesse“ erschienen. Im Jahr 2021 war sie zusammen mit Vanessa E. Thompson und Christine Löw Herausgeberin des Heftes Feminina Politica (2/2021): Schwarze Feminismen. Von 2019 bis 2022 war sie wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg Seit 1.4.2022 ist Denise Bergold-Caldwell Universitätsassistentin (Post-Doc) am Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI). Kommentar: Sushila Mesquita, Referat Genderforschung, Universität Wien Dr.x Sushila Mesquita arbeitet im Referat Genderforschung der Universität Wien und unterrichtet, forscht und publiziert zu rassismuskritisch_intersektional_queer_feministisch_post_dekolonialen Ansätzen und Themen. Sushila ist an der Herstellung von VerLern- und BIPoC Empowerment-Räumen interessiert und tut dies zur Zeit unter anderem als Teil des Kollektivs we-dey und als selbstständige_r Schreibcoach. Moderation: Gundula Ludwig, CGI- Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck, Universität Innsbruck
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Ilse Hartmann-Tews: „Soziale Konstruktion von Geschlecht im Sport“
Der Sport ist ein Sozialsystem, das angesichts seiner auf den Körper und die Steigerung körperlicher Leistungen ausgerichteten generalisierten Handlungsorientierung einen besonderen Resonanzboden für die soziale Konstruktion von Geschlecht darstellt. Die Handlungsorientierung prädisponiert die Aktualisierung traditioneller Geschlechterdifferenzierung, zumal die Körper und unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Sportler und Sportlerinnen quasi als eine visuelle Empirie der natürlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern erscheinen. Der Vortrag wird exemplarisch einige Prozesse und institutionelle Arrangements der Konstruktion von Geschlecht aufzeigen und darüber hinaus auf die Rolle der Sportberichterstattung eingehen, die ebenso an der Stabilisierung der heteronormativen Geschlechterordnung beteiligt ist. Ilse Hartmann-Tews Prof. Dr. Ilse Hartmann-Tews ist Professorin für Soziologie und Sportsoziologie an der Deutschen Sporthochschule Köln und dort Leiterin des Instituts für Soziologie und Geschlechterforschung. Nach der Promotion in Soziologie an der Universität zu Köln (UzK) habilitierte sie an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) zu der Thematik des Strukturwandels von Sportsystemen und der Realisierung der Europäischen Charta ‚Sport für für Alle‘. 1997 erhielt sie den Ruf auf die Professur für ‚Frauenforschung im Sport‘, SS 2012 war sie Aigner-Rollet Gastprofessorin an der Karl-Franzens-Universität in Graz. Schwerpunkte in der Forschung sind Analysen zur medialen Konstruktion von Geschlecht in der Sportberichterstattung, zur geschlechtsbezogenen somatischen Kulturen im Kontext von Sport und Alter(n), zu den Rahmenbedingungen sexualisierter Gewalt im Sport und zu der Situation von LSBTI* Personen im Sport. Kommentar: Anika Frühauf, Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck Moderation: Linda Rausch, Institut für Sportwissenschaft, Universität Innsbruck
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Eva Zedlacher: „Anschreien, ausgrenzen, Gerüchte streuen – was Missverhalten am Arbeitsplatz mit Gender zu tun hat“
Anders als bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gibt es Phänomene von Missverhalten, die zumindest am ersten Blick wenig mit Geschlecht zu tun haben. In dieser Vorlesung zeigt Eva Zedlacher, ob und warum die Wahrnehmung vieler Verhaltensweisen bei der Arbeit wie zum Beispiel Anschreien oder sozialer Ausschluss ebenso vergeschlechtlicht sind. Vorläufige Ergebnisse eines visuellen Experiments, bei dem das Geschlecht der Schauspieler*nnen manipuliert wurde, werden präsentiert. Eva Zedlacher Dr. Eva Zedlacher ist Assistant Professor of Management an der Webster Universität in Wien. Vor und nach ihrem Doktoratsstudium an der TU Wien arbeitete sie im Bereich Organisationsentwicklung in zwei großen österreichischen Konzernen. Sie beschäftigt sich in ihrer Forschung seit einigen Jahren mit dem Thema Mobbing am Arbeitsplatz aus einer Geschlechterperspektive. In einem laufenden Forschungsprojekt untersucht Eva Zedlacher die Rolle des Geschlechts der Akteur*Innen bei Mobbingbeschwerden, und wie man Beobachter*innen mittels eines interaktiven Trainingsfilms sensibilisieren kann, frühzeitig einzugreifen. Dieses Projekt wird durch den Projektfonds 4.0 der Arbeiterkammer Niederösterreich gefördert. Kommentar: Heike Welte, Institut für Organisation und Lernen, Universität Innsbruck Moderation: Manfred Auer, Institut für Organisation und Lernen, Universität Innsbruck
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Jin Haritaworn: „Von Corona-Rassismus zu Abolitionismus: Queere Präfigurationen jenseits des racial Kapitalismus“
Die Corona-Pandemie wirft die Frage, was uns sicher macht, erneut ins Visier. Die Krise gibt dem Staat präzedenzlose Möglichkeiten, Grenzen zu schließen, nicht-weiße Menschen als Regelbrecher*innen zu profilieren, und queere Wahlfamilien erneut zu kriminalisieren. Dies zeigt zugleich, dass Rechte und öffentliche Sicherheit nie abstrakt und universell sind. Die nahezu absolute Macht des Staates über das öffentliche und private Leben betrifft vor allem Menschen, die nicht automatisch unter seinen Schutz fallen, sondern im Gegenteil immer bereits ein Risiko darstellen, das gemanagt werden muss. Neben der Verschärfung bestehender Gewaltverhältnisse bietet die Pandemie daher auch einen Schlüsselmoment für die Transformation der Sicherheit und die Schaffung von Alternativen, die über den karzeralen Staat hinausgehen. Im Vortrag untersucht Jin Haritaworn dies anhand von Interviews mit Menschen in Berlin, die in selbst-organisierten politischen Umfeldern aktiv sind, wo Corona-Sicherheit auf vielfältige Weise diskutiert und praktiziert wird: vom kreativen Umgang mit den staatlichen Corona-Regeln, die das Monopol der weißen, cis-heteronormativen Kernfamilie auf staatliche Legitimität festschreiben, zur Bildung von queer of Colour Pods, Bubbles und Care-Kollektiven, wo individuelle und kollektive Sicherheit jenseits staatlicher Sanktionierung praktiziert wird, zur Organisation von antirassistischen Protesten, wo der öffentliche Raum zurückerobert und die Frage der kollektiven Sicherheit von Grund auf neu verhandelt wird. Jin Haritaworn Prof. Dr. Jin Haritaworn ist Associate Professor für Gender, Race and Environment an der York University in Toronto, Kanada. Jin verortet sich in der Tradition einer aktivistischen Wissenschaft, die versucht, im Dienste sozialer Bewegungen zu stehen. Zu Haritaworns Veröffentlichungen gehören Monographien (u.a. Queer Lovers and Hateful Others: Regenerating Violent Times and Places), zahlreiche Artikel (in Zeitschriften wie GLQ, Sexualities, sub\urban, Society&Space und Topia) und mehrere kollaborative Sammelbänder (darunter Queer Necropolitics, Queering Urban Justice und Marvellous Grounds). Jin hat auf beiden Seiten des Atlantiks in diversen Feldern grundlegende Beiträge geleistet, darunter in Gender-, Sexualitäts- und Transgender-Studien, Critical Race/Ethnic Studies und Stadtforschung, und hat verschiedene Konzepte und Debatten mitgeprägt, u.a. Intersektionalität, transnationale und postkoloniale Sexualitäten, Gentrifizierung, Queer Space, Kriminalisierung, Homonationalismus und Queer-of-Colour-Kritik und -Archive. *** 67. Innsbrucker Gender Lecture am 12. Oktober 2021 Kommentar: Vanessa E. Thompson, wissenschaftliche Mitarbeiter*in, Kulturwissenschaftliche Fakultät Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder Vanessa E. Thompson ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der komparativen Sozial- und Kulturanthroplogie an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder und incoming assistant professor in Black Studies am Department für Gender Studies an der Queen’s University, Kanada. Sie forscht und lehrt im Bereich der Black Studies (mit besonderem Fokus auf Schwarze soziale Bewegungen und Schwarzen Feminismus), kritischen Rassismus- und Migrationsforschung, transnational feministische Theorien und Praktiken, Polizeikritik und Abolitionismus. Sie hat zu Schwarzen radikalen Theorien und Bewegungen in Frankreich und Europa, Schwarzen abolitionistischen Kämpfen und Fanons Arbeiten publiziert. Sie ist Mitgründerin eines intersektionalen cop-watch Kollektivs, Mitglied in der Internationalen Unabhängigen Kommission zur Aufklärung über den Tod des Oury Jalloh, und ist in internationalen abolitionistischen Bewegungen engagiert. Moderation: Gundula Ludwig, Professor*in für Sozialwissenschaftliche Theorien der Geschlechterverhältnisse, CGI-Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck, Universität Innsbruck Veranstaltet von: Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck www.uibk.ac.at/geschlechterforschung
