EPISODE · Jun 15, 2026 · 26 MIN
Chronische Gastritis
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🩺 Thema der FolgeChronische Gastritis ist häufig, oft klinisch unspezifisch oder asymptomatisch – entscheidend ist: Sie ist eine histologisch definierte Erkrankung. Die Diagnose wird durch Biopsien gestellt, nicht allein durch Beschwerden oder den endoskopischen Eindruck.📚 EinteilungABC-Klassifikation:• Typ A: autoimmune Gastritis• Typ B: bakterielle Gastritis, meist durch Helicobacter pylori• Typ C: chemisch-toxische GastritisHäufigkeit:• Typ B: ca. 60 %• Typ C: ca. 30 %• Typ A: ca. 5 %Zusätzlich wichtig: Lokalisation im Antrum, Korpus oder als Pangastritis.🔬 DiagnostikZentral:• Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsien• Proben aus Antrum und Korpus, bei Bedarf auch Fundus• Merksatz: Nicht nur schauen, sondern stanzenHelicobacter-pylori-Diagnostik:• Invasiv: Histologie, Urease-Schnelltest, ggf. Kultur/PCR• Nichtinvasiv: Stuhlantigentest, 13C-Atemtest• Serologie nicht gut für die AkutdiagnostikWichtig:• PPI möglichst ca. 2 Wochen vor Testung pausieren• Nach Antibiotika ca. 4 Wochen bis zur Kontrolltestung warten🧬 Typ A – AutoimmungastritisPathophysiologie:• Autoimmune Zerstörung der Belegzellen in Korpus/Fundus• Achlorhydrie• Intrinsic-Faktor-Mangel• Vitamin-B12-Malabsorption• Hypergastrinämie mit Risiko für neuroendokrine TumorenKlinische Folgen:• perniziöse Anämie• makrozytäre Anämie• neurologische Symptome wie Parästhesien, Gangunsicherheit, kognitive Veränderungen• erhöhtes Risiko für MagenkarzinomAssoziationen:• Hashimoto-Thyreoiditis• Typ-1-Diabetes• weitere Autoimmunerkrankungen🦠 Typ B – Helicobacter-pylori-GastritisTypisch:• zunächst meist antrumbetont, später Pangastritis möglich• chronische Entzündung mit Atrophie und intestinaler MetaplasieRelevanz:• Risiko für Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni• Blutungen, Perforationen• erhöhtes Risiko für Magenkarzinom• Assoziation mit MALT-LymphomSymptome:• epigastrische Beschwerden, Übelkeit, Völlegefühl• oft aber lange asymptomatischPraktisch wichtig:• Bei ungeklärter Eisenmangelanämie + Dyspepsie auch an chronische Blutverluste durch Ulzera denken⚠️ Typ C – Chemisch-toxische GastritisAuslöser:• NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen• Gallereflux• Alkohol• RauchenHistologisch typisch:• Ödem, Hyperämie, foveoläre Hyperplasie• wenig entzündliches InfiltratKlinik:• Druckgefühl, Brennen, Übelkeit, Völlegefühl• Risiko für Erosionen, Ulzera und Blutungen erhöht💊 TherapieTyp A:• Vitamin-B12-Substitution, meist parenteral• bei Helicobacter-Nachweis zusätzlich Eradikation• endoskopische Verlaufskontrollen wegen EntartungsrisikoTyp B:• Jede nachgewiesene Helicobacter-pylori-Infektion ist behandlungsbedürftig• Erstlinie: Bismut-Quadrupeltherapie über meist 10 Tage• Eradikationskontrolle nach 4–8 WochenTyp C:• Noxen ausschalten• NSAR kritisch prüfen bzw. absetzen• PPI für meist 4–8 Wochen• bei Gallereflux ggf. Sucralfat• Prokinetika nur zurückhaltend und kurzfristig🚨 Komplikationen• Typ A: Vitamin-B12-Mangel, perniziöse Anämie, neurologische Schäden, Karzinom- und NET-Risiko• Typ B: Ulzera, Blutungen, Perforation, MALT-Lymphom, Magenkarzinom• Typ C: Erosionen, Ulzera, Blutungen, selten Perforation🧠 Take-home-Messages• Chronische Gastritis ist eine histologische Diagnose• Häufigste Form: Typ B durch Helicobacter pylori• Typ A: an Vitamin-B12-Mangel und Autoimmunität denken• Typ C: nach NSAR und anderen Noxen fragen• Helicobacter pylori immer eradizieren – auch bei asymptomatischen Patienten• Ohne ausreichende Biopsien bleibt die Diagnose unsauber
