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PODCAST · arts

Podcast des Literarischen Salons

Hier findet ihr den Podcast des Literarischen Salons der Leibniz Universität Hannover.

Publisher-supplied feed metadata · PodParley refreshed Sep 16, 2026 · Source feed

  1. 157

    »Der amerikanische Albtraum«

    »Der amerikanische Albtraum«Trump & Co: Sie hören nicht auf, wir hören zu  Klaus Brinkbäumer (Autor, Journalist) Really? Schon wieder Donald Trump? Ja, es ist ein Problem, diesem grotesken Opa ständig und noch mehr Aufmerksamkeit zu schenken – während der sein Land ganz offenbar in den Neo-Faschismus präsidieren will. Und ja: Erst im letzten Programm war »OK, America?«-Podcasterin Rieke Havertz im Salon. Trotz aller Fassungs- und auch Ratlosigkeit über Trumps Wiederwahl: Die Frage, ob dieser ein Faschist sei, mochte unsere Gästin da noch nicht bejahen. Das war im No-vember. Inzwischen sind wir allerdings schon wieder weiter: einen völkerrechtswidrigen Angriff auf einen fremden Staat, Kriegs- und Kaufdrohungen an einen anderen, tödliche Staatsgewalt gegen die eigene Bevölkerung … Der amerikanische Albtraum heißt das neue Buch von Klaus Brinkbäumer, dem Co-Host von »OK, America?«. Brinkbäumer, ehemaliger Spiegel-Chefredakteur und langjähriger USA-Korrespondent, hat sein Buch jetzt ganz eindeutig untertitelt: »Faschismus made in USA.« Hört sich nicht an, als sei Trump allein das Problem, findet Salon-Moderator Jens Meyer-Kovac.   Foto: Rosa Burczyk

  2. 156

    »Stern und Kosmos«

    »Stern und Kosmos« ›Sieh den Himmel‹ — Astrale Begeisterung in der Lyrik um 1900 Sophie-C. Hartisch (Literaturwissenschaftlerin)»Sieh den Himmel«, so beginnt Rilke das XI. seiner Sonette an Orpheus. Das tun wir und platzieren Mythologisches im Sternenrund, ist der Himmel uns doch fiktionaler wie epistemischer Raum geworden. Mehr noch, Rilkes Appell lässt sich im Zusammenhang seiner Zeit als Ausdruck eines gesteigerten kollektiven Interesses an Sternen und Kosmos lesen. Das schreibt Sophie-C. Hartisch in ihrer umfangreichen Studie Stern und Kosmos. In den Jahrzehnten um 1900 hatten Astronomie und Astrologie Konjunktur, eröffnete die Fotografie einen vielgestaltigen Weltraum. In der Lyrik dieser Jahre wird die Bedeutung jener »sternischen Verbindung« (Rilke) reflektiert. Wo stehen wir? Wer sind wir im Angesicht des Alls? Neben Rainer Maria Rilke schreiben etwa Else Lasker-Schüler, Stefan George oder Georg Trakl im Bannkreis der Sterne. Über Lyrik und Wissen um die Jahrhundertwende spricht bildgestützt Salon-Moderator Matthias Vogel mit Sophie-C. Hartisch.Foto: Tim Kirchhof

  3. 155

    Kunst für zu Hause?

    Kunst für zu Hause?Das Öffentliche (in) der LiteraturJulia Stenzel (Literatur- und Theaterwissenschaftlerin)Ruth Mayer (Amerikanistin)Gigi L. Gina Galactica (Buchladen Rote Straße Göttingen) Agora als Beispiel für einen demokratischen, öffentlichen Raum. Was aber bedeutet das, „Öffentlichkeit“, und wer gehört dazu? Denn auch im antiken Griechenland waren nur männliche Bürger dazu berechtigt, öffentlich zu sprechen. Mit der Agora als Ausgangsfrage beschäftigt sich das Forschungskolloquium von Julia Stenzel »Agora und Öffentlichkeit – Teilhabe in Literatur und Theater« am Deutschen Seminar der Leibniz Universität Hannover, und es diskutiert u.a. das Problem von moderner Öffentlichkeit, gesellschaftlicher Teilhabe und ihrer Beziehung. Ein Problem, das zum Beispiel dann manifest wird, wenn die Teilhabe öffentlich verweigert wird. Am Beispiel des Buchladens Rote Straße in Göttingen der Anfang des Jahres vom Buchhandlungspreis ausgeschlossen wurde, lässt sich die Bedeutung von Öffentlichkeit und öffentlicher Meinung, die Politisierung des Buchhandels oder die Frage, was Öffentlichkeit mit Literatur zu tun hat, trefflich diskutieren. Dann machen wir das doch: Mit Gigi L. Gina Galactica vom Buchladen Rote Straße, mit Ruth Mayer (Amerikanistin an der LUH) und mit Julia Stenzel spricht Salon-Volontärin Maren Koch über die Frage des Öffentlichen in der Literatur. Eine Kooperationsveranstaltung mit Julia Stenzel vom Deutschen Seminar der LUH, ermöglicht durch die Heisenberg-Professur der Deutschen Forschungsgemeinschaft.Foto: Rosa Burczyk

  4. 154

    »Der große Umbruch«

    »Der große Umbruch«Wer Visionen hat, ist hier genau richtigRicarda Lang (Politikerin)Steffen Mau (Soziologe)Treffen sich ein Soziologe und eine Politikerin. Der Soziologe: Wissenschaftler, geboren in Ostdeutschland, als die Mauer noch stand. Die Politikerin: Pragmatikerin, geboren im West-deutschland der Nachwendezeit. Steffen Mau und Ricarda Lang mögen zwar unterschiedliche Biografien haben, sie eint jedoch ein tiefgreifendes Interesse an der Struktur, den Herausforderungen und den Chancen unserer Gesellschaft. Mau lehrt als Professor für Makrosoziologie an der HU Berlin, Lang sitzt für Bündnis 90 / Die Grünen im Deutschen Bundestag. Der große Umbruch ist ein Buch gewordenes Gespräch. Ein Dialog über die ganz großen Fragen unserer Zeit: Wie lässt sich Demokratie stärken und erhalten? Wie kann sich der gesellschaftliche Diskurs von den Mechanismen der Affektpolitik loslösen? Welche Reformen sind dringend notwendig und warum? Und was braucht es, um trotz multipler Krisen eine kollektive Zuversicht (wieder)herzustellen? Salon-Moderatorin Mariel Reichard wagt sich mit ihren beiden Gästen an Antworten.Foto: Rosa Burczyk

  5. 153

    »Fundamentalös«

    »Fundamentalös« Von der Ex in London zur Extremismusprävention im IrakNussaibah Younis (Autorin)  Was bekommt man, wenn man Liebeskummer, den IS, Radi-kalisierung, den Irak, London, eine queere Protagonistin und eine gute Portion Humor miteinander vermischt? Ganz einfach: einen gelungenen Roman. Nussabiah Younis‘ Roman Fundamentalös schafft einen einzigartigen Spagat zwischen scheinbar unvereinbaren Themen. Nadia, die queere britisch-irakische Protagonistin mit Herzschmerz, zieht überstürzt in den Irak, wo sie in einem Deradikalisierungsprogramm der Vereinten Nationen für Frauen arbeitet, die sich dem IS angeschlossen haben. Zwischen absurden Allianzen, viel Bürokratie und einer potenziell, well, explosiven Beziehung zur ehemaligen IS-Braut Sara lotet der Roman mit viel Witz die Grenzen von Hilfe und Zugehörigkeit aus. Nach dem Unterschied zwischen Engagement und Selbstbetrug und wer hier eigentlich wen retten will, fragt Salon-Moderatorin Lida Shams-Mostofi. Die deutschen Passagen übernimmt Claudia Urbschat-Mingues, Synchronstimme von Angelina Jolie.In Kooperation mit dem Hochschulbüro für ChancenVielfalt.   Foto: Rosa Burczyk

  6. 152

    »Diamanten«

    wg.literatur – Junge Schriftsteller:innen und ihre literarischen Debüts in hannoverschen Wohngemeinschaften»Diamanten«David Vajda (Autor)»Entweder wir sind Schweine und Arschlöcher. Oder Diamanten und Him-beeren.« Was auch immer die vier Geschwister für ihren Vater gerade sind, sie bleiben vereint im Versuch, den Tod der Mutter zu begreifen. Papo macht es ihnen nicht leicht, steckt er doch selbst in seiner jugoslawischen Vergangenheit fest. Turbulente Reisen, die die Familie nach Belgrad und Berlin, nach Griechenland und in die Provence ziehen, machen Europa zum Schauplatz einer tragikomischen Familiengeschichte. Moderation: Zoë LechtFoto: Rosa Burczyk