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Claudia Opitz: „Feminismus, Geschlechterdebatten und die Zukunft der Geschlechtergeschichte“
In den letzten Jahren wurden ältere, aus der „Neuen Frauenbewegung“ stammende Geschlechterdebatten etwa im Hinblick auf Gewalt gegen Frauen wieder aktuell. Nicht nur vor Gericht, sondern die Auseinandersetzung über das Miteinander der Geschlechter hat sich auch kulturellen und alltagspraktischen Fragen, dem «alltäglichen Sexismus» zugewandt, zu dem auch jene «Sottisen» gehören, die, wie einst Simone de Beauvoir schrieb, «im Laufe des letzten Jahrhunderts in dicken Wälzern niedergelegt worden» sind, sondern die auch in den (sozialen) Medien und im täglichen Mit- oder Gegeneinander von Männern und Frauen mit darüber entscheiden, ob das Zusammenleben angenehm oder frustrierend, die Beziehungen vielversprechend und bereichernd oder eben gewaltförmig und zerstörerisch erlebt werden. Tatsächlich ist Feminismus dadurch nicht nur im gesamten deutschsprachigen Raum wieder salonfähig geworden, sondern auch weit darüber hinaus. In meinem Vortrag möchte ich, ausgehend von diesem Wiederaufleben des Interesses am Feminismus, aber auch mit Blick auf „queer theory“ und weitere neuere Einflüsse auf dieses historische Forschungsfeld die Frage stellen, wo die Geschlechtergeschichte heute steht und wohin sie sich ggf. weiterentwickeln kann und sollte. Claudia Opitz-Belakhal Department Geschichte, Universität Basel Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal ist Professorin für Neuere Geschichte an der Universität Basel. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit, insbesondere in der Familien- und Emotionengeschichte, in der Theorie und Methodologie der Geschlechtergeschichte sowie in der Geschichte der politischen Theorie und Praxis von der Renaissance bis zur Französischen Revolution. Ihre jüngsten Publikationen sind „Im Reich der Leidenschaften. Montesquieus politische Anthropologie“ (Frankfurt am Main 2021); „Streit um die Frauen und andere Studien zur frühneuzeitlichen `Querelle des femmes`“(Rossdorf bei Darmstadt 2020) und schliesslich (zus. mit Ingrid Bauer u. Christa Hämmerle) „Politik – Theorie – Erfahrung. 30 Jahre feministische Geschichtswissenschaft im Gespräch“ (Göttingen 2020). 65. Innsbrucker Gender Lecture am 15. Juni 2021 Moderation: Maria Heidegger, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Universität Innsbruck Kommentar: Kordula Schnegg, Institut für Alte Geschichte und Altorientalistik, Universität Innsbruck Veranstaltet von der Forschungsplattform Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck www.uibk.ac.at/geschlechterforschung
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Elisabeth Sandler: „LGBTQ+-Inklusion an Universitäten: Zeugnisse und Empfehlungen aus der „Out at Cambridge“ Studie“
Out at Cambridge LGBTQ+ identifizierende Studierende und Universitätsangestellte werden oft mit besonderen Herausforderungen konfrontiert, selbst in einem Umfeld in welchem diese nicht-normativen Identitäten akzeptiert und toleriert werden. Wie eine Forschungsteilnehmer*in der 2019 durchgeführten „Out at Cambridge“ Studie beschrieb: Nicht-marginalisierte Individuen sehen oft nicht wie viel Arbeit es ist „anders“ betrachtete Identitäten beruflich und privat zu navigieren; sich zu erinnern wem gegenüber man sich bereits geoutet hat, jedes Mal erneut zu überlegen wie man sich am besten outet und ob es überhaupt angebracht und professionell genug ist sich im jeweiligen Kontext zu outen. Dazu stoßen leider immer noch häufig vorkommende Momente von Mikroaggressionen und Diskriminierung. All das kann einen wesentlichen Einfluss auf die Kräfte, Zeit, Arbeitskonzentration, und (mentale) Gesundheit haben. In diesem Gastvortrag stellt Elisabeth Sandler Ergebnisse der „Out at Cambridge“ Studie (lgbtQ+@cam, University of Cambridge) vor. Durch das Teilen von Stimmen, welche nicht immer Raum bekommen gehört zu werden, zeigt sie auf, inwiefern ein Wohlfühlen sich im Universitätskontext zu outen für Individuen sowie Institutionen von Interesse ist und was Universitäten tun können um ein sicheres, inklusiveres, und diversitätszelebrierendes Hochschulumfeld zu schaffen. Link zum Forschungsbericht: https://www.lgbtq.sociology.cam.ac.uk/projects/out-at-cambridge ELISABETH SANDLER (Department of Sociology, University of Cambridge) war Vollzeitforscherin in der „Out at Cambridge“-Studie. Nach ihrem Studium der Erziehungswissenschaften an der Universität Innsbruck studierte sie Methodologie und Forschungsmethoden an der Universität Oxford (MSc Education (Research Training)) und Reproduktionssoziologie an der Universität Cambridge (MPhil Sociology of Reproduction), mit Forschungsschwerpunkten in LGBTQ+, Gender, und Sexuality Studies. Moderation: Claudia Posch, Institut für Sprachwissenschaft, Universität Innsbruck Kommentar: Karoline Irschara, Institut für Sprachwissenschaft, Universität Innsbruck Veranstaltet von der Forschungsplattform Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck (CGI) www.uibk.ac.at/geschlechterforschung
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Michelle Cottier: „Elternschaft im Recht jenseits von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit als Norm“
Nach wie vor sind die Familienrechte in Europa an der Norm der Heterosexualität und der Grundannahme der Binarität der Geschlechter orientiert. Gemeinsame Elternschaft gleichgeschlechtlicher Paare wird zwar zunehmend anerkannt, aber als Ausnahme und Abweichung verstanden. Die selbstdefinierte Identität von trans*- und inter*geschlechtlichen Personen als «Vater», «Mutter» oder non-binärem «Elternteil», wie auch Familien mit mehr als zwei Eltern werden hingegen nach wie vor als Irritation wahrgenommen. Aktuell stellt sich nun die Frage, wie ein Familienrecht aussehen kann, das in Bezug auf Elternschaft nicht mehr zwischen Norm und Abweichung unterscheidet, und der aktuellen Vielfalt von Familienrealitäten gerecht wird. Der Vortrag geht der Frage nach, welchen Beitrag die (Legal) Gender Studies zu dieser grundlegenden Neuorientierung leisten können. Michelle Cottier ist ordentliche Professorin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Genf. Ihre Forschungsschwerpunkte sind das Personen- und Familienrecht, das Kindesrecht, die Rechtssoziologie sowie die Gender-Perspektive im Recht. Cottier ist gemeinsam mit Ingeborg Schwenzer und Andrea Büchler Herausgeberin der Zeitschrift „Die Praxis des Familienrechts“. Moderation: Caroline Voithofer, Institut für Zivilrecht, Universität Innsbruck Kommentar: Michael Ganner, Institut für Zivilrecht, Universität Innsbruck
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Libe García Zarranz: “Paradoxical Worldings: Reflections on Feminist and Trans Cultures Today”
How can we rethink the paradoxical as a site for feminist and trans intervention? In this lecture, I will share my new research where I look at recent feminist and trans literary, artistic, and cultural production through the notion of paradox (Barenboim & Said 2002; Wunker 2016; Gossett, Stanley & Burton 2017). I will unveil how these writers’ and artists’ worldings (Haraway, 2016) advocate for fierce (political and ethical) modes of kindness and love, while simultaneously proposing what I call a critical necropoethics (Mbembe 2003; Haritaworn et al., 2014; Kähkönen & Ladin 2017). Ultimately, I seek to think critically and ethically about these paradoxical representations, while addressing broader discussions, such as the current fractures between feminist and trans groups, and the central paradox that characterizes these current times where trans visibility intimately co-exists with growing anti-trans violence. Dr. Libe García Zarranz is an Associate Professor of Literature in English in the Department of Teacher Education at the Norwegian University of Science & Technology (Norway). Prior to joining NTNU, she taught critical theory and gender studies at Magdalene College, University of Cambridge (UK). Libe has published on Canadian literary studies, affect theory, and feminist, queer and trans studies. Aufzeichnung einer online Gender Lecture am 20. Oktober 2020. Moderation: Doris Eibl, Institut für Romanistik, Universität Innsbruck Kommentar: Ulla Ratheiser, Institut für Anglistik, Universität Innsbruck
