PODCAST · health
Saftig
by Susanne Miel
Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert.Ich bin nicht kaputt. Ich funktioniere anders als früher. Das hat mir nur nie eine gesagt.Saftig. Endlich sagt es eine.Muttertag, abends. Er fängt an. Mein Körper antwortet nicht. Ich liege da, warte, dass irgendwas kommt, und sortiere im Kopf schon die Sätze, mit denen ich es ihm nachher erkläre. Fünf Sätze hatte ich für ihn. Keinen für mich.Manchmal ist das zum Heulen. Öfter, als ich dachte, ist es zum Lachen. Neulich bin ich nackt durch unseren Flur gelaufen und habe so getan, als wollte ich nur ein Glas Wasser holen. Auch davon erzähle ich.Ich bin Susanne. Ich sage das, was keine sagt. Von Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt — wenn überhaupt. Von Sex in einer langen Beziehung. Vom Blick in den Spiegel, morgens. Davon, wie ich mich selbst befriedige, und warum ich darüber nie geredet habe. Und von den Ab
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Das ist doch alles nur normal
Über Lust in den Wechseljahren reden — Shownotes Episode 029 Ich habe mich mit mehreren Menschen unterhalten, die therapeutisch arbeiten. Was mich daran am meisten erschüttert hat, war nicht, womit ihre Klientinnen kommen — sondern womit sie nicht kommen. Über die Wechseljahre wird geredet, mühsam, aber es wird geredet. Über die Lust nicht. Nicht mal dort, wo eine Frau dafür bezahlt und wo nichts weitergetragen wird. Ich beschäftige mich seit über zehn Jahren mit diesem Thema, und ich stelle bei allen Frauen dasselbe fest: Sie reden nicht darüber. Und ich glaube, ich weiß inzwischen, warum. Weil die Antwort, die wir bekommen, wenn wir doch einmal etwas sagen, fast immer dieselbe ist. Das ist doch alles nur normal. Das passt nicht zu Ihrem Alter. Das kann gar keine Nebenwirkung sein. Und keine von uns will hören, dass sie normal ist. Denn wenn das alles normal ist — warum ist es dann so schwer zu ertragen? Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge geht es um das Schweigen, das vor allem anderen kommt. Bevor eine Frau herausfindet, was mit ihrem Körper passiert, muss sie erst einmal jemanden finden, dem sie es sagen kann. Ich erzähle von zwei Arztbesuchen, bei denen ich mit einem „ist doch normal" nach Hause geschickt wurde, und von einem Bild, das mir eine Therapeutin beschrieben hat und das mich seitdem nicht loslässt: Frauen um die vierzig, die nach der Arbeit zehn Minuten im Auto sitzen bleiben und überlegen, ob sie wirklich reingehen wollen. Sie gehen rein. Sie kochen, sie waschen, sie machen alles, was von ihnen erwartet wird. Aber in diesen zehn Minuten fragen sie sich: Ist das eigentlich normal? Ich frage mich das auch. Nicht im Auto, sondern unter der Dusche. Über Lust in den Wechseljahren reden ist die Stelle, an der es dann ganz aufhört. Es gibt viele Frauen, die großartige Arbeit machen und über Hitzewallungen, Schlaf und Erschöpfung aufklären. Ich lese das, ich höre das, ich schaue mir die Videos an. Und immer wieder stelle ich fest: Die Lust bekommt einen einzigen Satz. Man verliert sie, sie ist weniger, sie ist weg. Fertig. Wir haben vierzig Jahre mit dieser Lust gelebt — und sie bekommt einen Halbsatz. „Das ist doch alles normal" ist keine Auskunft, sondern eine Abfertigung — und kein Mensch will hören, dass er normal ist, wenn es sich falsch anfühlt. Die zehn Minuten im Auto — das Bild, das mir aus den Gesprächen geblieben ist, und die Frage, die in diesen zehn Minuten gestellt wird. Warum uns die Worte fehlen — wenn eine Ärztin fragt, was genau ich meine, kann ich es nicht sagen. Nicht aus Scham, sondern weil es dafür keine Begriffe gibt. Die Lust bekommt einen Satz — obwohl sie sich seit dem Teenageralter aufgebaut hat. Und was dabei verloren geht. Das nächtliche Gespräch mit meinem Partner — das mir gezeigt hat, wie weit weg das alles ist für jemanden, der es nicht selbst erlebt. Ich habe keine Methode dafür. Ich habe nur die Beobachtung, dass sich nichts ändert, solange keine von uns anfängt. Und dass der erste Satz nicht groß sein muss. Shownotes und Episodendetails Ich war bei einer Osteopathin und habe erzählt, was mit mir los ist, und dass ich gelesen habe, das gehöre zu den Wechseljahresbeschwerden. Die Antwort: Ja, das kann schon mal vorkommen, aber eher in seltenen Fällen. Bei Ihnen ist die Wahrscheinlichkeit wohl eher anders gelagert. Beim Frauenarzt habe ich gesagt, ich glaube, ich komme in die Perimenopause, vielleicht bin ich auch schon mittendrin. Die Antwort: Ja, das passt zu Ihrem Alter, aber gucken Sie mal, das ist doch alles nur normal. Zweimal ausgesprochen. Zweimal höflich abgeräumt. Warum uns die Worte fehlen Es gibt noch eine zweite Hürde, und die sitzt nicht beim Gegenüber, sondern bei mir. Wenn ich sage, ich spüre meinen Körper nicht mehr richtig, und jemand fragt zurück, was ich damit meine — dann kann ich es nicht genau sagen. Das ist keine Schüchternheit. Es gibt schlicht keine Begriffe dafür. Es gibt keine Erklärung dafür, warum wir uns auf einmal so komisch fühlen. Die Hormone verändern sich, heißt es. Die Hormone gehen und sagen uns nicht Bescheid, dass sie weg sind. Für zehn Jahre meines Lebens ist mir das zu dürftig. Und weil das so ist, reden wir irgendwann nur noch in einer bestimmten Tonlage darüber. Ach, ist ja lustig, ich habe auch Hitzewallungen. Es ist aber nicht lustig. Es fühlt sich auch nicht lustig an. Die Lust bekommt einen Satz Ich finde die Arbeit großartig, die inzwischen zu den Wechseljahren gemacht wird. Da geben sich viele Frauen echt Mühe, das sichtbar zu machen — auch gegenüber Männern, damit endlich ankommt, dass unser „ich bin müde" nichts damit zu tun hat, einmal schlecht geschlafen zu haben. Es fühlt sich an, als hätten wir zehn Jahre nicht richtig geschlafen und kämen da nicht mehr raus. Was mir in all dem fehlt, ist die Lust. Sie taucht auf, aber immer nur als Nebensatz. Man verliert sie. Sie fühlt sich weniger an. Sie ist dann weg. Dabei fängt das mit dem Teenageralter an: Da prägt sich, wie viel wir über unseren Körper wissen, was er möchte und was nicht, und wie viel wir davon aussprechen können. Das entwickelt sich über Jahrzehnte weiter, durch alle Beziehungen hindurch. Und am Ende steht ein Halbsatz. Ich habe nachts zwischen eins und zwei mit meinem Partner darüber geredet — wir reden öfter zu solchen Zeiten. Als ich ihm erklärt habe, dass die Menopause genau ein Tag ist, war er einfach schockiert. Und ich bin schockiert darüber, dass wir uns nicht trauen, eine andere Frau zu fragen. Nicht mal die beste Freundin. Meine Mutter hat nie darüber gesprochen. Von ihren Wechseljahren weiß ich so gut wie nichts. Genau das möchte ich nicht weitergeben. Denn wenn wir nicht reden, wie soll irgendjemand wissen, wie es uns geht? Wie soll die nächste Generation verstehen, was auf sie zukommt? Deswegen endet diese Folge mit drei Wörtern: Rede darüber. Und es muss kein großes Fass sein, kein „lass uns mal über den Sex reden" — das wird sowieso schwierig, weil im Kopf sofort alles umschaltet. Es reicht ein Satz über ein Gefühl, das neu ist. Wenn dir diese Folge etwas gegeben hat: Bewerte Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify. Nicht für mich — sondern damit die Frauen, die gerade genau danach suchen, sie überhaupt finden. Neue Folgen jeden Donnerstag.
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Der Mann hatte einen Orgasmus, für mich war es nett
kein Orgasmus beim Sex — Shownotes Episode 028 Der Mann hatte einen Orgasmus, und für mich war es auch ganz nett. Diesen Satz habe ich früher belächelt. Heute, Mitte 40, weiß ich, dass ich ihn jahrelang selbst gesagt habe. Vor über zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich über diesen Satz einmal nachdenken würde. Damals fand ich ihn absurd — es muss doch Spaß machen, dachte ich, das kann doch gar nicht sein. Wenn ich mich heute einen Tacken ehrlicher betrachte, sehe ich das anders. Denn ich habe über Jahre genau so gelebt: Sex, bei dem er kam, und ich fand es schön genug, um nichts zu sagen. Kein Orgasmus beim Sex war nichts, worüber ich mich beschwert hätte. Es war der Normalzustand, für den ich mir auch noch eine Entschuldigung zurechtgelegt habe. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich erzähle in dieser Folge meine eigene Partnerkette. Am Anfang war der Sex mit jedem Neuen gut, weil alles neu war. Dann wurde er anders, auch gut, mit dem einen oder anderen Orgasmus — aber nicht regelmäßig und vor allem nicht immer. Also habe ich gewechselt. Und wieder. Und nochmal. Jedes Mal in der Hoffnung, dass es diesmal der Sex ist, der mir meinen regelmäßigen Orgasmus bringt. Ich habe sogar in die SM-Szene hineingeschaut, um zu prüfen, ob Fesseln, Schläge, Schmerz das sind, was mich dahin bringen. Das Ergebnis war dasselbe wie überall sonst: Der Mann ist gekommen. Danach ging es zurück in braven Blümchensex zu Hause. Ich habe immer gesagt, ich gehöre nicht zu den Frauen, die mit über 40 ihren ersten Orgasmus erleben — und das stimmte auch, meinen ersten hatte ich in den Zwanzigern. Nur hat mir diese Rechnung kein einziges Mal geholfen. Sie hat mir bloß erlaubt, alles beim Alten zu lassen. Die Entschuldigung, die ich mit mir rumgeschleppt habe — er kommt, das ist ein Orgasmus, und für mich war es ja auch schön. Ein ganzer Satz, gebaut, damit nichts fehlt. Fünfzehn Minuten, in denen es einmal nur um mich ging — ich habe meinen damaligen Partner dazu überredet. Er ist dabei eingeschlafen und hat es hinterher bestritten. Was Männer nach dem Sex haben und wir nicht — sie sind befriedigt, glücklich, das Testosteron kommt, sie fühlen sich männlicher. Und wir sitzen daneben und denken: ja, es war halt nett. Warum wir es allein in fünf Minuten schaffen — weil wir wissen, wo wir hingreifen. Wir diskutieren nicht aus, wir erklären uns nicht, wir müssen niemandem beschreiben, mehr rechts, mehr links, mehr oben, mehr unten. Die Erkenntnis, die mich am meisten trifft — dass ich das alles erst jetzt sehe, nach Jahrzehnten, in denen mich das Thema Sex durchgehend beschäftigt hat. Ich war nie desinteressiert. Ich war nur nie an der Reihe. Diese Folge löst nichts auf. Sie stellt fest, was da war, wie lange es da war und wie gut ich mich daran gewöhnt hatte. Ich finde das traurig, und ich finde es krass, und beides gleichzeitig ist gerade der ehrlichste Punkt, an dem ich stehe. Shownotes und Episodendetails Es gibt einen Unterschied zwischen etwas verlieren und etwas abschreiben. Verloren geht etwas ohne mein Zutun. Abgeschrieben habe ich selbst — leise, über Jahre, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, mir am wenigsten. Und weil niemand widerspricht, wenn eine Frau sagt, es war schön, klingt das Abschreiben von außen wie Zufriedenheit. Ich wollte immer wissen, wie es sich für andere anfühlt Mich beschäftigt das Thema Sex seit Jahrzehnten, eigentlich schon immer. Ich wollte wissen, wie alles funktioniert, wie sich eine Berührung anfühlt, wie sie sich für mich anfühlt. Und noch mehr hat mich interessiert, wie es sich für andere anfühlt. Spüren die dasselbe? Spüren die etwas ganz anderes? Man sieht ja an Periodenschmerzen, wie unterschiedlich Körper sind — die einen liegen flach, die anderen merken kaum etwas. So unterschiedlich stelle ich mir auch das Gefühl beim Sex vor. Und das fand ich erschreckend. Weil ich nie erfahren habe, wo ich in diesem Spektrum eigentlich stehe. Ich habe es auch einmal mit einer Frau versucht und war vom Ergebnis enttäuscht. Immerhin sind wir da zu zweit nicht gekommen und nicht wie sonst nur ich. Die fünfzehn Minuten, in denen er eingeschlafen ist In einer Beziehung war ich irgendwann so weit, dass ich gesagt habe: Es muss doch eine Lösung geben, damit wir Frauen erfüllter sind. Ich hatte etwas gefunden, bei dem man sich fünfzehn Minuten lang ausschließlich um die Frau kümmert — eine Stelle, immer gleichbleibend, ohne schneller oder stärker zu werden. Fünfzehn Minuten. Ich habe meinen damaligen Partner überredet, das mit mir zu machen. Ich lag da, er hat angefangen, und ich dachte noch: oh, interessant. Es ging überhaupt nicht darum, dass ich etwas Außergewöhnliches spüre oder einen Orgasmus bekomme. Es ging nur um dieses Dafür-da-Sein. Und dann hörte sein Finger auf, sich zu bewegen. Ich habe mit dem Becken gewackelt. Hat nicht geholfen. Ich habe mich geräuspert, so als hätte sich im Liegen Spucke verhakt. Dann machte er weiter, als wäre nichts gewesen — und bestand hinterher darauf, dass er nicht eingeschlafen sei, er sei nur kurz abwesend gewesen. Ich habe das Thema danach wieder weggelegt. Warum es allein fünf Minuten dauert Ich habe letztens jemanden gehört, der sagte: Wir Frauen kommen doch auch, wenn wir es uns selber machen, da dauert es fünf Minuten. Darüber musste ich kichern, weil es genau so ist — und weil der Grund niemanden interessiert. Wir wissen, wo wir hingreifen. Wir merken, wenn wir etwas anders wollen, und dann ändern wir es einfach. Wir diskutieren es nicht aus, wir erklären uns nicht, wir müssen niemandem sagen: nein, mein rechts, nicht dein rechts. Mit meinem jetzigen Partner ist genau diese Rechts-Links-Arie gelaufen, bis er mir einfach manchmal die Handführung überlässt und sich um den Rest kümmert. Besser ist das vielleicht. Traurig ist es trotzdem. Was bleibt, ist die Feststellung, dass ich mit Mitte 40 erst merke, wie viele Orgasmen an mir vorbeigegangen sind. Nicht weil mein Körper nicht konnte. Weil ich aufgehört hatte, damit zu rechnen. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonnier Saftig. Ich bin noch nicht fertig — du wahrscheinlich auch nicht.
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Das hast du dir doch so ausgesucht
Beim Sex nicht nein sagen — Shownotes Episode 027 Ein Satz von meiner Mutter hat mich zwanzig Jahre lang im Bett nicht nein sagen lassen. Nicht, weil sie gemein zu mir gewesen wäre. Sondern weil sie in dem einen Moment, in dem ich Trost gebraucht hätte, gesagt hat: das hast du dir doch so ausgesucht, also lebe damit. Ich bin mit dem Satz nach Hause gegangen und habe ihn behalten. In jede Beziehung, in jedes Bett. Ich habe mitgemacht, was vorgeschlagen wurde, und viel zu selten gesagt: möchte ich nicht. Nicht, weil die Nächte schlimm gewesen wären — die meisten waren völlig okay. Sondern weil ich gelernt hatte, dass ich mir das ja so ausgesucht habe. Über Jahre und über mehrere Beziehungen habe ich diesen Satz mitgeschleppt, ohne ein einziges Mal zu bemerken, dass ich ihn überhaupt mit mir trage. Meine Mutter hatte übrigens noch einen zweiten Satz: „Da brauchst du mal ein Stück Eisen im Kreuz." Das sollte Selbstbewusstsein heißen. Gemacht hat es mich klein — als würde ich das allein nie hinkriegen, als müsste sich immer jemand hinter mich stellen und mich gerade halten. Erst heute merke ich, dass sich das Eisen irgendwann in mein Eisen verwandelt hat. In dieser Folge erzähle ich, wie das passiert ist — und warum ausgerechnet die Perimenopause damit zu tun hat. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Zwanzig Jahre lang konnte ich beim Sex nicht nein sagen, weil ein Satz meiner Mutter in mir saß und jedes „möchte ich nicht" abgeräumt hat, bevor ich es aussprechen konnte. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich schon vorher doof fand — und trotzdem durchgezogen, weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Erst spät habe ich begriffen, dass das gar keine schlechten Erfahrungen waren. Es war dieser eine Satz, der mich daran gefesselt hat, bloß nie meine Meinung zu ändern. Und jetzt, in der Perimenopause, verliert er seine Kraft. Das Östrogen geht, und mit ihm geht die Kraft, die Klappe zu halten. Ich sage im Bett, was ich will. Und was nicht. Nicht, weil ich plötzlich mutig bin, sondern weil mein Körper aufgehört hat, mir die Wahl zu lassen. Und ja — es wird leichter und leichter. Ein einziger Satz hat gereicht. Zehn Sekunden von meiner Mutter, zwanzig Jahre in meinem Bett. So lange habe ich gebraucht, um ihn wieder loszuwerden. Nicht nein sagen ist keine Charakterschwäche. Bei mir war es ein anerzogener Satz — nicht die Erfahrung selbst, sondern die Ansage, damit zu leben. Die Perimenopause räumt auf. Mit dem Östrogen fällt nicht nur Lust weg. Es fallen auch die alten Sätze weg, die auf einmal keinen Platz mehr haben. Ich sage heute, was ich will. Und was nicht. Das fühlt sich leicht an — und gleichzeitig ärgert mich, wie lange es gedauert hat. Das ist kein Phönix aus der Asche. Das ist eine verspätete Rechnung. Shownotes und Episodendetails Manche Sätze hört man einmal und trägt sie ein Leben lang. Man merkt es nicht mal. Man denkt, man ist halt so. Woher der Satz kam Es gab eine Nacht mit meinem damaligen Partner, nach der es mir nicht gut ging. Nichts Schlimmes, nichts Unfreiwilliges — und trotzdem war ich danach durcheinander und wusste nicht, warum. Am nächsten Tag habe ich allen Mut zusammengenommen und versucht, mit meiner Mutter darüber zu reden. Ich habe mir einen stillen Moment gesucht und angefangen zu erzählen. Ich hätte mir gewünscht: Komm her, ich nehm dich in den Arm. Wie geht es dir heute? Lass uns in Ruhe schauen, was da eigentlich los war. Bekommen habe ich einen Satz. Das hast du dir doch so ausgesucht. Also lebe damit. Kein „Wie kann das passieren", keine Frage, wie es mir geht. Nur die Ansage. Und mit der bin ich nach Hause gegangen und habe weitergemacht. Das Traurige ist nicht der Abend. Das Traurige ist, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie fest sich dieser Satz in mir verankert hat. Über Beziehungen hinweg habe ich alles mitgemacht, was mir vorgeschlagen wurde. Manches wollte ich wirklich ausprobieren. Und manches habe ich durchgezogen, obwohl ich vorher schon wusste, dass ich es doof finde. Weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Und wer sich etwas aussucht, ändert seine Meinung nicht. Es gibt Dinge dabei, für die habe ich mich geschämt. Lange. Und wenn ich mir das heute anschaue, sehe ich, wie sehr dieser eine Satz meine Lust und meine Sexualität geprägt hat — nicht weil damals etwas schiefgelaufen ist, sondern weil danach niemand gefragt hat, wie es mir geht. Warum er jetzt seine Kraft verliert Ich sage in diesem Podcast immer wieder, dass sich in der Perimenopause alles verändert. Mit dem Östrogen fällt die Möglichkeit weg, bestimmte Dinge einfach hinzunehmen. Das klingt erstmal nach Verlust — Hitze, schlechte Laune, der ganze Kram. Aber es fällt eben auch anderes weg. Festsitzende Erfahrungen. Alte Sätze. Meiner hat mit einem Mal keine Kraft mehr, weil ich inzwischen ziemlich klar sagen kann, was ich nicht will — und genauso, was ich gerne hätte. Und die Dinge, für die ich mich geschämt habe, wiegen von Mal zu Mal weniger. Da wären wir wieder beim Stück Eisen im Kreuz. Nur ist es jetzt mein Eisen in meinem Kreuz. Nicht mehr das von irgendjemandem, der sich hinter mich stellt und mich gerade hält. Und trotzdem sitze ich hier mit Mitte vierzig und stelle fest: Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, um einen Satz loszuwerden, den mir jemand in zehn Sekunden reingedrückt hat. Leichter wird es, ja. Aber es ist keine schöne Verwandlung. Es ist eine Rechnung, die spät bezahlt wird. Wenn du eine Frau kennst, die auch so einen Satz mit sich herumträgt — schick ihr diese Folge. Manchmal reicht es zu hören, dass es einer anderen genauso ging.
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Ich wollte ihm keinen besseren Sex gönnen
Beckenboden und Lust — Shownotes Episode 026 Vor über zehn Jahren habe ich einen Kurs gekauft, der meinen Beckenboden retten sollte. Nach vier Tagen habe ich das Ei in die Schublade gelegt. Nicht, weil es nichts gebracht hat — sondern weil es sofort gewirkt hat. Angefangen hat alles beim Frauenarzt. „Gucken Sie sich das mal an, vielleicht fällt Ihnen demnächst die Gebärmutter entgegen." So ein Satz bleibt hängen. Ich habe nachgefragt, was Beckenbodentraining überhaupt heißt. „Ja, wissen Sie schon", hieß es. Wusste ich aber nicht. Auf der Seite liegen und anspannen — das war mir zu wenig. Und alles andere, was ich fand, erschien mir irgendwie nicht logisch. Ich konnte mich zu nichts richtig aufraffen. Bis ich eine Sexualtherapeutin aus Amerika gefunden habe. Sie war die Erste, die über Beckenboden und Lust geredet hat — nicht über Vorbeugen, sondern über Kraft, über Durchblutung und über das, was ein trainierter Muskel mit dem Verlangen macht. Sie erzählte Sachen, bei denen ich erst dachte, das ist ein Scherz: Frauen mit so viel Kraft da unten, dass sie damit Dinge anstellen können, die ich hier lieber in der Folge lasse. Oder Ping-Pong-Bälle, die man angeblich damit durch die Gegend schießen kann. Ich weiß bis heute nicht, ob ich das je können will. Aber der Punkt saß. Endlich hatte dieser Muskel mal einen Nutzen, der nicht nur für den Mann gedacht war. Der Kurs war auf acht Wochen ausgelegt. 21 Tage, dann läuft es von allein — das war die Idee. Ich bin nicht mal bis Tag fünf gekommen. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich erzähle von dem teuren Onlinekurs, dem Yoni-Ei und den ersten Tagen, an denen ich tatsächlich einen Unterschied gespürt habe — sofort, nicht nach Wochen. Und ja, ich weiß, dass Beckenboden nach Pflichtprogramm klingt. Für mich war es das Gegenteil. Und trotzdem habe ich genau da aufgehört. Ich steckte in einer Beziehung, aus der ich raus wollte. Und ich wollte diesem Mann keinen besseren Sex gönnen. Klingt bescheuert, und es war es auch. Es ging um mich, nicht um ihn. Trotzdem habe ich mir selbst etwas Gutes verweigert, nur damit er nichts davon hat. Das Ei liegt seitdem in meiner Nachttischschublade. Und zum ersten Mal seit Jahren denke ich ernsthaft: Ich hole es da wieder raus und fange klein an. „21 Tage, dann läuft es von allein" — der Satz, mit dem ich gestartet bin. Ich kam nicht mal bis Tag fünf. Es hat sofort gewirkt — schon nach drei, vier Tagen. Genau der Moment, an dem ich Schluss gemacht habe. Der Grund lag nicht am Training — er lag in der Beziehung. Ich habe mein eigenes Ergebnis als Waffe benutzt und es einfach weggelassen. Beckenboden und Lust hängen zusammen — mehr Kraft, bessere Durchblutung, mehr Gefühl. So habe ich es damals verstanden. Es liegt noch da — gereinigt, unberührt, über zehn Jahre. Jetzt kommt es zurück auf den Nachttisch. Manchmal lässt man nicht das liegen, was nicht klappt. Manchmal lässt man genau das liegen, was klappt. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen einen Satz, den man überall hört: dranbleiben, dann wird es zur Gewohnheit. Bei mir war es umgekehrt. Ich musste nie erklären, warum ich aufgehört habe. Ich muss erklären, warum ich mitten im Funktionieren aufgehört habe. Der Kurs, den ich wirklich gekauft habe Es hat eine Weile gedauert, bis ich ihn überhaupt gekauft habe — teuer war er, und ich war lange nicht sicher, ob mir sowas etwas bringt. Ein Onlinekurs, englischsprachig, Frauen aus der ganzen Welt. Einmal die Woche ein Gruppencall, am Telefon, ohne Bild — das gab es damals so, keine Zoom-Calls, nichts. Eine ziemlich verrückte Geschichte, ehrlich gesagt. Ich habe nie ganz verstanden, wie das laufen sollte, und einfach brav zugehört. Die Calls konnte man sich hinterher nochmal anhören, dazu gab es viele Videos. Ich habe sie sogar herausgezögert, weil ich dachte, ohne das Ei könnte ich die Übungen sowieso nicht richtig machen. Die erste Woche war Yoga: fünf Übungen für die untere Bauch- und Beckenbodenmuskulatur. Anstrengend genug für ordentlichen Muskelkater. Und dann kam das Yoni-Ei. Man führt es ein, hält es mit dem Beckenboden, gibt leichten Widerstand. Der Trick dahinter: mit einem Gegenstand als Widerstand trainiert der Muskel stärker als ohne — genau das hatte mich an dem Kurs überzeugt. Nicht den ganzen Tag tragen, das leiert die Muskeln nur aus, wie ein Glas Wasser am ausgestreckten Arm. Sondern ein paar Minuten, ganz bewusst. Muskelkater an einer Stelle, von der ich nicht wusste, dass sie einen haben kann. Nach drei, vier Tagen tat sich was. Spürbar. Kein Einbilden. Und laut Kurs war das erst der Anfang: mehr Kraft, bessere Durchblutung, ein besseres Scheidenmilieu, mehr Lust. So habe ich es jedenfalls verstanden. Warum ich genau da aufgehört habe Ich war in einer Beziehung, die eigentlich schon vorbei war. Nur noch nicht offiziell. Und irgendwo dachte ich: Wenn ich das durchziehe, wird der Sex besser — für ihn. Das wollte ich nicht. Also habe ich das Ei weggelegt. Nicht, weil es versagt hat. Weil es geliefert hat. Das ist der unbequeme Teil, und ich sage ihn trotzdem. Eigentlich ging es um mich. Um meinen Körper, um meine Lust. Und ich habe mir das selbst verweigert, nur damit ein anderer nichts davon hat. Völliger Quatsch, im Nachhinein. Damals war es einer der Gründe, endlich zu gehen — lange hat es danach nicht mehr gedauert. Und heute Das Ei liegt immer noch in der Schublade. Gereinigt, aber seit über zehn Jahren nicht angefasst. Im Kurs gab es noch viele weitere Übungen, aber man kann ja klein anfangen. Beim Sprechen über diese Folge habe ich beschlossen: Ich lege es zurück auf den Nachttisch und mache erst mal die eine Übung. Und wenn ich wirklich dranbleibe, erzähle ich dir, wie es war — gib mir die eine oder andere Woche. Wenn dich diese Folge erwischt hat, bewerte Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify. Damit die Frauen, die gerade genau danach suchen, den Podcast auch finden.
