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Konzerteinführung digital

Sich auf die Werke des anstehenden Programms, ihre kompositorischen Eigenheiten, ihre Einordnung in die Musikgeschichte und das Schaffen der Komponisten vorzubereiten, vertieft das musikalische Erlebnis und bringt Erkenntnisgewinn. Um noch mehr Publikum zu erreichen und auch um die Beschäftigung mit einem Werk weiter zu intensivieren, stellen wir Ihnen unsere Einführungen mit der Reihe "Konzerteinführung digital" nun auch als Podcast zur Verfügung.

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  1. 117

    Digitale Konzerteinführung | Mendelssohn Italienische

    Giya Kancheli ist in Westeuropa weniger bekannt als Arvo Pärt, dabei sind sie sich musikalisch durchaus ähnlich! Die Stille ihrer Musik, ihr oft meditativer Charakter, die langsamen Melodien und die dunkle Intensität der musikalischen Stimmungen entfalten eine vergleichbare Klangwelt. In den Norden entführt die Geigerin Lisa Batiashvili ihr Publikum mit dem Violinkonzert des Finnen Jean Sibelius. Eine „Landschaft aus Eis und Feuer“ wurde es oft genannt, und tatsächlich scheint es die Weite, Kälte und Einsamkeit skandinavischer Landschaften mit Energie und Kraft zu verbinden. Mendelssohns „Italienische“ dagegen sprüht nur so vor Elan und Lebensfreude. Dabei war der Komponist gar kein so großer Italien-Fan, Italien „macht mich müde“, bekannte er einmal. Aber inspiriert haben ihn italienische Tänze, südliches Temperament und für das Scherzo sogar der Gesang vorbeiziehender Nonnen allemal. Schon bei ihrer Uraufführung 1833 war das Londoner Publikum so begeistert, dass ihr Erfolg 184 Jahre vor Tiktok „viral“ ging und bis heute nicht nachgelassen hat.

  2. 116

    Digitale Konzerteinführung | Carmina Burana

    Klänge, die sofort fesseln und unter die Haut gehen. Carl Orffs „Carmina Burana“ ist eines jener seltenen Werke, die auch Menschen begeistern, die sonst mit Klassik gar nichts „am Hut haben“. Seit seiner Uraufführung 1937 ist es das am häufigsten aufgeführte Chorwerk mit Orchester weltweit. Dabei sind die Zutaten eher massenuntauglich: mittelhochdeutsche und lateinische Texte aus dem 11. Jahrhundert, vertont oder komponiert mit Stilelementen des Mittelalters. Aber Orff wusste, wie man es macht: Riesenchor, massives Orchester, ein Schlagwerk wie Donner – schon der Eingangschor wirkt wie ein Naturereignis… Unser Chefdirigent Sir Donald Runnicles hat es mit „Pini di Roma“ von Ottorino Respighi kombiniert, das mit einer ebenso unmittelbar wirkenden, farbenreichen Klangsprache frappiert, die auf starke Effekte, klare Tonalität und emotionale Direktheit setzt. Beide Werke entstanden in Zeiten faschistischer Regimes und wurden wegen ihrer monumentalen, leicht vereinnahmbaren Ästhetik propagandistisch genutzt – bei Respighi durch das Bild römischer Legionen, bei Orff durch archaische Chormassen. Problematisch ist jedoch weniger die Musik selbst als ihre historische Nähe zu totalitärer Symbolik.

  3. 115

    Digitale Konzerteinführung | Kreuzchor und Philharmonie

    Berühmter als Beethovens Neunte? Ja, im 19. Jahrhundert war der Chor-Einsatz in Mendelssohns „Lobgesang“ beliebter als die „Ode an die Freude“ aus Beethovens letzter Sinfonie. Bis heute gilt „Die Nacht ist vergangen, der Tag aber nahe herbeigekommen“ als einer der schönsten romantischen Chorsätze überhaupt. Aber Vergleiche hinken ja meist, und Felix Mendelssohn Bartholdy hatte es gar nicht nötig, Beethoven zu übertrumpfen. Sein Werk, das er 1840 zum Jubiläum „400 Jahre Erfindung des Buchdrucks“ für die Buch-Stadt Leipzig schuf, hat ganz eigene musikalische Qualitäten und verbindet Tradition und Innovation auf besondere Weise. Auch die beiden anderen Werke, die Dresdner Kreuzchor und Dresdner Philharmonie an diesem Abend gemeinsam aufführen, geben Chor, Solisten und Orchester je ganz eigene Aufgaben. Gelegenheit für beide, ihre besonderen Qualitäten zur Geltung zu bringen.

  4. 114

    digitale Konzerteinführung | Sir Donald mit Mahler

    Als Beethoven 1809 sein Fünftes und letztes Klavierkonzert schrieb, war Wien von den Truppen Napoleons belagert. Der Kriegslärm und die wirtschaftliche Unsicherheit – sein Mäzen Erzherzog Rudolf hatte die Stadt verlassen – beeinflussten die Entstehung des Werks. Beethoven schuf ein Klavierkonzert mit einer für die Zeit außergewöhnlich neuen Form, in der der Solist zwischen heroischen und friedlichen Momenten wechselt. Trotz der schwierigen Umstände spiegelt das Werk keinen Fatalismus wider, sondern einen feierlichen Kampf für Freiheit und gegen Unterdrückung. Auch Gustav Mahlers Erste Sinfonie zeugt von intensiven persönlichen Erfahrungen. Die unglückliche Liebe zur Sängerin Johanna Richter inspirierte ihn zu den „Liedern eines fahrenden Gesellen“, aus denen er Motive in den ersten und dritten Satz der Sinfonie übernahm. In einem emotionalen Ausnahmezustand vollendete Mahler die Sinfonie in nur sechs Wochen. Die Uraufführung 1889 in Budapest stieß auf Unverständnis, woraufhin Mahler das Werk mehrfach überarbeitete. Heute gehört sie in die Reihe seiner meistgespielten Sinfonien.

  5. 113

    digitale Konzerteinführung | Beethoven 5

    Zeitgenössische Komponisten haben es oft schwer, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu werden. Bei Jörg Widmann ist das anders. Er ist nicht nur ein gefeierter Klarinettist, sondern auch der vielleicht meistgespielte lebende deutsche Komponist. Sein „Con brio“ ist eine mitreißende Konzertouvertüre, die von der ersten Sekunde an in den Bann zieht. Mit unglaublicher Dynamik und präzisem Rhythmus entfesselt Widmann ein musikalisches Feuerwerk. Dabei wird auch die Virtuosität des Orchesters auf die Probe gestellt. Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert Nr. 1 in f-Moll hingegen ist ein Glanzstück der Romantik. Der Solist wird hier zum Geschichtenerzähler: Vor allem das lyrisch-schöne Adagio berührt die Seele... Webers Musik zeigt eindrucksvoll, warum die Klarinette zu den expressivsten Instrumenten überhaupt zählt. Ludwig van Beethovens Fünfte Sinfonie mit ihrem „Schicksalsmotiv“ – dieses eindringliche ta-ta-ta-taaa – kennt jeder, und doch beeindruckt sie immer wieder aufs Neue. Von den düsteren Anfängen bis zum triumphalen Finale erzählt Beethoven von Kampf, Hoffnung und Sieg. Diese Sinfonie ist ein Meilenstein der Musikgeschichte und ein überwältigender Schlussakkord für diesen besonderen Konzertabend.

