PODCAST · society
Rosa-Luxemburg-Stiftung Audiodokumentationen
by Rosa-Luxemburg-Stiftung
[de] Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist eine der sechs parteinahen politischen Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland. Sie steht der Partei DIE LINKE nahe. Vorrangige Aufgabe der Stiftung ist die politische Bildung. Die Stiftung fördert mit ihrer Arbeit eine kritische Gesellschaftsanalyse, progressive kulturelle Ansätze sowie die Vernetzung emanzipatorischer Akteure. Sie agiert international im Feld der Entwicklungszusammenarbeit und des gleichberechtigten Dialogs und dokumentiert mit Hilfe des Archivs des demokratischen Sozialismus wichtige Ergebnisse linker Politik. Darüber hinaus fördert sie im Rahmen ihres Studienwerks den wissenschaftlichen Nachwuchs mit Stipendien.[en] The Rosa-Luxemburg-Stiftung is one of the largest foundations dedicated to political education in Germany today, and stands in the intellectual and political tradition of democratic socialism. Initiated in 1990 as a small political association in Berlin known as “Gesellschaftsanalyse und politische Bildung e.
-
500
Ist China die neue Weltmacht, Merle Groneweg?
Wir können uns die Welt nicht mehr ohne China vorstellen. Das „Reich der Mitte“ ist die größte Exportnation und die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Es ist auch für knapp 30 Prozent des globalen CO₂-Ausstoßes verantwortlich und hat nach den USA den zweitgrößten Militäretat der Welt. Die großen Herausforderungen der Menschheit – die Abwendung der Klimakatastrophe, der Kampf gegen Armut oder Abrüstung – können nur gemeinsam mit China gelöst werden. Doch wie sieht China die globalen Umbrüche? Welche Rolle beansprucht China in der Welt? Und welche inneren Widersprüche prägen Politik und Gesellschaft? In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Merle Groneweg über Chinas Außenpolitik. Merle ist Mitarbeiterin am Seminar für Ostasienstudien der HU Berlin. Sie hat Chinesisch, globale politische Ökonomie sowie chinesische Wirtschafts- und Außenpolitik in Berlin, Kassel und London studiert und dabei ein Auslandssemester in Peking absolviert. Schreibt uns an: [email protected] Intro-Musik: Charles Bradley – The World (is going up in Flames) Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Merle Groneweg (2026): USA vs. China: Machtkampf mit Mikrochips und Seltenen Erden, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Februar. https://www.blaetter.de/ausgabe/2026/februar/usa-vs-china-machtkampf-mit-mikrochips-und-seltenen-erden The Chicago Council on Global Affairs (2025): Chinese Public Values Global Leadership More than Americans Do, Public Opinion Survey. https://globalaffairs.org/research/public-opinion-survey/chinese-public-values-global-leadership-more-americans-do Ralf Ruckus/Daniel Reineke/Jule Pfeffer/Kevin Lin (Hrsg.) (2023): China von unten. Kritische Analyse & Soziale Kämpfe, gongchao.org, Berlin. https://nqch.org/wp-content/uploads/2023/06/ruckus_et-al_2023_china-von-unten_20230606.pdf Rosa-Luxemburg-Stiftung (2025): Was ist eigentlich eine multipolare Welt? – Damit sich die globalen Machtverhältnisse ändern, braucht es mehr als neue Machtzentren. https://www.rosalux.de/news/id/53549/was-ist-eigentlich-eine-multipolare-welt
-
499
#28 Menschen mit Behinderung: Zurück ins Heim?
Die Bundesregierung plant den größten Angriff auf den Sozialstaat seit der rot-grünen Agenda 2010. Auch die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung ist im Visier. Sogar das individuelle Recht auf ein selbstbestimmtes Leben steht auf der Kippe, ein Recht, das von Betroffenen hart erkämpft wurde. In der aktuellen Folge schauen wir uns an, was die Bundesregierung plant und werfen einen Blick nach Berlin. Dort hat in den letzten Monaten eine solidarische Bewegung wichtige Verbesserungen in der Eingliederungshilfe erstritten, unter anderem mithilfe einer Besetzung der Berliner Senatsverwaltung für Soziales. Doch unter anderem solche Erfolge auf Stadt- bzw. Länderebene stellt die Bundesregierung nun in Frage. Für unser Thema haben wir mit Birgit Stenger gesprochen. Sie ist Sozialpädagogin und arbeitet bei der Arbeitsgemeinschaft für selbstbestimmtes Leben schwerstbehinderter Menschen e.V. (https://www.asl-berlin.de/home.php) Birgit Stenger hat eine Behinderung und kämpft seit Jahren mit anderen Menschen, Behindertenverbänden und der Gewerkschaft ver.di für ein Leben in Würde. Schreibt uns an: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: [www.rosalux.de/podcasts](https://www.rosalux.de/podcasts) Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren [monatlichen Newsletter](https://www.rosalux.de/newsletter-abos). Shownotes Eva Völpel (2026): Sozialstaat: Die Kettensäge ist angeworfen https://www.rosalux.de/news/id/54871/sozialstaat-die-kettensaege-ist-angeworfen Wikipediaeintrag zum Bundesteilhabegesetz. https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesteilhabegesetz Arbeitsgemeinschaft der Arbeitgeber*innen mit persönlicher Assisstenz: Verein - AAPA e.V. https://www.aapa-berlin.de/ Peter Nowak (2026): Plötzlich ging‘s ganz schnell. https://taz.de/Assistenzen-im-Arbeitgebermodell/!6180283/ In: taz, die tageszeitung, 19.5.2026. Zu Kristina Schröder (CDU) bzw. der Denkfabrik R21: Denkfabrik R21: Millionenförderung in der Kritik https://www.campact.de/blog/2026/01/denkfabrik-republik-21-spahn-foerderung-kritik/ | Campact Rede von Bundeskanzler Merz auf dem Deutschen Kommunalkongress (2025): Starke Kommunen für ein starkes Deutschland https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/bundeskanzler-kommunalkongress-2351564 | Bundesregierung Das vom Paritätischen Gesamtverband enthüllte interne Arbeitspapier https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/enthuellung-kahlschlag/ mit den Kürzungsvorschlägen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe. Joachim Rock (2026): Der Rollback: Sozialrechte sollen still abgebaut werden. https://www.surplusmagazin.de/sozialkurzungen-paritatischerwohlfahrtsverband-behinderungen-familien-kinder/ DGB (2026): Kürzungen in der Eingliederungshilfe? https://www.dgb.de/fileadmin/download_center/Studien/Arbeitsmarkt_Aktuell/DGB_K%C3%BCrzungen_in_der_Eingliederungshilfe_final.pdf Zur Empfehlung Nr. 17 der Kommission zur Sozialstaatsreform (KSR). Dagmar Herzog (2026): Aus Lust an der Zerstörung. https://www.sueddeutsche.de/kultur/dagmar-herzog-afd-behinderung-ns-eugenik-li.3479901?reduced=true)SZ, 14.5.2026. Sowie Dagmar Herzog (2021): Eugenische Phantasmen. Eine deutsche Geschichte. Berlin. Und Dagmar Herzog (2025): Der neue faschistische Körper. Berlin. Hendrik Cremer (2026): Die AfD. Eine Gefahr für Menschen mit Behinderung. https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/fileadmin/Redaktion/Publikationen/Analyse_Studie/Analyse_Die_AfD_eine_Gefahr_fuer_Menschen_mit_Behinderungen.pdf Deutsches Institut für Menschenrechte. Mitbringsel: Raúl Krauthausen, Adina Hermann (2024): Als Ela das All eroberte. https://als-ela-das-all-eroberte.de/ über:morgen. Internationales Festival für linke Politik, Bildung und Kultur. https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/5GC2C/uebermorgen
-
498
tl;dr #62 Jason W. Moore: «Kapitalismus im Lebensnetz» | Mit Oliver Pye
Warum erscheint Natur in modernen Gesellschaften häufig als etwas, das dem Menschen gegenübersteht? In „Kapitalismus im Lebensnetz“ (2015) entwickelt Jason W. Moore eine grundlegende Kritik an der herkömmlichen Trennung zwischen Natur und Mensch/Gesellschaft. Dieser Dualismus, so Moore, verleitet uns dazu, Natur als etwas Externes zu begreifen: als passive Materie und Ressource, die es für ökonomische Zwecke zu klassifizieren, zu verwerten und – wenn es sein muss – auch zu zerstören gilt. Doch der Mensch und die Gesellschaft sind der Natur nicht äußerlich, sondern immanenter Teil von ihr. Vor diesem Hintergrund muss auch die Geschichte des Kapitalismus als untrennbar von der Geschichte der Natur begriffen und analysiert werden. Der Kapitalismus, so seine These, operiert schließlich nicht jenseits von Natur, sondern ist selbst eine Weise, (menschliche und nichtmenschliche) Natur zu organisieren. Die Entstehung des Kapitalismus verortet Moore daher nicht primär in Fabriken oder Märkten, sondern in historischen Prozessen der Erschließung sogenannter „billiger Natur“: Arbeitskraft (und ihrer Reproduktion), Nahrung, Energie und Rohstoffe. Die Logik kapitalistischer Akkumulation habe zu den ökologischen Umwälzungen geführt, die heute in der Klimakatastrophe sichtbar werden. Wer trägt also die Verantwortung für die ökologische Katastrophe: die Menschheit als Ganze oder eine spezifische Form gesellschaftlicher Organisation? Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge der Forstwissenschaftler Oliver Pye. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos.
-
497
Ist die Fußball-WM nur Propaganda, Alina Schwermer?
Am 11. Juni 2026 beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Mexiko und Kanada – und wieder werden wohl über eine Milliarde Menschen die Spiele verfolgen, schlicht weil sie Fußball lieben. Doch wie jedes sportliche Großereignis hat auch diese WM eine politische und wirtschaftliche Dimension: Staaten nutzen die internationale Bühne zur Selbstdarstellung, Konzerne nutzen sie zur Gewinnmaximierung. In dieser Folge spricht Pauline Jäckels mit der Sportjournalistin Alina Schwermer über Sportswashing – und über die politischen Hintergründe der diesjährigen WM. Gemeinsam fragen sie: Welche Interessen bestimmen die Sportwelt? Wie instrumentalisieren Staaten Großereignisse für ihre eigene Propaganda? Und warum trifft der Vorwurf des Sportswashing eigentlich immer nur bestimmte Länder? Außerdem: Bringt ein persönlicher WM-Boykott überhaupt etwas – und wie sehen linke und sozialistische Perspektiven auf Sportpolitik aus? Alina Schwermer hat Journalismus und Geschichte in Dortmund, Bochum und Sankt Petersburg studiert. Seit 2015 schreibt sie über die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen des Sports. Zuletzt erschien von ihr „Futopia – Ideen für eine bessere Fußballwelt" (2022), das auf der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres stand. Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes “Wem gehört der Fußball? Die WM 2026 als Bühne von Macht, Kommerz und Widerstand” https://www.rosalux.de/wm2026, Dossier der Rosa-Luxemburg-Stiftung “Futopia – Ideen für eine bessere Fußballwelt” https://shop.delius-klasing.de/futopia-p-2002651/, Alina Schwermer, Die Werkstatt, 2022 Song Charles Bradley – The World (is going up in Flames)
-
496
ManyPod #30: Daniel Loick zur Überlegenheit der Unterlegenen in der Migrationsgesellschaft
Die Beherrschten haben gegenüber den Herrschenden einen Vorsprung – epistemisch, ästhetisch, affektiv und normativ. Jene mögen zwar reich an Geld und Macht sein, aber ansonsten sind sie arm und führen ein „hässliches, trauriges und gemeines Leben“. So lautet die These von Daniel Loicks Buch „Die Überlegenheit der Unterlegenen“. Massimo Perinelli spricht mit dem Autor über das situierte Wissen und die transgressive Kraft derjenigen, die von Ausschluss und Ausbeutung betroffen sind. Und darüber, wie diese die Gesellschaft zum Besseren verändert haben in ihren tagtäglichen Anstrengungen, sich gegen alle Widerstände ein möglichst gutes Leben aufzubauen. Daniel Loick ist Associate Professor für Politische Philosophie und Sozialphilosophie an der Universität Amsterdam. Seine Arbeit verortet sich an der Schnittstelle von Philosophie, Sozialtheorie und Politik und steht in der Tradition der kritischen Theorie. Besonders interessiert er sich für Kritiken der Staatsgewalt (Polizei, Gefängnisse und Grenzen) sowie Politiken der Lebensform. Er lebt und arbeitet in Amsterdam und Frankfurt am Main. Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Buch: Daniel Loick: Die Überlegenheit der Unterlegenen. Eine Theorie der Gegengemeinschaften: https://www.suhrkamp.de/buch/daniel-loick-die-ueberlegenheit-der-unterlegenen-t-9783518300398 Buch: Daniel Loick; Vanessa Thompson (Hrsg.): Abolitionismus. Ein Reader: https://www.suhrkamp.de/buch/abolitionismus-t-9783518299647 Vortrag: W.E.B. Du Bois at the NAACP’s annual conference, June 1926, Chicago : http://www.webdubois.org/dbCriteriaNArt.html Artikel: Die Schreie von Kassel. Der lange Kampf der Angehörigen der Opfer im NSU-Komplex: https://www.rosalux.de/news/id/54738/die-schreie-von-kassel
-
495
Ist Kuba am Ende, Raúl Zelik?