  7. 151

    Hearoes

    Hearoes  dazuGEHÖRen: Schwerhörigkeit, Ausgrenzung, CI-ImplantateVeronika Wolter (HNO-Klinikchefin)Thomas Lenarz (ehem. HNO-Chef MHH)»Verstehen« meint »begreifen« und »hören« zugleich. Hä? Bist du doof? Auch kein Zufall: Das »Gehör« steckt in »Zusammengehörigkeit«. 10-15 Millionen Deutsche sind schwerhörig. Viele gehören dazu, sind aber nicht dabei. So wie Veronika Wolter, die als Kind ertaubte und schnell einsam wurde. Ihr Buch Ich höre dich berichtet, wie sie dennoch ihr Medizinstudium durchzog, das sie auch in die MHH führte. Dort setzte ihr ihr damaliger Chef Thomas Lenarz ein Cochlear-Implantat ein. Heute hört Wolter super – vollständig ertaubt. Heute implantiert sie selbst. Heute ist sie – als einzige taube Frau weltweit – Chefin einer Hörklinik. Taube hörend machen: Man kann das CI-Implantat ein Wunder nennen. In der MHH ist Lenarz zu einem weltweit führenden Experten der Technik geworden. Das von ihm gegründete Deutsche Hörzentrum Hannover ist das weltweit größte CI-Zentrum. Salon-Moderator Joachim Otte, selbst schwerhörig, hört den Hearoes zu. Foto: Nerea Lakuntza

  8. 150

    »Nation of Strangers«

    »Nation of Strangers«    Fremd im eigenen Land, fremd in der neuen Stadt Ece Temelkuran (Autorin)Was bedeutet Heimat, wenn man sie verloren hat? In Nation of Strangers erzählt die türkische Autorin Ece Temelkuran von Entwurzelung, Exil und dem Gefühl, fremd zu werden – im eigenen Land, das sie nicht mehr will, und in der neuen Umgebung, die sie nicht komplett annimmt. Sie bezieht sich auf ihre eigenen Erfahrungen nach dem politischen Bruch mit der Türkei und ihre Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr in ihre Heimat zurückkönnen. Temelkuran entwirft ein Bild einer neuen, weltweiten Gemeinschaft: einer Nation von Fremden, die jenseits von Grenzen, Pässen und Herkunft entsteht. Aber haben die Fremden dann noch eine eigene Heimat? Das fragt Salon-Moderatorin Lida Shams-Mostofi. Die deutschen Passagen liest die Schauspielerin Anja Herden. Foto: Magdalena Vidović

  9. 149

    »Marmor, Quecksilber, Nebel«

    »Marmor, Quecksilber, Nebel«  Woraus die Welt gemacht ist  Judith Schalansky (Autorin)Fest, flüssig, gasförmig. Drei Aggregatzustände, drei Texte, drei Versuche, sich der Welt und der Frage, woraus sie gemacht ist, zu nähern. Wie schon im Atlas der abgelegenen Inseln und im Verzeichnis einiger Verluste zeigt Judith Schalansky ganz ruhig, ganz poetisch, ganz philosophierend, was ebendiese Welt im Innersten zusammenhält. Ihr Kompass führt sie nun in Marmorbrüche, mexikanische Kunsthoch-schulen und zu dem, was man von hier aus sehen kann: auf den Brocken. Natürlich nicht auf direktem Weg, sondern so, wie es sich für eine Expeditionistin gehört, die ihren Blick überall hat. Tastend, mit Abstechern, Rückzügen und Kurskorrekturen, da das Entscheidende meist jenseits der markierten Pfade liegt. Was sich im Dickicht von Marmor, Quecksilber, Nebel verbirgt, entdeckt Salon-Moderatorin Mariel Reichard gemeinsam mit der vielfach preisgekrönten literarischen Naturkundlerin Judith Schalansky.Foto: Magdalena VidovićAus rechtlichen Gründen ist dieser Beitrag nur bis zum 16. Juni online.

  10. 148

    Zwei Päpste, zwei Bücher, eine Kirche

    Zwei Päpste, zwei Bücher, eine Kirche Wie weit kam Franziskus I., wohin will Leo XIV.?Marco Politi (Journalist, Vaticanista)Andreas R. Batlogg (Publizist, Theologe)  Der Name war Signal: Franziskus. So nannte sich 2013 der Argentinier Jorge Mario Bergoglio als Papst; zuvor hatte niemand Franz von Assisi als Namensgeber gewählt — ein Armut predigender Franziskanermönch passt eben kaum zu Pracht und Reichtum des Vatikans. Franziskus I. ist tot. Was bleibt von ihm, der Kapitalismus, Kriege und Klima thematisierte? Der verheiratete Priester zulassen wollte? Oder der – oh, mein Gott! – sogar Frauen in höhere Kirchenämter brachte? Marco Politi ist gebürtiger Römer und »vaticanista« seit Jahrzehnten. Sein Buch Der Unvollendete erschien kurz vor Franziskus´ Tod; es ist nicht sein erstes über die Kämpfe dieses Papstes mit seinen Gegnern. Kein Gegner, sondern Team Bergoglio ist der Nachfolger: Robert Francis Prevost, USA. Der war zuletzt eine Art Personalchef der katholischen Weltkirche, eine erste Biografie ist eben erschienen, geschrieben hat sie der Jesuit und Publizist Andreas R. Batlogg: Leo XIV. Der neue Papst. Soll der jetzt, mit Löwenmut, Franziskus’ Reformen fortsetzen? fragt Salon-Moderator Jens Meyer-Kovac.  Foto: Magdalena Vidovic

  11. 147

    »Fabula«

    »Fabula«Vom Vaterland zum Hühnerhof: die ETA als Witz und Schrecken Fernando Aramburu (Autor)Die zwanzigjährigen Asier und Joseba lassen sich auf einem südfranzösischen Hühnerhof nieder, weil sie dort von der baskischen Terrorgruppe ETA trainiert werden sollen. Wird schwierig, weil sich die ETA kurz darauf auflöst. So what. Asier und Joseba machen das schon. Die machen weiter. Mit ihren Mitteln. Und treffen María Cristina, eine junge Kommunistin … Mit Fabula kehrt der – über 30 Jahre in Hannover lebende – Spanier Fernando Aramburu in die Themenwelt seines Romans Patria zurück, der ihn weltweit bekannt machte. Aber er tut es ganz im Sinne des berühmten Marx-Zitates, wonach sich »alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen sozusagen zweimal ereignen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.« Patria, ein »Werk von gewaltiger Wucht« (ZEIT), war die Tragödie. Fabula ist die Farce, eine todkomische Groteske. Die SZ-Redakteurin Karin Janker, bis 2023 Spanien-Korrespondentin, moderiert. Ausgewählte deutsche Passagen werden gelesen vom Schauspieler Rainer Frank, ebenfalls in Hannover lebend, lange Ensemblemitglied am Schauspiel Hannover inzwischen engagiert am Theater Magdeburg.Foto: Nerea Lankuntza

  12. 146

    »Sperrgut«

    wg.literatur – Junge Schriftsteller:innen und ihre literarischen Debüts in hannoverschen Wohngemeinschaften»Sperrgut«Sophia Merwald (Autorin)Was ist das für ein Ort, der auf einer Brachfläche eines Industriegebietes entstanden ist? Lusthansa, ein Haus gebaut von einer Frau als Zuhause, die denen Zuflucht geben will, die keines haben. Ein Gemeinschaftsort, ein Emanzipationsort, wo Frauen kommen und gehen, aber auch bleiben können. So wie die Protagonistin Stevie, die am Rand der Gesellschaft im Lusthansa nicht nur endlich Sicherheit, sondern auch Liebe findet. Bis ein Abrissbescheid plötzlich die Existenz aller Bewohner:innen bedroht.Moderation: Greta HauptmannFoto: Nerea LakuntzaSophia Merwald: Sperrgutpark x ullstein Verlag304 Seiten