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Bei jedem Sex gab es Gleitgel dazu
Gleitgel in den Wechseljahren — Shownotes Episode 025 Vor gut zehn Jahren dachte ich, es geht nichts mehr. Ich war trocken, ich wurde nicht mehr richtig feucht, und ich wusste nicht, woran das lag. Dann kam das einfachste Mittel der Welt: dann nehmen wir eben Gleitgel. Der Anlass war nicht nur die Trockenheit. Ich bin damals immer zwischen den Schamlippen eingerissen, mit ganz feinen Haarrissen, und die tun genau so weh, wie sich das anhört. Gleitgel war die naheliegende Antwort darauf: Wenn es rutscht, reißt nichts. Dass ich noch gar nicht wusste, wie ich sie sauer halte, damit sie überhaupt in Ordnung bleibt, ist mir damals nicht in den Sinn gekommen. Erst auf Wasserbasis. Das war so lala — irgendwann war es doch wieder trocken, es rubbelte sich auf, es wurde flockig. Also bin ich auf Silikonbasis umgestiegen. Das hat immer funktioniert, es war schön glitschig, und der Sex ging danach reibungslos. Nur hatte er nichts mehr damit zu tun, ob ich wirklich erregt war. Die Erregung habe ich vorher schnell mit dem Vibrator hergestellt, und dann konnte man eben Sex haben. Damals fand ich das gut. Eine gute Hilfe, kein Problem, damit kommen wir zurecht. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Aus einem Mal wurde jedes Mal. Irgendwann gab es bei jedem Sex Gleitgel dazu, und als ich zum Vibrator gegriffen habe, habe ich es gleich mit danebengelegt, weil es so besser flutschte. Aufgehört habe ich nicht aus Einsicht — ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich richtig schwierig. Ein, zwei Jahre später hatte sich etwas verändert: Das Scheidenmilieu war wieder in Ordnung, sie war nicht mehr ständig trocken, und sie riss auch nicht mehr bei Kleinigkeiten ein. Wenn ich den Sex von damals neben den Sex von heute lege, ist das ein Riesenunterschied. Nicht weil ich mehr könnte. Sondern weil mein Körper und ich anders damit umgehen können, wenn die Feuchtigkeit von innen kommt und nicht von außen dazugegeben wird. Gleitgel erleichtert den Verkehr, es beseitigt die Ursache nicht. Der Satz stammt sinngemäß von einer Apothekerin in der Apothekenumschau — und nach meiner Erfahrung stimmt er. Aus der Notlösung wird eine Gewohnheit. Erst bei Bedarf, dann bei jedem Mal, am Ende standen mehrere Sorten neben dem Bett. Ich hatte das Gefühl, sie gewöhnt sich daran. Wie die Nase ans Nasenspray. Sie musste ja nichts mehr leisten. Das ist mein Eindruck aus meinem Körper, keine ärztliche Auskunft. Feucht von innen ist etwas anderes als feucht von außen. Das ist der Unterschied, der mir erst aufgefallen ist, als es wieder von allein ging. Ein saures Milieu ist nicht eklig. Es soll so sein. Ich habe lange gedacht, das sei irgendwie unappetitlich — heute weiß ich, dass sie genau so zurechtkommt. Nicht das Gleitgel war mein Problem. Der Sex ohne Lust war es — und das Gleitgel hat ihn möglich gemacht. Ich habe damals auch Kokosöl ausprobiert und noch ein paar andere Ideen, aber keine davon hätte an dem etwas geändert, was fehlte. Es hat lange gedauert, bis ich gemerkt habe, was die Tube mir wirklich abgenommen hat: nicht die Trockenheit, sondern die Frage, ob ich überhaupt will. Shownotes und Episodendetails Ich habe damals keine Sekunde gedacht, dass ich mir mit dem Gleitgel etwas verbaue. Ich hatte ein Problem, es gab eine Lösung, und die stand im Drogeriemarkt. Aus einem Mal wurde jedes Mal Erst war es die Notlösung, dann Routine. Am Ende standen mehrere Sorten neben dem Bett, und ich habe es auch dann danebengelegt, wenn ich allein mit dem Vibrator war — weil es damit besser flutschte. Als Abhängigkeit habe ich das nie empfunden, sondern als praktisch. Das ist der Grund, warum es so lange ging: Es hat ja funktioniert. Der Sex fand statt, es tat nicht weh. Was dabei verschwand, war die Frage, ob ich überhaupt erregt bin. Die habe ich mir nicht mehr gestellt, sondern das Ergebnis vorher mit dem Vibrator hergestellt und den Rest mit der Tube geregelt. Aufgehört habe ich nicht, weil ich klüger geworden wäre. Ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich anfangs schwer. Ich hatte das Gefühl, es geht ihr wie der Nase mit dem Nasenspray, das man nicht länger als eine Woche nehmen soll: Sie musste nichts mehr leisten, also hat sie nichts mehr geleistet. Das ist mein Eindruck, keine ärztliche Auskunft — mir hat das damals niemand erklärt, weder in der Apotheke noch beim Frauenarzt. Und ehrlich ist auch: Es hat sich zur selben Zeit noch etwas anderes geändert. Der Sex war ein anderer. Wie ich sie sauer halte Ich wusste damals nicht, wie ich sie sauer halte. Ich wusste nicht einmal, dass sie sauer sein soll. Sie braucht einen leicht säuerlichen Wert, um abzuwehren, was von außen kommt. Erst dann fühlt sie sich wohl, und erst dann macht sie von sich aus Feuchtigkeit. Ein gutes Milieu, ein bestimmter Wert, die richtigen Bakterien — ich habe früher gedacht: Ist das nicht eklig? Nein. Von der Intimwaschlotion, die eine Bekannte seit ihren Zwanzigern benutzt, habe ich in Folge 13 erzählt — dort geht es auch um die Empfehlungen, die Frauen für ihre Trockenheit bekommen. Der Spruch meiner Mutter Meine Mutter hatte dafür einen furchtbaren Spruch. Ein Wortspiel mit einer Cremedose, das darauf hinauslief, dass man die Creme doch bitte nimmt. Ich fand ihn völlig abstrus. Aber es gab wohl Zeiten, in denen man nahm, was da war. Das Eigentliche läuft im Spruch mit: Er kommt aus Situationen, in denen man selbst nicht wollte, der Mann aber schon. Der Spruch löst das nicht. Er macht es erträglich. Genau das hat meine Tube dreißig Jahre später auch getan. Was ich heute merke Ich habe im Moment keine Probleme mit Scheidentrockenheit. Das kann noch kommen, es steht ja einiges auf der Liste dessen, was man in der Menopause abbekommt. Im Moment ist es so: Wenn ich richtig Lust habe, wird sie auch feucht. Und wenn wirklich viel Lust da ist, macht sie ein Vielfaches von dem, was sie sonst macht. Das ist nicht eklig. Das ist so gewollt, und ich finde es großartig. Ich weiß bis heute nicht, was am Ende den Ausschlag gegeben hat: dass die Tube weg war, dass der Sex ein anderer war, oder beides zusammen. Was ich weiß, ist, was das Gleitgel gemacht hat, solange es da war. Es hat den Sex möglich gemacht — auch an den Abenden, an denen ich eigentlich nicht wollte. Deshalb wünsche ich mir, dass wir dieses Thema gar nicht erst so selbstverständlich auf dem Tisch hätten. Und ich wünsche mir, dass bei dir keins dauerhaft neben dem Bett steht — höchstens dann, wenn gar nichts anderes hilft oder wenn es etwas Besonderes sein soll. Wenn du Saftig abonnierst, bekommst du jede neue Folge automatisch in deine Podcast-App.
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Nach zwei Geburten fand ich mich ausgeleiert
Scham beim Sex — Shownotes Episode 024 Ich hatte mal Sex mit einem Partner, der sagte mitten dabei: Du bist aber schon sehr weit da unten, da ist ja viel Platz. Ich habe nichts geantwortet. Ich bin gegangen und habe für mich beschlossen, dass ich darüber nie wieder rede. Das war der Moment, in dem meine Scham beim Sex einen Beweis bekommen hat. Ich hatte mich vorher schon eklig gefunden, ausgeleiert, nach zwei Geburten nicht mehr passend zu dem Körper, den ich mal kannte. Er hat nur bestätigt, was ich sowieso über mich dachte. Und danach habe ich aufgehört, darüber zu sprechen — was der schlechteste Umgang damit ist, den es gibt. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge stehen zwei Geschichten nebeneinander. Die erste habe ich weggesperrt: die Scham über meinen Körper, über das, was zwei Schwangerschaften verändert haben, über die Frage, ob ich für Männer überhaupt noch passe. Ich habe darüber jahrelang geschwiegen, und sie ist in diesem Schweigen größer geworden. Die zweite ist ein paar Wochen alt und hat mich völlig überrumpelt: mein Freund nimmt mir das Handy aus der Hand, auf dem Bildschirm ein Foto mit Periodenblut, und ich bekomme Schnappatmung. Das darf der nicht sehen. Ich bin Mitte 40, ich rede seit Jahren offen über Sex — und da sitzt noch immer dieser Satz aus meiner Kindheit in mir. Diesmal habe ich es ausgesprochen. Und dann war es weg. Scham wächst im Dunkeln — Brené Brown hat das mal mit einer Petrischale beschrieben: schön dunkel, gut verstecken, niemanden draufgucken lassen, dann hat sie Platz, größer zu werden. Ans Licht gebracht hat sie diesen Platz nicht mehr. Ein einziger Satz kann eine Scham festnageln — was ich über mich selbst dachte, war schlimm genug. Dass es jemand ausgesprochen hat, hat daraus eine Tatsache gemacht, über die ich zehn Jahre lang kein Wort verloren habe. Man ist nie fertig damit — ich dachte, bei mir gibt es dieses Thema nicht mehr. Und dann kommt es über ein Foto zurück, das nicht einmal etwas mit mir zu tun hatte. Aussprechen wirkt schneller, als es sich anfühlt — bei mir war es ein Gespräch. Nicht Wochen, nicht Therapie, nicht Arbeit an mir. Ein Gespräch, Tränen, und danach war die Scham gegangen. Der andere hat das Problem oft gar nicht — mein Freund hat mich angeguckt und gesagt, dass mein Blut ihm überhaupt nichts ausmacht. Für ihn gab es nie etwas zu verstecken. Der ganze Berg lag bei mir. Die beiden Geschichten gehören zusammen, auch wenn zwischen ihnen fast zwanzig Jahre liegen. Die eine zeigt, was passiert, wenn ich schweige: Aus einem fremden Satz im Bett wird ein Urteil über mich, das niemand mehr überprüft, weil ich es nie wieder erwähne. Die andere zeigt, was passiert, wenn ich rede: Aus einem Berg wird innerhalb einer halben Stunde nichts. Ich habe für die erste Variante deutlich mehr Lebenszeit aufgewendet. Ich erzähle das nicht, weil ich es hinter mir hätte. Ich erzähle es, weil ich mit Mitte 40 gemerkt habe, dass ich es immer noch mit mir herumtrage — und weil ich weiß, wie schnell es geht, wenn man es endlich laut sagt. Wissen und können sind zwei verschiedene Dinge, und dazwischen liegen bei mir ein paar Jahre. Shownotes und Episodendetails Es gibt einen Satz, der mir vor Jahren das erste Mal begegnet ist: Scham überlebt es nicht, wenn man sie laut ausspricht. Ich war mir damals nicht sicher, ob ich das glauben soll. Heute weiß ich, dass es stimmt — ich habe nur sehr lange gebraucht, bis ich es auch konnte. Was zwei Geburten mit meinem Selbstbild gemacht haben Ich habe mich nicht mehr hübsch gefunden. Ich fand mich eklig, ausgeleiert, irgendwie nicht mehr zusammenpassend. Es war nicht nur die Brust, die anders aussah als vorher. Es hat sich so vieles verändert, das Gefühl war ein anderes, der Sex war dadurch auch ein anderer. Und ich habe mich dafür geschämt. Dafür, dass ich so aussah. Dafür, dass ich vielleicht nicht mehr passend war für Männer, weil ich nicht mehr so schmal war wie damals, als mein Sexleben angefangen hat. Gesagt hätte ich das nie so. Gesagt hätte ich damals nur: Ist halt nicht mehr so schön bei mir. Wenn du es blöd findest, können wir es ja lassen. Ich habe sogar überlegt, ob ich freizügiger auf Männer zugehen sollte — nach dem Motto, dann ist es doch egal, wie es da unten aussieht, Hauptsache sie kriegen, was sie wollen. So habe ich über mich gedacht. Das waren die Gedanken, die entstehen, wenn man mit niemandem darüber spricht. Der Moment, in dem es zurückkam Vor kurzem habe ich ein Bild gesehen, viele Fotos von Toiletten mit Periodenblut darauf. Mein Freund guckte mit auf den Bildschirm, sagte „zeig mal" und nahm mir das Handy ab. In dem Moment bin ich in Panik geraten. Das darf der nicht sehen. Der ist ein Mann, der darf das nicht sehen, Blut versteckt man, das ist denen unangenehm. Es war nicht einmal mein Blut. Es waren fremde Fotos. Und trotzdem hatte ich Schnappatmung. Ich habe ihn dann angeguckt und gesagt, dass ich ihm das jetzt sagen muss, weil es gerade einen riesigen Berg von mir wegnehmen wird. Und während ich es erzählt habe, liefen mir die Tränen — nicht aus Angst, sondern weil die Scham gehen durfte. Sie war da, ich habe sie gesehen, ich habe ihr den Platz eingeräumt, und dann ist sie gegangen. Mir läuft es heute noch kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke, wie fest dieser Gedanke in meinem Kopf saß, ohne dass ich davon wusste. Was er dazu gesagt hat Er hat mich angesehen und gesagt: Aber Schatz, du weißt doch, dass mir dein Blut überhaupt nichts ausmacht. Das hast du beim Sex mehr als einmal erlebt. Für ihn gab es dieses Problem nie. Und mir war das vom Verstand her völlig klar — ich konnte ihm nur kaum erklären, was es in dem Moment emotional mit mir gemacht hat. Wir haben weitergeredet, und damit hat sich die Sache aufgelöst. Es gibt nichts Befreienderes, als endlich zu sagen, was da eigentlich los ist. Ich bin Mitte 40 und komme mit so etwas um die Ecke. Kann man peinlich finden. Ich finde inzwischen: besser mit Mitte 40 als gar nicht. Wenn du beim Zuhören an eine Frau denken musstest, die genau so einen Satz mit sich herumträgt: schick ihr diese Folge. Manchmal ist das der Anfang davon, dass sie ihn ausspricht.
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Mitten im Sex fielen mir die Dachfenster ein
Kopf abschalten beim Sex — Shownotes Episode 023 Es hat angefangen zu regnen. Sommer, warm, die Dachfenster standen offen — und mitten im Sex schlug es in meinem Kopf ein: die Fenster sind auf. Ich bin aus dem Bett, die Treppe rauf, Fenster zu, Treppe runter. Wir haben beide gekichert und dann da weitergemacht, wo wir aufgehört hatten. Vor zehn Jahren hätte ich diesen Satz hundertprozentig unterschrieben: Um deinen Kopf abzuschalten, musst du lernen, deine Vagina einzuschalten. Ich hätte damals auch gesagt, du musst deine Lust einfach wieder anregen, deine Yoni wieder stimulieren, und dann ist das mit dem Kopf überhaupt kein Problem mehr. Der Satz steht immer noch im Netz. Ich bin nur nicht mehr die, die ihn unterschreibt — nicht weil er böse gemeint ist, sondern weil er auf die falsche Stelle zeigt. Ich bin heute nicht mehr so alt wie vor zehn Jahren, und ich stecke auch nicht mehr in derselben Situation. Dazwischen liegt einiges, was vorher nicht dazwischenlag. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Kopf abschalten beim Sex ist bei mir keine Frage der Technik. Es gibt zwei völlig verschiedene Etagen, und die werden dauernd miteinander verwechselt. Die eine: Ich bin schon drin, es läuft, und dann kommt etwas dazwischen. Regen. Offene Dachfenster. Früher ein Kondom, dessen Verpackung nicht aufging. Das hat meine Lust nie unterbrochen, im Gegenteil — die Spannung bleibt im Körper stehen, danach ist es intensiver. Die andere Etage sieht anders aus: die Sorge um die Kinder, Sorgen um Geld, der Stress von der Arbeit, dazu der Autofahrer, den ich am liebsten an die Wand geklatscht hätte. Dieser Stapel liegt vor dem Bett, nicht darin. Und er lässt sich nicht mehr wegschieben wie früher, als ich einfach die Tür zumachen und sagen konnte: Stress bleibt heute draußen. Das Bittere daran ist nicht der Stapel. Das Bittere ist, dass ich ihn an dem Abend gar nicht bemerke. Würde ich abends merken, dass meine Lust wieder nichts abbekommt, könnte ich mich umentscheiden. Ich merke es aber erst Tage später, wenn längst alles vorbei ist, und denke: Schade. Da wäre doch eigentlich Zeit gewesen. Und dann war ich so gefangen in dem, was ich gedacht habe, dass ich es nicht einmal gemerkt habe. Genau darin unterscheidet sich die Schleife vom Dachfenster: Die Fenster habe ich bemerkt. Die Schleife bemerke ich nicht. Eine Unterbrechung ist nicht das Problem — wenn die Lust schon da ist, überlebt sie eine Treppe, ein Fenster und eine widerspenstige Plastikverpackung. Das Schwere kommt vorher — die Sorgenschleife verhindert, dass die Lust überhaupt anfängt. Sie unterbricht sie nicht mittendrin. Ich merke es zu spät — nicht an dem Abend, sondern Tage danach. Deshalb kann ich mich in dem Moment nicht umentscheiden. Es ist kein Platz da — in der Perimenopause verändert sich nicht nur mein Körper. Mein Leben verändert sich auch, und der Stapel wird höher statt kleiner. Der Platz lässt sich machen — nicht auf Kommando und nicht jeden Abend. Aber die Treppe hoch, die Treppe runter und dann trotzdem, das ist eine Entscheidung. Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Worauf ich achten kann: ob heute die Schleife dran ist — oder ob die Lust stark genug ist für die Treppe. Shownotes und Episodendetails Ich habe früher nie verstanden, warum Leute sagen, ein Kondom mache die Stimmung kaputt. Männer und Frauen haben mir das erklärt: Das unterbricht doch alles, danach hat keiner mehr Bock. Für mich war das nie eine Unterbrechung, sondern ein Teil davon. Da wurde gefriemelt, die blöde Verpackung ging nicht auf, einer hat geschubbelt, wir haben gelacht — und dann ging es los. Ich habe das nie als Stimmungskiller erlebt. Kein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass mich das bei meiner Lust unterbricht. Genauso die ganze Dachfensteraktion. Dann regnet es halt. Einen Moment, ich komme wieder. Und dann kommen wir richtig. Wobei das Zurückkommen ja eine Entscheidung ist. Ich hätte auf der Treppe genauso gut denken können: Jetzt bin ich durch die Gegend gerannt, jetzt ist es vorbei, jetzt kann ich nicht mehr. Habe ich aber nicht. Ich fand die ganze Sache viel zu lustig, um sie abzublasen. Zwei Etagen, die dauernd verwechselt werden Wenn ich mir das genauer angucke, sehe ich zwei Bewegungen, die nichts miteinander zu tun haben. Die erste: Die Lust ist da, der Sex wird unterbrochen — und danach geht es weiter. Nicht mühsam, sondern mit Leichtigkeit. Die Spannung bleibt ja im Körper, sie läuft nicht einfach aus. Deshalb wird es hinterher oft intensiver als vorher. Diese Unterbrechung kostet mich nichts. Die zweite: Die Lust fängt gar nicht erst an. Und das liegt nicht daran, dass sie sich verabschiedet hätte, sondern daran, dass etwas anderes den ganzen Platz einnimmt. Sorge um die Kinder. Sorgen um Geld. Der Stress von der Arbeit, der sich im Moment doppelt und dreifach so schwer anfühlt wie früher. Diese Etage kann ich nicht mit Technik betreten, und schon gar nicht dadurch, dass ich unten anfange und hoffe, dass oben das Licht ausgeht. Was das Dachfenster beweist Was diese Dachfenstergeschichte tatsächlich beweist: Meine Lust ist nicht weg. Sie hatte nur keinen Platz. Wenn sie da ist, halte ich eine Treppe aus, einen Regenguss, ein Kondom und mein eigenes Kichern. Wenn sie nicht da ist, liegt das nicht an einer fehlenden Übung, sondern an einem Leben, das sich verändert hat — und zwar nicht nur körperlich. Je älter ich werde, desto mehr verändert sich alles: meine Einstellung zu Menschen, zu Zeit, zu dem, was noch reinpasst. Und es heißt eben nicht, dass wir nach der Perimenopause keine Lust mehr haben — oder mittendrin. Es heißt, dass gerade kein Platz für sie da ist. Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Das habe ich versucht, das funktioniert nicht. Was ich machen kann: darauf achten, was heute gerade lauter ist. Und wenn die Lust lauter ist, dann laufe ich die Treppe hoch, mache das Fenster zu, laufe wieder runter und sage: und jetzt trotzdem. Wenn dir diese Folge etwas gezeigt hat, das du wiedererkennst: Lass eine Bewertung da. Bewertungen entscheiden darüber, ob Saftig überhaupt bei den Frauen landet, die gerade nachts danach suchen — und für die meisten von ihnen ist es das erste Mal, dass jemand so darüber redet.
