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PODCAST · arts

MDR KULTUR trifft: Menschen von hier

Jede Woche stellen wir einen interessanten Menschen vor, der sich dem kulturellen Leben in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Thüringen besonders verpflichtet hat. Unsere Gäste geben Einblicke in ihr privates Leben und stellen ihre Arbeit vor.

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  1. 49

    MDR Kultur trifft Gitte Zschoch

    Doch mit der jüngsten Ankündigung der Schließung der deutschen Goethe-Institute in Rußland endet im 75. Jahr auch eine Ära der deutsch-russischen Kulturbeziehungen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow erklärte am 03.09.2026, mit der Maßnahme reagiere man auf das angekündigte Ende für das „Russische Haus“ in Berlin. Die Bundesregierung hatte am 01.09. Rußland für einen versuchten Anschlag mit einer am Flughafen Leipzig/ Halle gefundenen Drohne verantwortlich gemacht, neue Schutzmaßnahmen gegen mögliche russische Angriffe verkündet und die Schließung vom „Russischen Haus“ in Berlin und des russischen Generalkonsulats in Bonn beschlossen. Das Goethe-Institut betreibt neben seiner Hauptstelle in Moskau weitere Kultureinrichtungen in St. Petersburg und Nowosibirsk. Bereits im Mai 2023 setzte die russische Regierung eine strikte Personalobergrenze für deutsche Auslandsvertretungen und Kulturorganisationen durch. Von den 200 Mitarbeitern in den drei Goethe-Instituten durften nur noch 15 tätig bleiben. Das am 09.08.1951 in München gegründete „Goethe-Institut e.V.“ ist seit den 1960er Jahren die größte und international bekannteste der so genannten Mittlerorganisationen der deutschen auswärtigen Kulturpolitik. Als privater Verein im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes nimmt das Goethe-Institut zusammen mit anderen Einrichtungen wie dem Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst in Bonn die kulturelle Selbstdarstellung Deutschlands im Ausland wahr. Die Zentralverwaltung sitzt in München. Das Goethe-Institut vermittelt in hundert Ländern deutsche Sprache und fördert den Kulturaustausch. In vielen autoritären Regimen werden so auch Schutzräume für einen freien Austausch geschaffen. Aber auch das Goethe-Institut unterliegt seit einigen Jahren einem umfassenden Transformations- und Sparkonzept. So mußten in den vergangenen Jahren mehrere Standorte geschlossen und Stellen abgebaut werden. Dennoch steht demnächst die Eröffnung eines Goethe-Institutes in den USA und in Polen an. Seit 2009 war Gitte Zschoch in verschiedenen Positionen für das Goethe-Institut tätig: In Seoul, Tokio, Johannesburg, zuletzt von 2015 bis 2018 als Gründungsdirektorin des Goethe-Instituts in der Demokratischen Republik Kongo. 1984 in Borna geboren und in Frohburg aufgewachsen, studierte Gitte Zschoch Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Ihr Master-Studium in Moderner Koreanischer Literatur absolvierte sie an der Seoul National University, Südkorea, wo sie auch als Dozentin für Deutsch tätig war. Anschließend arbeitete sie als freie Kulturmanagerin und Autorin. 2021 war sie in der Kategorie „Kulturmanagerin des Jahres“ beim Europäischen Kulturpreis“ nominiert.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  2. 48

    MDR Kultur trifft Klaus Dörr

    Die Bühnen Halle sind ein Mehrspartenhaus mit Oper, Ballett, Schauspiel (neues theater und Thalia-Theater), Puppentheater und der Staatskapelle. In fast 1000 Veranstaltungen pro Spielzeit erreichen die Bühnen Halle mehr Besuche, als Halle Einwohner zählt ist im neuen Spielzeitheft für die Saison 2026/2027 zu lesen und lädt ein, Theater als Ort der Erfahrung, des Lernen und des gemeinsamen Erlebens zu besuchen. Und, sich damit einer Kunstform zu nähern, die, wie Klaus Dörr es formuliert, im Moment ihres Entstehens vergeht, die wir nicht festhalten, nicht konservieren, sondern nur erinnern können und gemeinsam darüber sprechen. Vor Beginn der neuen Spielzeit kann das bereits bei einem großen Kulturspektakel im Rahmen des Laternenfestes erprobt werden. Drei Tage präsentieren sich alle fünf Sparten u.a. mit „It´s Showtime! – Eine Musicalrevue“, oder einer Ballettgala, mit „Entführung im Puppentheater“ oder „30-Minuten-Oper: La Traviata“. Traditionell am letzten Augustwochenende feiert die Stadt Halle, bietet zwischen Ziegelwiese und Peißnitzinsel ein vielfältiges Kulturprogramm aus Live-Musik, Kunst, Mitmach-Aktionen und dem klassischen Laternenumzug. Vielfalt steht über allem und „#Stolz auf Vielfalt“ ist die Überschrift eines breiten Bündnisses, einer Kampagne, die Menschen und Institutionen dazu einlädt, sichtbar zu machen, was Sachsen-Anhalt prägt und verbindet, und zeigt was Kultur ist. Zu diesem Bündnis gehört auch „Kultur ist Vielfalt und Heimat“. Als Kulturinstitution unterstützen die Bühnen Halle dieses Statement für Kunstfreiheit und kulturelle Offenheit und haben es mitunterzeichnet. In Neustadt an der Weinstraße wurde Klaus Dörr 1961 geboren. In Berlin studierte der gelernte Krankenpfleger Wirtschaftswissenschaften und befaßte sich in seiner Abschlußarbeit mit den „Möglichkeiten und Grenzen ökonomischer Steuerung von Theatern am Beispiel der Berliner Ensemble GmbH“. Nach einem Praktikum wurde Klaus Dörr Assistent des Technischen Direktors am Berliner Ensemble. Anschließend wirkte er als Produzent, Produktionsleiter und Berater für freies und institutionelles Theater. Von 2006 bis 2013 war Klaus Dörr Geschäftsführender Direktor des Maxim Gorki Theaters Berlin und von 2009 bis 2013 zudem stellvertretender Intendant, von 2013 bis 2018 Künstlerischer Direktor und stellvertretender Intendant des Schauspiels Stuttgart und von 2018 bis 2021 Intendant der Volksbühne Berlin. Viele Jahre war Klaus Dörr Gutachter und Berater in Strukturkommissionen. Am 01. Juli 2025 übernahm er die Geschäftsführung der Theater, Oper und Orchester GmbH.Moderation Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf

  3. 47

    MDR KULTUR trifft Marko Martin

    „Freiheitsaufgaben“ erschien nach seiner Festrede am 07.11.2024, dem 35. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR im Schloß Bellevue, dem Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten. Diese Rede erfuhr große Aufmerksamkeit, manche Kommentatoren sprachen von einer Sternstunde der Demokratie und verärgerte den Bundespräsidenten. Im Februar 2026 wurde Marke Martin in Leipzig der Werner-Schulz-Preis verliehen. Wie der Bürgerrechtler und langjährige Bundestags- und Europaabgeordnete Werner Schulz, habe Marko Martin vehement die Politik Putins und dessen Angriffskrieg auf die Ukraine angeprangert, so die Begründung der Jury. Vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin setzt die Autorenvereinigung PEN Berlin ihre bereits im vergangenen Jahr viel beachtete Veranstaltungs- und Gesprächsreihe quer durch Deutschland fort und fragt im August in 41 Tagen bei 36 Begegnungen mit 112 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Sachsen-Anhalt: „Ist das noch / schon mein Land? – Gespräche über Heimat“. Anfang Mai war Marko Martin im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe Gast im Theater Görlitz. Seit Februar 2025 produziert er für die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung regelmäßig den podcast „Marko Martin, einmal klingeln“. 2024 erschien im Tropen Sachbuch Verlag zudem der Essayband „Und es geschieht jetzt. Jüdisches Leben nach dem 7. Oktober“. „Marko Martin ist ein wahrer Humanist.“, schrieb die US-amerikanisch-polnische Historikerin und Journalistin Anne Applebaum zu diesem Buch. Marko Martin bereist das Land seit 1991 und war zuletzt im Juni 2026 in Tel Aviv, berichtete von dort über das erste „Gay Pride“ nach dem 7. Oktober 2023 als Fest der Lebensfreude.Im Burgstädt in Sachsen wurde Marko Martin 1970 in geboren. Seine Eltern waren Zeugen Jehovas, lösten sich jedoch in den 1980er Jahren von diesen. Marko Martin wurde Kriegsdiensttotalverweigerer und erfuhr die Repressalien des Staates namens DDR. Unter anderem wurde ihm die Hochschule verwehrt. Im Mai 1989 siedelte die Familie in die Bundesrepublik Deutschland über und lebte fortan am Bodensee. Im Sommer 1990 reiste der inzwischen 19jährige Abiturient durch die frühere Heimat und veröffentlichte 2004 bei DVA „Sommer 1990. Er studiert zunächst Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte an der TU und FU Berlin. Nach langjährigem Aufenthalt in Paris lebt Marko Martin, sofern nicht auf Reisen, als Schriftsteller und Publizist in Berlin. Zahlreiche Bücher erschienen im Rahmen seiner Reisen rund um den Globus zu Themen wie Welt- und Fremdheitserfahrungen. Marko Martin ist Mitglied des PEN-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland und seit 2022 auch Mitglied im PEN Berlin. Er erhielt den Ovid-Preis und den Reiner Kunze-Preis, ist Jury-Mitglied des Karl-Wilhelm Fricke-Preises und war von 2015 bis 2017 auch Jury-Mitglied des Internationalen Literaturpreises - Haus der Kulturen der Welt. Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

  4. 46

    MDR KULTUR trifft Jonas Seufert

    Über fünf Jahre arbeiteten Jonas Seufert und Lisa Frühbeis an dem Buch „Schattenleben. Menschen ohne Papiere erzählen“ und führten zahlreiche Interviews mit den Menschen, die in dem Comic sichtbar werden. Wie viele Menschen in Deutschland ohne Aufenthalts-Papiere leben und wie dieses Leben aussieht, darüber gibt es bislang kaum eine öffentliche Debatte. Mitte Juni 2026 trat die größte EU-Asylreform seit 1983 in Kraft. Doch in den immer schärferen Diskussionen um Migration gehen die Lebensbedingungen der Betroffenen unter. Jeder offizielle Kontakt kann ihre Abschiebung bedeuten. Doch der Comic kann überall dorthin, wo Kamera und Mikrofone nicht hinkommen und so konnten die Protagonisten Brienne, Charlotte, Nasir und Dau ihm in langen Gesprächen ihre Geschichten anvertrauen und dennoch anonym bleiben. Die Transfrau Brienne aus Thailand, die dort von ihrer Arbeit als Tierarzthelferin nicht leben konnte, kämpfte sich mutig aus der Zwangsprostitution heraus und erreichte, daß ihre Chefin ins Gefängnis kam. Charlotte aus dem Senegal flüchtete vor ihrem Onkel, der sie vergewaltigt hatte. In Mainz mußte sie Jahre später ihr Kind beinahe auf der Straße zur Welt bringen, da sie keinen Arzt aufsuchen konnte. Nasir, geboren in Somalia und 25 Jahre in Deutschland lebend, hat noch immer keine Aufenthaltspapiere, obwohl er die Pfalz längst sein Zuhause nennt und Dao erlebte auf ihrer Irrfahrt durch Europa, um ihre Eltern daheim finanziell zu unterstützen, neben regelrechter Ausbeutung in der vietnamesischen Community auch große Solidarität. Jonas Seufert, geboren 1989 in Würzburg, lebt heute in Leipzig. Von 2011 bis 2015 studierte er „Internationale Beziehungen“ an der TU Dresden und absolvierte ein Auslandssemester in der Türkei. Anschließend besuchte er bis 2018 die Deutsche Journalistenschule und die Ludwig-Maximilians-Universität in München. 2019 erhielt Jonas Seufert den Grimme Online Award für die Bürgerrecherche zusammen mit Correctiv „Wem gehört Hamburg?“. Zahlreiche Preise und Stipendien folgten über die Jahre. 2019 bis 2021 war er Mitbegründer von „Hermes Baby - Gemeinschaft für gute Geschichten“. 2020 bis 2022 wirkte Jonas Seufert als Co-Host und Coach für den Knast-Podcast „Zweidrittel FM“ und 2024 als Autor für den Dokumentarfilm „The Pickers“. Zehn Jahre arbeitete Jonas Seufert zudem als freier Reporter u.a. für DIE ZEIT, Süddeutsche Zeitung, ARD, ZDF, Correctiv und Taz. 2024 hatte er ein Stipendium der Otto-Brenner-Stiftung inne. 2025 war er Journalist in Residence am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Köln. Seit 2025 ist Jonas Seufert Teil des Investigativ-Teams von FragDenStaat. Seine journalistische Arbeit konzentriert sich auf die Themen soziale Ungleichheit, Migration, prekäre Arbeit und globale Lieferketten.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  5. 45

    MDR KULTUR trifft Dieter König

    1.248 UNESCO-Welterbestätten gibt es derzeit in 170 Ländern weltweit. Sachsen-Anhalt hat mit fünf UNESCO-Welterbestätten die meisten in einem ostdeutschen Bundesland aufzuweisen: Die mittelalterlich geprägte Stadt Quedlinburg, der Dom in Naumburg, die Lutherstätten in Wittenberg und Eisleben, das Gartenreich Dessau-Wörlitz und das Bauhaus in Dessau. Hinzu kommt das UNESCO Weltdokumentenerbe wie die Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit oder seit vergangenem Jahr der literarische Nachlaß des Philosophen Friedrich Nietzsche. Das 1994 als Welterbestadt aufgenommene Quedlinburg ist ein Gesamtkunstwerk. Hier treffen mittelalterliche Stadtstruktur und ein bemerkenswertes Denkmal der Stadtbaugeschichte aufeinander. An die 2.100 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten prägen noch heute das Bild der Stadt. In Quedlinburg wurde Dieter König 1949 geboren und da lebt er noch immer. Im Mai 1961, da war er elf Jahre alt, wurde zwischen Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries eine Städtepartnerschaft geschlossen, zu der auch ein Schüleraustausch gehören sollte. Mit dem Mauerbau am 13.08.1961 war die nur noch teilweise und einseitig möglich. Anders im Westen Deutschlands, da unterzeichneten im Januar 1963 Bundeskanzler Konrad Adenauer und Präsident Charles de Gaulle den Élysée-Vertrag, der bis heute den Grundstein der Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich legte. Im Osten Deutschlands, nach der politischen Wende 1989/ 90, konnte in Quedlinburg erst 1991 diese Städtepartnerschaft vom Mai 1961 durch die Bürgermeister beider Städte erneuert werden. 1998 wurde der Verein zur Förderung der Freundschaft zwischen der deutschen Stadt Quedlinburg und der französischen Stadt Aulnoye-Aymeries gegründet. Dieter König ist Gründungsmitglied und seit 2000 im Ehrenamt Vorsitzender des Vereins. Seine Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Freundschaft zwischen Frankreich und Deutschland zu erhalten, sie mit Leben zu füllen und zu festigen. Dieter Königs erste Begegnung mit den Franzosen lag im Jahr 1994: Ein Staffellauf über 730 Kilometer in 5 Tagen von Aulnoye-Aymeries nahe der belgischen Grenze bis nach Quedlinburg. Er war dabei und organsierte 1996 den zweiten Lauf in umgekehrter Richtung. Neben dem Sport kamen Kulinarik und Kultur hinzu. Dieter König organisierte den fortan jährlichen Besuch der Franzosen zum Weihnachtsmarkt in Quedlinburg, zu Wein- und Käseverkostungen, zu Begegnungen am Tag des offenen Denkmals. Chöre beider Städte singen über Jahre zusammen und in jeder der beiden Städte gibt es eine Straße mit dem Namen der Partnerstadt. In diesem Jahr feierten sie zusammen 65 Jahre Bestehen dies Vertrags.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  6. 44

    MDR KULTUR trifft Dirk Messner

    Er sei ein notorischer Nachhaltigkeitstransformationsoptimist, sagt Dirk Messner, der Präsident des Umweltbundesamtes. Derzeit durchaus im Steßzustand, fügt er an. Wegen der Wirtschaftskrise würde häufig beim Klima- und Umweltschutz gekürzt. Das sei nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch fatal. Auch jüngste Ergebnisse aus der Studienreihe „Zukunft? Jugend fragen!“ des Umweltbundesamtes weisen auf, daß der Umwelt- und Klimaschutz bei den 14- bis 22-Jährigen in Deutschland weiter an Bedeutung verliert. Der Anteil der jungen Menschen, die das Thema als sehr wichtig einstufen, ist seit 2021 von 50 auf 30 Prozent gesunken. Das politische Interesse aber ist insgesamt hoch. 88 Prozent der Befragten ist es sehr wichtig in einer Demokratie zu leben. Dirk Messner glaubt fest daran, daß man Dinge zum Besseren wenden kann und auf die Frage nach der Lebensmaxime antwortet er: „Kooperation ist die Mutter der menschlichen Zivilisationsgeschichte“. In einer Diskussion jüngst im historischen Bauhausgebäude in Dessau unter der Fragestellung „Kultur - Fundament der Demokratie?“, organisiert vom Deutschen Kulturrat, der Stiftung Bauhaus Dessau und dem Umweltbundesamt, führte Dirk Messner u.a. aus, daß es beispielsweise bei Veränderungsprozessen zur Klimaneutralität wichtig sei, Kulturschaffende für dieses Thema zu mobilisieren. Kultur helfe die Welt in ihrer Diversität zu verstehen. Die Lösung der Umweltfrage sei nicht nur Technologie, nicht nur Ökonomie, sondern habe auch mit einem kulturellen Wandel zu tun. In Bünde, in Nordrhein-Westfalen wurde Dirk Messner 1962 geboren. Von 1982 bis 1988 studierte er Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und der Sogang University in Seoul. Ab 1989 arbeitete er am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik in West-Berlin, Abteilung Industrialisierung und Schwellenländer mit dem Schwerpunkt Lateinamerika. 1995 wurde er an der FU Berlin bei Elmar Altvater „summa cum laude“ promoviert. 1995 bis 2002 war Dirk Messner wissenschaftlicher Geschäftsführer des Instituts für Entwicklung und Frieden an der Universität Duisburg-Essen. 2002 habilitierte er sich an der FU Berlin und hatte anschließend eine Professur für Internationale politische Ökonomie am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft der Ludwig-Maximilins-Universität München inne. Von 2003 bis 2018 war Dirk Messner Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik und ist seit 2006 außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Von 2018 bis 2019 war er Direktor des Instituts für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen in Bonn und Vize-Rektor der United Nations University. Von 2004 bis 2019 wirkte Dirk Messner u.a. als Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, ab 2009 als stellvertretender Vorsitzender, ab 2013 als Co-Vorsitzender. Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  7. 43