  13. 145

    Gradwanderungen

    Gradwanderungen   Der Poetry Slam zum Thema »Klima, Zukunft, Zuversicht«Antonia Josefa, Annika Blanke, Tanja Schwarz, Matti Linke (Poetry-Slammer:innen)»Slam!« Genau, zu laut kann dieser Knall gar nicht sein! Denn das wissen wir doch längst: Die klimaschädlichen Emissionen weltweit sind viel zu hoch. Das müssen wir also: die Ener-giewende voranbringen, schnellstmöglich klimaneutral werden. Bloß – was tun wir? Auf jeden Fall tut die Klimaschutzagentur Region Hannover eine ganze Menge: Sie berät und informiert, sie vernetzt und motiviert, seit einem Viertel-jahrhundert schon. Zum Jubiläum macht die Klimaschutzagentur jetzt noch mehr: Mit dem Klima-Slam Gradwanderungen gibt es von ihr mal richtig was auf die Ohren. Das richtige Maß ist nämlich zu finden: zwischen nachhaltig lautem Alarm und der nötigen Zuversicht auf eine klimagerechte Zukunft. Mit ihren Texten begeben sich die Poetry-Slammer:innen Antonia Josefa, Annika Blanke, Tanja Schwarz und Matti Linke auf eine gesellschaftliche und kommunikative Gratwanderung – klimaaffin moderiert von Hannovers be-währten Slam-Managern Henning Chadde und Jan Sedelies.In Kooperation mit Klimaschutzagentur Region Hannover und »Macht Worte!«.Foto: Nerea Lakuntza

  14. 144

    »Antigone« in Leichter Sprache

    »Antigone« in Leichter Sprache  Sophokles’ Klassiker barrierefrei für alle Anne Leichtfuß (Übersetzerin)Nicht alle Menschen sind in der Lage, jede Information gleich gut zu verstehen. Manche Texte stellen für Viele eine große Hürde dar. Um ihnen mehr Teilhabe zu ermöglichen, entstand 1974 Easy Read, die englische Version von Leichter Sprache. Seit Ende der 1990er etabliert die sich zunehmend auch hierzulande – rund 17 Millionen Menschen profitieren davon. Es geht dabei nicht nur um behördliche Kommunikation. Auch Literatur wird erschlossen. Nun ist Anti•gone. Sophokles in Leichter Sprache erschienen, die berühmte Tragödie um Staatsräson und Aufbegehren. Anne Leichtfuß hat für eine Aufführung in den Münchner Kammerspielen, in Zusam-menarbeit mit dem Ensemble, den Text übersetzt. Bestimmt keine leichte Sache, denkt Salon-Moderator Matthias Vogel und spricht mit Anne Leichtfuß über das rechte Maß an Einfachheit. Shirin Eissa und Mohamed Achour vom Schauspiel Hannover lesen ausgewählte Passagen. Foto: Magdalena Vidovic

  15. 143

    Open Source Intelligence

    Open Source IntelligenceGegen Fake-News: für einen nachrichtendienstlichen Journalismus Lea Weinmann (Journalistin)Der Begriff Open Source Intelligence, kurz OSINT, stammt ursprünglich aus dem Bereich der Nachrichtendienste und beschreibt heute die Recherche mithilfe von (online) frei zugänglichen Daten. Dabei werden von einer simplen Google-Suche bis hin zur Geolokalisierung von Fotos und Videos alle Register der Recherchekunst gezogen. Lea Weinmann arbeitet im Investigativteam der Süddeutschen Zeitung und ist Spezi-alistin für OSINT-Recherchen. Sie hat unter anderem über die aktuellen Proteste im Iran geschrieben oder den massiven ukrainischen Drohnenangriff auf russische Langstrecken-bomber untersucht. Welche Tools werden bei OSINT-Recher-chen genutzt? Wie verarbeitet man die Flut von Berichten und Aufnahmen nach großen Ereignissen? Welche Bedeutung OSINT für den modernen Journalismus in Zeiten von Social Media und Fake News hat, fragt Salon-Moderator Jonas Pagel. In Kooperation mit dem AStA der Leibniz Uni Hannover.Foto: Magdalena Vidovic

  16. 142

    »Geld als Waffe«

    »Geld als Waffe«  Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet Ulrike Herrmann (Journalistin)Blutzoll. Der Preis des Krieges. Eine Metapher, dachten wir. Nach der Lektüre von Ulrike Herrmanns neuem Buch Geld als Waffe denken wir anders. Hat nicht schon Trumps Umgang mit Zoll etwas Quasi-Militärisches? Herrmann, eine von Deutschlands wichtigsten Wirtschaftserklärer:innen (Das Ende des Kapitalismus) zeigt, dass und wie Kriege ganz buchstäblich eher so etwas wie Zollblut fordern als Blutzoll: Wirtschaft ist Kriegsursache und Kriegswaffe zugleich (»Waffen kosten Geld – was das Geld zur eigentlichen Waffe macht. Es ist die Waffe aller Waffen.«). Was, wenn Waffen auch Geld schaffen und nicht nur kosten? Ist es in Russlands wirtschaftlichem Interesse, weiter Krieg zu führen? Ist es in Chinas Interesse, Taiwan anzugreifen, um von wirtschaftlichen Problemen abzulenken – oder sie gar zu lösen? Was ist eine »Kriegswirtschaft«? Salon-Moderator Joachim Otte fragt nach Waffenwirtschaft und Wirtschaftswaffen.Foto: Nerea Lakuntza

  17. 141

    »Einsamkeit«

    »Einsamkeit« Ein wissenschaftlicher Blick auf ein Hundert Jahre altes Gefühl  Maike Luhmann (Psychologin), Janosch Schobin (Soziologe) No man is an island. Der Mensch ist ein soziales Wesen, er braucht Gemeinschaft, Nähe, Freundschaft. Wie diese Bedürfnisse nicht erfüllt wurden, hat insbesondere Corona verdeutlicht: Einsamkeit ist ein Gesundheitsfaktor. 2024 hat die Bundesregierung erstmals ein »Einsamkeitsbarometer« veröffentlicht, das maßgeblich auf der Forschung von Maike Luhmann beruht. Die Psychologin forscht seit 15 Jahren zu Einsamkeit. Ergebnis: Armut, Care-Arbeit, Migrations- und Fluchterfahrungen erhöhen das Risiko signifikant. Einsamkeit betrifft alle Altersgruppen, aber Frauen tendenziell mehr als Männer; Menschen aus dem Osten mehr als Menschen aus dem Westen. Janosch Schobin betrachtet das Problem aus globaler Perspektive und sprach weltweit mit Menschen, die von Einsamkeit betroffen sind. Mit Luhmann (Einsamkeit) und Schobin (In Zeiten der Einsamkeit) spricht Salon-Moderatorin Mariel Reichard über zwei Bücher und ein universelles Gefühl.Foto: Magdalena Vidović

  18. 140

    »Sommer 24«

    »Sommer 24«Als Schriftsteller die Welt aushalten: One Book After Another  Navid Kermani  (Autor)  Über 40 Bücher hat Navid Kermani inzwischen veröffentlicht: Reportagen, Aufsätze, Reden, Erzählungen, Romane. Wer als vielfach preisgekrönter Autor so umfassend und so lange schon das Weltgeschehen als Chronist begleitet, wird seiner Sache sicher sein, oder? Und müsste das nicht besonders dann gelten, wenn Ereignisse beschrieben werden, die schon aus der Gegenwart heraus als historische Epochenbrüche charakterisiert werden? Gaza-Krieg, Ukraine, der Zerfall »des Westens« und seiner Werte – davon handelt Kermanis Roman Sommer 24. Dessen Erzähler allerdings ist sich eben nicht mehr sicher: Er konstatiert Uneindeutigkeiten in jenem Sommer, bemerkt Brüche und Widersprüche in den schriller werdenden öffentlichen Debatten – nicht nur dort, sondern auch im Privaten. »Steht das eine mit dem anderen im Zusammenhang?« fragt Kermanis Erzähler im Roman. Vom Autor Navid Kermani will die DLF-Redakteurin und mehrfache Literaturpreis-Jurorin Wiebke Porombka das auch wissen, bei dessen drittem Salon-Besuch nach 2002 und 2011. Foto: Rosa Burczyk