  6. 112

    digitale Konzerteinführung | Pietschmann - Dresdner Philharmonie - Manze

    Zweihundert Jahre lag Haydns D-Dur-Cellokonzert in der Prager Nationalbibliothek, und keiner kannte es. Oder besser: alle dachten, es habe ein anderer komponiert. Erst 1951 wurde die Originalhandschrift gefunden, und heute ist das virtuose und gleichzeitig kantable Werk aus den Konzertsälen der Welt nicht mehr wegzudenken. Elgars Streicherserenade, die das Konzert eröffnet, war der erste „Hit“ des Komponisten. Gleich zu Beginn entsteht durch ein rätselhaftes Pizzicato eine besondere Atmosphäre, und den langsamen mittleren Satz lieben die Engländer so sehr, dass er bis heute oft bei Gedenkfeiern und auf Hochzeiten gespielt wird. William Lawes war einer der prägnantesten und eigensinnigsten Komponisten des elisabethanischen Zeitalters, seine wunderschöne Fantasie g-Moll war ursprünglich ein Werk für Gambenconsort. Arthur Bliss’ "A Colour Symphony" schließlich ist inspiriert von den symbolischen Bedeutungen verschiedener Farben. Hier verschmelzen musikalische und visuelle Ebenen zu einer vielschichtigen Interpretation von Farbe und Klang

  7. 111

    Digitale Konzerteinführung | Schubert - Vogler - Dresdner Philharmonie - Berglund

    Warum nicht mal mit Heiterkeit? Zum ersten Mal in ihrer 49-jährigen Geschichte werden die Dresdner Musikfestspiele von der Dresdner Philharmonie eröffnet, und zum ersten Mal ist auch der bekannte Dresdner Comedian Olaf Schubert dabei und wird sicher einige humoristische Schlaglichter auf den Konzertbetrieb werfen. Die Musik selbst ist aber gar kein Witz, sondern schillert im Cellokonzert von Henri Dutilleux in den verschiedensten Klangfarben. Gespielt wird es von Jan Vogler, der als Intendant der Musikfestspiele damit ein Ausrufezeichen zum Festivalbeginn setzt. Farbenreich geht es auch in den „Bildern einer Ausstellung“ zu, diesem berühmten Werk des Russen Modest Mussorgski, in dem er mit dem Klangpinsel Gemälde nachzeichnet. Ein Ohrenschmaus, den unsere erste Gastdirigentin Tabita Berglund vom Pult aus leitet.

  8. 110

    Digitale Konzerteinführung | MacMillan und Chor

    Bach – Britten - Pärt – MacMillan: zum „Tag der Befreiung“ am 8. Mai schlagen wir mit unseren Philharmonischen Chören musikalisch eine Brücke nach Großbritannien und präsentieren ein Programm, das unterschiedliche musikalische Zugänge zu Themen wie Frieden, Gedenken und Spiritualität beleuchtet. In seiner „Sinfonia da Requiem“ verbindet Benjamin Britten liturgische Elemente mit seiner persönlichen Tonsprache. Entstanden vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, steht die Komposition als Mahnmal und Plädoyer für Frieden und Menschlichkeit. Arvo Pärts „Da pacem Domine“ verbindet meditative Ruhe und eine klare, schlichte Ästhetik. Pärts minimalistische Klangsprache erhebt die lateinische Bitte um Frieden in eine zeitlose, universelle Dimension. Musikalischer Kern des Konzerts sind jedoch zwei Werke unseres Composers in Residence, der auch selbst am Pult steht. Besonders eindringlich sind seine „Cantos Sagrados“. „Beim Schreiben dieses Werks wollte ich etwas komponieren, das sowohl zeitlos als auch zeitgenössisch, sowohl heilig als auch weltlich ist“, meint er selbst. Entstanden ist ein berührendes Werk für Chor und Orchester, das unter seiner Leitung besonders ergreifend wirkt. Die Konzertdauer beträgt insgesamt etwa zwei Stunden und umfasst eine Pause von rund 25 Minuten.

  9. 109

    Digitale Konzerteinführung | Mozart und Glasunow

    Mieczysław Weinbergs Sinfonietta Nr. 1 ist ein Werk voller Leichtigkeit und Zugänglichkeit. Doch hinter dem optimistischen Klang steckt eine beklemmende Geschichte. 1948 komponiert, entstand das Stück inmitten von Stalins antisemitischer Kampagne. Offiziell als „hell und optimistisch“ gefeiert, diente es den politischen Erwartungen, ohne Weinbergs fortschrittliche Kompositionsweise zu verraten. Mit Anklängen jüdischer Volksmusik, cleveren Variationen und einem Hauch von Schostakowitsch bleibt es ein faszinierender Spagat zwischen Konformität und künstlerischer Freiheit. Mozarts Klavierkonzert KV 466 erscheint dazu wie ein Kontrast, in seiner Tonart d-Moll ist es jedoch ebenfalls ein Werk voller dramatischer Tiefe. Mozart schrieb es in einer Zeit persönlicher Umbrüche und Leiden. Quasi versöhnlich schließt das Konzert: Glasunows „Die Jahreszeiten“ lässt die Natur in schillernden Orchesterfarben lebendig werden.

  10. 108

    Digitale Konzerteinführung | Bruckner 2

    Bruckners Zweite Sinfonie wird oft als „Sinfonie der Pausen“ bezeichnet. Aber keine Sorge: Diese Pausen sind nicht still, sondern voller Spannung und geben der Musik Raum zum Atmen. Einer Musik, die für die Zeitgenossen zunächst als unspielbar galt. Die Wiener Philharmoniker lehnten das Werk erst einmal ab, es sei auch viel zu lang. Bruckner kürzte, mietete auf eigene Kosten den großen Saal im Musikverein, probte gründlich mit dem Orchester – und hatte Erfolg. Und was für einen, der Beifall des Publikums der Uraufführung am 26. Oktober 1873 wollte nicht enden. Bruckner selbst sprach später vom „denkwürdigsten Tag meines Lebens“. Heute steht die Sinfonie etwas im Schatten ihrer Nachfolgerinnen, aber zu unrecht. Alles, was Bruckner-Liebhaber schätzen: die großen Spannungsbögen, die zarten wie die gewaltigen Momente, die abrupten Pausen und Neuanfänge – sie sind hier alle schon da. Robert Treviño liebt Bruckner und hat seine Werke vielfach dirigiert. Leider musste Christoph Eschenbach die Leitung der beiden Konzerte am 25. und 26. April 2026 aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wir freuen uns, dass Robert Treviño, der bereits mehrfach bei der Dresdner Philharmonie gastiert hat, das Dirigat übernehmen wird. Das Programm bleibt unverändert.

  11. 107

    Digitale Konzerteinführung | Dvořák 7

    Im Zentrum des Konzertabends steht die brillante Jess Gillam, eine der aufregendsten Musikerinnen unserer Zeit. Mit ihrem Sopran-Saxophon verbindet sie technische Virtuosität und charismatische Bühnenpräsenz, wie man sie selten erlebt. Zwei Werke stellen das Saxophon ins Rampenlicht: Dave Heaths „The Celtic“ und James MacMillans Konzert für Sopran-Saxophon und Streichorchester. Beide Werke sind für Jess Gillam wie gemacht. Heaths „The Celtic“ verbindet keltische Melancholie mit rhythmischer Energie, während MacMillans Werk die Grenzen der Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments auslotet. Seine bekannteste ist sicher die Neunte, aber für viele die beste Sinfonie von Antonín Dvořák ist seine Siebte. Herb und melancholisch wirkt diese Musik, dabei kompakt und streng. Keine überflüssige Note gibt es hier, jedes Motiv wird durchgearbeitet, jede Nebenstimme hat etwas zu sagen. Keine Frage: Das ist keine gemütliche Schrammelmusik aus der böhmischen Dorfschänke, sondern hochkonzentrierte Sinfonik aus dem Geist von Beethoven und Brahms.