    MDR KULTUR trifft David Pruß

    Mit 26 Jahren wurde David Pruß 2021 jüngster Leiter eines Zoologischen Gartens in Deutschland und trug in Hof in Bayern Verantwortung für rund 500 Tiere. Seit Juli 2025 hat David Pruß die Leitung des Magdeburger Zoos inne. Der ist an die 20 Hektar groß und beherbergt an die 700 Tiere und 177 Arten. Im vergangenen Jahr wurde unter dem Motto „Wild, wundervoll, wegweisend“ 75jähriges Jubiläum gefeiert. Historisch machte sich der Zoo Magdeburg wegen seiner Spitzmaulnashornzucht einen Namen. Aus Artenschutz- und Naturschutzgründen sind es bis heute wichtige Tiere im Bestand des Zoos Magdeburg. Er unterstützt den Erhalt bedrohter Arten durch seine Beteiligung an Zucht- und Auswilderungsprogrammen. Mit dem „Artenschutz-Euro“ möchte er mit den Besuchern des Zoos zusammen verstärkt Artenschutzprojekte im natürlichen Lebensraum weltweit und vor Ort fördern. Künftig soll zudem verstärkt auf Citizen Conversation gesetzt werden, also Zuchtbücher für Amphibien, bei denen Zoos mit Museen und auch Privathaushalten zusammenarbeiten. Zudem ist ein Ausbau der Kooperationen mit Universitäten geplant, um den Zoo als Plattform für angewandte Artenschutzforschung zu etablieren. Der Tiermediziner, Zoologe, Tierschützer und Verhaltensforscher Bernhard Grzimek ist David Pruß ein wichtiges Vorbild. Als Forscher und als Praktiker hat er gezeigt, daß Engagement für Tiere und Umwelt immer auch ein Engagement für die kommende Generation ist, führt David Pruß aus. „Sein Vermächtnis lebt in jedem verantwortungsvollen Schritt weiter, den wir im Zoo gehen, und in meiner eigenen Überzeugung, durch Bildung, Forschung und gelebten Artenschutz etwas zum Guten zu verändern.“ Für die langfristigen Pläne von David Pruß für den Magdeburger Zoo wurden von der Stadt 300.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt. Wichtigste Themen seines Masterplans drehen sich um die Fragen der Infrastruktur: Energie, Wärme, Logistik, Futterwege. In den Sommerferien wird im Zoo Magdeburg der Internationale Tag des Naturschutzes gefeiert, mit Klang & und Kulinarik gibt es einen Abend voller Genuß im Zoo, Kinder zwischen 6 und 8 Jahren können einen Haustierführerschein machen und ältere Kinder sich auf die Spuren der Zootierhaltung begeben. Zudem wird es im August sehr emotional im Zoo Magdeburg. Die Elefantenkuh Sweni steht kurz vor der Geburt. Im Rheinland wurde David Pruß vor 31 Jahren geboren. Dort wuchs er auf. Um die zehn Jahre alt war er wohl, als er das erste Mal „Serengeti darf nicht sterben“ von Bernhard Grzimek in den Händen hielt. Mit diesem Buch und seiner Liebe zu Tieren reifte der Wunsch einmal im Zoo zu arbeiten. David Pruß studierte Veterinärmedizin in Hannover, absolvierte ein Praktikumsjahr in Thailand und wurde nach Rückkehr und noch während des Schreibens seiner Diplomarbeit im Jahr 2021 Zoo-Direktor in Hof.Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

  8. 42

    MDR KULTUR trifft Frank Martin Widmaier

    Mit der Zweier-Komödie „Romeo und Julia an der Jukebox“ und der großen Produktion „Cabaret“, einem Musical über das Berlin der 1920er Jahre, und in eigener Regie eröffnete Frank Martin Widmaier die erste Spielzeit. Hausautor Kai O. Schubert entwickelte den Stadtspaziergang „Polizeiruf Eisleben“, bei dem die ganze Stadt zur Theaterbühne wird. Für Kinder gab es die Stücke „Das kalte Herz“ und „Was rappelt in der Kiste“ und auch der Tag des Grundgesetzes wurde am Theater begangen. Die zentrale Feier im Land Sachsen-Anhalt am 23. Mai richteten das Theater Eisleben und die Stiftung gegen Rassismus aus. Zum Ende der ersten Spielzeit inszenierte Frank Martin Widmaier „Münchhausen. Das MusiKal“. Uraufführung war am 6. Juni im Europa-Rosarium in Sangerhausen. Ein bewußtes Signal, sagt der Intendant. „Mit der Uraufführung in Sangerhausen schlagen wir eine Brücke in die Region. Wir möchten damit zeigen, daß unser Regionaltheater überall im Landkreis Mansfeld-Südharz zu Hause ist“. Am 19.06. feierte „Münchhausen. Das MusiKal“ Premiere im Theater Eisleben und kommt am 27.06. noch einmal zu Aufführung. Vor der Sommerpause gibt es dann am 4. Juli das große Theatersommerfest im Theatergarten. Für die kommenden Spielzeit sind weniger Premieren geplant, dafür aber wird eine lange vakante zehnte Stelle im Schauspiel wieder besetzt. Mit dem „NEINhorn“ von Marc-Uwe Kling für Menschen ab Vier wird die kommende Saison eröffnet. Enden soll sie mit einem Dokumentartheater über den Zusammenhang von Bergbau und Luther. Damit soll im Juni 2027 auch eine neue Probebühne eingeweiht werden. In Sindelfingen in Baden-Württemberg wurde Frank Martin Widmaier 1962 geboren. Er studierte Evangelische Theologie, Musikwissenschaft und Germanistik in Tübingen, München und den USA. Während des Studiums konzertierte Frank Martin Widmaier weltweit in der Gächinger Kantorei unter Hellmuth Rilling und wirkte in vielen Opernproduktionen der Ludwigsburger Festspiele mit. Sein erstes Festengagement erhielt er ab 1994 mit einer eigenen Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. 1997 wurde er Künstlerischer Produktionsleiter am Berliner Ensemble und übernahm selbige Position mit Verpflichtung zur Spielleitung an der Oper Frankfurt. Ab 1997 inszenierte Frank Martin Widmaier in Wien, Berlin, München, Frankfurt/ Main, Monte Carlo, Freiburg/ Breisgau, Montpellier und Halle/ Saale. Er arbeitete mit namhaften Regisseuren wie Götz Friedrich, Harry Kupfer, August Everding u.a. zusammen, war Meisterschüler von Ruth Berghaus. Frank Martin Widmaier erarbeitete immer wieder auch verschiedene Produktionen mit aktiv mitwirkenden Kindern und Jugendlichen, um sie an das professionelle Theater heranzuführen und übernahm Lehrtätigkeiten bei den Salzburger Festspielen in der Masterclass für Nachwuchskünstler. Moderation Karoline KnappeRedaktion: Angelika Zapf

  9. 41

    MDR KULTUR trifft Stefan Nolte

    Am 23. April wurde sie eröffnet, die 5. Thüringer Landesgartenschau in Leinefelde-Worbis. Der Frühjahrsflor ist bereits zugunsten einer farbenprächtigen Sommerbepflanzung gewichen. 172 Tage voller Blütenzauber, Begegnungen und besonderer Momente werden bis zum 11. Oktober in der Welt der Gartenkunst versprochen. Leinefelde-Worbis liegt im Eichsfeld, einst ein Dorf und zu Zeiten der DDR zu einem Industriestandort ausgebaut. Nun wird eine Gartenstadt entstehen. Mit dem Slogan „Aussöhnung zwischen Stadt und Landschaft“ hatte sich Leinefelde-Worbis für die Landesgartenschau 2026 beworben. Viele der Investitionen, die wir in den vergangenen Jahren tätigten, sagt Landesgartenschau-Geschäftsführer Stefan Nolte, bleiben dauerhaft bestehen: neue Grünflächen, attraktive Wegeachsen, Sport- und Freizeitangebote. Diese Infrastruktur mache die Stadt nicht nur schöner, sondern auch lebenswerter für kommende Generationen. Vielleicht kommen die jetzigen Besucher einmal wieder, als Touristen, als Fachkräfte oder gar als neue Einwohner. Stefan Nolte sieht die Landesgartenschau als Ausgangspunkt für viele weitere positive Entwicklungen in der Stadt und für die Landschaft. In Leinefelde wurde Stefan Nolte 1974 geboren, dort wuchs er auf. Nach der Schule ergriff er zunächst einen handwerklichen Beruf, absolvierte dann eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten, arbeitete bei der Stadt Leinefelde im Bauamt, nahm noch ein Studium auf, arbeitete im Wirtschaftsamtsbereich, im Bauamtsbereich und wurde schließlich Leiter des Bauamtes der Stadt Leinefelde-Worbis. Hier verantwortete Stefan Nolte zentrale Infrastruktur- und Stadtplanungsprojekte in der Region. Im Januar 2021 übernahm er die Position einer der beiden Geschäftsführer des neu gegründeten Eigenbetriebes Entwicklungsgesellschaft Landesgartenschau GmbH. Ab 2025 hatte Stefan Nolte die alleinige Leitung inne. Moderation Karoline KnappeRedaktion: Angelika Zapf

  10. 40

    MDR KULTUR trifft Dominik Intelmann

    Das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in Chemnitz ist der bundesweit erste Erinnerungs- und Bildungsort, der die Perspektive der Opfer von rassistischer Gewalt in den Mittelpunkt stellt. Vor 15 Jahren, am 4. November 2011 enttarnte sich die Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“, kurz NSU, selbst. Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos erschossen sich, Beate Zschäpe stellt sich nach kurzer Flucht der Polizei und wurde 2018 vom Oberlandesgericht München als Mittäterin zu lebenslanger Haft bei besonderer Schwere der Schuld verurteilt. Im Herbst 2026 entscheidet sich, wie viele Restjahre sie noch verbüßen muß. Zwischen 2000 und 2007 ermordete der NSU zehn Menschen, neun davon aus rassistischen Motiven. Wie soll der NSU-Komplex aufgearbeitet, wie angemessen an die Opfer erinnert werden? Im vergangenen Jahr, am 25. Mai 2025, wurde in Chemnitz „Offener Prozess - Ein Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex in Sachsen“ eröffnet, um diesen Fragen nachzugehen. Neben einer umfangreichen Ausstellung werden Filmreihen, Lesungen, Vorträge und Workshops angeboten. Im Rahmen sogenannter „Critical Walks“ können Besucher soziale und politische Räume erkunden, in denen rechte Dominanz damals ungestört wirken und der NSU unentdeckt agieren konnte. Dominik Intelmann, der den Forschungsbereich verantwortet, versucht in einem Oral History Projekt zu den sogenannten Baseballschlägerjahren noch einmal die langen Linien, die rechtsautoritäre Dynamik in Chemnitz und Umgebung nachzuzeichnen, um zu rekonstruieren, wie es zu den NSU-Morden kommen konnte. Seit Ende Mai läuft eine neue Studie. Der Begriff Baseballschlägerjahre beschreibt den extremen Anstieg rechter, rassistischer Gewalt in den 1990er-Jahren. Das Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in Chemnitz kooperiert mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus ganz Deutschland. Eine enge Zusammenarbeit gibt es mit der TU Chemnitz. Ein zugängliches Archiv soll aufgebaut werden, daß gezielt die Lücken der offiziellen Erinnerungskultur füllt und den Fokus auf die reale Erfahrung von Betroffenen rechter Gewalt in Südwestsachsen legt. Der Bundestag hat die Förderung des Dokumentationszentrum zum NSU-Komplex „Offener Prozess“ in Chemnitz für das Jahr 2026 mit Haushaltsmitteln in Höhe von 1,2 Millionen Euro bewilligt. Eine langfristige Finanzierung ab dem kommenden Jahr noch vage. In Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, wurde Dominik Intelmann 1981 geboren. Nach dem Abitur studierte er bis 2011 Philosophie an der TU Chemnitz und bis 2017 Humangeographie an der Goethe-Universität Frankfurt/ Main. Derzeit arbeitet Dominik Intelmann an seiner Promotion zu den Themen: Orte des Kontrollverlustes, Orte der Handlungsfähigkeit: Zur Geographie von Subjektivierungsformen am Beispiel von Chemnitz und Leipzig. Moderation Karoline KnappeRedaktion: Angelika Zapf

  11. 39

    MDR KULTUR trifft Christoph Dittrich

    Christoph Dittrich, Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz, hatte 2015 die Idee, dass Chemnitz sich als Kulturhauptstadt 2025 bewerben sollte, saß später in den vorbereitenden Gremien und war zwei Jahre Interimsgeschäftsführer der Kulturhauptstadt GmbH. 2021 übernahm Stefan Schmidtke. Zusammen gebaren sie bereits damals die Idee sich für die Ausrichtung des Festivals „Theater der Welt“ im Jahr 2026 zu bewerben. Vom 18. Juni bis 05. Juli nun findet es statt, ausgerichtet von den Theatern Chemnitz, der Festival Academy Brüssel und der Kulturhauptstadt Europas Chemnitz 2025 GmbH. Deutschlands größtes internationales Festival für zeitgenössische Bühnenkunst wird seit 1981 alle drei Jahre in einer anderen Stadt ausgetragen. An 18 Festivaltagen werden in diesem Jahr in Chemnitz 33 Produktionen von Künstlerinnen und Künstlern aus allen Kontinenten zur Aufführung kommen. Erstmals in der Geschichte des Festivals teilte sich ein neunköpfiges internationales Kuratoren-Team die künstlerische Leitung. Fragen von Identität, Herkunft, Machtverhältnissen und Sichtbarkeit ziehen sich durch zahlreiche Produktionen. Eröffnet wird das Festival am 18. Juni mit „Paper Planet“ des australischen „Polyglot Theatre“ und mit der europäischen Erstaufführung von „Split Tooth: Saputjiji“ von der kanadischen Künstlerin Tanya Tagaq.In Dresden wurde Christoph Dittrich 1966 geboren. Bereits während der Schulzeit erhielt er einen Instrumental-. Gesangs- und Chorleiter-Ausbildung. Von 1986 bis 1991 studierte er an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden Tuba, Gesang und Musikpädagogik. Zudem nahm er Kammermusik-Unterricht in der Meisterklasse von Prof. Ludwig Güttler. 1987 gründete Christoph Dittrich das Blechbläser-Ensemble „Dresden Brass Quintet“, mit dem er zahlreiche Konzert gab, Festivals besuchte und CDs aufnahm. Von 1991 bis 2002 war er Musiker und dramaturgischer Mitarbeiter der Elbland Philharmonie Sachsen und von 2002 bis 2012 deren geschäftsführender Intendant. Ab 2006 gab es eine Zusammenarbeit mit dem Theater Junge Generation Dresden. Christoph Dittrich hielt zudem Gastvorlesungen an der TU Dresden und der Dresden International University und promovierte 2008 im Bereich Musikwissenschaften zu Komponisten der 1960er bis 1980er Jahre. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung der Meissner Burgfestspiele. Mit der Spielzeit 2013/2014 wurde Christoph Dittrich Generalintendant der Städtischen Theater Chemnitz. Er ist über diese Tätigkeit hinaus Vorstandsmitglied des Landesverbandes Sachsen des Deutschen Bühnenvereins, den er von 2010 bis 2019 als Vorsitzender führte. 2020 wurde Christoph Dittrich zum Präsidenten der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen gewählt. Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  12. 38

    MDR KULTUR trifft Raymonde Will

    Am 10. Mai war Muttertag und am 15. Mai ist der Internationale Tag der Familie, der seit 1993 von den Vereinten Nationen ausgerufen wird. Dieser Tag soll die Bedeutung von Familien als grundlegende Einheit der Gesellschaft betonen und auf verschiedene familienbezogene Themen aufmerksam machen: 2026 auf „Familien, Ungleichheiten und Kinderwohlbefinden“. Raymonde Will hat 1990 in Leipzig den ersten Mütterzentrum e.V. in Ostdeutschland mitbegründet. Seit 1992 ist er als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt und auf dem Gebiet der Familienbildung tätig. 1994 bereits konnte er in Leipzig auf drei Zentren und das Vierte kurz vor Eröffnung verweisen. Nach diesem Vorbild entstanden Mütterzentren in Pirna, Zwickau, Sangerhausen und anderen ostdeutschen Städten. Während einer großen Tagung „Mütterzentren in den neuen Bundesländern“ konnte der Leipziger Verein im selben Jahr Vertreter von Jugendämtern, Gleichstellungsbeauftragten, Vereinen, Mütter- und Familienzentren, Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen ins Gespräch bringen. Bereits ein Jahr später gab es im Osten Deutschlands 17 Mütterzentren und 20 Familienzentren und sie wuchsen zu einem Modell-Projekt für die gesamte Bundesrepublik. Raymonde Will übernahm 2010 die Geschäftsführung des Vereins Mütterzentrum Leipzig. 36 Jahre nach Gründung und mit gesellschaftlichen Veränderungen, neuen Lebensrealitäten von Frauen nach dem politischen Umbruch 1989/ 90, dem Aufeinandertreffen von Frauenbewegungen in Ost- und Westdeutschland im geeinten Land, sowie einer sich gesamtdeutsch wandelnden Familienkultur in den letzten Jahrzehnten, fand im Februar 2026 eine Namensänderung statt. Der Mütterzentrum e.V. heißt fortan Familie im Zentrum e.V. - FiZ Leipzig. Ende März 2026 übergab Raymonde Will die Geschäftsführung an die jüngere Generation und ist seit dem 1. April nur noch beratend tätig. Am 09.11.1960 in Gotha geboren, wuchs Raymonde Will die ersten zehn Jahre in Thüringen auf, danach im Erzgebirge. An der Universität Leipzig ließ sie sich zur Diplom-Lehrerin für Erwachsenenbildung ausbilden. Von 1989 bis 1991 arbeitete Raymonde Will als Lektorin beim Leipziger Reclam-Verlag. Als die Mutter zweier kleinen Töchter ihre Arbeit verlor wurde sie 1990 Mitgründerin des Vereins Mütterzentrum Leipzig. Sie sammelte in den Folgejahren Erfahrung in der Konzipierung, Finanzierung, Durchführung und Leitung von größeren Projekten im sozialen Bereich, u.a. einem Bundesmodellprojekt von 1992 bis 1995. Auch begleitete Raymonde Will von 2002 bis 2004 die Sanierung zweier Gründerzeithäuser für das Projekt „Treffpunkt Linde - Mütterzentrum und Kindergarten unter einem Dach“ in Leipzig/ Plagwitz und übernahm von 2004 bis 2010 die Projektleitung im „Treffpunkt Linde“. Ab Juni 2010 war sie Geschäftsführerin des Vereins Mütterzentrum Leipzig. Heute ist er Träger von fünf Familienzentren in den Leipziger Stadtteilen Grünau, Mockau, Paunsdorf, Plagwitz und Thekla, von drei Kindertagestätten in den Stadtteilen Lindenau, Paunsdorf und Plagwitz, einer Kindertagespflegevermittlung, sowie der Upcyclingwerkstatt Restlos. Ihre über 35 Jahren währenden Erfahrungen in Teamarbeit, Konfliktmanagement, Gesprächsführung, Seminarleitung, Einzel- und Gruppenberatung, Moderation, Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit übergab Raymonde Will zum 1. April 2026 in einem lang vorbereiteten Prozeß an ihre Nachfolgerin.Moderation Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  13. 37

    MDR KULTUR trifft... Stefanie Eckert

    1946 wurde die Deutsche Film AG gegründet. Die dort produzierten und vom Staat finanziell geförderten Filme waren eng mit den politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen der DDR verbunden. Doch die DEFA war stets mehr als nur ein Propagandainstitut, so der verstorbene Filmhistoriker, von bis 2020 Vorstand der DEFA-Stiftung, Ralf Schenk. Sie sei in ihren besten Zeiten und Filmen ein Seismograph der Wirklichkeit gewesen. Seit 1955 gehörte auch das Studio für Trickfilme in Dresden zur DEFA. Die 1998 gegründete DEFA-Stiftung bewahrt den an die 12.000 Produktionen umfassenden DEFA-Filmstock als wesentlichen Teil des deutschen Filmerbes und bereitet ihn für Kino- und Fernsehausstrahlungen auf, sowie zur Verbreitung auf DVD, Bluray oder als Stream. Auf dem YouTube Channel DEFA Filmwelt präsentiert sie eine Auswahl von Spiel-, Dokumentar- und Trickfilmen aus dem reichen Bestand der DDR-Kinoproduktionen, darunter sind auch bislang unveröffentlichte, bzw. nicht mehr auf DVD erhältliche Titel. Viele davon werden in neuer Digitalisierung präsentiert. Die Berliner Medienwissenschaftlerin Stefanie Eckert übernahm 2020 Vorstand der DEFA-Stiftung. Seit 2001 bereits war sie bei der DEFA beschäftigt. Im Jubiläumsjahr 2026 nun freut sich Stefanie Eckert besonders diese Einladung auszusprechen zu können: „80 Jahre DEFA: Feiern Sie mit uns das Filmerbe - lizenzfrei!“. Vom 14. bis 17. Mai können deutschlandweit alle Kinobetreiberinnen und Kinobetreiber alle DEFA-Produktionen, die im Rahmen des Förderprogramms Filmerbe digitalisiert wurden, ohne Leih- und Lizenzgebühren im Kino zeigen. 1980 in Ost-Berlin geboren, machte Stefanie Eckert 1998 nach einem einjährigen Aufenthalt ihren Highschoolabschluß in Minneapolis, Minnesota/ USA, beendete 2000 das Gymnasium mit Abitur in Berlin und studierte Kulturwissenschaft und in den Nebenfächern Amerikanistik und Betriebswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2004 bis 2006 studierte sie Audiovisuelle Medienwissenschaften an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg und schloß 2007 einen Fernstudiengang zur Filmkauffrau ab. Seit 2001 ist Stefanie Eckert für die DEFA-Stiftung tätig, zunächst als Praktikantin, dann als studentische Hilfskraft, anschließend Referentin des Vorstands und seit 2020 Vorstand der DEFA-Stiftung. Und, Stefanie Eckert hält noch immer an dem Jugendtraum fest, irgendwann ein eigenes Kino zu eröffnen. Moderation Thomas Bille Redaktion: Angelika Zapf

