EPISODE · Aug 12, 2026 · 7 MIN
Bei jedem Sex gab es Gleitgel dazu
from Saftig · host Susanne Miel
Gleitgel in den Wechseljahren — Shownotes Episode 025 Vor gut zehn Jahren dachte ich, es geht nichts mehr. Ich war trocken, ich wurde nicht mehr richtig feucht, und ich wusste nicht, woran das lag. Dann kam das einfachste Mittel der Welt: dann nehmen wir eben Gleitgel. Der Anlass war nicht nur die Trockenheit. Ich bin damals immer zwischen den Schamlippen eingerissen, mit ganz feinen Haarrissen, und die tun genau so weh, wie sich das anhört. Gleitgel war die naheliegende Antwort darauf: Wenn es rutscht, reißt nichts. Dass ich noch gar nicht wusste, wie ich sie sauer halte, damit sie überhaupt in Ordnung bleibt, ist mir damals nicht in den Sinn gekommen. Erst auf Wasserbasis. Das war so lala — irgendwann war es doch wieder trocken, es rubbelte sich auf, es wurde flockig. Also bin ich auf Silikonbasis umgestiegen. Das hat immer funktioniert, es war schön glitschig, und der Sex ging danach reibungslos. Nur hatte er nichts mehr damit zu tun, ob ich wirklich erregt war. Die Erregung habe ich vorher schnell mit dem Vibrator hergestellt, und dann konnte man eben Sex haben. Damals fand ich das gut. Eine gute Hilfe, kein Problem, damit kommen wir zurecht. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Aus einem Mal wurde jedes Mal. Irgendwann gab es bei jedem Sex Gleitgel dazu, und als ich zum Vibrator gegriffen habe, habe ich es gleich mit danebengelegt, weil es so besser flutschte. Aufgehört habe ich nicht aus Einsicht — ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich richtig schwierig. Ein, zwei Jahre später hatte sich etwas verändert: Das Scheidenmilieu war wieder in Ordnung, sie war nicht mehr ständig trocken, und sie riss auch nicht mehr bei Kleinigkeiten ein. Wenn ich den Sex von damals neben den Sex von heute lege, ist das ein Riesenunterschied. Nicht weil ich mehr könnte. Sondern weil mein Körper und ich anders damit umgehen können, wenn die Feuchtigkeit von innen kommt und nicht von außen dazugegeben wird. Gleitgel erleichtert den Verkehr, es beseitigt die Ursache nicht. Der Satz stammt sinngemäß von einer Apothekerin in der Apothekenumschau — und nach meiner Erfahrung stimmt er. Aus der Notlösung wird eine Gewohnheit. Erst bei Bedarf, dann bei jedem Mal, am Ende standen mehrere Sorten neben dem Bett. Ich hatte das Gefühl, sie gewöhnt sich daran. Wie die Nase ans Nasenspray. Sie musste ja nichts mehr leisten. Das ist mein Eindruck aus meinem Körper, keine ärztliche Auskunft. Feucht von innen ist etwas anderes als feucht von außen. Das ist der Unterschied, der mir erst aufgefallen ist, als es wieder von allein ging. Ein saures Milieu ist nicht eklig. Es soll so sein. Ich habe lange gedacht, das sei irgendwie unappetitlich — heute weiß ich, dass sie genau so zurechtkommt. Nicht das Gleitgel war mein Problem. Der Sex ohne Lust war es — und das Gleitgel hat ihn möglich gemacht. Ich habe damals auch Kokosöl ausprobiert und noch ein paar andere Ideen, aber keine davon hätte an dem etwas geändert, was fehlte. Es hat lange gedauert, bis ich gemerkt habe, was die Tube mir wirklich abgenommen hat: nicht die Trockenheit, sondern die Frage, ob ich überhaupt will. Shownotes und Episodendetails Ich habe damals keine Sekunde gedacht, dass ich mir mit dem Gleitgel etwas verbaue. Ich hatte ein Problem, es gab eine