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Ich habe den Dildo auf den Tisch gestellt
Sich zum Sex überwinden — Shownotes Episode 022 Ich hatte nein gesagt. Zu mir selbst, ziemlich deutlich: keine Lust, zu anstrengend, ich will jetzt einfach schlafen. Eine Weile später stand ich nackt im Wohnzimmer und habe den Esstisch freigeräumt. Dazwischen lag nichts weiter als ein Kribbeln, das nicht wieder weggegangen ist. Ich habe mich umgedreht. Ich habe mir vorgerechnet, dass es spät wird und dass ich morgen früh raus muss. Ich habe überlegt, ob ich es schnell hinter mich bringe, damit Ruhe ist. Und dann bin ich doch aufgestanden, habe mir genommen, was ich haben wollte, und bin damit ins Wohnzimmer getapert. Mein Freund hat mich kurz irritiert angeguckt und danach ziemlich schnell verstanden, worum es geht. Dabei hatte ich mich längst entschieden. Meine Yoni offensichtlich nicht. Sie hat sich gemeldet, ich habe mich weggedreht, sie hat sich wieder gemeldet. So ungefähr redet sie manchmal mit mir: Aber ich will doch. Mach doch was. Das Merkwürdige daran: Der Widerstand kam von mir, nicht von außen. Niemand hat gefragt, niemand hat gedrängt, mein Freund saß nebenan und hat gar nichts gewollt. Ich lag im Bett und habe mit mir selbst diskutiert, ob sich der Aufwand lohnt. Es wird spät. Ich muss morgen früh raus. Vibrator wäre schnell, dann ist es hinter mir. Und über allem stand das Gefühl, dass ich mich damit anstrenge — für etwas, das ich früher einfach gemacht hätte. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Es wurde der beste Abend seit Langem. Nicht, weil etwas Neues dabei gewesen wäre, sondern weil ich zum ersten Mal seit Langem nicht gefragt habe, ob es gerade passt. Ich habe nichts erklärt und nichts verhandelt, ich habe hingestellt, was ich wollte. Und es ging in diesem Moment ausschließlich um meine Lust, nicht um den Sex, den wir gemeinsam haben können. Danach haben wir gekichert, und ich konnte endlich schlafen. Am nächsten Tag ging es mir großartig — und genau da fängt der Ärger an. Denn die Frage, die geblieben ist, lautet nicht, wie schön das war. Sie lautet: Warum muss ich mich zu meinem eigenen Glück zwingen? Früher war ich gierig, da musste mich niemand überreden, am wenigsten ich selbst. Heute liegt zwischen mir und einem Abend, der mir guttut, eine Entscheidung, die ich aktiv treffen muss. Ich habe nicht darauf gewartet, dass jemand anfängt, und ich habe auch nicht darauf gewartet, dass die Lust erst richtig da ist. Ich bin losgegangen, während ich noch dachte, ich hätte keine. Die Lust kam nach dem Nein — nicht vorher. Ich hatte mich schon entschieden, und sie hat sich trotzdem weiter gemeldet, bis ich aufgestanden bin. Umentscheiden ist erlaubt — ein Nein am Abend ist keine Unterschrift. Ich darf zwanzig Minuten später etwas anderes wollen, ohne mich dafür zu rechtfertigen. Zeigen war leichter als reden — ich habe nichts erklärt. Ich habe den Tisch freigeräumt, hingestellt, was ich brauche, und damit war klar, was ich will. Der beste Teil war der nächste Tag — ausgeruht, gut gelaunt, zufrieden. Genau deshalb ärgert es mich so, dass ich mich dahin schieben musste. Es geht also noch — die Umentscheidung ist der Beweis, dass da noch etwas ist. Ich weiß nur nicht, wie ich verlässlich drankomme. Ich habe für diese Folge keinen Punkt gefunden, an dem sich alles auflöst. Ich habe einen Abend, der funktioniert hat, und eine Wut darauf, dass er die Ausnahme war. Shownotes und Episodendetails Der Abend ist drei oder vier Wochen her. Ich erzähle ihn nicht, weil er besonders raffiniert war, sondern weil er funktioniert hat. Und weil mich seitdem eine Frage nicht loslässt, die deutlich unangenehmer ist als die Geschichte selbst. Warum ist das nicht immer so? Am nächsten Morgen lag ich wach und habe gerechnet. Es war großartig. Es hat mir gutgetan. Mir ging es den ganzen Tag besser. Und trotzdem musste ich mich vorher gefühlt zu meinem Glück zwingen. Früher war das anders herum. Ich war gierig. Ich wollte mehr, ich wollte öfter, und an manchen Tagen konnte ich gar nicht genug bekommen. Heute vergeht eine Woche, dann zwei, dann drei — und irgendwann klopfe ich innerlich an und frage: Hallo, ist da wer? Wo ist meine Lust hin? Ich merke den Unterschied auch daran, wie ich an alte Abende denke. Früher habe ich mich an guten Sex erinnert und wurde beim Erinnern schon wieder feucht. Heute erinnere ich mich, finde es immer noch großartig — und ein Bedürfnis entsteht daraus nicht. Genau das finde ich schlimm. Dazu kommt, dass ich es körperlich spüre. Ohne Sex habe ich mehr Kopfschmerzen. Ohne Sex habe ich mehr von allem anderen. Mir ist seit Neuestem öfter schlecht, meine Periode macht sowieso, was sie will, und die Hormone laufen zur Tür rein und wieder raus, wie es ihnen gerade passt. Das ist kein Wohlfühlprogramm, das ist eine Baustelle. Und ich habe an dem Abend etwas gelernt, das mit Lust erst mal gar nichts zu tun hat: Ich musste nichts erklären. Ich habe keinen Satz gesucht, keine Ansage vorbereitet, keine Stimmung erzeugt. Ich habe zwei Dinge auf den Tisch gestellt und stand daneben. Das war die ganze Kommunikation. Rückblickend war das der leichteste Teil des ganzen Abends — und der, vor dem ich sonst am meisten Respekt habe. Ich sehe das nicht ein Mit vielem kann ich leben. Hitzewallungen, kalte Füße, Wortfehltritte mitten im Satz — das nehme ich an, das kriegen wir hin. Aber dass mir ausgerechnet die Lust gestrichen wird, dass mir dieser Sex weggenommen wird, als hätte ich mein Kontingent aufgebraucht: nein. Sex war nie nur dafür da, Kinder zu kriegen. Diese Rechnung ist irgendwann aufgemacht worden, vermutlich damit wir Frauen still sind. Wir gehören zu den wenigen Lebewesen, die Sex aus Vergnügen haben, Delfine übrigens auch. Also sehe ich nicht ein, warum ausgerechnet jetzt Schluss damit sein soll. Deshalb probiere ich gerade Dinge aus. Mehr Wasser. Mehr Bewegung. Anders essen. Ich suche die Stellschraube, an der ich drehen kann, damit das wieder halbwegs Normalität wird. Gefunden habe ich sie nicht. An Trockenheit liegt es bei mir jedenfalls nicht — es muss also etwas anderes sein, und etwas anderes kann man auch anders angehen. Was ich sicher weiß, ist nur das eine: Diese Umentscheidung, an diesem Abend und auch an anderen Abenden und Nachmittagen, hat mir gezeigt, dass es geht. Nicht dass es leicht ist. Nur dass es möglich ist. Und solange das stimmt, gebe ich mich mit „das ist jetzt eben so" nicht zufrieden. Wenn du wissen willst, wie es mit dieser Suche weitergeht: Abonniere Saftig, dann ist die nächste Folge automatisch da.
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Über Sex reden konnten wir nur auf Entfernung
Mit dem Partner über Lust reden — Shownotes Episode 021 Am Telefon konnte ich alles sagen. Über Sex, über Lust, über das, was wir machen wollten, wenn wir uns wiedersehen. Und dann saßen wir uns gegenüber, und das Telefon war nicht mehr zwischen uns — und wir konnten über nichts mehr reden. Das ist über zwanzig Jahre her und es beschäftigt mich heute wieder. Denn in der Perimenopause höre ich überall, dass man reden soll. Reden Sie mit Ihrem Partner. Sprechen Sie darüber. Und ich rede ja. Nur nicht über das eine. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge erzähle ich von einer frühen Beziehung, in der wir uns nur selten sehen konnten. Wir haben stundenlang telefoniert, und am Telefon fiel alles leicht — auch das Thema Selbstbefriedigung, über das wir so offen gesprochen haben, dass wir es irgendwann zusammen ausprobiert haben. Danach haben wir nie wieder darüber geredet. Nicht ein einziges Mal. Mir ist das damals nicht einmal aufgefallen; es ist mir erst jetzt aufgefallen, während ich davon erzählt habe. Und genau dieses Muster finde ich heute wieder, mitten in der Perimenopause. Mit dem Partner über Lust reden ist etwas anderes, als mit ihm über Beschwerden zu reden. Über Migräneanfälle, die schlimmer werden, über Hitzewallungen, über das ständige Frieren an Stellen, an denen mir warm sein sollte — darüber spreche ich. Über meine Lust spreche ich viel seltener. Nicht weil ich nicht will. Sondern weil wir bis dahin gar nicht kommen. Distanz macht das Reden leichter — am Telefon habe ich Dinge gesagt, für die ich mich nie schlecht gefühlt habe. Im selben Raum ging genau das nicht mehr. Etwas kann eintreffen und trotzdem verschwinden — wir haben es gemacht. Und danach war das Thema für uns beide einfach weg, ohne dass es jemand beschlossen hätte. Beschwerden verdrängen die Lust aus dem Gespräch — die Wechseljahre bringen so viele Themen mit, dass am Ende alle Zeit für Hormone draufgeht und keine mehr für Libido bleibt. „Reden Sie doch drüber" sagt nicht, worüber — der Rat setzt voraus, dass ich weiß, was mit mir los ist. Ich bin ja selbst noch dabei, es herauszufinden. Manchmal wünsche ich mir das Telefon zurück — nicht die Fernbeziehung. Die Situation, in der man sich etwas zu erzählen hat, weil man sich eine Weile nicht sieht. Ich habe keine Antwort darauf, wie man das wieder aufmacht. Ich weiß nur, dass es nicht daran liegt, dass wir nicht reden. Wir reden ständig. Wir kommen bloß nie an der Stelle an, an der es interessant wird. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem man merkt, dass ein Thema aus einer Beziehung verschwunden ist. Meistens merkt man ihn nicht, während er passiert. Man merkt ihn Jahre später, wenn man jemandem davon erzählt. Was am Telefon möglich war Wir waren beide jung und haben uns nur selten gesehen. Also haben wir telefoniert, viel, und ich habe alles gefragt, was ich wissen wollte: wie er sich Sex vorstellt, wie er sich Lust vorstellt, ob es überhaupt schon Vorstellungen gibt. Er hat versucht, darauf einzugehen. Das meiste davon weiß ich nicht mehr. Woran ich mich erinnere, ist eine Sache. Wir haben intensiv darüber gesprochen, wie sich der eine und wie sich der andere selbst befriedigt — und irgendwann gesagt, wir könnten das ja mal zusammen machen. Beim nächsten Wiedersehen haben wir es getan. Es war spannend und gleichzeitig unfassbar steif. Ich habe danach versucht, darüber zu sprechen, und relativ schnell gemerkt: Da war nichts mehr. Warum die Lust aus dem Gespräch fällt In der Perimenopause wird mir von allen Seiten gesagt, ich soll darüber sprechen. Aber es ist schwer zu erklären, was man selbst noch nicht verstanden hat. Mein Freund fragt völlig zu Recht, warum etwas nicht mehr funktioniert, das immer funktioniert hat — und ich habe keine saubere Antwort, weil ich sie selbst noch suche. Also rede ich über das, was sich benennen lässt. Über die Migräne, die schlimmer wird. Über die Hitze und die Kälte an den falschen Stellen. Das sind konkrete Dinge, und sie füllen die Zeit. Was dabei hinten runterfällt, ist der Satz „Ich habe Lust — und zwar auf …". Der kommt gar nicht mehr vor, weil wir bis dahin nie kommen. Was mir dabei auffällt Ich kenne Leute, die seit Jahren getrennt wohnen und trotzdem zusammen sind. Die verstehen sich gut, freuen sich, wenn sie sich sehen, und bei denen scheint dieses ganze Thema gar nicht so schwer zu wiegen. Das ist keine Empfehlung, sich zwei Wohnungen zu nehmen — das mache ich ganz sicher nicht. Aber es sagt mir etwas darüber, was Abstand mit einem Gespräch macht. Vielleicht sollten wir einfach mal wieder telefonieren. Oder ins Café gehen, wo man sich schlecht streiten kann, weil zu viele Leute drumherum sitzen. Ich habe da noch ein paar Ideen, wie man wieder in die Kommunikation kommt und nicht das Gefühl hat, dass der andere weit weg ist, obwohl er neben einem sitzt. Wenn du diese Folge hörst und dabei an eine bestimmte Freundin denkst — schick sie ihr. Genau dafür ist sie gemacht.
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Meine Hormone gehen, meine Geduld auch
Gereizt in den Wechseljahren — Shownotes Episode 020 Ein Bekannter fragt mich, was ich gerade so mache. Ich erzähle vom Podcast, von der Perimenopause, davon, dass sich unsere Lust verändert, unser Charakter gleich mit, und dass wir von ziemlich vielen Dingen furchtbar genervt sind. Er guckt mich an und sagt: „Ach, deshalb ist meine Frau so drauf. Das hätte ich ja nie gedacht." Ich war ehrlich irritiert. Ich dachte, das weiß inzwischen jeder. Es wird überall darüber geredet, es gibt Reels darüber, es gibt Witze darüber. Und dann sitzt mir jemand gegenüber, der zum ersten Mal hört, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem, was seine Frau gerade tut, und dem, was in ihrem Körper passiert. In dieser Folge erzähle ich, wie dieses Gespräch gelaufen ist — und warum ich danach mit einem Ratgebersatz gehadert habe, der so hilfreich klingt und so wenig hergibt. Er hat nachgefragt. Er hat gesagt, er finde es gut, wenn seine Frau eine Meinung hat, das habe sie schon immer gehabt. Ich habe gefragt, ob sich daran etwas verändert hat. Und dann kam die Antwort, um die es eigentlich geht: Ja, schon. Sie sei jetzt sehr direkt. Nicht nur zu Hause. Auch gegenüber Außenstehenden. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Wenn ich gereizt in den Wechseljahren bin, geht es nicht nur um Hitze und Zyklus. Mit den Hormonen verliere ich auch die Fähigkeit, immer lieb, nett, freundlich, höflich und hilfsbereit zu sein. Jahrelang habe ich für alle funktioniert, alles richtig gemacht, mich um alle gekümmert — und irgendwann merke ich, dass mir das nicht mehr entspricht. Ich bin direkter geworden. Nicht nur zu Hause, auch nach außen. Und das Anstrengendste daran ist nicht, dass mich Dinge nerven. Es ist, dass es mich nervt, dass es mich nervt. Denn früher lief das ja auch anders. Der Verlust ist größer als eine Zahl im Blutbild — mit den Hormonen geht auch die Geduld, die Zurückhaltung und das automatische Ja. Es verändert sich nicht ein Bereich, sondern alle gleichzeitig — das Verhältnis zu den Kindern, zum Partner, zum Essen, zum Gewicht, zum Sport, zum Sex, zum eigenen Körper. Es fängt viel früher an, als ich gedacht habe — bei mir schon Mitte dreißig, und ich habe es damals nicht einordnen können, weil äußerlich lange nichts zu sehen war. „Nimm es nicht persönlich, sie meint es nicht so" ist keine Hilfe — man kann kein Verständnis für etwas aufbringen, das man nicht versteht. Was stattdessen hilft, ist eine Frage statt einer Ansage — nicht „wir reden jetzt", sondern „sag mir, wann du bereit bist, mit mir darüber zu reden". Und es fängt schleichend an. Der Körper legt keinen Schalter um, er macht das Stück für Stück. Erst weiß er nicht mehr genau, ob er produzieren soll oder alles fallen lässt, dann kommen die Schwankungen, und irgendwann wird es unangenehm. Ich habe mich schon lange verändert, bevor mir klar wurde, dass ich mich verändere. Am Ende des Gesprächs war er still. Er hat gesagt, das erkläre einiges. Verstehen ist keine Lösung — aber es ist ein Anfang, und die meisten fangen nicht mal an. Shownotes und Episodendetails Ich habe lange gedacht, das Thema sei durch. Dass alle Bescheid wissen. Dieses eine Gespräch hat mir gezeigt, dass ich mich da gewaltig geirrt habe. Warum ich nicht mehr lieb und nett bin Der Satz, den ich am schwersten erklären kann, ist der hier: Ich bin nicht mehr bereit zu sagen „ja, ist in Ordnung, machen wir so". Ich bringe mich dadurch ständig in anstrengende Situationen. Ich diskutiere über Dinge, die ich früher einfach durchgewunken hätte. Nicht weil ich streitlustig geworden wäre, sondern weil das automatische Ja weg ist. Es war nie eine Entscheidung. Es war eine Fähigkeit, und die hat sich verabschiedet. Dazu kommt die Kleinteiligkeit. Es nervt mich, wenn jemand schmatzt. Es nervt mich, wenn jemand redet. Manchmal nervt mich sogar, dass jemand atmet. Und darüber ärgere ich mich dann selbst, weil ich weiß, dass das früher kein Thema war. Und es bleibt nicht bei der Laune. Es verändert sich gerade alles gleichzeitig: das Verhältnis zu meinen Kindern, zu meinem Partner, zum Essen, zum Gewicht, zum Sport, zum Sex, zu meinem eigenen Körper. Es gibt keinen Bereich, der ausgenommen ist. Man fühlt sich auf den Kopf gestellt — und soll dabei bitte weiter gut gelaunt sein. Der Satz aus dem Ratgeber, der nichts löst In Ratgebern für Männer steht sinngemäß: Nimm es nicht persönlich, hab Verständnis, sie meint es nicht so. Das ist nett gemeint. Nur — was soll er damit anfangen? Verständnis für etwas zu haben, das mir niemand erklärt hat, ist eine ziemlich große Bitte. Woher soll er es nehmen? Und nebenbei: Ich meine es durchaus so. Ich sage es nur zum ersten Mal laut. Mein Gegenvorschlag ist unspektakulär und funktioniert trotzdem besser. Nimm dir Zeit für deine Frau. Und frag sie, ob sie jetzt darüber reden möchte. Nicht „wir reden jetzt", sondern „ich habe Fragen, sag mir, wann es dir passt". Das Wort Wechseljahre würde ich dabei weglassen, je nach Alter ist das ein Reizwort. Was ich selbst mache, wenn es zu viel wird Ich sage meinem Freund inzwischen ziemlich oft: Können wir später darüber reden? Manchmal fällt mir dafür auch nur eine Ausrede ein. Das klappt nicht immer, aber es wird besser. Der Effekt ist größer, als es klingt. Wenn er sagt „okay, kein Ding", habe ich Zeit. Zeit, mich zu sortieren, und dann einen Kopf dafür, mich mit der Sache zu beschäftigen — egal ob er etwas von mir will oder mir nur etwas erzählen möchte. Was ich dabei gemerkt habe: Ich muss selbst verstehen, was gerade mit mir passiert, bevor ich mit ihm darüber reden kann. Ich habe mir Berge von Informationen reingezogen. Und die ehrliche Bilanz ist, dass ich es immer noch nicht zu hundert Prozent weiß. Ich arbeite dran. Je weniger Geduld ich habe, desto schwieriger wird die Kommunikation — und daran arbeite ich auch, zum Beispiel daran, nicht sofort zu sagen: Du bist doof und hör auf, mich zu nerven. Wenn dir diese Folge etwas gegeben hat: Hinterlass mir eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Das dauert eine Minute und sorgt dafür, dass andere Frauen den Podcast überhaupt erst finden.
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Der Bauch macht, was er will
Bauch in den Wechseljahren — Shownotes Episode 019 Ich stand gestern Abend nackt vor dem Spiegel, frisch geduscht, das türkise Kleid in der Hand. Blumen, ein bisschen Glitzer. Ich habe es angezogen, der Reißverschluss ging zu — und trotzdem war ich nicht mehr die Frau, die in dieses Kleid gepasst hat. Am Ende habe ich das schwarze genommen. Das, das ich immer nehme. In dieser Folge geht es um den Abstand zwischen dem, was der Spiegel zeigt, und dem, was ich darin sehe. Mein Bauch in den Wechseljahren macht, was er will. Er wird nicht dicker im Sinne von Fett, er wird runder — er passt sich der gedehnten Form an, die er von den Schwangerschaften kennt. Kurz vor meiner Periode fällt er in genau die Halbrundung zurück, die ich aus dem vierten Monat kenne. Und dann werde ich gefragt, ob ich wieder schwanger bin. Nein. Ich habe meine Tage. Das Merkwürdige daran: Vom Kopf her ist mir völlig klar, dass das zu meinem Körper gehört. Ich weiß, was dieser Bauch geleistet hat, ich weiß, dass die Gebärmutter größer wird und der Bauch mit ihr, ich weiß, dass mein Körper sich gerade umbaut und offenbar beschlossen hat, dass er sich in der Körpermitte am wohlsten fühlt. Ich könnte das alles ordentlich erklären. Und dann gucke ich in den Spiegel und sehe jemanden, den ich nicht mag. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich erzähle von einem türkisen Kleid, das noch passt und trotzdem hängen bleibt. Von einer Bekannten, die mir vor über zehn Jahren gesagt hat, ich solle vor vierzig dringend ein niedriges Gewicht haben, weil ich es danach nicht mehr halten könne. Von meinem Freund, der mich anguckt und nicht versteht, wovon ich rede. Und von drei Kleidern in meinem Schrank, die immer funktionieren, egal wo ich im Zyklus stehe. Es ist keine Folge über Abnehmen. Es ist eine Folge über den Blick, mit dem ich vor dem Spiegel stehe — und darüber, dass mein Kopf längst kapiert hat, was mein Bauch geleistet hat, während mein Auge das anders sieht. Dazwischen steht eine Frage, die mir Fremde gestellt haben und die ich mir selbst stelle: Wo ist die Frau hin, die dieses Kleid mal getragen hat? Der Bauch verändert sich, ohne dass die Waage etwas dazu sagt — er wird runder statt dicker, und er reagiert auf den Zyklus. Das hat mit meinem Gewicht wenig zu tun und mit dem Umbau in meinem Körper viel. Ich erkenne mich, ich mag mich nur nicht — mir ist mein Körper nicht fremd geworden. Ich sehe ihn jeden Tag. Der Unterschied liegt nicht im Wiedererkennen, sondern im Gefallen. Ein Kompliment repariert das nicht — mein Freund findet mich attraktiv und sagt das auch. Ich glaube ihm sogar. Das Kleid ziehe ich trotzdem nicht an. Drei sichere Kleider statt einem schönen — meine Lösung ist nicht, das türkise Kleid anzuziehen. Meine Lösung sind drei, bei denen ich meinen Bauch nicht den ganzen Abend sehen muss. Manches ist weg und kommt nicht wieder — es gibt Dinge an meinem Körper, auf die ich stolz war und die ich selbst abgeschafft habe, weil jemand darum gebeten hat. Das macht mich manchmal traurig. Ich löse das hier nicht auf. Ich ziehe eines der drei an und gehe. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem ich vor dem Kleiderschrank stehe und genau weiß, was ich anziehen möchte — und es trotzdem nicht tue. Nicht, weil es nicht passt. Weil ich mich darin nicht sehen will. Was mein Freund sieht und was ich sehe Wenn er im Zimmer ist, mache ich es demonstrativ. Ich halte den Bauch fest, quetsche die Falte zusammen und sage: Guck mal, wie dick ich bin. Dann fängt er an zu kichern, guckt an sich runter, guckt mich an und sagt: Ja, dann guck doch mal mich an. Und ehrlich gesagt ist er in dem Moment sowieso längst woanders. Wenn ich nackt vor ihm stehe, sieht er nicht den Bauch. Ich finde das total lieb von ihm. Es ist nur leider keine qualifizierte Meinung. Er sitzt nicht in meinem Kopf, wenn ich morgens in den Spiegel gucke. Und ich glaube, das ist der Punkt, an dem so ein Kompliment verpufft. Es kommt von außen an eine Stelle, die von innen entschieden wird. Er kann mir hundertmal sagen, dass er mich attraktiv findet — ich glaube ihm sogar. Es ändert nur nichts an dem, was ich sehe, wenn ich alleine vor dem Spiegel stehe und der Bauch sich unter meiner Hand bewegt. Die drei sicheren Kleider Meine Lösung ist nicht, mich vor den Spiegel zu stellen und das türkise Kleid trotzdem anzuziehen. Meine Lösung sind drei Kleider. Das schwarze, etwas kürzere, vorne leicht gerafft — damit auf gar keinen Fall irgendwas an Bauch auffällt, egal ob ich kurz vor der Periode stehe oder danach. Und zwei lange für Gartenparty und Sommerfest, oben an der Brust eng geschnitten, der Rest fällt weit. Ist das die perfekte Lösung? Ich weiß es nicht. Aber ich ärgere mich wenigstens nicht den ganzen Abend über ein Kleid, das mehr spannt als sitzt. Das macht am Ende ja auch keinen Spaß. Und dann ist da noch die Sache mit dem Dreieck Ich rasiere mich, seit ich erwachsen bin. Angefangen habe ich damit, weil einer meiner Partner irgendwann sagte, ich solle das doch mal machen. Dazu muss man wissen: Bis dahin war ich sehr stolz auf meine Frisur da unten. Ein perfektes Dreieck, kleine Löckchen, kein Haar, das in irgendeine Richtung abstand, eine hübsche Kante drumherum, als wäre es rasiert. Es war perfekt. Wenn ich es heute wachsen lassen würde, sähe es aus wie gewollt und nicht gekonnt. Kraut und Rüben. Das macht mich manchmal traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass das mal anders war. Es geht dabei nicht um Härchen. Es geht darum, dass ich etwas abgeschafft habe, auf das ich stolz war, weil jemand anders es netter fand — und dass ich es nicht zurückholen kann, selbst wenn ich wollte. Ich erkenne mich. Ich mag mich nur nicht mehr. Am Ende ist das der Satz, der übrig bleibt. Ich bin mir nicht fremd geworden, ich sehe mich schließlich jeden Tag. Ich gefalle mir nur nicht mehr, und das ist etwas anderes. Ich habe keinen Trick dafür. Ich habe drei Kleider und einen Bauch, der macht, was er will, und einen Mann, der das alles nicht versteht und mich trotzdem angucken will. Das türkise Kleid hängt weiter im Schrank. Ich ziehe eines der drei an und gehe. Wenn du das kennst und keine Folge verpassen willst: Abonniere Saftig bei Apple Podcasts, Spotify oder wo du sonst hörst. Dann liegt die nächste Folge automatisch bei dir.