  19. 139

    Grenzgänger:innen

    Grenzgänger:innenÜber Mauern und wie wir sie einreißen können Daniel Kubiak (Soziologe)Olivia Schneider (»Ostfluencerin«) Ost? West? Mauer in Deutschland? Das ist doch Geschichte. Alles längst wiedervereint, oder? Doch manche Mauern sind geblieben — nicht aus Beton, sondern in den Köpfen, im Alltag, in Biografien. Gerade junge Ostdeutsche erleben, wie Vorurteile und Unterschiede fortbestehen. Was heißt es, heute »ostdeutsch« zu sein? Was erzählen junge Menschen über Herkunft und Zugehörigkeit? Wie lassen sich diese unsichtbaren Grenzen überwinden? Und was ist denn da eigentlich los mit der AfD? Während der Westen den 35. Jahrestag der Wiedervereinigung feiert, versuchen Olivia Schneider und Daniel Kubiak diese Fragen aus einer ostdeutschen Sicht zu verstehen. Die »Ostfluencerin« Schneider teilt Szenen aus ihrem Alltag: Senfeier, Schlemmerstuben — La Ostdeutsche Vita eben —, während Daniel Kubiak seit Jahren an der jungen ostdeutschen Identitätsbildung forscht. Um Senfeier geht es vielleicht trotzdem kurz.Moderation: Vanessa BeyerFoto: Nerea Lakuntza

  20. 138

    »Onigiri«

    wg.literatur – Junge Schriftsteller:innen und ihre literarischen Debüts in hannoverschen Wohngemeinschaften»Onigiri«Yuko Kuhn (Autorin)Dass ihre Großmutter vor sechs Monaten gestorben ist, hat die Prota-gonistin Aki erst gar nicht bemerkt. Ihre Mutter Keiko auch nicht. Sie ist dement, deshalb vergisst sie diesen Tod später sogar. Kurzerhand beschließt Aki, mit Keiko noch einmal nach Japan zu reisen und erhofft sich — ja, was eigentlich? Behutsam verhandelt Kuhn in ihrem Roman eine Tochter-Mutter-Beziehung, die  geprägt ist von kulturellen Gegensätzen, Familienvergangen-heiten und der Suche nach Zugehörigkeit. Moderation: Greta Hauptmann Aus rechtlichen Gründen mussten wir die Lesestellen kürzen.Foto: Rosa Burczyk

  21. 137

    Sommerhaus, 28 years later

    Sommerhaus, 28 years laterHoly Hermann! Vom »Fräuleinwunder« zur KlassikerinJudith Hermann (Autorin)28 Jahre nach der Erstveröffentlichung liest die Autorin von Sommerhaus, später (1998) aus ihrem Werk vor — mit einem gelben Reclams-Universal-Bibliothek-Bändchen in der Hand. So ist es: Judith Hermann ist jetzt RUB und sozusagen doppelt kanonisiert — sie lebt hinfort im deutschen Literaturkanon und -pantheon zugleich. 1999 wurde sie vom SPIEGEL noch subsäftelnd als Teil eines »Fräuleinwunders« bezeichnet — heute Schullektüre, Klassiker, Literaturgeschichte. Alexander Košenina, Professor am Deutschen Seminar der Leibniz Universität und Literaturkritiker für die FAZ, hat RUB 14699 mit Anmerkungen und einem Nachwort versehen. Bei ihrem dritten Salon-Besuch fragt er die Autorin, wie sie selbst auf die 28 Jahre zurückblickt, was der »Berliner Sound« war (oder ist?) und wie Sommerhaus, später sich im Kontext der Hermann’schen Poetikvorlesung Wir hätten uns alles gesagt von 2023 liest. Moderation Alexander Košenina.Foto: Rosa Burczyk

  22. 136

    »Cum/Ex, Milliarden und Moral«

    »Cum/Ex, Milliarden und Moral« Bürgergeld ist Peanuts dagegen: Finanzkriminalität in Deutschland Anne Brorhilker (Juristin) Die Angaben schwanken. Sicher ist: Wirtschafts- und Finanzkriminalität kostet den Staat eine dreistellige Milliardensumme — jährlich. Steuerhinterziehung allein verursacht einen Gesamtschaden von ungefähr 100 Milliarden Euro pro Jahr. Obendrein wird dieselbe Summe nach Schätzungen von Finanzwende e. V. in Deutschland gewaschen — ein Land, das gerne über Sozialschmarotze redet. Wir machen mit, allerdings mit Anne Brorhilker, seit Juni 2024 im Vorstand von Finanzwende e. V. Die langjährige Kölner Oberstaatsanwältin wurde bekannt als Cum/Ex-Chefermittlerin. »Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen« — die Tatsache, dass das, was nach Stammtisch klingt, leider allzu wahr ist, brachte Brorhilker nicht nur dazu, zu einer NGO zu gehen, sondern auch, ein Buch zu schreiben: Cum/Ex, Milliarden und Moral. Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt, erklärt sie Salon-Moderator Joachim Otte. Foto: Ole Spata

  23. 135

    HANNA 2025 – Der Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover

    HANNA 2025 – Der Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover  Preisverleihung an Jehona Kicaj im Literarischen SalonJehona Kicaj ist neue Preisträgerin des HANNA 2025, so heißt jetzt der Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover, der seit 2017 vergeben wird. Ausgezeichnet wurde Jehona Kicaj für ihren Roman ë. Aus der Jury-Begründung: »Ein Mädchen gelangt nach Deutschland und entkommt damit dem Kosovokrieg. Es kann nur Albanisch, die Sprache mit dem kaum hörbaren Buchstaben »ë«. In diesem winzigen Zeichen ist Jehona Kicajs Debütroman verdichtet. Dieser handelt von traumatisierenden Kriegsfolgen, von einer gegen die kyrillische Schrift des Feindes verteidigten eigenen Kultur, vom Lernen der deutschen Sprache in Kindergarten und Schule, vom Stigma fremd wirkender Worte, Namen und Zeichen.« Wir freuen uns auf eine gloriose Rückkehr: Jehona Kicaj hat an der Leibniz Universität Hannover ihren Master für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft gemacht, ebendort bekommt sie jetzt den HANNA 2025 samt 10.000 € Preisgeld von OB Belit Onay überreicht. Die Laudatio hält Lara Sielmann (DLF); die Musik machen Elina Duni & Rob Luft.Foto: Rosa Burczyk

  24. 134

    »Das Land, das ich dir zeigen will«

    »Das Land, das ich dir zeigen will«  Unterwegs an einem Ort der Widersprüche Sara Klatt (Autorin)Jede Gesellschaft ist vielfältiger, als sie auf den ersten Blick scheinen mag. Das gilt auch und zurzeit vielleicht besonders für einen kleinen Staat wie Israel. Das Land, das ich dir zeigen will ist als Roman vor dem 7. Oktober entstanden. Darin folgt man der Protagonistin auf ihrer Reise zwischen Tel Aviv und Jerusalem. Eine überzeugte Tramperin, geprägt von der Geschichte ihres Großvaters, einem Berliner Juden, der in den 1940er Jahren in Israel ein neues Leben fand. Es ist eine Reise durch ein Israel, wie es vor dem aktuellen Krieg und seinen grausamen Folgen existierte. Die Fotojournalistin und Autorin Sara Klatt hat ein außergewöhnliches Debüt veröffentlicht, geprägt von Menschenliebe und einem scharfsinnigen Blick für die Feinheiten des menschlichen Zusammenlebens. Salon-Moderatorin Mariel Reichard fragt, was es in diesem Land vor langer und kurzer Zeit alles zu sehen gab — und was davon noch übrig ist.Foto: Rosa Burczyk

  25. 133

    »Goodbye, Amerika?«

    »Goodbye, Amerika?«Wie geht es weiter – beziehungsweise: Geht es weiter mit den USA?Rieke Havertz (Journalistin)Okay, 2016 hat ein Land einen absurd unsympathischen, frauenverachtenden, rassistischen Hochstapler zum Präsidenten gemacht. Aus Versehen! Der war doch schnell wieder weg, mit good old Joe Biden war dann alles wieder gut und dieser Trump bloß politischer Blechschaden. Leider nein. Er ist wieder da. Braucht es in Zukunft also »eine Neuvermessung« im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten? Das befürchtet die »OK, America?«-Podcasterin und ZEIT-Journalistin Rieke Havertz in ihrem Buch Goodbye, Amerika? Sie fragt darin, was bleiben wird von diesem Land, von der großherzigen Lässigkeit seiner Menschen mit ihrem unermüdlichen Optimismus. Warum haben die Trump wiedergewählt? Wo war die Demokratische Partei, warum haben sich die Republikaner diesem Mann restlos unterworfen? Und wird aus einer innigen transatlantischen Freundschaft jetzt eine banale internationale Beziehung? fragt Salon-Moderator Jens Meyer-Kovac.Foto: Hannah Aders