What this episode covers
🩺 Thema der FolgeChronische Gastritis ist häufig, oft klinisch unspezifisch oder asymptomatisch – entscheidend ist: Sie ist eine histologisch definierte Erkrankung. Die Diagnose wird durch Biopsien gestellt, nicht allein durch Beschwerden oder den endoskopischen Eindruck.📚 EinteilungABC-Klassifikation:• Typ A: autoimmune Gastritis• Typ B: bakterielle Gastritis, meist durch Helicobacter pylori• Typ C: chemisch-toxische GastritisHäufigkeit:• Typ B: ca. 60 %• Typ C: ca. 30 %• Typ A: ca. 5 %Zusätzlich wichtig: Lokalisation im Antrum, Korpus oder als Pangastritis.🔬 DiagnostikZentral:• Ösophagogastroduodenoskopie mit Biopsien• Proben aus Antrum und Korpus, bei Bedarf auch Fundus• Merksatz: Nicht nur schauen, sondern stanzenHelicobacter-pylori-Diagnostik:• Invasiv: Histologie, Urease-Schnelltest, ggf. Kultur/PCR• Nichtinvasiv: Stuhlantigentest, 13C-Atemtest• Serologie nicht gut für die AkutdiagnostikWichtig:• PPI möglichst ca. 2 Wochen vor Testung pausieren• Nach Antibiotika ca. 4 Wochen bis zur Kontrolltestung warten🧬 Typ A – AutoimmungastritisPathophysiologie:• Autoimmune Zerstörung der Belegzellen in Korpus/Fundus• Achlorhydrie• Intrinsic-Faktor-Mangel• Vitamin-B12-Malabsorption• Hypergastrinämie mit Risiko für neuroendokrine TumorenKlinische Folgen:• perniziöse Anämie• makrozytäre Anämie• neurologische Symptome wie Parästhesien, Gangunsicherheit, kognitive Veränderungen• erhöhtes Risiko für MagenkarzinomAssoziationen:• Hashimoto-Thyreoiditis• Typ-1-Diabetes• weitere Autoimmunerkrankungen🦠 Typ B – Helicobacter-pylori-GastritisTypisch:• zunächst meist antrumbetont, später Pangastritis möglich• chronische Entzündung mit Atrophie und intestinaler MetaplasieRelevanz:• Risiko für Ulcus ventriculi und Ulcus duodeni• Blutungen, Perforationen• erhöhtes Risiko für Magenkarzinom• Assoziation mit MALT-LymphomSymptome:• epigastrische Beschwerden, Übelkeit, Völlegefühl• oft aber lange asymptomatischPraktisch wichtig:• Bei ungeklärter Eisenmangelanämie + Dyspepsie auch an chronische Blutverluste durch Ulzera denken⚠️ Typ C – Chemisch-toxische GastritisAuslöser:• NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen• Gallereflux• Alkohol• RauchenHistologisch typisch:• Ödem, Hyperämie, foveoläre Hyperplasie• wenig entzündliches InfiltratKlinik:• Druckgefühl, Brennen, Übelkeit, Völlegefühl• Risiko für Erosionen, Ulzera und Blutungen erhöht💊 TherapieTyp A:• Vitamin-B12-Substitution, meist parenteral• bei Helicobacter-Nachweis zusätzlich Eradikation• endoskopische Verlaufskontrollen wegen EntartungsrisikoTyp B:• Jede nachgewiesene Helicobacter-pylori-Infektion ist behandlungsbedürftig• Erstlinie: Bismut-Quadrupeltherapie über meist 10 Tage• Eradikationskontrolle nach 4–8 WochenTyp C:• Noxen ausschalten• NSAR kritisch prüfen bzw. absetzen• PPI für meist 4–8 Wochen• bei Gallereflux ggf. Sucralfat• Prokinetika nur zurückhaltend und kurzfristig🚨 Komplikationen• Typ A: Vitamin-B12-Mangel, perniziöse Anämie, neurologische Schäden, Karzinom- und NET-Risiko• Typ B: Ulzera, Blutungen, Perforation, MALT-Lymphom, Magenkarzinom• Typ C: Erosionen, Ulzera, Blutungen, selten Perforation🧠 Take-home-Messages• Chronische Gastritis ist eine histologische Diagnose• Häufigste Form: Typ B durch Helicobacter pylori• Typ A: an Vitamin-B12-Mangel und Autoimmunität denken• Typ C: nach NSAR und anderen Noxen fragen• Helicobacter pylori immer eradizieren – auch bei asymptomatischen Patienten• Ohne ausreichende Biopsien bleibt die Diagnose unsauber
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