  12. 106

    Digitale Konzerteinführung | Giltburg mit Gershwin

    George Gershwin schrieb sein Concerto in F 1925 inmitten des pulsierenden New York. Das Werk vereint die Eleganz klassischer Formen mit der überschäumenden Energie des Jazz – eine Musik wie die Stadt selbst: laut, lebendig, voller Überraschungen. Vom ersten Trommelschlag bis zur letzten Kadenz sprüht das Konzert vor Lebensfreude. Gershwin wusste, wie man Geschichten erzählt – und Boris Giltburg, Artist in Residence, bringt sie zum Sprechen. Mit seiner feinen Balance aus Virtuosität und Gespür für die Zwischentöne entfaltet er das gesamte Farbspektrum dieses außergewöhnlichen Werks. Mit seiner 1935 entstandenen Ersten Sinfonie hält William Walton ihrer Entstehungszeit den Spiegel vor: Zwischen drängenden Rhythmen und klanglichen Abgründen spürt man die Unruhe der 1930er-Jahre – intensiv, düster, aber auch von überwältigender Schönheit. In den ersten drei Sätzen entfaltet sich eine packende Mischung aus Energie, Drama und Melancholie – von düsterer Intensität bis hin zu zarten, lyrischen Momenten. Der letzte Satz, der erst später fertiggestellt wurde, bringt schließlich die triumphierende Auflösung. Die Sinfonie gilt als eines der bedeutendsten Werke der britischen Musik und beeindruckt durch ihre emotionale Tiefe und orchestrale Wucht.

  13. 105

    Digitale Konzerteinführung | Sir Donald mit Debussy

    Claude Debussys „Prélude à l'après-midi d'un faune“ ist ein Meisterwerk des Impressionismus. Inspiriert von einem Gedicht des Symbolisten Stéphane Mallarmé, malt die Musik das Bild eines träumenden Fauns an einem warmen Nachmittag. Mit schwebenden Flötenklängen und sanften Harmonien entführt Debussy in eine Welt zwischen Traum und Realität – ein Sinnesrausch in Klang. Nicht viele Werke des 20. Jahrhunderts stehen heute so selbstverständlich auf den Konzertprogrammen wie die Musik des 1986 gestorbenen Maurice Duruflé. Besonders seine geistliche Vokalmusik erfreut sich anhaltender Beliebtheit, sicherlich auch wegen ihrer eingängigen Klangsprache. Duruflé hatte wenig Interesse daran, mit der Tradition zu brechen, in seinem Requiem von 1947 setzte er sich mit der Vorlage des zwei Generationen älteren Gabriel Fauré auseinander und ließ seiner Begeisterung für den Gregorianischen Choral freien Lauf. Rückwärtsgewandt ist das Werk dennoch nicht: Im Gegensatz zu den opernhaften Vertonungen der Totenmesse im 19. Jahrhundert rückte Duruflé weniger die Qualen des Jüngsten Gerichts als die jenseitige Erlösung in den Mittelpunkt. Chefdirigent Sir Donald Runnicles und der MDR-Rundfunkchor verleihen diesem Werk mit ihrer Sensibilität und Klangschönheit eine besondere Intensität.

  14. 104

    Digitale Konzereinführung | Symphonie fantastique

    Camille Saint-Saëns' Zweites Klavierkonzert gehört zu den vielseitigsten Werken der romantischen Klavierliteratur. Mit seinem ungewöhnlichen Aufbau beginnt es wie eine improvisierte Fantasie, bevor es sich zu einem virtuosen und rhythmisch markanten Finale steigert. Behzod Abduraimov, einer der führenden Pianisten seiner Generation, interpretiert das Werk mit technischer Brillanz und musikalischer Tiefe und bringt die kontrastreichen Stimmungen dieses Konzerts eindrucksvoll zur Geltung. Hector Berlioz' „Symphonie fantastique“ ist ein Meilenstein der Programmmusik und erzählt in fünf Sätzen die leidenschaftliche und zunehmend alptraumhafte Vision eines jungen Künstlers. Die vielschichtige Instrumentation, von lyrischen Melodien bis hin zu düsteren Klängen des „Hexensabbats“, macht das Werk zu einem eindrucksvollen Beispiel romantischer Klangkunst.

  15. 103

    Digitale Konzerteinführung | Elektra

    Mit „Elektra“ schuf Richard Strauss eines der packendsten und emotional intensivsten Werke der Opernliteratur. Die Geschichte, basierend auf der antiken Tragödie, handelt von Elektras unbändigem Verlangen nach Rache für den Mord an ihrem Vater. Das Drama entfaltet sich in einer einzigen, fieberhaft spannungsgeladenen Szene – ein Meilenstein in der Musikgeschichte. Strauss’ Partitur ist ein Klanggewitter, das mit gewaltigen Orchestermassen und feinster emotionaler Nuancierung die inneren Abgründe der Figuren hörbar macht. Er verbindet schroffe Dissonanzen mit Momente von schmerzhafter Schönheit und entführt die Zuhörer in eine packende psychologische Studie. Unter der Leitung von Sir Donald Runnicles, der weltweit für seine Strauss-Interpretationen gefeiert wird, entfaltet „Elektra“ konzertant ihre ganze Wucht. Ohne Bühnenbild, aber mit einem voll besetzten Orchester und einer hochkarätigen Solistenriege, stehen die Musik und das Drama im Mittelpunkt.

  16. 102

    Digitale Konzerteinführung | Aus der neuen Welt

    Alma Mahlers Sieben Lieder führen unmittelbar in die Welt der Jahrhundertwende: Emotionen zwischen Melancholie und Hoffnung, vertont mit einer tiefen, fast intimen Ausdruckskraft. In der Bearbeitung für mittlere Stimme und Orchester entfalten sie eine klangliche Dimension, die zugleich berührt und inspiriert. Ganz anders Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9, bekannt als „Aus der Neuen Welt“. Sie schlägt die Brücke zwischen zwei Kontinenten und gießt die Eindrücke eines Lebens im fremden Amerika in große sinfonische Bögen. Sehnsucht klingt hier wie eine ferne Erinnerung, pulsierend und doch voller Weite. Dvořáks berühmtes Englischhorn-Thema, oft als „Lied des einsamen Wanderers“ bezeichnet, fesselt ebenso wie die dynamischen Kontraste zwischen Dramatik und zarter Lyrik. Ein Abend, der ganz unterschiedlichen Klangwelten nachspürt – und zeigt, wie unterschiedlich musikalische Sehnsucht klingen kann.

  17. 101

    "Oh to Believe in Another World 14.02"

    Es ist schon etwas Besonderes, einen Film zu einer Sinfonie zu schaffen, schließlich ist klassische Musik etwas Abstraktes und lässt viel Raum für Assoziationen. Aber vielleicht ist gerade das der Schlüssel. William Kentridge jedenfalls, dem die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2025 einen Schwerpunkt gewidmet haben, hat zu Schostakowitschs Zehnter Sinfonie jede Menge Assoziationen gehabt und sie in einem eindrücklichen Film zum visuell-akustischen Erlebnis gestaltet. Michael Sanderling, der einen exzellenten Ruf als Schostakowitsch-Spezialist genießt, dirigiert diese Sinfonie, während gleichzeitig auf der großen Leinwand Kentridges Film läuft. Knapp zwanzig Jahre war Mozart, als er sein Violinkonzert A-Dur KV 219 vollendete und damit eine Reihe von insgesamt fünf Solokonzerten für Geige abschloss. A-Dur steht bei Mozart stets für eine Fülle von Schönheit. Doch Mozart wäre nicht Mozart, würden sich nicht gelegentlich auch sinistre, ja dämonische Untertöne finden.

