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EPISODE · Jun 6, 2025 · 52 MIN

4. Patientin Psychiatrie - Schädliche Helfer?

from Patientin Psychiatrie · host Unabhängiger Arbeitskreis zur Krise der Psychiatrie

Antidepressiva und ihr Nutzen sind in den letzten Jahren zunehmend hinterfragt worden, spätestens seit der Streit um eine fragliche Überlegenheit gegenüber einem Placebo durch eine Sichtung aller Zulassungsstudien befeuert wurde. Trotz zunehmender Verschreibungszahlen, nimmt die Zahl der Patient:innen aber nicht ab.  Rechtzeitig kommt eine neue Produktpalette mit einem neuen Versprechen auf den Markt - die Dissoziativa... Teil 2 der Serie "Depressivität" über Kosten und Nutzen der medikamentösen Behandlung mit Jan Brüning gen. Brinkmann, Stefan Weinmann und Carola Stiglmayr. Email: [email protected] Zu Minute 12.50: Es gibt eine Reihe von Hinweisen zu möglicherweise bessern Verläufen der Depression ohne Einsatz von Antidepressiva. Allerdings ist die Evidenzlage nicht so klar: Eine große Meta-Analyse (Cuijpers P, Miguel C, Harrer M, et al. Cognitive behavior therapy vs. control conditions, other psychotherapies, pharmacotherapies and combined treatment for depression: a comprehensive meta-analysis including 409 trials with 52,702 patients. World Psychiatry. 2023 Feb;22(1):105-115) legt nahe, dass kognitive Verhaltenstherapie kurzfristig gleich wirksam ist wie eine antidepressive Medikation, aber langfristig wirksamer in der Verhinderung von Wiedererkrankungen. Das bedeutet, dass kognitive Verhaltenstherapie langfristig am wirksamsten ist. Eine deutsche naturalistische Studie (aus der Oberberg-Klinik in Marienfeld in NRW) konnte zeigen, dass eine stationäre Behandlung der Depression die Depressivität wirksam reduzieren konnte, dass Antidepressiva aber keinen Anteil hatten, sondern nur der psychotherapeutische Zugang: Maß R et al. Inpatient treatment decreases depression but antidepressants may not contribute. A prospective quasi-experimental study. Comprehensive Psychiatry 94 (2019) 152124 Eine britische naturalistische Studie, dass bei 130 Patienten nach sechs Monaten die Besserungsraten nichtmedikamentös behandelter Patienten bei 71 Prozent lagen und bei den medizierten bei 61%. Menschen mit Antidepressiva-Therapie ging es im Trend im Verlauf schlechter als denjenigen, die nie mit einem Medikament begonnen hatten – wobei der Schweregrad kontrolliert worden war und nicht für die Unterschiede verantwortlich war: Brugha TS, Bebbington PE, MacCarthy B, Sturt E, Wykes T. Antidepressants may not assist recovery in practice: a naturalistic prospective survey. Acta Psychiatr Scand. 1992 Jul;86(1):5-11 Eine randomisierte kontrollierte Studie von Dobson et al. 2008 () zeigte, dass eine Verhaltensaktivierung und insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie zu weniger Rückfällen führt nach 24 Monaten wie wenn eine antidepressive Medikation gestartet wurde und nach einiger Zeit wieder reduziert und angesetzt wurde. Die Psychotherapie ist nachhaltiger, auch wenn sie dann im Verlauf beendet wurde. Die Medikation schützt nur vor weiteren Rückfällen wenn sie (unendlich) weitergenommen wird, aber dies wird häufig nicht erreicht oder gewünscht wegen der Nebenwirkungen: Dobson KS, Hollon SD, Dimidjian S, Schmaling KB, Kohlenberg RJ, Gallop RJ, Rizvi SL, Gollan JK, Dunner DL, Jacobson NS. Randomized trial of behavioral activation, cognitive therapy, and antidepressant medication in the prevention of relapse and recurrence in major depression. J Consult Clin Psychol. 2008 Jun;76(3):468-77 Auf diese letzte Studie nimmt auch Jürgen Margraf Bezug: https://psychologie-journal.de/psychologie/1405/psychotherapie-ist-wirkungsvoller-als-psychopharmaka/ Eine neuere Auswertung in Psychological Medicine (Hani Zainal 2024) hat gezeigt, dass Psychotherapie wirksamer war als AD alleine oder kombinierte Behandlung in der Vermeidung unerwünschter Wirkungen wie Suizidversuche oder Suizide oder krisenhafte stationäre Aufnahmen war: “To conclude, the present meta-analysis consistently found that  psychotherapy monotherapy had stronger aggregate effects than combined treatment (1.9% v. 3.7%) and antidepressant medication-only (3.0% v.  5.6%) in decreasing the probability of suicide attempt, psychiatric  emergency department visit, psychiatric hospitalization, and/or suicide death for  Major Depression patients”: Zainal NH. Is combined antidepressant medication (ADM) and psychotherapy better than either monotherapy at preventing suicide attempts and other psychiatric serious adverse events for depressed patients? A rare events meta-analysis. Psychol Med. 2024 Feb;54(3):457-472 Es bleibt schwierig nachzuweisen, ob Psychotherapie wirklich langfristig besser wirkt, da die Studien oft nicht daraufhin angelegt sind.   Allgemein: Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zur Wirksamkeit psychotherapeutischer Verfahren bei Depressionen: Meister et al. 2018/ Schefft et al. 2019/ Cuijpers et al. 2019+2020a+2021a Antidepressive Effekte regelmäßiger Körperlicher Aktivität: Kvam et al. 2016 Wirksamkeitsbelege von KVT und IPT (Verfahren mit der am besten belegten Wirksamkeit) : z.B Barth et al. 2013/ Cuijpers 2021/ Metaanalytische Übersicht: Shinohara et al. 2013 Metaanalyse zur Senkung des Rückfallrisikos mit Hilfe von MBCT Piet und Hougaard 2011   Weitere Literatur: Otto Benkert, Hans Hippius Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie. 13.-14. Aufl. Springer-Verlag, 2020-2023. Tom Bschor, MD1,6; Lea Nagel, MD1,2; Josephine Unger, MD3; Guido Schwarzer, MSc, PhD4; Christopher Baethge, MD5 Differential Outcomes of Placebo Treatment Across 9 Psychiatric Disorders A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Psychiatry. Published online May 29, 2024. Pim Cuijpers, Hisashi Noma, Eirini Karyotaki, Christiaan H.  Vinkers,  Andrea Cipriani, Toshi A. Furukawa A network meta-analysis of the effects of psychotherapies, pharmacotherapies and their combination in the treatment of adult depression. World Psychiatry, Volume19, Issue1, February 2020, 92-107. Kirsch I . Deacon BJ . Huedo-Medina TB . Scoboria A . Moore TJ . Johnson BT . Initial severity and antidepressant benefits: a meta-analysis of data submitted to the Food and Drug Administration. PLoS Medicine Vol. 5, No. 2, e45 doi: 10.1371/journal.pmed. 0050045 Lehmann P. Aderhold V. Rufer M. Zehentbauer J. Neue Antidepressiva - Atypische Neuroleptika                                                          Risiken, Placebo-Effekte, Niedrigdosierungen und Alternativen Peter Lehmann Publishing, 2017. Moncrieff J . Kirsch I . Efficacy of antidepressants in adults. BMJ. 2005;  331 155-157 Thorsten Padberg Die Depressions-Falle: Wie wir Menschen für krank erklären, statt ihnen zu helfen. Fischer, 2021. Stefan Weinmann Erfolgsmythos Psychopharmaka. Warum wir Medikamente in der Psychiatrie neu bewerten müssen. Mabuse-Verlag, 2013.