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Machen Sie mal Beckenbodentraining
Beckenbodentraining Wechseljahre — Shownotes Episode 018 Zwei Menschen haben heute über meinen Beckenboden geredet. Die eine hat ihn abgetastet und mir gesagt, ich soll mal drüber nachdenken. Der andere hat einen Witz gemacht und wollte Sex. Ich weiß nicht, welcher Satz mich mehr beschäftigt hat, aber ich weiß, welcher mich schlechter fühlen ließ. Morgens ging es noch ums Wasser. Ich trinke zu wenig, ungefähr einen Liter am Tag, und mein Freund fand, ich sollte mehr trinken. Ich habe erklärt, warum ich das nicht tue: kleine Blase, ständig auf Toilette, zwei Wochen Umgewöhnung, bis der Körper sich daran gewöhnt. Danach bin ich zur jährlichen Untersuchung gefahren. Und während sie das Ultraschallgerät wieder aus mir herausgezogen hat, sagte meine Frauenärztin, ich sollte über Beckenbodentraining nachdenken. Später, als ich schon wieder angezogen war, kam der zweite Satz: solange ich den Urin gut halten kann und sonst keine Probleme habe, muss ich nichts tun. Ich habe nichts gesagt. Danke, schönen Tag noch. Dann saß ich im Auto und wusste nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Beckenbodentraining in den Wechseljahren wird mir seit über zehn Jahren empfohlen, und zwar immer im selben Ton: als Auftrag ohne Anleitung. Keine Übung, kein Wie, kein Warum. Nur der Hinweis, dass ich mal drüber nachdenken soll. Und direkt hinterher die Entwarnung, die den Auftrag wieder einkassiert, weil ich mir ja noch nicht in die Hose mache. Der Maßstab ist, was mein Körper zurückhalten kann. Nicht, was er kann. Ich erzähle in dieser Folge, warum mich dieser Termin so schlecht gemacht hat, obwohl körperlich alles in Ordnung war. Und warum ich einen teuren Onlinekurs dazu drei-, vier-, fünfmal angefangen und jedes Mal aus demselben Grund liegen gelassen habe. Der Grund war nie meine Gesundheit. Der Grund war, dass ich mir die Zeit für mich nicht genommen habe. Ein Auftrag ohne Anleitung ist keine Empfehlung — machen Sie mal Beckenbodentraining, ohne zu sagen welche Übungen, verschiebt die Arbeit komplett zu mir. Der Maßstab ist Kontinenz, nicht Empfindung — es geht beim Beckenboden auch um Muskulatur, die ich beim Sex benutze. Davon war kein Wort die Rede. Ich bin nicht am Beckenboden gescheitert — sondern an dem Punkt, an dem ich mir Zeit für mich hätte nehmen müssen. Der Widerstand fehlt — früher wurde mit einem Gewicht gearbeitet, gegen das man anspannt. Irgendwann hat man das weggelassen und nur noch anspannen gesagt. Ärzte haben eine Macht über einen — sie können sagen, das ist jetzt schlecht, und dann hat man sich gefälligst schlecht zu fühlen. Was mich an diesem Tag am meisten beschäftigt hat, war nicht der Befund. Es war der Abstand zwischen zwei Sätzen über denselben Muskel. Der eine kam aus einer Praxis und hat mich klein gemacht, der andere kam aus meinem Wohnzimmer und hat mich lachen lassen. Beide meinten dasselbe Körperteil. Nur einer hat so geklungen, als hätte ich selbst etwas davon. Und genau das ist der Punkt, an dem sich für mich Beckenboden und Lust berühren, ohne dass es je jemand ausspricht. Es geht nicht nur darum, ob ich beim Niesen dichthalte. Es geht auch darum, was ich spüre. Aber danach fragt niemand, und ich habe auch nicht gefragt. Shownotes und Episodendetails Ich kenne das Gefühl, aus einer Praxis zu kommen und sich schlechter zu fühlen als beim Reingehen, obwohl alles in Ordnung war. Genau das ist mir passiert. Der Termin Es war die jährliche Untersuchung, mit Ultraschall, wie seit Jahren. Alles gut, alles unauffällig, auch beim Brustultraschall. Der Satz zum Beckenboden kam beiläufig, während sie fertig wurde. Ich habe geantwortet, so ein bisschen mache ich schon was, und darauf kam die Entwarnung: solange keine Probleme da sind und kein Urin verloren geht, reicht das ja. Was ich in dem Moment nicht gesagt habe: doch, manchmal passiert mir das. Ein zu starkes Niesen beim Spaziergang. Kein Trampolin. Beim Husten anhalten. Ich weiß das alles. Ich habe es nur nicht gesagt, weil ich beim Frauenarzt sowieso das Gefühl habe, ausgeliefert zu sein. Warum ich es nicht mache Vor über zehn Jahren habe ich einen teuren Onlinekurs gekauft. Acht Wochen, allein zu Hause, in einer Gruppe von Frauen. Ich war zwei Wochen dabei, dann musste ich auf das Ei warten, das dazugehörte und das aus Amerika kam. Als es endlich da war, habe ich die Übung genau einmal gemacht. Danach nicht mehr. Und das war nicht das einzige Mal. Drei-, vier-, fünfmal habe ich das angefangen und immer wieder liebevoll zur Seite gelegt. Nicht, weil ich nicht wusste, dass es gut für mich wäre. Sondern weil ich nicht bereit war, mir die Zeit dafür zu nehmen. Das Schlimme an diesem Termin war, dass mich jemand mit der Nase genau darauf gestoßen hat. Der Widerstand, den man weggelassen hat Ich habe irgendwann einen Bericht gelesen, dass beim Beckenbodentraining ursprünglich mit einem Gewicht gearbeitet wurde. Etwas, das eingeführt wird und gehalten werden muss. Irgendwann hat man das weggelassen und nur noch gesagt, Sie müssen anspannen und wieder anspannen und wieder anspannen. Ich bin keine Ärztin und weiß nicht, was daran genau stimmt. Aber die Frage, die mir seitdem im Kopf hängt, ist: warum schafft man etwas ab, was funktioniert hat? Und dann kam der Witz Zurück zu Hause habe ich weiter aufgenommen und mich geärgert, weil ich ständig schlucken und schmatzen musste. Der Grund war banal: ich hatte vorher zwei Gläser Wasser getrunken, und mein Mund hat sich riesig darüber gefreut. Mein Freund hat das mitbekommen und gefragt, ob das auch woanders funktioniert. Ich habe gesagt, theoretisch schon, dafür müsste ich aber deutlich mehr und deutlich regelmäßiger trinken. Woraufhin er beschlossen hat, dass wir das ab jetzt gemeinsam machen. Er wollte damit ganz offensichtlich auf etwas hinaus, und ich fand es zuckersüß. Am Ende dieses Tages haben zwei Menschen über denselben Muskel geredet. Die eine hat mir Befunde gegeben. Der andere hat einen Witz daraus gemacht und mir damit gezeigt, dass das alles kein Grund ist, den Kopf in den Sand zu stecken. Und ich habe an dem Abend gemerkt, dass mir der zweite Ton mehr geholfen hat als der erste. Wenn du gerade auch mit einem Satz aus einer Praxis nach Hause gefahren bist und nicht weißt, wohin damit: schick diese Folge einer Freundin, bei der du dir sicher bist, dass sie das kennt. Es hilft, wenn eine anfängt.
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Du nimmst mir den ganzen Sex weg
Selbstbefriedigung in der Beziehung — Shownotes Episode 017 Es ist wichtiger, dass du die Befriedigung kriegst, als dass du sie nicht kriegst. Das hat mein Partner vor ein paar Jahren zu mir gesagt, mitten in einem Gespräch, das wir gar nicht geplant hatten. Keine Therapiesitzung, kein festgelegter Termin für ein schwieriges Thema. Wir haben einfach geredet. Vorher war das anders. In meinen früheren Beziehungen habe ich mich selbst befriedigt und es niemandem erzählt. Absichtlich nicht, wenn der andere dabei war. Und ich habe bis heute das Gefühl, dass es nicht in Ordnung ist. Der eigentliche Anlass für dieses Gespräch war ein anderer. Es ging darum, warum die Lust weniger wird — und darum, dass ich diesmal nicht will, dass eine Beziehung genau daran endet. Die Körper verändern sich, seiner auch, und das hat mehr Gründe als Arbeit und Stress. Bei ihm finde ich es übrigens überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil: Wenn er sich selbst befriedigt, habe ich einen Job weniger. Dieselbe Sache, zwei völlig verschiedene Bewertungen — und beide sitzen in meinem Kopf. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Selbstbefriedigung in der Beziehung ist bei mir nie eine Notlösung gewesen. Sie war die kürzere Strecke. Manchmal habe ich Lust, aber nicht auf das ganze Primbamborium drumherum. Ich wollte meinen Orgasmus, und bitte nicht erst in zwei Stunden. Erzählt habe ich das trotzdem nie, weil ich wusste, was dann kommt: Wie kannst du das tun ohne mich. Du nimmst mir den ganzen Sex weg. Ich kriege sowieso schon so wenig von dir. Um diese Sätze zu vermeiden, habe ich geschwiegen. In dieser Folge erzähle ich, was passiert ist, als ich es zum ersten Mal nicht getan habe — und warum mein schlechtes Gewissen trotzdem geblieben ist, obwohl die Erlaubnis seit Jahren auf dem Tisch liegt. Ich wollte nicht, dass meine Beziehung daran scheitert, dass die Lust nicht mehr ist wie vorher. Deshalb habe ich geredet. Das war der eigentliche Anlass, nicht das Thema selbst. Es ging nie um Ersatz. Zwischen Duschen und Anziehen, weil es schneller geht und weil ich diesen Oxytocin-Schub manchmal einfach brauche. Das schlechte Gewissen hört nicht auf, nur weil der Vorwurf aufhört. Ich weiß seit Jahren, wie er das sieht. Es ist trotzdem noch da. Bei Männern wird darüber gewitzelt, bei Frauen wird gerechnet. Als hätte er nur so viel Sex, wie ich Lust habe — und als würde ich ihm etwas abziehen, wenn ich mir selbst etwas gebe. Was ich mit zwanzig wollte, will ich heute nicht mehr. Also finde ich gerade heraus, was ich jetzt mit meinem Körper möchte. Auch allein. Das Wichtigste an dieser Folge ist für mich nicht die Erlaubnis. Es ist, was das Reden gebracht hat. Er hat nicht abgeblockt, und allein das hat uns ein ganzes Stück weitergebracht — an einer Stelle, an der ich jahrelang davon ausgegangen bin, dass Reden alles nur schlimmer macht. Ich habe ewig auf eine Erlaubnis gewartet, die mir niemand geben konnte. Und jetzt habe ich sie. Shownotes und Episodendetails Kurze Zeit nach diesem Gespräch waren wir über ein Wochenende in einem Hotel. Das Hotel hatte eine Saunalandschaft, ich war vormittags allein dort, er kam nicht mit. Kein Mensch da, weder in den Becken noch in der Sauna. Es gab eine Feuchtraumsauna, viel Dampf, die Wände werden extra nass gemacht. Das hat mich ziemlich angetörnt. Also habe ich mich dort selbst befriedigt, und es war sehr, sehr schön. Warum das schlechte Gewissen trotzdem kam Wir hatten diesen Urlaub gebucht, damit wir beide Lust aufeinander haben. Und ich sitze allein in der Sauna. Mein schlechtes Gewissen hat nicht angeklopft, es hat gehämmert. Ich habe es ihm hinterher erzählt und dachte nur: Oh Gott, was kommt jetzt. Seine Antwort: boah geil, super, freut mich voll. Geht es dir gut damit? Möchtest du nochmal hingehen, ich beschäftige mich hier so lange. Da waren inzwischen fünf, sechs Leute da — also nein. Aber voll lieb von dir. Das war der Moment, in dem klar wurde, wie unsinnig dieses Gewissen an dieser Stelle ist. Es ist trotzdem noch da. Ein paar Jahre Wissen schlagen nicht zwanzig Jahre Prägung. Warum ich früher nichts gesagt habe In meinen früheren Beziehungen war das anders gelagert. Der Sex hat mir oft nicht gut genug gefallen, oder es war mir schlicht zu aufwendig, was der andere alles wollte. Da muss noch dies und jenes und hier und da. Uns Frauen sagt man ja immer nach, wir bräuchten die ganze Romantik. Nett ist das schon. Aber ich hatte Lust, ich wollte Sex, ich wollte meinen Orgasmus — und eben nicht erst in zwei Stunden. Erzählt habe ich es nie, weil ich die Vorwürfe kannte. Ich habe geschwiegen, um sie zu vermeiden. Das Gespräch, das ich mal versucht habe Ganz am Anfang meines Liebeslebens habe ich es einmal probiert. Ich habe gefragt, du befriedigst dich doch auch selbst. Nein, auf gar keinen Fall, jedenfalls nicht in der Beziehung. Mich hat das ehrlich interessiert — ich habe keinen Penis, also wollte ich wissen, wie das geht. Das Ganze hatte ein Grundschul-Sexualkunde-Gefühl: Alle wollen darüber reden, alle wollen etwas verstehen, und allen ist es mehr als peinlich. Er war konsterniert, und weil es ihm so unangenehm war, wurde es mir noch unangenehmer. Das hat vermutlich dafür gesorgt, dass ich Jahrzehnte gebraucht habe, um es nochmal zu versuchen. Heute frage ich anders. Wenn ich dir einen runterhole, dann sag mir doch mal, was du gut findest und was nicht. Ich kann da auch eine Stunde rumdoktern — das bringt nichts, wenn du mir nicht sagst, wo es empfindlich ist. Ich habe mich lange kompliziert gefunden. Umständlich, was meine Lust angeht. Inzwischen habe ich die Zeit nicht mehr, so über mich zu denken. Wenn dich diese Folge erwischt hat: Eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify hilft mehr, als du denkst. Sie sorgt dafür, dass die nächste Frau, die nachts danach sucht, Saftig überhaupt findet.
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Statt Lust sage ich, ich bin müde
Zu müde für Sex — Shownotes Episode 016 Der Tag war lang. Gearbeitet, gewerkelt, aufgeräumt, gekocht, den Hund raus, dann irgendwann ins Bett. Er kommt angekuschelt und fängt an, mich zu streicheln — und ich drehe mich auf die Seite und sage: ich bin müde, der Tag war lang. Das ist keine Lüge. Genau deshalb komme ich an diesen Satz nicht ran. Wenn ich sagen würde, ich habe Kopfschmerzen, würde jeder hellhörig. Diesen Satz durchschaut man, mein Partner benutzt ihn manchmal sogar, um mich zu ärgern. „Ich bin müde" durchschaut keiner. Er stimmt ja. Und weil er stimmt, hakt niemand nach — ich selbst am allerwenigsten. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich habe darauf keine Antwort. Ich habe das nicht gelöst, ich habe es nicht einmal probiert, ich bin zu müde, um es zu probieren. Was ich habe, sind die Fragen, die ich mir sonst nie stelle. Will ich jetzt wirklich schlafen? Will ich einfach nur meine Ruhe? Oder wäre da eher: es wäre gut, wenn du mich nochmal eine Runde streichelst. Abends stelle ich mir das nicht. Ich sage „ich bin müde", gehe ins Bett, schlafe ein, und am nächsten Abend läuft dieselbe Szene nochmal. Dass man in der Perimenopause müder wird, weil der Körper umbaut, ist völlig in Ordnung und stimmt bei mir auch. Trotzdem frage ich mich, ob dieser eine Satz jedes Mal der richtige ist. Ich habe drei Tage lang darauf geachtet. An einem Abend bin ich früher ins Bett gegangen und habe trotzdem gesagt, ich gehe schlafen, weil ich müde bin. Es ist so normal geworden. Es ist so einfach geworden. Darum geht es in dieser Folge Warum „ich bin müde" keine Ausrede ist wie Kopfschmerzen, sondern eine Deckgeschichte — wahr genug, dass niemand nachfragt Wie ein wahrer Satz die Lust überschattet: man kann gar nichts spüren, wenn man ständig müde ist Was ich stattdessen sagen wollte — nur gestreichelt werden, kein Geschlechtsverkehr — und warum mir das im Bett nie einfällt Warum ich zu müde für Sex bin und gleichzeitig nicht weiß, ob das der Grund ist Eine Folge ohne Auflösung, weil ich mittendrin bin und nicht am Ende Shownotes und Episodendetails Es gibt drei Arten, im Bett zu schweigen, und diese hier ist die leiseste. Ich kann so tun, als würde ich schon schlafen — dann gehe ich dem Moment aus dem Weg. Ich kann nur noch sagen, was er gern hört — dann gehe ich dem Inhalt aus dem Weg. Und ich kann sagen, ich bin müde. Damit gehe ich dem Gefühl aus dem Weg, und zwar so gründlich, dass ich selbst nicht merke, dass ich es tue. Denn der Satz ist wahr. Ich war wirklich früh auf. Ich habe wirklich den ganzen Tag etwas gemacht. Ich muss morgen wirklich wieder früh raus. Ich lüge niemanden an, weder ihn noch mich. Nur beantwortet der Satz eine ganz andere Frage als die, die im Raum steht. Manchmal sage ich ihn sogar vorsorglich. Er fragt, ob ich auf ihn warte, und ich sage, ich bin so müde, ich gehe jetzt schlafen. Dann bleibt er noch im Wohnzimmer und kommt später nach. Der Satz ist so verlässlich, dass ich ihn wie einen Schalter benutze. Und so geht das tagein, tagaus. Was mich beschäftigt: Ist das eine Ausrede, die ich bewusst brauche, um nichts tun zu müssen? Oder ist es einfach Routine geworden, so sehr, dass ich abends gar keine andere Aussage mehr zulasse, wenn es um meine Lust geht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, was ich stattdessen hätte sagen können. Dass alles schön ist und ich eigentlich noch gar nicht müde bin. Dass ich meine Lust heute gern anders erleben würde. Dass ich nur gestreichelt werden möchte und keinen Geschlechtsverkehr. Das ist super schwierig zu sagen, und mir fällt es in dem Moment fast nie ein. Deshalb endet diese Folge nicht mit einer Lösung. Sie endet mit dem einzigen Satz, bei dem ich mir sicher bin: Ich war nicht immer müde. Ich hatte nur keinen anderen Satz. Wenn dir das bekannt vorkommt: Abonniere Saftig, dann verpasst du keine Folge.
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Neun von zehn behalten ihre Lust
Lust verändert sich in den Wechseljahren — Shownotes Episode 015 Eine von zehn Frauen in der Perimenopause verliert die Lust ganz. Über diese eine reden alle. Über die neun anderen redet keine — nicht mal die neun selbst. Und ich wette, du hältst dich auch für die eine. Ich habe die Zahl gelesen und mich geärgert. Nicht über die Zahl, über die Formulierung. Denn wenn eine von zehn ihre Lust ganz verliert, dann behalten neun sie. Nur sagt das niemand laut. Was ich stattdessen überall höre, ist ein einziges Wort: weniger. Weniger Sex, weniger Verlangen, weniger von allem. In dieser Folge rechne ich anders. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Meine Lust verändert sich in den Wechseljahren, das merke ich sehr deutlich. Aber verändern und verschwinden sind zwei verschiedene Dinge, und dazwischen liegt der ganze Unterschied. Was früher zuverlässig funktioniert hat, funktioniert heute nicht mehr — und weil ich lange kein Wort dafür hatte, habe ich gesagt, ich hätte weniger Lust. Das stimmt so nicht. Ich hatte weniger Lust auf genau das, was wir immer gemacht haben. In dieser Folge rechne ich vor, wie aus einem ehrlichen „so nicht" ein diagnostisch klingendes „meine Libido ist im Keller" wird, und warum dieser Unterschied alles verändert. Ich erzähle von einer Freundin, die für sich einen komplett anderen Weg gewählt hat, und von einem Satz, der bei mir hängengeblieben ist: Ich habe ganz genaue Vorstellungen, und die möchten befriedigt werden. Ich erzähle von den letzten zehn Jahren, in denen sich bei mir Schritt für Schritt etwas verschoben hat, ohne dass irgendetwas Dramatisches passiert wäre. Und ich erzähle davon, warum wir irgendwann lieber gar nichts sagen, statt zu sagen, was wir tatsächlich wollen. Neun von zehn behalten ihre Lust — die Zahl steht in der Studie, aber sie wird nie so herum erzählt. Erzählt wird immer die eine. Behalten heißt nicht: bleibt gleich — meine Lust hat sich verschoben, nicht verabschiedet. Das ist ein Unterschied, den kaum jemand macht, und genau deshalb erkenne ich mich in keiner der üblichen Beschreibungen wieder. Aus „lieber nicht" wird „weniger Lust" — wenn ich immer denselben Sex bekomme, den ich so gar nicht will, sage ich irgendwann lieber gar nichts mehr. Nach außen sieht das aus wie Lustlosigkeit. Von innen ist es eine Entscheidung. Ich weiß oft selbst nicht, was ich will — nicht weil ich nichts fühle, sondern weil ich es nie herausfinden musste. Das ist kein Defizit, das ist eine Lücke, die niemand gefüllt hat. Lust und Sex sind zwei getrennte Sachen — ich merke inzwischen sehr genau, wann ich könnte. Das heißt noch lange nicht, dass ich es tue, und beides gleichzeitig stimmen zu lassen war für mich neu. Was ich in dieser Folge nicht mache: dir erklären, wie du es besser machst. Ich sitze selbst mittendrin und ziehe keine Bilanz. Dafür ist es viel zu früh, und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht daran, dass es am Ende eine gibt. Ich habe nur aufgehört, mit der falschen Zahl zu rechnen — und das hat mehr verändert als jede Empfehlung, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem ich denke: Mit mir stimmt was nicht. Alle anderen scheinen zu wissen, wie das geht, nur bei mir ist es weg. Genau dieser Moment ist der Grund für diese Folge — und er beruht auf einer Rechnung, die falsch herum erzählt wird. Die neun, über die keine redet Wenn eine von zehn Frauen die Lust ganz verliert, dann behalten neun sie. Das ist keine Interpretation, das ist Subtraktion. Trotzdem läuft die gesamte Erzählung über die eine. Über die neun steht nichts, und die neun selbst sagen auch nichts — weil jede von ihnen glaubt, sie sei die eine. Ich habe das jahrelang geglaubt. Ich habe mich mit anderen verglichen, ich habe Artikel gelesen, in denen es immer nur um Verlust ging, und ich bin jedes Mal mit demselben Gefühl herausgekommen: Bei mir ist es schlimmer. Dabei stimmte etwas ganz anderes. Verschoben, nicht verschwunden Bei mir hat sich in den letzten zehn Jahren etwas verändert, und zwar langsam. Nicht mit einem Knall, nicht von einem Tag auf den anderen. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich vorher nicht ausprobiert hätte. Ich habe irgendwann mit meinem Freund darüber gesprochen, dass ich mich selbst befriedige — und was passieren würde, wenn wir das mal zusammen machen. Das sind keine spektakulären Geschichten. Es geht hier nicht um Swingerclubs oder um irgendeine große Wendung. Es geht um kleine Verschiebungen, die zusammengenommen bedeuten: Ich will das anders. Und wenn ich das nicht sage, sondern nur denke, dann sieht das von außen aus wie weniger Lust. Warum wir lieber nichts sagen Angenommen, ich war jahrelang zufrieden mit dem, was war. Und dann merke ich, dass ich es heute anders möchte. Ich sage es. Und mein Gegenüber findet das anstrengend, unbequem oder einfach nicht so gut. Dann stehe ich schlechter da als vorher: Vorher hatte ich etwas, das okay war. Jetzt habe ich es benannt und kriege es trotzdem nicht. Also sage ich beim nächsten Mal nichts. Und beim übernächsten auch nicht. Irgendwann ist meine Devise: dann lieber gar nicht. Lieber keinen Sex als einen, bei dem ich mich langweile. Das ist eine völlig vernünftige Entscheidung — nur heißt sie nach außen dann nicht mehr „ich will es anders", sondern „sie hat keine Lust mehr". Was ich stattdessen mache Ich versuche gerade herauszufinden, was ich wirklich brauche. Nicht, was ich zu brauchen glaube, weil ich es irgendwann mal so gelernt habe. Und nicht, was ich anderen vorspiele. Das sind manchmal winzige Sachen: Ich möchte vorher duschen, weil ich ständig schwitze. Ich möchte danach duschen. Ich möchte mal Kerzen aufstellen und gucken, ob mich das überhaupt interessiert. Vielleicht tut es das nicht. Dann weiß ich es wenigstens. Und ich habe für mich zwei Dinge getrennt, die vorher immer zusammengehörten: Lust haben und Sex haben. Ich merke inzwischen sehr genau, wann ich könnte. Das heißt nicht automatisch, dass etwas passiert. Beides darf gleichzeitig wahr sein. Wenn du dich in dieser Folge wiedererkannt hast, schick sie einer Freundin. Ohne Kommentar, ohne Erklärung. Vielleicht hält sie sich auch gerade für die eine.