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Hanna Hacker: „Avantgarde und Kollektivität: Feministischer Aktivismus revisited“
Entwicklungslinien und Bruchstellen frauen*bewegter politischer Praktiken seit der „Second Wave“: Wie hat sich feministisch bewegtes Sprechen über Politikentwürfe, Protestformen und kollektive Sehnsüchte gestaltet und verändert? Wie lässt sich dieses komplexe, kontroverse Feld überhaupt fassen? Für eine kritische Rekonstruktion von Frauen*bewegungen folgt der Vortrag insbesondere dem Genre des feministischen Manifests. Manifeste bezeichnen ein Wir, ein Hier, ein Jetzt; sie konzipieren agitatorisches Handeln und setzen eine Geste im Utopischen. Manifeste aus feministischen Kontexten adressieren das Potenzial der Überschreitung gegebener geschlechtlicher Begrenzung und öffnen eigene Räume für die Artikulation von Subjektivität, sozialer Bewegung, Bündnisideen und politischer Transformation. Sie sind selbst politische Praxis – und schlagen einen weiten Bogen, von Valerie Solanas‘ „Manifest der Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“ (1968) bis zu Sara Ahmeds „Manifest für feministische Spaßverderber*innen“ (2017). HANNA HACKER: Wien, Soziolog*in und Historiker*in. Lektorin und Professorin an verschiedenen österreichischen Universitäten, an der CEU Budapest und an der Université Yaoundé I (Kamerun), zuletzt Gastprofessorin am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und Lehre in den Gender Studies; zumeist tätig als freie Wissenschaftlerin. Arbeitsschwerpunkte: Postcolonial und Cultural Studies in feministischer und queerer Perspektive; Forschungsthemen: Geschlechtertheorien, Frauenbewegungen, Sexualitäten, Transkulturalität, internationale Beziehungen, Critical Whiteness. Langjähriges Engagement in österreichischen und internationalen feministischen und queeren Politikzusammenhängen. Buchpublikationen u.a.: – Frauen* und Freund_innen. Lesarten „weiblicher Homosexualität“, Österreich 1870–1938. Wien: Zaglossus 2015. – Queer Entwickeln. Feministische und postkoloniale Analysen. Wien: Mandelbaum 2012. – Gewalt ist: keine Frau. Der Akteurin oder eine Geschichte der Transgressionen. Königstein/Taunus: Helmer 1998. – Donauwalzer Damenwahl. Frauenbewegte Zusammenhänge in Österreich. Wien: Promedia 1989 (mit Brigitte Geiger) Kommentar: Andrea Urthaler, Doktoratskolleg Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation, Universität Innsbruck Moderation: Eliah Lüthi, Doktoratskolleg Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation, Universität Innsbruck
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Renate Bitzan: „Frauenaktivitäten, Frauenbilder und vermeintlicher Feminismus in der rechten Szene der Bundesrepublik Deutschland“
Von Straftaten über Mitgliedsaktivitäten bis hin zur Zustimmung zu extrem rechten Einstellungen haben Frauen einen – quantitativ unterschiedlich hohen – Anteil am Rechtsextremismus. Die Formen, wie sie sich in dieser Szene engagieren und auftreten, sind vielfältig. Und auch ihre Geschlechterideologien weisen Variationen auf – bis hin zu vermeintlich feministischen Positionen. Das ausschließliche Bild vom unterwürfigen „Heimchen am Herd“ ist zu simpel. Der Vortrag gibt einen Überblick über die genannten Aspekte. Prof. Dr. RENATE BITZAN ist Sozialwissenschaftlerin und an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm für das Lehrgebiet Gender & Diversity zuständig. Sie beschäftigt sich seit Ende der 1980er Jahre mit dem Thema ‚Frauen in der extremen Rechten‘ und ist Gründungsmitglied des überregionalen „Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus“. Kommentar: Max Preglau, Institut für Soziologie, Universität Innsbruck Moderation: Claudia Globisch, Institut für Soziologie, Universität Innsbruck
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Ilona Horwath: „Von digitaler Gleichheit und algorithmischen Differenzen“
Mit der Einführung digitaler Technologien und algorithmischer Entscheidungssysteme (ADM) wird oft die Erwartung verbunden, dass diese mittels objektiver Daten und Berechnungen zu gerechteren – weil von menschlichen Vorurteilen freien – Entscheidungen führen. Doch ist dies tatsächlich der Fall? Welche aktuellen Tendenzen sind feststellbar und (wie) kann es dazu kommen, dass Algorithmen diskriminieren? Wie verändert Digitalisierung die Mechanismen gesellschaftlicher Diskriminierung? Und brauchen wir eine feministische KI? Im Vortrag wird diesen Fragen nachgegangen und mit Blick auf Geschlechterverhältnisse und soziale Ungleichheit anhand aktueller Befunde wissenschaftlicher Studien beantwortet und diskutiert. ILONA HORWATH ist Juniorprofessorin für Technik und Diversität an der Fakultät für Maschinenbau der Universität Paderborn. Die Soziologin forscht an den Schnittflächen von Technik und Gesellschaft. Kommentar: Heike Welte, Institut für Organisation und Lernen, Universität Innsbruck Moderation: Heidi Siller, Gender Medicine Unit, Medizinische Universität Innsbruck
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Leonhard Dobusch: „Offenheit als Organisationsprinzip – Offen für Diversität oder Exklusion durch Offenheit?“
Organisationale Offenheit, unterstützt durch digitale Technologien, erfreut sich in immer mehr Feldern wachsender Beliebtheit. Nicht nur im Bereich unternehmerischer F&E („Open Innovation“) sondern auch zur Strategiefi ndung („Open Strategy“), im öffentlichen Sektor („Open Government“) oder in der Wissenschaft („Open Science“) wird mit einem Mehr an Offenheit das Versprechen von erhöhter Transparenz und Inklusion verbunden. Gleichzeitig zeigen Untersuchungen von radikal offenen Organisationsformen wie der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia, dass Offenheit keineswegs automatisch mit mehr Diversität einhergeht. Vielmehr stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte Formen von Offenheit sogar bestimmte Gruppen von Menschen besonders exkludieren. LEONHARD DOBUSCH: Betriebswirt und Jurist, forscht als Professor für Organisation an der Universität Innsbruck zu organisationaler Offenheit und dem Management digitaler Gemeinschaften. Er ist Mitgründer der Konferenzreihe Momentum sowie des Momentum Instituts, Mitglied des ZDF-Fernsehrats und bloggt regelmäßig bei netzpolitik.org. Kommentar: Katharina Zangerle, Institut für Organisation und Lernen, Universität Innsbruck Moderation: Manfred Auer, Institut für Organisation und Lernen, Universität Innsbruck
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Sabine Hark: „Wer hat Angst vor Gender Studies? Über Feminismus, Gender und die Zukunft der Geschlechterforschung in neo-reaktionären Zeiten.“
Sabine Hark, Direktor_in des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, Technische Universität Berlin Wer hat Angst vor Gender Studies? Über Feminismus, Gender und die Zukunft der Geschlechterforschung in neo-reaktionären Zeiten Kommentar: Paul Scheibelhofer, Institut für Erziehungswissenschaft Moderation: Tanja Vogler, Doktorandin des DK Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation Dass die Geschlechterdifferenz nicht auf ein asoziales, ahistorisches Faktum reduziert werden kann, ist eine weithin bekannte und vielfach erforschte Einsicht der multidisziplinären Gender Studies. Diese begreifen Geschlecht und die Geschlechterdifferenz hinsichtlich ihres ontologischen Status, ihrer Relevanz für alle Sphären des Sozialen und hinsichtlich ihrer spezifischen Materialität und Form als ein immer vorläufiges Resultat gesellschaftlicher Praxis und Strukturen. Hierauf zielt der Begriff [Gender]. Der Vortrag geht hiervon ausgehend der Frage nach, welche Akteur_innen in welcher Weise und mit welchen Absichten Gender als Begriff und Konzept ausdrücklich ablehnen, attackieren und zu diffamieren suchen. SABINE HARK, Berlin; Professor*in für Geschlechterforschung an der TU Berlin; Direktorin des Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung ZIFG an der TUB. Mitherausgeberin der Zeitschrift feministische studien. Zeitschrift für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung. Mitglied des Vorstands von Wir Machen Das (wearedoingit e.V.). Aktuelle Publikationen: Vermessene Räume, gespannte Beziehungen. Unternehmerische Universitäten und Geschlechterdynamiken, Berlin 2018 (Hrsg. zusammen mit Johanna Hofbauer); Koalitionen des Überlebens. Queere Bündnispolitiken im 21. Jahrhundert, Göttingen 2017; Unterscheiden und herrschen. Ein Essay zu den ambivalenten Verflechtungen von Rassismus, Sexismus und Feminismus in der Gegenwart, Bielefeld 2017 (zusammen mit Paula-Irene Villa). Veranstaltet von der FP Geschlechterforschung (www.uibk.ac.at/geschlechterforschung) mit dem Doktoratskolleg „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation“ (https://www.uibk.ac.at/dk-gender/) in Kooperation mit Radio Freirad (www.freirad.at)