  14. 36

    MDR KULTUR trifft Sibylle Klug

    Sibylle Klug investiere viel ehrenamtliche Zeit in die Erarbeitung neuer Ideen für den Verband und sei mit ihrem Engagement eine herausragende Botschafterin mit einem großen Herz für den ländlichen Raum, ständig das „Wir“ im Blick behaltend, so die Geleitworte zur Auszeichnung durch Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vom Landfrauenverband Sachsen-Anhalt.Bereits 1991 war Sibylle Klug Gründungsmitglied der Landfrauengruppe im Kreis Stendal, aus der später der Kreisverein Stendal entstand. Vom 2001 bis 2019 war sie dessen Vorsitzende. In ihrem Heimatdorf gründetet Sibylle Klug 1997 eine Ortsgruppe, der sie seither vorsteht. Von 2019 bis 2023 war sie Beisitzerin im Bundesvorstand des Deutschen Landfrauenverbandes. Rund 850 Landfrauen sind im Landfrauenverband Sachsen-Anhalt e.V. organisiert. Gemeinsam pflegen sie den Erntekronenwettbewerb zur Bewahrung alter Bräuche und Traditionen, engagieren sich in Nachhaltigkeitsprojekten zur Sensibilisierung im Umgang mit Plastik und Lebensmitteln, setzen sich für gesundes Frühstück in der Kita ein und unterhalten ein Bauernpaten-Projekt. Kurz vor dem 1. Mai kommen Frauen aus allen Generationen zum traditionellen Maikranzbinden zusammen. Die Lebensmaxime von Sibylle Klug ist: Machen! Das gilt einmal mehr 2026 in dem von der UN ausgerufenen „Internationalen Jahr der Frauen in der Land- und Forstwirtschaft“. Allein in Deutschland folgten 22 Verbände und Organisationen aus Landwirtschaft und Ländlichem Raum dem Aufruf des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimar, um Frauen sichtbarer zu machen, ihre Bedeutung für Landwirtschaft und ländliche Räume stärker ins Bewußtsein zu rücken und Dialog, Offenheit und Veränderungsbereitschaft zu fördern.In Stendal wurde Sibylle Klug 1965 geboren, in einem altmärkischen Dorf wuchs sie als Zweite von drei Töchtern auf. Ihre Eltern waren Genossenschaftsbauern.1982 absolvierte Sibylle Klug eine Berufsausbildung zum Zootechniker/ Mechanisator mit Abitur und studierte bis 1988 an der Fachschule für Tierzucht Wernigerode. Anschließend arbeitete sie als Brigadier in der örtlichen LPG. Zusammen mit ihrem Mann baute sie nach der politischen Wende ab 1990 einen eigenen landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit heute über 200 Milchkühen auf. Dieser wird in diesem Sommer an einen der beiden Söhne übergeben.Moderation Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  15. 35

    MDR KULTUR trifft Stefan Poetzsch

    Stefan Poetzsch hielt sich 2017 für einen kurzen Lehraufenthalt an der Legon University Accra in Ghana auf, wo sein langjähriger US-amerikanischer Musikpartner, der Saxophonist und Komponist Benjamin Boone, zu dieser Zeit eine Gastprofessur inne hatte. Gemeinsam gründeten sie dort das „New Global Ensemble“, zu dem auch Aaron Bebe Sukura (Balaphon, Vocals) und Baffour Awuah Kyerematen (Percussion, Vocals) gehören. 2018 gaben sie zunächst Konzerte in Ghana, 2022 dann in Deutschland und 2023 in Johannesburg. Seit Dezember 2025 liegt nun das Debüt-Album „Dream Walking“ vom „New Global Ensemble“ vor. Stefan Poetzsch präsentiert es mit den Worten „Wir sind global, indem wir breit denken und die Schnittstellen zwischen traditioneller und künstlerischer Musik Afrikas, Europas und der USA auf kulturell sensible Weise erforschen.“ Für dieses Jahr sind zwei Konzerte in Deutschland geplant.Geboren wurde Stefan Poetzsch 1963 in Magdeburg. Dort erhielt er seine ersten musikalischen Ausbildungen, gab Konzerte und war als Theatermusiker engagiert. Nach Auftrittsverbot und einem Jahr politischer Inhaftierung in Gefängnissen der Staatssicherheit in Magdeburg und Naumburg wurde er 1985 in die Bundesrepublik abgeschoben. Seine Haft verarbeitete Stefan Poetzsch u.a. in der Text/ Klang-Produktion „unnötig“, die er zusammen mit der Tänzerin Bettina Essaka und dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu in einer Performance über staatliche Repression und Verfolgung in der DDR und in China beim 33. Erlanger Poetenfest 2013 zeigte und die bis heute im Internet zu sehen ist. Im vergangenen Jahr war Stefan Poetzsch im Politischen Bildungsforum Sachsen-Anhalt der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema „Jugendsubkulturen und die Sicherheitsorgane der DDR: Zwischen Unverständnis und Dämonisierung“ geladen und ist gelegentlich Gast bei Zeitzeugengesprächen in Magdeburg. Seit 1985 lebt Stefan Poetzsch in Erlangen, arbeitet als Komponist und Musiker für Theater und Tanz, gibt Konzerte, arbeitet als freiberuflicher Lehrer für Violine und Viola. Seit 1990 realisiert er mit der Choreographin und Tänzerin Bettina Essaka Tanzproduktionen aus konkretem Tanz, Choreographie, Musik, Komposition und Liveelektronik. Aufführungen, Konzerte und CD-Produktionen führten sie quer durch Europa, verschiedene Länder Afrikas und in die USA. Als zeitweiliges Mitglied des Leipziger Barockorchesters gründete er im Jahr 2000 parallel das Stefan Poetzsch Ensemble, welches bis heute in wechselnden Kammermusikbesetzungen ausschließlich Poetzsch-Kompositionen spielt. Allein für den Bayerischen Rundfunk wurden bisher ca. 80 Stücke produziert, darunter zahlreiche Auftragskompositionen. 1995 und 2000 war Stefan Poetzsch Artist in Residence am Atlantic Center for the Arts in Florida/USA. Dort absolvierte er Meisterkurse bei dem Komponisten Donald Erb und dem Improvisator Cecil Taylor. 2008, 2011 und 2025 hatte Stefan Poetzsch eine Gastdozentur für Komposition und intermediale Projekte bei den California Summer Arts in Fresno/ USA, bei der es u.a. zu einer Zusammenarbeit mit dem Kronos Quartett kam. Seit 2009 hat Stefan Poetzsch ein Duo mit dem Trompeter Markus Stockhausen, welches z.T. mit Patrice Héral (dr) erweitert wurde und seit einiger Zeit als „Quan“ mit dem Schlagzeuger Christian Thomé konzertiert. Weitere regelmäßige Projekte pflegt er mit dem New Yorker Avantgarde-Gitarristen Eyal Maoz, dem kubanischen Pianisten Alberto Diaz, dem Schlagzeuger Lukas Ligeti, der Cellistin Ha-Yang Kim und dem kamerunischen Sänger und Percussionisten Njamy Sitson. Er konzertierte außerdem u.a. mit Frank Gratkowski, Guy Livingston, Barre Phillips, Hans Burgener und Martin Schütz.Moderation Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

  16. 34

    MDR KULTUR trifft... Bernd Mottl

    Zehn Aufführungen sind beim Lortzing Festival in Leipzig zu erleben, darunter am 24.04. in der Musikalischen Komödie die Spieloper „Der Waffenschmied“. Die selten gespielte Revolutionsoper „Regina“ feiert am 25.04. im Opernhaus Premiere, in einer Inszenierung von Bernd Mottel. Das Gewandhausorchester wird von Constantin Trinks dirigiert. Vor fast 180 Jahren mußte Albert Lortzing Leipzig nach Unstimmigkeiten und künstlerischen Differenzen verlassen, doch seine Musik ist untrennbar mit Leipzig verbunden. In dieser Stadt lebte und arbeitete der 1801 in Berlin geborene Komponist, Librettist, Schauspieler, Sänger und Dirigent am längsten und erschuf die meisten seiner Werke, darunter acht Opern. Vor allem mit seinen Komödien feierte Albert Lortzing Erfolge, darüber hinaus engagierte er sich politisch und gesellschaftlich. Er war Mitglied im Verein „Tunnel über der Pleiße“, in dem sich die politische Opposition während des Vormärz traf und in der Leipziger Freimaurerloge „Balduin zur Linde“. Nach Leipzig lebte Albert Lortzing in Wien und Berlin, wo er 1851 völlig verarmt im Alter von 49 Jahren verstarb. Zwischen 1835 und 1850 war er der bedeutendste deutsche Opernkomponist. Bis weit in die Nachkriegszeit gehörten seine Opern zu den meistgespielten Werken im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 1848 und in Wien beendete Albert Lortzing die kaum bekannte Oper „Regina“, als auch dort der deutsche Revolutionsversuch gescheitert war, in der Stadt, in der sein Freund Robert Blum, der in Leipzig den Sturz der sächsischen Regierung und demokratische Grundrechte gefordert, hingerichtet ward. Diese seine „Freiheits-Oper“ spiegelt den Geist der Frankfurter Paulskirche, als Tagungsort der ersten deutschen Nationalversammlung und der 1848er Revolution wider. Für Regisseur Bernd Mottl eine besondere Freude und Ehre gerade diese Oper in Leipzig, der Stadt der Friedlichen Revolution von 1989 und in gegenwärtiger politischer Zeit zur Premiere zu führen. In Mönchengladbach wurde Bernd Mottl 1965 geboren. An der Freien Universität Berlin studierte er Theater und Musikwissenschaften. Zusammen mit Marcel Pomplun gründete er die Studiobühne der FU neu. Hier inszenierte Bernd Mottl von 1988 bis 1994 mit Studenten der Berliner Schauspielhochschulen zahlreiche Aufführungen, die auch auf europäischen Festivals gezeigt wurden. Er assistierte zudem bei den Regisseuren Harry Kupfer und John Dew. Seit 1994 arbeitet Bernd Mottl als freischaffender Regisseur an Bühnen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sein Repertoire umfaßt Oper, Schauspiel, Musical und Operette. Zunächst brachte er an der Neuköllner Oper einige vielbeachtete Musical-Uraufführungen mit dem Autor Peter Lund zur Premiere, inszenierte dann am Staatstheater Cottbus, am Maxim Gorki Theater Berlin, an der Staatsoper Hannover, an der Oper Köln, dem Staatsschauspiel Dresden, am Theater Heidelberg, am Schauspiel Kiel, am Berliner Renaissance-Theater und weiteren zahlreichen Bühnen. 2018 zeigte er am Staatstheater Wiesbaden eine Interpretation von Richard Wagners „Die Meistersinger von Nürnberg“. Bei den hessischen Theatertagen 2019 erhielt Bernd Mottl für „Schade, daß sie eine Hure war“ von John Ford den Preis für die beste Inszenierung und den Publikumspreis 2022 des Hans Otto Theaters Potsdam für das Musical „Cabaret“. Die Inszenierung „Der Vogelhändler“ am Staatstheater am Gärtnerplatz München erhielt vom Bayerischen Rundfunk die Auszeichnung Operetten-Frosch für die Spielzeit 2023/ 2024. 2026 wird Bernd Mottl an der Semperoper Dresden debütieren. Moderation Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  17. 33

    MDR KULTUR trifft... Felix Papenhagen

    „Via Regia - jüdisch - unterwegs“ heißt es im Themenjahr „TACHELES. Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen“ in einer Kooperation der Leipziger Notenspur e.V. mit dem Sechsstädtebundfestival e.V.“. Felix Papenhagen, ausgebildeter Zimmermann, studierter Kulturwissenschaftler und promovierter Judentumsforscher ist Verantwortlicher für die Jüdische Projektfamilie beim Notenspur Leipzig e.V. Die Veranstaltungsreihe „Via Regia - jüdisch - unterwegs“ lädt zu 38 Konzerten, Lesungen, Fahrradtouren und musikalischen Wanderungen entlang der historischen Handelsstraße zwischen Görlitz und Leipzig ein. Zu den Höhepunkten gehören der Schneeblumen-Gedenkweg zwischen Leipzig und Meißen, sowie das Konzert „Gershwin & Weill - eine transatlantische Begegnung“ in Kamenz. Der Schneeblumen-Gedenkweg erinnert, daß nach der Befreiung des KZ Buchenwald am 11. April 1945 in der Nacht des 13. April 1945 an die 1500 Zwangsarbeiterinnen, jüdische Ungarinnen und französische politische Gefangene vom KZ Buchenwald-Außenlager Wolfswinkel/ Markkleeberg durch die verdunkelten Straßen Leipzigs getrieben wurden. Viele der Frauen überlebten den Marsch in der eisigen Nacht, der sie nach Theresienstadt bringen sollte, nicht. Für andere war es ein entbehrungsreicher Weg in ein neues Leben. In Rostock wurde Felix Papenhagen 1980 geboren. Nach dem Abitur absolvierte er von 1999 bis 2000 in Haifa/ Israel seinen Zivildienst. Danach ließ sich Felix Papenhagen in Frankreich als Zimmermann ausbilden und war in diesem Beruf tätig. Ab April 2004 studierte er in Freiburg im Breisgau Judaistik und Europäische Ethnologie. Von 2010 bis 2014 hatte er ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Leipzig im Rahmen eines Graduiertenkollegs inne. 2014 promovierte Felix Papenhagen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit der Arbeit „Wem gehört der Schrank mit heiligen Büchern? Jüdische Religion im Kontext israelischer Popularmusik.“ 2015 bis 2017 war Felix Papenhagen Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Maimonides Centre for Advanced Studies - Jewish Scepticism an der Universität Hamburg. 2018 bis 2019 wirkte er als Projektmanager bei der Aufbauwerk Region Leipzig GmbH und von 2019 bis 2021 als Assistent für Qualitätsentwicklung Grund- und Musikschulen der Rahn Education in Leipzig. 2021 bis 2023 arbeitete Felix Papenhagen als Referent im Schulmanagement-Bereich der Dr. P. Rahn & Partner Schulen in freier Trägerschaft Gemeinnützige Schulgesellschaft GmbH. Seit Mai 2023 ist er Mitarbeiter des Notenspur Leipzig e.V. Seit 30 Jahren spielt Felix Papenhagen Geige und Gitarre und sang im Rostocker Choralchor. Moderation Thomas Bille Redaktion: Angelika Zapf

  18. 32

    MDR KULTUR trifft Jörg Junhold

    Mit dieser Anlage und in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie sollten neue Maßstäbe in der Menschenaffentierhaltung gesetzt werden. Wissenschaftler untersuchen nunmehr seit 25 Jahren im Leipziger Pongoland das Verhalten und die Erkenntnisprozesse von Orang-Utans, Schimpansen, Gorillas und Bonobos. Der Zoo Leipzig gehört heute zu den modernsten Zoos im 21. Jahrhundert. 2001 wurde auch die Löwensavanne eröffnet, 2003 die Tiger-Taiga und 2004 die Kiwara-Savanne. Ein besonderer Höhepunkt war 2011 die Eröffnung der Tropenerlebniswelt Gondwanaland, einzigartig in Europa. An die 650 Tierarten leben derzeit in sechs Erlebniswelten. Im vergangenen Jahr konnte das umgebaute Terrarium der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Derzeit wird noch an Feuerland und den Asiatischen Inselwelten gebaut. Bis zum 150. Geburtstag des Zoo Leipzig im Jahr 2028 soll die Umsetzung des Masterplans und damit die von Jörg Junhold im Jahr 2000 vorgestellte Vision für den „Zoo der Zukunft“, in dem artgemäße und naturnahe Tierhaltung miteinander vereint sind, abgeschlossen sein.Im brandenburgischen Ortrand wurde Jörg Junhold 1964 als Sohn einer Tierarztfamilie geboren. Nach dem Abitur mit Berufsausbildung Baufacharbeiter in Riesa und Wehrdienst in Halle studierte Jörg Junhold von 1985 bis 1990 Veterinärmedizin an der Universität Leipzig, absolvierte anschließend und bis 1993 ein Forschungsstudium an der Chirurgischen Tierklinik der Universität Leipzig und promovierte 1994. Von 1992 bis 1997 arbeitete Jörg Junhold als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Marketing-Management bei der Effem GmbH, dem europäischen Marktführer für Tiernahrung. Im Jahr 1997 wurde er zum Direktor und Geschäftsführer des Leipziger Zoos berufen Er ist Mitglied in zahlreichen internationalen und nationalen Institutionen, Gremien und Verbänden. Bis Sommer 2025 war Jörg Junhold zudem sechs Jahre Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten.Moderation: Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf

  19. 31

    MDR Kultur trifft Martin Becker und Tabea Soergel

    Der in Halle lebende Martin Becker hatte sich in den vergangenen Jahren mit seinen autofiktionalen Romanen einen Namen gemacht. Dann aber begab er sich auf ein völlig neues Terrain und holte sich für seinen ersten Krimi die langjährige Radio-Feature- und Schriftstellerkollegin Tabea Soergel aus Köln zur Seite. Nach „Die Schatten von Prag. Kischs erster Fall“, legten sie Ende vergangenen Jahres „Die Feuer von Prag. Kisch ermittelt“ im Kanon Verlag vor.“ Der erste Band spielt im Prag von 1910 kurz vor dem Weltuntergang. Die Erde soll den Schweif des Halley´schen Kometen kreuzen. Während alle zum Himmel schauen haben die Verbrecher auf Erden ein leichtes Spiel. Egon Erwin Kisch, Reporter der „Bohemia“, ermittelt auf eigen Faust in seinem ersten Fall. Der zweite Band „Die Feuer von Prag. Kisch ermittelt“ spielt im Prag von 1913 am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Martin Becker und Tabea Soegel lassen Egon Erwin Kisch und seine Kollegin Lenka Weißbach im berühmtesten Spionagefall der k.u.k. Monarchie ermitteln. Ein Lesegenuß für alle, die historische Krimis und Humor mögen und eine Liebeserklärung an das alte Prag dazu.In Dormagen in Nordrhein-Westfalen wurde Tabea Soergel 1983 geboren. Ab 2002 studierte sie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Seit 2005 arbeitet sie als freiberufliche Radio-Autorin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und veröffentlicht literarische Text in Magazinen und Anthologien. Bis 2018 hatte Tabea Soergel ihren Lebensmittelpunkt in Leipzig, dann zog sie nach Köln. Mit Martin Becker produzierte sie von 2019 bis 2022 den Podcast „DuMont auf Sendung. Der Podcast mit Büchern“. Martin Becker kam 1982 in Attendorn in Nordrhein-Westfalen zur Welt. In der sauerländischen Kleinstadt Plettenberg wuchs er auf. Zunächst studierte er zwei Semester Germanistik und Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum, bevor er 2003 am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte. Seit 2005 ist er freiberuflicher Schriftsteller und Hörfunk-Journalist, zog von Leipzig nach Berlin und arbeitete vornehmlich für den WDR, kehrte nach Leipzig zurück, lebte zeitweilig in Prag und heute in Halle. Über 50 Hörspiele und Features für die ARD entstanden, unter anderem aus Kanada, Brasilien und den USA, viele davon realisiert zusammen mit Tabea Soergel. 2007 erhielt Martin Becker eine Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Im selben Jahr erschien im Luchterhand Literaturverlag sein Erzählband „Ein schönes Leben“. Romane, Erzählungen und Sachbücher folgten, mit Preisen und Auszeichnungen bedacht. 2016 erhielten Martin Becker und Tabea Soergel den Deutsch-tschechischen Journalistenpreis. Moderation: Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf