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Frag mich doch mal, warum ich keine Lust auf Sex hab
Warum keine Lust auf Sex — Shownotes Episode 014 Akzeptieren Sie für den Augenblick, wenn Ihre Partnerin keine Lust auf Sex hat. Diesen Satz habe ich im Netz gelesen, in einem Ratgeber, als nummerierten Tipp. Er war nicht an mich gerichtet. Er war an ihn gerichtet, über mich hinweg. Und mein erster Gedanke war: Welcher Augenblick denn bitte? Das ist ja der Haken an der Sache. Ein Augenblick ist etwas Kurzes. Fünf Minuten, eine schlechte Nacht, ein Streit vor dem Einschlafen. Die Perimenopause dauert statistisch zehn Jahre, und praktisch fängt sie früher an und hört später auf, als in irgendwelchen wissenschaftlichen Dokumenten steht. Wer mir sagt, ich solle für den Augenblick akzeptiert werden, sagt eigentlich etwas ganz anderes. Er sagt: Dein Nein bekommt ein Verfallsdatum. Wir sitzen das aus. Und noch etwas gehört dazu. Dieser Ratschlag steht nicht in einem Forum, wo irgendwer nachts seine Meinung tippt. Er steht in einem Ratgeber, redaktionell betreut, als Empfehlung an Männer. Jemand hielt ihn für richtig genug, ihn zu veröffentlichen. Das macht ihn nicht klüger, aber es zeigt, wie selbstverständlich diese Sicht ist. Und genau deshalb rede ich in dieser Folge dagegen an. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge rede ich gegen einen einzigen Satz an. Warum keine Lust auf Sex kein Zustand ist, den man aussitzt, sondern eine Auskunft, nach der nie jemand fragt. Ich erzähle, was passiert, wenn Frauen die alleinige Verantwortung dafür bekommen, dass es im Bett weitergeht, und warum unser Nein in solchen Ratschlägen immer nur ein Aufschub ist und nie eine Antwort. Ich rechne vor, wie das bei mir wirklich aussah, mit einem Mann, der sich beschwert hat, dass ich zu lange brauche. Ich rede darüber, dass es meistens gar nicht stimmt, dass wir keine Lust haben. Wir haben nur keine Lust mehr auf das, was seit Jahren gleich abläuft. Und ich sage, was ich mittlerweile für das Beste an dieser ganzen Lebensphase halte: dass wir die Nerven dafür nicht mehr haben. Es ist keine Folge über Hormone. Es ist eine Folge darüber, wer in diesem Gespräch überhaupt vorkommt. Die wichtigsten Gedanken Es geht selten darum, dass ich keine Lust habe. Es geht darum, dass ich keine Lust auf diesen Sex habe, auf das Immergleiche, auf das Vorgespielte. Das ist nicht dasselbe, und es wird ständig verwechselt. Wer rät, einfach abzuwarten, bis die Lust wiederkommt, hat mich in seinem Satz gar nicht vorgesehen. Ich bin darin ein Zustand, kein Gegenüber. Man wartet ihn ab wie schlechtes Wetter. Der Vorwurf, ich würde zu lange brauchen, kam ausgerechnet von einem Mann, der selbst eine Dreiviertelstunde brauchte, wenn ich es machte. Gefragt, was er anders wollte, hat er nie. Er hat sich lieber beschwert. Es gibt unzählige Videos darüber, wie Männer mit der Periode ihrer Partnerin umgehen sollen. Blumen, Schokolade, Rückzug. Beim Thema Lust hört die Fürsorge auf und wird zu einem einzigen Satz: abwarten. Nach diesem Augenblick sind wir andere Frauen. Nicht kaputte, nicht schwierige, nicht anstrengende. Andere. Und wer bereit ist, mitzugehen, bekommt eine Frau, die selbst Spaß hat, statt einer, die mitmacht. Fragt mich, und ich antworte. Ich habe eine Antwort darauf. Sie wollte nur noch nie jemand hören. Shownotes und Episodendetails Ich lese viel. Berichte, Foren, Ratgeberseiten, alles, was mir zum Thema unter die Finger kommt. Und irgendwann fällt einem auf, wie viele dieser Texte gar nicht mit uns reden. Sie reden über uns, mit jemand anderem. Der Satz, gegen den ich in dieser Folge anrede, ist so einer. Er wendet sich an den Mann. Er erklärt ihm, wie er sich zu verhalten hat, wenn seine Partnerin nicht will. Und die Empfehlung lautet: für den Augenblick akzeptieren. Nicht fragen. Nicht wissen wollen. Aussitzen. Was mich daran wirklich ärgert, ist nicht die Freundlichkeit im Ton. Es ist, dass wir dabei die gesamte Verantwortung tragen. Wir sind diejenigen, die etwas verweigern, die wieder in Ordnung kommen müssen, die irgendwann bitte wieder mitspielen. Dass zwei Menschen im Bett liegen und beide etwas beitragen könnten, kommt in dem Satz überhaupt nicht vor. Der Augenblick, der keiner ist Ich rechne in dieser Folge einmal nach. Wenn dieser Augenblick zehn Jahre dauert, dann ist es kein Augenblick, sondern ein Lebensabschnitt. Und selbst wenn er irgendwann vorbei ist, kommt danach nicht die Frau von vorher zurück. Es kommt eine andere. Eine, die nicht mehr bereit ist, Dinge hinzunehmen, nur weil sie dreißig Jahre lang so gelaufen sind. Das halte ich übrigens für das Beste an dieser ganzen Zeit. Nicht die Hitzewallungen, nicht der Schlaf, nicht der Rest. Sondern dass wir die Nerven nicht mehr haben, uns zu verstellen. Wir hören auf, den Orgasmus vorzuspielen, damit der andere sich gut fühlt. Wir hören auf, still zu bleiben, wenn uns etwas nicht gefällt. Das ist keine Krise. Das ist eine Erleichterung. Warum das keine Absage an Sex ist Ich will das nicht missverstanden wissen. Es geht nicht darum, dass wir keine Lust haben. Wir haben Lust. Wir haben richtig Lust. Nur eben nicht auf das, was seit Jahren gleich abläuft, ohne dass jemals jemand gefragt hätte, ob das für uns überhaupt passt. Ich erzähle in dieser Folge von einem Mann, der sich bei mir beschwert hat, ich würde zu lange brauchen. Derselbe Mann brauchte eine Dreiviertelstunde, wenn ich ihn befriedigte, und zwar deshalb, weil es nicht so war, wie er es gern hätte. Gesagt hat er es mir nie. Er fand das doof. Beschwert hat er sich trotzdem. Und ich saß da mit anderthalb Stunden, weil er nicht traf. Nicht mit dem Vibrator, nicht am Kitzler. Als wäre ich anatomisch falsch gebaut. Oder als hätte er einfach nicht hingesehen. Was ich mir stattdessen wünsche Nichts Kompliziertes. Ich möchte gefragt werden, was ich eigentlich möchte. Das ist alles. Und wenn mich jemand fragt, dann antworte ich gerne, ausführlich sogar, denn ich habe eine Antwort. Ich hatte sie die ganze Zeit. Deshalb ist einfach abzuwarten, bis die Frau wieder Lust hat, keine Lösung. Es ist noch nicht mal ein Versuch. Wenn dir diese Folge etwas gegeben hat, hinterlass mir bitte eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Ehrlich gesagt hilft das mehr, als man denkt: Es entscheidet darüber, ob eine Frau, die nachts sucht, diese Folge überhaupt findet. Ein paar Sterne reichen. Ein Satz dazu wäre großartig.
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Ein Orgasmus am Tag, für die Durchblutung
Scheidentrockenheit Wechseljahre — Shownotes Episode 013 Meine Schwester kam von der Ärztin zurück, mit einem Saugwellenvibrator in der Hand. Den gibt es gratis dazu, hatte die Ärztin gesagt, das machen wir immer so. Einen Orgasmus am Tag, für die Durchblutung. Vom Spaß war nie die Rede. Ich habe mir das angehört und zuerst gedacht: das hätte ich dir auch sagen können, ohne Rechnung. Was mich wirklich geärgert hat, kam später. Niemand weiß, ob die teure Behandlung überhaupt nötig war, weil niemand es untersucht hat. Und ich saß da mit einem Satz, den ich selbst schon von einem Frauenarzt gehört hatte. Das hilft manchen Frauen. Was mich an diesem Nachmittag am meisten beschäftigt hat, war nicht die Behandlung selbst. Es war die Selbstverständlichkeit, mit der ein Gerät verteilt wird, während über das, wofür es eigentlich gedacht ist, kein Wort fällt. Ein Orgasmus wird zur Anwendung. Etwas, das man macht, damit etwas anderes besser wird. Ich kenne diese Verschiebung, und ich glaube, viele Frauen kennen sie auch: Der Körper wird versorgt, das Wollen bleibt draußen vor der Tür stehen. Dazu kommt, dass meine Schwester diese Praxis selbst finden musste. Es hat sie Wochen Recherche gekostet, herauszufinden, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Niemand hat sie darauf hingewiesen. Es steht in keiner Broschüre, die im Wartezimmer liegt. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick In dieser Folge geht es um Scheidentrockenheit in den Wechseljahren und um das, was drumherum passiert, wenn Frauen damit zum Arzt gehen. Ich erzähle von der Behandlung meiner Schwester und davon, dass ein Gerät auf den Tisch kommt, während über Lust kein Wort fällt. Ich war selbst um die dreißig beim Frauenarzt, weil bei mir ständig etwas einriss, obwohl ich Lust hatte und feucht war. Ich habe eine Creme bekommen und den Satz, das sei normal in den Dreißigern. Die Creme war furchtbar. Was mir wirklich geholfen hat, habe ich Jahre später von einer Bekannten erfahren. Nicht von einer Ärztin, nicht von einem Arzt, sondern in einem Gespräch zwischen zwei Frauen. Ein Orgasmus auf Anweisung ist keine Lust, sondern Muskelarbeit. Die Ärztin sagte, es sei irrelevant, ob meine Schwester das allein oder mit ihrem Partner macht. Dass sie Spaß daran haben könnte, stand nicht zur Debatte. Es gibt keine Vergleichsgruppe. Ob die Behandlung nötig war oder ob das Gerät allein gereicht hätte, weiß niemand, weil es niemand untersucht hat. Die Zahlen erklären das Schweigen. Bis in die neunziger Jahre waren Frauen in klinischen Studien standardmäßig ausgeschlossen. Im deutschen Arzneimittelgesetz steht erst seit 2004, dass Männer und Frauen in größeren Studien getrennt untersucht werden müssen. Die meisten Medikamente, die wir heute nehmen, sind vor 2004 zugelassen worden. „Das hilft manchen Frauen" ist kein medizinischer Satz. Bei Männern heißt es: nimm das, das hilft. Bei uns bleibt ein Vielleicht. Der brauchbare Hinweis kam von einer Frau, nicht aus einer Praxis. Ich nenne unten, was ich seit Jahren benutze, und sage gleichzeitig, dass ich nicht weiß, ob es bei anderen genauso funktioniert. Ich bin mit dem Thema nicht durch. Ich ärgere mich nur nicht mehr über die einzelne Ärztin, sondern darüber, dass so vieles einfach nie nachgesehen wurde. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment beim Arzt, in dem man merkt, dass die Antwort nicht für einen gemacht ist. Sie ist nicht falsch. Sie ist nur allgemein. Und man geht raus mit einem Rezept und dem Gefühl, dass die eigentliche Frage nicht gestellt wurde. Was die Ärztin gesagt hat, und was sie nicht gesagt hat Meine Schwester hat sich diese Behandlung selbst gesucht. Sie hat nicht den ersten Treffer im Internet gelesen, sondern auch den dreißigsten, und irgendwann eine Praxis gefunden, die genau das anbietet. Danach lag ein Saugwellenvibrator auf dem Tisch, gratis dazu, wie immer, und die Anweisung, täglich einen Orgasmus zu haben, damit sich das Mittel verteilt und das Gewebe durchblutet wird. Ob mit Partner oder allein, sei egal. Es ging um Blutfluss, nicht um Lust. Für mich ist das der Kern dieser Folge. Der Körper wird behandelt, das Begehren kommt in dem Gespräch überhaupt nicht vor. Warum niemand weiß, ob es auch einfacher gegangen wäre Ich habe mich gefragt, ob dasselbe Ergebnis auch ohne die teure Behandlung zu haben gewesen wäre, nur mit regelmäßiger Erregung. Ich weiß es nicht. Und das ist genau der Punkt. Es gibt keine Gruppe von Frauen, die das über Monate ausprobiert hat und deren Ergebnisse man nachlesen könnte. Bis in die neunziger Jahre waren Frauen in klinischen Studien standardmäßig ausgeschlossen. Seit 2004 verlangt das Arzneimittelgesetz, dass in größeren Studien getrennt untersucht wird, ob Männer und Frauen unterschiedlich reagieren. Das ist zweiundzwanzig Jahre her, und die meisten Präparate im Schrank sind älter. Der Satz, den ich nicht mehr hören will Ich war um die dreißig, als bei mir ständig etwas einriss. Nicht aus Lustlosigkeit, im Gegenteil. Ich bin damit zum Arzt gegangen und habe gehört, das sei normal in den Dreißigern. Dazu eine Creme, mit dem Zusatz, das helfe manchen Frauen. Die Creme war furchtbar, ich habe sie weggeworfen. Aufgehört hat es erst, als eine Bekannte mir erzählte, dass sie seit ihren Zwanzigern eine Intimwaschlotion benutzt. Bei mir ist es Sagella hydramed geworden, unter der Dusche, nach dem Waschen. Wenn irgendwo eine feine juckende Stelle war, ist die am nächsten Tag weg. Ob das bei allen so ist, weiß ich nicht. Bei mir schon, seit Jahren. Und noch etwas, das in dem Gespräch fehlte: Saugwellenvibratoren gibt es inzwischen in verschiedenen Stärken und mit verschiedenen Aufsätzen, weil keine Klitoris aussieht wie die andere. Eine Bekannte fand genau das Gerät zu heftig, das ich gut finde. Auch das wäre eine Information gewesen, die auf den Tisch gehört. Ich habe für all das eine Formel, die ich in dieser Folge mehrmals benutze, halb im Scherz und halb nicht: Wir sind ja nur Frauen. Wenn das die Erklärung dafür sein soll, dass Dinge nicht untersucht, nicht erklärt und nicht auf uns zugeschnitten werden, dann nehme ich diesen Satz gern auch in die andere Richtung. Dann darf ich weiter schief einparken und alles machen, was uns Frauen nachgesagt wird. Ich bin ja nur eine Frau. Wenn du dich in irgendeinem dieser Sätze wiedererkennst, abonniere Saftig. Dann liegt die nächste Folge automatisch bei dir, und du musst nicht daran denken.
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Und dann war da doch was
Orgasmus im Schlaf — Shownotes Episode 012 Ich bin nachts aufgewacht, mitten in einem Orgasmus. Kein Spielzeug, keine Hand, kein Sex. Er lag neben mir und schlief tief und fest. Mein Körper hat das ganz allein gemacht, und ich lag da und dachte nur: Wo kommt das denn her? In dieser Folge erzähle ich von zwei Abenden, an denen mein Körper etwas gemacht hat, mit dem ich nicht gerechnet habe. Der erste war unspektakulär: Ich lag im Bett, der Tag war anstrengend gewesen, und auf einmal fing es an zu kribbeln. Nicht am Kitzler, sondern ein ganzes Stück weiter innen, und es wanderte weiter und weiter, bis hinten Richtung Muttermund. Der zweite war der mit dem Orgasmus im Schlaf. Und dann geht es um das, was danach kommt und wovon ich viel länger etwas habe, als ich früher gedacht hätte. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich bin mitten in der Phase, in der man eigentlich meint, es hört jetzt alles auf. Umso mehr hat mich das kalt erwischt. Beim ersten Mal habe ich einfach ganz still gehalten und beobachtet, wo dieses Kribbeln hinwandert. Beim zweiten Mal bin ich aus einem Traum aufgewacht, und mein ganzer Körper hat vibriert, ohne dass jemand irgendetwas getan hätte. Ich habe kurz überlegt, ihn zu wecken, und mich dagegen entschieden. Am nächsten Tag habe ich es ihm erzählt, und er war ehrlich überrascht und hat gesagt, ich soll ihn das nächste Mal wecken. Ich war zu perplex, um das im Moment schon einzuordnen. Und ich habe gemerkt: Ich zehre tagelang davon. Nicht von der Erinnerung an eine große Nacht, sondern von der Lust selbst, die einfach nicht sofort wieder weggeht. Mein Körper macht das ohne mich — kein Spielzeug, keine Hand, nicht mal wach sein. Ich habe nichts richtig gemacht und nichts falsch, und trotzdem war es das intensivste Gefühl seit langem. Kribbeln ist kein Nebengeräusch — wenn ich still halte statt es wegzuatmen, wandert es weiter. Ich atme heute bewusst, wenn ich das Gefühl behalten will, und nicht, um es loszuwerden. Es gibt nicht nur den einen Peak — die flacheren Momente kann ich über Tage ziehen, und manchmal wächst daraus mehr, als ich am ersten Abend erwartet hätte. Hinhören statt drübergehen — ich frage mich inzwischen mitten im Gefühl, ob das noch intensiver wird und ob ich es greifen kann, oder ob es flüchtig ist. Manchmal ist die Antwort: flüchtig. Auch das ist eine Antwort. Erzählen war schwerer als erleben — ich habe erst auf den richtigen Moment gewartet, bevor ich es ihm gesagt habe. Vor der eigenen Lust steht bei mir oft noch die Frage, wie sie beim anderen ankommt. Und was mich dabei am meisten beschäftigt hat, war nicht der Orgasmus selbst, sondern dass ich in dem Moment gar nichts dafür getan habe. Ich musste nicht in Stimmung kommen, mich nicht überreden, nichts vorbereiten. Es war einfach da. Genau das habe ich in den letzten Monaten für unmöglich gehalten. Ich habe daraus keine Technik gemacht und keinen Vorsatz. Ich habe nur gemerkt, dass mein Körper offenbar noch Dinge kann, die er mir nicht angekündigt hat. Shownotes und Episodendetails Ich liege abends im Bett, und normalerweise passiert da genau nichts. Ich bin müde, ich lese noch was, ich schlafe ein. An diesem Abend war das anders, und ich habe eine Weile gebraucht, um zu begreifen, was mein Körper da gerade veranstaltet. Das Kribbeln, das wandert Es fing im Unterleib an, ganz leicht, überhaupt nicht unangenehm. Vom Bauchnabel abwärts, irgendwo an der Blase entlang. Und dann eben nicht am Kitzler, wo ich es erwartet hätte, sondern ein Stück weiter innen. Wenn ich ganz ruhig halte und einfach zuschaue, wandert es weiter nach innen, bis hinten Richtung Muttermund. Früher hätte ich das weggeatmet. So ein Gefühl kommt zwischen zwei Terminen, es passiert mir auch tagsüber, und dann ist es eher lästig als schön. Inzwischen atme ich in solchen Momenten bewusst, langsam, weil ich das Gefühl behalten will und nicht loswerden. Ich befinde mich in einer Phase, in der man den Eindruck bekommt, demnächst hört alles auf. Dass da noch so ein intensives Gefühl entsteht, aus dem Nichts, an einem völlig unspektakulären Abend, finde ich schwer zu glauben und großartig zugleich. Aufgewacht, mitten drin Die zweite Geschichte ist die, bei der ich immer noch geflasht bin, wenn ich davon erzähle. Es gibt diese Träume, aus denen man aufschreckt, weil man fällt, oder weil man Durst hat. Dieses Aufwachen war anders. Ich bin in einem extrem intensiven Orgasmus aufgewacht. Mein ganzer Körper hat vibriert. Er lag neben mir und hat tief und fest geschlafen. Kein Vibrator, kein Dildo, kein Zubehör. Er hat mich nicht angefasst, wir hatten keinen Sex. Mein Körper hat das im Schlaf allein produziert, und ich lag danach wach und habe gedacht: Das gibt es doch gar nicht, dass man so etwas erleben kann. Kurz habe ich überlegt, ihn zu wecken, und mich dann entschieden, ihn schlafen zu lassen. Am nächsten Morgen stand die nächste Frage im Raum: erzähle ich es ihm überhaupt? Ich habe auf einen guten Moment gewartet, damit er sich nicht übergangen fühlt. Erzählt habe ich es am nächsten Tag, und er war überrascht und hat gesagt, ich soll ihn nächstes Mal wecken, das wolle er mitbekommen. Wie lange man davon zehrt Der Teil, über den kaum jemand spricht, kommt danach. Es gibt bei mir den Peak, bei dem ich sehr laut bin, und es gibt die flacheren Orgasmen. Und gerade von den flacheren kann ich die Lust über Tage hinweg ziehen. Ich spüre etwas, und dann habe ich tagelang was davon, ohne dass ich noch einmal etwas tun müsste. Was ich seitdem versuche, ist hinzuhören. Wird das intensiver? Kann ich das festhalten, kann ich die Lust greifen, die gerade da ist, kann ich sie in mehr Lust verwandeln? Oder ist das flüchtig und gleich wieder weg? Manchmal weiß ich es erst hinterher. Manchmal ist die Antwort: flüchtig, gleich wieder weg. Und trotzdem endet diese Folge da, wo ich in dieser Nacht im Bett gelandet bin: Da war noch was. Da ist immer noch was. Wenn du eine Frau kennst, die im Moment glaubt, bei ihr sei diese Baustelle geschlossen: schick ihr diese Folge. Mehr braucht es nicht.
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Ich benutze das nicht als Ausrede
Partner versteht Wechseljahre nicht — Shownotes Episode 011 Er hat es nett gemeint. Genau das war das Problem. In dieser Folge erzähle ich von zwei Sätzen, die mein Freund innerhalb einer Woche gesagt hat, und davon, was passiert, wenn der Partner Wechseljahre nicht versteht und trotzdem eine Erklärung parat hat. Der erste Satz fiel im Bett, direkt nachdem gerade nichts passiert war. Ich hatte zu ihm gesagt: Du hast ja nicht gesagt, stell dich nicht so an. Er guckte mich verdutzt an. Dann kam seine Antwort, und danach haben wir so schallend gelacht, dass ich hinterher Bauchschmerzen hatte. Alles, was zehn Minuten vorher riesig ausgesehen hatte, war auf einmal klitzeklein. Danach sind wir selig eingeschlafen. Der zweite Satz fiel ein paar Tage später in der Küche. Mir ging es miserabel, ich stand am Tresen und versuchte, mir irgendwas zu essen zu machen — einfach, damit es mir körperlich nicht auch noch schlecht ging. Da stand er schräg gegenüber und sagte ganz trocken: Du bist halt in der Phase. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Das Schlimme an diesem Satz ist, dass er stimmt. Trotzdem klingt er wie das, was ich mit Mitte dreißig nicht ertragen konnte: Du hast wohl deine Tage. Vorher hatte ich meine Tage, jetzt bin ich in der Phase. Ständig kriegt man irgendwelche Erklärungen. Als ich ihm sagte, dass ich das doof finde, kam allerdings seine Antwort — und die hat mich wirklich getroffen. Er hat nämlich das Gefühl, die Phase sei inzwischen eine Entschuldigung für das, wie ich bin. Danach war ich sprachlos. Denn eine Ausrede erfindet man für etwas, das man eigentlich nicht wollte. Ich bin aber da drin, weil ich da überhaupt nicht drin sein möchte. Zwei Sätze, zwei Wirkungen — derselbe Mann, dieselbe Woche. Einmal löst sich alles im Lachen auf. Einmal bleibt etwas hängen, das tagelang weiterarbeitet. Gut gemeint ist nicht harmlos — er wollte mich nicht kleinmachen. Er hatte schlicht keinen anderen Satz zur Hand. Gegen etwas Nettes lässt sich außerdem sehr schlecht streiten. Der Unterschied zwischen Ausrede und Zustand — warum das vergessene Geschirr und meine Stimmung am Nachmittag zwei völlig verschiedene Dinge sind. Von Minute zu Minute — vor ein paar Tagen habe ich noch mit ihm im Bett gelacht. Dann stehe ich da und frage mich: Wo ist es hin? Was das mit der Lust macht — mal haben wir Bock, dann wieder gar nicht. Und ich kann niemandem sagen, in welchem Moment ich gerade bin. Warum mich ausgerechnet dieses Wort trifft Ich hasse Ausreden. Deshalb sitzt der Vorwurf so tief. Wenn meine Kinder erklären, sie hätten die Butter im Kühlschrank nicht gefunden, dann sagen sie nicht: weil ich nicht hingeguckt habe. Sondern: weil sie da nicht steht. Das ist eine Ausrede. Für so etwas findet man immer eine. Bei mir ist es andersherum. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich habe nicht extra irgendwas gegessen oder bestimmte Übungen gemacht, damit mein Körper jetzt genau so reagiert. Das Einzige, was passiert ist: Ich bin in einem weiblichen Körper geboren, mit Gebärmutter und allem drum und dran. Und deshalb bin ich in meinem Alter jetzt halt in einer Phase. Ich wünschte, ich hätte eine Erklärung. Ich wünschte, ich könnte es abstellen. Am Ende dieser Folge habe ich beides immer noch nicht — dafür einen Satz, der stimmt. Shownotes und Episodendetails Diese Folge hat zwei Hälften, und sie klingen unterschiedlich. Die erste ist leicht. Die zweite nicht. Genau so ist die Woche auch gewesen. Wenn Lachen alles kleiner macht Der Abend im Bett war schwer, bevor er lustig wurde. Es war nichts passiert, und ich lag da mit diesem Satz im Kopf, den er eben nicht gesagt hatte. Dann kam seine Antwort, und wir haben gelacht, bis mir der Bauch wehtat. Das ist bei uns immer noch so: Wenn wir einmal richtig anfangen zu lachen, löst sich fast jedes Problem in Luft auf. Puff, weg. Danach lagen wir nebeneinander und sind eingeschlafen. Vorher hatte das nicht so richtig funktioniert. Danach schon. Und dann steht er da und sagt, du benutzt das als Ausrede Ein paar Tage später war ich wieder unten. Das Leben war furchtbar, die Welt brach zusammen, ich hätte heulen oder wütend werden können und wusste einfach nicht, wohin mit mir. Ich habe versucht, mich zu wehren. Ich fand es doof, dass er das gesagt hat, und ich habe es ihm auch gesagt. Seine Antwort war allerdings ehrlicher, als mir lieb war: Er finde es ebenfalls doof, dass es schon wieder eine Phase gibt. Und er habe das Gefühl, diese Phase sei mittlerweile eine Entschuldigung für das, wie ich bin. Danach hatte ich nichts mehr. Keinen Satz, keine Erwiderung, nichts. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll, und ich weiß es bis heute nicht richtig. Denn er hat ja nicht ganz unrecht. Von außen sieht es vermutlich wirklich aus wie eine Begründung, die immer passt. Von innen fühlt es sich völlig anders an. Ich stehe morgens auf und weiß nicht, welche Version von mir heute mitgekommen ist. Vor ein paar Tagen war ich noch mega gut drauf, wir haben alles geregelt gekriegt, ich habe mit ihm im Bett gelacht. Und dann stehe ich da und denke nur: Wo ist es hin? Dabei ist es doch so: Ich möchte gar nicht in dieser Phase sein. Wenn es nach mir ginge, könnten wir sie abschaffen und streichen. Ich mag Ausreden nicht, ich hasse sie sogar. Und dann steht jemand vor mir und sagt genau das. Was das mit der Lust zu tun hat Diese Phase betrifft nämlich alles, auch die Lust. Mal sind wir schlecht drauf und haben deshalb keinen Bock. Dann könnten wir heulen. Kurz darauf lachen wir wieder und haben plötzlich richtig Bock. Und danach wieder gar nicht. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte einmal mit unseren testosterongesteuerten Mitmenschen tauschen und einfach sagen: Du magst in einer Phase sein, ich bin es nicht. Andererseits ist bei mir das Lange ja das Schöne. Je länger es dauert, desto intensiver wird diese Lust. Schnell wäre praktisch, aber vermutlich wäre es auch weniger. Zum Mäusemelken ist es trotzdem. Ich kann dir nicht sagen, in welchem Moment ich gerade bin. Genau deshalb rede ich darüber. Wenn dir dieser Satz bekannt vorkommt, dann hör auch in Folge 004 — Stell dich nicht so an rein. Dort geht es um den Moment davor: um das Nicht-ernst-genommen-Werden, aus dem dieser Abend überhaupt erst entstanden ist. Wenn du beim Hören genickt hast, hinterlass mir bitte eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Zwei Sätze reichen. Sie sorgen dafür, dass Frauen diese Folgen finden, die nachts danach suchen und tagsüber nichts sagen.