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Zu Minute 12.50:</p> <p>Es gibt eine Reihe von Hinweisen zu möglicherweise bessern Verläufen der Depression ohne Einsatz von Antidepressiva. Allerdings ist die Evidenzlage nicht so klar:</p> <ol> <li>Eine große Meta-Analyse (Cuijpers P, Miguel C, Harrer M, et al. Cognitive behavior therapy vs. control conditions, other psychotherapies, pharmacotherapies and combined treatment for depression: a comprehensive meta-analysis including 409 trials with 52,702 patients. World Psychiatry. 2023 Feb;22(1):105-115) legt nahe, dass kognitive Verhaltenstherapie kurzfristig gleich wirksam ist wie eine antidepressive Medikation, aber langfristig wirksamer in der Verhinderung von Wiedererkrankungen. Das bedeutet, dass kognitive Verhaltenstherapie langfristig am wirksamsten ist (wirksamer als Medikation), und dass die zusätzliche Gabe eines Antidepressivums nichts bringt.</li> <li>Eine deutsche naturalistische Studie konnte zeigen, dass eine stationäre Behandlung der Depression die Depressivität wirksam reduzieren konnte, dass Antidepressiva aber keinen Anteil hatten, sondern nur der psychotherapeutische Zugang: Maß R et al. Inpatient treatment decreases depression but antidepressants may not contribute. A prospective quasi-experimental study. Comprehensive Psychiatry 94 (2019) 152124</li> <li>Eine britische naturalistische Studie, dass bei 130 Patienten nach sechs Monaten die Besserungsraten nichtmedikamentös behandelter Patienten bei 71 Prozent lagen und bei den medizierten bei 61%. Menschen mit Antidepressiva-Therapie ging es im Trend im Verlauf schlechter als denjenigen, die nie mit einem Medikament begonnen hatten – wobei der Schweregrad kontrolliert worden war und nicht für die Unterschiede verantwortlich war: Brugha TS, Bebbington PE, MacCarthy B, Sturt E, Wykes T. Antidepressants may not assist recovery in practice: a naturalistic prospective survey. Acta Psychiatr Scand. 1992 Jul;86(1):5-11</li> <li>Eine randomisierte kontrollierte Studie von Dobson et al. 2008 () zeigte, dass eine Verhaltensaktivierung und insbesondere eine kognitive Verhaltenstherapie zu weniger Rückfällen führt nach 24 Monaten wie wenn eine antidepressive Medikation gestartet wurde und nach einiger Zeit wieder reduziert und angesetzt wurde. Die Psychotherapie ist nachhaltiger, auch wenn sie dann im Verlauf beendet wurde. Die Medikation schützt nur vor weiteren Rückfällen wenn sie (unendlich) weitergenommen wird, aber dies wird häufig nicht erreicht oder gewünscht wegen der Nebenwirkungen: Dobson KS, Hollon SD, Dimidjian S, Schmaling KB, Kohlenberg RJ, Gallop RJ, Rizvi SL, Gollan JK, Dunner DL, Jacobson NS. Randomized trial of behavioral activation, cognitive therapy, and antidepressant medication in the prevention of relapse and recurrence in major depression. J Consult Clin Psychol. 2008 Jun;76(3):468-77</li> </ol> <p>Auf diese letzte Studie nimmt auch Jürgen Margraf Bezug:</p> <p>https://psychologie-journal.de/psychologie/1405/psychotherapie-ist-wirkungsvoller-als-psychopharmaka/</p> <ol start="5"> <li>Eine neuere Auswertung in Psychological Medicine (Hani Zainal 2024) hat gezeigt, dass Psychotherapie wirksamer war als AD alleine oder kombinierte Behandlung in der Vermeidung unerwünschter Wirkungen wie Suizidversuche oder Suizide oder krisenhafte stationäre Aufnahmen war.