  18. 100

    "Oh to Believe in Another World"

    Unter der Leitung von Michael Sanderling erklingt zum Dresdner Gedenktag mit Dmitri Schostakowitschs Zehnter Sinfonie ein Werk, das tief von den Erfahrungen und Traumata der Stalin-Ära geprägt ist. Schostakowitsch verarbeitete in ihr Dunkelheit, Schmerz und Hoffnung, die auf ganz eigene Weise miteinander ringen. Zu diesem Werk hat der südafrikanische Künstler William Kentridge mit „Oh, To Believe in Another World“ einen Film geschaffen, der Schostakowitschs Sinfonie auf faszinierende Weise interpretiert. Mit seinen charakteristischen Collagen, Animationen und Zeichnungen wirft Kentridge einen poetischen Blick auf die Themen von Verlust und Sehnsucht, die in der Musik anklingen. Musik und Film verschmelzen zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das Gedenken und Kunst miteinander verbindet und gleichzeitig einen finalen Akzent des Kentridge-Schwerpunkts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2025 bildet (mit Ausstellungen im Albertinum, Kupferstich-Kabinett und in der Puppentheatersammlung).

  19. 99

    Lapwood mit Poulenc

    Unsere Konzertsaalorgel, das „Orchester in einem Instrument“, steht im Zentrum von Francis Poulencs Orgelkonzert – einem Werk voller Gegensätze. Mal tief ernst, fast sakral, dann überraschend verspielt, verbindet Poulenc Tradition und Moderne auf faszinierende Weise. Die Solistin des Abends, Anna Lapwood, eine der aufregendsten Organistinnen ihrer Generation, begeistert mit ihrer Virtuosität und ihrer Fähigkeit, Menschen für klassische Musik zu gewinnen. Die Fünfte Sinfonie des großen Dänen Carl Nielsen gilt als Juwel der Sinfonieliteratur. 1922 uraufgeführt, ist sie die wohl kühnste Schöpfung des ohnehin stets originellen Komponisten. Besonders eindrucksvoll ist die „Schlacht“ zwischen Orchester und einer rebellischen kleinen Trommel, die mitreißende Spannung erzeugt. Im Verlauf der Sinfonie ertönen immer wieder schöne, beruhigende Passagen, in die unvermittelt von aufrüttelnd „bösen“ Steigerungen abgelöst werden – eine aufregende Achterbahnfahrt der Gefühle!

  20. 98

    Digitale Konzerteinführung | Mozart und Korngold

    Ravels Klavierkonzert in G-Dur ist das wohl am aufregendsten instrumentierte Konzert für ein Soloinstrument mit Orchester. Heiter und brillant zugleich, ist es seit seiner Uraufführung 1932 ein Lieblingswerk des Konzertpublikums. Es beginnt furios mit einem Peitschenknall, erzeugt durch zwei Hölzer, die mit einem Scharnier verbunden sind und aneinandergeschlagen werden. Der zweite, langsame Satz wird oft als eines der schönsten 'Lieder ohne Worte' der Musikgeschichte bezeichnet. Er ist eingebettet in das surreale Zirkusambiente des ersten Satzes mit Anklängen an die baskische Heimat Ravels, Blues- und Jazz-Souvenirs von seinen Amerika-Reisen und das rasante Finale in der Art eines perpetuum mobile. „La valse“ von Ravel muss man wohl kaum beschreiben – der sinfonische Walzer gehört zu den populärsten Werken des 20. Jahrhunderts und versetzt das Publikum regelmäßig in Begeisterung. Begeisterung kann auch das Konzert für Orchester des Polen Witold Lutoslawsi wecken. 1954 wurde es mit großem Erfolg in Warschau uraufgeführt und ist das letzte Werk, in dem sich Lutosławski folkloristischer Elemente bedient. Mit ihm hat der Komponist alles gesagt, was er in dieser Musiksprache zu sagen hatte…

  21. 97

    Digitale Konzerteinführung | Ravel "La Valse"

    Ravels Klavierkonzert in G-Dur ist das wohl am aufregendsten instrumentierte Konzert für ein Soloinstrument mit Orchester. Heiter und brillant zugleich, ist es seit seiner Uraufführung 1932 ein Lieblingswerk des Konzertpublikums. Es beginnt furios mit einem Peitschenknall, erzeugt durch zwei Hölzer, die mit einem Scharnier verbunden sind und aneinandergeschlagen werden. Der zweite, langsame Satz wird oft als eines der schönsten 'Lieder ohne Worte' der Musikgeschichte bezeichnet. Er ist eingebettet in das surreale Zirkusambiente des ersten Satzes mit Anklängen an die baskische Heimat Ravels, Blues- und Jazz-Souvenirs von seinen Amerika-Reisen und das rasante Finale in der Art eines perpetuum mobile. „La valse“ von Ravel muss man wohl kaum beschreiben – der sinfonische Walzer gehört zu den populärsten Werken des 20. Jahrhunderts und versetzt das Publikum regelmäßig in Begeisterung. Begeisterung kann auch das Konzert für Orchester des Polen Witold Lutoslawsi wecken. 1954 wurde es mit großem Erfolg in Warschau uraufgeführt und ist das letzte Werk, in dem sich Lutosławski folkloristischer Elemente bedient. Mit ihm hat der Komponist alles gesagt, was er in dieser Musiksprache zu sagen hatte…

  22. 96

    Digitale Konzerteinführung | Ravel Tschaikowski

    Schnee glitzert in der fahlen Wintersonne, ein Pferdeschlitten gleitet durch ein lichtes Birkenwäldchen. Eisblumen wachsen an der Fensterscheibe, in der Stube brodelt der Samowar. Tschaikowski macht mit seiner Ersten Sinfonie dem berühmt-berüchtigten russischen Winter mit all seinen Erscheinungen eine stimmungsvolle Liebeserklärung. Dazu erklingen zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen faszinierende Klavierkonzerte: Prokofjews Erstes Klavierkonzert sprüht vor Energie und Raffinesse. Es ist ein jugendliches Werk voller Esprit und zeigt Prokofjew als wahren Virtuosen des Klaviers. Ravels Klavierkonzert „für die linke Hand“ hingegen ist von dunkleren Tönen geprägt und wurde für den Pianisten Paul Wittgenstein geschrieben, der im Ersten Weltkrieg seine rechte Hand verloren hatte. Es ist so raffiniert komponiert, dass man als Zuhörer überhaupt nicht merkt, dass in diesem fast 20-minütigen Konzert Klavier und Orchester nur sechs Minuten zusammenspielen. Eine Herausforderung für unseren Artist in Residence, der einmal mehr die ganze Bandbreite seiner Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.

  23. 95

    Digitale Konzerteinführung | Schumann und Chopin

    In diesem Konzert erwartet Sie Romantik pur! Robert Schumanns Zweite Sinfonie glüht geradezu vor Energie, Gefühl und Lebenskraft. Geschrieben in einer Zeit persönlicher Krisen, erzählt die Musik von innerem Kampf, aber auch von Triumph und Hoffnung. Besonders das Finale ist ein wahres Feuerwerk, das Schumanns Genie und seinen unerschütterlichen Lebenswillen eindrucksvoll spürbar macht. Das Erste Klavierkonzert von Frédéric Chopin dagegen entführt seine Hörer in eine Welt voller Eleganz und Leidenschaft. Mit virtuosen Läufen und bezaubernden Melodien zeigt Chopin, warum er als einer der größten Pianisten und Komponisten seiner Zeit gefeiert wurde. Sozusagen als i-Tüpfelchen erklingt eine Ouvertüre von Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, die ihrem genialen Bruder um nichts nachstand.