  26. 132

    »Hoffnungslos optimistisch«

    »Hoffnungslos optimistisch«Sind wir noch zu retten? Dirk Steffens (Journalist, Fernsehmoderator)Er kennt die entlegensten Winkel der Erde — und weiß, wie fragil sie sind: Dirk Steffens, Journalist, Fernsehmoderator und langjähriges Gesicht von Terra X, zeigt uns stets aufs Neue die Schönheit und die Verletzlichkeit unseres Planeten. In seinen Reportagen trifft er auf seltene Tierarten, bedrohte Lebensräume und mutige Menschen, die sich für die Natur einsetzen. Doch wie geht das eigentlich: über die Klimakrise sprechen, ohne in Endzeitstimmung zu verfallen? Was bringt Artenschutz konkret? Wo muss man ansetzen? Und woher nimmt man die Zuversicht, wenn täglich neue Hiobs-botschaften auftauchen? Salon-Moderatorin Mariel Reichard spricht mit Steffens über Verantwortung, Hoffnung und Optimismus. Getreu dem Motto: Wer die Welt versteht, kann sie auch verändern. Darum geht es auch in Steffens neuem Buch Hoffnungslos optimistisch — und um die Frage, ob Optimismus sogar Widerstand sein kann. Moderation: Mariel ReichardFoto: Magdalena Vidović

  27. 131

    »Adlergestell«

    wg.literatur – Junge Schriftsteller:innen und ihre literarischen Debüts in hannoverschen Wohngemeinschaften»Adlergestell«Laura Laabs (Regisseurin, Schriftstellerin)Ostberlin, 1990er Jahre: Drei Freundinnen wachsen in der Nachwendezeit zwischen Plattenbauten am Rand der Stadt auf und erleben ihre Kindheit als eine Zeit voller Freiheit und Aufbruch. Doch nach einem Unfall trennen sich ihre Wege, sie verlieren sich aus den Augen. Jetzt, in der Gegenwart, sucht die Erzählerin nach Antworten und blickt zurück auf ihr Leben. Was bleibt von Freundschaft, Kindheit, Zukunftsversprechen? Und hatten die drei überhaupt jemals Kontrolle über ihr Leben? Moderation: Lida Shams-MostofiFoto: Nerea Lakuntza

  28. 130

    »Unverdiente Ungleichheit«

    »Unverdiente Ungleichheit«   Warum wir Vermögen besteuern müssenMartyna Linartas (Politikwissenschaftlerin)Deutschland ist eine Erbengesellschaft, und das ist ein Problem für die Demokratie. Mehr als die Hälfte der Vermögen wird nicht erarbeitet, sondern vererbt. Die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich; gesellschaftlicher Aufstieg wird schwieriger. Alle Statistiken zeigen, dass die Verteilung der Vermögen und nicht die der Einkommen zentrale Triebfeder der wachsenden Ungleichheit in Deutschland ist. Ein Mittel zur Korrektur dieser Entwicklung ist laut Martyna Linartas die viel diskutierte Erbschaftssteuer. In ihrem Buch Unverdiente Ungleichheit zeichnet sie die Geschichte dieser Steuer nach und spricht mit einigen der mächtigsten Wirtschaftsbosse aus Deutschland und Mexiko. Wie steht die Wirtschaftselite zu diesen Fragen? Und warum scheint es so schwer, vererbtes Vermögen zu besteuern? Fragen, die auch Salon-Moderator Jonas Pagel interessieren.In Kooperation mit dem AStA der Leibniz Uni HannoverFoto: Magdalena Vidović

  29. 129

    »Nerd Girl Magic«

    »Nerd Girl Magic«Sag das Zauberwort, und du hast die Macht   Simoné Goldschmidt-Lechner (Autorin) »Nerd« heißt automatisch Jungs mit Brille und Star-Wars-T-Shirt? Falsch gedacht! Autorin Simoné Goldschmidt-Lechner seziert die Nerd-Kultur und setzt sie aus einer nicht-weißen, nicht-männlichen, nicht-autoritären Perspektive neu zusammen. Das Ergebnis? Eine intersektionale Betrachtung von Filmen, Spielen, Comics und Anime, die zeigt, wie Nerd-Kultur als utopischer Rückzugsort für FLINTA*, queere Menschen und BIPoC funktionieren kann. Cosplay statt Konfrontation, Fanfiction statt Frustration: Nerd Girl Magic enthüllt das widerständige Potential scheinbar eskapistischer Hobbys und kreiert eine Vision, in der Nerd-Sein nicht nur Weltflucht bedeutet, sondern auch Weltentwurf. Salon-Moderatorin Zoë Lecht fragt, was Star Trek mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat, warum D&D-Kampagnen politischer sein können als Parlamentsdebatten oder weshalb »Live long and prosper« ein radikalerer Slogan ist als so manches Demo-Banner. Foto: Nerea Lakuntza

  30. 128

    »Zeitverschwendung«

    »Zeitverschwendung«  Über Gammeln, Warten, Driften in Film und Literatur Michaela Krützen (Medienwissenschaftlerin)»Es gibt keine Tätigkeit, die per se Zeitverschwendung ist. Jede Epoche, jede Klasse und jede Kultur arbeitet sich daran ab, was sie für vergeudete Zeit hält.« Zeitverschwendung heißt Krützens Studie, in der sie einen »Schlängelreigen« aus Figuren in Film und Literatur entfaltet. Da wären Marie Antoinette (in Sofia Coppolas Film), Patrick Bateman (American Psycho), Jeff Lebowski (The Big Lebowski) oder Betty Draper (Mad Men). Insgesamt zehn Beispiele hat Krützen versammelt und in Beziehung gesetzt zu Texten aus Soziologie und Philosophie. Das Verhältnis von Arbeit und Müßiggang sowie die Bedeutung von Status und Geld geben dabei nicht nur Auskunft darüber, was jeweils als Zeitverschwendung gilt, sondern auch, in welcher Welt diese Figuren leben. Salon-Moderator Matthias Vogel spricht mit Michaela Krützen über Außenseiter:innen und  Vermeider:innen.Foto: Magdalena Vidovic

  31. 127

    »Ungebetene Gäste«

    »Ungebetene Gäste«Über weiße Lügen und böse Zungen Ayelet Gundar-Goshen (Autorin)  Schweigen kann fatale Folgen haben. Zum Beispiel dann, wenn ein arabischer Arbeiter verdächtigt wird, ein Kind getötet zu haben, obwohl eine israelische Mutter weiß, dass er unschuldig ist. Oder wenn die Angst um die eigene Familie sich mit der Dynamik einer gespaltenen und rassistischen Gesellschaft zu einem üblen Gift vermischt. Die in Tel Aviv lebende Autorin und Psychologin Ayelet Gundar-Goshen (Löwen wecken, Wo der Wolf lauert) hat mit Ungebetene Gäste ein »flirrendes, intimes Psychodrama über Rassismus und Rache, Mutterliebe und Lüge aus Angst« (NDR Kultur) geschrieben. Ein Roman, der nicht vor der Komplexität der politisch-gesellschaftlichen Lage in Israel zurückschreckt und zeigt, wie sich ebendiese Komplexität auf einzelne Menschen auswirkt. Carsten Hueck (DLF) wagt mit der Autorin einen Blick auf ein zutiefst verstörendes Gesellschaftsporträt. Anja Herden vom Schauspiel Hannover liest die deutschen Passagen. Foto: Anton Vester

  32. 126

    AfD verbieten! AfD verbieten?