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Jean Paul: „Family impacts when a parent has a mental illness: understanding and developing child-focused support in Tyrol, The Village Project“
Innsbrucker Gender Lecture (in english) Jean Paul, Ludwig Boltzmann Institute & Medical University of Innsbruck „Family impacts when a parent has a mental illness: understanding and developing child-focused support in Tyrol, The Village Project“ Comment: Anna Buchheim, Dekanin der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaften Presentation: Marina Hilber, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie Children of parents with a mental illness (COPMI) are more likely to experience negative long-term adversities, however interventions to support their needs early can significantly enhance adjustment and reduce negative outcomes. The project “The Village” seeks to improve child development and wellbeing outcomes for children of parents with a diagnosed mental illness. This will be achieved through the co-development, implementation and evaluation of a practice approach to the early identification and collaborative care for COPMI, through establishing child-focused support networks. This project upholds the UN Convention of the Rights of the Child (UNCRC) through its overarching focus to listen and understand the ‘child’s voice’, engaging the public in Tyrol, a geographical region of Austria, over the period of four years. There are approximately 140,000 dependent children (0-18 years) living in Tyrol, mostly in a dual-parent family with a predominantly Catholic faith. Three percent of Tyrol’s population suffer from a mental illness, with most receiving medication as the only treatment. Differences within mental illness presentation, patient age, and uptake of mental health services were identified between men and women. Experiences of mental illness for men and women in the literature will support our interpretations of these data. The research project aims to directly improve identification and support of vulnerable children across selected regions in Tyrol, Austria, and by doing so, improve the health and wellbeing of future generations, through breaking the cycle of intergenerational transfer of adverse childhood experiences. Website: www.village.lbg.ac.at Dr Jean Paul is the PI of the Village Project at the Ludwig Boltzmann Gesellschaft and Medical University Innsbruck. She is a social scientist and applied linguist in child health research, using qualitative approaches to explore how people experience and are impacted upon by their interactions with the healthcare system. Before moving to Innsbruck earlier this year, she was a postdoctoral researcher at the Murdoch Children’s Research Institute, Australia. She maintains international relationships and is an honorary research fellow with The University of Melbourne and Murdoch Children’s Research Institute. Affiliations:Mental Health Research Program, The Village, Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Innsbruck, Austria; Medical University Innsbruck, Department of Psychiatry, Psychotherapy and Psychosomatics, Division of Psychiatry I, Innsbruck, Austria Veranstaltet von der FP Geschlechterforschung (www.uibk.ac.at/geschlechterforschung) mit dem FZ Medical Humanities https://www.uibk.ac.at/geschlechterforschung/fz-medical-humanities.html.en) in Kooperation mit Radio Freirad (www.freirad.at)
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Silke Schicktanz: „Repro-Kult: Leihmutterschaft zwischen Ethik, Recht und Geschlechterperspektive“
Innsbrucker Gender Lecture Silke Schicktanz, Institut für Ethik und Geschichte der Medizin& Göttinger Centrums für Geschlechterforschung beim Sommerworkshop des FZ Medical Humanities https://www.uibk.ac.at/geschlechterforschung/fz-medical-humanities.html „Repro-Kult: Leihmutterschaft zwischen Ethik, Recht und Geschlechterperspektive“ Kommentar: Caroline Voithofer, Institut für Zivilrecht, Universität Innsbruck Moderation: Gabriele Werner-Felmayer, Biozentrum der Medizinischen Universität Innsbruck Leihmutterschaft ist eine besonders kontrovers diskutierte Praxis moderner Reproduktionsmedizin. In einigen Ländern ist Leihmutterschaft gut etabliert, in anderen verboten. Transnationale Bewegungen (sog. Reproduktionstourismus) machen es erforderlich, globale Vernetzungen zwischen permissiven und restriktiven Ländern stärker zu reflektieren – sowohl auf der praktischen als auch der theoretischen Ebene. Im Vortrag wird sich die Referentin auf den Vergleich der Leihmutterschaft in drei rechtlich, kulturell und sozial unterschiedlichen Ländern – nämlich Indien, Israel und Deutschland – beziehen. Dabei wird sie die methodische Notwendigkeit des Vergleichs und der Geschlechterforschung hervorheben, um den Kontroversen und moralisch-rechtlichen Unsicherheiten, die mit dem Phänomen Leihmutterschaft assoziiert sind, einen tieferen Sinn zu geben. Erstens identifiziert die Referentin kulturübergreifende moralische Kritik an der Leihmutterschaft, die sich auf zwei Kernthemen, Ausbeutung und Kindeswohl, bezieht. Zweitens wird sie die genderstereotypen Paradigmen von Mutter-/Elternschaft als zu wenig hinterfragten Imperativ der Reproduktionsmedizin kritisieren und auf die Notwendigkeit eines transnationalen Diskurses verweisen. Dieser ermöglicht es erst, die Diskussion um die Interessen und Bedürfnisse der betroffenen Frauen und Eltern nicht in relativierender Beliebigkeit münden zu lassen. Silke Schicktanz ist Universitätsprofessorin mit Schwerpunkt Kultur und Ethik der Biomedizin an der Universitätsmedizin Göttingen. Sie hat zahlreiche internationale Forschungsprojekte und -aufenthalte, u.a. an der UC Berkeley & San Francisco State University, USA; Tel Aviv & Ben Gurion University, Israel; Jawaharlal Nehru & Delhi University, India; University of Montreal, Kanada; University of Leeds, UK. In ihrer Forschung verknüpft sie bioethische, partizipations- und feministisch-erkenntnistheoretische Ansätze. Sie ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des Göttinger Centrums für Geschlechterforschung. Veranstaltet von der FP Geschlechterforschung (www.uibk.ac.at/geschlechterforschung) in Kooperation mit Radio Freirad (www.freirad.at)
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Gabriele Michalitsch: „Männliche Härte: Neoliberalismus, Rechtsextremismus und Geschlecht“
Männliche Härte: Neoliberalismus, Rechtsextremismus und Geschlecht Die als „Wettbewerbsfähigkeit“ titulierte neoliberale Variante von „survival of the fittest“ macht ebenso widerstandslose wie rücksichtslose Anpassung an Marktbedingungen zum Wohle des Profits zur Überlebensfrage. Damit einhergehende Härte und Männlichkeit charakterisieren den neoliberalen Subjekt- und Gesellschaftsentwurf, bilden aber auch wesentliche Anknüpfungspunkte von Rechtsextremismus. Der Vortrag reflektiert die neoliberale Konstruktion von Subjekt und Gesellschaft, deren inhärenten Maskulinismus sowie deren rechtsextreme Wendung – und macht solcherart grundlegende Kontinuitäten von Neoliberalismus und Rechtsextremismus deutlich. MMag.a Dr.in Gabriele Michalitsch ist Politikwissenschafterin an der Universität Wien. Seit dem WS 2002/03 hat sie eine Gastprofessur an der Galatasaray Universität, Istanbul, inne. Zu ihren weiteren Engagements zählten: 2001-2002 Mitarbeit bei Women and Financial Policy in Austria und Mitbegründerin der Joan Robinson Association for gender-equal distribution of economic knowledge in Wien und 1999-2002 Mitherausgeberin der Buchreihe Frauen, Forschung und Wirtschaft [Women, Research, and Economics] der WU Wien. Seit 2002 ist Gabriele Michalitsch Vorsitzende der Expertinnengruppe des Europarates zu Gender Budgeting. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Geschlechterkonstruktionen in politischen und ökonomischen Theorien, Neoliberalismus, Feministische Ökonomie, Genese der modernen Ökonomie, Verhältnis von Staat und Ökonomie. Kommentar: Veronika Eberharter, Univ.-Doz. für Volkswirtschaftslehre am Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte an der Universität Innsbruck. Moderation: Tanja Vogler, MSc., Doktorandin im Doktoratskolleg „Geschlecht und Geschlechterverhältnisse in Transformation“ an der Universität Innsbruck.