Überschattet vom Krieg gegen den Iran durchlebt Kuba die schwerste Krise seit Jahrzehnten. Immer wieder fällt stundenlang der Strom aus, es mangelt an Treibstoff, Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs. Der Grund für diese Krise ist das Embargo der USA. Obwohl die UN-Generalversammlung die Blockade immer wieder verurteilt hat, erhöhen die USA seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus den Druck. Folgt auf die Intervention in Venezuela ein weiterer US-Angriff? Wie groß ist der Rückhalt der Bevölkerung für die kubanische Regierung? Und wie reformfähig ist der kubanische Sozialismus? In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Raúl Zelik über die Entwicklungen in Kuba. Raúl ist Politikwissenschaftler, freier Autor und Übersetzer. Er arbeitet seit den 1980er Jahren in Lateinamerika, war Professor für internationale und vergleichende Politik an der Nationaluniversität Kolumbiens und schreibt heute für die genossenschaftliche Berliner Tageszeitung ND. Schreibt uns an: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Neira, Dani (2026): Schluss mit der Kuba-Blockade! (https://www.rosalux.de/news/id/54614/schluss-mit-der-kuba-blockade) Rosa-Luxemburg-Stiftung, Feature. Zelik, Raúl (2026): Hat sich Trump verkalkuliert? (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1198438.kuba-hat-sich-trump-verkalkuliert.html?sstr=raul|zelik), nd, Kommentar. Schmidt, Gerold (2026): Kuba im Würgegriff (https://www.rosalux.de/news/id/54543/kuba-im-wuergegriff), Rosa-Luxemburg-Stiftung, Analyse Gespräch mit Tobias Lambert (2026): Welchen Plan verfolgen die USA in Venezuela? (https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2776) Rosa-Luxemburg-Stiftung, Podcast Weltunordnung Fotocredit Zelik: IMAGO / Sven Simon
-
494
tl;dr #61 Jürgen Habermas: «Strukturwandel der Öffentlichkeit» | Mit Sebastian Sevignani
Wie entstehen öffentliche Meinungen? Woraus setzt sich Öffentlichkeit zusammen? Und wie hat sich diese Sphäre über die Jahrhunderte verändert? In „Strukturwandel der Öffentlichkeit“ (1962) analysiert Jürgen Habermas den Aufstieg und Niedergang der sogenannten bürgerlichen Öffentlichkeit. Ihre Entstehung verortet er im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts: In Salons und Kaffeehäusern treten Privatpersonen erstmals zu einem „räsonierenden“ Publikum zusammen, um über Politik, Gesellschaft und Kultur zu diskutieren. Doch mit dem Aufkommen der Massenmedien im 20. Jahrhundert – Radio, Fernsehen, Internet – erodiert diese bürgerliche Öffentlichkeit, die Habermas noch vom rationalen Prinzip des „besseren Arguments“ geleitet sah. Zunehmend bestimmen ökonomische Interessen gigantischer Medienkonzerne, wie Öffentlichkeit organisiert ist. Das räsonierende Publikum, so Habermas, wird zum konsumierenden Publikum. Unter den Bedingungen des digitalen Kapitalismus und der Plattformisierung stellt sich erneut die Frage, wie sich die Struktur der Öffentlichkeit verändert. Soziale Medien verschieben dabei die Grenze zwischen ‚privat’ und ‚öffentlich‘ grundlegend: Inhalte können nun unmittelbar veröffentlicht und verbreitet werden, ohne zuvor die klassischen Filterinstanzen oder „Gatekeeper“ wie Zeitungsredaktionen und Medienhäuser zu durchlaufen. Sind die Sozialen Medien von heute die Salons und Kaffeehäuser des 18. Jahrhunderts – neue Orte demokratischer Verständigung? Oder markieren sie vielmehr einen historischen Bruch, indem Öffentlichkeit nicht mehr primär die Funktion der Verständigung, sondern der Unterhaltung und zunehmend auch der Überwachung einnimmt? In der neuen Folge unseres Theorie-Podcasts führt Alex Demirović in Habermas’ Strukturwandel der Öffentlichkeit ein und spricht mit dem Soziologen und Kommunikationswissenschaftler Sebastian Sevignani über die Aktualität des Werks. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos.
-
493
#27: Klassengesellschaft: Wie spaltet uns die Lohnarbeit?
Über „die Arbeiterklasse“ zu reden, gilt vielen als überholt. Andere sind zwar der Meinung, dass es solch eine Klasse noch gibt, aber wer alles dazu gehört, ist umstritten. Sind es vornehmlich Beschäftigte in der Industrie, vor allem der Arbeiter im Blaumann? Oder ist die Arbeiterklasse nicht viel ausdifferenzierter und diverser? Und wenn das so ist: Was aber eint alle Mitglieder der Arbeiterklasse und unterscheidet sie von denen „da oben“? Die Soziologin Nicole Mayer-Ahuja legt mit ihrem neuesten Buch „Klassengesellschaft akut: Warum Lohnarbeit spaltet – und wie es anders gehen kann“ eine klärende Intervention vor. Die arbeitende Klasse ist demnach alles andere als verschwunden, allerdings ist sie stark fragmentiert, besitzt kaum Klassenbewusstsein, steht vielmehr in Konkurrenz zueinander. Wir sprechen mit Nicole Mayer-Ahuja darüber, was Klasse ist, wo die Spaltungslinien innerhalb der arbeitenden Klasse verlaufen, wie auf diese Weise Bündnisse und Gegenwehr erschwert werden, wer davon profitiert und wie eine verbindende Klassenpolitik dem etwas entgegen setzen könnte. Schreibt uns an: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Nicole Mayer-Ahuja: Klassengesellschaft akut. Warum Lohnarbeit uns spaltet – und wie es anders gehen kann, C.H. Beck 2025. Zum Weiterlesen bietet auch die Rosa-Luxemburg-Stiftung viele Texte, etwa das Buch „Klassentheorie. Vom Making und Remaking“ https://www.rosalux.de/publikation/id/43583/klassentheorie, das Dossier „Klassenpolitik und soziale Gerechtigkeit“](https://www.rosalux.de/dossiers/klassenpolitik-und-soziale-gerechtigkeit oder regelmäßig aktuelle Artikel in der Zeitschrift LuXemburg. Einfach unter https://zeitschrift-luxemburg.de/ nach „Klassenpolitik“ suchen. Mitbringsel: Kühn, Timm (2026): Protest gegen Bank wirkt. Antifaschisten wieder mit Konto. https://taz.de/Protest-gegen-Bank-wirkt/!6174296/, Taz, 27.4.2026.
-
492
Wer profitiert vom Iran-Krieg, Diba Mirzaei?
Im Februar starteten die USA und Israel einen Angriff auf den Iran, der von vielen als Verstoß gegen das Völkerrecht gewertet wird. Zwar gilt mittlerweile eine Art Waffenstillstand und die USA und der Iran verhandeln in Pakistan. Gleichzeitig bleibt aktuell die Straße von Hormus weiterhin blockiert, das Mullah-Regime wirkt zumindest nach außen hin gestärkt – und Israel setzt seine Invasion im Libanon ungehindert fort. In dieser Folge spricht Pauline Jäckels mit der Politikwissenschaftlerin und Iran-Expertin Diba Mirzaei. Sie diskutieren, warum Donald Trump einen Krieg begonnen hat, aus dem er sich nun nur schwer wieder befreien kann, welche Rolle und Interessen die Golfstaaten in diesem Konflikt verfolgen und was der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der OPEC für die Region bedeutet. Und wie steht es heute um das iranische Regime: Wo hat der Krieg es gestärkt – und wo tatsächlich geschwächt? Mirzaei glaubt nicht daran, dass das Regime kurzfristig zu Fall gebracht werden kann. Unter bestimmten Umständen aber, so ihre Einschätzung, könnte es von innen heraus gelingen. Diba Mirzaei ist eine iranisch-deutsche Politikwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten iranische Außenpolitik und die Beziehungen zwischen dem Iran und den Golfstaaten. Sie forscht am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) in Hamburg. Erst seit Kurzem ist sie mit ihren Analysen öffentlich präsent – und bringt neue, kritische Perspektiven in den deutschen Diskurs über den Iran. Schreibt uns an [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Iran-Forscherin Mirzaei: Das Regime ist massiv geschwächt: https://www.ndr.de/nachrichten/info/iran-forscherin-mirzaei-das-regime-ist-massiv-geschwaecht,interview-mirzaei-100.html, NDR, Januar 2026 Was hält das Mullah-Regime an der Macht, Tareq Sydiq? https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2779 Hamid Mohseni, Krieg gegen den Iran, Die Eskalation eines lange vorbereiteten Konflikts: https://www.rosalux.de/news/id/54558/krieg-gegen-den-iran, Rosa Luxemburg-Stiftung, März 2026
-
491
Wird Ungarn jetzt demokratisch, Lili Vankó?
Nach 16 Jahren ist die Ära Viktor Orbán beendet. Der Wahlsieger heißt Péter Magyar von der rechtskonservativen TISZA-Partei. Sein Wahlversprechen, die Demokratie wieder einzuführen, brachte ihm die absolute Mehrheit der Stimmen ein. Doch Magyar ist auch ein ehemaliger Parteigenosse Orbáns, der in verschiedenen Regierungen hohe Posten bekleidete. Steht Ungarn wirklich vor einem demokratischen Neuanfang? Und wie wird sich das Land künftig in entscheidenden außenpolitischen Fragen wie dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder dem Verhältnis zu den USA positionieren? In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Lili Vankó über die Wahlen in Ungarn, die Ära Orbán und die künftige Regierung unter Peter Magyar. Vankó ist Doktorandin am Institut für Soziologie und Sozialanthropologie der Central European University in Wien. Sie ist Mitglied der links-ökologischen Bewegung Szikra. Schreibt uns an: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos. Shownotes: Youtube (2015): [Viktor Orbáns Rede in Baile Tusnad/Tusnádfürdő](https://www.youtube.com/watch?v=mHxg3Aoir6w&t=229s) mit deutschen Untertiteln. Dalma Vatai (2026): Wer kommt nach Viktor Orbán? https://www.rosalux.de/news/id/54566/wer-kommt-nach-viktor-orban, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Analyse. Dalma Vatai (2026): Ungarn im Freudentaumel: https://www.rosalux.de/news/id/54683/ungarn-im-freudentaumel, Rosa-Luxemburg-Stiftung, Kommentar
-
490
tl;dr #60 Clara Zetkin: «Arbeiterinnen und Frauenfrage» | Mit Christina Engelmann
Clara Zetkin hielt 1889 eine Rede in Paris zur Gründung der zweiten Internationale. Auf dieser Rede beruht ihr Text „Arbeiterinnen und Frauenfrage der Gegenwart“. Zetkin analysiert darin die Entwicklung der Unterdrückung der Frauen: Über Jahrtausende lebten Frauen unter patriarchalen Verhältnissen als Hausarbeitssklavinnen. Mit der Entwicklung kapitalistischer Produktion werden Frauen aus dieser Position herausgerissen und kommen in die Lohnarbeit. Dies sei zwar ein entscheidendes Moment auf dem Weg zur Emanzipation der Frauen, denn als Arbeiterinnen werden sie unabhängig von männlichen „Familienernährern“. Doch für die vollständige Befreiung aller Geschlechter brauche es den gemeinsam von proletarischen Frauen und Männern geführten Kampf gegen die Kapitalverhältnisse als solche. Damit geht Zetkin über die Forderungen der bürgerlichen Frauenbewegung ihrer Zeit hinaus, die vor allem soziale und kulturelle Rechte einfordern, während Zetkin anstrebt, die kapitalistischen Produktions- und Reproduktionsverhältnisse zu überwinden. Denn im Kapitalismus – davon war Zetkin überzeugt – wird es für Frauen keine Emanzipation geben. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge Christina Engelmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des DFG-Projekts „Clara Zetkins pädagogisches und bildungspolitisches Wirken in der Sowjetunion“ an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos.
-
489
#26: Debanking: Der lange Arm der Regierung Trump
Zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland sind kürzlich wegen debanking in die Schlagzeilen geraten, etwa der Rechtshilfeverein Rote Hilfe. Debanking bedeutet, dass Banken ihren Kunden plötzlich die Konten kündigen. Diese Praxis ist kein neues Phänomen. Sie wird beispielsweise eingesetzt, wenn Banken vermuten, dass Geldwäsche stattfindet. Die aktuellen Fälle zeigen jedoch: Debanking gewinnt zunehmend an politischer Brisanz. Zumindest im Fall der Roten Hilfe ist klar, dass Maßnahmen der Trump-Administration Auslöser für die Kontokündigung waren. Hiesige Banken lassen sich, vermutlich auch in anderen Fällen, als verlängerter Arm der US-Regierung einspannen. Dahinter steckt unter anderem Trumps Kampagne gegen „die“ Antifa. Was genau ist debanking, welche Auswirkungen hat es, worauf können sich Banken in ihrer Praxis berufen und warum schützt die Bundesregierung die demokratische Zivilgesellschaft nicht besser vor Maßnahmen ausländischer Regierungen. Und nicht zuletzt: Was kann man gegen debanking tun? Wir beleuchten die Hintergründe von debanking und haben mit einer Betroffenen gesprochen. Ellen Händler, Vorsitzende des Bunds der Antifaschistinnen und Antifaschisten Treptow, erläutert, was debanking für ihre Vereinsarbeit bedeutet. Diese Folge haben wir wegen der Osterferien bereits am 24. März aufgenommen. In der Zwischenzeit wurde bekannt, dass sich auch das ZDF Trumps Sanktionspolitik zu eigen macht: ZDF übernimmt Sanktionslisten von Trump-Regierung: https://perspektive-online.net/2026/04/zdf-uebernimmt-sanktionslisten-von-trump-regierung/ Schreibt uns an: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes findet ihr unter diesem Link: https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2808
-
488
Ist das Völkerrecht gescheitert, Wolfgang Kaleck?