    AfD verbieten! AfD verbieten?Monika Grütters (Ex-MdB, Ex-Staatsministerin f. Kultur)Philipp Ruch (Autor, Aktivist)Im letzten Winter entschlossen wir uns, einen Abend zum AfD-Verbot zu machen. Inzwischen darf man sagen: Seitdem hat das Thema  m ä c h t i g  an Fahrt aufgenommen!Doch die Grundhaltungen haben sich eigentlich nicht geändert.Das reicht nicht für ein Verbot!Wenn das nicht reicht, was dann?Verbieten schafft Märtyrer und macht alles noch schlimmer!Nicht verbieten schafft schlimmstenfalls Demokratie ab!Usw.Am Montag diskutiert Philipp Ruch, Gründer und Chef vom Zentrum für Politische Schönheit, mit Ex-MdB und der ehemaligen Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, über das Problem. Ruchs Position ist hinreichend klar – als Höcke-Nemesis (das Zentrum baute im bisher vll schönsten Akt politischer Schönheit das "Denkmal der Schande" im Kleinformat direkt neben Höckes Privatgrundstück nach) und als Buchautor (Es ist 5 vor 1933. Was die AfD vorhat und wie wir sie stoppen). Bei Monika Grütters ist es komplexer. Sie war einige der wenigen CDU-MdBs, die sich Merz' Migrationsabstimmung im Januar explizit verweigerte (»Ich ertrage diese Nähe zur AfD nicht«). Sie sagt aber auch: »Entscheidend ist die politische, inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD. [...] Wer stattdessen ein Parteiverbot als Lösung aller Probleme verkauft, macht es sich deutlich zu einfach.«Es moderiert den Abend Joachim Otte.Foto: Hannah Aders

  33. 125

    »Tausendmal so viel Geld wie jetzt« oder »Fake Coins«?

    »Tausendmal so viel Geld wie jetzt« oder »Fake Coins«? Die Krypto-Bros und die Suche nach den Bitcoin-Millionen Juan Guse (Autor)Aaron Sahr (Wirtschaftssoziologe)Mann, ist das kompliziert: Geldschöpfung aus dem Nichts, Geldmengenvermehrung, aufgeblähte Staatshaushalte. Und dann Inflation oder was? Eine knackige Disruption muss her, mit Krypto. Dann ist Schluss mit diesem kranken Modell von Staaten samt Politikern, Bankern, Brokern. Weg mit den ganzen Zwischenmännern, die kassieren doch alle mit. Marktzugang für alle lieber, Finanzsystem von Grund auf dezentralisieren! Das ungefähr ist die wütende Basis, auf der die Bitcoin-Träumer ihre neue und viel freiere Welt errichten wollen. Vier von denen, alles Männer, beschreibt Juan Guse in Tausendmal so viel Geld wie jetzt. Und es stimmt ja: Die wurden tatsächlich reich in der Krypto-Welt. Allerdings wird diese kritisch gesehen von ihren Gegner:innen. Aaron Sahr wäre einer davon. Der Wissenschaftssoziologe schreibt zurzeit an seinem Buch Fake Coins, und als Herausgeber der bpb-Schrift Geldpolitik im Umbruch spricht er von »Schneeballoperationen zur Generierung von Einnahmen«. Ja, was denn nun? Fragt Salon-Moderator Jens Meyer-Kovac.Foto: Magdalena Vidovic

  34. 124

    »Die Summe unserer Teile«

    wg.literaturJunge Schriftsteller:innen und ihre literarischen Debüts in hannoverschen Wohngemeinschaften»Die Summe unserer Teile«Paola Lopez (Autorin)Alles beginnt mit dem Steinway-Konzertflügel, der plötzlich in Lucys WG-Zimmer steht. Es ist das Instrument, an dem Lucy unfreiwillig ihre halbe Kindheit verbracht hat. Es steht für alles, was sie hasst. Nicht zuletzt für das schlechte Verhältnis zu ihrer Familie. Doch der Flügel entpuppt sich als Brücke: zu ihrer in Polen geborenen Oma, die später eine der ersten Chemikerinnen im Libanon wird, zu ihrer distanzierten Mutter und schließlich zu ihr selbst. Moderation: Bianca Saborowski Foto: Magdalena Vidovic

  35. 123

    »Der große Rausch« und Drogenpolitik

    »Der große Rausch« und DrogenpolitikGeht Deutschland zurück auf null Toleranz?Helena Barop (Autorin, Historikerin)Doch, doch — es gab sie, diese leise Aufbruchstimmung, die die »Ampel« anfangs verbreitete. Es ging ja tatsächlich voran: Abtreibungsrecht, sexuelle Selbstbestimmung, Einwande-rungsgesetz. Und erst die Drogenpolitik: Das Cannabisverbot fällt — legalize it! Helena Barop hat Der große Rausch, diese »Pflichtlektüre für Politiker und Drogenbeauftragte« (FAZ), Ende 2023 veröffentlicht. Da war bekanntlich längst kein Aufbruch mehr. Also endet Barops Buch entsprechend hellsichtig: »Es wäre nicht überraschend, wenn auf die aktuelle Phase der relativen drogenpolitischen Offenheit wieder ein Backlash folgen würde.« Danach sieht es aus, und es ist wohl symptomatisch, wenn auch auf diesem Feld eine Kulturkampf-Revanche ansteht. Wie fragte noch Friedrich Merz: »Bubatz? Also wenn Sie meinen, Cannabis, dann sage ich: Nein, wir wollen das wieder korrigieren.« Was das heißt, will Salon-Moderator Jens Meyer-Kovac von Helena Barop wissen, inklusive einer Antwort auf den Untertitel ihres Buchs: Warum Drogen kriminalisiert werden.Foto: Rosa Burczyk

  36. 122

    »Wenn wir lächeln«

    wg.literaturJunge Schriftsteller:innen und ihre literarischen Debüts in hannoverschen Wohngemeinschaften»Wenn wir lächeln«Mascha Unterlehberg (Autorin)Jara und Anto sind scheinbar unzertrennlich. Doch als Anto im reißenden Fluss verschwindet und Jara den Männern in der Bar statt einem Lächeln lieber einen Tritt schenken will, wird ihre bisherige heile Welt aus der Achse gerissen. Was ist, wenn aus Ohnmacht Wut wird, aus jugendlichen Gewaltfantasien bitterer Ernst? Die Freundschaft zweier Mädchen wird auf die Probe gestellt — eine Freundschaft, geprägt von Cherry-Cola-Lip-Gloss, Bikini Kill und mit Blut beschmierten Baseballschlägern. Moderation: Zoë LechtFoto: Magdalena Vidovic

  37. 121

    »Stars«

    »Stars« Erfolg mit Astromumpitz Katja Kullmann (Autorin, Journalistin) Was tun, wenn man die Verbindung zu seinem Kanarienvogel verloren hat? Man wendet sich an Cosmic Charly, der innerhalb von fünf bis sieben Werktagen eine astrologische Beratung liefert. Karma-Report oder Persönlichkeitsanalyse? Kein Problem! Tatsächlich steckt Carla Mittmann dahinter, die ihr Leben in der Serviceabteilung eines Möbelherstellers parkt. Nebenbei verkauft sie leidenschaftslos und ohne daran zu glauben Astrotipps. Als plötzlich ein Karton mit zehntausend Dollar vor ihrer Tür steht, tauscht sie Bürojob gegen Vollzeit-Astrobusiness ein und steigt bald zur Star-Astrologin auf. Auf clevere und pointierte Art erzählt Katja Kullmann in Stars von einer Sehnsucht nach etwas Größerem. Aber kann man den Sternen überhaupt glauben? Und ist man immer gleich eine Hochstaplerin, wenn man den Leuten das gibt, was sie wollen — und damit auch noch erfolgreich ist? Das fragt Salon-Moderatorin Greta Hauptmann. Foto: Magdalena VidovicKatja Kullmann, Stars(c) 2025 Hanser Berlin in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München

  38. 120

    »Ours. Die Stadt«

    Das Gespräch wird in englischer Sprache geführt. »Ours. Die Stadt«  Wenn Freiheit ein Ort wäre — eine schwarze Utopie  Phillip B. Williams (Autor)Was passiert, wenn ein Ort, geschaffen aus Schmerz und Hoffnung, zur letzten Zuflucht wird? In seinem Roman Ours. Die Stadt entwirft der amerikanische Autor Phillip B. Williams eine packende Erzählung über einen Ort, den es nie geben durfte: Ours. Eine geheime Stadt im Amerika des 19. Jahrhunderts, erschaffen für entflohene Versklavte und geschützt durch Magie — ein Ort der Freiheit. Doch als eine neue Gefahr droht, müssen die Bewohner:innen entscheiden, was sie für ihre Unabhängigkeit zu opfern bereit sind. Der Autor verbindet Widerstand mit Poesie. Zwischen historischen Fakten und fantastischen Elementen entwirft Phillip B. Williams ein episches Narrativ über Zugehörigkeit und Emanzipation. Nach fragilen Utopien, Identitäten und dem Preis der Unabhängigkeit fragt Salon-Moderatorin Lida Shams-Mostofi. Die deutschen Passagen liest Torben Kessler vom Schauspiel Hannover.Foto:  Magdalena Vidovic