  24. 94

    digitale Konzerteinführung / Sir Donald mit Holst

    James MacMillan ist Schotte, wie unser Chefdirigent Sir Donald Runnicles auch. Beide kennen und schätzen sich seit vielen Jahren, und so ist es kein Wunder, dass MacMillan eine seiner Sinfonien seinem Freund widmete. Diese Sinfonie, es ist die vierte unseres Composers in Residence, enthält alles, was sein Komponieren ausmacht: Opulente Melodien stehen neben Klangteppichen, straffe Märsche neben Tonfügungen, die an Bach erinnern. Die Hörer:innen sind vor scheinbaren Zufällen nicht sicher – vielleicht kein Wunder, wenn man weiß, dass MacMillan großer Fußballfan ist und die Unwägbarkeiten dieses Spiels liebt. Dazu erklingt mit den „Planeten“ von Holst eins der populärsten sinfonischen Werke der englischen Musik – mit diesem Konzert setzen wir unser British Festival fort…

  25. 93

    Konzerteinführung digital / Sir Donald mit Brahms

    Mit diesem Konzert tritt Sir Donald Runnicles sein Amt als Chefdirigent der Dresdner Philharmonie an und eröffnet gleichzeitig unser British Festival. Der Abend voller europäischer und britischer Musikgeschichte beginnt mit Ralph Vaughan Williams' „Fantasia on a Theme by Thomas Tallis“, einem tief emotionalen und majestätischen Stück, das die Schönheit der englischen Musiktradition in den Mittelpunkt stellt. William Waltons Konzert für Viola und Orchester stellt die größere Schwester der Violine in den Mittelpunkt. Mit virtuosen Solopassagen und einer dynamischen Orchesterbegleitung sorgt dieses Stück für Gänsehautmomente und zeigt die Viola in all ihrer Vielseitigkeit und Ausdruckskraft. Den krönenden Abschluss bildet Johannes Brahms' Vierte Sinfonie, ein Meisterwerk, das es zu Beginn nicht leicht hatte. Ihr Beginn erschien den Zeitgenossen allzu abstrakt. Heute, 140 Jahre nach dem Entstehen, macht die Poesie gerade dieses Beginns, der Freudentaumel des dritten Satzes und die Feierlichkeit des Finales Brahms’ Vierte zu einer der beliebtesten Sinfonien überhaupt.

  26. 92

    Konzerteinführung digital / Der Reisende

    Im November 1938 stehen Elfriede und Otto Silbermann am Rande ihrer Welt. Fassungslosigkeit und stille Vereinbarungen begleiten ihre letzten gemeinsamen Stunden im Heimatland. Elfriede kämpft verzweifelt, um zu retten, was noch zu retten ist, während ihr jüdischer Ehemann Otto auf der Flucht von Bahnhof zu Bahnhof eilt. Ihr Sohn jedoch träumt noch von einem besseren Leben in Paris. Ein Schwager, der sich nach dem Wind dreht, und die harte Realität von Verfolgung und Verrat bestimmen ihre Tage. In einer Welt, in der Antisemitismus und die Bedrohung demokratischer Werte wieder zunehmend zu einem Thema werden, erzählt „Der Reisende“ eine ergreifende Geschichte von Flucht und Vertreibung, von verlorenen Grundrechten und der Ohnmacht der Liebe. Dieses kraftvolle Melodram für Sprecher, Solisten, Chor, Orchester und Zuspielungen beleuchtet nicht nur die dunklen Seiten von Gewalt und Ungerechtigkeit, sondern auch die Hoffnung, die Sehnsucht und die Menschlichkeit, die selbst in der größten Verzweiflung ihren Platz finden. Im Rahmen des Gedenkjahres "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg".

  27. 91

    Konzerteinführung digital / Beethoven Klavierkonzert

    Die Uraufführung seines Dritten Klavierkonzerts spielte Beethoven selbst. Für ihn gar kein Problem, wusste er doch, was er hören wollte. Ganz anders Dirigent und Musiker! Er hatte die Noten für das Orchester nämlich noch gar nicht ganz zu Ende geschrieben, und so war die Begleitung ein echtes Abenteuer. Aber bereits diese Aufführung war ein voller Erfolg und heute zählt das Konzert zu den schönsten Konzerten für das Klavier überhaupt. Auch die „Reformations-Sinfonie“ ist ein musikalisches Denkmal voller Strahlkraft und Tiefe. Majestätische Klänge treffen auf festliche Hymnen, während die berühmte Melodie "Ein feste Burg ist unser Gott" die Sinfonie zum Höhepunkt führt. Dieses Werk ist ein leidenschaftlicher Ausdruck von Glaube und Hoffnung, das sowohl Herz als auch Geist berührt.

  28. 90

    Konzerteinführung digital / Schosta­kowitsch 5

    Die Fünfte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch entstand 1937 in einer Zeit großer persönlicher und politischer Spannung. Nach Kritik an seiner Musik durch die sowjetische Regierung musste er sich neu beweisen – und schuf ein Werk, das sowohl das Regime beeindruckte als auch sein Publikum tief bewegte. Voller Tragik, Hoffnung und feiner Ironie spiegelt die Sinfonie Schostakowitschs Mut und Genialität wider. Heute hört man in diesem packenden Meisterwerk die Kraft eines Komponisten, der Musik als Sprache der Seele nutzte. Ähnlich packend ist das Violinkonzert des Finnen Jean Sibelius. Nordische Weite, leidenschaftliche Melodien und virtuose Soli verschmelzen zu einem unvergleichlichen Klangerlebnis. Die Geige erzählt von Sehnsucht und Abenteuer, von stillen Momenten und kraftvollen Ausbrüchen. Dieses Konzert ist ein Fest für die Sinne – fesselnd, berührend und unvergesslich.

  29. 89

    Sir Donald Runnicles mit Mahler und Haydn | Konzerteinführung Digital

    "Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie", schrieb Gustav Mahler in sein Tagebuch. Heute gehört sie zu seinen beliebtesten und bekanntesten Sinfonien. Das liegt sicher auch daran, dass Visconti ihren langsamen Satz in seinem Film "Tod in Venedig" verwendete. Und spätestens, seitdem die Dresdner Philharmonie mit Cate Blanchett diese Musik für den Film TÁR eingespielt hat, gehört sie für viele zu den Klassikern der spätromantischen Sinfonik. Dazu hat Chefdirigent Sir Donald Runnicles die "Uhren-Sinfonie" von Haydn ausgewählt. Ein witziges Stück Musik, in dem tatsächlich das Ticktack einer Uhr zu hören ist. Unsere Saisoneröffnung.

  30. 88

    Beethoven Tripelkonzert | Konzerteinführung Digital

    Der aus Belgien stammende César Franck ist bei uns nicht sehr bekannt, gilt aber in seiner Wahlheimat als einer der ganz Großen des 19. Jahrhunderts. Seine Sinfonie d-Moll gilt bis jetzt als eine der bedeutendsten Sinfonien der französischen Musik. Bei der ersten Aufführung seines Tripelkonzerts saß Ludwig van Beethoven selbst am Klavier. Es sei, sagte man, "ein ganz neues Concertino von Beethoven für Pianoforte, Violine und Violoncello mit Begleitung des Orchesters". Ganz neu war tatsächlich vieles, unter anderem die technischen Schwierigkeiten für das Cello, die noch lange nach seinem Tod von den wenigsten Cellisten unfallfrei und klangschön zu realisieren waren. Der große russische Cellist Mstislaw Rostropowitsch hat das Tripelkonzert einmal als das schwierigste Stück der gesamten Celloliteratur bezeichnet.