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Zahra‘ Langhi: „Gender & Peace Building. Beyond the Question of Inclusion & Exclusion“
51. Innsbrucker Gender Lecture Gender & Peace Building Beyond the Question of Inclusion & Exclusion Zahra‘ Langhi, Co-founder and the CEO of the Libyan Women’s Platform for Peace Comment: Josefina Echavarría Alvarez, Unit for Peace Studies, University of Innsbruck Moderation: Lena Drummer, Research Platform Gender Studies & Doctoral Program Dynamics of Inequality and Difference, University of Innsbruck During time of war and armed conflict, women continue to bear the brunt of causalities, gender-based violence and livelihood insecurity. Despite the unanimous UN adoption of Resolution 1325 calling for the increase in women’s representation in conflict management and resolution, little has been done to enforce and implement it. Overall, women play a limited role within the peace building process and peace negotiations. Looking into the three examples of Libya, Syria and Yemen in the UN led peace negotiations, what is noticed is that there is a lot of talk and literature about including women in the peace process. However, most of the discussion centers primarily around women’s inclusion or exclusion. When it came to practice in these countries, women were lucky if they were included in a secondary track with no mandate as in the case of Libya or included in an advisory board to the UN mediator as in the case of Syria. Their inclusion was mostly symbolic. A cloth of the table of negotiation! Most of the negotiation literature treats women primarily as an object of inclusion or exclusion and the decision to include or exclude is left to the male mediators or the powerful male negotiators. Women’s inclusion remains to be instrumentalised to tick the box and to make political gains and propaganda. Women in these UN led peace processes were not perceived as actors in their own right. Rather they are perceived as passive objects of inclusion or exclusion. The debate and the practice have not gone beyond that to understanding the variety of ways in which women can participate and how they can change and influence the process by introducing a new vision to the table of negotiation and/or by the community based constituency they represent. It’s time for a change to the “inclusion” debate. UN missions and programs on Women, Peace and Security must be evaluated on the basis of whether they enable women to broaden their potential for political mobilization, such that they can build sustainable peace and inclusive security. Zahra‘ Langhi is a Co-founder and the CEO of the Libyan Women’s Platform for Peace, a socio-political movement which aims at peace building, inclusivity and gender equality. Also she participated in the UN led peace process. She was also advisor to the Libyan National Dialogue. In her research she focuses on topics of peace building, women’s leadership, Middle Eastern history, metaphysics, mysticism and female spirituality in comparative religions.
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Rahul Rao: „The Nation and its Queers“
52. Innsbrucker Gender Lecture The Nation and its Queers Rahul Rao, Senior Lecturer in Politics at SOAS University of London. Comment: Nikita Dhawan, Institute of Political Science, Directress of the Research Platform Gender Studies Moderation: Caroline Voithofer, Institute of Civil Law In April 2014, the Supreme Court of India ruled in National Legal Services Authority (NALSA) v. Union of India that trans persons would have the right to self-identity as male, female or ‘third gendered’ with no prior requirements of medical or surgical intervention. The Court further mandated that the state regard trans persons as a category of ‘socially and educationally backward citizens’ to whom constitutional guarantees of affirmative action in public employment and education ought to be extended. In this lecture, I want to think about the category of ‚backwardness‘. In international politics and law, ‚backwardness‘ is a standard trope of orientalist discourse. But in Indian constitutional law and politics, ‚backwardness‘ has a rich and diverse set of connotations having become the hegemonic basis on which different kinds of marginal groups claim reservations (affirmative action) in different arenas. ‚Backwardness‘ has a peculiar temporality, being envisaged as a temporary condition that carries within itself the promise of its extinction. I will explore what this temporality has meant in respect of anti-caste radicalism before speculating on what it could mean for struggles around gender identity. In conclusion, I will reflect on the relationship between gender and ‚backwardness‘ in a so-called Rising India. Rahul Rao is a Senior Lecturer in Politics at SOAS University of London. He is the author of Third World Protest: Between Home and the World and of numerous articles in the fields of international relations theory, postcolonialism and queer politics. He is a member of the Radical Philosophy collective and blogs at The Disorder of Things. He is currently working on a book on queer postcolonial temporality.
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Ayça Çubukçu: „Thinking against Humanity“
In this lecture, Ayça Çubukçu will reflect on the modern concept of humanity. Engaging with Hannah Arendt, Malcolm X, and Frantz Fanon in particular, she will explore humanity’s capacity to designate a collective subject to be defended and redeemed through various ethico-political projects on the one hand, and an apparently self-evident, all-embracing species on the other. Ayça Çubukçu is Assistant Professor in Human Rights at the London School of Economics and Political Science, where she leads a research group on Internationalism, Cosmopolitanism and the Politics of Solidarity. She holds a PhD from the Department of Anthropology at Columbia University and a BA in Government from Cornell University. Comment: Adham Hamed, University of Innsbruck Moderation: Andrea Urthaler, University of Innsbruck
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Iris van der Tuin: „Feminist Engagement with/in New Materialism“
In this talk Iris van der Tuin looks back on, and pushes forward, a review essay on the new materialisms that she published in 2011. The essay discusses four contributions on this topic and sets out to synopsize what feminist new materialisms want to provoke in different (inter)disciplines, and how these feminist-materialist debates are ‘new.’ According to Iris van der Tuin it should neither be seen as a paradigm shift in feminist theory, nor can it be seen as Lyotardians notion of ‘rewriting’, as both are grounded in an epistemology of recognition that the new materialisms want to move away from. This talk revisits the essay in order to discuss where we are at with/in feminist new materialisms. Questions posed are a selection of the following: How have the new materialisms been critiqued, and how are feminist new materialisms anti-racist, post-, and decolonial scholarly practices? How do the new materialisms contribute productively to academic and activist understandings of, and engagements with, the ecological, economical, and postsecular crises of our interregnum? (Bauman 2012) Iris van der Tuin is associate professor, and program director, of Liberal Arts and Sciences at Utrecht University (The Netherlands). She is chair of the COST Action New Materialism: Networking European Scholarship on ‘How Matter Comes to Matter’ (2014-18). Trained as a feminist epistemologist, she is specialized in gender studies and new materialisms. Iris van der Tuin wrote Generational Feminism: New Materialist Introduction to a Generative Approach (Lexington Books, 2015). She co-authored New Materialism: Interviews & Cartographies (Open Humanities Press, 2012) with Rick Dolphijn and edited ‘Feminist Matters: The Politics of New Materialism’ (Women: A Cultural Review, 2014) with Peta Hinton. 47. Innsbrucker Gender Lecture Kommentar: Sandra Altenberger, Masterstudium Gender, Kultur und Sozialer Wandel, Universität Innsrbuck Moderation: Andrea Umhauer, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Innsbruck
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Manuela L. Picq: „Amazon Gay Prides: Sexual modernity in wilderness?“
Amazon Gay Prides: Sexual modernity in wilderness? Gay prides and same-sex marriage tend to be perceived as symbols of modernity. The non-modern is in Amazonia, where Indigenous peoples live in a wild Eden untouched by global forces. Yet there are gay prides and same-sex marriages in Amazonia too. There are drag queen contests in old rubber towns. Tikuna women defend homoaffective relationships as part of ancestral rules of the clan. If Amazonia is in fact modern, then what is modernity about and where is it located? Sexuality approaches both debunk the collective imaginary of Amazonia as detached from world politics and disrupts associations of sexual liberation with western modernity. This talk looks at Amazon sexualities to challenge conventional narratives of global modernity. Manuela L. Picq, Professor of International Relations, Universidad San Francisco de Quito, Ecuador Comment: Maria Theresa Herrera Vivar, University of Innsbruck Moderation: Lisa Pfahl, University of Innsbruck
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Andrea Maihofer: „Wandel oder Stillstand? Geschlechterverhältnisse in der Arbeitswelt“
Zweifellos verändern sich die Geschlechterverhältnisse in der Arbeitswelt. Das zeigt sich unter anderem an der steigenden Erwerbstätigkeit von Frauen und ihrer wachsenden Präsenz in höheren Funktionen. Zugleich reproduziert sich die geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes mit ihren vielfältigen Formen von Geschlechterungleichheiten und Ausschlüssen. Welche individuellen und strukturellen Mechanismen führen dazu? Die Entwicklungen der Geschlechterverhältnisse in der Arbeitswelt hängen ganz zentral von den Veränderungen und Persistenzen in den Lebensentwürfen ab und vice versa. Es macht wenig Sinn, allein die Arbeitswelt zu betrachten, um die dortigen Entwicklungen zu verstehen. Im Gegenteil, es braucht einen Blick auf die (geplanten) Lebensarrangements. Diese selbst wiederum sind nicht nur als individuelle, sondern auch als strukturelle Aspekte zu verstehen. Je individueller die Entscheidungen werden, umso abhängiger werden sie von der Existenz gesellschaftlicher Institutionen und Strukturen. Zugleich verunmöglichen die neoliberale Anforderung der Eigenverantwortung und das damit verbundene Verständnis freier Entscheidung zunehmend, die wachsende Abhängigkeit von der Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen als Bedingung der Verwirklichung der eigenen Lebensentscheidungen als gesellschaftliche Verantwortung einzufordern. Anders ausgedrückt: Im Kontext neoliberaler Transformationsprozesse haben ‚wir‘ es vermehrt mit einem rein formalen Verständnis von Gleichheit und Freiheit zu tun.