  20. 30

    MDR KULTUR trifft Lena Schätte

    Lena Schätte hat gleich zwei Preise abgeräumt: den Bachmann-Preis und dazu noch den mit 7.500 Euro dotierten Publikumspreis.Auch bei der Bewerbung um die Aufgabe der Stadtschreiberin von Erfurt konnte sie sich unter 59 Bewerbern durchsetzen. Mit Schreibwerkstätten, Gesprächsrunden und Lesungen möchte sie sich direkt ins Stadtleben einbringen, aber auch schreibend Zeit in Cafés oder im öffentlichen Raum verbringen. „Schreiben in den Zwischenräumen“ nennt sie es, wenn sich ihre Gedanken in Worte geformt auf Notizzettel, im Handy oder kleinen Notizbüchern wiederfinden. „Schreiben ist meine Art, das Leben auszuhalten“, formuliert Lena Schätte und, daß sie Orte anziehen, die noch nicht auserzählt sind, wie sie auch in Erfurt mit der ersten Begegnung fand. Der Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ beginnt mit den Sätzen „Meine Mutter bringt uns Töchtern Dinge bei. Andere Dinge, als mit geradem Rücken am Esstisch zu sitzen, als Danke und Bitte zu sagen, andere Dinge als ihrem Sohn. Sie bringt uns bei, dass Schnaps Ärger bedeutet“, um Zeilen später zu dem Satz zu kommen „Und sie bringt uns bei, dass eine Frau immer Fluchtgeld haben muß.“ Eine klare, direkte, dichte, aber manchmal auch zärtliche Sprache findet Lena Schätte. Motte wird die Protagonistin von ihrem Vater genannt. Der Roman erzählt von einer Arbeiterfamilie in den Neunzigerjahren im Sauerland, da wo auch Lena Schätte aufwuchs, aber die Geschichte könnte überall spielen. Denn Menschen trinken überall. Auf dem Dorf. In der Stadt. In unterschiedlichen sozialen Milieus. Ort, Zeit und Handlung von „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“ sind global übertragbar, sagt Lena Schätte. In Lüdenscheid in Nordrhein-Westfalen wurde Lena Schätte 1993 geboren. 2014 debütierte sie mit dem Roman „Ruhrpottliebe“, erschienen im Marlon Verlag. Parallel zum Schreiben arbeitete Lena Schätte als Psychiatriekrankenschwester im Ruhrgebiet, bis sie 2020 ein Studium des Literarischen Schreibens am Deutschen Literaturinstitut Leipzig aufnahm. 2023 war sie Hausgast im Literarischen Colloquium Berlin, erhielt ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats und arbeitete in der Redaktion der Anthologie „Tippgemeinschaft“ mit. Sie arbeitete bei suchtkranken Menschen in Lüdenscheid und widmete sich weiter dem literarischen Schreiben. Heute lebt Lena Schätte im nordrhein-westfälischen Altena. Im Café des Hagebaumarktes im benachbarten Ort Neuenrade schrieb sie den Roman „Das Schwarz an den Händen meines Vaters“, erschienen im S. Fischer Verlag. Dafür erhielt Lena Schätte 2024 den W.-G.-Sebald-Literaturpreis und den Förderpreis Nordrhein-Westfalen.Eine Sendung von März 2026.Moderation: Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

  21. 29

    MDR Kultur trifft Daniela Danz

    In der Begründung der Jury heißt es „Daniela Danz gehört zu den unverwechselbaren Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Als Lyrikerin verfügt sie mit beinahe schlafwandlerischer Sicherheit über ein breites Formenspektrum, das von alkäischen Oden über Prosagedichte bis hin zu eigenen schöpferischen Formen reicht, zuletzt im Gedichtband Portolan." Ebenfalls im Wallstein-Verlag erschien der Essay-Band „Nichts ersetzt den Blick ins Gelände“ (2023). Hier spürt sie dem eigen und dem Schreiben der anderen nach. Aber auch als Librettistin wird Danila Danz hörbar. Zusammen mit dem Komponisten Ben Frost arbeitete sie an der Oper „Der Mordfall Halit Yozgat“, basierend auf einer Recherche von Forensic Architecture über den neunten Mord des NSU. Am 06. April war Halit Yozgat in einem Internetcafé in Kassel von Unbekannten erschossen worden. Erst fünf Jahre später stuften die Behörden den Mord als rechtsextremistisch ein und ordneten ihn dem sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrund“ zu. Doch bei der juristischen Aufarbeitung blieben viele Fragen offen. Die Uraufführung, die wegen der Corona-Pandemie verschoben werden musste, war im Mai 2025 in Hannover. Das Weimarer Deutsche Nationaltheater hat die Oper jetzt in ihren Spielplan aufgenommen. Die Premiere von „Der Mordfall Halit Yozgat“ ist dort am 12. März zu sehen.Seit 2021 ist Daniela Danz die Leiterin des Bundeswettbewerbs „Demokratisch Handeln“, ein Kinder- und Jugendwettbewerb zur Förderung der demokratischen Kultur, der 1990 gegründet wurde und Demokratieprojekte aus dem schulischen und außerschulischen Bereich auszeichnet. Am Wettbewerb teilnehmen können alle jungen Menschen vom Kindergartenalter bis 25 Jahre. Im März jeden Jahres stehen die Gewinner fest. Präsentiert werden sie beim Junify Demokratiefestival im Sommer in Berlin.In Eisenach wurde Daniela Danz 1976 geboren, in Gotha und Wutha-Farnroda wuchs sie auf. Sie studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Tübingen, Prag, Berlin, Leipzig und Halle und promovierte über den „Krankenhauskirchenbau der Weimarer Republik“. Daniela Danz hatte Lehraufträge in Osnabrück und an der Universität Hildesheim. Von 2003 bis 2010 war sie als Kunstinventarisatorin für die Evangelische Kirche tätig. Zudem übernahm sie Lehraufträge für Kreatives Schreiben an den Universitäten Hildesheim und Osnabrück. 2013 folgte die Promotion mit der Dissertation „Herzpunkt der Anlage. Der Krankenhauskirchenbau der Weimarer Republik“. 2010 gründete Daniela Danz die Internationale Schüler-Textwerkstatt „Svolvi“. 2013 bis 2020 leitete sie das Literaturmuseum Schillerhaus Rudolstadt in Thüringen. Seit 2002 ist Daniela Danz als freiberufliche Autorin tätig und lebt mit ihrer Familie in Kranichfeld. Ihre schriftstellerische Arbeit umfasst Lyrik, Prosa, Essays und Kinderliteratur. Auch ist sie als Librettistin tätig und arbeitet mit Filmschaffenden zusammen. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt und einige ihrer Texte in Zusammenarbeit mit Komponisten vertont. 2024 hatte Daniela Danz eine Poetikprofessur in Bamberg inne. Sie ist Vizepräsidentin der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz, sowie Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der Bayerischen und der Sächsischen Akademie der Künste. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien.Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  22. 28

    MDR Kultur trifft Regina Bittner

    „An die Substanz. Bauhaus Dessau 100.“ Vor 100 Jahren zog das Bauhaus nach Dessau und das wird seit September 2025 mit Ausstellungen, künstlerischen Programmen, Konferenzen und zahlreichen Festen gefeiert. Höhepunkt ist am 28. März die Eröffnung der Hauptausstellung „Glas, Beton, Metall“, sowie drei kleinere Freiluftpräsentationen. Das Jubiläumsjahr will auch daran erinnern, warum das Bauhaus im Jahr 1925 nach Dessau kam: Aus ideologischen Gründen hatte die konservative Thüringer Landesregierung dem Bauhaus in Weimar die Finanzierung drastisch gekürzt. Zeitgleich nahmen die diffamierenden Angriffe auf das Bauhaus zu. 1933, ein Jahr nach dem erzwungenen Umzug des Bauhauses von Dessau nach Berlin, wurde es unter dem Druck der Nationalsozialisten als „entartet“ aufgelöst. Regina Bittner ist die Leiterin der Bauhaus-Akademie und Stellvertretende Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau. In ihren Verantwortungsbereich fallen die Konzeption und Lehre der postgradualen und transdisziplinären Programme zur transkulturellen Moderne in der Design-, Architektur- und Bauhausforschung. Regina Bittner kuratierte zahlreiche Ausstellungen zum Bauhaus und zur Kulturgeschichte der Moderne, u.a. 2019 die Sammlungspräsentation Versuchsstätte Bauhaus. Sie war u.a. von 2017 bis 2019 kuratorische Beraterin des Forschungs- und Ausstellungsprojektes Bauhaus Imaginista, im gleichen Zeitraum Jurymitglied der Kulturstiftung des Bundes zum Fond Bauhaus. Heute und seit 2019 ist Regina Bittner Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates des Mies van der Rohe Haus Berlin. Die Mitarbeit in internationalen Jurys und Kuratorien ist fester Bestandteil ihrer beruflichen Praxis. In die Jubiläumsausstellung in Dessau „Glas, Beton, Metall“ ab 28. März gab sie ihr Wissen in den Ausstellungsbaustein „Bauhaus im Glas“ ein. Regina Bittner treibt an, alltägliche Begebenheiten und Artefakte als Verflechtungsgeschichten zu erzählen, herauszufinden, warum diese für Menschen bedeutsam geworden sind. Und, sie mag und schätzt die Zusammenarbeit mit internationalen Studierenden und jungen Forscherinnen. Das „Bauhaus Lab“ unter Ihrer Leitung bietet dazu viele Möglichkeiten. Jährlich lädt das „Bauhaus Lab“ acht junge internationale professionelle Architekten, Designer, Forscher und Kuratoren zu einer dreimonatigen Kollaboration ans Bauhaus ein, um an einem ausgewählten Objekt der Bauhausgeschichte Facetten transkultureller Kulturproduktion zu erforschen und daraus eine gemeinsame Ausstellung zu erarbeiten. In Freiberg in Sachsen wurde Regina Bittner geboren. Sie studierte Kulturwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Leipzig und promovierte am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt Universität zu Berlin. Ihre Forschungen bewegten sich anfangs mit Studien zu urbanen und regionalen Transformationsprozessen in Ostdeutschland. Von 1996 bis 1998 unternahm Regina Bittner ethnografische Studien zum regionalen Strukturwandel einer altindustriellen und schrumpfenden Region mit dem Fokus auf Wohnkulturen und Nachbarschaftsbeziehungen, die 1998 unter dem Titel „Kolonien des Eigensinns“ veröffentlicht wurden. In ihrer Dissertation befaßte sie sich mit dem Identitätsbildungsprozeß der Stadt Dessau als Bauhausstadt. Seit 2019 ist Regina Bittner Honorarprofessorin am Institut für Kunstgeschichte und Archäologie der Martin-Luther-Universität in Halle. Von 2021 bis 2022 war sie Gastprofessorin am Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig. Moderation: Thomas Bille Redaktion: Angelika Zapf

  23. 27

    MDR KULTUR trifft Iryna Fingerova

    Iryna Fingerova, geboren 1993 in Odessa und in einer jüdischen Familie aufgewachsen, kam 2019 nach Deutschland. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebte und arbeitete sie zunächst drei Jahre in Kamenz. Beide sind Ärzte. Heute leben sie in Dresden und Iryna Fingerova arbeitet neben dem Klinikalltag wieder und zudem als Journalistin und Schriftstellerin. Am 20.02. erschien im Rowohlt Verlag ihr neuer Roman „Zugwind“, übersetzt von Jakob Walosczyk. Der Angriffskrieg Rußlands auf die Ukraine am 24.02.2022 hinterlässt auch im Leben von Iryna Fingerova Spuren, wie im Leben ihrer Protagonistin Mira Zehmann: Hausärztin, Mutter, Ehefrau, deren Welt mit den Bomben auf die alte Heimat aus den Fugen gerät und einen erbarmungslosen Zugwind durch ihr Leben wehen lässt. Mit Schlafstörungen, Panikattacken und Erschöpfungssymptomen stehen die ukrainischen Patienten Schlange, um bei Mira Zehmann Trost, Heilung und Mitgefühl zu suchen. Doch diese kommt mit der Zeit für sich selbst zu dem Schluss: Sie muss nach Odessa reisen, muss ihre neunzigjährige Großmutter besuchen, das Meer sehen und mit ihren Freunden tanzen gehen. Iryna Fingerova veröffentlichte bislang Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Essays und Kinderbücher. „Zugwind“ ist ihr dritter Roman und der erste, den sie in Teilen auf Deutsch verfasst hat. Sie schreibt für den Züricher Tagesanzeiger, die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum. Iryna Fingerova erhielt 2025 den 2. Platz beim Literaturpreis „Schreiberei“ des Leykam Verlag und war 2025 mit „Wunden überall“ für den Deutschen Sozialpreis nominiert. Sie ist Gründerin und Kuratorin des in Odessa ansässigen „Theaters der Ohren“. In Dresden engagiert sich Iryna Fingerova aktiv im 2022 gegründeten Begegnungs- und Integrationszentrum „Ukrainisches Haus“, ist Vorstandsmitglied Plattform Dresden e.V. - Förderung deutsch-ukrainischer Kulturbeziehungen.Moderation: Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf

  24. 26

    MDR KULTUR trifft Paul Smaczny

    In der langen Liste seiner Produktionen im vornehmlich klassischen Musikbereich ist es das erste Portrait eines bildenden Künstlers. Mit dem außergewöhnlichen Auftrag an den Leipziger Maler Michael Triegel im Jahr 2000 kam Paul Smaczny die Idee diesen über letztendlich fünf Jahre mit der Kamera zu begleiten. Mit sensiblem Blick aus nächster Nähe verfolgte er die Neugestaltung der 1541 zerstörten Mitteltafel des Cranach-Altars im Naumburger Dom durch Michael Triegels Hand. Der Künstler gewährte ihm Zutritt in sein Atelier, gab Einblick in sein handwerkliches Können, sein Verständnis von Leben, Kunst und Religion, seinen Blick auf Welt, die Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Kurz vor Abschluss des bislang größten Werkes von Michael Triegel im Jahr 2022 äußerte ICOMOS, das Fachgremium der UNESCO, Bedenken gegen den Altar im Westchor des Naumburger Doms. Zweimal wurde er auf- und abgebaut. 2025 fand er schließlich für zwei Jahre Domizil im Vatikan in Rom, da Naumburg die Aberkennung des UNESCO-Welterbetitels drohte. Diese nicht vorhersehbare Entwicklung forderte auch vom Regisseur eine Entscheidung. In Abensberg, im niederbayerischen Landkreis Kelheim, ca. 30 km südwestlich von Regensburg und ca. 40 km östlich von Ingolstadt, wurde Paul Smaczny 1957 geboren, dort wuchs er auf. In Regensburg und Paris studierte er Rechtswissenschaften, Romanistik und Germanistik. Von 1986 bis 1989 arbeitete Paul Smaczny in Frankreich am Theater als Regieassistent und Dramaturg. 1989 wechselte er als Regisseur und Redakteur zu Film und Fernsehen und realisierte zahlreiche internationale Dokumentarfilme vor allem im Bereich der klassischen Musik. Zu seinen vielfach preisgekrönten Filmen zählen, „Claudio Abbado - Die Stille hören. Skizzen für ein Portrait. “, „Entre-Quatre-z-Yeux“, „Maestros in Democracy“, „Multiple Identities - Encounters with Daniel Barenboim.“ Für den Film “Knowledge is the Beginning - Daniel Barenboim and the West-Eastern Divan Orchestra” erhielt Paul Smaczny u.a. den International Emmy Award 2006 und den Klassik-Echo-Preis für die beste DVD Produktion. Ab 1995 leitete Paul Smaczny den Produktionsbereich der Firma EuroArts Music und war von 2000 bis 2009 deren Geschäftsführer mit Sitz im Mendelssohnhaus in Leipzig. Das Unternehmen EuroArts mit Niederlassungen in New York und Berlin galt neben der britischen Konkurrenz von RM Arts und NVC Arts als führende TV-Produktions- und Vertriebsfirma für Klassik und Jazz. 2010 gründete Pauls Smaczny in Leipzig dann seine eigene Firma ACCENTUS Music und ein gleichnamiges DVD Label. Bereits im ersten Jahr wurden Produktionen wie „Evgeny Kissins Warschauer Chopin-Projekt“ oder Daniel Barenboims pianistischer Beitrag zum Chopin-Jahr 2010 realisiert, Claudio Abbados erste Konzertaufzeichnung mit dem Simón Bolìvar Jugendorchester oder seine Fortführung des Mahler-Zyklus mit dem Lucerne Festival Orchestra. Weltpremiere legte er auf DVD vor, vier fast vergessene Kantaten von Wilhelm Friedemann Bach, zu Ehren seines 300. Geburtstages. 2012, dem Jahr des 800jährigen Bestehens des Thomanerchors, kam ein Film über den Knabenchor ins Kino und ins internationale Fernsehen. Weiterhin erschienen 2012 „John Cage – Journeys in Sound“, 2014 „Music, a Journey for Life - Riccardo Chailly“, 2016 „Zhu Xiao-Mei - How Bach Defeated Mao“, 2018 „Gidon Kremer - Die eigene Stimme finden“ und 2022 „When Music resounds, the soul is spoken to - Herbert Blomstedt“.Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  25. 25

    MDR KULTUR trifft Dennis Krauß

    Der undotierte Preis DER FAUST würdigt in acht Kategorien, sowie mit einem Preis für das Lebenswerk, Kulturschaffende, deren herausragende Leistungen wegweisend für das deutsche Theater sind. Vergeben wird die Auszeichnung von der Kulturstiftung der Länder, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und dem Deutschen Bühnenverein. Die Neuproduktion „Sleepless“ von Dennis Krauß feierte am 17.04.2024 im Opernhaus Chemnitz seine Premiere. Grundlage ist der Erzählband „Trilogie“ des norwegischen Autors Jon Fosse, 2023 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Eine kluge mutige Arbeit, die publikumswirksam ihren eigenen Weg sucht und selten in der Interpretation von zeitgenössischen Opern zu erleben ist, so die Jury-Begründung in der Kategorie Regie Musiktheater. Derzeit arbeitet Dennis Krauß an der Neuproduktionen von „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart am Theater Chemnitz. Die Premiere ist am 30. Januar. Kein moralisches Lehrstück, heißt es in der Ankündigung, sondern ein faszinierender Balanceakt zwischen Komödie und Tragödie, Chaos und Ordnung, Freiheit und Zwang, zwischen der grotesken Komik des Maskenballs und der tödlichen Ernsthaftigkeit des Abgrunds, der in der universellen Frage mündet: Wie viel Individualität kann eine Gesellschaft ertragen, bevor sie ins Wanken gerät? In Berlin wurde Dennis Krauß 1991 geboren. An der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin studierte er Regie und arbeitete anschließend als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner. Dennis Krauß war Assistent am Schauspiel Frankfurt, dem Berliner Ensemble und später als langjähriger Mitarbeiter von Regisseur und Bühnenbildner Ulrich Rasche an international renommierten Theater- und Opernhäusern wie dem Residenztheater München, dem Burgtheater Wien, der Staatsoper Stuttgart, dem Grad Théatre de Genève und den Salzburger Festspielen tätig. Mit der Inszenierung von „Tristan und Isolde für Kinder“ im Rahmen der Bayreuther Festspiele 2021 und neu inzensiert für das Tokyo Spring Festival 2024 erlangte Dennies Krauß erste überregionale Aufmerksamkeit. Mit Benjamin Brittens „A Midsummer Night`s Dream“ debütierte er 2022 als Regisseur und Bühnenbildner am Theater Aachen. Es folgten Engagements an den Theatern Krefeld-Mönchengladbach, Chemnitz und Regensburg. Zuletzt eröffnete Dennis Krauß mit „Der fliegende Holländer“ am Theater Osnabrück die aktuelle Spielzeit.Moderation: Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf