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Wer hat sich dieses Wort ausgedacht
Lustverlust Wechseljahre — Shownotes Episode 010 Es gibt ein Wort dafür, wenn die Blutung aufhört. Es gibt auch eins für die Phase davor. Aber für den Lustverlust in den Wechseljahren hat sich niemand ein Wort ausgedacht. Genau darüber rede ich in dieser Folge. Ich kann „Perimenopause" hier ins Mikrofon sagen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sobald das Mikrofon aus ist und ich unter Menschen bin, gebe ich alles, um dieses Wort nicht auszusprechen. Nicht aus Scham. Ich fühle es einfach nicht. Es beschreibt nichts von dem, was gerade tatsächlich mit mir passiert. Also habe ich mir die ganzen Begriffe mal in Ruhe angesehen. Danach war ich noch genervter als vorher. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Menopause ist genau ein Tag, nämlich der Tag der letzten Periode. Und du weißt erst ein Jahr später, dass er stattgefunden hat, weil bis dahin rückwärts gerechnet wird. „Peri" bedeutet drumherum. Perimenopause ist also die Zeit rund um einen Tag, der noch gar nicht war. Bei „Wechseljahre" steckt die Mehrzahl schon im Wort, was ehrlich ist und trotzdem frech. Und „Periode" heißt eigentlich Kreislauf, obwohl da längst nichts mehr im Kreis läuft. Dann erzähle ich von einer Freundin Anfang sechzig. Sie hat mit vierzig die Gebärmutter entfernt bekommen und danach trotzdem fünfzehn Jahre lang die volle Klatsche kassiert. Seit zwei Jahren wird es besser. Zusammen sind das zwanzig Jahre. Hat das eigentlich mal jemand mitgerechnet? Zwanzig Jahre sind kein Übergang mehr, das ist ein Lebensabschnitt. Von ihr kommt außerdem der Gedanke, der mich seitdem nicht loslässt: In „Menopause" steckt das Wort Pause. Eine Pause geht irgendwann zu Ende. Stell dir vor, du sitzt da und wartest, ob das Ganze mit siebzig noch mal von vorn losgeht. Die Wörter beschreiben Termine, keine Frauen — sie halten fest, wann eine Blutung aufhört. Über alles andere sagen sie nichts. Verlust ist das falsche Wort — es fühlt sich nämlich nicht an, als wäre etwas weg. Es kommt ständig etwas dazu, und zwar nichts Gutes. Lustverlust in den Wechseljahren ist kein Zustand, sondern ein Hin und Her — weg, wieder da, wieder weg. Dafür fehlt die Sprache komplett. Früher konnte man sich am Zyklus orientieren — es gab Tage, an denen ziemlich verlässlich Lust da war. Inzwischen ist auch das weg. Zehn Tage können vergehen, bis es dir auffällt — erst dann merkst du, dass du deinen Partner die ganze Zeit nicht mehr angefasst hast. Ohne Bezeichnung gibt es nichts, worum man sich kümmern könnte — was keinen Namen hat, taucht in keinem Gespräch auf. Deshalb bleibt es liegen. Am Ende dieser Folge bin ich nicht schlauer als vorher. Aber deutlich lauter. Denn solange wir für den Lustverlust in den Wechseljahren keine eigene Bezeichnung haben, bleibt uns nur der Satz, den ich seit Jahren höre: Wir haben die Pause und wir haben das davor, und damit müsst ihr leben. Nee. Reicht nicht. Denn eine Sache, die einen Namen hat, kann man ansprechen. Man kann sie einordnen, man kann etwas daran ändern, und man kann sie jemandem erklären, ohne vorher drei Sätze Anlauf zu nehmen. Genau das fehlt hier. Und deshalb rede ich. Shownotes und Episodendetails Du liegst nachts wach und tippst irgendwas ins Handy. Und was dir entgegenkommt, sind Wörter, die sich anfühlen wie ein Stempel. Alt. Fertig. Vorbei. Dabei willst du nur eine einzige Sache wissen: Warum war meine Lust letzte Woche da und heute nicht? Warum ich das Wort nicht in den Mund nehme Wenn ich draußen über das Thema rede, sage ich „die Hormone". Oder „der Verlust der Hormone". Perimenopause kommt mir nicht über die Lippen, und das hat nichts mit Peinlichkeit zu tun. Das Wort passt einfach nicht zu dem, was ich erlebe. Und ehrlich gesagt stört mich auch „Verlust". Denn es geht ja nichts verloren. Es kommt ständig etwas dazu: kalte Füße, Hitzewallungen, Ungeduld, Aggression, Wörter, die mir mitten im Satz wegrutschen. Die Liste wird länger statt kürzer. Nur die Hormone gehen tatsächlich zur Tür raus. Zwanzig Jahre, und keiner hat mitgerechnet Meine Freundin ist Anfang sechzig und damit fast durch. Fast. Bei ihr wurde mit vierzig die Gebärmutter entfernt, und ich dachte beim Erzählen tatsächlich: Na, dann war ja Ruhe. War nicht. Fünfzehn Jahre volle Klatsche, mit oder ohne Organ, das hat ihren Körper überhaupt nicht interessiert. Von ihr stammt auch der Satz, an dem ich mich seitdem festbeiße. In „Menopause" steckt das Wort Pause. Eine Pause ist definitionsgemäß etwas, das endet. Also sitzen wir alle da und warten insgeheim, ob das Ganze irgendwann wieder losgeht. Lustverlust in den Wechseljahren: wofür es kein Wort gibt Früher konnte ich mich am Zyklus orientieren. Es gab Tage, an denen ziemlich zuverlässig Lust da war, und Tage, an denen keine da war. Das lief im Kreis, und darauf war Verlass. Inzwischen ist das weg. Es gibt Phasen, da fasse ich meinen Partner tagelang nicht an und vergesse abends sogar den Gute-Nacht-Kuss. Dann kommt irgendwann die Frage: Hast du mich vergessen? Und erst danach fällt mir auf, dass zehn oder elf Tage vergangen sind. Dann wiederum gibt es Tage, an denen alles da ist, manchmal drei Tage am Stück, manchmal nur einen halben. Für dieses Hin und Her hat sich niemand ein Wort ausgedacht. Und komm mir jetzt bitte nicht mit Libidoverlust. Libido heißt Lust, das ist also kein eigenes Wort, sondern dasselbe Wort auf Latein. Der Lustverlust in den Wechseljahren taucht in keinem Begriff auf, den ich kenne, weder in dieser Phase noch in irgendeiner anderen. Für jeden Mist hat sich irgendwer eine Bezeichnung überlegt. Ausgerechnet dafür nicht. Dabei wäre so eine Bezeichnung praktisch. Sie wäre etwas Konkretes, um das man sich kümmern könnte. Man könnte sagen: Hier fehlt uns was, da ändere ich jetzt etwas. So bleibt nur ein Achselzucken und der Hinweis, dass das eben dazugehört. Damit sollen wir uns dann zufriedengeben. In der letzten Folge ging es darum, dass ich meine eigenen Wörter suche. Diesmal geht es um die Wörter, die es überhaupt nicht gibt. Und darum, dass mich das wütender macht, als ich erwartet hätte. Wenn du das kennst: Abonniere Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify. Dann ist die nächste Folge einfach da, ohne dass du dran denken musst. Link in Bio und im ersten Kommentar.
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Ich war mal die Lauteste am Tisch
Offen über Sex reden — Shownotes Episode 009 Ich habe letzte Woche drei Sprachnachrichten an meine beste Freundin aufgenommen und alle drei wieder gelöscht. Zwei Fragen wollte ich ihr stellen: ob ihr Zyklus auch macht, was er will. Und ob sie überhaupt noch Lust hat. Am Ende habe ich ein Herz zurückgeschickt. In dieser Folge geht es darum, warum ich offen über Sex reden konnte, als ich Mitte dreißig war, und warum ich es heute nicht mehr tue. Vor zehn Jahren war ich die, zu der auf jeder Feier die Leute gekommen sind. Einzeln, meistens spät am Abend, immer mit derselben halben Entschuldigung im Gesicht. Der eine am Grill, die andere am Getränketisch, eine auf der Treppe, die eigentlich nur zur Toilette wollte und dann zwanzig Minuten stehen geblieben ist. Ich war keine Fachfrau. Ich war die, die nicht rot geworden ist. Das war der ganze Unterschied. Aufgehört hat sie damit nicht an einem bestimmten Tag. Es gab keinen Knall und keine Szene, die sich zu erzählen lohnt. Es gab Gründe — manche einfach, manche saßen tief, manche waren selbst erfunden. Und dann ist sie der Sache einfach nicht mehr nachgegangen. Irgendwann war sie die, die am Tisch mitlacht und nichts mehr sagt. Genau diese Frau sitzt heute mit einem Mikrofon da und redet über Lust. In Umschreibungen. Mit halb geschlossener Tür. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Diese Folge erzählt von einer Frau, die ihre eigene Offenheit verloren hat, ohne es zu merken. Nicht an einem Tag und nicht wegen eines Dramas, sondern Wort für Wort. Aus Selbstbefriedigung wird „ich habe mich um mich gekümmert". Aus Vulva wird „da unten". Aus dem Vibrator wird „das Ding in der Schublade". Jede dieser Umschreibungen fühlt sich im Moment höflich an und macht die Sache trotzdem größer, nicht kleiner. Dazu kommt die Perimenopause: heftigere Stimmungsschwankungen, ein deutlich kürzerer Geduldsfaden — und die überraschende Nebenwirkung, dass die Kapazität für vorsichtige Rücksicht einfach aufgebraucht ist. In der Folge geht es außerdem um ein Gespräch beim Zähneputzen, das leichter war als drei gelöschte Sprachnachrichten, und um einen Abend im Wohnzimmer ein paar Tage später. Peinlichkeit ist ansteckend — Gelassenheit auch. Wer am Tisch das Wort Klitoris sagt wie das Wort Nudelsalat, verändert damit den ganzen Tisch. Die anderen fangen nicht an zu witzeln. Sie fangen an zu fragen. Reden hat die Lust vergrößert. Nach den Abenden, an denen stundenlang über Sex geredet wurde, kam Susanne mit mehr Lust nach Hause. Nicht wegen einer bestimmten Person, sondern wegen der Offenheit selbst. Umschreiben macht die Scham größer. Jedes umgangene Wort ist die Botschaft an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für dich. Am Ende bleiben nur noch Andeutungen übrig. Die vermutete Ablehnung ist selten belegt. Susanne war jahrelang sicher, dass ihre Freundin über dieses Thema nicht reden will — ohne einen einzigen Beweis dafür. Gefragt hat sie nie. Ein kürzerer Geduldsfaden ist nicht dasselbe wie offen reden. Pampig werden geht von allein. Klar sagen, was man will, muss man üben. Es ist eine Folge über zehn verlorene Jahre und über den Punkt, an dem sie beschlossen hat, sich diese Frau zurückzuholen. Sie fängt damit hier an. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem eine Nachricht schon fertig aufgesprochen ist und der Daumen trotzdem auf „löschen" geht. Nicht weil die Frage falsch wäre. Sondern weil sie plötzlich zu groß aussieht für eine Freundschaft, die seit über zwanzig Jahren hält. Wie aus einer lauten Frau eine leise wurde Mitte dreißig hat Susanne angefangen, offen über Sex zu reden. Nicht als Projekt und nicht als Haltung, sondern weil sie irgendwann aufgehört hat, um die Wörter herumzulaufen. Die Wirkung kam sofort. Auf Feiern kamen die Leute einzeln zu ihr, oft erst nach dem Nachtisch, oft Menschen, die sie gar nicht kannte. Männer genauso wie Frauen — und die Männer hatten deutlich mehr Fragen, als man ihnen normalerweise zutraut. Und dann verschwand das wieder. Langsam, unspektakulär, ohne dass jemand etwas gesagt hätte. Was die Perimenopause damit zu tun hat Die Stimmungsschwankungen sind heftiger geworden. Öfter, deutlicher, und man sieht sie ihr inzwischen an. Das nervt. Gleichzeitig ist der Geduldsfaden kürzer geworden — und zwar nicht nur an der Supermarktkasse. Er ist auch kürzer geworden für Rücksicht. Für das vorsichtige Formulieren, damit sich außer ihr selbst niemand unwohl fühlt. Das war früher Höflichkeit. Heute ist es einfach zu anstrengend. Diese Nebenwirkung wird selten erwähnt, wenn über Wechseljahre gesprochen wird. Sie ist unbequem und sie ist ziemlich brauchbar. Warum Umschreibungen die Scham vergrößern „Ich habe mich um mich gekümmert." Das klingt nach Yogamatte und Kamillentee. Gemeint ist Selbstbefriedigung. Jedes Mal, wenn ein Wort umgangen wird, steckt darin dieselbe Nachricht an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für dich, nimm lieber das kleinere. Beim nächsten Mal wird wieder das kleinere genommen. Irgendwann sind gar keine Wörter mehr da, sondern nur noch Andeutungen — und die Sache, um die es geht, wirkt größer und schwieriger, als sie ist. Zwischen Freundinnen führt das zu einer stillen Verabredung, die keine je getroffen hat. Die eine sagt nicht, wie sie es macht. Die andere sagt es auch nicht. Beide gehen nach Hause und halten sich für die Komische. Ein Satz beim Zähneputzen In dieser Folge erzählt Susanne von dem Moment, in dem sie ihrem Partner gesagt hat, dass sie sich selbst befriedigt hat. Nicht angedeutet, nicht als Witz verpackt, aus dem man sich zurückziehen kann, wenn das Gegenüber komisch guckt. Davor stand derselbe Gedanke wie immer: Ich nehme ihm damit etwas weg. Danach kam ein kurzes „schade" und dann der Satz, um den es eigentlich geht: Toll, dass du dich um dich kümmerst. Und dann ist nichts passiert. Keine Krise, keine Aussprache, kein Abend mit Wein und ernsten Gesichtern. Am selben Abend ein blöder Witz und ein Lachen. Die Sache war genau um den Anteil kleiner geworden, den vorher die Angst ausgemacht hat. Für wen diese Folge ist Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die ihre Freundinnen alles fragen können — außer das eine. Die nachts googeln und tagsüber ein Herz zurückschicken. Und für alle, die gemerkt haben, dass sie über ihre eigene Lust inzwischen so reden, als wäre sie ein medizinisches Thema. Es ist möglich, sich das zurückzuholen. Diese Folge zeigt den Anfang davon, nicht das Ergebnis. Wenn dir beim Hören eine Freundin eingefallen ist, der es genauso geht: Schick ihr die Folge. Das ist manchmal der einfachere Weg, ein Gespräch anzufangen, als selbst den ersten Satz zu sagen. Link in Bio und im ersten Kommentar.
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Die Nachttischschublade
Scham bei der Selbstbefriedigung — Shownotes Episode 008 In meiner Nachttischschublade stehen Bücher. Dahinter lag mein Vibrator. Dreißig Jahre lang, immer am selben Platz. In dieser Folge erzähle ich, wie Scham bei der Selbstbefriedigung bei mir aussah: nicht dramatisch, sondern ordentlich. Ein Ritual aus Verstecken, Zurücklegen und Geraderücken — sogar dann, wenn ich allein zu Hause war. Es geht um die Jahre dahinter. Um die Methode, die ich als Mädchen entdeckt und nie verändert habe. Um den Delfin-Vibrator, der nur naja war und trotzdem jahrelang blieb. Um Nächte neben einem schlafenden Mann, in denen ich leise sein musste und schnell — und danach befriedigt war und allein zugleich. Und es geht um einen Nachmittag vor ein paar Wochen, an dem ich den Vibrator vor die Bücher gelegt habe. Zwei Zentimeter. Mehr war das nicht. Das Verrückte an dieser Geschichte: Es hat mir nie jemand verboten. Es gab keinen Satz, keine Strafe, keine Szene. Das Schweigen hat gereicht. Bei uns zu Hause gab es für alles unterhalb vom Bauchnabel keine Sprache, und mit Freundinnen habe ich über Jungs geredet, über Sex — aber über Selbstbefriedigung kein einziges Mal. Nicht mit sechzehn, nicht mit dreißig, nicht letzte Woche. Ich habe das Verstecken nicht gelernt. Ich habe es geerbt. Und weil ich es versteckt habe, habe ich nie daran gearbeitet. Mit der Hand allein hat es bei mir nie funktioniert, und statt zu denken, mein Körper braucht andere Wege, habe ich gedacht, mit mir stimmt was nicht. Erst mit der offenen Schublade habe ich verstanden, wie diese beiden Dinge zusammenhängen. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Ich habe mich mein Leben lang selbst befriedigt — und gleichzeitig so getan, als gäbe es das nicht. Kein Verbot, keine Strafe, nur Schweigen. Genau daraus entsteht Scham. In dieser Folge nehme ich die Nachttischschublade auseinander: warum die Bücher davor eine Kulisse waren, warum das Verstecken die Scham nicht abgebildet, sondern gefüttert hat, und warum ich meine Selbstbefriedigung deshalb nie weiterentwickelt habe. Bis zu dem Nachmittag, an dem ich die Kulisse durchschaut habe. Seitdem liegt das Ding vorne. Und ich lasse mir zum ersten Mal seit Jahrzehnten Zeit dabei. Das Versteck erzieht das Gefühl — jedes Zurücklegen hinter die Bücher war eine Unterschrift unter denselben Satz: Das hier ist nicht in Ordnung. Scham braucht kein Verbot — es reicht, wenn etwas nirgendwo vorkommt. Nicht zu Hause, nicht unter Freundinnen, in keinem einzigen Gespräch. Was versteckt wird, wird nicht weiterentwickelt — deshalb die Methode aus Mädchentagen, deshalb der Delfin, der blieb, obwohl er nicht reichte. Die Scham wächst mit dem Alter — eine deutsche Befragung zeigt: Bei Frauen zwischen sechzig und siebzig verweigert fast ein Drittel schon die Antwort auf die Frage. Zwei Zentimeter ändern die Richtung — der Vibrator liegt jetzt vorne. Die Scham hat ihren festen Arbeitsplatz verloren. Die Folge erzählt zwei Szenen, die sich spiegeln: die Jahre hinter den Büchern — und den einen Nachmittag davor. Dazwischen liegt alles, was Scham mit Lust macht, wenn niemand hinguckt. Auch ich selbst nicht. Fertig bin ich damit nicht. Aber ich verstecke nichts mehr vor Leuten, die nie danach gesucht haben — mich selbst eingeschlossen. Shownotes und Episodendetails Es gibt Themen, die haben nicht mal ein Schweigen. Die kommen einfach nicht vor. Selbstbefriedigung war für mich jahrzehntelang so ein Thema. Ich habe es getan — und gleichzeitig dafür gesorgt, dass es nirgendwo existiert. Nicht in Gesprächen, nicht in meiner Schublade, nicht mal in meinem eigenen Kopf. Die Jahre hinter den Büchern Ich habe mich befriedigt, seit ich ein Mädchen war. Die Methode von damals ist im Kern die Methode geblieben. Dieselben Handgriffe, derselbe Ablauf — während sich sonst alles an mir verändert hat. In der Folge erzähle ich von den Nächten neben einem schlafenden Mann. Vom Leisesein, vom flachen Atmen, vom Vibrator, der nicht gegen die Matratze brummen darf. Vom Weg ins Bad, Tür zu, schnell, Hände waschen, zurück ins Bett. Es hat sich verboten angefühlt. Im eigenen Bett, neben dem eigenen Partner. Und ich erzähle, was das Beeilen aus der Sache gemacht hat: etwas Funktionales. Schnell hin, schnell fertig, schnell zurück. Ich habe jahrzehntelang eine Sparversion von etwas bekommen, das groß sein kann. Und ich dachte, die Sparversion ist das Produkt. Der Nachmittag mit der Schublade Dann dieser eine Nachmittag beim Aufräumen. Ich habe auf die Bücher geguckt und gemerkt: Ich habe keins davon je gelesen. Ich hatte sie damals ausgesucht, weil sie unverdächtig waren. Das waren keine Bücher. Das war eine Kulisse. Ich habe kurz überlegt, die Schublade komplett leer zu räumen. Habe ich nicht gemacht — das wäre mir zu groß gewesen. Ich wollte nur, dass er nicht mehr hinten liegt. Also: rausgenommen, vor die Bücher gelegt, Schublade zu. Und dann gewartet, dass sich schlechtes Gewissen meldet. Kam nichts. Was sich verändert hat, kam später und in kleinen Dosen. Ich sehe das Ding jetzt jedes Mal, wenn ich die Schublade aufmache. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mir Zeit lasse. Dass ich beim ersten Mal ohne Zeitdruck trotzdem gesprintet bin — aus reiner Gewohnheit — und mittendrin aufgehört habe. Fast gelacht. Nochmal von vorne, langsam diesmal. Ein Körper von heute, eine Methode von damals Mein Körper baut sich gerade um. Perimenopause, mittendrin. Und ich habe diesen Körper von heute jahrzehntelang mit dem Programm eines Mädchens bedient, das mal zufällig etwas entdeckt hat und nie wieder nachgucken durfte. Dabei ist Selbstbefriedigung der einzige Ort, an dem ich niemandem etwas erklären muss. Da liegt keiner daneben, der etwas erwartet. Da kann ich rausfinden, was dieser Körper heute mag. In Ruhe, ohne Publikum. Solange das Ding hinten lag, war es ein Notbehelf. Seit es vorne liegt, ist es meins. In der Folge steckt auch eine Zahl, die mich beschäftigt hat: In einer deutschen Befragung wollten fast dreißig Prozent der Frauen zwischen sechzig und siebzig die Frage nach Selbstbefriedigung gar nicht beantworten. Die Scham wird mit dem Alter nicht kleiner. Sie wird größer — genau andersrum, als es logisch wäre. Je mehr Leben eine Frau hinter sich hat, desto tiefer liegt das Ding in der Schublade. Saftig erscheint gerade jeden Morgen um sechs. Wenn du keine Folge verpassen willst: Abonniere Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify — dann liegt die nächste Folge morgen früh automatisch vorne.
