Alexandra Kollontais Einsatz für ein Ende der Einsamkeit episode artwork

EPISODE · Mar 30, 2022 · 16 MIN

Alexandra Kollontais Einsatz für ein Ende der Einsamkeit

from Rosa-Luxemburg-Stiftung Audiodokumentationen · host Rosa-Luxemburg-Stiftung

Zum 150. Geburtstag der Visionärin «In meinem Leben hat es alles gegeben – Erfolge, ungeheuer viel Arbeit, Anerkennung, Beliebtheit bei den Massen, Verfolgung, Hass, Gefängnisse, Misserfolge und mangelndes Verständnis für meine Grundidee in der Frauenfrage und beim Problem mit der Ehe, viele schmerzhafte Diskrepanzen mit Genossen, Meinungsverschiedenheiten mit ihnen aber auch lange Jahre einträchtiger und harmonischer Arbeit in der Partei (unter der Führung Lenins).» Alexandra Kollontais Lebendigkeit war von Ideen und Visionen kommunistischer Liebe und Klassenkampf geprägt. Wer sich fragt, was Liebe ist und sein kann, um der Kälte kapitalistischer Einsamkeit zu entkommen, findet in ihren Schriften eine warme Beratung. Sie wurde am 9. März 1872 geboren und starb am 31. März 1952. Sie war und ist die erste Ministerin der Welt. Nach der Hinrichtung sechs junger Menschen, die 1881 ein Attentat auf Zar Alexander den Zweiten verübten, wandte sie sich der Kritik am Zarenreich zu. Mit der Geburt ihres Sohns 1894 entwickelte sie ein Interesse an sozialistischer Literatur und beschäftigte sich zunehmend mit den Lebensrealitäten von Arbeiterinnen. Obwohl sie selbst aus gutem Hause kam, lehnte sie die bürgerlichen Feministinnen ab, da diese doch zu oft keinen Einblick in das Leben der Arbeiterfrauen hatten. Kollontai hingegen stärkte Frauen, sich selbst zu ermächtigen. Sie brachte Arbeiterinnen das Lesen und Schreiben bei und ließ hier erste sozialistische Ideen in den Unterricht einfließen. Sie entwickelte Visionen und Lösungen, um die Kinderfürsorge zu verbessern und Frauen von der zusätzlichen Last der Hausarbeit zu befreien. Um das Elend der Arbeiterklasse zu beenden, schwebten ihr stets kollektive Vergesellschaftungsformen vor, mittels denen sich ein tatsächliches «Liebespotenzial» entfalten könne. Überhaupt machte Sie die Jahrhunderte alte Frage nach gelingenden Liebesbeziehungen zwischen den Geschlechtern zu einem sozialistischen Politikum. In einer sich wandelnden Sexual- und Liebesmoral der Arbeiter*innenklasse, die dem Egoismus, dem Besitzdenken an der anderen Person und der Ungleichheit der Geschlechter entgegen wirkte, machte sie eine neue Waffe des sozialistischen Kampfes aus. Sie wurde zur ersten Ministerin für soziale Fürsorge der Welt und erzielte mit der Lockerung des Eherechts und dem Recht auf Schwangerschaftsabbruch wichtige Errungenschaften. Nicht die Liebe an dem einen Menschen, wie es die bürgerliche Moral fordert, sondern die Liebe am Kollektiv und die so entstehende Entfaltung von Solidarität weisen in ihrem analytischen und literarischen Schaffen in mögliche Zukünfte. Sie wollte die Finsternis der Einsamkeit vertreiben. Nina Thaler und Anna Stiede lesen Alexandra Kollontai, da ihr Werk keineswegs an Aktualität verloren hat. Mit ausgewählten Texten wird Sie als Kriegsgegnerin, Visionärin, Sozialanalytikerin und Politikerin vorgestellt. Sämtliche Texte sind dem im Dietz-Verlag neu erschienen Sammelband «Alexandra Kollontai oder: Revolution für das Leben», herausgegeben von Katharina Volk, entnommen. Danke Azadeh Zandieh für die technische Unterstützung und den Schnitt. Bild: Alexandra Kollontai (1872 - 1952), Autor*in unbekannt Zitat: Aus den Notizbüchern der letzten Jahre (1946-1951) In: Katharina Volk (Hrsg.): «Alexandra Kollontai oder: Revolution für das Leben». Dietz Verlag, 2022, S.156 // Aus Alexandra Kollontai: Ich habe viele Leben gelebt...Autobiographische Aufzeichnungen, Berlin 1985, S.502f.)