  26. 24

    MDR KULTUR trifft Babett Baraniec

    Zusammen mit Sebastian Miedtank betreibt Babett Baraniec eine digitale Begleitplattform, die Krebspatientinnen und -patienten, sowie ihre Angehörigen mit verständlichen Expertenkursen, praktischen Selbstmanagement-Tools und Online-Gesprächsforen durch die jeweiligen Therapiephasen begleitet, finanziert über günstige Mitgliedsbeiträge. Das Angebot umfaßt interaktive, evidenzbasierte Lernmodule zu Themen wie Diagnoseverständnis, Symptom- und Nebenwirkungsmanagement, Ernährung, Sozialrecht oder Komplementärmedizin, um Betroffene bei ihren Entscheidungen zu unterstützen. Das 2023 gegründete Unternehmen Gesundheitsedukation Babett Baraniec, Sebastian Miedtank GbR - Krebs Campus schafft somit auch Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung und trägt dazu bei, daß das Gesundheitssystem langfristig entlastet wird, so die Begründung der Jury. Diese besteht aus Vertretern von Stiftungen, Wohlfahrtsverbänden, Hochschulen, Wirtschaftsförderung, Kreativwirtschaft und zivilgesellschaftlichen Organisationen.Babett Baraniec treibt an, daß Wissen Angst kleiner macht, die Selbstwirksamkeit stärkt. Sie selbst war nach dem Studium in der medizinischen Grundlagenforschung tätig, promovierte in Neurobiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, als sie 2012 schwanger wurde und mit der Geburt Ihrer Tochter die Diagnose Leberkrebs erhielt. Metastasen fanden sich in den Folgejahren auch der Bauchdecke, der Nebenniere und in der Lunge. 19 Operationen liegen hinter ihr. Dennoch absolvierte Babett Baraniec in Gera noch einen Master-Studiengang in Medizinpädagogik und unterrichte viele Jahren angehende Pflegefachkräfte. In Leipzig wurde Babett Baraniec 1976 geboren, dort wuchs sie auf. Schon als Kind interessierte sie, herangeführt durch den Großvater, die Biologie. Nach dem Studium in Leipzig war sie von 2004 bis 2009 am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Zentrum für Molekulare Neurobiologie wissenschaftliche Angestellte und promovierte dort. 2009 bis 2012 war Babett Baraniec wissenschaftliche Angestellte an der Universität zu Lübeck am Institut für Anatomie. 2017 bis 2019 absolvierte sie an der Hochschule für Gesundheit Gera den Masterstudiengang Medizinpädagogik. Babett Baraniec lebte und arbeitete als Medizinpädagogin fünf Jahre in Plauen, u.a. am Helios Vogtland-Klinikum Plauen, zog 2021 nach Leipzig und arbeitete dort im Helios Park-Klinikum Leipzig an der Berufsfachschule und gründete im Februar 2023 in Leipzig die Gesundheitsedukation Babett Baraniec, Sebastian Miedtank GbR - Krebs Campus. Moderation: Thomas BilleRedaktion: Angelika Zapf

  27. 23

    MDR KULTUR trifft Bernd Ebert

    Seit Mai 2025 ist Bernd Ebert Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Eine der zentralen Fragen ist für den Kunsthistoriker und Generaldirektor „Was ist ein Museum?“ Und was kann es als Institution, als Museumsverbund leisten. Zu den Staatlichen Kunstsammlungen gehören zwölf Museen, darunter das Grüne Gewölbe, die Gemäldegalerie Alte Meister, das Albertinum, das Kupferstich-Kabinett, die Rüstkammer, der Mathematisch-Physikalische Salon, das Münzkabinett, das Kunstgewerbemuseum, sowie die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen und weitere Sammlungen, die an verschiedenen Orten in historischen Gebäuden wie dem Residenzschloss, dem Zwinger und dem Jägerhof beheimatet sind.Das Jahr 2026 begann für Bernd Ebert am 09. Januar mit einer feierlichen Schlüsselübergabe für zwei fertiggestellte Festräume im Dresdner Schloss. Das ehemalige Residenzschloss ist eines der prominenten Aushängeschilder Dresdens. Im Februar 1945 wurde es bei der Bombardierung Dresdens stark beschädigt, seit 40 Jahren wieder aufgebaut und restauriert. Fürs Publikum werden sich der jetzt der Große Ballsaal und der Propositionssaal erst im April öffnen, wenn dort die neue Dauerausstellung „Masken und Kronen - Festkultur und Herrschaftspräsentation am sächsischen Hof“ eröffnet wird. Zwei weitere große Ausstellungen für 2026: Ab 08. Februar, dem 150. Geburtstag von Paula Modersohn-Becker, wird im Albertinum die Ausstellung „Paula Modersohn-Becker und Edvard Munch. Die großen Fragen des Lebens“ eröffnet und im Semperbau am Zwinger ist im September „Correggio. Berührend menschlich“ zu sehen.In Berlin wurde Bernd Ebert 1972 geboren, dort wuchs er auf. In Dresden absolvierte er Anfang der 90er Jahre zunächst eine Ausbildung bei der Deutschen Bank zum Bankkaufmann. Anschließend studierte Bernd Ebert in Bonn Kunstgeschichte, Rechtswissenschaft und Betriebswirtschaft. 2005 promovierte er zu den niederländischen Barockmalern Simon und Isaack Luttichuys. Mehrjährige Forschungsaufenthalte führten in dafür in die Niederlande. Anschließend arbeitete Bernd Ebert für Privatsammlungen, den Kunsthandel, war für zahlreiche Museen wie die Kunsthalle Emden, das Metropolitan Museum of Art in New York, die Newtown Galleries in Johannesburg, die National Gallery of South Africa und das Irma Stern Museum Kapstadt tätig. 2005 bis 2013 war Bernd Ebert zunächst als wissenschaftlicher Museumsassistent in der Generaldirektion und Gemäldegalerie, später als wissenschaftlicher Referent des Generaldirektors der Staatlichen Museen zu Berlin - Stiftung Preußischer Kulturbesitz tätig. 2011 forschte er u.a. als Gastwissenschaftler am Getty Research Institute in Los Angeles. 2013 bis April 2025 leitete Bernd Ebert die Sammlung für Holländische und Deutsche Barockmalerei an der Alten Pinakothek München der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen und war damit verantwortlich für die Staatsgalerien in Bayreuth und Bamberg.Moderation: Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  28. 22

    MDR KULTUR trifft Jeffrey Döring

    Jeffrey Döring ist freier Regisseur, Dramaturg und Produzent aus Leipzig. 2024 war er für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST für seine Produktion RUSALKA nominiert. 2024 auch hat Jeffrey Döring die Dokumentar-Oper mit der Musik von Béla Bartók „Blaubarts Burg - Klänge der Einsamkeit“ im Zentrum für immersive Medienkunst, Musik und Technologie in Leipzig auf die Bühne gebracht. Am 18. Dezember 2025 war die französischsprachige Premiere an der Opéra de Lille. Im Januar tourt das Stück dann durch Provinzen in Nordfrankreich. In Greiz wurde Jeffrey Döring geboren, im sächsischen Elsterberg wuchs er auf. Von 2010 bis 2013 studierte er an der Freien Universität Berlin Theaterwissenschaft, Philosophie und Germanistik. Anschließend und bis 2015 nahm er ein Masterstudium der Dramaturgie an der Akademie für Darstellende Kunst und der Filmakademie Baden-Württemberg auf. Jeffrey Döring war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und des Reemtsma Begabtenförderungswerkes. Zwischen medialer Installation und gamifizierter Performance liegen seine Inszenierungen, die u.a. bei den „Raumwelten“ in Ludwigsburg, am Theater Rampe in Stuttgart, am Volkstheater Rostock, auf der Kulturinsel Stuttgart, bei „Podium“ - Festival Esslingen, der Oper Stuttgart, sowie der Kunsthalle Tübingen und dem Landesmuseum Württemberg präsentiert wurden. Ein weiterer Schwerpunkt von Jeffrey Döring liegt in der Arbeit mit Gehörlosen und die Erforschung der Deutschen Gebärdensprache auf der Bühne. Produktionen mit dem Deutschen Gehörlosentheater waren in München, Berlin, in Esslingen, Karlsruhe und Hamburg zu sehen. Jeffrey Döring ist Gründer und künstlerischer Leiter der freien Theater- und Mediengruppe „Goldstaub e.V.“. Mit zahlreichen Preisen und Stipendien wurden seine Arbeiten gewürdigt. 2025 übernahm Jeffrey Döring die Künstlerische Leitung des Greizer Theaterherbstes. Moderation: Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  29. 21

    MDR KULTUR trifft Martin Walter

    Am 20.12. jährt sich der Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt. Sechs Menschen starben, über 300 wurden verletzt. Als Sprecher des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit Halle -Jena - Magdeburg konnte Prof. Martin Walter damals sehr schnell erste Antworten zum Umgang in Ausnahmesituationen den Betroffenen zur Hand geben und an einem eng vernetzten stufenweisen organisierten Netzwerk aus Fachleuten für erst später sichtbare werdende Trauma mitwirken. Er ist Psychiater und Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Jena und nahm zudem Kontakt zu den Kollegen seines Fachs auf, die 2016 die Menschen nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche Erstversorgten.Die Landeshauptstadt Magdeburg hat für den 20.12.2025 gemeinsam mit Kirchen und Religionen, mit Vereinen und Initiativen einen Gedenktag vorbereitet, um an jene Menschen zu erinnern, die ihr Leben verloren oder körperlich und psychisch verletzt wurden. Den Auftakt bildet um 11.00 Uhr ein öffentlicher Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Johanniskirche. Von 17.30 bis 18.30 Uhr ist die Gedenkstunde für Betroffene und Hinterbliebene, sowie geladene Gäste in der Johanniskirche.In Leipzig wurde Martin Walter 1978 geboren. Die Eltern reisten mit dem damals elfjährigen Sohn und seinem Bruder im Herbst 1989 in die Bundesrepublik Deutschland aus. Martin Walter wuchs in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz auf und mehre Jahre in einem kleinen Dorf in der Eifel. Von 1999 bis 2006 studierte er Humanmedizin und Philosophie in Magdeburg, Lyon, Kansas und Zürich. Längere klinische Auslandsaufenthalte führten ihn nach Bosnien-Herzegowina und Tansania. 2006 bis 2012 absolvierte Martin Walter die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Dissertation und Habilitation in Magdeburg. 2012 bis 2020 wirkte er als Arbeitsgruppenleiter am Leibniz Institut für Neurobiologie in Magdeburg, von 2016 bis 2019 war er W3-Professor und Leitender Oberarzt an der Universitätsklinik für Psychiatrie Tübingen und 2016 bis 2020 Arbeitsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen. Seit 2019 ist Martin Walter Lehrstuhlinhaber und Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie Jena. Seit 2021 ist er außerdem Sprecher des Standortes Halle – Jena - Magdeburg des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit, seit 2023 Präsident des Ärzteverbandes LongCovid und seit 2024 Vize-Präsident, Deutsche Gesellschaft für Biologische Psychiatrie, Leiter der Therapiestudie zur Ketamin-augmentierten Psychotherapie bei Behandlungsresistenter Depression. 2011 bis 2014 nahm Martin Walter Gastprofessuren in New Jersey, USA an und von 2011 bis 2014 an der Chinese Academy of Science in Peking, China. Seit 2014 lehrt er am Tianjin Mental Health Institute in Tianjin, China. Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  30. 20

    MDR Kultur trifft Michael Andrick

    Am 04. Dezember jährt sich der 50. Todestag von Hannah Arendt. Sie gehört zu den bedeutenden Denkerinnen des 20. Jahrhunderts. An deutschen Universitäten ausgebildet, aus Europa in die USA als Jüdin vertrieben, richtete sich ihr Bemühen auf Verstehen und Erkennen des miterlebten Jahrhunderts der Weltkriege, Totalitarismen, Verfolgungen und Revolutionen. Hannah Arendt`s emphatischer Begriff des Handelns wirkte weltweit inspirierend, so auch ihr Merksatz: „Der Sinn von Politik ist Freiheit“. Michael Andrick ist Philosoph, Sachbuch-Autor, Essayist und Kolumnist. Für die stilistische Klarheit und Prägnanz seiner Texte erhielt Michael Andrick 2022 den Jürgen-Moll-Preis. Er publiziert in „Der Freitag“, bei DLF Kultur, „Die Welt“, der „Berliner Zeitung“ und im „Cicero“. Als Autor wurde Michael Andrick mit dem Buch „Erfolgsleere. Philosophie für die Arbeitswelt“, Herder Verlag 2020, bekannt. Im Bestseller „Im Moralgefängnis“, Verlag Westend 2024, ging er den Ursachen gesellschaftlicher und politischer Polarisierung auf den Grund. Sein jüngstes Buch „Ich bin nicht dabei - Denk-Zettel für einen freien Geist“ erschien im Mai im Karl Aber Verlag, versammelt Texte gegen die Konformität, ist ein Plädoyer für den freien Geist und ein Aufruf zum kritischen Denken. Am 27.11. war Michael Andrick bei den Ettersburger Gesprächen zu Gast. Das Thema: „Der Sinn von Politik ist Freiheit. Hannah Arendt zum 50. Todestag“. 1980 wurde Michael Andrick unter dem Familiennamen Krause geboren. Seine Eltern waren aus der DDR geflohen und saßen wegen Fluchtversuch im Gefängnis. Das Abitur leistete Michael Andrick bei Hannover und studierte als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes in Erfurt, in Leeds in Großbritannien und in Berlin. 2010 erfolgte an der FU Berlin die Promotion in Philosophie: „Göttlicher Wille und menschliche Macht: Strategien zur Befriedung der Gesellschaft bei Locke und Spinoza“, veröffentlicht in der Symposion-Reihe des Alber Verlags. Seit 2006 war Michael Andrick in industriellen Großunternehmen tätig, unter anderem drei Jahre als Führungskraft in den USA und als Digitalisierungsmanager in Deutschland. Heute lebt er mit seiner Frau und den drei Töchtern in Berlin und in Boltenhagen an der Ostsee. Moderation: Julia Hemmerling Redaktion: Angelika Zapf

  31. 19

    MDR Kultur trifft Lara Schink

    Allerseelen, Volkstrauertag und Totensonntag. Der November verbindet sich in vielen Kulturen mit Tod und Trauer. Ein weltlicher November-Gedenktag ist der Volkstrauertag, seit 1952 immer am zweiten Sonntag vor dem ersten Advent. In diesem Jahr ist das der 23. November. Der Tag soll zu Verständigung und Frieden mahnen. Die Deutschen gedenken der Opfer der beiden Weltkriege, sowie des Nationalsozialismus. Im Deutschen Bundestag wird an die Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen erinnert. Die 1990 in Köln geborenen Lara Schink absolvierte 2009 bis 2014 ein Gartenbaustudium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden, einschließlich eines dreiwöchigen Praktikums auf dem Johannisfriedhof Dresden. Von 2014 bis heute ist Lara Schink Friedhofsverwalterin im Verband der Annenfriedhöfe Dresden. Diese Tätigkeit beinhaltet u.a. die Entwicklung neuer Grabangebote, Begleitung von Bau- und Denkmalrestaurierungsmaßnahmen, Umweltprojekte, Öffentlichkeitsarbeit, Lobbyarbeit und Fördermittelbeschaffung. Ab 2019 wirkte sie zudem freiberuflich als Lehrbeauftragte für das Teilmodul „Friedhofsgartenbau“ für Gartenbau-Studierende an der HTW Dresden. Lara Schink ist Sprecherin des Netzwerks Dresdner Stadtteilfriedhöfe und war Teil des Projekts „Green Urban Labs II“. 2023 wurde Lara Schink von der Bürgermeisterin Eva Jähnigen und dem Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e.V. mit dem Memento-Award u.a. für herausragendes bürgernahes Engagement“ ausgezeichnet. Im Juni wurde der Neue Annenfriedhof 150 Jahre alt und das wurde mit einem Picknickkonzert gefeiert. Der Neue Annenfriedhof ist der vierte angelegte Annenfriedhof, und damit der jüngere der beiden, die bis heute bestehen. Der erste Annenfriedhof geht auf das Jahr 1578 zurück, als Kirchhof der Annenkirche. Er blieb bis 1828 geöffnet. Im September, am Tag des Offenen Denkmals und am bundesweiten Tag des Friedhofs gab es auf dem Neuen Annenfriedhof abwechslungsreiche Führungen, Veranstaltungen und Gesprächsangebote.Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  32. 18

    MDR KULTUR trifft Olaf Theuerkauf

    Am 03.11. wird seit dem Jahr 2000 der Weltmännertag, ein Aktionstag zur Männergesundheit, begangen und am 19.11. der Internationaler Männertag, eingeführt 1999 von Trinidad und Tobago. Zu den Zielen des Internationalen Männertages gehört das Augenmerk auf Männer - und Jungen-Gesundheit zu legen, das Verhältnis der Geschlechter zu verbessern, die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern und männliche Vorbilder hervorzuheben. Auch gilt dieser Tag als Anlass Benachteiligungen von Männern und Jungen aufzuzeigen und ihren Einsatz für die Gemeinde, Familie, Ehe und Kinderbetreuung zu würdigen. 2006 wurde Olaf Theuerkauf Mitbegründer der Stiftung Männergesundheit mit Sitz in Berlin und ist heute deren kaufmännischer Vorstand. Am 19.11. wird der aktuelle und sechste Männergesundheitsbericht der Stiftung Männergesundheit vorgelegt. Er trägt den Titel „Gewalterfahrungen von Jungs und Männern und die Folgen für ihre Gesundheit.“ Und erscheint im Psychosozial-Verlag. In Zella-Mehlis wurde Olaf Theuerkauf 1967 geboren. Von 1983 bis 1988 studierte er an der Hochschule für Musik Franz-Liszt in Weimar und besuchte als ausgebildete Trompeter und Diplommusiker von 1987 bis 1990 die Meisterklasse von Prof. Ludwig Güttler. Nach dem NVA-Grundwehrdienst im Musikcorps bis Frühjahr 1990 arbeitete Olaf Theuerkauf bis 1992 als Solotrompeter in Rudolstadt und dem Deutschen Nationaltheater in Weimar. 1992 bis 1993 gründete und leitete eine Konzert - und Künstleragentur und ist seit 1993 und bis heute Geschäftsführer der Kongress- und Kulturmanagement GmbH in Weimar. Zudem war er Geschäftsführer von 2002 bis 2012 der AVISO Verlagsgesellschaft PR und PA, 2002 bis 2008 der dkg-web.gmbh, 2005 bis 2014 der GmbH Begehbare Organe und Health und 2008 bis 2013 Generalsekretär vom Dachverband der Prostatazentren e.V.Moderation: Thomas Bille Redaktion: Angelika Zapf