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Das Flämmchen
Lust wieder spüren — warum ich nackt durch den Flur gelaufen bin Ich dachte lange, meine Lust kommt irgendwann von allein zurück. Groß, laut und eindeutig, so wie früher. Stattdessen habe ich etwas anderes gelernt: Lust wieder spüren fängt bei mir viel kleiner an. Mit einem leisen Ziehen nach dem Duschen. An einem Dienstag um drei. In dieser Folge erzähle ich von genau diesem Dienstag. Von der Hand auf meinem Bauch. Von einem Handtuch auf dem Boden. Und von einem Wasserglas, das ich nie getrunken habe — denn das Glas war nur mein Alibi. Falls die Lust unterwegs verschwindet, war ich offiziell nur durstig. So weit war es mit mir gekommen: Ich hatte einen Rückzugsplan für meine eigene Lust. Worum es in dieser Folge geht Das Flämmchen: warum meine Lust heute kurz auflodert, statt einfach zu brennen wie früher Der Automat in mir: wie Gewohnheit über meinen Nachmittag entscheidet, ohne mich zu fragen Warum die Mail gegen den Sex gewinnt — und was das mit Drohen zu tun hat Pflegen oder drübertrampeln: die Entscheidung, die ich jahrelang nicht als Entscheidung erkannt habe Der Unterschied zwischen Verwaltung und bewusstem Berühren Lust wieder spüren beginnt mit Hinschauen Meine härteste Lektion war nicht, wie ich mir die Lust zurückhole. Sondern, wie ich aufhöre, sie zu übersehen. Denn sie war oft da. Sie hat kurz gelodert, und ich habe gedacht: gleich. Danach war sie weg. Ein Flämmchen kann nämlich nicht warten. Das ist keine Bosheit, das ist seine Natur. Deshalb geht es in dieser Folge um die zwei Sekunden zwischen dem Ziehen und dem, was ich damit mache. Früher hätte der Alltag gewonnen. Anziehen, föhnen, Mail, weiter im Programm. An diesem Dienstag lief es zum ersten Mal anders. Und ja — es hat sich gelohnt. Die Momente, die ich übersehen habe Wie das Übersehen aussieht, beschreibe ich in der Folge ziemlich genau. Abends auf dem Sofa meldet sich etwas, und ich denke: schön, nachher im Bett. Im Bett bin ich dann eingeschlafen. Oder es funkelt kurz, und gleichzeitig fällt mir ein, dass ich noch tanken muss. Tanken! Gegen eine Tankstelle hatte das Flämmchen keine Chance. Genau dafür gibt es keine Strichliste. Ich kann nicht wissen, wie viele solcher Momente ich verpasst habe. Aber ich kann ab jetzt anders hinschauen. Darum geht es hier: nicht um eine neue Technik, sondern um Aufmerksamkeit. Meine Lust braucht meine Aufmerksamkeit. Nicht seine. Meine. Das hat mir mit Mitte vierzig niemand mehr sagen müssen — ich habe es an einem einzigen Nachmittag verstanden. Für wen diese Folge ist Für dich, wenn deine Lust leiser geworden ist und du dich fragst, ob sie überhaupt noch da ist. Für dich, wenn du das Gefühl von früher vermisst — dieses Feuer, das einfach da war und brannte, ohne dass du etwas dafür tun musstest. Außerdem für dich, wenn bei dir auch immer irgendwas Dringendes dazwischenkommt. In der letzten Folge habe ich erzählt, dass meine Lust meistens einen Anlass braucht. Diesmal erzähle ich vom Gegenteil: von dem seltenen Moment, in dem sie von allein anklopft. Und davon, was passiert, wenn ich ihr endlich aufmache. Ein Dienstag, ein Handtuch, ein Wasserglas Die Geschichte beginnt unspektakulär. Ich hatte geduscht, weil morgens keine Zeit war. Dann stand ich im Bad, habe kurz die Hand auf meinen Bauch gelegt, und da war dieses Ziehen. Nicht dramatisch. Eher wie jemand, der vorsichtig anklopft und schon halb wieder gehen will. Ich habe gedacht: Na guck. Du lebst ja noch. Und dann kam der Moment, um den sich die ganze Folge dreht. Der Automat in mir griff schon nach der Unterwäsche. Der Automat ist der Teil von mir, der Tage abwickelt — er funktioniert komplett ohne mich. Aber diesmal bin ich mitten in der Bewegung stehen geblieben. Hand in der Luft. Warum eigentlich nicht jetzt? Wer hat festgelegt, dass Dienstag um drei nicht zählt? Ich habe auf eine Antwort gewartet. Es kam keine. Da war nur Gewohnheit, und Gewohnheit ist kein Argument. Acht Meter Flur, zwei Stimmen im Kopf Also bin ich nackt losgelaufen, mit einem leeren Glas als Sicherheitsnetz. Auf dem Weg liefen zwei Stimmen parallel. Die eine fand das albern. Die andere sagte nur: weitergehen. Irgendwo auf diesen acht Metern ist das Alberne gekippt und wurde großartig. Ich habe mich gefühlt wie eine, die was vorhat. Das hatte ich lange nicht. Was danach kam, erzähle ich in der Folge nicht komplett. Aber so viel: Mein Körper hat sofort mitgemacht. Ohne Anlauf, ohne banges Warten. Mittendrin dachte ich: Das gibt es also noch. Nicht als Erinnerung, sondern als Gegenwart. Warum die Mail sonst immer gewinnt Hinterher saß ich auf dem Sofa und habe verstanden, warum ich solche Momente jahrelang übersehen habe. Der Alltag droht nämlich. Die Mail wird dringender, je länger sie liegt. Der Termin platzt. Das Flämmchen dagegen droht nicht. Wenn ich es übergehe, passiert nichts — kein Vorwurf, keine Mahnung. Es geht einfach. Deshalb verliert es jeden Vergleich mit allem, was laut ist. Eine Mail gewinnt gegen Sex. Wenn mir das jemand über mein Leben erzählt hätte, hätte ich gelacht. Es war trotzdem jahrelang mein Leben. In der Folge nenne ich mich selbst die Spät-Aufgeklärte. Denn niemand hat mir je gesagt, dass Lust wieder spüren mit Aufmerksamkeit anfängt. Ich dachte, Lust ist da oder nicht. Kommt oder kommt nicht. Ich war Passagierin. Dabei gab es die ganze Zeit diese Entscheidung: Pflege ich das gerade — oder trete ich drüber? Ich habe sie jahrelang getroffen, ohne zu merken, dass ich sie treffe. Immer in dieselbe Richtung. Inzwischen weiß ich: Meine Lust wurde nicht lauter, sie wurde leiser. Das ist keine Fehlfunktion. Das bin ich jetzt. Seit ich hingucke, ist öfter etwas da, als ich jahrelang geglaubt habe. Nicht verlässlich und nicht planbar. Aber öfter. Und jedes Mal, wenn ich hinschaue statt drüberzutrampeln, kann ich meine Lust wieder spüren. Kleiner als früher, ja. Aber echt. Hör rein — und schick die Folge weiter Wenn du gerade erst einsteigst: Fang mit Folge 2 an, danach weißt du, ob wir uns kennen. Und wenn du eine Freundin hast, bei der auch ständig die Mail gewinnt — schick ihr diese Folge. Vielleicht ist das genau ihr Dienstag um drei.
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Warum sich seine Hand falsch anfühlt
Responsive Desire — Shownotes Episode 006 Responsive Desire — dieses Wort hätte Susanne ein paar Jahre früher gebrauchen können. Damals lag sie nachts wach und hat gerechnet: wann es das letzte Mal richtig war, wie oft falsch, ob das mehr wird. In dieser Folge erzählt sie, wie sie das Wort gefunden hat. Nicht in einer Arztpraxis, sondern in ihrem eigenen Bett, zwischen zwei Momenten mit ein und derselben Hand. Die Hand gehört ihrem Partner. Sie hat sich in fünf Jahren nicht verändert. Dieselben Finger, dieselbe Bewegung. Trotzdem fühlt sie sich an manchen Tagen richtig an und an anderen falsch. Susanne hat lange an ihm gesucht, dann an sich. Beides war die falsche Adresse. Zwischen seiner Hand und ihrer Haut sitzt noch etwas Drittes — und dieses Dritte hat die Regeln geändert, ohne Bescheid zu sagen. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Susanne erzählt zwei Momente. Ein Morgen, an dem ein Funken da ist — und sie trotzdem aussteigt, weil der Tag zu voll ist. Und ein Abend, an dem sie ihren Partner erst wegschickt und ihn zwei Stunden später selbst ins Bett holt. Dazwischen liegt eine Fortsetzungsgeschichte auf Instagram. Mit Werwölfen, ja. Susanne hat auch gelacht, ungefähr zwei Kapitel lang. Was diese Geschichten bei ihr auslösen, hat nichts mit Muskelbergen zu tun. In den Geschichten muss die Frau nichts tun. Nicht anfangen, nicht erklären, nicht den richtigen Moment abpassen. Da kümmert sich jemand zu hundert Prozent darum, dass sie ihre Lust bekommt. Genau an diesen Stellen hakt es bei Susanne im echten Leben: Anfangen ist Arbeit geworden, Annehmen auch. Die Geschichte schleust die Lust an beiden Baustellen vorbei — durch einen Eingang, von dem sie nicht wusste, dass es ihn gibt. Die Hand ist nie das Problem — ob sich eine Berührung richtig oder falsch anfühlt, entscheidet sich im Kopf, bevor die Hand überhaupt losgeht. Responsive Desire hat einen Namen — Lust, die nicht von selbst losläuft, sondern antwortet. Auf Nähe, auf Kontext, auf eine Geschichte. Die allermeisten Frauen funktionieren so, in langen Beziehungen werden es eher mehr. Kippen ist eine Entscheidung — selbst mit Anlass passiert bei Susanne nichts automatisch. Sie muss sich bewusst dafür entscheiden, alles andere loszulassen. Sonst gewinnt der Dienstag. Das Kaputt-Gefühl bremst mit — wer sich beim Streicheln fragt, warum sie nichts fühlt, fühlt garantiert nichts. Dieser Kreis hat Susanne Jahre gekostet. Am Ende bleibt Susanne ehrlich: Es funktioniert nicht immer. Es gibt Abende, an denen sie alles richtig macht und ihr Körper trotzdem still bleibt. Solche Abende lässt sie stehen, weil sie dazugehören. Aber aus dem Urteil „kaputt" ist ein Datum geworden — heute nicht. Mit einem Urteil kann man nichts machen. Ein Datum geht vorbei. Und ihre Lust? Die ist nicht weg. Sie ist umgezogen. Sie wohnt nicht mehr da, wo sie früher einfach aufgemacht hat, wenn er geklingelt hat. Sie hat einen anderen Eingang, weiter hinten, ohne Schild dran. Susanne hat Jahre gebraucht, um den überhaupt zu suchen. Aber es gibt ihn. Und seit sie das weiß, klingt dieselbe Klingel wieder anders. Shownotes und Episodendetails Vielleicht kennst du das: Er meint es lieb, die Berührung ist vertraut, und trotzdem zieht sich alles in dir zusammen. Nicht vor ihm. Vor dem Zeitpunkt. Diese Folge erklärt, warum das kein Beweis für irgendeinen Defekt ist. Der Morgen, an dem der Funken verliert Susanne liegt im Bett und liest. Ihr Partner wird wach, kuschelt sich an, seine Hand wandert. Und da ist tatsächlich etwas — ein Funken, ganz klar. Ihr Körper hätte Interesse. Gewonnen hat trotzdem der Kalender. Termine, Fahrerei, der volle Tag. Susanne windet sich freundlich aus seinen Händen und beantwortet beim Zähneputzen im Kopf schon die erste Mail. Gesagt hat sie nichts. Was auch — dass ein Funken da war und der Dienstag wichtiger? Das Bittere daran: Genau in dem Moment, in dem sie innerlich aufsteht, kippt seine Hand von richtig zu falsch. Die Hand streichelt eine Frau, die im Kopf längst im Flur steht. Der Abend, an dem sie ihn holt Wenige Tage später schickt sie ihn erst weg — sie will ihre Ruhe, sie will lesen. Dann baut die Geschichte auf dem Handy Spannung auf, Kapitel für Kapitel. Der Kopf kippt zuerst. Dann schießt der Gedanke in den Körper. Ihr Unterleib antwortet auf einen Text, auf Buchstaben, während der Mann nebenan im Wohnzimmer sitzt. Also ruft sie ihn. Und legt sich nackt auf ihn, damit keine Frage offenbleibt. Dieselbe Hand wie am Morgen, dieselbe Bewegung — diesmal fühlt sich alles daran richtig an. Gaspedal, Bremse und der Dienstag In der Erkenntnis nimmt Susanne ein Bild auseinander, das sie seitdem nicht mehr loslässt: Lust hat ein Gaspedal und eine Bremse. Das Gaspedal reagiert auf alles, was der Kopf als sexy einstuft. Die Bremse reagiert auf Stress, auf Listen, auf den Alltag. Das Problem ist fast nie das Gaspedal. Das Problem ist der Fuß auf der Bremse. Am Morgen standen dort die Termine. Am Abend hatte die Geschichte die Bremse längst gelöst, bevor er das Zimmer betrat. Dazu gehört eine Zahl, die vieles geraderückt: Nur ein kleiner Teil der Frauen bekommt Lust wirklich aus dem Nichts. Die allermeisten brauchen einen Anlass und den richtigen Kontext — und in langen Beziehungen werden es eher mehr. Was sich wie ein Defekt anfühlt, ist der Normalfall. Es hat Susanne nur nie eine gesagt. Ob das auf Dauer trägt, weiß Susanne nicht. Eine Fantasie ist kein Schalter, den man jeden Abend drücken kann — sie vermutet, dass Abnutzung dazugehört, und probiert weiter aus. Für wen diese Folge ist Für jede Frau ab 35, ab 40, ab 45, die neben einer vertrauten Hand liegt und nachts ausrechnet, was mit ihr nicht stimmt. Die gelernt hat, dass echte Lust von allein kommen muss, und deren Lust das nicht mehr tut. Die an der Technik ihres Partners gesucht hat, am Timing, an sich selbst — und die Antwort eine Etage höher nie vermutet hätte. Nach dieser Folge hat das Ganze einen Namen. Und einen anderen Eingang. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonniere Saftig. in deiner Podcast-App. Die nächste Folge kommt von allein, und du musst nicht dran denken. Saftig. Endlich sagt es eine.
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Mein Periodentracker spinnt
Zyklus unregelmäßig — Shownotes Episode 5 Plötzlich ist der Zyklus unregelmäßig — und die App, die jahrelang alles auf zwei Tage genau wusste, schreibt nur noch: Deine Periode kommt voraussichtlich innerhalb der nächsten drei Wochen. Danke, sehr hilfreich. In dieser Folge erzählt Susanne die Geschichte von sich und ihrem Periodentracker. Es ist eine Beziehungsgeschichte. Die beiden hatten gute Jahre. Dann kam die Perimenopause dazwischen. Susanne mochte ihren berechenbaren Körper. Ein Zyklus wie ein Uhrwerk, eine App, die das schriftlich bestätigt, fruchtbare Tage mit Ansage. Sie hat morgens draufgeguckt und wusste, woran sie ist. Das war keine Kontrolle, das war Alltag — so selbstverständlich wie eine Uhr, die richtig geht. Bis der Tracker mit 44, 45 anfing, sich seltsam zu verhalten. Erst Kleinigkeiten, dann Ansagen wie "in drei Wochen oder in sieben, beides möglich". Susanne hat der App trotzdem weiter geglaubt, so wie man jemandem glaubt, der sich nie geirrt hat. Bis irgendwann die ganze Familie lachend durch die App scrollt — und für die kommenden Monate nur noch einen einzigen Eintrag findet: Periode möglich. Kein Datum, keine Prognose. Eine App, die aufgibt und in den Konjunktiv wechselt. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Diese Folge nimmt ein kleines Alltagsding — eine App-Nachricht — und packt damit ein großes Thema aus: den Moment, in dem der eigene Körper aufhört, sich an Pläne zu halten. Susanne erzählt, wie aus ihrer Zyklus-Vorhersage ein Tagebuch wurde, warum die Laune ohne Absender anstrengender ist als die Laune selbst, und wieso der Tracker gar nicht kaputt ist. Er rechnet nur mit einem Zyklus, den es so nicht mehr gibt. Wenn der Zyklus unregelmäßig wird, ist das kein Defekt der App und keiner der Frau. In der Perimenopause ist das Chaos der normale Ablauf — es fängt nur so unscheinbar an, dass der Körper längst umgezogen ist, während man noch an die alte Adresse schreibt. Der Tracker spinnt nicht, der Zyklus spinnt — Zyklus-Apps sind auf Körper gebaut, die sich wiederholen. In der Perimenopause werden die Zyklen erst kürzer, dann länger, dann unberechenbar. Die App macht ihren Job. Der Job ist nur weg. Die Laune verliert ihren Absender — Stimmungsschwankungen gab es immer, aber früher hatten sie ein Datum. Wenn niemand mehr weiß, wann die Tage vor den Tagen sind, steht die miese Laune einfach so im Zimmer. Ohne Beipackzettel. Kontrolle war Gewohnheit mit gutem Ruf — Susanne hat nicht die Kontrolle über ihren Körper verloren. Sie hatte sie nie. Sie hatte einen Körper, der zufällig regelmäßig war, und eine App, die das aufgeschrieben hat. Das eingebaute Signal funktioniert noch — Lust am Tag vor der Periode war für Susanne immer verlässlicher als jede App. Dieses Signal gibt es weiterhin. Sie liest es nur manchmal einen Tag zu spät — und auch dann lohnt es sich noch, ihm nachzugehen. Susanne hat keinen neuen Plan für ihren Körper. Sie hat eine App, mit der sie jetzt gemeinsam rät, einen Kalender, in dem sie die Einzige ist, die noch pünktlich kommt, und einen trockenen Satz für alles, was gerade gilt: Voraussichtlich wird das schon irgendwie. Rund vierzehn Minuten zum Wiedererkennen, Lachen und Aufatmen — für jede, deren Körper gerade improvisiert. Shownotes und Episodendetails Vielleicht kennst du diesen Moment: Du öffnest deine Zyklus-App, und statt eines Datums steht da ein Zeitfenster. Drei Wochen. Und irgendwas in dir weiß sofort — das ist nicht die App. Das bist du. Von der Vorhersage zum Tagebuch Susanne erzählt in dieser Folge, wie sie ihrer App die Daumen gedrückt hat. Jedes Mal, wenn eine neue Schätzung kam, dieser kleine Gedanke: Vielleicht diesmal. Vielleicht hat sie sich wieder gefangen. Hat sie nicht. Also hat Susanne umgestellt. Sie trägt weiter ein — aber rückwärts statt vorwärts. Was passiert ist, nicht mehr, was kommen soll. Löschen konnte sie die App trotzdem nicht. Da stecken Jahre drin. Es ist die einzige Stelle, an der ihr Körper lückenlos aufgeschrieben ist. Und wenn schon niemand mehr weiß, was als Nächstes kommt, will sie wenigstens wissen, was gewesen ist. Bist du das oder sind das deine Hormone? Die Periode kommt, wann sie will. Manchmal nach drei Wochen, manchmal nach sechs, manchmal nur kurz grüßen. Und hinten dran hängt die Laune. Susanne beschreibt einen Tag, an dem ihr alles zu viel war, obwohl nichts passiert ist. Wirklich nichts, sie hat extra nachgedacht. Früher hätte der Kalender das erklärt: klar, in vier Tagen geht es los. Heute guckt sie in den Kalender, der Kalender guckt zurück, und keiner von beiden weiß was. Die Laune kommt trotzdem. Sie kündigt sich nur nicht mehr an. Die Frage, ob das echt ist oder hormonell, lässt sie offen. Beziehungsweise: Sie schreibt sie auf einen Zettel, legt den Zettel auf einen Stapel, und irgendwann fliegt der Stapel weg. Wer Susanne kennt, weiß, dass das ihre Art von Ordnung ist. Die gute Nachricht in dieser Folge Zwischen all dem Durcheinander steckt ein Lichtblick, und Susanne sagt ihn extra deutlich, weil man zu diesem Thema sonst fast nur düstere Geschichten hört. Ihr Körper hatte schon immer ein eigenes Signal, zuverlässiger als jede App: Lust am Tag vor der Periode. Immer. Wie ein Naturgesetz, lange bevor es Apps gab. Dieses Signal meldet sich weiterhin. Es hat nur seinen Fahrplan verloren — das ist nicht dasselbe wie verschwunden. Manchmal versteht sie die Nachricht erst einen Tag später, wenn die Periode schon da ist, aber noch nicht richtig in Schwung. Und dann hilft der Sex ungemein. Die Lust ist nicht weg. Sie ist mit dem Zyklus durcheinandergeraten. Das ist ein Unterschied, der Mut macht. Für wen diese Folge ist Für jede Frau ab 35, ab 40, ab 45, deren Zyklus gerade macht, was er will. Die von zwei Geräten gleichzeitig beobachtet wird — App und Uhr — und trotzdem als Einzige im Raum keine Antwort bekommt. Die nachts googelt, ob das normal ist, und tagsüber Witze darüber macht. Die ihren berechenbaren Körper vermisst und trotzdem lachen kann, wenn die App aufgibt. Du wirst dich wiedererkennen. Vielleicht scrollst du danach selbst mal vorwärts, einfach um zu sehen, was deine App noch glaubt. Und du wirst ein bisschen freundlicher auf sie gucken. Kennst du eine Freundin, deren Tracker auch nur noch rät? Schick ihr diese Folge. Manchmal ist das der einfachste Weg zu sagen: Bei mir ist es genauso.
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Stell dich nicht so an
In den Wechseljahren nicht ernst genommen — Shownotes Episode 004 Es gibt diesen einen Satz, den fast jede Frau kennt: Stell dich nicht so an. Susanne hat ihn oft gehört. Und irgendwann hat sie ihn selbst gesagt — zu sich. In dieser Folge erzählt sie von einem ganz gewöhnlichen Vorsorgetermin. Eine Woche vorher legt sie sich Sätze zurecht. Sie überlegt, wie sie es sagt, ohne dramatisch zu klingen. Dann sitzt sie da, spricht es aus — und bekommt eine freundliche, sachliche Antwort. Das ist völlig normal. Sie sind gesund. Danach ist das Gespräch vorbei. Wer sich schon einmal in den Wechseljahren nicht ernst genommen gefühlt hat, kennt genau diesen Moment. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Susanne erzählt von dem Tag, an dem sie zum ersten Mal über ihre nachlassende Lust gesprochen hat — und von dem Satz, der das Gespräch beendet hat, bevor es angefangen hatte. Sie erzählt aber vor allem von dem, was danach kam. Denn abends, zu Hause, kommt die Frage noch einmal hoch. Und diesmal ist niemand da, der abwiegelt. Diesmal macht sie es selbst. Genau da wird aus einem Satz von außen eine Stimme von innen. Es geht in dieser Folge deshalb nicht um eine Ärztin. Es geht darum, wie man lernt, sich selbst zu unterbrechen — und was diese Gewohnheit mit der eigenen Lust macht. Der Satz hat immer recht — es geht immer jemandem schlechter. Deshalb merkt man nicht, dass er einem etwas wegnimmt. Normal und in Ordnung sind zwei verschiedene Dinge — normal ist eine Statistik. Sie sagt etwas über viele Frauen aus, aber nichts über dich. Er beantwortet die Frage nicht, er beendet sie — und eine Frage, die lange genug nicht gestellt werden darf, wird nicht beantwortet. Sie wird leiser. Irgendwann braucht der Satz keinen Absender mehr — solange er von außen kommt, kann man widersprechen. Von innen widerspricht niemand. Die Lust ist nicht das Erste, was verschwindet — zuerst verschwindet die Frage danach. Und ohne Frage kommt auch keine Antwort zurück. Denn zwischen der Praxis und dem eigenen Wohnzimmer liegt oft nur ein halber Tag. Und in dieser Zeit passiert etwas, das kaum jemand beschreibt: Aus einer freundlichen Auskunft wird eine Erlaubnis, nicht weiterzufragen. Beruhigung fühlt sich fast an wie eine Antwort. Sie hält nur deutlich kürzer. Susanne erzählt außerdem, warum ihr dieser Satz so leicht gefallen ist. Sie hat ihn nämlich sehr früh gelernt: erst aufstehen, dann wird getröstet. In der Reihenfolge, nicht gleichzeitig. Wer das jahrzehntelang übt, unterdrückt seine Gefühle irgendwann nicht mehr — er überspringt sie. Und Überspringen merkt man nicht. Es geht dabei nicht um Vorwürfe. Weder an die Ärztin, die in zwölf Minuten wahrscheinlich ihr Bestes gegeben hat, noch an den Partner, der auch nicht weiß, was er sagen soll. Es geht um die Reihenfolge, in der wir gelernt haben, mit uns selbst umzugehen. Am Ende steht keine Auflösung, sondern ein einziger Moment: die Sekunde, in der sie merkt, dass sie sich gerade selbst abgeräumt hat. Und der Satz, den sie damals runtergeschluckt hat und der Wochen später einfach wiederkommt. Diese Folge ist für alle, die sich in den Wechseljahren nicht ernst genommen und einfach abgefertigt gefühlt haben. Und für alle, die abends zu Hause weitermachen, obwohl die Frage noch offen im Raum steht. Shownotes und Episodendetails Du kennst das vielleicht: Du legst dir tagelang zurecht, wie du etwas sagst. Und dann ist das Gespräch nach zwanzig Sekunden vorbei. Susanne beschreibt diesen Vorgang von innen. Nicht den Termin selbst, sondern alles drumherum. Die Woche davor, in der sie an der Lautstärke ihres eigenen Anliegens dreht. Den Gedanken im Wartezimmer, der ganz freundlich vorschlägt, einfach nichts zu sagen. Und den zweiten Satz, den sie sich zurechtgelegt hatte und dann trotzdem runtergeschluckt hat, weil noch acht Leute draußen saßen. Warum sich viele Frauen in den Wechseljahren nicht ernst genommen fühlen Die kurze Antwort: weil für diese Frage nirgends ein Platz vorgesehen ist. Es geht dabei um nachlassende Lust, um einen Körper, der nicht mehr antwortet, und um das Gefühl, sich selbst fremd zu werden. Das sind keine Beschwerden, die man in fünf Minuten abhandelt. Also landen sie da, wo gerade jemand steht. Und wer wenig Zeit hat, beruhigt — denn beruhigen geht schneller als zuhören. Das Ergebnis ist eine Auskunft, die stimmt und trotzdem nichts klärt. Normal heißt: viele andere haben das auch. Über dich selbst sagt das kein Wort. Susanne beschreibt in dieser Folge genau das Wort, das ihr auf dem Heimweg dazu eingefallen ist — abgefertigt. Nicht schlecht behandelt. Nicht unfreundlich. Abgefertigt. Wenn der Satz von außen nach innen wandert Der eigentliche Kern dieser Folge liegt aber nicht in der Praxis. Er liegt am Abend danach. Die Frage kommt noch einmal hoch, ganz kurz und ohne Drama. Und Susanne räumt sie selbst weg. Mit genau dem Satz, den sie an diesem Tag schon einmal gehört hat. Von da an braucht er keinen Absender mehr. Solange jemand anders abwiegelt, kann man sauer werden — und Ärger ist Energie. Wenn die Stimme aus dem eigenen Kopf kommt, fühlt sie sich einfach nur vernünftig an. Susanne erzählt auch, wo sie das gelernt hat. Erst aufstehen, dann wird getröstet. Ein Satz, den kein Kind je erklärt bekommt und trotzdem jedes versteht. Wer diese Reihenfolge lange genug übt, unterdrückt Gefühle irgendwann nicht mehr — er überspringt sie. Und da, wo etwas war, ist dann einfach nichts. Am Ende erzählt sie von dem Moment, in dem der Satz das erste Mal durchgefallen ist. Sie hat gelacht. Weil er ihr gerade verbieten wollte, über ihn zu reden. Und davon, dass der runtergeschluckte Satz Wochen später einfach wiederkam — und dass sie ihn diesmal zu Ende gesagt hat. Eine Antwort gab es trotzdem nicht. Aber ein Satz, der einmal draußen war, wiegt weniger als einer, den man ein Jahr mit sich rumträgt. Und genau da liegt die Verbindung zur Lust. Denn ein Satz wie dieser kann keine Lust wegnehmen, dafür ist er viel zu klein. Was er wegnimmt, ist die Frage danach. Wer über Jahre nicht mehr fragt, was der eigene Körper eigentlich will, bekommt irgendwann auch keine Antwort mehr — und hält das dann für Verlust. Diese Folge gehört zu Cluster III von Saftig. und handelt vom Schweigen — davon, wie es entsteht, wer es beibringt und warum es sich von innen wie Vernunft anfühlt. Sie dauert vierzehn Minuten und lässt sich gut beim Autofahren oder beim Spazierengehen hören. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonniere Saftig. bei Apple Podcasts, Spotify oder wo du sonst hörst. Dann verpasst du keine Folge — und musst nicht selbst dran denken.