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Katrin Meyer: „Sicherheit, Politik und Geschlecht: eine intersektionale Analyse“
42. Innsbrucker Gender Lecture Katrin Meyer, Zentrum Gender Studies, Universität Basel Sicherheit, Politik und Geschlecht: eine intersektionale Analyse Dienstag, 16. Juni 2015 19:00 Uhr, SOWI, Universitätsstr. 15, Fakultätssitzungsaal, 3. Stock Abstract Geschlechterpolitik erfolgt nicht nur in Form von öffentlichen Debatten und staatlicher Gesetzgebung, sondern auch durch die Nicht-Thematisierung von geschlechtsspezifischen Erfahrungen, die als natürlich, privat und unpolitisch gelten und aus dem Bereich der demokratischen Meinungs- und Willensbildung ausgeklammert bleiben. Der Vortrag untersucht diese Wirkungsweisen der Geschlechterpolitik am Beispiel aktueller Diskurse über „Sicherheit“. Im Zentrum steht die Frage, wie im Rückgriff auf den Grundwert der Sicherheit in westlichen Gesellschaften Geschlechterpolitik betrieben wird. Welche ungleichen Machtpositionen am Schnittpunkt von Geschlecht, Klasse, Nationalität, Sexualität und Religion werden durch Sicherheitsdiskurse organisiert und legitimiert? Und ist es möglich, in feministischer Perspektive Sicherheit zu thematisieren, ohne intersektionale Machtungleichheiten in der Gesellschaft zu vertiefen? Katrin Meyer Dr. phil. habil., Privatdozentin für Philosophie an der Universität Basel und Koordinatorin des Netzwerks Gender Studies Schweiz. Katrin Meyer ist Lehrbeauftragte für Philosophie und Gender Studies an verschiedenen Schweizer Universitäten. Forschungs- und Interessensschwerpunkte: Feministische Kritik der Sicherheit, Theorien der (Post-)Demokratie, Intersektionalität, Machttheorien des 19. und 20. Jh. Veröffentlichungen u.a.: Schützen, Ermächtigen, Bedrohen. Intersektionale Perspektiven auf politische Theorien und Praktiken der Sicherheit, in: Braunschweig, Sabine (Hg.): ‚Als habe es die Frauen nicht gegeben’. Beiträge zur Frauen- und Geschlechtergeschichte, Chronos: Zürich 2014, S. 207-217; Die Macht der Kategorien. Kritische Überlegungen zur Intersektionalität, in: Feministische Studien 2010/1, S. 130-142 (mit Patricia Purtschert); Gouvernementalität und Sicherheit. Zeitdiagnostische Beiträge im Anschluss an Foucault, hrsg. von Patricia Purtschert, Katrin Meyer und Yves Winter, Bielefeld: Transcript 2008. Kommentar: Sabine Gatt, Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck Moderation: Nikita Dhawan, Institut für Politikwissenschaft und Leiterin der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung, Universität Innsbruck
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Kate Nash: „Women’s rights, distant suffering and neo-imperialism“
44. Innsbrucker Gender Lecture Kate Nash, Department of Sociology, Goldsmiths University of London Women’s rights, distant suffering and neo-imperialism Dienstag, 1. Dezember 2015 19:00 Uhr, SOWI, Universitätsstr. 15, Hörsaal 2 Earlier this year the film ‘India’s Daughter’ was banned in India: it is illegal to show it there. It is widely agreed that at least part of the Indian government’s reasoning was that it is a form of imperialism. In responding to the ban, the Israeli born, UK-based director of the film, Leslee Udwin, claimed that, as a global citizen, she had the right to make it, and to criticise Indian society. Justifying imperialism using the rhetoric of human rights has a long and continuing history. At the same time, however, the question of how we should respond to representations of people suffering in other countries cannot be avoided. If neo-imperialism is the state of mind that ‘They need us to achieve rights; while we didn’t need them’, what can we learn from the film and its reception about women’s rights, distant suffering, and neo-imperialism? Kate Nash is Professor of Sociology and Co-Director of the Centre for the Study of Global Media and Democracy at Goldsmiths, University of London, and Faculty Fellow at the Center for Cultural Sociology, Yale University. In 2010 she was Visiting Professor at the New School for Social Research, New York and Vincent Wright Professor at Sciences Po, Paris. She has written and published widely, including Contemporary Political Sociology and The Cultural Politics of Human Rights: Comparing the US and UK. The Political Sociology of Human Rights is published in 2015. Moderation: Silvia Rief, Institut für Soziologie, Universität Innsbruck Kommentar: Nikita Dhawan, Institut für Politikwissenschaft und Leiterin der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung, Universität Innsbruck
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Ursual Apitzsch: „Die ‚Ent-Sorgung‘ (Outsourcing) von Care entlang von Geschlechter- und Armutsgrenzen“
43. Innsbrucker Gender Lecture Ursula Apitzsch, Institut für Soziologie, Goethe Universität Frankfurt am Main Die „Ent-Sorgung“ (Outsourcing) von Care entlang von Geschlechter- und Armutsgrenzen Dienstag, 13. Oktober 2015 19:00 Uhr, SOWI, Universitätsstr. 15, Fakultätssitzungsaal, 3. Stock Kommentar: Erna Appelt, Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck Moderation: Maria A. Wolf, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Innsbruck Abstract Weltweit hat als Folge der unfertigen, passiven Revolution der Frauenerwerbstätigkeit der Vorrang der Arbeit und die Entwertung von Care dramatisch zugenommen. Konsequenzen sind die „Ent-Sorgung“ von Care in Biographie und Alltag sowie dessen „Outsourcing“ entlang von Gender und Armutsgrenzen. Dabei wird im Extremfall nicht nur die Arbeitskraft von Frauen der armen Länder bei Care-Arbeit für die reiche Welt als Ware exportiert, sondern es wird der Körper der Frauen –im Fall der Leihmutterschaft- zum „Carrier“, zur „Verpackung“ der eigentlich gewünschten Ware, nämlich des eigenen, aber nicht mehr selbst produzierten Kindes reicher Männer und Frauen der westlichen Welt (aktuell wurde es deutlich beim Erdbeben in Nepal). All dies geschieht im Rahmen des liberalen Paradigmas von „Freiwilligkeit“ und angeblichen „Win-Win“ – Situationen. Karl Polanyi hat in seinem berühmten Buch „The Great Transformation“ die Hypothese aufgestellt, dass die Kommodifizierung der menschlichen Arbeitskraft grundsätzlich nicht möglich ist, sondern sogenannte „fiktive Waren“ erzeugt, die letztlich zur kulturellen Ent-bettung und Zerstörung der menschlichen Kultur führen. Die extreme Kommodifizierung des weiblichen Körpers in der Leihmutterschaft hat sich Polanyi 1944 noch nicht vorstellen können, aber seine These scheint sich heute zu bestätigen. Die Problematik, die unter anderem beleuchtet werden soll, ist Nancy Frasers Kritik an Polanyi, in der sie dem Gegensatz von „Embeddedness“ und „De-embedding“ die quer dazu liegende Kategorie der „Emanzipation“ entgegenstellt. Am Beispiel von „Care“ und „Surrogacy“ möchte ich u.a. diskutieren, ob Frasers Nachbesserung des liberalen Paradigmas die Kritik an der Kommodifizierung weiblichen Arbeitsvermögens tatsächlich befriedigend beantwortet. Ursula Apitzsch, Emeritierte Professorin für Politik und Soziologie im Schwerpunkt „Kultur und Entwicklung“ der Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Direktorin des Cornelia Goethe Centrums (CGC) für Frauen- und Geschlechterforschung. Forschungsschwerpunkte: Politische Ideengeschichte, Biographieforschung, Migration, Geschlechterverhältnisse. Bücher u.a.: Gesellschaftstheorie von Georg Lukacs (1976); Migration und Biographie (1990); Migration und Traditionsbildung (1999); Migration, Biographie und Geschlechterverhältnisse (co-ed., 2003); Biographical analysis and professional practice (co-ed., 2004); Self Employment Activities of Women and Minorities. Their Success or Failure in Relation to Social Citizenship Policies (co-ed., 2008); Care und Migration. Die Ent-Sorgung menschlicher Reproduktionsarbeit entlang von Geschlechter- und Armutsgrenzen (2010) (co-ed. mit Marianne Schmidbaur).