  33. 17

    MDR KULTUR trifft Nirit Sommerfeld

    1961 in Eilat in Israel geboren, in Ostafrika und in Bayern aufgewachsen, lebt Nirit Sommerfeld seit Frühjahr 2024 in Chemnitz. Im diesjährigen Kulturhauptstadtjahr schaffte Nirit Sommerfeld am einstigen Geschäftssitz am ehemaligen Antonplatz mit Chemnitzer Schülerinnen und Schülern einen lebendigen Erinnerungsort. Zudem eröffnete Nitit Sommerfeld im smac, dem Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz, das Museumscafé „Julius im Schocken“. Dort auch wird am 14. Dezember „Tacheles. Das Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 in Chemnitz“ eröffnet, in welches sich Nirit Sommerfeld ebenfalls einbringen wird. Die für den 09. November im Café „Julius im Schocken“ geplante Veranstaltung in Erinnerung an die Reichpogromnacht 1938 mußte krankheitsbedingt kurzfristig abgesagt werden und nun im Dezember zur Auffühung kommen. Erstmalig und in Anwesenheit von Patricia Litten wird das Hör- und Rate-Spiel „Sommerfeld. Litten. X.“ - kurz SoLiX zur gezeigt, entwickelt und gestaltet von Jugendlichen aus Chemnitz unter fachlicher Begleitung. Die Live-Musik kommt von Nirit & Orchester Shlomo Geistreich. Im Sommer veröffentlichte Nirit Sommerfeld ihren Debütroman „Beduinenmilch“ im Verlag ars vivendi und er war nach kurzer Zeit bereits vergriffen. Die Neuauflage erscheint dieser Tage. Ein Buch, welches drängende Fragen nach Zugehörigkeit, Verantwortung und Menschlichkeit stellt. Nirit Sommerfeld ist Mitbegründerin des „Bündnisses für Gerechtigkeit zwischen Israelis und Palästinensern“ und engagiert sich seit vielen Jahren für die israelisch-palästinensische Freundschaft. Die Mutter von Nirit Sommerfeld wurde 1937 in Jerusalem, damals Palästina, geboren. Ihr Vater kam 1919 in Chemnitz zur Welt. 1937 floh er als 18-jähriger nach Palästina. Sein Vater Julius, der Großvater von Nirit Sommerfeld, war ein Chemnitzer Tuchhändler, der von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde. Sein Geschäft wurde zu einem „Jüdischen Altersheim“ umgebaut. 1961 wurde Nirit Sommerfeld in Eilat in Israel geboren, wuchs dort und in Ostafrika und in Bayern auf, wo sie 1981 das Abitur machte. 1981 bis 1984 absolvierte sie ein Schauspielstudium an der Hochschule für Kunst und Musik Mozarteum in Salzburg und nahm 1984 bis 1987 ein Engagement als Schauspielerin am Stadttheater Krefeld/ Mönchengladbach an. Nach der Geburt ihrer Tochter Lilian arbeitete Nirit Sommerfeld ab 1988 freiberuflich als Drehbuch- und Synchronbuch-Autorin, als Schauspielerin an freien Theatern, sowie für Film und Fernsehen, als Autorin, Projektleiterin und Regisseurin in Berlin, München, Wien, Rom und Tel Aviv. 1994 kam ihre Tochter Stella zur Welt. Drei Jahre später gründete Nirit Sommerfeld die Agentur Sarah Stern: Management und Coaching für Künstlerinnen, war 2007 bis 2009 freie Autorin in Tel Aviv, 2013 bis 2015 Intendantin des „Kleinen Theater Haar“ in Oberbayern und von 2015 bis 2016 Geschäftsführerin einer NGO. 22 Jahre und bis 2020 stand Nirit Sommerfeld mit ihrer Band „Orchester Shlomo Geistreich“ auf der Bühne. 2020 bis 2022 schrieb sie an Ihrem Roman „Beduinenmilch“ und entwickelte 2023 das Kultur-Projekt „Antonplatz 15“ in Chemnitz. 2024 zog Nirit Sommerfeld nach Chemnitz, gründete und leitet den Verein Antonplatz e.V.Moderation: Karoline KnappeRedaktion: Angelika Zapf

  34. 16

    MDR KULTUR trifft Franziska Winter

    Franziska Winter wurde bei der diesjährigen Filmkunstmesse in Leipzig der Hauptpreis für das beste Jahresfilmprogramm 2024 einer alternativen/ nichtgewerblichen Abspielstätte von der Mitteldeutschen Medienförderung überreicht. Dieser Preis ist mit 15.000 Euro verbunden und Franziska Winter, die seit dem vergangenen Jahr das Kino mon ami im Weimar leitet, überlegt davon einen Archivschrank zu kaufen, um die über 25 Jahre aufgebaute Filmplakatsammlung zu sichern und vielleicht auch einen neuen Vorhang für den Lichtspielsaal. Neugierde treibt sie an, das Wissen um die transformative und verändernde Kraft von Kunst und Kultur. Das braucht es, um Antworten auf die Frage zu finden „Wie sieht das Kino der Zukunft aus?“, die auch auf der Filmkunstmesse in Leipzig diskutiert wurde. Gegenwart ist bereits daß die Mitteldeutschen Kurzfilmnächte noch bis Dezember die besten Kurzfilme aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in den Kategorien Animation, Dok, Fiktion und Experimental, ausgezeichnet beim diesjährigen KURZSUECHTIG Kurzfilmfestival, in ausgewählten Kinos im Mitteldeutschland zeigen. Am 14. November ist im mon ami in Weimar Kurzfilmnacht. Der Auf- und Ausbau des kleinen Programmkinos mon ami geht mit dem Jahr 1999 auf Edgar Hartung zurück, der es nach vielen auch finanziell schweren Zeiten, gut aufgestellt und gut besucht nach 25 Jahren an Franziska Winter übergeben konnte. Für Edgar Hartung war das Schlüsselerlebnis für die spätere Leidenschaft Programmkino in jungen Jahren "Stalker" von Andrei Tarkowski, ein Klassiker des sowjetischen Kinos. 1985 ließ sich der gelernte Maschinenbauer daraufhin zum Filmvorführer ausbilden. Franziska Winter's Schlüsselmoment war ein Schulausflug ins Kino. Dort sah sie das erste Mal einen Film in Originalton, in Französisch. Heute ist sie promovierte Kulturwissenschaftlerin. 1988 wurde Franziska Winter in Rostock geboren. Von 2008 bis 2012 studierte sie in Hamburg Kulturanthropologie und Philosophie, sowie 2010 bis 2011 an der Universität Stockholm Social Anthropology, Gender ans Sexuality. Das Master-Studium Kulturwissenschaften - Culture, Arts and Media führte sie von 2012 bis 2014 an die Leuphana Universität Lüneburg. 2015 bis 2017 wirkte Franziska Winter als Redaktionsmitglied der EJECT - Zeitschrift für Medienkultur mit und wurde 2015 bis 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin der DFG-Forschungsgruppe Medien und Mimesis an der Bauhaus-Universität Weimar, 2020 bis 2023 Assoziierte am DGF Graduiertenkolleg Medienanthropologie an der Bauhaus-Universität Weimar, 2021 bis 2022 Stipendiatin und 2023 Wissenschaftliche Mitarbeiterin dort und von 2016 bis 2024 Doktorandin an der Fakultät Medien, Philosophie und Ästhetik an der Bauhaus-Universität Weimar. Seit 2024 ist Franziska Winter Kino- und Programmleiterin des mon ami in Weimar. Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  35. 15

    MDR KULTUR trifft Karsten Wolkenhauer

    Am 31. Oktober, am Reformationstag, erinnern Protestantinnen und Protestanten in aller Welt an den Beginn der Reformation durch die Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther. Mit der Kritik an der Kirche seiner Zeit stieß Martin Luther Veränderungen an, die später zum Entstehen der evangelischen Kirche führten. Der Reformationstag ist kein bundesweiter Feiertag, aber u.a. in den evangelischen Kirchen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird mit Gottesdiensten der Ereignisse am 31. Oktober 1517 gedacht. Seit März 2025 ist Karsten Wolkenhauer der Kirchenpräsident der Landeskirche Anhalt. Mit ca. 24.000 Mitgliedern in fünf Kirchenkreisen steht er der kleinsten evangelischen Landeskirche vor. Karsten Wolkenhauer sieht das als Chance und, daß eine kleine Kirche sehr gute Zukunftsmöglichkeit hat. Man sei so sehr nah am Menschen. Das ist ihm wichtig. So war Karsten Wolkenhauer u.a. auch in der Reihe „Dessauer Theaterpredigten“ zu erleben. Nachdem die Oper am Anhaltischen Landestheater Mozarts „Cosi fan tutte“ zur Premiere brachte hielt er am 12.10. in der Kirche St. Johannis in Dessau die Theaterpredigt „Cosi fan Tinder“. 1966 wurde Karsten Wolkenhauer geboren und wuchs in Herzberg am Harz auf. Er studierte ab März 1989 Theologie an der Kirchlichen Hochschule Berlin und später an der Universität Heidelberg. Anschließend war er zehn Jahre als Unternehmens- und Personalberater tätig. Danach arbeitete Karsten Wolkenhauer in Berlin-Niederschönhausen als Gemeindetheologe und übernahm ohne Ordination eine halbe Pfarrstelle. Von 2013 bis 2015 wirkte er im Kirchenamt der EKD in Hannover, war Referent der Präses und des Präsidiums der Synode der EKD. Nach seinem Vikariat in Stralsund und Prohn, der Aufnahme 2016 in die Societas Homiletica und Ordination 2018 im Dom zu Greifswald, war Karsten Wolkenhauer von 2018 bis 2020 Pastor im Entsendungsdienst im pommerschen Kirchenkreis, in Demmin. Dort initiierte er u.a. das Projekt „Domminer Trauertuch“. Im Zusammenhang mit dem Einmarsch der Roten Armee 1945 in Demmin nahmen sich sehr viele Menschen das Leben. Die Zahlen schwanken zwischen „viele Hundert“ bis hin zu „weit über tausend“. Im 75. Jahr des Gedenkens an die Toten des Kriegsendes in Demmin wurden ca. 1.000 Kreuze zu einem einzigen großen Patchwork-Tuch zusammengenäht. An diesem Trauertuch arbeiteten und nähten viele Menschen im In- und Ausland mit. 2022 erfolgte die Aufnahme von Karten Wolkenhauer in die Societas Liturgica. 2021 bis 2022 war er Pastor im Entsendungsdienst in der Kirchgemeinde Timmendorfer Strand, 2021 bis 2024 Pastor für Vertretungsdienste in der Propstei Lauenburg und im Kirchkreis Berlin Nord-Ost und 2024 Pfarrer der Kirchengemeinde Nikolassee- Karsten Wolkenhauer engagiert sich zudem unter anderem in der Nagelkreuzgemeinschaft, im Johanniterorden und den Internationalen Fachgesellschaften für Predigtlehre und Liturgie.Moderation: Ellen SchwedaRedaktion: Angelika Zapf

  36. 14

    MDR KULTUR trifft Sven Johne

    Der in Berlin lebende bildende Künstler Sven Johne arbeitet mit den Medien Foto, Text, Film. In den letzten Jahren beeindruckte er mit Ausstellungen wie „Heilpflanzen im Todesstreifen“, derzeit auch im Goethe-Institut in Sofia in Bulgarien zu sehen, „Lieber Wladimir Putin“ im Albertinum Dresden oder „Das sowjetische Hauptquartier“ im Kunstmuseum Magdeburg. Derzeit ist Sven Johne im Kunstmuseum Wolfsburg bis 11.01.2026 in der Schau „Utopia. Recht auf Hoffnung“ vertreten. In Berlin werden vom 01.11. bis 09.01.2026 in der Galerie KLEMM`S seine jüngsten Arbeiten in einer Einzelausstellung gezeigt. Sven Johne kann sich keinen schöneren Beruf als den Seinen vorstellen. Neugier treibt ihn an, Mißstände in Politik und Gesellschaft, Fragen zu dem was zwischen Schwarz und Weiß liegt. Er selbst beschreibt sich als einen Menschen des ungemütlichen Zwischenbereichs, den der Grautöne. Eine weitere Arbeit von Sven Johne „Following the Circus“ befindet sich in der Sammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und wird noch bis zum 31.10. in der Pinakothek der Moderne in München gezeigt. 2011 war Sven Johne dafür und für eine Saison dem Zirkus Probst gefolgt auf seiner Tour durch die ostdeutsche Provinz. Jedoch kam er immer zu spät, das Zelt war abgebaut, ernüchtert lagen die Orte vor ihm und die Karawane war weitergezogen, das Spektakel an einem anderen Ort. Filmkunstarbeiten „Vom Verschwinden“ oder „Das Haus“, den er in Hettstedt drehte, befinden sich ebenfalls in den Staatlichen Kunstsammlung Dresden. 1976 wurde Sven Johne in Bergen auf der Insel Rügen geboren, wuchs dort und später im Mannfelder Land auf. Nach einem Studium der Germanistik und Sprache, Publizistik und Onomastik von 1996 bis 1998 an der Universität Leipzig, studierte er von 1998 bis 2004 bildende Kunst bei Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, schloß mit dem Diplom ab und wurde Meisterschüler bei Timm Rautert. 2008 absolvierte Sven Johne in New York ein „Internationales Studio and Curatorial Program“, nahm 2010 eine Gastprofessur an der HGB Leipzig an und erhielt 2016 von der Akademie der Künste den Kunstpreis Berlin verliehen.Moderation: Thomas BilleRedaktion: Angelika Zapf

  37. 13

    MDR KULTUR trifft Christian Hain

    Christian Hain leitet seit über einem Jahr das 1896 errichtete und damit älteste Literaturarchiv in Deutschland, das Goethe- und Schillerarchiv der Klassik-Stiftung Weimar. Zwei Jahre zuvor hatte der promovierte Historiker diese Tätigkeit bereits kommissarisch übernommen und brachte die digitale Transformation, sowie eine inhaltliche Ausweitung des wissenschaftlichen Editionsprojekts „Propyläen - Goethes Biografica“ mit profunder Kenntnis und Kompetenz voran. Seit 2011 bereits ist Christian Hain Mitarbeiter im Goethe- und Schiller-Archiv. Neben Schriften zu Goethe und Schiller habe man über 150 Bestände. Künftig möchte Christian Hain so auch Dokumente von dem Komponisten und Klaviervirtuosen Franz Liszt ins digitale Archiv überführen. In diesem Jahr nun wird Goethes Ankunft in Weimar vor 250 Jahren mit einem Jubiläumsjahr in der Klassikerstadt gefeiert. Vom 30.04 bis Ende des Jahres lud und lädt das „Experiment Faust“ zu zahlreichen Veranstaltungen ins Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar. So kann man dort u.a. die Sonderausstellung „Aus Goethes Schreibwerkstatt“ besuchen. Sie zeigt selten öffentlich ausgestellte Manuskripte zu Goethes „Faust“ und führt die Werkentstehung und Arbeit des Dichters vor Augen, in Form von Handschriften, Vorarbeiten, Entwürfen, Konzepten und Reinschriften zu Goethes Lebenswerk. Das Goethe- und Schiller-Archiv in Weimar verfügt mit Goethes handschriftlichem Nachlaß über die weltweit umfangreichste Sammlung von Manuskripten zu „Faust I“ und „Faust II“. Seit 2001 ist sie Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. In Eisenhüttenstadt wurde Christian Hain 1982 geboren, in Guben wuchs er auf. An der Friedrich-Schiller-Universität Jena studierte Christian Hain von 2002 bis 2007 Geschichte, Germanistik und Erziehungswissenschaften und absolvierte das erste Staatsexamen für Lehramt an Gymnasien. Von 2007 bis 2020 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Teilprojekt „Geschlechterbeziehungen und Aufklärung“ des Sonderforschungsbereiches „Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800“. 2013 erfolgte die Promotion. Im Goethe- und Schiller-Archiv arbeitete Christian Hain von 2011 bis 2014 mit an- und von 2014 bis 2021 als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesamtausgabe der Briefe an Goethe in Regestform. Von 2022 bis 2024 war er Stellvertretender Direktor des Goethe- und Schiller-Archivs. Abteilungsleiter Digitale Editionen und Teilprojektleiter der Gesamtausgabe der Briefe an Goethe in Regestform. 15.10. 2025 Wiederholung, 20.03 bis 21.00 Uhr Moderation: Julia Hemmerling Redaktion: Angelika Zapf

  38. 12

    MDR KULTUR trifft Aron Boks

    Aron Boks, 1997 in Wernigerode geboren und in Berlin lebend, ist Slam Poet, Autor, Journalist, und Moderator. 2019 erhielt er den Klopstock-Förderpreis für Neue Literatur und 2019 auch erschien sein autobiografisches Buch "Luft nach unten" im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag. Seit 2021 schreibt Aron Boks vor allem für die taz und die taz.FUTURZWEI-Kolumne "Stimme meiner Generation". 2023 legte er sein Buch "Nackt in die DDR. Willi Sitte und was die ganze Geschichte mit mir zu tun hat." vor. Er begibt sich darin auf Spurensuche seines Urgroßonkels, dem Künstler und Funktionär Willi Sitte. Die Recherchen, die Arbeit an diesem Buch und seine Rezeption regten Aron Boks an, sich weiterhin mit der deutsch-deutschen Geschichte und ihrer Bedeutung für die Gegenwart auseinanderzusetzen. So moderiert er auch Literatur- und Gesprächsveranstaltungen mit Nachwendekindern aus Ost- und Westdeutschland, initiierte mit dem PEN Berlin und Deniz Yücel unter dem Titel "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen" im vergangenen Jahr 37 Veranstaltungen, von Annaberg bis Perleberg, von Ilmenau bis Zwickau. Eine Reihe, die Ende des Jahres 2025 in Erfurt fortgesetzt werden soll. Zunächst aber, kurz vor dem 35sten Jahrestag der Deutschen Einheit, erschien Aron Boks neues Buch "Starkstromzeit. Vom Leben in einem Staat, den es nicht mehr gibt", beim Verlag HarperCollins. Aron Boks geht hier der Geschichte seines Großvaters und Lampen-Designers Rolf Bültemann nach, der die Tizio-Lampe für die DDR "nachbauen" wollte. Doch dann kam die politische Wende. Das Buch beginnt in New York City, 45 Green Street, im April 2025 in einem hellen Designerlampengeschäft in SoHo, einer der angesagtesten Gegenden Manhattans und einer Verkäuferin, die keine gebückte grauhaarige Frau ist, die unter einem Berg alter Uhren und vergilbter Bücher hervorlugt, sondern eine Mittvierzigerin mit orangebraunem Pagenschnitt und eng anliegendem Kleid, die zur Begrüßung professionell lächelt. "Ich sehe aber kaum zu ihr hin, sondern zu der schwarzen Lampe, die auf einem beleuchteten weißen Podest steht. "Das ist sie", rufe ich aufgeregt und deute mit ausgestrecktem Zeigefinger darauf." Aron Boks, 1997 in Wernigerode geboren, begann mit 18 Jahren mit selbst geschriebenen Texten aufzutreten. 2016 wurde er Magdeburger Stadtmeister des Poetry Slams, sowie U20 Landesmeister des Poetry Slams Sachsen-Anhalt und steht seither mit seinen Texten oder als Moderator auf zahlreichen Bühnen im gesamten deutschsprachigen Raum. 2016 begann Aron Boks an der FU Berlin ein Studium der Germanistik und Geschichtswissenschaft, sowie später der Publizistik. Im Februar 2017 erschien seine erste Textsammlung "Mittwochskind" beim Unsichtbar Verlag. Zusammen mit dem Musiker Jonathan Schmitz ist er Begründer der Band "Das zappelnde Tanzorchester". Aron Boks ist Gründungsmitglied des PEN Berlin. Moderation: Julia Hemmerling Redaktion: Angelika Zapf