  39. 119

    Don’t Tread on Me

    Don’t Tread on Me   Was Musk, Milei und Weidel gemein haben Andreas Kemper (Soziologe)Der Rechtsruck in Deutschland und der ganzen Welt ist nicht mehr zu übersehen. Überall, so scheint es, greifen autoritäre Kräfte um sich. Donald Trump schafft mit Hilfe seines DOGE-»Ministers« Elon Musk ganze Zweige der US-Regierung ab, und Javier Milei will in Argentinien die Bürokratie mit der Kettensäge zerlegen. Diese Menschen verbindet eine gemeinsame Ideologie: der Libertarismus. Minimaler Staat bei maximaler Freiheit! Steuern sind Raub! Der Soziologe Andreas Kemper forscht in diesem Bereich, schrieb schon über »totalitär-kapitalistische Privatstädte in Honduras« und beobachtet besorgniserregende Entwicklungen in libertären Kreisen. Was genau macht also diesen Libertarismus aus, und warum kann er gefährlich werden? Was passiert, wenn ungebremste Freiheit den Gesellschaftsvertrag aufkündigt? Und für wen soll diese Freiheit überhaupt gelten? Fragt Salon-ModeratorJens Meyer Kovac.Foto: Hannah Aders

  40. 118

    »Fremde Verwandtschaft. Eine Kulturpoetik der Bäume«

    LEIDER GAB ES BEI DER AUFZEICHNUNG TECHNISCHE PROBLEME. Am Anfang und am Ende fehlen ein paar Minuten. Ansonsten ist aber alles zu hören. Wir bitten, diese kleine Panne zu entschuldigen.»Fremde Verwandtschaft. Eine Kulturpoetik der Bäume« Bäume als kunstvolle Konstruktionen aus Erzählen und ErlebenSolvejg Nitzke (Literaturwissenschaftlerin)Im Lauf der Geschichte haben wir Menschen vielfältige Beziehungen zu Bäumen entwickelt, die besonders in poetischen Texten fixiert sind. Darin sind Bäume Orte der Zuflucht und des Gedächtnisses; unter Bäumen findet sich Liebe und die Hoffnung auf Selbstbestimmung ebenso wie das Geschehen von Recht und Unrecht. Bäume werden, so zeigt Solvejg Nitzke in ihrer Studie Fremde Verwandtschaft, sentimental überhöht und gehören zum Arsenal des Unheimlichen. Neben emotionaler Aufladung und Mystifizierung steht ein brutaler Utilitarismus: Bäume sind nichts als Ressource, ein Ding, kein Lebewesen. Gerade vor dem Hintergrund des Anthropozäns wird die Mensch-Baum-Beziehung also deutlich krisenhaft, die Versuche einer Rettung dramatisch. Salon-Moderator Matthias Vogel bespricht mit Solvejg Nitzke arboreales Erzählen und fragt, ob Literatur am Ende Bäume retten kann.Foto: Hannah Aders

  41. 117

    »Wir waren Heldinnen«

    »Wir waren Heldinnen«Hart erkämpft: Wie Frauen zum Fußball fandenTorsten Körner (Autor, Dokumentarfilmer)Bärbel Wohlleben (ehem. Fußballspielerin)»Frauenfußball, Männerfußball — es ist ein Fußball«. So sprach 2022 Lena Oberdorf, eine der bekanntesten Spielerinnen des Landes, und wurde für diese Worte prompt ausgezeichnet. Denn auch heute noch scheinen Frauen sich dafür rechtfertigen zu müssen, das Runde ins Eckige zu schießen. Dass sie das können, bewies dabei schon Bärbel Wohlleben, als sie 1974 beim Finale um die Deutsche Meisterschaft aus 25 Metern Entfernung das Leder im Tor versenkte. Das machte sie zur ersten »Tor-des-Monats«-Schützin — nur vier Jahre, nachdem es Frauen überhaupt erst erlaubt wurde, offiziell gegen den Ball zu treten. Wie sich Frauen wie Wohlleben in der Bundesrepublik und im DFB den Platz erkämpft haben, berichtet Torsten Körner in seinem neuen Buch Wir waren Heldinnen. Der Autor und Dokumentarfilmer (Die Unbeugsamen, Schwarze Adler) ist bekannt für seine gründlichen Recherchen und weiß, wie man die gesellschaftspolitische(n) Geschichte(n) vom Fußball und von Frauen erzählt. Jetzt hat er beides vereint. Salon-Moderatorin Mariel Reichard fragt den Grimme-Preisträger Körner und die Fußballpionierin Wohlleben nach Heldinnen, System und Zusammenhängen.Foto: Nerea Lakuntza

  42. 116

    »Außenseiter«

    »Außenseiter«Zur Aktualität von Hans Mayers Hauptwerk, erschienen vor 50 JahrenDoron Rabinovici (Autor)Liliane Weissberg (Germanistin)Am 8. und 9. Mai lädt das Deutsche Seminar der Leibniz Universität zur Tagung »50 Jahre Hans Mayer: Außenseiter:innen« ins Literaturhaus Hannover. Hans, äh, wer …? Doch, den muss man hier kennen. Denn Mayer, einer der bedeutendsten Germanisten des vergangenen Jahrhunderts, gründete 1965 nicht nur das hiesige Deutsche Seminar, seine berühmten »Literarischen Kolloquien« brachten obendrein schriftstellerische Prominenz in die Stadt: Lenz, Johnson, Grass etc. Außenseiter gilt als Mayers Hauptwerk, es ist vor 50 Jahren erschienen. Im Vorwort zur Neuauflage der Außenseiter 2007 nennt es Doron Rabinovici ein »Grundbuch unserer Zivilisation«; der israelisch-österreichische Schriftsteller hält es — durch die Themen Judenhass, Antizionismus, Misogynie und Homophobie — für aktueller denn je. Rabonivici spricht mit der Germanistin Liliane Weissberg (University of Pennsylvania); Literaturwissenschaftler Alexander Košenina (Leibniz Universität Hannover) moderiert. Die Tagung ›Außenseiter:innen‹ ermöglicht die Stiftung Niedersachsen. Foto: Hannah Aders

  43. 115

    Faszination »True Crime«

    Faszination »True Crime«   Ein Genre zwischen Spannung und VerantwortungBritta Mahrholz (Journalistin)Rolf Rosenstock (Creative Director)Corinna Perchtold-Stefan (Psychologin)True Crime. Das Genre, das Millionen von Hörer:innen weltweit fesselt — doch was macht die Faszination rund um mysteriöse Morde, ungelöste Vermisstenfälle und perfide Betrügereien aus? Besonders auffällig ist die überdurchschnittlich hohe Anzahl Konsumentinnen. Frauen hören mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit True-Crime-Podcasts wie Männer. Schätzungen gehen davon aus, dass das Publikum solcher Formate zu 80 Prozent weiblich ist. Welche psychologischen Mechanismen stehen dahinter? Und was ist eigentlich mit der moralischen Grenze von Konsum oder Produktion von True-Crime-Formaten? Das fragen nicht nur zahlreiche Reddit-Foren, sondern auch die Psychologin Corinna Perchtold-Stefan, die an der Uni Graz zum Thema forscht. Britta Mahrholz und Rolf Rosenstock forschen nicht, sie produzieren: den Podcast True Crime Hannover. Ethische Dimension oder der Einfluss der Medien sind nur zwei Aspekte, die Salon-Moderatorin Zoë Lecht mit ihnen kontrovers diskutiert. Foto: Ole Spata

  44. 114

    »Der Duft des Wals«

    »Der Duft des Wals«   Wenn die Wohlstandsblase zum Himmel stinkt  Paul Ruban (Autor)Ein Luxus-Resort in Mexiko. Während sich die Reichen und Schönen auf ihren Liegen räkeln, explodiert direkt vor dem Hotel ein gestrandeter Blauwal. Der Geruch des Giganten legt sich über das gesamte Anwesen und macht auch vor Gästen und Angestellten nicht halt. Das Paar, das versucht, seine Ehekrise in den Griff zu kriegen. Die narkoleptische Putzfrau, die niemand beachtet. Oder der in die Tage gekommene Mitarbeiter, der sein ganzes Leben in dem Hotel verbracht hat und jetzt in der Versenkung verschwindet. Mit Der Duft des Wals (Le parfum de la baleine) ist dem Kanadier Paul Ruban ein Überraschungserfolg gelungen. Makaber und absurd-komisch erzählt der Autor, Drehbuchschreiber und Übersetzer White-Lotus-artig von dem Unbehagen, das sich breitmacht in einem übersättigten Mikrokosmos. Wohin das noch führen soll, fragt Salon-Moderatorin Mariel Reichard. Die deutschen Passagen liest Nikolai Gemel vom Schauspiel Hannover.Foto: Nerea Lakuntza