Episode metadata supplied by the publisher feed · Published Mar 30, 2022

Embed this episode

NOW PLAYING

Alexandra Kollontais Einsatz für ein Ende der Einsamkeit

0:00 16:59

No transcript for this episode yet

We transcribe on demand. Request one and we'll notify you when it's ready — usually under 10 minutes.

Fokus Europa Heinrich Böll Stiftung Fokus Europa ist eine Interview-Serie mit Experten über die europäische Idee, den Stand der Vereinigung und ihren aktuellen Zustand. Moderator Tim Pritlove hinterfragt und diskutiert im Dialog über Ziele, Träume und Wirklichkeit in Europa. Auf den Tag genau Jan Fusek, Fabian Goppelsröder und Robert Sollich Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von 1920 bewegten. Halte dich informiert und bleib auf dem Laufenden über eine Welt, die uns heute doch manchmal näher ist, als man meinen möchte.Die aktuelle Staffel „Hamburg und die Welt vor 100 Jahren“ entsteht in Kooperation mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und präsentiert Zeitungsartikel aus Hamburger Tageszeitungen. Es gilt weiterhin: bis morgen! Die ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg und die Hapag-Lloyd Stiftung unterstützen die Pilotphase des Geschichtspodcast finanziell.Mit Dank an Andreas Hildebrandt für den Jingle und Anne Schott für die Bildmarke. Gesellschaft besser machen Körber-Stiftung Wie können wir Polarisierung begegnen – und Europa stärken? In „Gesellschaft besser machen“ spricht Moderatorin Muschda Sherzada alle zwei Wochen mit Persönlichkeiten aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft über die drängendsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Verständlich, lösungsorientiert und nah an aktuellen Debatten liefert der Podcast neue Perspektiven, konkrete Ideen und Inspiration für ein starkes Europa und gesellschaftliches Miteinander. Ein Podcast der Körber-Stiftung. FRÜF – Frauen reden über Fußball Rebecca Görmann, Kristell Gnahm In FRÜF steckt, was der Name verspricht: Frauen reden über Fußball. Hinter FRÜF steckt ein stetig wachsendes Podcast-Kollektiv von Frauen, für die Fußball mehr ist als nur eine Sportart. Wir sind Fans, Journalistinnen, Spielerinnen – und manche von uns sogar alles davon. Wir sind diskussionsfreudig, aber solidarisch. Uns interessieren fußballerische Trends, der Diskurs über 50+1 oder die gesellschaftliche Relevanz von Antirassismus-Kampagnen des DFB genauso wie die Unterschiede im Umgang mit Frauen- und Männerfußball, die weibliche Fußballsozialisation oder der Umgang mit Sexismus im Stadion. Über solche Fragen sprechen wir in wechselnder Besetzung in unserer monatlichen Sendung.FRÜF ist keine Sportschau in Rosa und keine Analyse von Spielerfrauen-Instagram-Profilen – bei FRÜF geht es um Fußball. Punkt. Wir geben dabei weiblichen Perspektiven und Stimmen eine Plattform, die in anderen Sendungen einfach viel zu selten auftauchen – weil wir es können. Denn wir sind viele.

Frequently Asked Questions

How long is this episode of Rosa-Luxemburg-Stiftung Audiodokumentationen?

This episode is 16 minutes long.

When was this Rosa-Luxemburg-Stiftung Audiodokumentationen episode published?

This episode was published on March 30, 2022.

Can I download this Rosa-Luxemburg-Stiftung Audiodokumentationen episode?

Yes. Use the download control on the episode player to save the publisher-provided media file.
URL copied to clipboard!