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Mein Körper hat die Regeln geändert
Meinen Körper nicht kennen — Shownotes Episode 003 Es gibt einen Satz, den kaum eine Frau laut sagt: Ich kenne meinen Körper eigentlich gar nicht. Nicht so richtig. Nicht von innen. In dieser Folge erzählt Susanne, wie es passieren kann, dass man Jahrzehnte in einem Körper lebt und ihn trotzdem nicht kennt. Meinen Körper nicht kennen klingt nach einem Mangel an Interesse. Es hat aber meistens ganz andere Gründe. Sie fängt an einem Klettergerüst an. Sechs Jahre alt, ein warmes Gefühl, das einfach kommt. Sie erzählt es einer Freundin, und die guckt sie zwei Sekunden lang irritiert an. Aus diesen zwei Sekunden baut ein Kind eine Regel — und hält sich vierzig Jahre daran. Von da an lernt Susanne ihren Körper von außen kennen. Durch Bilder, durch Ärzte, durch Männer, durch alles, nur nicht durch sich selbst. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Susanne erzählt ihre Körpergeschichte der Reihe nach: der Handspiegel mit acht und die Neugier, für die es kein einziges Wort gab. Die Pornos, die zum Körperwissen wurden, weil nichts anderes da war. Der erste Freund mit siebzehn und die Frage danach, ob das jetzt gut war — ohne jemanden, den sie das fragen konnte. Der Partner, bei dem Vorspiel zweimal über die Schulter streicheln hieß. Die Geburt, nach der ihr Körper endgültig etwas war, mit dem andere Leute etwas machen. Und dann die Jahre, in denen alles gut ging, weil ein Körper, der mitläuft, keine Fragen stellt. Bis er anfängt, andere Regeln zu spielen. In der Perimenopause merkt Susanne: Das Schlimme ist nicht die Veränderung. Das Schlimme ist, dass ihr der Vergleichswert fehlt. Kein Vergleichswert — Wer nie hingefühlt hat, kann nicht sagen, was sich verschoben hat. Man merkt nur: irgendwas stimmt nicht. Und sucht sich sofort jemanden, der es erklärt. Wissen aus zweiter Hand — Alles, was Susanne über ihren Körper weiß, hat sie von jemand anderem. Sie hat die Übersetzung gelernt und nie die Sprache. Der Körper als Auto — Man guckt nicht rein, solange es fährt. Und wenn es Geräusche macht, fragt man jemanden, der sich auskennt. Nur ist der Körper der Einzige, der die Antwort wirklich hat. Der Satz ihrer Mutter — „Ich muss mich selber streicheln. Mich streichelt ja keiner mehr." Warum dieser Satz Susanne bis heute nicht loslässt — und warum er nicht wehtat, weil ihre Mutter krank war. Regeln von außen halten nur so lange — Solange der Körper mitspielt, braucht es keine eigene Verbindung zu ihm. Genau in dem Moment, wo er eigene Regeln macht, fällt einem das auf die Füße. Susanne fängt gerade erst an, die Sprache zu lernen, von der sie vorher nur die Übersetzung hatte. Sie ist auf Vokabelstand. Sie kann noch keine Sätze bilden. Aber sie merkt inzwischen den Unterschied zwischen einer Berührung, die ankommt, und einer, die nur passiert. Und genau da hängt für sie die Lust mit dran. Nicht als Ergebnis, sondern als Bedingung, die sie jahrzehntelang übersehen hat: Man kann nicht wollen, was man nicht fühlt. Man kann keine Lust auf einen Körper haben, den man nur vom Hörensagen kennt. An Stellen, die man nicht benennen kann. In einer Haut, die man nie selber angefasst hat. Wenn du in der Perimenopause das Gefühl hast, dein Körper sei dir fremd geworden, dann geht es in dieser Folge um genau diese Fremdheit — und darum, wo sie eigentlich anfängt. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem einem auffällt, dass man über das eigene Auto mehr weiß als über den eigenen Körper. Wann er zuletzt in der Werkstatt war. Was das Klackern bedeutet. Beim Körper: nichts. Da ist nur die Erinnerung an das, was andere darüber gesagt haben. Wie ein Körper zu einem Ding wird, mit dem andere etwas machen Susanne erzählt das nicht als Anklage. Sie erzählt es als Reihenfolge. Erst der Blick der Freundin am Klettergerüst. Dann der Handspiegel mit acht, hinter geschlossener Tür, und die Neugier, für die es kein Wort gab. Weil niemand darüber sprach, ging sie davon aus, dass man da nicht hinguckt. Und irgendwann guckte sie nicht mehr hin. Dann kamen die Bilder. Pornos, relativ früh, als einziges verfügbares Körperwissen. Menschen, die dafür bezahlt wurden, so auszusehen, als würden sie etwas fühlen. Für ein Mädchen ohne Vokabular ist das kein Vergnügen, das ist ein Lehrbuch. Dann die Partner. Der erste mit siebzehn, ohne Vorspiel, und danach die stille Frage: War das jetzt gut? Der nächste, bei dem Vorspiel zweimal über die Schulter streicheln hieß — und Susannes eigenes Vorspiel deshalb vorher stattfand. Allein. Im Bad. Damit überhaupt was ging. Gesagt hat sie das nie, und zwar nicht aus Angst vor seiner Reaktion, sondern weil sie auf die Nachfrage keine Antwort gehabt hätte. Sie hätte nicht sagen können, wo. Warum die Perimenopause die Rechnung aufmacht Und dann die Jahre, in denen alles funktionierte. Genau das ist der Punkt, den Susanne lange nicht verstanden hat: Ein Körper, der mitläuft, stellt keine Fragen. Man kommt damit durch. Jahrzehntelang. In der Perimenopause hört er auf mitzulaufen. Er spielt nach anderen Regeln und sagt vorher nicht Bescheid. Und in dem Moment fällt einem auf, dass man niemanden fragen kann. Eine Ärztin kann sagen, was normal ist. Sie kann nicht sagen, was normal ist für dich. Deshalb ist diese Folge auch die Vorgeschichte zu allem anderen: zur Lust, die nicht mehr kommt, zum Warten, zum Gefühl, kompliziert zu sein. Wer den eigenen Ausgangszustand nie gekannt hat, kann nicht sagen, was gerade fehlt. Der Satz, der bleibt Am schwersten wiegt in dieser Folge ein Satz, den Susannes Mutter in ihren letzten Monaten gesagt hat: Ich muss mich selber streicheln, mich streichelt ja keiner mehr. Er war nicht sexuell gemeint. Er hieß: für mich selber da sein. Susanne stand daneben und dachte, es tut weh, weil ihre Mutter krank ist. Es tat aber aus einem anderen Grund weh. Ihre Mutter hatte etwas verloren. Susanne hatte es nie gehabt. Heute streicht sie sich manchmal selbst über die Arme. Nicht sexuell, einfach so, im Vorbeigehen. Und es ist fast nicht auszuhalten — nicht weil es wehtut, sondern weil es sich so gut anfühlt, dass es ihr unangenehm ist. An den Armen kommt bei ihr am meisten an. Jeden Tag macht sie das nicht. Manchmal wochenlang nicht. Aber etwas hat sich dadurch verschoben, und in dieser Folge erzählt sie, was. Wenn dich in dieser Folge ein Satz erwischt hat und du ihn noch nicht laut aussprechen willst: Schick die Folge einfach einer Freundin. Ohne ein Wort dazu. Manchmal ist das die ehrlichste Art, etwas zu sagen.
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Ich habe aufgehört anzufangen
Lust nicht annehmen können — Shownotes Episode 002 Es gibt Frauen, die ihre Lust nicht annehmen können, obwohl sie den Mann neben sich lieben. Susanne ist eine davon. Sie hat sich jahrelang erzählt, sie wolle einfach nicht mehr. Und irgendwann gemerkt, dass dieser Satz so nicht stimmt. Es ist Muttertag, ein Sonntagabend, die Kinder sind nicht da. Ein guter Tag, ein guter Mann, ein Bett, in dem alles möglich wäre. Er fängt an. Und in ihr passiert einfach nichts. Kein Ja, kein Nein, kein Vielleicht. Ihr Körper antwortet nicht. Also wartet sie. Und während sie wartet, baut sie im Kopf Sätze zusammen. Sätze für ihn. Wie sage ich es ihm, ohne dass er denkt, es liegt an ihm. Soll ich sagen, ich bin müde. Soll ich noch fünf Minuten liegen bleiben, damit es weniger nach Abweisung aussieht. Ein einziger Satz hätte gereicht. Trotzdem musste dieser Satz erst durch fünf Filter, bevor sie ihn aussprechen konnte. Dabei hat ihr Partner ihr das nie schwer gemacht. Er sagt ihr immer, dass sie es einfach sagen soll, wenn sie nicht will. An diesem Abend ging es aber gar nicht um ich-will-nicht. Es ging um etwas anderes: mein Körper will nicht. Und das ist noch mal eine ganz andere Aussage. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Am nächsten Morgen steht Susanne in der Küche und rechnet nach. Fünf Formulierungen hatte sie in dieser Nacht im Kopf. Alle fünf waren für ihn. Wie geht es ihm damit, was denkt er, wie verpacke ich das so, dass es ihn nicht trifft. Für sich selbst hatte sie keinen einzigen Satz übrig. Nicht einen. Aus dieser Rechnung entsteht die ganze Folge. Dass Frauen die Lust nicht annehmen können, obwohl eigentlich alles stimmt, hat nämlich selten mit dem Partner zu tun. Dahinter steckt eine Frau, die ihre eigene Lust nie als ihre eigene Angelegenheit betrachtet hat. Und die deshalb jahrelang gewartet hat, statt zu entscheiden. Warten fühlt sich dabei harmlos an. Es sieht von außen aus wie Geduld. Tatsächlich ist es die Entscheidung, gar nichts zu entscheiden. Nicht wollen und nicht anfangen sind zwei verschiedene Dinge — der eine Satz klingt wie eine Diagnose, gegen die nichts zu machen ist. Der andere beschreibt eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten sind ein anderes Kaliber. Die Blockade geht in beide Richtungen — Susanne kann nicht mehr selbst anfangen. Sie kann darüber hinaus die Lust nicht annehmen, wenn sie von ihm kommt. Solange sie nur über die eine Hälfte nachgedacht hat, kam sie zu keinem Ergebnis. Annehmen ist kein passiver Vorgang — es sieht aus wie stillhalten, ist es aber nicht. Wer etwas annehmen will, muss ja sagen können. Und dieses Ja kommt aus derselben Stelle wie das Anfangen. Warten ist keine Pause vom Entscheiden — je länger es dauert, desto normaler wird es. Irgendwann ist Warten kein Zustand mehr, sondern die Grundeinstellung. Wenn deine Lust der Beziehung gehört, kommt deine eigene Frage nicht vor — nicht weil du sie verdrängst. Sondern weil sie in diesem System nie vorgesehen war. Susanne behauptet dabei nicht, dass es bei allen so ist wie bei ihr. Sie erzählt, was sie an einem Morgen in ihrer Küche verstanden hat. Und was sich dadurch verändert hat. Nämlich vor allem ein einziges Wort. Wenn du deine Lust nicht annehmen kannst und dir das seit Jahren als Erschöpfung oder als Phase erklärst, dann ist diese Folge für dich. Nicht weil sie dir sagt, was zu tun ist. Sondern weil sie beschreibt, wie sich das von innen anfühlt. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem du im Bett liegst und merkst, dass du dir selbst zuguckst. Seine Hand ist da. Du registrierst sie. Aber sie kommt nicht bei dir an, sie bleibt auf der Haut liegen und geht nicht weiter rein. Wenn du das kennst, ist diese Folge für dich. Warum das Warten das eigentliche Problem ist Susanne hat jahrelang gewartet. Sie hat gewartet, bis der richtige Moment kommt. Sie hat gewartet, bis die Kinder aus dem Haus sind. Vor allem aber hat sie darauf gewartet, dass dieses Gefühl von selbst wieder auftaucht, so wie früher. Das Tückische daran: Warten fühlt sich vernünftig an. Es sieht nach Geduld aus und nach Erwachsensein. Trotzdem ist in dieser ganzen Zeit keine einzige Entscheidung gefallen. Und irgendwann ist Warten kein Zustand mehr, sondern einfach die Grundeinstellung. Deshalb geht es in dieser Folge nicht um Technik und nicht um Timing. Es geht um die Frage, wem deine Lust eigentlich gehört. Denn wenn sie der Beziehung gehört und nicht dir, dann ist die einzig relevante Frage immer, wie es dem anderen damit geht. Wichtig ist dabei eines: In dieser Folge macht der Partner nichts falsch. Er drängt nicht, er macht keine Vorwürfe, er sagt sogar ausdrücklich, dass sie es einfach sagen soll, wenn sie nicht will. Genau das macht die Sache aber nicht leichter, sondern schwerer. Denn dann gibt es niemanden mehr, dem man die Schuld geben kann. Es bleibt nur noch die Frage, was eigentlich mit einem selbst gerade los ist. Anfangen heißt nicht, den Sex zu initiieren Das ist die Stelle, an der die Folge kippt. Susanne hat Anfangen jahrelang als Handlung verstanden. Wer legt die Hand wohin, wer macht die erste Bewegung. Tatsächlich meint Anfangen etwas ganz anderes. Es heißt, überhaupt eine Meinung dazu zu haben, was du willst. Es heißt, dass in dir eine Instanz sitzt, die Lust hat oder keine Lust hat, und die das auch weiß. Bei Susanne ist diese Instanz irgendwann leise geworden. Nicht weg. Nur leise. Und weil sie leise war, hat Susanne sie nicht mehr gefragt. Weil sie sie nicht mehr gefragt hat, wurde sie noch leiser. Das ist ein Kreis, den man nicht sieht, solange man mittendrin steht. Was sich heute verändert hat Nicht viel, ehrlich gesagt. Susanne fängt nach wie vor selten an. Sie legt sich immer noch abends Sätze zurecht und merkt es meistens erst hinterher. Geändert hat sich etwas Unspektakuläres. Sie stellt sich die Frage inzwischen tagsüber. Beim Autofahren, beim Wäscheaufhängen, mittags irgendwann. Nicht abends im Bett, wenn es für eine ehrliche Antwort sowieso zu spät ist. Meistens kommt darauf immer noch nichts. Manchmal aber eben doch. Ganz leise. Und dann weiß sie wenigstens, dass da unten noch jemand sitzt. Was diese Folge liefert, ist eine Unterscheidung. Und die ist größer, als sie klingt: Ich will nicht mehr ist eine Diagnose. Ich fange nicht mehr an ist etwas, das man macht. Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonniere Saftig. in deiner Podcast-App. Die nächste Folge kommt garantiert, und du musst nicht dran denken. Saftig. Endlich sagt es eine.
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Der Tab den ich geschlossen habe
Perimenopause verdrängen — Shownotes Episode 001 Es gibt diesen einen Moment, den fast jede Frau kennt und über den fast keine spricht: Du googelst ein Wort, das gerade zu deinem Leben passt. Du liest zwei Absätze. Und dann machst du den Tab wieder zu. In dieser Folge erzählt Susanne, warum sie die Perimenopause jahrelang verdrängen konnte, obwohl ihr Körper längst etwas anderes gesagt hat. Es geht um Hitze, die sich nicht als Hitze angefühlt hat. Um eiskalte Füße im Hochsommer. Um einen Abend, an dem Susanne die Tür aufreißt und alle anderen frieren. Und um die Frage, die irgendwann nachts im Dunkeln auftaucht und nicht mehr weggeht: Was passiert mit mir? Keine medizinische Frage. Eine Frage nach der Frau, die man zu kennen glaubte. Diese Episode gehört zu den Folgen, in denen es nicht um Hormonwerte geht, sondern um Selbstbild. Denn die Perimenopause verändert nicht nur den Körper. Sie verändert das Bild, das eine Frau von sich selbst hat — und darüber spricht kaum jemand. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Susanne hat das Wort einmal nachgeschlagen und dann acht Jahre lang weggeklickt. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie nicht bereit war. In dieser Episode erzählt sie, wie sich die ersten Veränderungen angefühlt haben, bevor sie einen Namen dafür hatte. Die Wärmflasche bei dreißig Grad. Der Satz, den sie an dem Abend nicht gesagt hat, weil sie ihn selbst nicht hätte erklären können. Und der Moment, in dem ihr klar wurde, dass sie denselben Reflex nicht nur beim Körper hatte, sondern auch bei ihrer Lust. Kurz merken, dass etwas anders ist. Und dann nicht hinschauen. Diese Folge löst nichts auf. Sie beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper anfängt, Dinge zu tun, die keinen Sinn ergeben — und man selbst die Einzige ist, die dabei zuschauen kann. Verdrängen ist nicht Gleichgültigkeit — wer die Perimenopause verdrängen will, ist meistens nicht desinteressiert, sondern schlicht noch nicht bereit. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Der geschlossene Tab hat eine Funktion — er hält die Frau von früher noch einen Tag länger am Leben. Die, die ihren Körper kannte. Die, bei der alles nach Plan lief. Symptome werden oft gar nicht als Symptome erkannt — Susanne hat die Hitze zuerst für Empfindlichkeit der anderen gehalten. Erst viel später kam der Gedanke, dass sie selbst gemeint sein könnte. Kompetenz kann im Weg stehen — Frauen, die sonst alles im Griff haben, räumen weg, was sie nicht reparieren können. Genau die Stärke, die sonst trägt, wird hier zum Problem. Kaputt und verändert sind nicht dasselbe — kaputt heißt, da war mal etwas heil. Verändert heißt, da wird gerade etwas Neues draus. Nur weiß man noch nicht, was. Wer nach Informationen über die Perimenopause sucht, landet fast immer bei zwei Sorten von Texten: medizinischen Erklärungen oder Produktempfehlungen. Was fehlt, ist eine Frau, die einfach erzählt, wie sich das anfühlt. Ohne Diagnose, ohne Lösungsversprechen, ohne den Zeigefinger. Genau das passiert hier. Kein Ratgeber, keine Checkliste, keine Expertin, die dir deinen Körper erklärt. Susanne hat auf die Frage, was da gerade mit ihr passiert, bis heute keine Antwort. Sie erzählt nur, wie es ist, mittendrin zu stehen — und dass niemand von außen draufschauen und sagen kann: so wirst du. Shownotes und Episodendetails Du sitzt vor dem Laptop. Ganz allein in der Wohnung. Und trotzdem fühlt es sich an, als würde gleich jemand über deine Schulter schauen. Genau da fängt diese Folge an. Das Wort, das man nicht sein will Susanne hat die Perimenopause einmal gegoogelt. Zwei Minuten, vielleicht drei. Dann Tab zu. Und dieses Wegklicken ist danach zur Gewohnheit geworden — immer wenn ihr etwas an sich auffiel, das neu war oder komisch. Sie hat sich eingeredet, das sei praktisch. Sie ist schließlich eine, die Dinge erledigt. Nächster Punkt auf der Liste, dann der danach. Erst viel später hat sie gemerkt: Wegschauen sieht von außen aus wie Effizienz. Von innen ist es etwas ganz anderes. Denn hinter dem Wort stand ja nicht nur eine Information. Hinter dem Wort stand eine Frau, die sie noch nicht kannte. Und die wollte sie an dem Tag einfach noch nicht kennenlernen. Wenn der Körper Dinge tut, die keinen Sinn ergeben Vorbereitet war sie auf schlechte Laune. Gekommen ist die Hitze. Und die hat sie zuerst gar nicht als Hitze erkannt — sie hat einfach überall Fenster aufgemacht und gedacht, alle anderen seien empfindlich. In der Folge erzählt Susanne einen Abend, an dem das gekippt ist. Wein, Gespräch, gemütlich. Und mitten in einer Geschichte kommt es hoch, vom Brustbein über den Hals ins Gesicht. Sie steht auf und reißt die Tür auf. Und jemand sagt: Kannst du die bitte wieder zumachen, uns ist kalt. Sie hat die Tür zugemacht. Und den Satz, den sie hätte sagen können, hat sie nicht gesagt. Weil sie dann hätte erklären müssen, was das ist. Und das wusste sie ja selbst nicht. Dazu kommen die Füße. Eiskalt am Abend, so kalt, dass sie sich bei dreißig Grad draußen eine Wärmflasche macht. Oben warm, unten gefroren. Gleichzeitig, am selben Körper. Die Frage, die nachts kommt Was Susanne dabei am meisten durcheinandergebracht hat, war nicht der Körper. Es war, dass ausgerechnet ihr das passiert. Sie ist die, die den Überblick hat. Die, bei der andere anrufen, wenn sie nicht weiterwissen. Und dann steht sie ratlos in ihrer eigenen Küche mit einer Wärmflasche in der Hand. Und irgendwann liegt sie nachts wach und da ist dieser Satz. Ganz leise, nicht dramatisch: Was passiert mit mir? Nicht, welches Hormon gerade was macht. Sondern: was passiert mit mir. Mit der Frau, die sie zu kennen glaubte. Warum das auch mit Lust zu tun hat Der eigentliche Punkt der Folge kommt zum Schluss. Denselben Tab hat Susanne nämlich nicht nur beim Thema Körper geschlossen, sondern genauso bei ihrer Lust. Da hat sich auch etwas verändert, leise und schleichend. Und der Reflex war exakt derselbe: kurz merken, dass etwas anders ist — und dann nicht hinschauen. Kalte Füße lassen sich mit einer Wärmflasche überbrücken. Eine Lust, bei der man jahrelang wegklickt, verschwindet nicht. Sie wird nur immer fremder. Bis man irgendwann nicht mehr weiß, was man überhaupt will, weil man so lange nicht gefragt hat. Wenn dich in dieser Folge ein Satz erwischt hat und du ihn noch nicht laut aussprechen möchtest: schick die Episode einer Freundin. Ohne ein Wort dazu. Manchmal ist das die ehrlichste Art, etwas zu sagen.
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Ich rede über den Rest
Ich rede über den Rest — der Trailer zu Saftig. Deine beste Freundin redet mit dir über alles. Fast alles. Über den Rest redet Susanne — in diesem Podcast über Perimenopause und Lust, über Körper, Begehren und Selbstbild ab Mitte 40. In dieser Trailer-Folge stellt sich Susanne Miel vor. Sie erzählt, wonach sie gesucht und was sie nicht gefunden hat, und warum sie deshalb selbst anfängt zu reden. Das Wichtigste auf einen Blick Sie hat gesucht und nichts gefunden. Alles, was sie über Perimenopause und Lust fand, klang medizinisch, ratgeberisch oder so glatt, dass es sich nicht nach ihrem Leben anfühlte. Es geht nicht um Hitzewallungen. Sondern um das, was sich darunter verändert: das Verhältnis zum eigenen Körper, zur eigenen Lust, zum eigenen Bild von sich. Mittendrin, nicht fertig. Susanne hat Erfahrungen, keine Antworten. Und Fragen, die sie selbst noch stellt. Für Frauen, die nachts wach liegen und sich fragen, was eigentlich gerade mit ihnen passiert. Nicht als medizinische Frage. Als Frage danach, wer sie gerade sind. Shownotes und Episodendetails Du hast nach etwas gesucht. Vielleicht nach einer Erklärung. Vielleicht nach einer Stimme, die sagt: bei mir ist es auch so. Vielleicht bist du hier richtig. Wer ist Susanne? Mitte 40, selbstständig, Mutter, in einer Beziehung. Eine Frau, die irgendwann gemerkt hat, dass ihre Lust sich verändert hat. Nicht weg. Anders. Und dass sie darüber mit niemandem geredet hat — auch nicht mit den Freundinnen, mit denen sie sonst über alles redet. Worum es hier geht Um Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt. Um Sex in einer langen Beziehung. Um den Blick in den Spiegel, morgens. Um das, was man allein macht und nie jemandem erzählt. Und um die Abende, an denen es plötzlich wieder gut ist — die gibt es nämlich auch. Es ist anders geworden. Nicht schlimmer. Ehrlicher. Für wen dieser Podcast ist Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die sich in den letzten Jahren verändert haben und nicht wissen, wohin damit. Die nachts googeln und tagsüber nichts sagen. Abonniere Saftig. bei Apple Podcasts, Spotify oder überall da, wo du Podcasts hörst.
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ABOUT THIS SHOW
Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert.Ich bin nicht kaputt. Ich funktioniere anders als früher. Das hat mir nur nie eine gesagt.Saftig. Endlich sagt es eine.Muttertag, abends. Er fängt an. Mein Körper antwortet nicht. Ich liege da, warte, dass irgendwas kommt, und sortiere im Kopf schon die Sätze, mit denen ich es ihm nachher erkläre. Fünf Sätze hatte ich für ihn. Keinen für mich.Manchmal ist das zum Heulen. Öfter, als ich dachte, ist es zum Lachen. Neulich bin ich nackt durch unseren Flur gelaufen und habe so getan, als wollte ich nur ein Glas Wasser holen. Auch davon erzähle ich.Ich bin Susanne. Ich sage das, was keine sagt. Von Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt — wenn überhaupt. Von Sex in einer langen Beziehung. Vom Blick in den Spiegel, morgens. Davon, wie ich mich selbst befriedige, und warum ich darüber nie geredet habe. Und von den Ab
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Susanne Miel
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