  45. 113

    »Dunkle Momente«

    »Dunkle Momente«Recht und Gerechtigkeit sind nicht das Gleiche  Elisa Hoven (Strafrechtlerin, Autorin) Elisa Hoven, Professorin in Leipzig und Richterin am Ver-fassungsgerichtshof von Sachsen, ist eine der bekanntesten deutschen Strafrechtlerinnen. Das liegt nicht nur an ihrer rechtlichen, sondern auch an ihrer kommunikativen Kompetenz. Hoven (u.a. Instagram-Account, ZEIT-Kolumne Recht so) ist als öffentliche Fach-Vermittlerin sehr präsent. Gut. Das Strafrecht regt viele sehr auf. Es ist ja auch sehr aufregend. Nirgendwo ist die Erkenntnis, dass Recht und Gerechtigkeit nicht nur nicht das Gleiche, sondern bisweilen widersprüchlich sein können, spannender, schmerzhafter, poetischer. In ihrem Roman Dunkle Momente liefert Hoven ihre Heldin, Strafverteidigerin Eva Herbergen (Initialen beachten!), der Wucht von rechtlich-moralischen Dilemmata und Uneindeutigkeiten aus. Moderatorin Susanne Beck kennt — als Inhaberin des Strafrechts Lehrstuhl der Leibniz Universität und Krimi-Autorin — das Leben als schreibende Juristin recht gut.  Foto: Nerea Lakuntza

  46. 112

    »Ab ins All!«

    »Ab ins All!«  Über fremde Planeten und wie wir (vielleicht) dorthin kommen Anne-Dorette Ziems (Physikerin, Wissenschaftsjournalistin) Nehmen wir den Planeten HD 20794 d. Er hat die sechsfache Erdmasse, umkreist seinen sonnenähnlichen Stern in der habitablen Zone (flüssiges Wasser, erdähnliches Leben denkbar) und ist den Katzensprung von 20 Lichtjahren entfernt. Ein echtes Schmuckstück, denn von den mehr als 5600 bekannten Exoplaneten lässt sich das alles nicht sagen. Er ist einen Besuch wert. Doch wie dorthin kommen? Anne-Dorette Ziems hat sich diese Frage auch gestellt und ein kurzweiliges Buch geschrieben: Ab ins All! heißt es, Wie wir zu fremden Planeten kommen ohne dabei draufzugehen. Der legere Ton ist gewollt, das Angebot niederschwellig. Ziems kann Infor-mationen griffig präsentieren. Sie ist bei Instagram und You-Tube als ››annesnerdnight‹‹ mit kurzen Filmen über den Weltraum aktiv. Salon-Moderator Matthias Vogel ist etwas nerdig und spricht mit Anne-Dorette Ziems über ferne Planeten und Wissensvermittlung in unserer Zeit.Foto: Magdalena Vidovic

  47. 111

    Warum ›Nie wieder‹ jetzt sein muss!

    Warum ›Nie wieder‹ jetzt sein muss!Kontinuitäten rechter und rassistischer GewaltKarim Fereidooni (Rassismusforscher)Heike Kleffner (Geschäftsführerin des VBRG)»Nie wieder ist jetzt!«: einer der besseren politischen Slogans jüngerer Zeit. Kurz, catchy, klar. Vor allem: korrekt. Wenn der Schoß fruchtbar noch und immer wieder ist, dann gilt immer wieder "nie wieder". Und wenn "nie wieder" immer ist, ist "nie wieder" immer: jetzt. Weil rechte, rassistische Gewalt in Deutschland eben auch (noch) immer jetzt ist. NSU, Walter Lübcke, Marwa El-Sherbini, Halle, Hanau -- immer wieder jetzt. Rechte und rassistische Gewalt zieht sich kontinuierlich durch die deutsche Geschichte und Gegenwart. Was heißt das, was ist das; praktisch, theoretisch, historisch?Heike Kleffner (die statt des angekündigten Zuher Jazmati kommt) ist Geschäftsführerin des VBRG (Verband für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt) und setzt sich mit dem Problem täglich auseinander. Nur: »Rassismus fängt nicht mit Körperverletzung an, sondern mit der Skepsis darüber, ob jemand aufgrund seines Vornamens oder seines Aussehens zu unserer Gesellschaft gehört«, so der Rassismusforscher Karim Fereidooni, Professor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum. Salon-Moderation Mariel Reichard fragt nach dem Nie, nach dem Immer, nach dem Jetzt und nach dem Bald. (Die urspünglich angekündigte Moderatorin Andrea Röpke kann aus persönlichen Gründen nicht teilnehmen.)Foto: Ole Spata

  48. 110

    »Die schönste Version«

    »Die schönste Version«Ruth-Maria Thomas (Autorin)Jella träumt von der perfekten Beziehung, von Dinnerparties in der gemeinsamen Wohnung an lauen Sommernächten. Doch es kommt alles anders, als Yanniks Hände ihren Hals packen und beinahe nicht mehr loslassen. Nach der Flucht zurück in ihr Kinderzimmer überlegt Jella, wie es so weit kommen konnte, wie sie ihr Leben wieder auf die Reihe bekommen soll. Was folgt, sind intensive und drastisch erzählte Rückblicke: Erwachsenwerden, Grenz-überschreitungen, Schmerz.Moderation: Greta Hauptmann Foto: Ole Spata

  49. 109

    »Zwischen Mensch und Pflanze«

    »Zwischen Mensch und Pflanze«Von Sternentau bis Zombieapokalypse: Hybriden in Literatur und ComicChristina Becher (Literaturwissenschaftlerin)Zufällig gelangen hybride Pflanzenwesen, die Idonen, vom Mond des Neptun auf die Erde und würden hier gerne heimisch werden. Ob das Unterfangen glückt, beschreibt 1909 Kurd Laßwitz in seinem Roman Sternentau. In Olivia Viewegs Comic Endzeit, von 2018, geht es ums Überleben in der Zom-bieapokalypse: Vivi und Eva wollen ins sichere Jena. Unterwegs begegnet Vivi einer Gärtnerin, die eine Hybride aus Mensch, Pflanze und Zombie ist. Was zunächst wirklich ungewöhnlich klingt, ist bei näherer Betrachtung in Literatur und Comic gar nicht so selten. Christina Becher geht den Mischwesen in ihrer Studie Zwischen Mensch und Pflanze im 20. und 21. Jahrhundert nach. Im Angesicht von Krisen bekommt diese Hybride eine besondere Bedeutung; in ihr werden gesellschaftliche, botanische, Klima- und Umweltdiskurse zusammengebracht. Salon-Moderator Matthias Vogel spricht mit Chistina Becher, bildgestützt, über die komplexe Denkfigur.Foto: Sofie Puttfarken

  50. 108

    »Architektur im Anthropozän«

    »Architektur im Anthropozän« Ruinensemantik: eine spekulative ArchäologieFriedrich von Borries (Architekt, Designtheoretiker)  Fossilien sagen, wie die Gegenwart der Ausgestorbenen war. Wer übermorgen unseren Umgang mit dem Klimawandel verstehen will, wird sich mit Technofossilien zu befassen haben: mit den Überbleibseln unserer gebauten Umwelt. Denn im Anthropozän gibt es mehr gebaute als natürliche Masse. Friedrich von Borries schreibt sein Buch Architektur im Anthropozän aus Sicht zukünftiger Archäolog:innen. Beredte Objekte finden sie vor allem an den Rändern der Städte: Müllverbrennungsanlagen, Serverparks, mehrstöckige Schweineställe und Saatgut-Tresore liefern Psychogramme unserer zerstörerischen Lebensweise. Von Borries war 2008 Generalkommissar des deutschen Beitrags auf der Architekturbiennale und lehrt heute als Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis an der HfbK Hamburg. Im Gespräch mit Salon-Moderator Joachim Otte wagt er auch einen Ausblick auf weniger anthropozäntrische Architektur.   

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