  31. 87

    Dresdner Kreuzchor im Kulturpalast / Konzerteinführung Digital

    Vieles ist ungewöhnlich an Schuberts As-Dur-Messe. Ganze drei Jahre arbeitete er an ihr, das ist ungewöhnlich lange für Schubert. Es gab auch keinen Auftraggeber, wir das sonst in der Zeit üblich war. Und schließlich ist die Tonart erstaunlich: As-Dur schwebt zwischen Tragik und Schwermut auf der einen und strahlender Festlichkeit auf der anderen Seite. Von all dem hat die Musik etwas, und vielleicht ist das auch der Grund, warum diese Messe so beliebt ist. Der Dresdner Kreuzchor kehrt damit in den Dresdner Kulturpalast zurück und setzt die große Tradition gemeinsamer Konzerte mit der Dresdner Philharmonie fort.

  32. 86

    Die Stimme der Liebe | Konzerteinführung Digital

    Der Lette Pēteris Vasks gehört zu den meistaufgeführten Komponisten der Gegenwart. Von Beginn an hat er Musik als soziale Aufgabe verstanden. Er wollte und will den Menschen Halt geben und Hoffnung vermitteln. "Liebe ist, war und wird so lange sein, wie wir leben werden. Ich glaube, dass Solovioline und Streichorchester die beste Kombination für eine Liebesgeschichte sind." Unser Konzertmeister Wolfgang Hentrich wiederum liebt dieses Konzert und ist genau der Richtige, um das Anliegen von Vasks in die Herzen des Publikums zu tragen. Franz Schubert liebte Mozart. Besonders hört man das in seiner Fünften Sinfonie, die er mit nur 19 Jahren schrieb und die im besten Sinne leicht, heiter und dabei geradezu klassich vollkommen ist. Ideal also, um diesen Konzertabend rund um die Liebe zu vollenden.

  33. 85

    Bartók Konzert Für Orchester | Konzerteinführung Digital

    Steil bergauf und ebenso steil wieder bergab: Béla Bartóks Karriere hatte als gefeiertes Wunderkind begonnen, als er jedoch nach Amerika gehen musste, war sie fast schlagartig zu Ende. Er lag 1943 schwerkrank in New ork im Krankenhaus, als er den Auftrag bekam, ein großes Werk für die Bostoner Smphoniker zu komponieren. Vielleicht ahnte er, dass es sein letztes Werk werden würde. Jedenfalls hat er darauf all seine verbliebene Energie verwendet und ein so anspruchsvolles wie überwältigendes Konzert für Orchester geschaffen. Eigentlich eine Sinfonie in fündf Sätzen, vereint sie alles, wofür man Bartók so liebt: Rhythmus, Drive, schönste Klangfarben und viele musikalische Einfälle. Auch unser Artist in Residence liebt Originelles und Neuartiges. Für dieses Konzert hat Gautier Capuçon das Zweite Cellokonzert von Lera Auerbach ausgewählt. Mit dem Titel "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" bezieht sich Auerbach auf eine Erzählung des Russen Nikolai Gogol - wie so oft bei ihr eine Einladung an das Publikum, sich inspirieren zu lassen...

  34. 84

    Verdi Requiem | Konzerteinführung Digital

    Verdis "Messa da Requiem" ist so beliebt wie kaum eine andere Totenmesse. Vielleicht ist der Grund genau der, dass es eben kein typisches Requiem ist, sondern auch nach Oper klingt. Kein Wunder, war Verdi doch ganz überwiegend Spezialist für Opernhaftes und hatte nie daran gedacht, etwas für den liturgischen Gebrauch zu schreiben. Es war der Tod des von ihm verehrten italisenischen Nationalschriftstellers Manzoni, der ihn dazu brachte, ein Requiem zu schreiben. Gelungen ist ihm tief ergreifende Musik, die seit ihrer Uraufführung 1874 einen festen Platz in den Konzertsälen hat.

  35. 83

    Tschaikowskis Pathétique | Konzerteinführung Digital

    Es ist gar nicht so selten, dass Komponisten ein Werk schreiben, von dem sie ahnen, dass es ihr letztes ist. Aber selten hört man Todesahnung und Abschiedsschmerz so deutlich wie in Tschaikowskis Sechster Sinfonie. Den Beinamen "Pathétique" gab er ihr allerdings nicht selbst, sondern sein Bruder Modest. Pathetisch ist sie tatsächlich. Mehr noch: Die Sechste ist tragisch, dramatisch, packend, unheilvoll. Und sie ist Tschaikowskis Schwanengesang: Neun Tage nach der Uraufführung starb er an der Cholera unter bis heute ungeklärten Umständen. Eine Art Sinfonie ist auch Schostakowitschs Erstes Violinkonzert. Oder besser: eine Sinfonie mit obligater erster Geige. Die Geige hat keine Pause, unentwegt ist sie im Einsatz, spricht mit einzelnen Instrumenten, mit dem gesamten Orchester und natürlich mit den Hörenden. Der große Geiger David Oistrach, für den Schostakowitsch das Konzert schuf, bat ihn, doch wenigstens nachdem großen Solo im vierten Satz kurz Atem holen zu können. Den Wunsch erfüllte Schostakowitsch ihm. Dennoch ist es ein enorm anspruchsvolles Werk - gerade das Richtige für Maria Ioudenitch, die Herausforderungen für ihr Instrument liebt und - wie sie beweisen wird - auch souverän meistert.

  36. 82

    Kent Nagano | Konzerteinführung Digital

    María Dueñas war gerade 13, als unser Konzertmeister Wolfgang Hentrich sie als Solistin zum Philharmonischen Kammerorchester Dresden einlud. Das war ihr Karrierestart - kurz darauf wurde die charismatische Spanierin, die ein Jahr zuvor mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen war, von Dirigenten wie Marek Janowski und Paavo Järvi entdeckt und gefördert, gewann einen internationalen Wettbewerb nach dem anderen und kehrt nun mit Bruchs Violinkonzert nach Dresden zurück. Auch Kent Nagano kehrt als Gast wieder - nach seinen umjubelten Konzerten mit Mahler und Bruckner nun mit Schuberts früher Dritter Sinfonie und dem "Bürger als Edelmann" von Richard Strauss. Die Suite zum gleichnamigen Schauspiel ist ein Paradestück für Orchestermusiker:innen, sind doch fast alle Instrumente solistisch besetzt. Und es ist ein Paradestück fürs Publikum, das darin zahlreiche Zitate aus anderen Werken von Strauss finden kann.

  37. 81

    Julia Fischer spielt Elgar

    Man spricht schnell von "Ausnahmekünstlern", wenn man meint, dass jemand sein Instrument außerordentlich gut beherrscht. Bei Julia Fischer ist das keine Worthülse, denn eine Ausnahme ist die Geigerin, die seit über zwanzig Jahren auf allen großen Konzertbühnen der Welt gastiert und übrigens genauso gut Klavier wie Violine spielt, auf jeden Fall. Künstlerisch genau so wie mit ihrem enormen Engagement für die Förderung junger Geiger:innen. Für unser Konzert bringt sie Elgars Meisterwerk mit, das bis heute zu den meist gespielten und beliebtesten Violinkonzerten überhaupt gehört. Ähnliches kann man über Brahms' vierte und letzte Sinfonie sagen, ist sie doch mit ihrem Melodienreichtum ein Höhepunkt unter den Werken der Spätromantik. Besonders ihr Beginn hat sich in die Musikgeschichte eingeschrieben: keine Einleitung, keine musikalische Eröffnung - die Musik legt einfach los, als wäre sie immer schon da. Und schon ist man als Zuhörer in ihrem Bann…