„Das Völkerrecht ist tot, jetzt gilt wieder das Recht des Stärkeren.“ So lautet die Meinung der einen, die auf die Völkerrechtsbrüche der vergangenen Jahre verweisen: in Gaza, in Venezuela, in der Ukraine, im Sudan und aktuell im Iran. Andere wiederum weisen darauf hin, dass das Völkerrecht nie wirklich galt. Schon immer hätten sich die Stärkeren das Recht herausgenommen, das Völkerrecht zu missachten, und sie verweisen auf die letzten Jahrzehnte, die von unzähligen völkerrechtswidrigen Angriffskriegen, etwa durch die USA und ihre Alliierten, geprägt waren. Sie fragen: Was bringt das Völkerrecht, wenn es kaum umgesetzt wird und Staaten nur dann darauf pochen, wenn es in ihrem Interesse ist? Unser Gast Wolfgang Kaleck argumentiert: Das Völkerrecht war nie perfekt. Schon immer war seine Umsetzung von Doppelstandards durchzogen. Und trotzdem war es immer schon ein wichtiges Mittel im Kampf der Unterdrückten für Gerechtigkeit. Eines von vielen. Und daran sollten sich Linke und progressive Kräfte erinnern. In dieser Folge von „Weltunordnung“ spricht die Journalistin Pauline Jäckels mit Wolfgang Kaleck. Er ist einer der profiliertesten Menschenrechtsanwälte Deutschlands. Als Gründer und Generalsekretär des European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) setzt er sich seit Jahren weltweit für die juristische Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen ein. Als Anwalt vertritt Kaleck unter anderem den Whistleblower Edward Snowden und die Familie von Patrice Lumumba. Er ist Autor mehrerer Bücher, darunter „Die konkrete Utopie der Menschenrechte” (2021). Jüngst ist im Kunstmann-Verlag sein neues Buch „Die Stärke des Rechts vs. Das Recht des Stärkeren” erschienen. Pauline Jäckels diskutiert mit Wolfgang Kaleck, warum so viele Menschen plötzlich glauben, dass sich das Völkerrecht in einer beispiellosen Krise befindet. Sie sprechen darüber, wie und unter welchen Umständen das Völkerrecht entstanden ist und inwiefern es Mittel der Mächtigen und Mittel der Unterdrückten ist. Und schließlich darüber, ob eine Durchsetzung des Völkerrechts überhaupt möglich ist, ohne dass sich die globalen Machtverhältnisse ändern, die Völkerrechtsbrüche ermöglichen und bedingen. Schreibt uns an [email protected] Shownotes: Wolfgang Kaleck, “Die Stärke des Rechts vs. Das Recht des Stärkeren” https://www.kunstmann.de/buecher/die-staerke-des-rechts-vs-das-recht-des-staerkeren-plaedoyer-fuer-voelkerrecht-und-menschenrechte, Kunstmann Verlag (2026) “Was ist eigentlich Völkerrecht?” https://www.rosalux.de/news/id/54578/was-ist-eigentlich-voelkerrecht, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2026 Dossier "Die Internationale erkämpft das Völkerrecht?" https://www.rosalux.de/voelkerrecht
-
487
ManyPod #29: Elif Eralp – (Post-)migrantische Perspektiven auf den linken Wahlkampf
In Berlin wird im September gewählt und mit Elif Eralp tritt eine Kandidatin um das Amt der ersten Regierenden Bürgermeisterin an, die seit Jahren für eine gerechte Stadt kämpft. Besonders in Berlin erhielten die Themen Wohnen, Mieten und die Vertreibung und Verarmung sozial schwächerer Menschen große Aufmerksamkeit. Von Migration hingegen ist bei den Linken wenig zu hören. Wie ein positives Narrativ zur Migrationsgesellschaft entwickelt werden kann, darüber spricht der ManyPod mit der Berliner Abgeordneten Elif Eralp. Zur Person: Elif Eralp ist stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei Die Linke in Berlin und deren Spitzenkandidatin für die kommende Wahl um das Berliner Abgeordnetenhaus. Damit tritt sie auch an im Kampf um das Amt der ersten Regierenden Bürgermeisterin von Berlin. Sie ist Juristin, Gewerkschafterin und seit vielen Jahren engagiert in Initiativen gegen Antisemitismus und Rassismus sowie in migrantischen Selbstorganisationen. Im Berliner Abgeordnetenhaus tritt sie vor allem dafür ein, Berlin als „Solidarity City“ voranzubringen, und für eine sozial gerechte Wohn- und Mietenpolitik. Foto: Helin Bereket Shownotes: ManyPod #11: Die Migrant*innenquote. Chancengleichheit, Integration oder Diversity Management?https://soundcloud.com/rosaluxstiftung/manypod11-die-migrantinnenquote-chancengleichheit-integration-oder-diversity-management Dossier: 70 Jahre La Deutsche Vita https://www.rosalux.de/gesellschaft-der-vielen/70-jahre-la-deutsche-vita/mehr-zur-reihe Projekt: Moving Cities. Eine andere Migrationspolitik ist möglich: https://moving-cities.eu/de Projekt: Solidarischer Migrationsgipfel https://www.rosalux.de/dokumentation/id/53544/solidarischer-migrationsgipfel)
-
486
#25: Ungleichheit: Hat Armut ein Geschlecht?
Frauen sind strukturell stärker von Armut betroffen als Männer. So wird es immer wieder von Studien belegt. Gleichzeitig erleben wir aktuell einen Angriff auf den Sozialstaat, der die Situation von Frauen noch zu verschärfen droht. Armut hat ein Geschlecht und das - so heißt es – ist weiblich. Aber ist das wirklich so und wenn ja, warum? Welche Facetten hat soziale Ungleichheit mit Blick auf die Geschlechterverhältnisse, braucht Kapitalismus unbezahlte Care-Arbeit für seine Existenz und was wird mit dem gängigen Fokus auf „die Frauen“ und „die Männer“ ausgeblendet? In dieser Folge kommt die Politikwissenschaftlerin Friederike Beier zu Wort. Friederike forscht unter anderem zu Care, (queer-)feministischen Theorien und zum Verhältnis von Geschlecht und Kapitalismus. Schreibt uns an: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter https://www.rosalux.de/newsletter-abos. Shownotes: Claudia Chmel, Lukas Zielinski: »Armut – eine Frage des - Geschlechts?«, Bundesstiftung Gleichstellung, Dezember 2025, Download https://www.bundesstiftung-gleichstellung.de/wp-content/uploads/2026/01/Armut-eine-Frage-des-Geschlechts_Langfassung_17122025.pdf Friederike Beier (Hrsg.): Materialistischer Queerfeminismus. Theorien zu Geschlecht und Sexualität im Kapitalismus, Münster 2024. Friederike Beier: Time to Care. Chronofeminist Politics for Democracy, Gender Equality and Time Justice, Transcript 2026. Henrik Kleven et al: Child Penalties across countries, in: Regina-Maria Dackweiler/ Alexandra Rau/ Reinhild Schäfer (Hrsg..): Frauen und Armut. Feministische Perspektiven, Berlin 2020. Nikolaus Meyer: Kinderschutz oder Kontrollpolitik? Warum die Bundesregierung einen neuen Verdachtsraum für arme Familien eröffnet https://blog.dgsa.de/2026/01/21/kinderschutz-oder-kontrollpolitik-warum-die-bundesregierung-einen-neuen-verdachtsraum-fur-arme-familien-eroffnet/ – DGSA Blog, 21. Januar 2026. Katharina Lux und Amelie Göppel: „Es ist kompliziert. Zur Beziehung von Kapitalismus und Feminismus“, Maro Heft. #21/2026. Friederike Maier / Dorothea Schmidt: Geschlechterverhältnisse und Erwerbstätigkeit Anmerkungen zu Gundula Ludwigs Artikel über Gramscis Hegemonietheorie und queer-feministische Staatstheorie, in: PROKLA 212, Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft. Schattenbericht 2025: Armut in Deutschland, Nationale Armutskonferenz (nak) http://www.nationale-armutskonferenz.de/veroeffentlichungen/schattenbericht
-
485
Wird Trumps Rechnung aufgehen, Loren Balhorn?
Die US-Regierung entfesselt eine Welle der Gewalt. Auf die Intervention in Venezuela und die Entführung von Staatspräsident Nicolás Maduro Anfang Januar folgte kaum einen Monat später der Beginn der Angriffe auf den Iran gemeinsam mit Israel. Mit Hilfe der Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit (ICE) und der Nationalgarde treibt US-Präsident Donald Trump parallel die Militarisierung der Innenpolitik voran. Bei der Jagd auf vermeintlich illegale Migrant*innen wurden zwei Zivilist*innen durch ICE-Beamte getötet. Welche Absicht verfolgt die US-Regierung mit ihrer Politik? Warum begrüßt die Bundesregierung die völkerrechtswidrigen Interventionen, obwohl sie doch an anderer Stelle das Ende der regelbasierten Ordnung beklagt? Und können progressive Kräfte wie der New Yorker Bürgermeister Zoran Mamdani eine Alternative bieten? In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Loren Balhorn über die Politik der USA seit der Wiederwahl Donald Trumps. Balhorn ist ehemaliger Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung und außerdem Mitbegründer und Chefredakteur der deutschsprachigen Ausgabe von Jacobin. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Balhorn, Loren (2026): Wer nicht über Venezuela spricht, muss auch zu Grönland schweigen, https://jacobin.de/artikel/trump-maduro-groenland-europa-macron-voelkerrecht, Jacobin Magazin. Balhorn, Loren (2024): Trump hat nicht gewonnen – Harris hat verloren, https://jacobin.de/artikel/trump-harris-usa-wahl-demokraten-republikaner, Jacobin Magazin. Silver, Beverly J./ Payne Corey R. (2022): Domination Without Hegemony and the Limits of US World Power, Emerald Publisher.
-
484
tl;dr #59 Rosa Luxemburg: «Die Akkumulation des Kapitals» | Mit Klaus Dörre
Ihr ökonomisches Hauptwerk „Die Akkumulation des Kapitals. Ein Beitrag zur ökonomischen Erklärung des Imperialismus“ verfasste Rosa Luxemburg im Jahr 1913 innerhalb von nur vier Monaten. Darin knüpft sie an Karl Marx‘ Theorie der ursprünglichen Akkumulation an, deutet diese jedoch grundlegend anders: Nicht als abgeschlossenes Frühstadium des Kapitalismus, sondern als sein dauerhaftes Strukturmerkmal. Weil sich das Kapitalverhältnis nicht aus sich selbst heraus reproduzieren könne, unterliege es einem ständigen Expansionszwang. Das Kapital sei daher auf ein „nicht-kapitalistisches Außen“ angewiesen, das es sich aneignen und ausbeuten kann, um Mehrwert zu produzieren. Kolonialismus und Imperialismus erscheinen bei Luxemburg somit nicht nur als politische Machtkonstellationen, sondern als ökonomische Notwendigkeit, die sie aus dem Expansionszwang des Kapitalismus ableitet. Das europäische Kapital müsse sich auf außereuropäische, nicht-kapitalistische Gebiete ausdehnen, um neue Märkte zu erschließen und diese in den kapitalistischen Wirtschaftskreislauf zu integrieren. Dabei komme dem Militarismus eine zentrale ökonomische Funktion zu: einerseits als Rüstungsindustrie und Absatzmarkt, andererseits als Mittel zur gewaltvollen Erschließung nicht-kapitalistischer Gebiete und Produktivkräfte. Doch was passiert, wenn sich das Modell der Expansion irgendwann erschöpft; wenn alle gesellschaftlichen Sphären durchdrungen sind und keine Arbeitskraft, keine Natur, keine Ressourcen mehr außerhalb des kapitalistischen Weltmarkts existieren, die dem Kreislauf des Kapitals noch unterworfen werden können? Mit dem Soziologen Klaus Dörre diskutiert Alex Demirović die historische wie aktuelle Relevanz von Luxemburgs Beitrag zur Theorie der Ausdehnung der kapitalistischen Ökonomie durch den Imperialismus. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos.
-
483
Wem gehört die Arktis, Ebbe Volquardsen?
Die USA greifen nach Grönland, Großbritannien entsendet einen Flugzeugträger in den Nordatlantik und China erweitert seine Eisbrecherflotte. Wird die Arktis zum nächsten Schauplatz im Kampf der Großmächte um Einfluss und Rohstoffe? Die Arktis ist eine der Regionen, die am stärksten vom Klimawandel betroffen sind. Doch statt auf Kooperation und Umweltpolitik zu setzen, treiben die Anrainerstaaten die Militarisierung der Region weiter voran. Auch die Europäische Union und Deutschland mischen kräftig mit. In der Arktis-Strategie von 2022 wird die Region als „in Bezug auf den Klimawandel, Rohstoffe und geostrategische Fragen für die Europäische Union von großer strategischer Bedeutung“ eingestuft. Die Bundesregierung unterstützt den Ausbau der militärischen Präsenz der NATO durch die Bundeswehr aktiv. Welche Folgen hat die Militarisierung der Arktis? Welche Interessen verfolgt die USA in Grönland? Und wie reagieren Russland und China auf diese Entwicklungen? In dieser Folge spricht Felix Jaitner mit Ebbe Volquardsen über die Geopolitisierung der Arktis. Ebbe Volquardsen ist Skandinavist, Politik- und Kulturwissenschaftler und arbeitet als Professor für Kulturgeschichte in Nuuk (Grönland). Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Volquardsen, Ebbe (2025): Can Trump’s bid for Greenland put an end to Denmark’s belief in colonial exceptionalism? NORDEUROPAforum blog https://portal.vifanord.de/blog/can-trumps-bid-for-greenland-put-an-end-to-denmarks-belief-in-colonial-exceptionalism/ Volquardsen, Ebbe (2025): Auf dünnem Arktiseis. In: Analyse und Kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis. Nr. 711. https://www.akweb.de/politik/auf-duennem-arktiseis-groenland-trump-daenemark-und-die-geopolitik/ Europäischer Ausschuss der Regionen (2022): Die neue Strategie der EU für die Arktis. Stellungnahme. 150. Plenartagung, 29./30. Juni 2022. https://edz.bib.uni-mannheim.de/edz/doku/adr/2021/cdr-2021-6509-de.pdf Pertou Mach, Trine/Dragsted, Pelle (2026): Steht Grönland vor der Annexion? Sich Trump zu unterwerfen, wird nicht helfen. Kommentar. Rosa-Luxemburg-Stiftung. https://www.rosalux.de/news/id/54245/steht-groenland-vor-der-annexion
-
482
#24: Vermögensteuer: Ran an die Milliarden!