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Nikita Dhawan: „Migration und Gender: Geschlechtergewalt, Verletzlichkeit und Handlungsmacht“
39. Innsbrucker Gender Lecture Nikita Dhawan Migration und Gender: Geschlechtergewalt, Verletzlichkeit und Handlungsmacht Donnerstag, 11. Dezember 2014 Hörsaal 1, Erdgeschoß, SoWi, Universitätsstraße 15, 6020 Innsbruck Eröffnungsvortrag der Tagung: „Geschlechterverhältnisse der Migrationsgesellschaften: Repräsentationen – Kritik – Differenz.“ Moderation: Sabine Gatt, Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck Kommentar: Kerstin Hazibar, Institut für Erziehungswissenschaften, Universität Innsbruck Es ist kaum zufällig, dass innerhalb westlicher Debatten um Migration die sozialen Positionierungen migrantischer Frauen im Mittelpunkt stehen, gelten die Geschlechterbeziehungen der Anderen dem Westen doch bereits seit der Kolonialzeit als das Symbol für die Rückständigkeit und den Barbarismus der Kolonisierten. Die Viktimisierung der anderen Frau hat im Westen eine lange Tradition und ist durchaus funktional. So dient sie als Folie gegen die sich die europäisch-christliche Frau und Gesellschaft als ausnehmend emanzipiert abheben kann. Eine selektive, sehr spezifische Konsumtionspolitik bezüglich der Themen Migration und Geschlechterverhältnisse scheint die Regel. Im Vortrag wird das Dilemma transparent gemacht, das sich einstellt, wenn über Geschlechtergerechtigkeit, Kolonialismus, Rassismus und Migration debattiert wird: Kann Geschlechtergewalt innerhalb migrantischer Gemeinschaften thematisiert werden, ohne dass dieses Sprechen vereinnahmt oder die Gewalt negiert wird? Nikita, DHAWAN, Dr.phil., Universitätsprofessorin für Politikwissenschaft an der Leopold-Franzen-Universität Innsbruck. Visiting fellowships: Universidad de Costa Rica (2013); Institute for International Law and the Humanities, The University of Melbourne, Australia (2013); Program of Critical Theory, University of California, Berkeley, USA (2012); University of La Laguna, Tenerife, Spain (2012); Pusan National University, South Korea (2011); University of Witwatersrand, Johannesburg, South Africa (2010); Columbia University, New York, USA (2008). Forschungs- und Interessenschwerpunkte: Transnationale Gerechtigkeit, Menschenrechte, Demokratie und Dekolonisierung. Veröffentlichungen u.a.: Impossible Speech: On the Politics of Silence and Violence (2007); Decolonizing Enlightenment: Transnational Justice, Human Rights and Democracy in a Postcolonial World (ed., 2014); Postkoloniale Theorie: Eine kritischeEinführung (2014; with Maria do Mar Castro Varela).
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Cornelia Klinger: „Lebenssorge im Spannungsfeld von Ethik, Politik und Ökonomie“
Lebenssorge im Spannungsfeld von Ethik, Politik und Ökonomie In den 1980er Jahren hat sich im Kontext der neuen feministischen Theoriebildung international eine Debatte um eine alternative Auffassung von Ethik entwickelt, die von den traditionellen Lebensweisen und Tätigkeitsfeldern von Frauen ausging. Bald wurde Care zum zentralen Begriff in diesen Diskussionen, die um Fragen nach der Verantwortung und Sorge für andere Menschen und darüber hinaus für das Leben im Allgemeinen kreisen und also auch die Natur umfassen. Während die Erörterung der im engeren Sinn ethischen und moralphilosophischen Themen auf einen kleineren Kreis beschränkt blieb, haben die Probleme der Lebenssorge durch tiefgreifende gesellschaftliche, politische und technologische Veränderungen in den letzten beiden Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewonnen. Innovationen in den Bereichen der Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der Reproduktionstechnologien und in der Medizin eröffnen Optionen, in deren Folge sich Fragen nach dem Leben neu und anders stellen als je zuvor. Neben den vielen politischen, sozialen und ökonomischen Problemen, die mit diesen Entwicklungen verbunden sind, stellen sich philosophische Fragen, die über die anfangs individualethische Orientierung des Konzepts Lebenssorge weit hinausgehen und das ganze Spektrum philosophischer Fragen nach Mensch und Welt, nach dem guten Leben der Gesellschaft und last but not least nach sozialer Ungleichheit betreffen. Cornelia Klinger, Philosophisches Seminar der Universität Tübingen Kommentar: Max Preglau, Institut für Soziologie, Universität Innsbruck Moderation: Erna Appelt, Institut für Politikwissenschaft, Universität Innsbruck
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Silvia Ulrich: „Der Einfluss der Istanbul-Konvention auf die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Österreich.“
41. Innsbrucker Gender Lecture Silvia Ulrich (Institut für Legal Gender Studies, Universität Linz): „Der Einfluss der Istanbul-Konvention auf die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen in Österreich.“ Kommentar: Caroline Voithofer, Institut für Zivilrecht, Universität Innsbruck Moderation: Gabi Plattner, Geschäftsführerin Tiroler Frauenhaus Österreich hat das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt (Istanbul-Konvention) als einer der ersten Mitgliedstaaten des Europarates ratifiziert. Bisher fehlte es an einem umfassenden völkerrechtlichen Schutzkonzept zur Bekämpfung von Gewalt an Frauen, vor allem in Bezug auf häusliche Gewalt. Die Konvention schließt eine große Lücke, denn sie normiert konkrete staatliche Schutzpflichten in allen Gefährdungsbereichen. Insofern ist das Vertragswerk ein Meilenstein in der menschenrechtlichen Gewaltbekämpfung. Im Vortrag werden die wichtigsten Regelungsinhalte der Konvention und ihr Einfluss auf die Fortentwicklung des österreichischen Gewaltschutzes ausgelotet. Silvia ULRICH Dr.in iur., Universitätsprofessorin für Legal Gender Studies, Diversity und Antidiskriminierungsrecht an der Johannes Kepler Universität Linz und Vorständin des Instituts für Legal Gender Studies. Rechtsexpertin im National Focal Point für die EU-Grundrechteagentur im Rahmen von FRANET (Multidisziplinäres Forschungsnetzwerk der Europäischen Grundrechteagentur). Forschungsschwerpunkte: Genderdimensionen der Grundrechte und Geschlechterdifferenz im Recht; Diskriminierungsschutz und positive Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene. Mitherausgeberin der „Linzer Schriften zu Gender und Recht“. Jüngste Publikation zum Vortragsthema: Ulrich/Schwarz-Schlöglmann (Hrsg), Aktuelle Entwicklungen im Gewaltschutz, Linzer Schriften zu Gender und Recht, Band 55(2014). Die Veranstaltung fand am 12. Mai 2015 an der Universität Innsbruck statt. Veranstaltet von der Interfakultären Forschungsplattform Geschlechterforschung: Identitäten – Diskurse – Transformationen in Kooperation mit Radio Freirad.