  38. 80

    Sibelius 2 | Konzerteinführung digital

    Die kanadische Geigerin Leila Josefowicz wurde in frühester Jugend auf Promi-Partys und Galas in Hollywood und Beverly Hills als Wunderkind herumgereicht - kurz nach ihrer Geburt waren ihre Eltern nach Los Angeles gezogen. "Ihr wird die Welt zu Füßen liegen", prophezeite der amerikanische Star-Pianist Van Cliburn, als er sie gehört hatte. Und er sollte recht behalten. Mit 17 debütierte Leila Josefowicz in der New Yorker Carnegie Hall und begann eine höchst erfolgreiche Solo-Karriere. Längst hat sich Leila Josefowicz vom glamourösen Leben ihrer Anfangszeit emanzipiert - auch durch den Kontakt zu zeitgenössischen Komponisten. Dass sie deren Klangwelt auf faszinierende Weise in den Konzertsaal übertragen kann, beweist sie bei uns mit Matthias Pintschers Violinkonzert. Dazu erklingt die Zweite Sinfonie des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius. Durch ihre neuartige, individuelle Tonsprache ist sie bis heute außerordentlich populär - nicht zuletzt wegen des überwältigenden letzten Satzes, die der Komponist Mathias Husmann so beschreibt: "Die letzten, hymnisch strahlenden Takte sind kaum auszuhalten. Nach dem Schlussakkord dieser traumartigen Sinfonie des Glücks muss man erst erwachen."

  39. 79

    Haydns Schöpfung | Konzerteinführung Digital

    Wie der Kreuzchor gehört der Thomanerchor Leipzig zu den weltweit renommiertesten Knabenchören. Im neuen Konzertsaal ist er erstmals zu Gast und bringt zusammen mit dem Gewandhausorchester ein Werk mit, das zu den Höhepunkten der Klassik zählt. Schon seine Uraufführung war ein einzigartiger Publikumserfolg. Kein Wunder, wenn man allein an die Schilderung des Chaos zu Beginn denkt, die in der Bibel der Erschaffung des Lichts vorausgeht. Und daran, wie effektvoll es ist, wenn mitten in düsterem, leisen Grollen der Musik zu den Worten "Es werde Licht!" das Orchester urplötzlich in volle Lautstärke und strahlendes C-Dur ausbricht. Manchmal gehen noch heute genau an dieser Stelle die Lichter im Saal an! An Effekten mangelt es dem Werk nicht, aber es beeindruckt vor allem durch seine musikalische Sprache, mit der Haydn Die Entstehung der Welt erzählt. Da wird keine Minute zu lang

  40. 78

    Dvořák 6 | Konzerteinführung

    Manchmal beginnt die Karriere eines Musikers mit einem Film. Bei Colin Pütz war das so, als ihn eine große Öffentlichkeit als den achtjährigen Beethoven im gleichnamigen Film der ARD zum Beethovenjahr 2020 kennen lernte. Heute ist er sechzehn und begeistert das Publikum immer noch mit seiner fast kindhaften Frische und vor allem seiner enormen Musikalität. Mittlerweile hat er zahlreiche Preise gewonnen und Cristian Macelaru hat ihn eingeladen, in unserem Konzert zu spielen - diesmal nicht Beethoven, sondern das wunderbare Klavierkonzert Nr. 24 von Mozart. Dvoráks Sinfonien sind nicht zuletzt wegen ihres typisch böhmischen "Sounds" so beliebt. In seiner Sechsten zieht er in dieser Hinsicht alle Register und bringt den Klang seiner böhmischen Heimat in den Konzertsaal.

  41. 77

    Debussy und Ravel | Konzerteinführung digital

    Da hat die Musikwelt Glück gehabt: Wenn das große musikalische Talent von Claude Debussy nicht rechtzeitig erkannt worden wäre, wäre aus ihm ein Seemann geworden und nicht einer der bedeutendsten französischen Komponisten. Zum Meer ist er dennoch immer wieder zurückgekehrt - am eindrucksvollsten ist seine Liebe zur See in "La Mer" zu hören. Skrjabin war Synästhetiker, das heißt er sah Farben, wenn er Töne hörte. Bei seinem Klavierkonzert "Prometheus" wollte er sogar, dass während des Konzerts Farben auf eine Leinwand projiziert werden. Auch Ravel gilt als Meister der Farben, und zwar der Klangfarben. Seine Suite "Daphnis und Chloé" zaubert besonders Holzbläser:innen ein Leuchten in die Augen, können sie hier doch mit der ganzen Klangpalette ihrer Instrumente brillieren.

  42. 76

    Mahler 1 | Konzerteinführung digital

    In gerade mal sechs Wochen schreibt Mahler 1888 seine erste Symphonie, dabei ist er als Komponist bisher ein unbeschriebenes Blatt. Doch er ist frisch verliebt und komponiert wie im Rausch ein monumentales Werk, das bereits alle seine typischen Stilmerkmale aufweist: die abrupten Stimmungswechsel, die Anspielungen auf andere Komponisten und Stile und den elegischen Grundton. "Tapkaara" bedeutet "im Stehen tanzen" und wird von einer bestimmten Volksgruppe in Japan verwendet, um ein Ritual zu bezeichnen: Wenn es ihnen besonders gut oder schlecht geht, kommen sie zusammen, singen improvisierte Lieder und tanzen dabei. Akira Ifukube hat das oft miterlebt und zum Anlass seiner gleichnamigen Sinfonia werden lassen. Für unseren Focus Artist Kahchun Wong gehört sie zu den bedeutendsten neueren Werken japanischer Komponisten und ist ihm ganz besonders nah.

  43. 75

    Dvorák Stabat Mater | Konzerteinführung digital

    Erst stirbt die neugeborene Tochter, ein Jahr später zwei weitere Kinder - bei der Entstehung seines "Stabat mater" durchlebt Antonín Dvořák Schicksalsschläge, die seine Frau und ihn schwer treffen. Und auch wenn es kein Eins zu Eins in der Musik gibt, glaubt man doch in den eindringlichen Klängen seiner Vertonung des kirchlichen Hymnus auch den Schmerz Dvořák zu hören. Schmerz begleitet auch die Erinnerung an die Zerstörung Dresdens vor 79 Jahren - es ist sinnfällig, dass Marek Janowski zu diesem Anlass genau dieses Werk ausgewählt hat. Dazu hat er sich so namhafte Solist:innen wie Hanna-Elisabeth Müller und Tareq Nazmi eingeladen und auch wieder den exzellenten MDR-Rundfunkchor, mit dem die Dresdner Philharmonie inzwischen eine vieljährige Partnerschaft verbindet.

  44. 74

    Bruckner 1 | Konzerteinführung digital

    Der Atem spielt für Bläser:innen eine ganz zentrale Rolle. Für die Klarinettistin Annelien van Wauwe umso mehr, als sie auch passionierte Yoga- Anhängerin ist. Zu Beginn der Corona-Pandemie kam ihr die Idee, ihre beiden Leidenschaften zu verbinden und eine Komposition für Yoga und Musik zu beauftragen. Herausgekommen sind "Sutren" für Bassettklarinette und Orchester, in denen die für das Yoga typischen Mantras von Orchester und Solistin übernommen werden - eine ungewöhnliche Einladung, sich zu fokussieren und Musik einmal ganz anders wahrzunehmen. Etwas ganz Anderes und Neues war auch Bruckners sinfonischer Erstling. Anders als alles, was er bis dahin für den Kirchengebrauch geschrieben hatte. Und so neu wie die die Akkorde in Richard Wagners "Tristan", der auch in dieser Zeit entstand. Unerhört und ungehört, sozusagen. Jedenfalls ein Meilenstein in der Musikgeschichte und schon ganz im Bruckner-"Sound", den seine Fans so lieben.