Bis zu 150 Milliarden Euro pro Jahr könnte eine Vermögensteuer einbringen, die vor allem auf die Multimillionär*innen und Milliardär*innen in diesem Land abzielt. Das zeigt eine neue Studie des Steuerexperten Stefan Bach und Kollegen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die u.a. im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung entstanden ist. Anlass für uns, erneut auf die Verteilung der großen Vermögen zu schauen. Über die wird gerade wieder intensiver diskutiert: Die SPD hat eine Reform der Erbschaft- und Schenkungsteuer ins Gespräch gebracht, der bekannte Ökonom und Ungleichheitsforscher Gabriel Zucman kürzlich sein schon jetzt viel beachtetes Buch „Reichensteuer. Aber richtig!“ vorgelegt, in dem er für sein Konzept einer weltweiten Mindeststeuer auf extrem hohe Vermögen bzw. Milliardenvermögen wirbt. Wir sprechen darüber, wie und warum wir extremen Reichtum anders besteuern sollten - aber auch, warum das alleine nicht ausreicht, wenn man Ungleichheit bekämpfen will. Schreibt uns an: [email protected] Die Shownotes findet ihr unter: https://www.rosalux.de/mediathek/media/element/2785
-
481
Hat Rojava unter Ahmad al-Scharaa eine Zukunft, Rosa Burç?
Im Januar hat die syrische Regierung unter Ahmad al-Scharaa die kurdische Selbstverwaltung Rojava in Nordostsyrien angegriffen. Der syrische Präsident will die Kontrolle über das gesamte Land erlangen, während die kurdische Führung zwar zu einer Integration bereit ist, aber ihre Autonomie teilweise bewahren will. Da man in monatelangen Verhandlungen zu keiner Einigung kam, wollte al-Scharaa offenbar seine Verhandlungsposition militärisch verbessern und die kurdische Seite in die Ecke drängen. Und genau das scheint gelungen zu sein. In nur wenigen Tagen nahmen die syrischen Regierungstruppen große Teile der kurdisch kontrollierten Gebiete ein. Circa 150.000 Menschen mussten in einer ohnehin prekären humanitären Situation fliehen. Die kurdische Führung lenkte ein, es kam zu einem Waffenstillstand und schließlich zu einem Abkommen zwischen der Selbstverwaltung und der syrischen Regierung. In dieser Folge spricht Pauline Jäckels mit der Soziologin und Kurdistan-Expertin Rosa Burç. Darüber, warum viele Kurd*innen in Syrien zwar den Sturz des Assad-Regimes bejubelten, aber von Beginn an skeptisch gegenüber Ahmad al-Scharaas neuer Übergangsregierung waren . Über al-Scharaas Militäroffensive und was der Wandel der geopolitischen Interessenlagen in Syrien damit zu tun hat. Und darüber, was das neue Abkommen für die Zukunft der Selbstverwaltung bedeutet. Rosa Burç arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Sie hat am Center on Social Movement Studies an der Scuola Normale Superiore in Florenz promoviert. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Narrative und Repertoires des Widerstands über Zeit und Raum hinweg überliefert werden, insbesondere unter Kurd*innen und anderen staatenlosen und marginalisierten Gesellschaften. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Rosa Burç, Bastion der Frauen: Rojavas Kampf ums Überleben: https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/februar/bastion-der-frauen-rojavas-kampf-ums-ueberleben, Blätter für deutsche und internationale Politik, 2025 Christopher Wimmer, Diktatfrieden oder Neubeginn?: https://www.rosalux.de/news/id/54433/rojava-diktatfrieden-oder-neubeginn, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2026 Anja Flach und Michael Knapp, Revolution in Rovaja: https://www.rosalux.de/publikation/id/4142/revolution-in-rojava, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2018 Die kurdische Frage und der demokratische Konföderalismus: https://linx.rosalux.de/die-kurdische-frage-und-der-demokratische-konfoederalismus, Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2026 Medico: Ein demokratisches Experiment: https://www.medico.de/rojava
-
480
tl;dr #58 Altvater/Mahnkopf: „Grenzen der Globalisierung“ | Mit Birgit Mahnkopf
Mit ihrem Buch „Grenzen der Globalisierung“ prägten Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf in den 90er Jahren die Debatte innerhalb der Linken um die neuen Entwicklungen des Kapitalismus. Nach dem Zerfall der Sowjetunion standen neue Konstellationen in der Weltordnung bevor, so wie eine beschleunigte Ausbreitung des Kapitalismus auch in osteuropäischen Ländern. Altvater und Mahnkopf heben in ihrer Analyse eine Reihe neuer Phänomene hervor – etwa die des entstehenden Finanzmarkts, der sich dank einer gigantischen Vermögenspolarisierung bildet. Dabei überschreiten die Zinsen der Vermögenden das Niveau des Wirtschaftswachstums. Es gibt also auf der einen Seite Vermögende, die von den Zinsen und Geldanlagen immer reicher werden, und auf der anderen Seite diejenigen, die diese Zinsen bedienen müssen, und zwar immer über die Höhe des Wirtschaftswachstums hinaus. Die Finanzmärkte bringen somit keine Bereicherung der Gesamtheit, sondern zerstören systematisch die wirtschaftliche Grundlage vieler Menschen – und den Planeten. Denn die planetaren Ressourcen sind endlich und können mit der endlosen Wachstumsdynamik des Geldes nicht mithalten. So plädieren Altvater und Mahnkopf für eine soziale und solare Revolution, die die Dynamik der Kapitalakkumulation durchbricht. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge eine der beiden Autor*innen selbst: Birgit Mahnkopf. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos.
-
479
Was braucht es, um das Mullah-Regime im Iran zu stürzen, Tareq Sydiq?
...und warum unterstützen so viele Exil-Iraner*innen Reza Pahlavi und seine Monarchistenbewegung? Ende Dezember 2025 ist im Iran erneut eine Welle von Massenprotesten ausgebrochen. Das inzwischen nach außen gelangte Bildmaterial und die Augenzeugenberichte deuten darauf hin, dass Zehntausende Menschen während der Proteste durch Regimekräfte getötet und eine noch größere Zahl verletzt und verhaftet wurde. Momentan sieht es so aus, als sei es dem Regime gelungen, die Proteste niederzuschlagen. Der Wunsch nach einem Ende der Herrschaft der Mullahs bleibt bestehen. Was danach kommen soll – darüber herrscht im Iran und insbesondere unter Iraner*innen im Exil jedoch Uneinigkeit. Viele Iraner*innen wünschen sich ein demokratisches System: weder Mullah noch Schah. Gleichzeitig präsentiert sich der Sohn des letzten Schahs, Reza Pahlavi, mit seiner Monarchistenbewegung vor allem im Ausland medienwirksam als einzige Alternative zum Mullah-Regime. Warum kann sich das herrschende Regime trotz des großen Drucks von innen und außen an der Macht halten, und was müsste passieren, damit es stürzt? Wer ist Reza Pahlavi, und welche Vision hat er für den Iran? Warum wird er von so vielen Exiliraner*innen, aber auch von Staaten wie Israel und den USA, unterstützt? Und wie groß und organisiert ist die Bewegung, die sowohl eine Rückkehr der Pahlavi-Dynastie als auch das Mullah-Regime ablehnt? In dieser Folge von Weltunordnung spricht Pauline Jäckels mit dem Protestforscher und Iranexperten Tareq Sydiq. Sydiq forscht am Zentrum für Konfliktforschung der Universität Marburg und hat zur iranischen Innenpolitik promoviert. Er beschäftigt sich weltweit mit Protestbewegungen, unter anderem im Iran, in Japan, Pakistan und England. Sein Buch „Die neue Protestkultur“ ist 2024 im Hanser Verlag erschienen. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Tareq Sydiq: Jetzt bleibt den Herrschenden nur noch Gewalt: https://www.zeit.de/kultur/2026-01/innenpolitik-iran-proteste-revolution-opposition, Zeit Online, Januar 2026 Tareq Sydiq: Die neue Protestkultur – Besetzen, Kleben, Streiken: Der Kampf um die Zukunft: https://www.hanser-literaturverlage.de/personen/tareq-sydiq-p-2702, Hanser Verlag, 2024 Dossier: Proteste in Iran: Revolution für das Leben: https://www.rosalux.de/iran-revolution), Rosa-Luxemburg-Stiftung
-
478
tl;dr #57 Thomas Paine: «Die Rechte des Menschen» | Mit Axel Rüdiger
Anders als die anderen besprochenen Autor*innen des tl;dr-Podcasts, die an Marx oder die materialistische Tradition anknüpfen, geht es in dieser Folge um Thomas Paine – ein „radikaldemokratischer Reformer“ (E.P. Thompson) des 18. Jahrhunderts. Paine war sowohl an der Unabhängigkeit der heutigen USA beteiligt, als auch an der Französischen Revolution – wo er mit Robespierre und den Jakobinern in Konflikt geriet. Während die USA in diesem Jahr den 250. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feiern, drohen sie unter der Trump-Regierung in jene autoritäre Machtkonzentration zurückzufallen, gegen die sich die amerikanische Revolution im 18. Jahrhundert ursprünglich richtete. So erinnern etwa die aktuellen „No Kings“-Proteste daran, dass die Amerikaner*innen einst gegen die Tyrannei der Monarchie aufbegehrten. In seinem ungewöhnlich auflagenstarken Buch „Die Rechte des Menschen“ positioniert sich Thomas Paine bereits 1791 entschieden gegen die Monarchie und jegliche Art von Erbfolge im Bereich der Politik. Auch der Adel tue nach Paine nichts anderes, als sich Länder und Menschen durch Raub anzueignen – auch durch Steuern. Paine plädiert deshalb dafür, dass das Volk der Souverän sein muss. In dieser Auffassung unterscheidet Paine sich auch von Montesquieu und dessen Forderung nach Gewaltenteilung. Es brauche demnach keine Trennung von Exekutive und Legislative und auch kein Zwei-Kammern-System, sondern allein die Durchsetzung der Volkssouveränität. Ein Parlament darf nach Paine nicht die Partikularinteressen einiger weniger vertreten, sondern muss der Volkssouveränität folgen und für das Glück aller sorgen. Damit einher geht auch, dass Institutionen und Verfassungen immer überprüft und verändert werden können, genau genommen sogar von jeder Generation von neuem. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge Axel Rüdiger, Lehrbeauftragter an der FU Berlin für u.a. politische Theorie und Ideengeschichte. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos.
-
477
Welchen Plan verfolgen die USA in Venezuela, Tobias Lambert?
Über welchen Rückhalt verfügt die venezolanische Regierung nach Jahrzehnten der Wirtschaftskrise, wachsendem Autoritarismus und der US-Intervention? Und welche Folgen hat das militärische Eingreifen für Lateinamerika? Am 3. Januar 2026 intervenierten US-Streitkräfte in Venezuela und entführten Präsident Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores. Der Angriff erfolgte weder mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrates noch mit Zustimmung des Kongresses. Über ein halbes Jahr haben die USA den Druck auf Venezuela kontinuierlich erhöht. Erst zog Präsident Donald Trump eine große Streitmacht vor der Küste des südamerikanischen Landes zusammen, dann versenkte die US-Armee mehr als 30 „Drogenboote“ und tötete dabei über 100 Personen. Verhandlungsangebote lehnte Trump ab und forderte stattdessen wiederholt den Rücktritt Maduros. Seit geraumer Zeit ergreifen die USA immer aggressivere Schritte, um ihre Vormachtstellung in Lateinamerika zu sichern. Im April 2025 akzeptierte die Regierung Panamas nach erheblichem Druck ein Abkommen, dass die Stationierung von US-Truppen am Panamakanal erlaubt und der Marine eine privilegierte Nutzung einräumt. Die im Dezember 2025 verabschiedete US-Sicherheitsstrategie kündigt offen die Wiederherstellung der US-Dominanz auf dem Subkontinent an – abgesichert mit militärischen Mitteln. In der zwölften Folge unseres Podcast „Weltunordnung“ spricht Felix Jaitner mit Tobias Lambert, freier Journalist und Lateinamerikaexperte, über die US-Intervention in Venezuela. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Tobias Lambert (2024): Gescheiterte Utopie? Venezuela ein Jahrzehnt nach Hugo Chávez: https://www.mandelbaum.at/buecher/tobias-lambert/gescheiterte-utopie/, Mandelbaum Verlag. Tobias Lambert (2026): [US-Angriff auf Venezuela: Das Imperium kehrt zurück. https://www.rosalux.de/news/id/54229/us-angriff-auf-venezuela-das-imperium-kehrt-zurueck Trump zielt auf Umsturz ohne Regierungswechsel und droht ganz Lateinamerika, Analyse, Rosa-Luxemburg-Stiftung. Tobias Lambert (2026): »Die Regierung hätte auch andere Optionen« https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196704.us-angriff-auf-venezuela-die-regierung-haette-auch-andere-optionen.html. Die Lage in Caracas nach dem Überfall der USA – Interview mit dem venezolanischen Linken Andrés Antillano, nd.