Lösung, und die stand im Drogeriemarkt. Aus einem Mal wurde jedes Mal Erst war es die Notlösung, dann Routine. Am Ende standen mehrere Sorten neben dem Bett, und ich habe es auch dann danebengelegt, wenn ich allein mit dem Vibrator war — weil es damit besser flutschte. Als Abhängigkeit habe ich das nie empfunden, sondern als praktisch. Das ist der Grund, warum es so lange ging: Es hat ja funktioniert. Der Sex fand statt, es tat nicht weh. Was dabei verschwand, war die Frage, ob ich überhaupt erregt bin. Die habe ich mir nicht mehr gestellt, sondern das Ergebnis vorher mit dem Vibrator hergestellt und den Rest mit der Tube geregelt. Aufgehört habe ich nicht, weil ich klüger geworden wäre. Ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich anfangs schwer. Ich hatte das Gefühl, es geht ihr wie der Nase mit dem Nasenspray, das man nicht länger als eine Woche nehmen soll: Sie musste nichts mehr leisten, also hat sie nichts mehr geleistet. Das ist mein Eindruck, keine ärztliche Auskunft — mir hat das damals niemand erklärt, weder in der Apotheke noch beim Frauenarzt. Und ehrlich ist auch: Es hat sich zur selben Zeit noch etwas anderes geändert. Der Sex war ein anderer. Wie ich sie sauer halte Ich wusste damals nicht, wie ich sie sauer halte. Ich wusste nicht einmal, dass sie sauer sein soll. Sie braucht einen leicht säuerlichen Wert, um abzuwehren, was von außen kommt. Erst dann fühlt sie sich wohl, und erst dann macht sie von sich aus Feuchtigkeit. Ein gutes Milieu, ein bestimmter Wert, die richtigen Bakterien — ich habe früher gedacht: Ist das nicht eklig? Nein. Von der Intimwaschlotion, die eine Bekannte seit ihren Zwanzigern benutzt, habe ich in Folge 13 erzählt — dort geht es auch um die Empfehlungen, die Frauen für ihre Trockenheit bekommen. Der Spruch meiner Mutter Meine Mutter hatte dafür einen furchtbaren Spruch. Ein Wortspiel mit einer Cremedose, das darauf hinauslief, dass man die Creme doch bitte nimmt. Ich fand ihn völlig abstrus. Aber es gab wohl Zeiten, in denen man nahm, was da war. Das Eigentliche läuft im Spruch mit: Er kommt aus Situationen, in denen man selbst nicht wollte, der Mann aber schon. Der Spruch löst das nicht. Er macht es erträglich. Genau das hat meine Tube dreißig Jahre später auch getan. Was ich heute merke Ich habe im Moment keine Probleme mit Scheidentrockenheit. Das kann noch kommen, es steht ja einiges auf der Liste dessen, was man in der Menopause abbekommt. Im Moment ist es so: Wenn ich richtig Lust habe, wird sie auch feucht. Und wenn wirklich viel Lust da ist, macht sie ein Vielfaches von dem, was sie sonst macht. Das ist nicht eklig. Das ist so gewollt, und ich finde es großartig. Ich weiß bis heute nicht, was am Ende den Ausschlag gegeben hat: dass die Tube weg war, dass der Sex ein anderer war, oder beides zusammen. Was ich weiß, ist, was das Gleitgel gemacht hat, solange es da war. Es hat den Sex möglich gemacht — auch an den Abenden, an denen ich eigentlich nicht wollte. Deshalb wünsche ich mir, dass wir dieses Thema gar nicht erst so selbstverständlich auf dem Tisch hätten. Und ich wünsche mir, dass bei dir keins dauerhaft neben dem Bett steht — höchstens dann, wenn gar nichts anderes hilft oder wenn es etwas Besonderes sein soll. Wenn du Saftig abonnierst, bekommst du jede neue Folge automatisch in deine Podcast-App.
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