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Dr. Jekyll & Mrs. Hyde der Podcast - Geschichten aus der Psychiatrie Jekyll Hyde In diesem Podcast klären wir über psychische Störungsbilder auf, um sie den Menschen verständlich näher bringen. Wir sind Annika und Lucy, sind Gesundheits- und Krankenpflegerinnen und arbeiten in der Psychiatrie. In unseren Folgen bringen wir auch persönliche Erfahrungsberichte mit ein und berichten vom Alltag in der Psychiatrie.In jeder Folge behandeln wir ein anderes Störungsbild, steigen hierbei zu Beginn mit einem Fallbeispiel ein und gehen dann auf Diagnosekriterien, die Diagnostik und auch die Therapie ein. Außerdem gibt es auch immer einen kleinen "Erfahrungstalk". Wir freuen uns ! Raus aus der Depression Über Depressionen reden hilft, die Krankheit besser zu verstehen. Mit Betroffenen, Angehörigen und vor allem mit Experten, wie in diesem Podcast. In jeder Folge wird ein anderer Aspekt der Erkrankung behandelt. Der Entertainer Harald Schmidt ist seit zwölf Jahren Schirmherr der "Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizid-Prävention" und fragt Betroffene, wie sie gelernt haben, mit einer Depression zu leben. Über Ursachen, Auslöser und Behandlungen klärt Ulrich Hegerl auf, er ist Vorsitzender der Stiftung und hat die Senckenberg-Professur an der Psychiatrie der Universität Frankfurt. ... of toch psychiater? GGz Centraal Als er één ding is wat je tijdens je studie Geneeskunde leert, is dat het aantal specialismen waar je voor kunt kiezen eindeloos is. Niet gek dus dat veel AIOS of psychiaters bij GGz Centraal eerst voor een ander medisch specialisme wilden kiezen. De één was al aangenomen voor de opleiding tot chirurg, de ander wilde huisarts of anesthesist worden. In iedere aflevering hoor je een andere psychiater over waarom ze uiteindelijk tóch kozen voor de psychiatrie. Au-delà du tabou Noire & Psy x Tam-tam de liberté Dépression, suicides, traumatismes, oppressions… La détresse humaine n'est pas qu'une affaire de 'blancs'! Au-delà du tabou est le podcast qui démystifie la psychiatrie, la psychologie et la maladie mentale, au sein des communautés noires et immigrées. Noire & Psy et Tam-tam de liberté s’associent pour vous guidez dans ce voyage nécessaire, au cœur des mythes et des tabous de la société africaine. Notre objectif est triple : • Informer sur les problèmes de santé mentale courants et les facteurs de risque• Expliquer les conséquences psychologiques et orienter vers les ressources de support existantes• Faire de la prévention et donner des conseils pour prendre soin de soi Au-delà du tabou, parce que les dimensions culturelles et socio-historiques du mal-être, ça compte! Hébergé par Acast. Visitez acast.com/privacy pour plus d'information

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