-
476
ManyPod #28: La Deutsche Vita – 70 Jahre italienische Migration in Deutschland
Im Dezember 1955, vor 70 Jahren, schloss Deutschland mit Italien das erste Anwerbeabkommen zur Arbeitsmigration ab. Damit begann die Ära der Gastarbeit. Ein bedeutsames Ereignis, dennoch erinnert kaum jemand an die Geschichte der italienischen Einwanderung. Sie kommt weder im offiziellen Gedenken vor, noch in den migrantisch-situierten Erinnerungspraktiken. Warum es sich lohnt an diese Geschichte zu erinnern, darüber spricht der ManyPod mit Cristina Raffaele und Aurora Rodonò, beides ausgewiesene Kennerinnen der Migrationsforschung und beide Töchter italienischer Gastarbeiterfamilien. Cristina Raffaele ist Doktorandin an der Universität Bielefeld und promoviert zu Erfahrungen mit Sprache(n) und Sprechen in Integrationskursen. Sie arbeitet rassismuskritisch und migrationspädagogisch zu migrationsgesellschaftlicher Mehrsprachigkeit, (Erwachsenen-)Bildung und (staatlich-)institutionellen Machtverhältnissen. Seit 2021 ist sie Teil der Redaktion des Postmigrantischen Radios und publiziert u. a. in Texte nach Hanau und im narratif magazin. Aurora Rodonò, Kuratorin für Migrationsgeschichte/Stadtmuseum Berlin. Zuvor hat sie am Rautenstrauch-Joest-Museum (Köln), an der Universität zu Köln, bei der Akademie der Künste der Welt Köln und beim DOMiD – Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland gearbeitet. Fotos: Raffaele (Marie Konrad), Rodonò (Jörg Pastler) Shownotes: Online-Dossier: 70 Jahre „La Deutsche Vita“. Ein Blick auf verdrängte Auseinandersetzungen mit italienischer Migration.: https://www.rosalux.de/gesellschaft-der-vielen/70-jahre-la-deutsche-vita/mehr-zur-reihe Ausstellung: Makkaroni Akademie: Makkaroni Settanta – Esperimento collettivo : https://www.makkaroni-akademie.de/events/ Verein: TESORO. Für die Aufarbeitung des Leids illegalisierter migrantischer Familien.: https://www.tesoro2021.ch/home Ausstellung: Projekt Migration 2005 : https://www.kulturstiftung-des-bundes.de/de/projekte/bild_und_raum/detail/projekt_migration.html Artikel: Massimo Perinelli: Gastronomie des Widerstands. Wie migrantische Esskulturen die BRD durcheinander brachten.: https://www.prager-fruehling-magazin.de/de/article/1471.gastronomie-des-widerstands.html Buch: Lorenzo Annese: Vita da Gastarbeiter. Von Apulien zu VW in Wolfsburg.: https://dietz-verlag.de/isbn/9783801206505/Vita-da-Gastarbeiter-Von-Apulien-zu-VW-in-Wolfsburg-Die-Geschichte-des-ersten-auslaendischen-Betriebsrats-in-Deutschland-Lorenzo-Annese
-
475
Sind die Gen-Z-Proteste in Nepal ein Generationenkonflikt, Britta Petersen?
Anfang September gingen spektakuläre Bilder aus der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu um die Welt. Tausende junge Menschen stürmten das Regierungsviertel der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu und setzten das Parlamentsgebäude in Brand. Der direkte Auslöser: Die nepalesische Regierung hatte den Zugang zu sozialen Medien wie Youtube, Facebook und Whatsapp gesperrt. Auf die Massenbewegung reagierte sie mit Gewalt – zahlreiche Demonstranten wurden dabei getötet, darunter auch ein 12-jähriges Kind. Nach nur wenigen Tagen musste der nepalesische Premierminister und Vorsitzender der marxistisch-leninistischen Partei CPN, Kadga Prasad Oli, zurückzutreten. Sushila Karki, die frühere Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, übernahm als Interims-Regierungschefin. Das Parlament wurde aufgelöst und der Social Media Bann zurückgenommen. Ging es bei den Protesten wirklich in erster Linie um einen Generationenkonflikt, wie der Begriff „Gen-Z Proteste” suggeriert? Welche strukturellen Probleme haben für die Unzufriedenheit gesorgt, die hier zum Ausdruck kam und wie sind diese historisch gewachsen? Was muss passieren, damit sich die Forderungen der Protestbewegung auch nach den Neuwahlen im März in langfristigen politischen Wandel übersetzen? Welche Rolle spielen China und Indien bei der ganzen Sache? Darüber spricht Pauline Jäckels mit der Südasienexpertin und Journalistin Britta Petersen. Bevor sie im März 2024 das Büro der Rosa -Luxemburg -Stiftung in Delhi übernahm, war sie Senior Fellow bei dem indischen Thinktank „Oberserver Research Foundation“, Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Pakistan und Südasien-Korrespondentin der Financial Times Deutschland. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Tauqueer Ali Sabri, [Nepals Gen Z erhebt sich: https://www.rosalux.de/news/id/53881, 2025, Rosa-Luxemburg-Stiftung Britta Petersen, Wut statt Wandel: https://www.rosalux.de/news/id/53939, 2025, Rosa-Luxemburg-Stiftung Britta Petersen, Sri Lanka vor dem linken Wahlsieg? https://www.rosalux.de/news/id/52450), 2024, Rosa-Luxemburg-Stiftung
-
474
#23: Space Race 2: Der Ausverkauf des Weltraums
Wem gehören eigentlich Sonne, Mond und Sterne? Allen. Der Weltraum gilt als gemeinsames Menschheitserbe. So sagt es das Völkerrecht. Seit einigen Jahren jedoch schreitet die Privatisierung und Kommerzialisierung des Weltraums rasant voran. Hoch über unseren Köpfen ist ein Wettlauf um die Vorherrschaft im All entbrannt. Es geht unter anderem um die Erschließung von Mond, Mars und Asteroiden als Lieferanten wertvoller Rohstoffe, es geht um Macht, Geld und Größenwahn: Elon Musk will den Mars besiedeln, Jeff Bezos Millionen von Menschen in riesigen Raumschiffen im Sonnensystem ansiedeln. Aber dürfen die das? Wir sprechen mit der Völkerrechtlerin Professor Dr. Isabel Feichtner darüber, wie die Nationalstaaten des Planeten Erde sukzessive den Weltraumvertrag unterlaufen, indem sie ihre irdische Konkurrenz mitsamt Kapitalismus in den Weltraum ausweiten – mit zerstörerischen Folgen. Schreibt uns an [email protected] Shownotes: Raumfahrtstrategie der Bundesregierung, herausgegeben vom Bundeswirtschaftsministerium, September 2023: https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Publikationen/Technologie/20230927-raumfahrtstrategie-breg.pdf?\__blob=publicationFile&%3Bv=10 Isabel Feichtner: Bodenschätze. Über Verwertung und Vergesellschaftung. Hamburger Edition, 2025. Antje Nötzold, Enrico Fels, Andrea Rotter, Moritz Brake (Hrsg.:): Strategischer Wettbewerb im Weltraum. Springer VS, 2024. Jingle: Copyright Free Music inspired heavily by the Star Trek shows, by Louis Humanoide 2: https://www.youtube.com/watch?v=rVjzNwpu1oo&t=4s Ausschnitte aus Picard in Star Trek, «Der erste Kontakt», 1996. Enno Schöningh: Wem gehört das All? Über die Zukunft der Erde wird mehr und mehr im Weltraum entschieden. Deshalb können wir ihn nicht den Großmächten überlassen. Eine Anleitung zum Mitreden, unter https://taz.de/Wird-die-Zukunft-der-Erde-im-Weltraum-entschieden/!6097987, vom 12.7.2025 Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
473
tl;dr #56 Paul Lafargue: «Das Recht auf Faulheit» | Mit Stephan Lessenich
Mit „Das Recht auf Faulheit“ hat Paul Lafargue, Schwiegersohn von Karl Marx, ein provokantes Pamphlet geschrieben. In dem kurzen Buch hinterfragt er ironisch die Tradition der Arbeiterklasse und deren Forderung nach Recht auf Arbeit. Gewissermaßen geht das Proletariat mit dieser Forderung der genussfeindlichen Bourgeoisie auf den Leim, so Lafargue: Es lässt sich von Moralisten und Ökonomen verführen, die behaupten, es brauche Wachstum. Dabei macht die körperliche Arbeit und hohe Produktivität nicht nur krank und senkt die Lebenserwartung. Sie führt darüber hinaus auch zu einer Überproduktion von Konsumgütern – die Kapitaleigentümer müssen immer neue Märkte und Bedürfnisse erschaffen oder Finanzmarkt-Akteure suchen, um das überschüssige Kapital loszuwerden. Lafargue plädiert dagegen für eine völlig neue Organisation der gesellschaftlichen Arbeitsteilung, wo es all das nicht braucht. Statt Millionen von Menschen in Bediensteten-Beschäftigungen oder in unnützen Institutionen wie Polizei und Militär zu halten, will er die gesellschaftlich notwendige Arbeit auf alle diese Menschen verteilen, und den Arbeitstag für alle Menschen auf 3 Stunden reduzieren. An solchen Arbeitstagen ist dann noch genug Zeit für Genuss, Sport, geistige Betätigung menschliche Beziehungen – oder einfach Faulheit. Auch die Maschine spielt bei dieser Emanzipation eine wichtige Rolle, da sie hochproduktiv ist und die körperliche Arbeit erleichtert. Damit sie das aber wirklich tut, statt den Produktionszwang immer weiter zu erhöhen, müssen die Arbeiter*innen sich die Technologie aneignen und wirklich zu ihren Gunsten nutzen. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge der Soziologe Stephan Lessenich. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos.
-
472
Ist die US-Hegemonie am Ende, Stefan Schmalz?
Die USA haben einem Handelskrieg ausgerufen – und bringen damit die globale Ordnung ins Wanken. Zwar werden sogar die engsten Verbündeten mit Zöllen überzogen, im Mittelpunkt steht aber die Volksrepublik China. Mit der protektionistischen Politik will Präsident Donald Trump nicht nur das US-Handelsdefizit verringern und den Produktionsstandort fördern, sondern auch die chinesische High-Tech-Branche auf Abstand halten. Doch die erobert sich international immer mehr Marktanteile. Die US-Hegemonie scheint an ihre Grenzen zu stoßen. In der zehnten Folge unseres Podcast «Weltunordnung» spricht Felix Jaitner mit Stefan Schmalz, Professor am Institut für Soziologie an der Universität Jena, über den Konflikt zwischen China und den USA. Löst China die USA als neue globale Führungsmacht ab? Und was bedeuten die globalen Umbrüche für Deutschland und die EU? Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Stefan Schmalz (2018): Machtverschiebungen im Weltsystem. Der Aufstieg Chinas und die große Krise: https://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/machtverschiebungen_im_weltsystem-10463.html, Campus Verlag. Stefan Schmalz (2024): Varieties of Digital Capitalism and the US–China Rivalry: The Rise of Competing Technological Spheres: https://www.researchgate.net/publication/385807977_Varieties_of_Digital_Capitalism_and_the_US-China_Rivalry_The_Rise_of_Competing_Technological_Spheres, Critical Sociology 51(4), DOI:10.1177/08969205241291645. Podcastempfehlung: Armutszeugnis - Der Wirtschaftspodcast der Rosa-Luxemburg-Stiftung mit Eva Völpel und Sabine Nuss: https://www.rosalux.de/armutszeugnis). Ihr findet Armutszeugnis auf allen gängigen Podcastplattformen! Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
471
Worum geht es im Sudankrieg, Saskia Jaschek?
Der Krieg im Sudan ist einer der verheerendsten bewaffneten Konflikte unserer Zeit. Seit der Machtkampf zwischen der sudanesischen Armee und den Rapid Support Forces im April 2023 ausgebrochen ist, wurden Zehntausende Zivilist*innen getötet, mehr als zehn Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben oder mussten ins Ausland flüchten. Trotzdem wird hier in Deutschland kaum über den Krieg berichtet – besonders im Vergleich zum Krieg in der Ukraine oder in Gaza. Wenn überhaupt über den Sudan gesprochen wird, wird er häufig als „vergessener Krieg“ bezeichnet. Akkurater wäre wohl: ignorierter Krieg. Worum geht es in dem Krieg eigentlich? Welche Rolle spielen globale Wirtschaftsinteressen, etwa die der Vereinigten Arabischen Emirate, in diesem Konflikt? Was haben Europa und Deutschland mit dem Krieg zu tun? Und was müsste passieren, damit er endet? Darüber spricht Pauline Jäckels mit der Sudan-Expertin Saskia Jaschek. Sie hat knapp zwei Jahre in der sudanesischen Hauptstadt Khartum gelebt. Aktuell promoviert Jaschek an der Universität Bayreuth zur sudanesischen Widerstandsbewegung. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Saskia Jaschek, More than a Domestic Conflict: https://www.rosalux.de/en/news/id/51890, 2024, Rosa Luxemburg Stiftung Saskia Jaschek, Krieg im Sudan: Gold, Land, Geopolitik: https://www.blaetter.de/ausgabe/2025/april/krieg-im-sudan-gold-land-geopolitik, 2025, Blätter für Internationale Politik Anna Theresa Bachmann, Unfreiwilliger Helfer (zur Rolle Europas in Sudan): https://www.zeit.de/politik/ausland/2023-09/sudan-kaempfe-machtkampf-rsf-miliz-regierung, 2023, Zeit Online Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
470
#22: Attacke auf den Sozialstaat: Eine orchestrierte Kampagne
Kaum eine Woche vergeht, in der nicht eine neue Idee durch die Arena getrieben wird, wie wir den Sozialstaat zusammen kürzen müssen. Zu teuer, nicht mehr finanzierbar, wir müssen alle mehr Eigenverantwortung zeigen, heißt es. Aber sind die Ausgaben für den Sozialstaat wirklich explodiert? Und was soll das eigentlich konkret heißen, mehr Eigenverantwortung, wenn wir krank werden, in Rente gehen oder wenn wir im Alter auf Pflege angewiesen sind? Und warum stehen auch Ausgaben für Kinder, Jugendliche oder Menschen mit Behinderungen auf dem Prüfstand? Der Angriff auf den Sozialstaat ist ein Kernprojekt der Merz-Regierung, das zeigt aktuell auch die Grundsatzrede https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Reden/2025/rede-katherina-reiche-beim-ersten-wirtschaftspolitischen-symposium-in-berlin.html von Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche die sie allerdings nach unserem Redaktionsschluss gehalten hat . Höchste Zeit, mal genauer auf die Debatte und mögliche Antworten zu schauen. Nachtrag: Die Sozialleistungsquote 2024 liegt sogar etwas niedriger, als von uns im Podcast genannt, nämlich bei 31 Prozent (statt 31,2 Prozent). Das liegt an revidierten BIP-Zahlen. Siehe in den Quellen Dullien/Rietzler (2025). Schreibt uns an: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter https://www.rosalux.de/newsletter-abos . Shownotes: Dullien, Sebastian/Rietzler, Katja 2025: Sozialstaatsdebatte krankt an mangelnder Analyse und Fokus auf Scheinprobleme. https://www.imk-boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=HBS-009246 IMK-Kommentar Nr. 16. Sowie: Systemrelevant-Podcast 2025: Der Sozialstaat im Visier. Falsche Fakten für falsche Debatten. https://www.boeckler.de/de/podcasts-22421-der-sozialstaat-im-visier-falsche-fakten-fur-falsche-debatten-72441.htm Folge Nr. 267. Cansın Köktürk 2025: „Das ist moralisch verroht“. https://www.rosalux.de/news/id/53957/attacke-auf-den-sozialstaat-das-ist-moralisch-verroht Interview mit der Linken-Bundestagsabgeordneten zur Sozialstaatsdebatte Tacheles e.V. 2025: Wir schlagen Alarm! https://tacheles-sozialhilfe.de/aktuelles/archiv/wir-schlagen-alarm.html Der Verein Tacheles fasst anschaulich die wichtigsten und gravierendsten Änderungen der Bürgergeldreform zusammen. Burkhard Jung, SPD 2025: Kommunen weiter in schwieriger Finanzlage. https://www.deutschlandfunk.de/jung-spd-kommunen-weiter-in-schwieriger-finanzlage-120.html DLF, Interview der Woche 2.11.2025 RLS-Dossier https://www.rosalux.de/sorgende-staedte zu Sorgenden Städten und vielen Aspekten der Care-Frage
-
469
tl;dr #55 Angela Davis: «Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse?» | Mit Vanessa E. Thompson
Die Schriftstellerin, Aktivistin und Philosophin Angela Davis wurde in den 1970er Jahren zur Ikone der Black-Power-Bewegung. Heute zählt sie zu den wichtigsten Vertreter*innen des Abolitionismus – eine Bewegung, die sich für die Überwindung staatlicher Gewaltinstitutionen einsetzt, wie sie etwa in Form von Gefängnissen oder der Polizei bestehen. In „Are Prisons obsolete?“ (2003), dt. „Eine Gesellschaft ohne Gefängnisse?“, argumentiert Davis, dass das Gefängnis weder natürlich noch notwendig sei, sondern das Produkt einer rassistischen, klassenbasierten und patriarchalen Gesellschaft. Sie prägt den Begriff des industriellen Gefängniskomplex („Prison Industrial Complex“), um die Komplizenschaft des Gefängniswesens mit dem kapitalistischen Ausbeutungs- und Herrschaftssystem zu beschreiben. Wie anderen Abolitionist*innen geht es Davis nicht nur um die langfristige Abschaffung von Gefängnissen, sondern um eine radikale Transformation der kapitalistischen Lebensbedingungen, die Armut und Kriminalität systematisch reproduzieren. Ebenso wichtig ist daher der Aufbau von „Caring Communitys“ und Infrastrukturen zur Prävention von Armut, Kriminalität und Gewalt. Zu Gast in der 55. Folge unseres Theorie-Podcasts ist die Sozialwissenschaftlerin Vanessa E. Thompson, die gemeinsam mit Daniel Loick den Abolitionismus-Reader (Suhrkamp) herausgegeben hat. Sie lehrt an der Queen´s University in Ontario/Kanada. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: [www.rosalux.de/podcasts](https://www.rosalux.de/podcasts) Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren [monatlichen Newsletter](https://www.rosalux.de/newsletter-abos).