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Uta Schirmer: „Trans*-queere Geschlechterpraxen im Kontext aktueller Regulierungsweisen von Zweigeschlechtlichkeit“
36. Innsbrucker Gender Lecture Trans*-queere Geschlechterpraxen im Kontext aktueller Regulierungsweisen von Zweigeschlechtlichkeit Die Wirklichkeit strikter, naturalisierter Zweigeschlechtlichkeit wird zunehmend als eine umkämpfte sichtbar. Auch institutionalisierte Regulierungen, wie etwa rechtliche und medizinische Regelungen und Verfahrensweisen zur Transsexualität, lassen in jüngster Zeit gewisse Flexibilisierungen erkennen. Zugleich bleiben diese Entwicklungen bislang weit hinter trans*aktivistischen Forderungen und hinter den in trans*-queeren subkulturellen Kontexten entwickelten und gelebten geschlechtlichen Existenzweisen zurück. Ausgehend von derartigen alternativen geschlechtlichen Existenzweisen, die am Beispiel subkultureller Praxen im Kontext der Drag King-Szene in Deutschland beleuchtet werden, lotet der Vortrag das Terrain gegenwärtiger Kämpfe um geschlechtliche Subjektivierungsweisen aus und fragt nach den Transformations-, aber auch Beharrungs- und Renaturalisierungstendenzen bezüglich zweigeschlechtlicher Strukturierungen. Uta Schirmer arbeitet seit 2011 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Geschlechterforschung an der Georg-August-Universität Göttingen. Sie forscht und lehrt in den Bereichen Soziologie der Geschlechterverhältnisse, Queer und Transgender Studies. Moderation: Michaela Ralser, Universität Innsbruck
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Teresa Forcades i Vila: „Gertrude von Helfta und Teresa von Ávila: Körper und Subjektivität in der mystischen Erfahrung“
35. Innsbrucker Gender Lecture Sommersemester 2014 Der Vortrag von Teresa Forcades i Vila wird auf Spanisch von Damaris Suarez Corales gesprochen, danach folgt der Kommentar von Veronika Burz-Tropper vom Institut für Bibelwissenschaften & Historische Theologie der Universität Innsbruck. In ihrem Vortrag vergleicht Teresa Forcades i Vila Teresa von Ávilas Werk „Weg der Vollkommenheit“ mit dem zweiten Buch Gertruds von Helfta „Gesandter der Göttlichen Liebe“. Bei beiden Autorinnen analysiert sie deren tiefe Erfahrung der kreatürlichen Abhängigkeit von Gott. Teresa Forcades i Vila wendet sich dann einigen weniger konventionellen Aspekten derer Theologie zu, wie ihrer überraschenden Entdeckung des Begehrens und der Empfänglichkeit Gotte in Bezug auf sie selbst, sowie deren Zeugnis von der Gegenseitigkeit, die Gott durch sie zu verwirklichen sucht. Teresa Forcades i Vila interpretiert deren Erfahrungen im Kontext des Begriffs der Person in der Trinitätstheologie, in dem sie das Verständnis Lacans vom Subjekt als Niederschlag und als Spaltung heranzieht. Teresa von Ávila lebte von 1515-1582. Sie wirkte in einem Kloster in Ávila. 300 Jahre früher lebte Gertrude von Helfta (geb. 1256-ca.1302). Sie wirkte im Kloster von Helfta, dies liegt in der Nähe des Geburtsortes von Martin Luther. Mit ihr wirkten von dort Gertrud von Hackeborn (als Äbtissin), ihre Schwester Mechtild von Hackeborn und Mechtild von Magdeburg. Sie verstanden ihr Wirken und ihre theologischen Schriften als direkten göttlichen Auftrag, entstanden aus einer direkten Gottesbeziehung ohne kirchlichen Sanktus bzw. Zensur. Diese Frauen waren große Mystikerinnen, die ohne Bezug zu einem Priester/Beichtvater arbeiteten. Dies war und ist bekannt und bis jetzt einzigartig in der katholischen Theologie. Gertrude von Helfta nahm sowohl den Ordensfrauen wie auch anderen Gläubigen offiziell die Beichte ab. Obwohl ihre Zeit nach den Lateranischen Konzilen fällt, in denen das Gebot verabschiedet wurde, dass nur Priester/Beichtväter die Beichte abnehmen dürfen. Gertrude von Helfta ist eine anerkannte Heilige. Teresa Forcades i Vila ist Fachärztin für Innere Medizin (State University of New York 1995) und Theologin (Harvard 1997); sie hat eine Doktorat in Public Health (Universität von Barcelona 2004) und ein Doktorat in Fundamentaltheologie (FTC Barcelona 2008). Seit 1997 gehört sie dem Orden der Benediktinerinnen im Bergkloster von Sant Benet de Montserrat (Spanien, in der Nähe von Barcelona) an. Ihre aktuellen Forschungsthemen sind: die Medikalisierung der Gesellschaft, theologische Anthropologie (mit dem Schwerpunkt Trinität, Begriff der Person, Unverzichtbarkeit von Freiheit und Liebe), der Lacan´sche Begriff von Person und Queer-Theologie, Feministische Theologie (in Bezug auf die Trinität, Männlichkeit und Weiblichkeit als Wissenskategorien, zu einer Kritik des Kapitalismus).
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Dennis Scheller-Boltz: „Gesellschaft – Sprache – Identität; Einblicke in die sprachliche Identitätsbildung im heutigen Russischen und Polnischen“
Dennis Scheller-Boltz, Institut für Slawistik, Universität Innsbruck Gesellschaft – Sprache – Identität Einblicke in die sprachliche Identitätsbildung im heutigen Russischen und Polnischen Der Vortrag verfolgt das Ziel, vor dem Hintergrund gegenwärtigen sozialpolitischen Lebens in Russland und Polen den Stand der russistischen und polonistischen Genderlinguistik darzulegen und Möglichkeiten der Umsetzung genderlinguistischer Forderungen zu präsentieren. Politische Maßnahmen haben großen Einfluss auf Gesellschaft und gesellschaftliche Denkstrukturen, die wiederum maßgeblich Sprache beeinflussen. Anhand von ausgewähltem Beispielmaterial wird illustriert, wie geschlechtersensibel das Russische und Polnische heute sind. Dabei wird aufgezeigt, welche Möglichkeiten der Herstellung von Geschlechtsidentität im Sprachsystem verankert sind und inwieweit diese Möglichkeiten im Sprachgebrauch genutzt werden. Dennis Scheller-Boltz arbeitet seit 2012 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Slawistik der Universität Innsbruck. Er studierte Russisch und Polnisch im Bereich Übersetzungswissenschaft am Fachbereich für Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft der Universität Mainz, promovierte 2009 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz im Bereich Slavistik/Polnisch. 2008-2012 – DAAD-Lektor am Institut für Germanistik der Universität Opole. Er verfasst derzeit seine Habilitation zum Thema Genderlinguistik im Russischen und Polnischen und begründete mit C. Posch die Forschungsgruppe Gender- und Queer-Linguistik der Forschungsplattform Geschlechterforschung. Kommentar: Claudia Posch, Institut für Sprachen und Literaturen, Universität Innsbruck Moderation: Maria Heidegger, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Universität Innsbruck Eine Veranstaltung der FP Geschlechterforschung (www.uibk.ac.at/geschlechterforschung) in Kooperation mit Radio Freirad
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ABOUT THIS SHOW
Einblicke in die Welt der Geschlechterforschung!Die Innsbrucker Gender Lectures nehmen brisante und hochaktuelle Themen der Gender Studies in den Blick – und sind offen für alle, die sich für gesellschaftliche Fragen und geschlechterkritische Perspektiven interessieren. Diese Veranstaltungsreihe an der Universität Innsbruck bringt Expert*innen aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen, um gemeinsam nachzudenken und zu diskutieren.Die Innsbrucker Gender Lectures sind mehr als nur eine Vortragsreihe – sie sind ein Forum für Dialog und Inspiration. Sei dabei und lass dich von neuen Perspektiven begeistern!Organisiert und veranstaltet vom Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck der Universität Innsbruck.
HOSTED BY
Julia Tschuggnall
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