  39. 11

    MDR KULTUR trifft Lisa Trebs – Co-Projekt-Leiterin (K)Einheit

    Lisa Trebs ist ehrenamtliche Co-Gründerin und Co-Projektleiterin der Initiative (K)Einheit. Zusammen mit Vanessa Beyer, beide im Süden Leipzigs aufgewachsen und sich der Generation Z zugehörig fühlend, startete sie 2022 (K)Einheit als Filmprojekt. Lisa Trebs und Vanessa Beyer entwickelten dazu inter-generationale Dialog- und Zuhörformate in Chemnitz, Zwickau und Thalheim. Heute ist (K)Einheit ein gewachsenes Projekt mit 15 freiwillig engagierten Menschen aus Ost- und Westdeutschland, die mit Generationsgeschichten Grenzen überwinden und Identität(en) gestalten möchten. Aus den Bereichen Medien, Politik, Bildung und Projektmanagement kommend bringen sie sich in Film und Schnitt ein, geben Workshop-Anleitungen, agieren auf Social Media, betreiben Fördermittelakquise. Zum diesjährigen Tag der Deutschen Einheit am 03. Oktober ist Lisa Trebs mit K(Einheit) nicht in Saarbrücken, dem diesjährigen Austragungsort der Feierlichkeiten, sondern zusammen mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Düsseldorf, der Partnerstadt von Chemnitz. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen die Fragen: Was verbindet uns und was trennt uns auch noch als Städte in West- und Ostdeutschland und inwieweit spielt das nach 35 Jahren noch für eine junge Generation eine Rolle. Unter gleicher Fragestellung gab es zuvor eine Veranstaltung in Chemnitz, die mitgeschnitten und am 03.10. in Düsseldorf präsentiert wird, wie auch die Veranstaltung in Düsseldorf anschließend in Chemnitz gezeigt wird. Im vergangenen Jahr war Lisa Trebs bereits mit (K)Einheit zum Tag der Deutschen Einheit in Schwerin und in Mecklenburg -Vorpommern unterwegs. Zusammen mit Vertretern der Kulturhauptstadt Chemnitz initiierte sie einen Dialog, der in eine große Ausstellung einfließen- und ab 15. 11. im Chemnitz Open Space im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres zu sehen sein wird. Erfahrungen aus interEuropeOst, Workshops in Polen, der Tschechischen Republik und Deutschland bereichern und erweitern den Fokus ihrer Arbeit. In Zwenkau wurde Lisa Trebs 1997 geboren. Nach dem Abitur ging sie als Au-pair nach Irland, studierte in Dänemark und Großbritannien Kulturwissenschaften und internationale Beziehungen im Bachelor, sowie im Masterstudiengang Internationale Entwicklungen. Seit fünf Jahren lebt Lisa Trebs in Bonn und arbeitet als Referentin in der Entwicklungspolitik. Moderation: Thomas Bille Redaktion: Angelika Zapf

  40. 10

    MDR Kultur trifft Marianne Schröter – Direktorin Franckesche Stiftungen Halle

    Am 01. September übernahm Marianne Schröter die Stelle der Direktorin der Franckeschen Stiftungen in ihrer Geburtsstadt Halle. Die Franckeschen Stiftungen sind eine 1698 von dem evangelischen Theologen und Pädagogen August Hermann Francke unter anderem für Waisenkinder gegründete, weltweit anerkannte Kultur- und Bildungseinrichtung mit 150 Beschäftigten. Zur Stiftung gehört ein Bauensemble von über 50 Gebäuden nahe der Halleschen Altstadt mit einem Waisenhaus, Schulen, Internaten, einer Bibliothek, einer Kunst- und Naturalienkammer, sowie Wirtschafts- und Fürsorgebetrieben. Das denkmalsgeschützte Areal, von dem am Ende der DDR nur noch eine Ruine blieb, wurde nach der politischen Wende umfangreich restauriert. Den Wiederaufbau der einstigen Schulstadt von europäischem Rang, in den 150 Millionen Euro flossen, hat der Historiker und langjährige Direktor Thomas Müller-Bahlke über 30 Jahre maßgeblich geprägt und die Franckeschen Stiftungen zu einem international vernetzen, kulturellen und sozialen Bildungsort entwickelt. Die europaweit einzigartige Organisation mit ihren historischen Sammlungen in barocker Schularchitektur, ihren kulturellen Ausstellungen, den pädagogischen und sozialen Projekten beteiligt sich auch an öffentlichen Debatten zu demokratischer Bildung, gesellschaftlicher Teilhabe und nachhaltigem Handeln. Thomas Müller-Bahlke gilt auch als Wiederentdecker der Wunderkammer, einer verloren geglaubten Kunst- und Naturalienkammer der Stiftung. In der diesjährigen Jahresausstellung „300 Jahre Neugier. Verborgenes Wissen aus der Wunderkammer“ kann sie besichtigt werden. Marianne Schröter ist seit ihrer Jugend mit den Franckeschen Stiftungen auf das Engste verbunden. Die Aufgabe, diesen einzigartigen Bildungskosmos zu leiten, zumal als erste Frau in diesem Amt, sei für sie eine nie für möglich gehaltene Erfüllung eines großen Traums. An die Bemühungen ihres Vorgängers die Franckeschen Stiftungen als Unesco-Weltkulturerbe anzuerkennen wird Marianne Schröter anknüpfen. In Halle wurde Marianne Schröter 1969 geboren, dort wuchs sie auf. 1987 bis 1989 studierte sie an der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar und absolvierte anschließend ein einjähriges Gemeindepraktikum an St. Georgen in Halle. Von 1990 bis 1997 nahm Marianne Schröter ein Studium der Evangelischen Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auf. 1998 bis 2000 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Selbstaufklärung der Aufklärung“. 2001 bis 2003 wirkte sie als Eventmanagerin des Universitätsjubiläums und Kuratorin der Landesausstellung Sachsen-Anhalt „Emporium. 500 Jahre Universität Halle-Wittenberg“. Eine Assistentur am Lehrstuhl für Altes Testament hatte Marianne Schröter von 2001 bis 2005 inne und 2008 an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Ab 2002 war sie zudem durchgängig in akademischer Lehrtätigkeit. 2007 wurde sie Mitarbeiterin für Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit in den Franckeschen Stiftungen zu Halle. 2008 erhielt Marianne Schröter den Julius-Schniewind-Preis für hermeneutische Theologie, schloß ihre Dissertation an der Theologischen Fakultät Halle ab und nahm bis 2010 eine Dozentur im Fachbereich Evangelische Theologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main an. Von 2010 bis 2013 war sie Leiterin der Nachwuchsforschergruppe „Aufklärung und Religion in interkulturellen Bezügen“ und wissenschaftliche Koordinatorin am Exzellenznetzwerk „Aufklärung - Religion - Wissen“. Von 2013 bis 2023 war Marianne Schröter Geschäftsführerin der Stiftung „Leucorea“, Alte Universität Wittenberg, von August 2023 bis August 2025 Vorständin des Domstifts Brandenburg, das zur Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gehört.Moderation: Carsten TeschRedaktion: Angelika Zapf

  41. 9

    MDR KULTUR trifft Alice Lackner

    Alice Lackner kann auf ein 25 Jahre lang gewachsenes Festival aufbauen. Sie will ein Festival für alle anbieten, ob Musikkenner, Klassik-Einsteiger oder eben einfach nur Genießer. Für Alice Lackner, die zudem als Soziologin am ZOiS, Zentrum für Osteuropa und Internationale Studien, in Berlin arbeitet, ist Musik Heilung, Ventil, spiritueller Wegweiser, der oft auch Antworten auf die großen Fragen des Lebens geben kann. Für ihre erste Festivalausgabe GÜLDENER HERBST Ende September 2025 hatte sie Anfang des Jahres zu einem Ideenwettbewerb aufgerufen. Solisten und Ensembles von maximal fünf Musizierenden konnten sich mit einem eigenen Programm zum Motto „Welch ein Genuß!“ für einen Auftritt bewerben. Als Gewinner wurde der Traversflötist und Fotograf Yat Ho Tsang mit seinem Programm „Chinesisches Kabinett“ gekürt. Er wird ein Nachtkonzert geben. Genußvoll beginnt das Festival am 26. September. Nach einem Aperitif-Konzert im Sächsischen Hof mit dem Barockorchester Capella Jenensis lädt das Festival zur Eröffnung ins Staattheater Meiningen und der Oper „Didone abbandonata“ von Domenico Sarro. Zum Abschlusskonzert wird die neuzeitliche Wiederaufführung von Contis Oratorium „La colpa originale“ aus der Meininger Anton-Ulrich-Sammlung aufgeführt. Das Festival GÜLDENER HERBST wird gefördert von der Mitteldeutschen Barockmusik e.V. der Staatskanzlei des Freistaates Thüringen, Der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und den Städten Weimar und Meiningen. In München wurde Alice Lackner 1991 geboren. In Köln studierte sie von 2010 bis 2015 Gesang, Philosophie und Soziologie und machte von 2015 bis 2018 ihren Master of Arts an der Freien Uni-versität Berlin. Parallel dazu hatte Alice Lackner ein Stipendium am Theater Aachen, übernahm kleine und mittlere Rollen in Opern von Charpentier, Dvořák, Offenbach und Janáček. Seit 2019 arbeitet sie mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und Vladimir Jurowski, sowie der lautten Compagney Berlin und Wolfgang Katschner zusammen. Alice Lackner erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, ist Ensemblesängerin in den Vokaltrios Aix Alma Trio und meZZZovoce sowie Gast beim RIAS Kammerchor, SWR Vokalensemble, BR Chor, Klangforum Heidelberg und solistisch tätig im kirchenmusikalischen Bereich.Moderation: Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

  42. 8

    MDR KULTUR trifft Jens Neundorff von Enzberg

    Das Staatstheater Meiningen widmet die kommenden beiden Spielzeiten dem Theaterherzog Georg II. von Sachsen-Meinigen (1826 - 1914). Am damaligen Hoftheater war er Theaterleiter, Regisseur und Bühnenbildner. Anläßlich seines 200. Geburtstages am 02. April 2026 beginnt die „Goldene Jubiläumsspielzeit“ am 05. September mit dem Schauspiel „Die Jungfrau von Orleans“ von Friedrich Schiller (1759 – 1802). Das Staatstheater inszeniert damit eines der erfolgreichsten Stücke des Hoftheaters unter Georg II, sagt Jens Neundorff von Enzberg, Intendant und Operndirektor am Staatstheater Meiningen und Landestheater Eisenach. Am 07. September dann wird es ein großes Theaterfest geben. In Ilmenau wurde Jens Neundorff von Enzberg 1966 geboren. Nach seinem Studium der Musikwissenschaft, des Theatermarketing und der Kulturwissenschaften in Berlin und Leipzig war er ab 1992 als Dramaturg für alle Sparten am Südthüringischen Staatstheater Meiningen engagiert. 1996 wechselte er als Dramaturg an die Sächsische Staatsoper Dresden. Zudem war er mit der künstlerischen Leitung der „kleinen Szene“, der experimentellen Bühne der Semperoper, betraut. Von 2000 bis 2007 wirkte Jens Neundorff von Enzberg als Chefdramaturg für das Musiktheater und als Mitglied der künstlerischen Leitung des Theaters Bonn, hatte zudem die künstlerische Leitung der experimentellen Musiktheaterreihe „bonn chance!“ inne. In den Spielzeiten 2007/08 bis 2011/12 war er Operndirektor und Musiktheaterdramaturg am Staatstheater Braunschweig. Mit Beginn der Spielzeit 2012/13 wurde Jens Neundorff von Enzberg Intendant am Theater Regensburg. Zu Beginn der Spielzeit 2021/22 übernahm er die Intendanz am Staatstheater Meiningen und am Landestheater Eisenach. Moderation: Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  43. 7

    MDR KULTUR trifft Samo Darian

    Samo Darian leitet seit 2023 das bundesweite Förderprogramm „Aller.Land - zusammen gestalten. Strukturen stärken“. „Aller.Land“ ist ein Programm des Beauftragten der Bundesregierung für Kul-tur und Medien, des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, sowie der Bundeszentrale für politische Bildung. Bis 2030 fördern Bund und Länder mit 45 Millionen Euro kulturelle Projekte in ländlichen Regionen. Im vergangenen Jahr hatten bundesweit 97 Regionen Konzepte für Kulturvorhaben entwickelt, aus der vier unabhängige Fachjurys 30 geförderte Projekte auswählten, darunter sechs aus Mitteldeutschland. In Sachsen sind das Vogtlandkreis: #Zukunfts-KULTUR-Region Göltzschtal und Zweckverband Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien: „Let‘s talk!“. In Sachsen-Anhalt der Altmarkkreis Salzwedel: Jugendkunstschule für KulturEntdecker und der Landkreis Wittenberg: Kontinuitäten, Brüche, Ausblicke (KOBRA). In Thüringen der Landkreis Altenburger Land: Stadt.Land.Kult(o)ur - demokraTISCH unterwegs und der Wartburgkreis: Kultur-bogen Art Lab - Kreative Treffpunkte. Das Büro von Samo Darian und seinen 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Berliner Telefonnummer befindet sich im Leipziger Stadtteil Lindenau im „Ta-petenwerk“. Am 25. und 26. September findet dort in Halle 14 die Tagung „Werkraum Zukunft: AllerEngagiertesLand“ mit vielen Workshops statt. Engagierte aus dem sozialen und kulturellen Bereich sollen zusammengebracht werden, um Netzwerke in den Dörfern und Städten auf dem Land zu stärken, Förderlandschaften sollen besprochen und gestaltet werden und Wege diskutiert, wie Menschen trotz unterschiedlicher Haltungen wieder ins Gespräch kommen können. In Slowenien wurde Samo Darian 1974 geboren. Nach dem ersten Lebensjahr zog er mit seiner Mutter zurück ins Ruhgebiet, wo seine Eltern bereits seit einigen Jahren lebten. In Schwerter an der Ruhr nahe Dortmund wuchsen er und seine Schwester auf. Schon früh erprobte sich Samo Darian als Einzelunternehmer im Fairem Handel und studierte dann Sprachen- Wirtschafts- und Kultur-raumstudien in Passau, London und Granada. Erste praktische Erfahrungen sammelte er bei der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover. Zwischen 2003 und 2010 war Samo Darian Geschäftsfüh-rer von vier Programmen der Kulturstiftung des Bundes mit den Schwerpunkten Mittel.- und Osteu-ropa. 2011 arbeitete er für das Netzwerk Neue Musik, übernahm 2012 die organisatorische Leitung der ersten Brandenburgischen Landesausstellung und stand weiteren regionale Kulturprojekte in Deutschland, sowie Programmen zur Förderung internationaler Kulturkooperationen vor. Ab 2015 leitete Samo Darian das Programm „TRAFO - Modelle für Kultur im Wandel“, eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes. Moderation: Karoline Knappe Redaktion: Angelika Zapf

  44. 6

    MDR Kultur trifft Torsten Tannenberg

    Nach anhaltender Kritik und verschiedenen Vorschlägen der Bund-Länder-Konferenz Jugend musiziert entfallen fortan die zuvor eingeführten Obergrenzen, Kontingente und Optionslisten in der Ausschreibung. Wer auf Landesebene die erforderliche Punktzahl erreicht, kann nun sicher mit einer Einladung zum Bundeswettbewerb rechnen. Torsten Tannenberg, seit 1997 Geschäftsführer vom Sächsischen Musikrat, begrüßt die Entscheidung des Deutschen Musikrates, die für die jungen Musiktalente mehr Transparenz und Verläßlichkeit bietet. Die neuen Regeln sind zu-nächst für die nächsten drei Bundeswettbewerbe vorgesehen und werden anschließend evaluiert. Mit Beginn des neuen Schuljahres in Sachsen und bis November finden die Bewerbungen für den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert 2026 statt. Es gibt Solo-Kategorien, wie Solo-Gesang oder Solo-Klavier und Ensemble-Kategorien, wie Duos oder Kammermusik-Ensembles. Im Januar starten in den jeweiligen Bundesländern die Regionalwettbewerbe, in Sachsen an den Orten Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau und Hoyerswerda. Unter ca. 400 bis 450 Teilnehmern werden dann im Landeswettbewerb 140 bis 150 junge Musikerinnen und Musiker ausgewählt, die zum Bundeswett-bewerb fahren. Der Landeswettbewerb Sachsen wird seit 1994 von Torsten Tannenberg betreut. Das Finale des Bundeswettbewerbs fand in diesem Jahr vom 05. bis 11. Juni 2025 in Wuppertal statt. Torsten Tannenberg saß mit in der Jury. In Leipzig wurde Torsten Tannenberg 1963 geboren. Von 1985 bis 1989 studierte er an der Hochschule für Musik Weimar und schloß als Diplom-Musikpädagoge ab. Nach verschiedenen Tätigkei-ten an der Hochschule für Musik Weimar und Beteiligung an zahlreichen Weimarer Musik-Projekten, baute Torsten Tannenberg von 1993 bis 1997 Jugendmusik-Förderensembles auf und ließ sich von 1994 bis 1996 an der Sächsischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie zum Diplom-Kulturmanager ausbilden. 1997 war er federführend an der inhaltlichen und organisatorischen Neuaufstellung des Sächsischen Musikrates beteiligt, ist seither dessen Geschäftsführer und Mitglied der Konferenz der Landesmusikräte in Deutschland. Parallel dazu war er von 2004 bis 2017 Geschäftsführer im Bundesverband Deutscher Liebhaberorchester e.V., von 2011 bis 2017 Vorsitzen-der des Kulturbeirates der Landeshauptstadt Dresden, seit 2016 Mitglied des Kulturbeirates des Kul-turraumes Oberlausitz-Niederschlesien, seit 2018 Mitglied des Sächsischen Kultursenats und einer der Sprecher der IG Landeskulturverbände in Sachsen. Darüber hinaus berät Torsten Tannenberg die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, sowie Fördergremien von drei Kulturräumen in Sachsen.Moderation: Julia HemmerlingRedaktion: Angelika Zapf