-
468
Sind Klima und Kapitalismus kompatibel, Ulrich Brand?
Vom 10. bis 21. November 2025 findet die 30. Weltklimakonferenz im brasilianischen Belém statt. Doch obwohl sich die ökologische Krise immer deutlicher zuspitzt, halten die Industrieländer Hilfszusagen für Klimaanpassung nicht ein. Das gilt auch für Deutschland, obwohl man sich hierzulande gerne für einen Vorreiter in Sachen Klimaschutz hält. Die Ampel-Regierung trat mit dem Versprechen an, Deutschland ökologisch zu modernisieren. Eine dekarbonisierte, high-tech Wirtschaft soll nicht nur das deutsche Exportmodell retten, sondern auch Kapitalismus und Klima miteinander versöhnen. Bundeskanzler Friedrich Merz setzt dagegen auf den Ausbau von Gaskraftwerken und erwägt eine Abkehr vom Verbrenner-Aus. Statt in den ökologischen Umbau investiert er lieber hunderte Milliarden Euro in die Aufrüstung der Bundeswehr. Das verschärft nicht nur die angespannte internationale Lage, sondern droht die Abhängigkeit von fossiler Energie auf Jahrzehnte zu zementieren. In der achten Folge unseres Podcast «Weltunordnung» spricht Felix Jaitner mit Ulrich Brand, Professor für Internationale Politik an der Universität Wien, über die ökologische Krise und ihre Auswirkungen. Wie verschärft sie Konflikte um die multipolare Weltordnung? Besteht ein Widerspruch zwischen ökologischer und sozialer Frage? Und was bedeutet Internationalismus im Zeitalter des Klimawandels? Shownotes: Brand, Ulrich/Wissen, Markus (2017): Die imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus, Oekom Verlag. Brand, Ulrich/Wissen, Markus (2024): Kapitalismus am Limit. Öko-imperiale Spannungen, umkämpfte Krisenpolitik und solidarische Perspektiven, Oekom Verlag. Buchvorstellung von “Kapitalismus am Limit” McKinsey & Company (2021): Net-Zero Deutschland. Chancen und Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2045, September. Net-Zero Deutschland. Chancen und Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2045 https://www.mckinsey.de/de/~/media/mckinsey/locations/europe%20and%20middle%20east/deutschland/news/presse/2021/21-09-10%20net%20zero%20deutschland/mckinsey%20net-zero%20deutschland_oktober%202021.pdf Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2024): Habeck legt Konzept für grüne Leitmärkte vor, Pressemitteilung. https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2024/05/20240522-habeck-legt-konzept-fur-grune-leitmarkte-vor.html
-
467
Steht Syrien vor der nächsten Diktatur, Kristin Helberg?
Seit 1970 hatte die diktatorische Assad-Familie Syrien fest in der Hand. Die Revolution von 2011, die in einen brutalen Krieg Baschar al-Assads gegen oppositionelle Gruppen und seine eigene Bevölkerung mündete, galt als endgültig gescheitert. Im Dezember 2024 passierte dann etwas, mit dem eigentlich niemand gerechnet hatte: Die islamistische HTS und verbündete Gruppen stürzten die Regierung Baschar al-Assads in nur elf Tagen, und ihr Anführer Ahmed al-Scharaa übernahm die Macht. Wie hat sich das Land seit dem Sturz verändert? Wer ist Ahmed al-Scharaa, und hat er seine Versprechen von Demokratieaufbau und Teilhabe der Minderheiten eingehalten – oder steht das Land gerade vor der nächsten Diktatur? Und welche politischen und wirtschaftlichen Interessen verfolgen die Türkei, die USA und Deutschland in Syrien? In der siebten Folge unseres Podcasts «Weltunordnung» spricht Pauline Jäckels mit Kristin Helberg, freie Journalistin und Politikwissenschaftlerin. Sie lebte sieben Jahre in Syrien, berichtete für deutschsprachige Medien und veröffentlichte drei Bücher und zahlreiche Artikel zum Syrien-Krieg. Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
466
ManyPod #27: Ibrahim Arslan: Der Brandanschlag von Mölln und die Sache mit der Solidarität
Am 23. November 1992 wurden im niedersächsischen Mölln zwei rassistische Brandanschläge verübt, die Mädchen Ayse Yilmaz und Yeliz Arslan sowie ihre Großmutter Bahide Arslan starben durch das Feuer. Hunderte von Solidaritätsbekundungen gingen damals bei der Stadt Mölln ein. Statt sie den Familien auszuhändigen, wurden die Briefe 30 Jahre im Stadtarchiv gelagert. Der Film „Die Möllner Briefe“ thematisiert diesen Skandal vorenthaltener Solidarität und den Umgang der Familie damit. Darüber spricht der ManyPod mit Ibrahim Arslan, der den Anschlag als 7-Jähriger überlebte und seit 20 Jahren um ein würdiges Gedenken und ein antifaschistisches Erinnern kämpft. Weiterführende Links: Instagram: Reclaim & Remember: https://www.instagram.com/reclaim_and_remember/?hl=de Realfiction: Die Möllner Briefe: https://www.realfictionfilme.de/die-moellner-brief.html (Martina Priessner 2025) Artikel: Reclaim and Remember: Die NSU-Tribunale als solidarische Gerechtigkeitspraxis: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/nsu-komplex-2023/539784/reclaim-and-remember/ Website: Möllner Rede im Exil: https://gedenkenmoelln1992.wordpress.com/2023/11/14/mollner-rede-im-exil-2023/
-
465
tl;dr #54 Mao Tse-tung: «5 philosophische Schriften» | mit Felix Wemheuer
Mao Tse-tung prägte die europäische Linke in den 60er und 70er Jahren weitreichend. Angesichts der heutigen Erkenntnisse über ihn und die Auswirkungen seiner Politik, stellt sich die Frage, ob und wie man seine Schriften heute noch lesen kann. Berühmt in der Rezeption sind bis heute Maos Ausführungen zu Haupt- und Nebenwiderspruch. Dabei wurde ihm oft vorgeworfen, viele Widersprüche - und somit gesellschaftlichen Kämpfe - auf einen Nebenwiderspruch zu reduzieren und damit wegzuwischen. Tatsächlich besagt seine Theorie aber, dass der Hauptwiderspruch nicht von vornherein festgelegt ist. Zwar betrachtet er etwa Proletariat und Bourgeoisie als einen führenden Hauptwiderspruch. Es kann durch Bewegungen jedoch zu einer Verlagerung kommen, sodass ein anderer Widerspruch zum Hauptwiderspruch wird und den anderen überlagert. Eine solche Verschiebung von Widersprüchen nimmt auch Louis Althusser in seiner Analyse der russischen Revolution auf. Die Gegensätze - Lohnarbeit und Kapital, Kleinbauern und Großbauern, Großbauern und Adel, usw. - überlagern sich. Der Kampf der Kleinbauern wird dann der Signifikant, in dem sich die ganzen anderen Widersprüche verdichten. In ähnlicher Weise ließe sich auch intersektionales Denken von heute verstehen. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Folge der Sinologe und Mao-Experte Felix Wemheuer. Er ist Professor für moderne Chinastudien an der Universität Köln. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: www.rosalux.de/newsletter-abos
-
464
#21: Wiedervereinigung: Die Enteignung der Ostdeutschen
35 Jahre ist die deutsche Wiedervereinigung her – doch von einer Angleichung der ökonomischen Lebensverhältnisse zwischen Ost- und Westdeutschland kann keine Rede sein. So sind zwar manche Unterschiede kleiner geworden, doch im Großen und Ganzen gilt weiterhin: Im Osten sind Löhne, Erbschaften und Vermögen deutlich geringer und prekäre Beschäftigungsverhältnisse und Armut größer als im Westen. Wir schauen genauer auf das Ausmaß dieser Ungleichheit, was die Treuhand und die schockartige Einführung der privaten Marktwirtschaft damit zu tun hatten und wie man heute gegensteuern müsste. Zu Gast in dieser Folge ist die Ungleichheitsforscherin Martyna Linartas.
-
463
Was treibt Deutschland in Afrika, Frauke Banse?
In Afrika verschärft sich die imperiale Konkurrenz um Einfluss und Ressourcen. China und Russland fordern die ehemaligen Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien sowie der USA immer offener heraus. Ausgerechnet in dieser Situation entdeckt die deutsche Politik ihr Interesse für einen Kontinent, der in der medialen Berichterstattung kaum eine Rolle spielt. Bundeswehreinsätze wie in Mali oder Projekte zur Förderung von grünem Wasserstoff in Namibia zeigen: Auch Deutschland bemüht sich um mehr Einfluss – politisch, wirtschaftlich und militärisch. In der 6. Folge von «Weltunordnung» spricht Felix Jaitner mit Frauke Banse, Dozentin am Fachbereich Politikwissenschaft der Universität Kassel, über die deutsche Afrikapolitik. Welche Interessen verfolgt Deutschland in Afrika? Wie verschärft die imperiale Konkurrenz der Großmächte Konflikte auf dem Kontinent? Und inwieweit können afrikanische Länder von der erneuten geopolitischen Konkurrenz profitieren und eigene Entwicklungsprojekte vorantreiben? Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Shownotes: * Frauke Banse (2024): Deutsche Afrikapolitik in geopolitischer Neujustierung, Bundeszentrale für Politische Bildung: https://www.bpb.de/themen/afrika/dossier-afrika/549885/deutsche-afrikapolitik-in-geopolitischer-neujustierung/ * Frauke Banse (2025): Die Geopolitik der neuen post-kolonialen Schuldenkrise, WSI-Mitteilungen, Ausgabe 03/2025, S. 195-202. * Denis M. Tull (2022): Ad-hoc-Koalitionen in Europa. Der Sahel als Katalysator europäischer Sicherheitspolitik?, SWP-Studie 2022/S 08, doi:10.18449/2022S08: https://www.swp-berlin.org/publications/products/studien/2022S08_AdhocKoalitionen_Sahel.pdf
-
462
ManyPod #26: Solidarity will win!