  45. 73

    Beethoven und Strauss | Konzerteinführung digital

    "Selbstverherrlichung", "schamlose Egozentrik" - Richard Strauss wurde immer wieder vorgeworfen, er hätte sich im "Heldenleben" selbst ein Denkmal gesetzt. Wir können ihn nicht mehr fragen, aber wahrscheinlich hat er es eher ironisch gemeint. In einem Brief an Romain Rolland schrieb er: "Ich bin kein Held. Mir fehlt die nötige Kraft; ich bin nicht für die Schlacht gemacht; ich ziehe es vor, mich zurückzuziehen, Ruhe und Frieden zu genießen …" Wie auch immer - bis heute gilt die klanggewaltige und selbstbewusste Tondichtung des jungen Komponisten als Meisterwerk und als Herausforderung für die Solo-Violine, die darin enorm schwierige Passagen spielt. Eine Herausforderung, allerdings für Pianisten, ist auch Beethovens Klavierkonzert Nr. 3. Darin zeigt sich zum ersten Mal der ganz selbstständige Beethoven, frei von den Einflüssen Mozarts und dem Übervater Haydn. So lässt er zum Beispiel Pauke und Klavier in Dialog miteinander treten - das fand das Publikum damals sehr keck, und auch heute ist das noch höchst wirkungsvoll!

  46. 72

    Mahler 5 | Konzerteinführung digital

    "Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie", schrieb Gustav Mahler in sein Tagebuch. Heute gehört sie zu seinen beliebtesten und bekanntesten Sinfonien. Das liegt sicher auch daran, dass Visconti ihren langsamen Satz in seinem Film "Tod in Venedig" verwendete. Und spätestens, seitdem die Dresdner Philharmonie mit Cate Blanchett diese Musik für den Film TÁR eingespielt hat, gehört sie für viele zu den Klassikern der spätromantischen Sinfonik. Bei manchen Werken dauert es Jahrzehnte, bis das Publikum sie schätzen und lieben lernt. Bei Mozarts Violinkonzert G-Dur war das anders, da brachen die Hörer schon bei den ersten Aufführungen in wahre Begeisterungsstürme aus. Heute gehört das Werk im besten Sinne zu den "Ohrwürmern" seiner Gattung. Bei uns spielt es Josef Špaček, der für den kurzfristig erkrankten Pekka Kuusisto eingesprungen ist.

  47. 71

    Saxophon! | Konzerteinführung Digital

    Sie spielt Bach und Bowie, Schostakowitsch und Kate Bush und moderiert auf BBC Radio 3 ihre eigene Wochenshow zu klassischer Musik: Jess Gilliam beherrscht das Saxophon nicht nur enorm virtuos, sie ist eine leidenschaftliche Botschafterin ihres Instruments. Das Saxophonkonzert von Barbara Thompson gehört zu ihren Lieblingsstücken, ist es doch stark vom Jazz inspiriert. Thompson komponierte leidenschaftlich für ihr eigenes Instrument, auch sie spielte Saxophon, und arbeitete u. a. eng mit Andrew Lloyd Webber an Musicals wie Cats und Starlight Express zusammen. Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk" hatte es dagegen schwer. Vom Publikum euphorisch gefeiert, wurde das Werk aus fadenscheinigen Gründen bald von Stalin verboten und verschwand für Jahrzehnte in der Schublade. Ein Glück, dass es den Weg zurück in die Musikwelt gefunden hat, denn Witz, Tempo und eine schier unglaubliche Vielfalt musikalischer Mittel machen diese Musik bis heute zu einem Erlebnis.

  48. 70

    Mendelssohns "Schottische" | Konzerteinführung digital

    Sie ist vier, als sie anfängt zu komponieren. Mit zwölf schreibt sie ihre erste Oper. Unsere Gastkomponistin Lera Auerbach begann früh, ihr Leben und ihre Kunst als eins zu begreifen. Dabei war und ist Musik nur ein Teil ihres Schaffens. Bekannt ist sie auch als Lyrikerin, bildende Künstlerin und Performerin. Ihre Sechste Sinfonie zeigt zudem ihr Engagement: Dieses bewegende, groß angelegte symphonische Werk wurde von Chiune Sugihara, dem japanischen Vizekonsul in Litauen, inspiriert, der während des Zweiten Weltkriegs Tausende Jüdinnen und Juden rettete. Das Stück ist ihm und all jenen gewidmet, die während des Holocaust ihr Leben riskierten, um jüdischen Menschen zu helfen. Lera Auerbach wurde von der renommierten japanisch-amerikanisch-israelischen Cellistin Kristina Reiko Cooper gebeten, das Werk zu schreiben. Ihr Schwiegervater, Irving Rosen, war einer der Tausenden jüdischen Flüchtlinge, denen Sugihara mit einem Visum die Ausreise ermöglichte. Im Auftrag von Yad Vashem, der Internationalen Holocaust Gedenkstätte in Jerusalem, und der American Society for Yad Vashem ist so eine ganz eigene Klangwelt entstanden, die den Zuhörer auf vielen Ebenen aufrüttelt und bewegt.

  49. 69

    Dvořák und Schostakowitsch | Konzerteinführung Digital

    Die Augen jedes Oboisten beginnen zu leuchten, wenn man von Martinůs Oboenkonzert spricht. Gehört es doch zu den anspruchsvollsten, aber auch schönsten Solokonzerten für die Königin der Holzblasinstrumente. Unser Solo-Oboist Johannes Pfeiffer wird das sonnig-heitere Werk auf die Bühne im Kulturpalast bringen. Fröhlich sollte auch die 15. Sinfonie von Schostakowitsch werden, jedenfalls war das die Absicht des Komponisten. Sie beginnt auch mit einer Art Scherzo voller humoristischer Anklänge. Aber ab dem zweiten Satz schlägt die Stimmung um: Trauer, Feierlichkeit, Zweifel, Sarkasmus und Todessehnsucht gewinnen die Oberhand. Wahrscheinlich ahnte Schostakowitsch, dass es sein letztes Werk sein würde. Umso ergreifender sind die letzten Töne, die klingen, als hörte ein Herz auf zu schlagen.

  50. 68

    Rachmaninow Strauss | Konzerteinführung Digital

    Der "Teufelsgeiger" Paganini hat mit seinen höchst virtuosen Capricen immer wieder andere Komponisten inspiriert, auch Rachmaninow, der das Thema zum Ausgangspunkt für seine eigenen Variationen machte. Eigentlich gedacht für Klavier und Orchester, spielt sie bei uns Cameron Carpenter auf der Konzertsaalorgel und fügt der Solostimme damit noch etliche musikalische Farben hinzu. Musikalisch farbig geht es auch in Strauss' Tondichtungen zu. Don Juan ist der Inbegriff des Macho: testosterongesteuert, egoistisch und skrupellos und hat Strauss zu einer kraftstrotzenden sinfonischen Dichtung inspiriert. Till Eulenspiegel dagegen zog als weiser Narr durch die Lande und hielt den Herrschenden einen Spiegel vor. Die humorvolle Musik, die Strauss entlang von Tills Eulenspiegeleien komponiert hat, liebt die Musikwelt bis heute. Auch wenn die Geschichte kein Happy End hat.

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Sich auf die Werke des anstehenden Programms, ihre kompositorischen Eigenheiten, ihre Einordnung in die Musikgeschichte und das Schaffen der Komponisten vorzubereiten, vertieft das musikalische Erlebnis und bringt Erkenntnisgewinn. Um noch mehr Publikum zu erreichen und auch um die Beschäftigung mit einem Werk weiter zu intensivieren, stellen wir Ihnen unsere Einführungen mit der Reihe "Konzerteinführung digital" nun auch als Podcast zur Verfügung.

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