  45. 5

    MDR Kultur trifft Johannes Beleites

    Am 31. August 1990 wurde im Ost-Berliner Kronprinzenpalais deutsche Geschichte geschrieben. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und DDR-Staatssekretär Günther Krause unterzeichneten den „Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik über die Herstellung der Einheit Deutschlands“. 35 Jahre Deutsche Einheit: Ein Grund zum Feiern, aber auch ein Grund an Jene zu erinnern, die in der DDR wegen ihrer politischen Haltung ins Visier der Staatssicherheit gerieten, inhaftiert wurden, Willkür, physische und psychische Gewalt erfuhren. 100 großformatige Schwarz-Weiß-Portrait-Photos ehemaliger politischer Gefangener waren bis Mai im Deutschen Bundestag zu sehen. Ein Plakat der Ausstellung hängt im Büro von Johannes Beleites. Seit April 2024 ist er Beauftragter des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Eine gute Nachricht für Betroffene von SED-Unrecht ist für ihn im 35sten Jahr der Deutschen Einheit. die Reform der SED-Unrechtsbereinigungsgesetze. Im Januar 2025 beschlossen Bundestag und Bundesrat zahlreichen Verbesserungen für die Rehabilitierung und Entschädigung. Zu der am 01. Juli in Kraft getretenen Reform zählen u.a. eine Erhöhung und Dynamisierung der Opferrente, ein Härtefallfond für Notleidende, eine vereinfachte Anerkennung gesundheitlicher Folgeschäden nach einer Inhaftierung aus politischen Gründen, aber auch Entschädigungen für Zwangsumsiedlungen innerhalb der DDR vor und mit dem Bau der Mauer, die mit dem 13. August 1961 Deutschland über 28 Jahre teilte. Als Sohn eines evangelischen Pfarrers und einer Sprachheilpädagogin 1967 in Halle geboren, wuchs Johannes Beleites als jüngster von drei Söhnen zunächst in Siersleben, dann in Trebnitz im damaligen Kreis Hohenmölsen auf. Im Rahmen der kirchlichen Friedens- und Umweltbewegung befaßte er sich mit der photographischen Dokumentation zur Umweltsituation in der DDR und stand daher ab 1982, als 15jähriger Schüler bereits, unter Beobachtung durch das Ministerium der Staatssicherheit. Zwischen 1982 und 1985 wurde ihm mehrfach das Abitur verweigert. Von 1983 bis 1985 nahm er eine Lehre als Elektromonteur im Braunkohlekombinat Deuben auf. 1985 legte die MfS-Kreisdienststelle Hohenmölsen einen „Operativen Vorgang“ zu seiner Person an, verbunden mit Bespitzelung durch inoffizielle Mitarbeiter, Zersetzungsmaßnahmen, Telephon- und Postüberwachung. 1986 zog Johannes Beleites nach Leipzig, stand in engem Kontakt zu zahlreichen Oppositionsgruppen, arbeitete als Photograph im Museum des Kunsthandwerks im Grassi-Museum Leipzig und absolvierte 1989 das Abitur an der Volkshochschule. Durch aktives Einschreiten des MfS erhielt er keine Zulassung für ein Jura-Studium. Seit Mitte September 1989 hatte Johannes Beleites die Leipziger Montagsdemonstrationen photographiert. Die Bilder vom 02. Oktober gelangten in die Tagesschau, obwohl an diesem Tag Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes tätlich gegen ihn wurden. Im November 1989 reiste Johannes Beleites nach Rumänien um die Auswirkungen der Ceausescu-Diktatur zu photographieren. Die Securitate nahm ihn unter dem Vorwurf der Spionage für neun Tage in Haft. Ab Januar 1990 war er Mitarbeiter im Leipziger Bürgerkomitee zur Auflösung der Staatssicherheit, arbeitete im Sonderausschuß der letzten DDR-Volkskammer zur Kontrolle der Auflösung des MfS unter Leitung von Joachim Gauck, war an der Erarbeitung der ersten gesetzlichen Grundlage zum Umgang mit den Stasi-Unterlagen beteiligt, wurde Leiter der Außenstelle Leipzig des Sonderbeauftragten der Bundesregierung für die Stasi-Unterlagen und studierte schließlich ab 1990 Jura in Göttingen und Berlin. Wissenschaftliche Forschungsprojekte und Tätigkeiten für die Landeszentralen für politische Bildung folgten. Von 2009 bis 2014 war Johannes Beleites Studienleiter für politische Jugendbildung an der Evangelischen Akademie Thüringen in Neudietendorf, ab 2017 Vorsitzender des Beirats für die Aufarbeitung und Versöhnung und später des Anerkennungsausschußes „DDR-Unrecht“ bei der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland. Am 21.02.2024 wurde Johannes Beleites zum Beauftragten des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur für fünf Jahre mit 90 % der Stimmen aus allen Fraktionen gewählt. Moderation: Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  46. 4

    MDR Kultur trifft Sigrid Weise und Helmut Kolb

    Aus über 100 Bewerbungen von lokalen Initiativen, Vereinen und Einzelpersonen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wählte eine Jury von MDR KULTUR und MDR KLASSIK 14 Orte aus. Am 15. August ist der MDR Sommergesang im gemeinnützigen Verein „Cinema Barby e.V.“ zu Gast. Das historische Kino wird seit 2021 als Kultur- und Begegnungsstätte betrieben. Zum Veran-staltungsprogramm gehören Filme, Konzerte, Kabarett und Diskussionsrunden. 2024 erhielt der Verein „Cinema Barby e.V.“ den Programmpreis der DEFA-Stiftung und den Anerkennungspreis bei der Demografiepreisverleihung des Landes Sachsen-Anhalt. Die Bildende Künstlerin Sigrun Weise und der Geograf, Geologe und Immobiliengutachter im Vor-ruhestand Helmut Kolb aus Berlin hatten das 1912 erbaute und an die 30 Jahre leerstehende marode Kino Cinema in Barby im Salzlandkreis bei einem Spaziergang im März 2018 entdeckt. Unbesehen ersteigerten sie es bei einer Auktion, sanierten und renovierten es drei Jahre lang mit Freunden, En-thusiasten und großer Unterstützung vieler Menschen in Barby. Sigrun Weise und Helmut Kolb gründeten 2020 den gemeinnützigen Verein Cinema Barby e.V., der das Kino seither als Kultur- und Begegnungsstätte betreibt. Im September 2021 öffnete das Haus mit einem Tag der offenen Tür und 140 Besuchern. Heute zählt der „Cinema Barby e.V.“ an die 30 Mitstreiter. Kinotag ist seit 2022 aller zwei Wochen am Wochenende, manchmal auch mehr. In Berlin-West wurde Sigrid Weise 1964 geboren. Nach einer Ausbildung zur Bürogehilfin nahm sie von 1986 bis 1993 ein Kunststudium an der Hochschule der Künste Berlin (jetzt UdK) auf, wurde 1993 Meisterschülerin. Im Rahmen des Erasmus-Studienprogramms führte sie der Weg ans Royals College of Art, London. Anschließend arbeitete Sigrid Weise in Berlin und bis heute als freischaf-fende Bildendende Künstlerin. Seit 1994 ist sie mit Helmut Kolb verheiratet. Beide haben 3 Söhne. Sigrid Weise nahm im Laufe der Jahre zahlreiche Förderungen und Studienaufenthalte wahr. 2025 absolvierte sie ein Aufenthaltsstipendium „A`Crapa Mangia“ in Castellabate/ Italien. Im vergange-nen Jahr war die Benefizausstellung „Zoologischer Garten“ für den Kunstverein Neukölln e.V. zu sehen, Videoinstallationen mit Helmut Kolb, 2018 erschien die Publikation „Ruhestätte – Erinne-rungskultur im Wandel“, seit 2017 gestaltet Sigrid Weise u.a. Kunst im Öffentlichen Raum mit der Plakatwand Mittenmang im U-Bahnhof Tempelhof „Unbekannte-Serie“. In Scheidegg im Allgäu wurde Helmut Kolb 1964 geboren. Nach dem Zivildienst in Nürnberg stu-dierte er von 1985 bis 1987 Geografie, Soziologie und Ethnologie an der Albrecht-Ludwigs-Universität Freiburg/ Breisgau, von 1987 bis 1994 Geografie, Geologie, Internationale Agrarent-wicklung an der TU Berlin und schloß mit dem Magister Artium ab. Forschungsreisen führten ihn während des Studiums nach Pakistan, Somalia und Kolumbien. Helmut Kolb arbeitete parallel zum Studium in einem Büro für Umweltfragen und war von 1994 bis 2022 als Immobiliengutachter in einem privaten Sachverständigenbüro, im öffentlichen Dienst und bei einem gewerblichen Immobi-lienfinanzierer tätig und arbeitete seit 2012 als Dozent bei verschiedenen finanzwirtschaftlichen Akademien in Deutschland. Seit 2022 ist er im Vorruhestand und Ausbilder für angehende Immobi-liengutachter. Moderation: Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  47. 3

    MDR KULTUR trifft Sven Rössel

    Sven Rössel, Musikschulleiter, Musiker und Musikwissenschaftler, ist ausgewiesener Kenner der mitteldeutschen Musiklandschaft des 17. Jahrhunderts. Zum 350. Todestag legte er im Kamprad-Verlag eine eindrucksvolle Bildbiografie vor. Andreas Hammerschmidt, geboren 1611 in Böhmen und 1675 in Zittau verstorben, hinterließ über 700 Werke. Mit mehr als 20 Veranstaltungen, renommierten Ensembles und einem grenzüberschreitenden Programm wird sein Werk in diesem Jahr von Mai bis Oktober in Sachsen und Tschechien gefeiert. Am 17. August kommt in der Kreuzkirche Zittau das Festkonzert  „… von der himmlischen und irdischen Liebe“ mit dem Ensemble Polyharmonique und der Batzdorfer Hofkapelle zur Aufführung. Unter den Musikern ist auch Sven Rössel. Er spielt eine Violone nach Gasparo da Saló (1590) und einen Wiener Bass nach Johann Joseph Stadelmann (1750). 1982 wurde Sven Rössel in Cottbus geboren. Er studierte an den Hochschulen für Musik in Dresden, Köln und Leipzig und erhielt 2011 das Konzertexamen an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ Leipzig. Sven Rössel spezialisierte sich zudem auf dem Gebiet der „Alten Musik“ und studierte historische Bass-Instrumente, spielte bei verschiedenen Ensemble wie lauttencompagney BERLIN, Neue Orchester-Köln, Batzendorfer Hofkapelle oder Concerto Köln. Gastspiele führten ihn nach Italien, Frankreich, Spanien, Rußland, Brasilien, Dubai, Tschechien, Österreich und Japan. Orchestererfahrungen sammelte er bei der Jungen Deutschen Philharmonie, den Hamburger Symphonikern und den Münchner Symphonikern. Von 2007 bis 2013 war Sven Rössel Kontrabassist der Anhaltischen Philharmonie Dessau. Von 2013 bis 2023 leitete er die Kreismusikschule Dreiländereck im Landkreis Zittau und gründetet 2021 und 2023 die Jugendkunstschulen Oberlausitz-Niederschlesien und Nordsachsen. Seit Sommer 2023 ist Sven Rössel Leiter der Kreismusikschule „Heinrich Schütz“ Landkreis Nordsachsen in Torgau. Im Ehrenamt ist er u.a. seit 2022 Kultursenator des Freistaates Sachsen, 1. Vorsitzender im Verband deutscher Musikschulen, Landesverband Sachsen e.V.Moderation:   Thomas BilleRedaktion:     Angelika Zapf

  48. 2

    MDR KULTUR trifft Andrea Wagner

    Andrea Wagner ist Gesellschafterin und Geschäftsführerin der W³ Wandel-Werte-Wege gGmbH, einer gemeinnützige Forschungseinrichtung, die sich seit 2015 auf die Erforschung und Förderung des Wieder - Anbaus von Safran in Deutschland spezialisiert hat und Safran-Felder im Altenburger Land bestellt. Mit ca. 2.000 Quadratmetern dürfte es das größte Safranfeld Deutschlands sein. Bereits vor 500 Jahren war der Crocus Sativus dort zu finden. Geschäftsführerin Andrea Wagner steht der wissenschaftliche Leiter Frank Spieth zur Seite. Der Tag der beiden beginnt mit mehreren Tassen grünem Tee mit Safran. Ihre Forschung wurde von 2016 bis 2021 im Rahmen des Programms „Neue Produkte der Bioökonomie“ durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Auch andere Förderer wie die Robert-Bosch-Stiftung und LEADER unterstützen das Ziel Safran, unter besonderer Berücksichtigung ökologischer Aspekte und des Klimawandels, in der regionalen Landwirtschaft zu etablieren. 2023 organisierte die W³ Wandel-Werte-Wege gGmbH in Altenburg das erste Deutsche Safran-Symposium und seit 2023 wird der Altenburger Safran auch touristisch vermarktet, u.a. mit der Kampagne „Safranleuchten“. Am 25. Oktober lädt Andrea Wagner zum ersten Safran-Salon in die Gnadenkapelle Altenburg. Das Thema: „Heimat: Der feine Salon“. Der Safran ist ein Herbstkrokus. Seine Blütezeit liegt zwischen September und November. Die Knollen müssen im August gepflanzt- und alle drei bis vier Jahre umgesetzt werden. Das Gewürz Safran entsteht aus den drei roten Stempelfäden, die per Hand geerntet und getrocknet werden. Für ein Gramm Safran benötigt es ca. 150 bis 200 Blüten. Ursprünglich stammt Safran aus der Ägäis und wird seit über 4.000 Jahren als Gewürz und Heilpflanze verwandt. Heute kommen über 90 % der weltweiten Produktion aus dem Iran. Vor 500 Jahren in Altenburg war Safran eine wertvolle Ressource, er galt als Symbol für Wohlstand, wurde am Altenburger Residenzschloss verwendet und sogar exportiert. Mit dem 30-jährigen Krieg ging das Wissen um den Anbau verloren. In Erfurt wurde Andrea Wagner 1969 geboren. Nach der Schulausbildung in Halle, besuchte sie die Erweitere Spezialoberschule in Wickersdorf bei Saalfeld und studierte von 1987 bis 1995 Germanistik, Slawistik und Erziehungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Erfurt, am Pädagogischen Institut in Kaluga in der Sowjetunion, an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Humboldt-Universität Berlin. 1996 bis 2002 war Andrea Wagner Geschäftsführerin des Soziokulturellem Zentrums „Kulturpark Deutzen“ bei Leipzig. Zeitgleich nahm sie Weiterbildungen in der Theaterpädagogik, im Kulturmanagement, als Moderation für partizipative Großgruppenverfahren und Auditorin für familienbewußte Personalpolitik wahr. Ab 2003 arbeitete sie als selbständige Beraterin mit den Schwerpunkten Partizipation und Demokratieentwicklung und ab 2006 als Auditorin für das audit berufundfamilie, das audit familiengerechte hochschule und seit 2024 auch für das audit +vielfalt. 2015 erfolgte die Gründung der W³ Wandel-Werte-Wege gGmbH, mit Andrea Wagner als Gesellschafterin und Geschäftsführerin.Moderation: Ellen Schweda Redaktion: Angelika Zapf

  49. 1

    MDR KULTUR trifft Elisabeth Oertel

    Die in einem Dorf bei Greiz lebende Künstlerin Elisabeth Oertel ist derzeitige Landesstipendiatin der Kulturstiftung Thüringen und wird im Rahmen ihres Stipendiums ein „Archiv der Probleme“ erstellen. „Kunst ist mehr als Ästhetik. Kunst ist Begegnung, Kommunikation, eine Brücke zwischen Menschen und ihren Geschichten. Wenige Künstlerinnen verkörpern diese Idee so eindrucksvoll wie Elisabeth Oertel. Ihr Weg ist geprägt von Neugier, Mut und der ständigen Suche nach tiefgreifender Auseinandersetzung mit der Welt – sei es durch Bildhauerei, Film oder performative Interventionen“, so die Begründung der Jury. Mit ihrer Arbeit im Rahmen des Stipendiums möchte Elisabeth Oertel die Sorgen, Ängste und Hoffnungen der Menschen ihrer Region sichtbar machen. Vielen von ihnen fühlen sich nicht gehört. Elisabeth Oertel kommt mit ihnen zunächst ins Gespräch, hört zu, fragt, was „Zufriedenheit“ ausmacht, bevor sie an die künstlerische Umsetzung geht. In Greiz wurde Elisabeth Oertel 1985 geboren. Sie studierte 2007 bis 2009 Bildende Kunst in den Niederlanden, 2011 an der Estonian Academy of Arts Tallinn und anschließend an der Kunsthochschule Halle, Burg Giebichenstein, wo sie 2013 das Diplom erhielt. Anschließend arbeitete Elisabeth Oertel ein halbes Jahr in einem Atelier in Rotterdam und ist seit 2014 freischaffende Künstlerin, wirkt als Bildhauerin, Autorin und im Kurzfilm-Bereich. 2014 auch war sie Mitbegründerin der Künstlergruppe „leavinghomefunktion - Auf dem Landweg nach New York“ und ist seit 2020 Mitbegründerin der Filmproduktionsfirma „leavinghomefunktion“. Dort entstand 2020 in Zusammenarbeit mit Daniel von Rüdiger der Kinofilm „972 Breakdowns. Auf dem Landweg nach New York“, der auch im Stream und auf DVD zu sehen ist. Im September 2014 startete Elisabeth Oertel eine zweieinhalb Jahre währende Reise mit 4 weiteren Künstlerinnen und Künstlern von Halle nach New York: 43.000 Kilometer mit 4 Ural-Motorrädern und 972 Pannen. Zusammen mit Anne Knödler, Efy Zeniou, Johannes Fötsch und Kaupo Holmberg bereiste Elisabeth Oertel drei Kontinente, mehr als 20 Länder und sie begegneten Hunderten von Menschen, die ihnen bei den 972 Pannen halfen und alle namentlich im Abspann des Filmes erwähnt werden. Ein hochwertiger Kunstbildband nimmt den Betrachter mit auf diese Reise von Halle nach Berlin, seit 2017 erreichte die multimediale Performance „leavinghomefunktion“ in Österreich, Schweiz und Deutschland an die 50.000 Zuschauer und noch bis Januar 2026 kann „Auf dem Landweg nach New York – 4 Ural-Motorräder, 43.000 Kilometer, 972 Breakdowns“ in einer großflächigen, interaktiven Sonderausstellung auf Schloß Augustusburg bei Chemnitz besichtigt werden. 23.07. 2025 Wiederholung, 20.03 bis 21.00 Uhr Moderation: Carsten Tesch Redaktion: Angelika Zapf

  50. 0

    MDR Kultur trifft Andris Plucis

    Andris Plucis war seit 2009 Chefchoreograf und Leiter des Balletts Eisenach, seit der Spielzeit 2018/ 2019 auch Künstlerischer Leiter des Landestheaters Eisenach. Mit 18 Jahren bereits stand Andris Plucis als Tänzer auf der Bühne. Den Weg als Chefchoreograf begann er acht Jahre später als jüngster Ballettdirektor Deutschlands. Nun hieß es mit Ende der Spielzeit in Eisenach Abschied nehmen, auch wenn Andris Plucis dem Landestheater weiterhin beratend zur Seite stehen wird. Das Landestheater Eisenach ist, wie auch das Staatstheater Meiningen, Teil der Kulturstiftung Meiningen-Eisenach und verfügt über die Sparten Ballett und Junges Schauspiel. Ihre Auftritte gehören zum festen Repertoire im Meininger Spielplan. Auf die letzten Tages aber gab es für den Ballettdirektor und Chefchoreographen noch ein schönes Geschenk: Die Produktion „Next Generation“ seiner Eisenacher Companie ist für den Deutschen Theaterpreis „Der Faust“ in der Kategorie Choreografie nominiert. Es sei ungewöhnlich, einen vierteiligen Ballett-Abend in seiner Gesamtheit zu nominieren, so die Jury, es sei bei „Next Generation“ jedoch absolut und ob des außerordentlichen Niveaus verdient. „Next Generation“ steht für „Paradeigma“ von Lucia Giarratana, „Ephemerus“ von Ana Isabel Casquilho, „WORD“ von Adson Lipaus Zocca und „Vier Lieder“ von Andris Plucis. Am 15. November findet die 20ste Preisverleihung „Der Faust“ statt. In Zürich kam Andris Plucis als Sohn lettischer Eltern 1959 zur Welt. Er erhielt eine Ballettausbildung in der Ballettschule der Wiener Staatsoper und anschließend an der Royal School in London. Dann ging Andris Plucis nach Deutschland, war von 1977 bis 1985 Tänzer an der Oper Bonn und an den Städtischen Bühnen Frankfurt unter Egon Madsen und William Forsythe. Die für ihn prägendste und inspirierendste Zeit, sagt Andris Plucis, der immer den Wunsch verspürte als bildender Künstler zu arbeiten. 1985 übernahm er die Compagnie des Stadttheaters Gießen, von 1988 bis 1991 war er Ballettdirektor am Stadttheater Würzburg, anschließend am Staatstheater Darmstadt. 1996 gründete er in Frankfurt/ Main mit zwei Tänzern aus der Forsythe-Companie die frei Gruppe „the lost romeos“, die auch im Ausland gastierte. Nach seiner Zeit als Ballettdirektor am Landestheater Coburg, trat er 1998 bis 2009 ein Engagement als Ballettdirektor und Chefchoreograph am Theater Ulm an. Andris Plucis arbeitet auch im Musiktheater als Chefchoreograph, so in Frankfurt/ Main bei der Uraufführung der Oper „Europeras1&2“ von John Cage, der auch Regie führte oder der „Rigoletto“ - Inszenierung von Hans Neuenfels an der Deutschen Oper Berlin. 16 Jahre wirkte Andris Plucis anschließend am Landestheater Eisenach, so lang wie zuvor an keinem anderen Haus. Moderation: Karoline KnappeRedaktion: Angelika Zapf

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