Vor 10 Jahren erkämpften sich eine Million Menschen einen Korridor quer durch Europa auf der Flucht vor den Kriegen in der arabischen Welt und lösten hierzulande dadurch eine beispiellose Solidarität aus. Diese Geschichte vor 10 Jahren, aus dem sogenannten Sommer der Migration, erscheinen heute wie aus einer anderen Welt. Aber trotz faschistischer Formierung in den Straßen und den Parlamenten geht der Kampf der Geflüchteten und die Solidarität weiter. Darüber spricht der ManyPod mit Hassan Nugud von We’ll Come United und mit der Aktivistin und Grafikerin Tanja van de Loo aus Hamburg. Hassan Nugud kommt aus dem Sudan und lebt seit 2015 in Deutschland. Er arbeitet als Sozialarbeiter und Projektkoordinator in der unabhängigen Beratung für Geflüchtete mit Behinderungen und/oder chronischer Erkrankung. Er ist aktiv im Netzwerk We’ll Come United, im Sudan Club e.V., im Vorstand von Handwerker für Darfur und bei Sudan Uprising Germany. Tanja van de Loo arbeitet in Hamburg im internationalen Bildungszentrum Dock Europe in der Fux-Kaserne. Sie gestaltet als Grafikerin und Aktivistin seit den 1990er Jahren Plakate, Kampagnen und Selbstorganisierungsprozesse. In Folge des «Summer of Migration» organisierte sie u.a. 2016 die International Refugee Conference «The Struggle of Refugees - How to go on» auf Kampnagel in Hamburg mit, beteiligte sich intensiv im Netzwerk Welcome United mit den Paraden 2017/18/19 und dann ab 2020 in der Initiative 19. Februar Hanau. Weiterführende Links: Karawane, Aktionstag, Parade We’ll Come United, 2025, Thüringen und Berlin: https://www.welcome-united.org/de/aktuelles/ Konferenz The Struggles of Refugees, 2016, Kampnagel Hamburg: https://kampnagel.de/en/productions/international-conference-of-refugees-and-migrants-the-struggle-of-refugees-how-to-go-on Konferenz Welcome2Stay, 2016, Leipzig: https://welcome2stay.org/de/programm/ Abschlusserklärung des Solidarischen Migrationsgipfel, 2025, Berlin: https://www.rosalux.de/dokumentation/id/53544/solidarischer-migrationsgipfel Organisation No Lager Osnabrück: https://nolageros.noblogs.org/ Organisation Lampedusa in Hamburg: http://lampedusa-hamburg.info/de/ Netzwerk Alarmphone – Hotline for Boatpeople in Distress: https://alarmphone.org/de/ Internationales Netzwerk Solidarity City: https://solidarity-city.eu/en/ Organisation Initiative 19. Februar Hanau: https://19feb-hanau.org/ Fotoarchiv Welcome United Parade, 2018, Hamburg: https://umbruch-bildarchiv.org/well-come-united/ Bildarchiv Parade Power Block der #unteilbar Demonstration, 2019, Dresden: https://umbruch-bildarchiv.org/unteilbar-dresden-2019/
-
461
Geht der Westen unter, Daniel Marwecki?
Im Westen macht sich Endzeitstimmung breit: Ein Rechtsradikaler im weißen Haus baut jeden Tag ein bisschen weiter die US-Demokratie ab, die Allianz zwischen Europa und seinen Bündnispartnern gerät ins Wanken, die deutsche Wirtschaft stagniert – und das Erstarken rechtsextremer Kräfte scheint unaufhaltbar. Die alte Weltordnung bröckelt: Der Westen verliert seine Vormachtstellug und China nimmt eine immer dominantere Position ein. Erleben wir gerade den Abstieg oder gar Untergang des Westens? Darüber spricht Pauline Jäckels mit dem Politikwissenschaftler Daniel Marwecki. Es geht um die Frage, wie der Westen so mächtig werden konnte, warum er jetzt an Einfluss verliert - und welche Rolle Europa in der Welt nach dem Westen noch spielen kann. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Shownotes: Daniel Marwecki. Die Welt nach dem Westen. Oktober 2025, C.H. Links Verlag https://www.aufbau-verlage.de/ch-links-verlag/die-welt-nach-dem-westen/978-3-96289-239-5
-
460
tl;dr #53 Herbert Marcuse: «Konterrevolution und Revolte» | mit Peter-Erwin Jansen
In «Konterrevolution und Revolte» von 1972 beschreibt Herbert Marcuse, wie die westlichen Staaten nach den 68er-Protesten mit einer Konterrevolution reagierten, um das kapitalistische System zu restabilisieren. Politische Repression und das Versprechen von Wohlstand wirkten dabei zusammen – nicht nur Unterdrückung, sondern auch die ideologische Integration der Arbeiter*innenklasse in die «Konsumgesellschaft» machte Widerstand zunehmend unwahrscheinlicher, indem jegliches revolutionäres Potenzial in Konsumbedürfnisse umgelenkt und durch das Versprechen ökonomischen Aufstiegs innerhalb der bestehenden Ordnung befriedigt werden sollte. Gleichzeitig macht Marcuse auf die Keimformen einer neuen Revolte aufmerksam. Diese entspringe weniger der traditionellen Arbeiterklasse, sondern anderer gesellschaftlicher Randgruppen: Studierenden, Frauen, People of Color, ökologischen und antiimperialistischen Bewegungen. In ihrer Revolte zeige sich nicht nur politischer Protest, sondern auch ein kulturelles Aufbrechen bestehender Lebensweisen, etwa in der Sexualität, in der Kunst und in Alltagspraktiken. Damit werde ein Feld eröffnet, in dem andere Bedürfnisse, andere Formen des Zusammenlebens und andere Freiheiten sichtbar werden, die der Konsum nicht zu erfüllen vermag. Wie kann in einer Gesellschaft, die durch inhärenten Konsumzwang die Bedürfnisse der Subjekte vereinnahmt und ihre Fantasien formt, ein revolutionäres Begehren entstehen? Ist die Revolte marginaler Gruppen der Anfang einer neuen politischen Praxis oder nur ein kulturelles Störgeräusch, das allmählich vom System absorbiert wird? Und wie ist Marcuses Diagnose heute zu lesen – in einer Zeit, in der gesellschaftliche Errungenschaften von konservativen und rechten Akteur*innen massiv angegriffen werden? Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
459
#20 Armutszeugnis: Mehr Pappwand als Brandmauer. Das Erstarken der Rechten | Teil 2
In der letzten Folge haben wir einige Studien besprochen, die einen Zusammenhang zwischen staatlicher Sparpolitik, ökonomischer Krisen und dem Auftrieb rechter Parteien belegen. In dieser Folge schließen wir daran an und stellen weitergehende Erklärungen vor. Rechte Ideologien sind demnach nicht erst in den letzten Jahren durch eine Zuspitzung neoliberaler Politik und Krisen entstanden, sie existieren schon sehr viel länger in den Köpfen der Menschen. Dabei wird deutlich, dass Menschenfeindlichkeit, Nationalismus und autoritäres Denken weniger der extreme Pol am rechten Rand ist, sondern aus der Mitte der Gesellschaft rührt. Woran liegt das und was erzählt uns das über unsere Wirtschaftsweise? Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Thomas Ebermann, Thorsten Mense, Flo Thamer: NORMAL – Eine Besichtigung des Wahns. Aufführung am 27. November 2025, Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin. https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/7ONQS/normal-eine-besichtigung-des-wahns? Weitere Informationen zum Stück unter: https://www.vernunftwahn.de/ Wilhelm Heitmeyer: Autoritäre Versuchungen, Berlin 2018. Wilhelm Heitmeyer: Deutsche Zustände: Folge 1-10, Suhrkamp Kaufmann, Stephan: Macht Sparen rechts? Und warum? vom 10. Februar 2024, in: Politik & Ökonomie Blog: https://politischeoekonomie.com/macht-sparen-rechts-und-warum Thorsten Mense, Judith Goetz (Hrsg.): Rechts, wo die Mitte ist: die AfD und die Modernisierung des Rechtsextremismus, Münster 2024. Andreas Zick, Beate Küpper, Nico Mokros: (Hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung): Die distanzierte Mitte. Rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland, 2022/23. Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
458
Will Russland Frieden, Alexey Yusupov?
Der Krieg in der Ukraine geht bereits in sein viertes Jahr – doch seit dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin gibt es neue Hoffnungen auf Friedensverhandlungen. In der vierten Folge unseres Podcast «Weltunordnung» spricht Felix Jaitner mit Alexey Yusupov, Leiter des Russlandprogramms der Friedrich-Ebert-Stiftung, über die Entwicklung in Russland. In einer multipolaren Welt beansprucht Russland einen Platz als anerkannte Großmacht, doch die sozialen Widersprüche im Land nehmen zu. Für die künftige Entwicklung des Landes wird es entscheidend, welche politische Kraft als erstes eine Gerechtigkeitsagenda entwickelt. Die Hoffnungen ruhen auf der Linken, doch mittlerweile hat auch die extreme Rechte die soziale Ungleichheit für sich entdeckt und droht die Kräfteverhältnisse weiter zu verschieben. «Weltunordnung» ist der neue Podcast zu internationaler Politik der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Hosts Pauline Jäckels und Felix Jaitner sprechen im Wechsel mit Expert*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Mikhail Lobanov (2024): Eine Revolution in Russland ist möglich. https://www.rosalux.de/news/id/51714 Rosa-Luxemburg-Stiftung. David Ernesto Garcia Doell (2022): A fascist regime looms in Russia. Interview with Gregory Yudin. https://www.akweb.de/politik/putin-war-in-ukraine-a-fascist-regime-looms-in-russia/ Analyse und Kritik. Zeitung für linke Debatte & Praxis. Mathias Brüggmann (2025): Der Rubel rollt nicht mehr. https://taz.de/Zolldrohung-gegen-Russland/!6102132/ TAZ.
-
457
Wer könnte Netanjahu Einhalt gebieten, Muriel Asseburg?
Trotz zunehmendem Druck von Innen und Außen gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Israelische Regierung ihre genozidale Kriegsführung im Gazastreifen beenden möchte. Ganz im Gegenteil: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu wird für die Zwangsvertreibung der palästinensischen Bevölkerung international scharf kritisiert. Vorschläge für Waffenstillstandsverhandlungen mit der Hamas wurden bisher von israelischer Seite abgelehnt. In der dritten Folge unseres Podcasts “Weltunordnung” spricht Pauline Jäckels mit der Nahostexpertin Muriel Asseburg, über Netanjahus Pläne nach dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober? Was treibt ihn an, den Krieg weiterzuführen und wer könnte ihm und seiner Regierung Einhalt gebieten? Welche Rolle können Deutschland und die EU dabei spielen, Israel zu einem Ende seiner Besatzungspolitik und Vertreibungspläne zu bringen? Und aus welchen Gründen hat Deutschland das israelische Vorgehen bislang unterstützt? Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Muriel Asseburg (2025): Der 7. Oktober und der Krieg in Gaza – Hintergrund, Eskalation, Folgen. C.H. Beck Muriel Asseburg und Jan Busse (2016): Der Nahostkonflikt: Geschichte, Positionen, Perspektiven. C.H. Beck Dossier zum Krieg in Israel und Palästina “Gegen die Logik der Gewalt”, https://www.rosalux.de/gegen-die-logik-der-gewalt
-
456
Wie macht die EU ihre Wirtschaftspolitik, Angela Wigger?
Seien es immer höhere Rüstungsausgaben oder ungünstige Handelsabkommen – US-Präsident Donald Trump zwingt der EU erfolgreich seine Forderungen auf. Dabei hat die doch angekündigt, von den USA unabhängig werden zu wollen. In der zweiten Folge unseres Podcasts «Weltunordnung» spricht Felix Jaitner mit der Politikwissenschaftlerin Angela Wigger über das Konzept der «strategischen Autonomie». Durch milliardenschwere Investitionen in grüne Technologien und Rüstungsgüter will die EU nicht nur die wirtschaftliche Stagnation überwinden, sondern als eigenständiger Akteur auf der Weltbühne agieren. Kann das gelingen? Und wie können progressive Alternativen zu dieser Strategie aussehen? «Weltunordnung» ist der neue Podcast zu internationaler Politik der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Die Hosts Pauline Jäckels und Felix Jaitner sprechen im Wechsel mit Expert*innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik. Kontakt, Kritik, Feedback: [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos Shownotes: Angela Wigger (2025): Finanzialisierung - die Achillesferse des European Green Deal.(https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/finanzialisierung/) Luxemburg. Gesellschaftsanalyse und linke Praxis. Angela Wigger (2024): The New EU Industrial Policy and the Hidden Costs of Crowding in Private Investors: An urgent call for the European Left to champion discussions about alternatives futures.(https://transform-network.net/blog/working-group/the-new-eu-industrial-policy-and-the-hidden-costs-of-crowding-in-private-investors-an-urgent-call-for-the-european-left-to-champion-discussions-about-alternatives-futures/) transform!Europe. Stephan Kaufmann (2024): Die Weltordnung soll in der Zeitenwende rentabel werden. (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1182432.neuer-kalter-krieg-die-weltordnung-soll-in-der-zeitenwende-rentabel-werden.html) nd Anghel, Suzana (et al.) (2020) Auf dem Weg zu „strategischer Autonomie“. Die EU im sich Wandelnden geopolitischen Umfeld.(https://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2020/652096/EPRS_STU(2020)652096_DE.pdf) Wissenschaftlicher Dienst des Europäischen Parlaments. Studie. PE 652.096.
-
455
#19 Armutszeugnis: Ist neoliberale Politik schuld? Das Erstarken der Rechten - Teil 1
Es gibt viele Erklärungen für das Erstarken der Rechten. Vor allem Sparmaßnahmen des Staates, aber auch andere ökonomische Krisenerscheinungen, wie Inflation, stehen in jüngster Zeit stärker im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Studien zeigen: Die Folgen einer neoliberalen Wirtschaftspolitik begünstigen den Zulauf zu rechten Parteien. Wir stellen einige Studien kurz vor, diskutieren widersprüchliche Beobachtungen und steigen ein in weitergehende Erklärungen. Das setzen wir in einem zweiten Teil fort. Wir vertiefen in der Septemberfolge die Frage, warum rechte Ideologien in allen gesellschaftlichen Schichten greifen und was uns das über unsere Wirtschaft erzählt. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Lia Becker: Sozialer Antifaschismus. Neoliberale Faschisierung und das Momentum der Linken in Zeitschrift LuXemburg https://zeitschrift-luxemburg.de/artikel/der-horizont-eines-sozialen-antifaschismus/ Hans-Jürgen Bieling: Austerity-induced populism: the rise and transformation of the new right, in: Hrsg.: Stephen McBride, Stephan/ Evans, Bryan/ Plehwe, Dieter: The Changing Politics and Policy of Austerity , S. 213 - 229, Bristol University Press 2021. Dossier der Rosa-Luxemburg-Stiftung: Kampf gegen Rechts: https://www.rosalux.de/kampf-gegen-rechts Maxine Fowé, Isabella Weber: Mietenstopp gegen rechts, in: Surplus – Das Wirtschaftsmagazin, 24. April 2025, https://www.surplusmagazin.de/mietenstopp-rechts-afd-wohnen-miete Robert Gold, Lehr, Jakob Lehr: Paying Off Populism: EU-Regionalpolitik verringert Unterstützung populistischer Parteien. April 2024, Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW): https://www.ifw-kiel.de/fileadmin/Dateiverwaltung/IfW-Publications/fis-import/f16df84e-a721-422e-a087-de3d56c8473e-KPB_172_dt_0804_V3.pdf Jana Hensel: Geld schützt nicht vor Radikalen. Im Osten werden vielerorts Milliardensummen in neue Fabriken investiert – auch dank großzügiger Subventionen der Ampelregierung. Trotzdem ist die AfD so stark wie nie. Wie kann das sein? Aus der ZEIT Nr. 18/2024, https://www.zeit.de/2024/18/afd-ostdeutschland-magdeburg-investition-intel Fred Heussner: Antifaschistische Ökonomik? Naklar! Aber was heißt das? Exploring Economics, 2024, https://www.exploring-economics.org/de/entdecken/antifaschistische-oekonomik/ und Fred Heussner (2025): Ist antifaschistische Wirtschaftspolitik die Lösung? https://www.youtube.com/watch?v=BcPWlPxfVss, Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung „Von Tech-Oligarchie bis antifaschistische Wirtschaftspolitik: Aktuelle wirtschaftspolitische Paradigmen und Debatten“, Plurale Ökonomik, Universität Siegen Stephan Kaufmann: Macht sparen rechts? Und warum?, in: Politik & Ökonomie, Beiträge zur politischen Ökonomie, 10. Februar 2024: https://politischeoekonomie.com/macht-sparen-rechts-und-warum/ Thomas Laschyk, Sophie Scheingraber: Lindner „glaubt“ nicht daran, dass Sparpolitik die AfD stärkt – das sagt die Wissenschaft | Mai 27, 2024 | Faktencheck https://www.volksverpetzer.de/faktencheck/lindner-sparpolitik-staerkt-afd/ Thorsten Mense, Goetz, Judith (Hrsg.): Rechts, wo die Mitte ist. Die AfD und die Modernisierung des Rechtsextremismus. Unrast 2024. Daniel Mullis: Der Aufstieg der Rechten in Krisenzeiten. Reclam 2024. Berlin Summit Declaration (2024): Winning back the people. Berlin Summit Declaration May 2024 - Forum for a New Economy https://newforum.org/en/the-berlin-summit-declaration-winning-back-the-people/ Weber, Isabella: »Fünf antifaschistische Wirtschaftsvorschläge, um den Rechtsruck zu stoppen«. Interview im Freitag (Online), 2024. https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/isabella-weber-fuenf-antifaschistische-wirtschaftsvorschlaege-um-den-rechtsruck-zu-stoppen Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
454
tl;dr #52 Karl Marx: «Das Kapital» Band 2 | mit Christian Schmidt
Im ersten Band des Kapitals hat Karl Marx den Produktionsprozess des Kapitals dargelegt. In dem viel weniger gelesenen Band II geht es um den Zirkulationsprozess des Kapitals. Das Kapital ist in einer kreislaufförmigen Metamorphose: Geldkapital wird vom Kapitaleigentümer in Ware umgetauscht, die ihm wiederum als Produktionsmittel dient. Die Produktionsmittel wiederum dienen zur Herstellung der Ware, und die Ware wird ihrerseits wieder zu Geld, wenn sie verkauft wird, sodass der Kreislauf von vorne beginnt. Am Ende dieses Kreislaufs, der an jedem Punkt Anfang und Ende ist und den der Kapitaleigentümer immer weiter fortsetzt, bekommt er mehr Geld und mehr Ware, als er vorher in den Kreislauf hineingegeben hat – es entsteht ein Mehrwert. Allerdings kommt es in diesen Metamorphosen immer wieder zu Stockungen: Etwa, wenn der Kapitaleigentümer nicht genug Rohstoffe oder Arbeitskräfte findet, wenn es Streik gibt oder wenn die Waren an Wert verlieren oder es nicht genug Abnehmer gibt. Das Geld bleibt dann «unproduktiv», was zur Schatzbildung führt. Das Krisenhafte gehört zur Durchschnittsbewegung dieser Kreisläufe. Ohne explizit eine krisentheoretische Überlegung zu machen, wird das inhärent Krisenhafte des Kapitalismus hier zumindest angedeutet. Im zweiten Teil des Buchs legt Marx den Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital dar, im dritten Teil geht es um die Reproduktion und Zirkulation des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. Auch in diesen Kreisläufen gibt es Stockungen und Krisen. Zu Gast bei Alex Demirović ist in dieser Sendung Christian Schmidt, Autor von Marx zur Einführung, der an der Humboldt Universität zu Berlin lehrt und forscht. Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
453
Aufstand gegen das Austrocknen
Ohne Wasser kein Leben. Über ein Jahrzehnt lag das Marschland zwischen Euphrat und Tigris trocken – ausgetrocknet durch gezielte Staatsgewalt, um den Widerstand im Süden des Irak zu brechen. 2003, nach dem Sturz Saddam Husseins, greifen die Ahwaris zu den Schaufeln und beginnen, die Dämme zu durchbrechen. Diese Folge erzählt von ökologischer Kriegsführung, indigener Selbstverteidigung und den heutigen Klimakämpfen gegen die Ölindustrie. Eine Kooperation mit Sina Reisch und der Geschichte der kommenden Welten. Im Interview sind die RLS Projektmanagerin Ansar Jasim und der Ahwari Aktivist Mustafa Hashim. Episodenfoto: Alamy Links: RLS Comic “We Take Care of the Land as the Land has Taken Care of Us” bestellen: https://www.bestellung.rosalux.de/We-Take-Care-of-the-Land-as-the-Land-has-Taken-Care-of-us-p649968078 downloaden: https://rosalux-lb.org/publications/graphic-novel-food-sovereignty-iraq-kurdistan RLS Beirut YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=lBZjQhNw8PE RLS Beirut Website: https://rosalux-lb.org/de RLS Dossier Ernährungssouveränität: www.rosalux.de/dossiers/ernaehrungssouveraenitaet/ Ahwari Network for Human Rights:vhttps://ahwari.net/videos Mustafas Instagram: https://www.instagram.com/al_ahwary ARTE Reportage mit Mustafa: https://www.youtube.com/watch?v=0v2EZweIcIQ The Marshes / Al Ahwar (1976) von Kassem Hawal: https://www.youtube.com/watch?v=NOE9hEuJejM Carlos Radiobeiträge: https://open.spotify.com/show/46FzwgojMJcP0oYvOB4BVP?si=ee3708fdabd24e21 Andere Artikel & Quellen: https://www.ritimo.org/Militarized-ecologies-in-Iraq-s-marshlands-the-endless-war-and-or-a-systemhttps://www.e-flux.com/architecture/hydroreflexivity/543092/wetlands-of-resistance/ https://www.hrw.org/legacy/backgrounder/mena/marsharabs1.htm https://jacobin.com/2025/01/iraqi-marshes-wetlands-drought
-
452
Wie geht friedensgeleitete Außenpolitik, Jan van Aken?
Kriege, Klimakrise, Konflikte im transatlantischen Lager – unsere Welt verändert sich rasant. Doch die deutsche Bundesregierung kennt darauf nur eine Antwort: Aufrüstung. In kürzester Zeit soll die Bundeswehr die größte konventionelle Streitmacht Europas werden. Stimmen, die für Frieden und Entspannungspolitik eintreten, haben es dagegen schwer. Wie stellen sich diese Herausforderungen aus linker Perspektive dar? In der ersten Folge unseres Podcasts „Weltunordnung“ stellt sich Jan van Aken, Co-Vorsitzender der Linkspartei und Außenpolitikexperte, unseren Fragen. Ob Ukraine-Krieg, Gaza oder Deutschlands Rolle in der Welt – in diesem Podcast sprechen wir über Themen, die auch in der Linkspartei kontrovers diskutiert werden. Wir wollen wissen, wie eine linke Außenpolitik aussehen könnte, die konkrete Schritte zur Lösung dieser Konflikte bietet und den Weg in eine andere Welt möglich macht. Feedback, Lob und Kritik erreichen uns unter [email protected] Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
-
451
#18 Armutszeugnis: Autoindustrie: Wenn Menschen nur noch Zahlen sind
Die deutsche Automobilindustrie, ein Pfeiler der Exportindustrie, steckt in der (Absatz-)Krise. Verschlafene E-Mobilität, zu viel Fokus auf teure Luxusmodelle, zu hohe Lohnkosten - es mangelt nicht an Erklärungen, woran es angeblich hapert im unerbittlichen Wettrennen um globale Marktanteile. Doch wie geht es überhaupt den Beschäftigten in den Werkshallen? Wir schauen am Beispiel vom VW-Werk Baunatal bei Kassel genauer hin, sprechen über entfremdete Arbeit und wie sich Konflikte um die sozial-ökologische Transformation im Alltag der Belegschaften zeigen. Unser Interviewgast ist Rhonda Koch. Sie ist Referentin beim Betriebsrat in Baunatal und promoviert unter anderem zur Frage, wie Automobilarbeiter*innen die Klimakrise erfahren. Schreibt uns an: [email protected] Shownotes: Stephan Krull: Lohnraub und Arbeitszeitverlängerung bei Volkswagen (https://stephankrull.info/2025/07/01/lohnraub-und-arbeitszeitverlaengerung-bei-volkswagen/), 1. Juli 2025 Thomas Goes: Eine andere Autowirtschaft ist möglich. Sozialökologische Wege aus der Krise der Fahrzeugindustrie. (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1188097.mobilitaet-eine-andere-autowirtschaft-ist-moeglich.html) Neues Deutschland, 9. Januar 2025 Stephan Kaufmann: Autobranche: Krisenüberwindung auf Kosten der Beschäftigten. Neues Deutschland (https://www.nd-aktuell.de/artikel/1185586.automobilindustrie-autobranche-krisenueberwindung-auf-kosten-der-beschaeftigten.html), 30.9.2024 Mario Candeias/Stephan Krull (Hrsg.): Spurwechsel. Studien zu Mobilitätsindustrien, Beschäftigungspotenzialen und alternativer Produktion.(https://www.rosalux.de/publikation/id/45696/spurwechsel-2) Januar 2022, Hamburg. Siehe auch das Dossier Spurwechsel (https://www.rosalux.de/spurwechsel) der Rosa-Luxemburg-Stiftung Johannes Schulten/Jörn Böwe: Die Transformation der globalen Automobilindustrie. Trend, Deutungen, sozialökologische Handlungsstrategien. Ein Handbuch für die gewerkschaftliche und politische Praxis.(https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Studien/Studie_Transformation_Automobilitaet.pdf) März 2023. Châtelaine. Richard Detje/Dieter Sauer: Solidarität in der Transformation. Fortschrittspotenziale in Zeiten der Krise. (https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Artikel/7-21_Onl-Publ_Solidaritaet.pdf) Juli 2021, Berlin Klaus Dörre/Steffen Liebig/Kim Lucht/Johanna Sittel: Klasse gegen Klima? Transformationskonflikte in der Autoindustrie.(https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s11609-023-00514-z.pdf) Berliner Journal für Soziologie Nr. 34, Dezember 2023. IG Metall/ADFC/Allianz pro Schiene/EVG/Zukunft Fahrrad: Die Verkehrswende starten. Ökologisch, ökonomisch, sozial.(https://www.igmetall.de/download/Positionspapier_Verkehrswende.pdf) Januar 2024 „Vier Ideen, wie wir die AfD besiegen können“ – Klaus Dörre im Gespräch mit Elsa Koester.(https://der-freitag-podcast.podigee.io/87-vier-ideen-wie-wir-die-afd-besiegen-konnen) Der Freitag Podcast, 14. Februar 2024 Alle Podcasts der Rosa-Luxemburg-Stiftung: https://www.rosalux.de/podcasts Du möchtest keine Podcast-Folge mehr verpassen? Abonniere unseren monatlichen Newsletter: https://www.rosalux.de/newsletter-abos
We're indexing this podcast's transcripts for the first time — this can take a minute or two. We'll show results as soon as they're ready.
No matches for "" in this podcast's transcripts.
No topics indexed yet for this podcast.
Loading reviews...
ABOUT THIS SHOW
[de] Die Rosa-Luxemburg-Stiftung ist eine der sechs parteinahen politischen Stiftungen in der Bundesrepublik Deutschland. Sie steht der Partei DIE LINKE nahe. Vorrangige Aufgabe der Stiftung ist die politische Bildung. Die Stiftung fördert mit ihrer Arbeit eine kritische Gesellschaftsanalyse, progressive kulturelle Ansätze sowie die Vernetzung emanzipatorischer Akteure. Sie agiert international im Feld der Entwicklungszusammenarbeit und des gleichberechtigten Dialogs und dokumentiert mit Hilfe des Archivs des demokratischen Sozialismus wichtige Ergebnisse linker Politik. Darüber hinaus fördert sie im Rahmen ihres Studienwerks den wissenschaftlichen Nachwuchs mit Stipendien.[en] The Rosa-Luxemburg-Stiftung is one of the largest foundations dedicated to political education in Germany today, and stands in the intellectual and political tradition of democratic socialism. Initiated in 1990 as a small political association in Berlin known as “Gesellschaftsanalyse und politische Bildung e.
HOSTED BY
Rosa-Luxemburg-Stiftung
Loading similar podcasts...